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2026-01-08

Carl Zeiss Jena Sonnar 135 mm f/4

Zusammen mit der Exa 500 bekam ich neulich auch dieses Schätzchen geschenkt. Es handelt sich um das zahlenmäßig erfolgreichste Wechsel- bzw. präziser Zusatzobjektiv von Carl Zeiss Jena, gerechnet und gebaut ab ca. 1932 zunächst für die Contax, dann nach dem 2. Weltkrieg in verschiedenen Wechselfassungen und Design-Versionen. Angeblich wurden bis 1988 in Jena 470.000 Exemplare gebaut, die meisten davon allerdings in der ab Ende der 1960er leicht verbesserten Version mit f/3.5 (bei nahezu gleichem Linsenschnitt). Nicht eingerechnet sind die Kopien, hauptsächlich das optisch identische Jupiter 11, was in der Sowjetunion bis Mitte der 1990er in ähnlicher (oder noch größerer) Anzahl produziert wurde. Aber auch in Japan wurden entsprechend konstruierte Nikkore, Takumare und andere Abkömmlinge in hohen Stückzahlen gebaut. Insgesamt dürften die Zahl derart gebauter 135er durchaus 7-stellig gewesen sein.
Erfunden bzw. gerechnet wurde dieses Objektiv ca. 1930 von Ludwig Bertele, der auch schon das berühmte Sonnar 5 cm f/1.5 erschaffen hat. Obwohl beide Male Sonnar drauf steht und trotz einiger anderer Gemeinsamkeiten handelt es sich beim Teleobjektiv um eine eigenständige Konstruktion. Charakteristisch ist seine verglichen mit der Brennweite verkürzte Bauweise und der Aufbau aus nur vier Linsen, wovon Nr. 2 und Nr. 3 auch noch verkittet sind (4/3 Linsen/Gruppen). Die außergewöhnlich dicke Blei-Flintglas-Linse im Zentrum macht solche Tele-Sonnare vergleichsweise schwer. 

Bertele rechnete dieses Objektiv noch zu Zeiten als die Antireflexvergütung noch nicht erfunden war und jeder Glas-Luft Übergang zu ungewünschten Reflexionen und damit Kontrastverlusten führte. Mit nur 4 Linsen und 6 Glas-Luft Übergängen schuf er durch geschickte Kombination der Glassorten und Linsenradien ein technisches Meisterwerk, bei dem die wesentlichen Abbildungsfehler Astigmatismus, Koma, Farbfehler und Bildfeldwölbung so gut wie eliminiert sind bei gleichzeitig hervorragenden Auflösungs- und Kontrastwerten bereits bei offener Blende.

Spätere Optimierungen (von Bertele selbst und anderen) nutzten dann die (Mehrschicht-) Vergütung und neue Glassorten, um die Lichtstärke sowie die Abbildungsleistungen noch weiter zu erhöhen, bzw. noch kompaktere und leichtere Teleobjektive zu bauen. Dazu wurde die Verkittung meist wieder aufgelöst (4/4), die Grundkonstruktion aber im wesentlichen beibehalten. Im Januar 1937 wurde eine von Bertele selbst durchgeführte Optimierung (vermutlich inkl. der Vergütung) in die Produktion überführt. Diese Konstruktion wurde dann bis Frühjahr 1965 unverändert produziert.

Mein Exemplar hier stammt von 1967, besitzt eine hauptsächlich aus Aluminium bestehende Fassung im klassischen Zebra-Design der 1960er und natürlich die einfache Vergütung der Linsen, erkennbar am blauen Schimmer. Carl Zeiss Jena hatte im Frühjahr 1965 eine Optimierungsrechnung mit anderen/besseren Glassorten durchgeführt und damit die Lichtstärke leicht auf f/3.5 erhöht. Das entsprechende Update ging dann im April 1965 in Produktion. Interessanterweise wurde kurze Zeit später noch ein Los (22.000 Exemplare) einer f/4-Version (ebenfalls neu gerechnet) mit Exakta- Bajonett gebaut, was bis 1969 im Programm war. Ich denke, ich habe ein solches hier vor mir…


Datenblatt Erfolgreichstes KB-Wechselobjektiv von Carl Zeiss Jena und Archetyp vieler mittlerer Teleobjektive mit 135 mm Brennweite.
Kamera-Anschluss Exakta-Bajonett, auch erhältlich für M42 und andere Anschlüsse.
Fokussierung Manuell, kürzeste Distanz 1 m.
sonst. Ausstattung Filtergewinde 49 mm
Maße, Gewicht ca. 94 x 66 mm, 395 g. 
Baujahr(e) ca. 1932 - 1988, in dieser Form 1965 -1969. Dieses #8248555 von 1967.
Kaufpreis, Wert heute ca. 200 Mark, heute ca. 50€
Links ZeissIkonVEB, Wikipedia (DE), Wikipedia(EN), Klassik-Cameras, 
Bei KniPPsen weiterlesen Sonnar 5cm f/1.5, CZJ Tessar 40 mm, Isconar 135 f/4, Paul Rudolph, Piere Angénieux und Harry Zöllner

2022-06-26

Deutsche Objektivproduktion 1925 bis 1942 in Zahlen

Objektivproduktion (Anzahl) der führenden 7 deutschen Produzenten für hochwertige Optik im Zeitraum von 1925 bis 1942. Daten abgeleitet von Seriennummersequenzen.

Die obige Grafik und die dazugehörige Excel-Tabelle schlummert schon länger auf meinem Computer, sind diese Daten doch ein Nebenprodukt meiner Recherchen zu Seriennummern. Sie finden sich in anderer Form in meinem kleinen Altersbestimmungswerkzeug hier links oben am Rand. Ich habe mich bisher gescheut, sie so zu veröffentlichen, weil die Datenbasis nicht komplett ist. 

Die gezeigten führenden 7 deutschen Objektivhersteller repräsentieren zwar den Großteil der höherwertigen Objektivproduktion im betrachteten Zeitraum. Für ein komplettes Bild fehlen aber mindestens die Firmen E. Ludwig, ENNA, Staeble und C. Friedrich (für die Jahre vor 1925 und nach 1945 wären noch viel mehr Hersteller zu betrachten). Bis jetzt ist es mir aber nicht gelungen mehr Details über diese kleineren Produktionen zusammen zu bekommen. Ich schätze ihren Beitrag zur Gesamtproduktion im obigen Zeitraum auf ca. 1 - 1.5 Millionen Objektive. Unter den Balken oben verbergen sich zum Vergleich 8.5 Millionen. 

Was außerdem fehlt ist Deutschland's größter Kamerahersteller: Das Agfa-Kamerawerk in München, welches inklusive der Vorgängerfirma Rietzschel bis zum 2. Weltkrieg ca. 7 Millionen Kameras mit eigenen Objektiven produziert und verkauft hat. In dieser Zahl sind zum großen Teil einfachste Boxkameras enthalten. Auch von anderen Herstellern gab es solche aus deutscher Produktion. Deren Objektive sind meist nicht extra nummeriert und entziehen sich somit einer getrennten Analyse.

Trotzdem kann man an dieser Stelle mal alles zusammensetzen und kommt größenordnungsmäßig auf ca. 20 Millionen Kameras bzw. Objektive aus Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Verteilung dieser 20 Mio folgt dem Muster der obigen Grafik: ca. 1/4 (5 mio) in den ersten 30 Jahren mit stetigem Wachstum der Industrie, inkl. ein paar schwierigen Jahren im 1. Weltkrieg. Dann die Weltwirtschaftskrise mit dem großen Einbruch im deutschen Krisenjahr 1932. In den späten 1920er Jahren    passiert zusätzlich einiges in der Fotoindustrie, was den Grundstein für den phänomenalen Kameraboom ab 1933 (3/4, also ca. 15 mio in nur 9 Jahren) legt: 1) die wirtschaftliche Konsolidierung, Zeiss Ikon geht aus einigen kleinen und angeschlagenen ehemaligen Konkurrenten hervor, Agfa etabliert sich als DER deutsche Filmhersteller und kauft Rietzschel, Kodak kauft Nagel; 2) Rollfilme werden technisch so gut, dass die bisher marktbeherrschenden Plattenkameras ab 1930 zu Ladenhütern werden, Leitz zeigt der Welt wie Hightech Kleinbild geht; 3) in vielen Fotofirmen kommt eine innovative Generation junger Ingenieure ans Ruder und löst die Gründergeneration aus den 1890ern ab. Sie erfinden und trauen sich an neue Dinge, z.B. Kleinbildkameras, Bakelit, oder billige Boxen für die Jugend. Der Boom der 1930er kommt ja bekanntlich wegen des von Deutschland ausgehenden Weltkriegs zu einem jähen Ende. Fast die gesamte Produktion wird ab 1941 Kriegsgüter herstellen, die Innovationen der 1930er (Farbfilm, Vergütung, Blitz, etc.) werden dann zu einem zweiten, noch größeren Boom in den 1950ern führen, aber das ist eine andere Geschichte…

2020-09-05

Canon Zoom FDn 35-70 mm 1:4

Mit meiner Canon A-1 kam ein interessantes Objektiv, das selbst ein paar Worte verdient hat. Canon war kein früher Pionier bei Zoom-Objektiven, hat aber spätestens seit Anfang der 1970er Jahre gerade in diesem Segment bei den Objektivherstellern ganz oben mitgespielt und vielfach auch den einen oder anderen neuen Standard gesetzt. Damit haben sie Zoom-Objektiven überhaupt erst zu der allgemeinen Akzeptanz verholfen, die sie heute noch haben. Dieses Objektiv ist ein sehr schönes Beispiel dafür.
Frühe Zoomobjektive boten bis auf die Tatsache, dass der Fotograf nicht mehr das Objektiv für verschiedene Bildwinkel wechseln musste, eigentlich nur Nachteile: Sie waren teuer, schwer und groß (manchmal schwerer und teurer als zwei entsprechende Festbrennweiten zusammen), oft lichtschwach.
Linsenschnitt des 35-70 f/4, ausgeführt in 
zwei jeweils gegenläufig verschiebbaren
Gruppen.  
Was aber am meisten schmerzte waren die Kompromisse, die man bei den Abbildungsleistungen machen musste. Gerade beim letzten Punkt hat Canon Pionierarbeit geleistet. Ihr FD 35-70 mm f/2.8-3.5 von 1973 gilt als das erste Standardzoom, das es von den Abbildungsleistungen mit den gängigen Festbrennweiten aufnehmen konnte. Es war zwar immer noch relativ schwer und teuer, aber den Bildern sah man das Zoom nicht mehr an. In den folgenden Jahren arbeiteten die Hersteller auch an den äußeren Dimensionen und dem Preis  und so bot Fuji als erster Hersteller im Jahr 1977 eine SLR zusammen mit einem kompakten Zoom als Standard an (Fuji AZ-1 mit Fujinon 43-75). 
Die anderen folgten natürlich und auch Canon brauchte ein preiswertes, leichtes und dennoch optisch gutes Standardzoom für ihre Megaseller AE-1 und A-1. Herausgekommen ist dieses FDn 35-70 mm f/4 mit der grundsätzlich ähnlichen optischen Konstruktion wie der alte Star von 1973, allerdings etwas lichtschwächer. Außerdem wurden einige Teile in Plastik statt Metall ausgeführt und damit wurde es nur noch etwas größer und schwerer als ein 50 mm Normalobjektiv. Angeblich sind sogar die Abbildungsleistungen nochmal etwas besser als der Ahn. Tatsächlich bescheinigen auch neuere Tests an Digitalkameras dem Objektiv exzellente Ergebnisse über den ganzen Brennweitenbereich.
Eine Sache ist recht eigenartig (und vielleicht einzigartig?) bei diesem Zoom. Es behält stets seine externen Maße. Sowohl Zoomen als auch Fokussieren passieren innerhalb der äußeren Hülle, die am vorderen Ende aus dem Fokusring besteht. Da die Frontlinse je nach Einstellung mehr oder weniger hinter dem Entfernungsring verschwindet, fungiert dieser daher auch als Sonnenblende. Lediglich bei 35 mm Brennweite und 50cm Entfernung (nächstmögliche Einstellung) kommt die Frontlinse soweit raus, dass man einen Filter aufschrauben kann. 

Datenblatt kompaktes Standardzoom mit sehr guten Abbildungsleistungen
opt. Konstruktion 8 einzeln stehende Linsen in 2 Zoomgruppen, Typ Drehzoom
Blende f/4-f/22 in halben Stufen einrastend, 6 Blendenelemente
Vergütung Mehrschicht (Super Spectra Coating)
Filtergewinde 52 mm, dreht sich mit Fokus. Innerhalb des Fokusrings, keine größeren Filterhalter oder z.B. Linearpolfilter möglich.
bekannte optische Schwächen  tonnenförmige Verzeichnung bei 35mm, sonst ohne größere Schwächen, scharf bei allen Brennweiten.
Bajonett  Canon new FD, mit Entriegelungstaste am Objektiv
Maße, Gewicht ca. 87mm x 63 mm Durchmesser, 305 g
Baujahr(e) 1979-1983
Kaufpreis, Wert heute 45.000 Yen (1979), ca. 30€
Links Ken Rockwell, Canon Camera Museum, Olypedia, MIR, Canon Classics

2018-12-01

Voigtländer Zoomar 36-82 mm f/2.8


Ein echter Meilenstein der Fotogeschichte: Das erste Zoomobjektiv für eine Kleinbildkamera hieß Voigtländer Zoomar und hat der ganzen Gattung auch noch seinen Namen verpasst. Davor hießen diese Konstruktionen Variofokus-Objektive oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch Gummilinsen. Zunächst wurden sie ab den 30er und 40er Jahren für Film- und Fernsehproduktionen verwendet, hier waren die Abbildungsleistungen im Vergleich nicht ganz so sichtbar und wichtig wie beim Einzelbild.

Die Firma Voigtländer kann sich unbestritten mit diesem technischen Meilenstein schmücken. Allerdings ist nicht ganz klar, wie sie an das Schätzchen gekommen sind. Aus eigener Entwicklungsabteilung oder gar Initiative stammt es jedenfalls nicht. Vater dieses Objektives war ein ursprünglich österreichischer Ingenieur namens Frank Gerhard Back, der 1938 vor Nazis floh und in den USA eine neue Bleibe fand. Dort gründete er schließlich die Firma Zoomar Inc., entwickelte ein optisch kompensiertes Variobjektiv für Fernsehkameras und erhielt dafür am 23.11.1948, also genau vor 70 Jahren, ein Patent (siehe Patentliste unten in der Tabelle). Vario-Objektive für Film- und später Fernsehkameras gab es da schon seit einiger Zeit, allerdings genügten diese keinesfalls den hohen optischen Ansprüchen des "unbewegten Bildes", sprich der klassischen Fotografie.
A true milestone in the history of photography: The first zoom lens for a 35 mm camera was called Voigtländer Zoomar and actually made the term zoom popular. Previously, these designs were called variofocals or, in common parlance, rubber lenses. First examples appeared in the 30s and 40s and were used for film and later television productions. For those purposes imaging performance is not as quite visible and important as for the still image.

The company Voigtländer can indisputably adorn itself with this technical milestone. However, it is not clear how they came to the baby. In any case, it wasn't their own development department or even initiative. The father of this lens was an originally Austrian engineer named Frank Gerhard Back, who fled from Nazis in 1938 and found a new home in the USA. There he finally founded the company Zoomar Inc., developed a visually compensated zoom lens for television cameras and received on November 23, 1948, more or less exactly 70 years ago, a patent (see patent list below in the table). Variofocal lenses for film and later television cameras have been around for some time, but these were by no means sufficient for the high optical demands of the "still image", that is, the classic photography.

Optisches Design aus US-Patent 2,913,957. Auf den Markt
kam eine leicht verbesserte Version. 
  Optical design from patent US 2,913,957. An improved
version was launched on the market later. 
 

Hier hat Frank Back unbestritten Pionierarbeit geleistet, in dem er während der nächsten ca. 10 Jahre sein Konzept zu dem hier beschriebenen Objektiv weiterentwickelt und natürlich wieder patentiert hat. In der Tat hat er nicht nur die optischen Anforderungen für das anspruchsvolle Kleinbildformat nahezu getroffen, sondern das Objektiv hatte damals schon die heute noch bemerkenswerte Öffnung von f/2.8 und das über den gesamten Brennweitenbereich. Dieser erstreckte sich auch noch vom Weitwinkel bis in den leichten Telebereich, bisherige Fernseh- oder Film-Varios waren nur Telezooms. Mit den 62° Bildwinkel war es das "weitwinkeligste" Variofokusobbjektive, das bis dahin gebaut wurde. Um diese optische Herausforderung zu meistern ist ihm sicherlich auch entgegengekommen, dass die Vergütungstechnik für optische Linsen zu dieser Zeit Einzug in die Herstellung fand. Ohne diese Antireflexbeschichtung wäre ein solches Objektiv mit so vielen Elementen schlicht unmöglich gewesen.
Frank Back undoubtedly was a pioneer: during the next about 10 years he further developed and improved his concept to eventually yield this lens described here. Of course he filed for patents again. In fact, he does not almost met the optical requirements for the demanding still picture (35 mm film), the lens already had the quite remarkable open aperture of f/2.8 and this even over the entire focal length range. This also reached from wide angle to the light telephoto, previous TV or movie variofocals were just tele-zooms. 62 degrees angle of view at this time was the "widest angle" zoom built until then for any format. In order to master this optical challenge, it certainly came to the fore that lens anti-reflex coating found its way into production at that time. Without this anti-reflective coating such a lens with so many elements would simply have been impossible.

Frank Back mit Albert Einstein  Albert Einstein and Frank Back 
Das Jahr 1958 muss für Frank Back sehr arbeitsreich gewesen sein. Am 27. Juni reichte er zeitgleich zwei Patente für das Objektiv ein, eines über die mechanische Konstruktion, das andere über Details des optischen Aufbaus. Gleichzeitig müssen schon die Vorbereitungen für die Serienfertigung gelaufen sein, die ab 1959 bei der Firma Kilfitt in München stattfand. Diese produzierte wiederum im Lohnauftrag für Voigtländer in Braunschweig. Leider ist nichts über die Umstände bekannt, wie und warum diese Kooperation zustande kam oder wer wieviel daran verdient hat. Am Ende jedenfalls hat Heinz Kilfitt seine Firma dann 1968 an Frank Back verkauft. Das Voigtländer Zoomar wurde jedenfalls am 10. Februar 1959 der erstaunten Öffentlichkeit auf der internationalen Camera show in Philadelphia vorgestellt. Hier gab es auch erstmals die Nikon F und andere SLR aus Japan zu sehen. Am 19.2.1959 reichte Frank Back beim Patentamt noch das verbesserte optische Design ein, das dann auch in Produktion ging. Hier kamen spezielle hochbrechende optische Gläser zum Einsatz.
The year 1958 must have been very busy for Frank Back. On June 27, he simultaneously filed two patents for the lens, one about the mechanical construction, the other about details of the optical design. At the same time, the preparations for serial production must have been going on. Assembling started in 1959 at the company Kilfitt in Munich. They in turn toll produced it under a contract for Voigtländer in Braunschweig, Germany. Unfortunately, nothing is known about the circumstances, how and why this three-way cooperation came about or how the profits were shared. Eventually, Heinz Kilfitt sold his company to Frank Back in 1968. The Voigtländer Zoomar was presented to the public on February 10, 1959 at the International Camera Show in Philadelphia. This show also featured the Nikon F and other SLRs from Japan. On February 19, 1959, Frank Back filed another patent about the improved optical Design, which then went into production. This was utilizing special highly refractive optical glasses.

Das Zoomar im Vergleich zu seinen Voigtländer Alternativen, um diesen Brennweitenbereich abzudecken.  The Zoomar in comparison to its prime lens alternatives from Voigtländer, to cover this focal length range. 
Das Objektiv selbst ist ein ganz schöner Klotz, zumindest verglichen mit zeitgenössischen Objektiven. Auch preislich war es Anfang der 60er nur etwas für wohlhabende Fotoamateure oder eben Profis. Nimmt man allerdings die drei Objektive, die es ersetzen kann, zusammen, relativieren sich Preis und Gewicht wieder etwas. Wegen des hohen Preises wurden nur ca. 15000 Exemplare produziert, die meisten wohl mit dem DKL-Bajonett in der Voigtländer-Version. Allerdings gab es von Anfang an auch eine Version für die Exakta, später kam noch M42 hinzu. Heute ist es ein gefragtes Sammlerstück, man findet aber regelmäßig Angebote auf e-bay. Ich habe über die letzten Jahre immer mal wieder mitgeboten, allerdings mit recht knappem Budget. Nun endlich hatte ich Glück, eines günstig zu ergattern. Natürlich brauchte ich auch noch die entsprechende Kamera dazu, wie ich schon berichtet habe.
The Lens itself is a pretty heavy block, at least compared with contemporary lenses. Also, only wealthy photo amateurs or professionals were able to afford its price. But if you take the three Lenses that it can replace together, price and weight can be put into perspective again. Because of the high price, only about 15,000 copies were produced, most of them with the DKL mount in the Voigtländer version. However, from the beginning there was also a version for the Exakta mount, later M42 was added. Today it is a highly searched after collector's item, but you will regularly find offers on e-bay. Over the last few years, I have offered again and again, but with a tight budget. Finally, I was lucky enough to get a cheap one. Of course, I also needed the corresponding camera , as I've already reported.


Datenblatt Erstes Zoomobjektiv für 35mm Spiegelreflexkameras
optische Daten 36-82 mm Brennweite, kontinuierlich verstellbar. Bildwinkel: 62° - 30°. Konstante Öffnung f/2.8 über gesamten Brennweitenbereich. Kürzeste Entfernung 1,30 m.
optische Konstruktion 14 Linsen in 11 Gruppen, Fokussierung durch Frontlinse, Gruppen 2, 3 und 6 gemeinsam verschiebbar zur Brennweiteneinstellung. Alle Linsen einfach vergütet.
Kamera-Anschluss DKL-Bajonett in Voigtländer Bessamatic Version. Auch erhältlich mit Exakta Bajonett oder M42-Schraubanschluss.
sonst. Ausstattung Mitgeliefertes Zubehör: 2 Nahlinsen (Focar A+B), UV-Filter, Gelbfilter, Gegenlichtblende inkl. Klemmring, Drehscheibe zur Berechnung der Tiefenschärfe. 
Maße, Gewicht Ø 86 mm x 123 mm, 837g (DKL Voigtländer)
Baujahr(e) 1959-1968 (ca. 15.000 Exemplare), dieses #6690569 von 1965
Kaufpreis, Wert heute 795 DM (1959, DKL), 845 DM (andere Anschlüsse). US$ 250 (USA), ca. 200€ (D)
Patente Alle vom Erfinder Frank G. Back (Anmeldedatum, Patenterteilung):
US2,454,686 (30.7.1946, 23.11.1948, Grundprinzip); US2,913,957 (27.6.1958, 24.11.1958, optisches Design); US2,902,901 (27.6.1958, 8.9.1959, mechanisches Design); US3,014,406 (19.2.1959, 26.12.1961, verbessertes optisches Design).
Links Manual (english), Wikipedia, Camera-Wiki, Rick Oleson DKL-Bajonett, Kilfitt.org, Klinterklater, Ernst Giger, UKCamera, Popular Science Jan 1964, Test in ePhotozine, Frank Back in Wikipedia, Zoom Lens History, 
Bei KniPPsen weiterlesen Bessamatic Deluxe, Zoomar, DKL Kameras und Objektive, Kodak Retina Reflex S, Zentralverschluss SLR, Friedrich Voigtländer.
Data Sheet First zoom lens for still cameras (35 mm SLR)
optical data 36-82 mm focal length, continuously switchable. Angle of view: 62° - 30°. Constant full aperture f/2.8 for entire focal length range. shortest distance 4.3 ft (1.30 m).
optical construction 14 elements in 11 groups, focussing with front element. Groups 2, 3 and 6 move lineary together for focal length change. All elements have a simple anti-reflex coating.
camera mount DKL-mount, Voigtländer Bessamatic type. Available also with Exakta mount or M42-screw mount.
misc. features Supplied accessories: 2 close-up lenses (Focar A + B), UV filter, yellow filter, lens hood incl. Clamping ring, turntable for calculating depth of field.
size, weight Ø 86 mm x 123 mm, 837g (DKL Voigtländer)
Year(s) of Production 1959-1968 (ca. 15,000 copies), this unit #6690569 from 1965
Original Price, Today's Value 795 DM (1959, DKL), 845 DM (other mounts). US$ 250 (US), about 200€ (Germany)
patents All filed by Inventor Frank G. Back (filing date, patent granted on):
US2,454,686 (7/30/1946, 11/23/1948, basic princple); US2,913,957 (6/27/1958, 11/24/1958, optical design); US2,902,901 (6/27/1958, 9/8/1959, mechanical design); US3,014,406 (2/19/1959, 12/26/1961, improved optical design).
links Manual (english), Wikipedia, Camera-Wiki, Rick Oleson DKL-Bajonett, Kilfitt.org, Klinterklater, Ernst Giger, UKCamera, Popular Science Jan 1964, Test in ePhotozine, Frank Back in Wikipedia, Zoom Lens History, 

2018-10-10

Fujinon Z 43-75 mm f/3.5-4.5


Manchmal muss eben der Zufall helfen: Ich war eigentlich nur auf der Suche nach einem Fujinon (Standard-) Objektiv für das einsame Fujica ST801 Gehäuse, dass ich als kleinen Meilenstein für meine Sammlung erworben hatte. Natürlich hätte ich auch andere M42-Objektive anschrauben können, aber die haben ja nicht die besondere Fujica-Offenblend-Variante. Außerdem wollte ich nicht mehr als 20€ ausgeben und das schränkt die Auswahl an Angeboten schon ein. 5 Monate und einige Versuche hat es dann gedauert, bis ein ebay Händler mein Angebot von 15€ für dieses Schätzchen hier angenommen hat.
Ich ahnte da noch nicht, dass ich hier einen zweiten Meilenstein ergattert habe. Zusammen mit der Fujica AZ-1 war es 1977 nämlich das erste Zoomobjektiv, das als Standardobjektiv mit der Kamera zusammen verkauft wurde. Es ist tatsächlich (zumindest bei 75mm) so kompakt wie ein Normalobjektiv und muss wohl auch optisch eine ganz gute Figur machen. 
Zoomobjektive für KB-SLR gab es Ende der 1970er Jahre schon fast 20 Jahre, angefangen hat es mit dem Voigtländer Zoomar 36-82 mm f/2.8 im Jahr 1959. Dieses war ein ziemliches Monstrum und auch die optischen Qualitäten ließen zu wünschen übrig, so dass es für entsprechende Festbrennweiten eigentlich keine Konkurrenz war. Anfang der 1960 brachten die Kamerasystemhersteller zunächst Telezoomobjektive. Diese waren zumindest ebenso groß und schwer wie entsprechende Festbrennweiten und ihre optischen Leistungen fielen gegenüber dem bisher gewohnten nicht ganz so stark ab. Als erster Hersteller wagte sich dann 1963 Nikon an ein relativ kompaktes Standard-Zoom: Zoom-Nikkor Auto 43-86 mm f/3.5 , zunächst als fest eingebautes Objektiv in der Nikkorex Zoom, dann aber auch als F-Objektiv. 
Von Ken Rockwell ist es als Nikon's optisch schlechtestes Objektiv bezeichnet worden und da ist wohl auch was dran. Nikon selbst hat es dann 1976 komplett neu gerechnet, die zweite Version war dann wohl OK. Mitte der 1970er kamen dann auch die anderen Hersteller mit neuen Standard-Zooms. Canon hat anscheinend mit ihrem FD 35-70 f/2.8-3.5 S.S.C. aus dem Jahr 1973 gezeigt, dass auch sehr gute optische Leistungen möglich sind. TTL-Messung und auch die ersten Zeit- und Blendenautomatiken machten die variierende Anfangsöffnung akzeptabel, höher empfindliche Filme ermöglichten auch recht lichtschwache (3.5-4.5), dafür dann aber kompakte und ordentliche Standardzooms. Warum sich Fuji für 43 mm als Startbrennweite entscheiden hat, bleibt wohl ihr Geheimnis. Aber sie waren die ersten, die sich getraut haben, das Zoom als Standardobjektiv mit der Kamera zu verkaufen. Ein Modell was, wie wir wissen Schule gemacht hat, heute nennt man sowas Kit-Objektiv.  
Das Fujinon (rechts) im Vergleich zum Nikkor 43-86 (links) und dem kompakten Nikkor 35-70 f/3.5-4.5 von ca. 1986. Interessanterweise ist das Fuji-Objektiv am kompaktesten bei 75 mm, während das alte Nikkor eingefahren 43mm Brennweite hat. Das jüngste hier ist bei der mittleren Brennweite von 50mm am kürzesten. 

Erstaunlicherweise findet sich fast nichts zu Zoomobjektiven und deren historische Entwicklung im Netz. Eine kurze und ganz gute Zusammenfassung bietet die englische Wikipedia. Ich werde weiter schauen und mir dieses Kapitel vielleicht mal vornehmen.

2018-10-05

M42 Fujica Variante


Das M42 Objektivgewinde (eigentlich M42x1mm, Auflagemaß: 45.46mm) war lange Zeit DER Standard zum Anschluss von Wechselobjektiven an Spiegelreflexkameras. Eingeführt 1949 für die Contax S sowie spätere Praktica Kameras wurde es lange Zeit auch Praktica-Gewinde genannt. Weltweit populär wurde es auch durch die Verwendung durch Asahi Pentax (damals japanischer Marktführer) und anderen Herstellern, die sich kein umfangreiches eigenes Objektivprogramm leisten konnten oder wollten und gerne auf die riesige Auswahl an verfügbaren Objektiven verwiesen. Mit der Praktica F.X2 kam 1956 die automatische Springblende (zu erkennen am kleinen silbernen Pin). Dieses Update kam wohl noch früh genug, um allgemein auch von allen anderen Herstellern angenommen und damit zum Standard zu werden.    
Was dann nicht mehr geklappt hat, war einen Standard für die Offenblend-Belichtungsmessung abzustimmen. Hier kochte dann jeder Hersteller sein eigenes Süppchen, um der Kamera irgendwie die am Objektiv eingestellte Blende mitzuteilen, ohne vor dem Auslösen abzublenden. Während Pentacon bei der Praktica LLC auf elektrische Kontakte setzte, beruhen alle anderen Lösungen auf mechanischer Übertragung: 1968: Pentacon Super, 1970: ZeissIkon Ikarex TM,  1971: Olympus FTL, Pentax ES, 1972: Fujica ST-801, 1974: Mamiya MSX 1000.
Hier ist also die Fujica-Variante, realisiert durch einen maximal 1mm breiten Mitnehmer am Blendenring des Objektives, der einen Ring rund ums Kameragewinde schiebt, gekuppelt durch einen ebenfalls winzigen Pin. Weil ja beim M42-Gewinde das Objektiv nicht immer gleich fest "angezogen" wird, rastet es bei Fujica nun ein. Zum Abnehmen des Objektivs muss wieder entriegelt werden. Es kommt fast Bajonett-Feeling auf! 


Das Ganze ist abwährtskompatibel, das heißt, andere M42-Objektive können (ohne Offenblendfunktion) an der Fujica-Kamera verwendet werden. Allerdings verhindert der etwas überstehende Blendenmitnehmer die Verwendung von entsprechenden Fujinon-Objektiven an vielen anderen M42-Kameras. Bei meiner Praktica LTL3 jedenfalls ging es nicht.

2018-08-05

Retrofocus vs. Flektogon, Piere Angénieux und Harry Zöllner


Piere Angénieux, *14.07.1907 +26.06.1998Harry Zöllner, *29.01.1912 +30.12.2007

35 mm f/2.5 R1 Retrofocus
(Patent US 2,649,022
eingereicht am 29. Juli 1950)
Flektogon 35 mm f/2.8
(Patent DD10604A1 vom 8.3.1953 bzw.
Patent DE953471C vom 20.12.1953)
Nach längerer Zeit endlich wieder ein Beitrag über Photopioniere. Diesmal ist es ein Doppelportrait, allerdings nicht von sich gegenseitig inspirierenden Kollegen, die gemeinsame Sache machen (so wie bei Godowsky/Mannes oder Willmanns/Schneider), sondern zwei Konkurrenten, die quasi gleichzeitig und unabhängig voneinander dieselbe Erfindung machen und auch -natürlich mit Hilfe anderer- umsetzen.
Die Erfindung, das ist ein Weitwinkelobjektiv mit längerer Schnitt- als Brennweite für die Verwendung an den immer populärer werdenden Spiegelreflexkameras, denn der Spiegel brauchte ca. 38 mm Extraplatz im Strahlengang. Bis 1953 mussten sich SLR-Fotografen mit 40 mm Weitwinkel bescheiden. Realisiert werden konnte das mit Hilfe einer (oder mehrerer) relativ großen Zerstreuungslinse(n) vor dem 5-6 linsigem Basisobjektiv. Damit kommt die optische Hauptebene hinter der letzten Linse zu liegen. 
Beide Erfinder arbeiteten zunächst an der bei Messsucherkameras sehr populären Brennweite 35 mm. Dies geschah in den Jahren 1950 bis 1953, der Franzose war nach den Daten auf den Patenten etwas früher dran, dafür gab es vom Flektogon 1950 eine erste Kleinserie. Kaufen konnte man beide Objektive  von Mitte/Ende 1953 an. Man kann eigentlich davon ausgehen, dass sie zunächst selbst nichts von der jeweiligen Arbeit des anderen gewusst haben, Angéniuex's Patent wurde erst nach Einreichen desjenigen von Zöllner veröffentlicht.   

Britisches Patent GB 355 452 von 1930.
Erfinder ist Horrace William Lee von Kapella Ltd.
Gewusst aber haben beide sicherlich vom damals schon 20 Jahre alten Patent des Briten Lee. Dieser hatte die eigentliche Idee schon beschrieben. Zweck der Erfindung damals waren allerdings Kinoobjektive für Farbkameras mit Strahlenteilerprisma. Auch diese benötigen wie die späteren Reflexspiegel mehr Platz im Strahlengang als mit klassischer (symmetrischer) Objektivkonstruktion zur Verfügung steht.
Angénieux und Zöllner haben aber keineswegs abgeschrieben. Die Technologie war Anfang der 50er Jahre natürlich weiter, es gab neue und andere Glassorten und auch die Antireflex-Beschichtung (Vergütung) war endlich erfunden und erlaubte andere Freiheitsgrade bei der Konstruktion. Beide hatten ernorme Mengen von Formeln zu kalkulieren, damals alles per Hand und mit Hilfe von Logarithmentafeln und Rechenschieber. Auch hatten sie Hilfe von Rechnern, damals ein Beruf und noch keine Maschine. Interessanterweise waren diese Retrofokus-Weitwinkel die letzte Klasse von Objektiven, die noch ohne Computerhilfe designed wurden. Schon ab 1954 hatte Harry Zöllner und sein Team bei Carl Zeiss Jena die OPREMA (OPtik REchen MAschine) zur Verfügung, der erste arbeitsfähige in der DDR gebaute Computer. Auch Pierre Angénieux hat sicherlich später Computer benutzt, ansonsten wären seine Pionierleistungen zu Zoomobjektiven nicht möglich gewesen. 
Die Biographien der beiden ähneln sich. Der Franzose ist 5 Jahre älter, beide waren aber jung genug, um nicht als Soldaten im ersten Weltkrieg gegeneinander kämpfen zu müssen. Interessanterweise waren beide auch im 2. Weltkrieg nicht Soldat, sondern haben während der Kriegsjahre schon Objektive gerechnet. Zumindest bei Zöllner weiß man, dass er wegen dieser auch für die Rüstung wichtigen Aufgabe nicht selbst Soldat werden musste. Details zu ihren Lebensläufen können hier nachgelesen werden: Zöllner, Angénieux. Trotz der sehr ähnlichen Ausbildung und sicherlich auch Begabung, hört es mit den Parallelen irgendwann systembedingt auf. Angénieux macht sich schon 1935 selbständig, und weil die Firma irgendwann seinen Namen trägt, ist er heute der bekanntere der beiden. Er wurde als Anerkennung seiner Leistungen Mitglied der Ehrenlegion und bekam sogar zwei Oskars. Aber auch Harry Zöllner, der zeit seines Lebens Angestellter blieb und schließlich sogar bei seinem ersten Arbeitgeber 1977 auch in Rente ging, erhielt einige Ehrungen. 
Ob sie sich beide je persönlich getroffen haben, konnte ich nicht rausbekommen. Es ist vermutlich unwahrscheinlich, obwohl nach dem Mauerfall noch ein paar Jahre Gelegenheit gewesen wäre. Auf jeden Fall hat ihre Erfindung von 1950 die Entwicklung der Spiegelreflex-Systeme enorm vorangebracht. Schnell hatten auch andere Hersteller Retrofocus Weitwinkel im Programm. Beide Firmen hatten zunächst natürlich die Nase vorn und entwickelten erfolgreich weitere 28mm, 24/25mm und sogar 20mm Typen. Der Begriff Retrofocus wurde von Angenieux zunächst als seine Marke gebraucht, leider hatte er sich diese nicht schützen lassen, etwas was er zeitlebens bereut hat.



2017-08-14

Carl Zeiss Sonnar 5cm f/1.5


Ich hatte es bei meinem Post zur Contax II schon dezent angedeutet: Neben der Kamera selbst ist natürlich das Objektiv der Star, quasi der Meilenstein am Meilenstein. Das Carl Zeiss Sonnar, insbesondere in der Lichtstärke f/1.5, war in den 1930er Jahren DAS Hochleistungsobjektiv schlechthin. Man kann die Leistung seines Designers Ludwig Bertele und die Bedeutung dieser Erfindung für die Fotographie nicht hoch genug einschätzen.  
Die Ausgangslage bezüglich Objektivdesign war für den jungen Bertele eigentlich ganz gut. Schon ein paar Jahre vor seiner Geburt wurde das Hauptproblem der fotografischen Abbildung - der Astigmatismus - durch Taylor und seinem sog. Cooke-Triplet grundsätzlich gelöst. Um es kurz zu machen: Diese geschickte Kombination von zwei Sammel und einer zentralen Zerstreuungslinse bildet als ganzes wie eine Sammellinse ab, wobei sich die Abbildungsfehler der Einzellinsen aber im wesentlichen gegenseitig aufheben. Leider funktioniert das nur bis zu einer gewissen Lichtstärke, bei ca. 3.5 oder größer wird es unschön, besser blendet man auf 5.6 oder gar 8 ab. 
Natürlich versuchte man, durch Einfügen weiterer Elemente und die Verwendung hochbrechender Gläser lichtstärker zu werden ohne die Abbildungsleistung zu stark zu opfern. Der erste wirklich nennenswerte "Lichtriese" war das Ernostar f/2, entwickelt mit nur 4 Linsen von eben jenem Ludwig Bertele im Alter von nur 23 Jahren. 
Allerdings stiegen zur selben Zeit mit dem Aufkommen der Kleinbildkameras auch die Anforderungen an die Abbildungsleistung. Außerdem treibt man mit dem Einfügen zusätzlicher Linsen für Abbildungsleistung und Lichtstärke quasi den Teufel mit dem Belzebub aus. Jeder zusätzlicher Glas-Luft Übergang bedeutet Streuverluste, die mit Kontrast- und Lichtverlust einhergehen. Was also tun? Bertele lieferte die Antwort, in dem er Linsen "verkittete", am besten solche mit unterschiedlichen Glas (bzw. Brechungsindex). Schon in den 1920er Jahren verbesserte er bei Ernemann seine Ernostar-Objektive dadurch. Spätestens seit 1926 als Ernemann von Zeiss Ikon (und damit auch Bertele) übernommen wurde, verfeinerte er und das Team bei Zeiss die Technik dazu immer mehr und verkittete nicht nur zwei, sondern später sogar drei Linsen miteinander. Man kann also sagen, dass diese Technik den Objektivdesignern einen neuen Freiheitsgrad verschaffte. 
Das Sonnar f/1.5 von 1933 ist also quasi der Gipfel dieser Entwicklung, denn Bertele war es gelungen ein komplexes System aus 7 Linsen wieder zu einem Triplet zu gruppieren. Die Abbildungsleistung war derart gut, dass nur bis ca. 2.8 abblenden muss, um das Optimum rauszuholen. Fotografen und betuchte Amateure schwärmten und begründeten den legendären Ruf des Namens Sonnar. 
Die Entwicklung ging natürlich weiter und das bezeichnenderweise ebenfalls bei Zeiss Ikon in Jena. Im Jahre 1935 patentierte Alexander Smakula, ein (gleich alter) Kollege von Bertele die "Antireflexbeschichtung" oder "Vergütung" optischer Linsen. Auch das Sonnar wird später mit vergüteten Linsen gebaut und von Zeiss mit dem roten T* vermarktet, aber das wird vielleicht mal Thema eines anderen Posts. Allerdings macht die heutige Technik der Mehrschichtvergütung sehr komplexe Objektivkonstruktionen mit wieder einer größeren Zahl von freistehenden Gruppen möglich. Verkittung von einzelnen Linsen wird zwar noch angewendet, aber eher selten. 
Mein Sonnar hier von 1938 ist noch unvergütet und ich werde bei Gelegenheit mal Testfotos machen und auch hier zeigen. Für alle die weiterlesen wollen seien Frank Mechelhoff's exzellente Seiten empfohlen. 

2014-07-13

Zoom Nikkor Auto 43-86 mm f/3.5

Anfang der '60er Jahre waren Zoomobjektive gerade frisch auf dem Markt und auch Nikon versuchte sich hier. Das allererste Zoom allerdings war 1959 das Voigtländer Zoomar 36-82mm f/2.8. Nikon konterte zunächst mit zwei Tele-Zooms (85-250 f/4-4.5 und 200-600 f/9.5-10.5). 1961 wurde ein 35-80mm f/2.8-4 angekündigt, dann aber doch nicht gebaut. 1963 erschien dann, zunächst fest eingebaut in der Nikkorex Zoom, dieses Objektiv mit höchst seltsamen Brennweitenbereich. Während meiner aktiven Zeit als Nikon Amateur hat es mich nie angesprochen, als Sammler nun finde ich es durchaus interessant. Nach dem Fund der Nikkorex F habe ich mich auf dem Kameramarkt nach einem zeitgemäßen Objektiv umgeschaut. Das eigentliche Normalobjektiv Nikkor-H 50 mm f/2 war nicht zu bekommen, da habe ich mich für das Zoom hier entschieden. Ein paar Nikkorex F Fotografen dürften es in den 60ern in Kombination eingesetzt haben.


Auch wenn Nikon es als Meilenstein lobt, ist das Objektiv nach Meinung einiger angeblich Nikon's schlechteste optische Konstruktion (siehe auch hier). Ob es letztendlich Nikon's Ruf geschadet hat, möchte ich bezweifeln. Nikon hat 1976 selbst gehandelt und die optische Konstruktion von 9 Elementen in 7 Gruppen auf 11 Elemente in 8 Gruppen grundlegend umgestellt und damit einige der optischen Schwächen behoben. 


Trotz aller zugegebenen Schwächen war es für Nikon ein Bestseller. Immerhin blieb es 19 Jahre lang (von 1963-1982) im Verkaufsprogramm. Laut Roland's Nikon pages wurden in vier Versionen insgesamt 432. 603 Objektive gebaut:
Und es ist kein Scherz: Die Seriennummern starten mit 438601, mein Exemplar ist eines der letzten der ersten Serie und stammt von ca. 1973.

VersionLinsen/GruppenSeriennummernBaujahre
Zoom-NIKKOR Auto 43-869/7438601-5542611963 - 1974
Zoom-NIKKOR C 43-869/7 Multicoated570001-6254801974 - 03/1976
Zoom-NIKKOR 43-86 11/8 774071-80597611/1975 - 1977
Zoom-NIKKOR 43-86, AI11/8810001 - 10486141977 - 03/1982

2014-04-27

Super-Takumar 55 mm f/2

Zur Spotmatic SP gehört natürlich auch ein entsprechendes Normalobjektiv, welches ich extra erworben habe. Dieses hier ist die dritte Version des Objektives und wurde von 1971-1973 gebaut, zu erkennen am extra Hebelchen im M42-Gewinde für Offenblendmessung an den späten Spotmatic F und ES II. Asahi hat im Laufe der Zeit verschiedene sehr ähnliche Varianten ihres meist mit den Kameras zusammen verkauften Standardobjektives gebaut, sie unterscheiden sich z.B. an der Form und Richtung des Blendenrings. Das optische Design aus 6 Linsen in 5 Gruppen (ein sehr typischer "Doppel-Gauss") blieb aber immer gleich. Auch das noch häufiger anzutreffende 55 mm f/1.8 ist wohl die exakt gleiche Konstruktion und wurde nur als etwas lichtstärker vermarktet. 


2014-04-16

Irisblende - Pentacon auto 50 mm f/1.8

Mit meiner Praktica LTL3 kam ein Pentacon auto 50 mm f/1.8 Normalobjektiv. Es besitzt eigentlich eine automatische Springblende, nur leider sprang nichts mehr beim Druck auf den kleinen Metallstift, der aus dem M42-Gewindeanschluss herausragt. Im Gegensatz dazu bewegten sich die Blendenlamellen schon, wenn man langsam am Blendenring drehte. Zusammen ein eindeutiges Zeichen für altes und im Laufe der Zeit verharztes Schmieröl. Da hilft nur eines: Objektiv auseinanderschrauben und die Blendenlamellen in Waschbenzin baden und vom alten Fett befreien. Neues Öl sollte man gar nicht erst verwenden, es schadet mehr als es nutzt. 

Ich habe noch kein anderes Objektiv gesehen, wo man so leicht an die Blende herankommt wie bei diesem. Mit drei Schrauben ist der Gewindeanschluss ab, der auch die sonsige Übertragungsmechanik trägt. Drei weitere Schrauben halten den hinteren Teil (3 Linsen) des Objektives. Man kann die sechs Gewinde oben im Bild gut erkennen. Das ganze hat mich keine 5 Minuten gekostet, die Blendenlamellen lassen sich mit einer Pinzette leicht herausheben und nach etwas Üben auch wieder einsetzen. Bei der letzten Lamelle ist etwas Fummelarbeit gefragt, hier muss man die erste anheben und die andere darunter plazieren. Jetzt fluppt alles wieder wie früher...
Das Objektiv hat eine lange Produktionsgeschichte. Es is ein typischer Doppel-Gauss und kam Anfang der '60er als Meyer Oreston auf den Markt und wurde vom VEB Pentacon bis in die '90er als Standardoptik zur Praktica B-Serie gebaut. Es ist nach dem 20 mm Flektogon mein 2. Objektiv in M42 Fassung. Mehr zu M42 demnächst...

2013-12-02

Olympus XA


Hier mal wieder ein echter Meilenstein der Kamerageschichte. Der vierte Geniestreich von Yoshihisa Maitani nach Olympus PEN (1959), Olympus PEN F (1963) und Olympus OM1/OM2 heißt Olympus XA. Das Ding sieht zumindest in geschlossenem Zustand so gar nicht wie eine Kamera aus, ist aber die kleinste Messucher-(!) Kamera für das Kleinbildformat und hat dabei noch einiges an Features eingebaut. Das Design ist konsequent auf Jacken- oder sogar Hosentaschentauglichkeit ausgelegt, die stabile Kunststoffhülle läßt keinerlei Bereitschaftstasche vermissen und der ovale Objektivschutzschieber schmeichelt im geschlossenen Zustand den Händen. 
Maitani hat trotz der vorgegebenen Kompaktheit, die Zeit seines Designerlebens erklärtes Ziel war, eigentlich kaum Kompromisse gemacht. Das Objektiv durfte trotz 35 mm Brennweite bei f/2.8 nicht aus der nur 39.5 mm tiefen Kamera herausragen, von Filmebene bis Frontlinsenspitze wurden es am Ende sogar nur 33.6 mm. Eine harte Nuss, die Olympus' Objektivdesigner Toshihiru Imai und Yoshisada Hayamizu durch eine "reverse Retrofokus"-Konstruktion lösten. Es war das erste Mal, dass so etwas für ein Weitwinkelobjektiv verwendet wurde. Um dennoch exzellente Abbildungseistungen zu erzielen, mussten hochbrechende Gläser her. Das Ergebnis überzeugt, wie z.B. dieser Test beweist. Damit nicht genug: Wegen des Objektivschiebers durfte sich natürlich auch nicht der Auszug beim Fokussieren verändern. Innenfokussierung war die Lösung, die XA war die erste kommerzielle Kamera, bei der dieses Prinzip in einem eingebauten Objektiv angewendet wurde. 

Olympus schärfster Wettbewerber war die Minox 35 Serie, die tatsächlich kleinste Vollformat-35 mm Kamera, allerdings ohne Messucher! Olympus brachte im Laufe der Jahre noch weitere XA-Modelle, um im Wettbewerb zu bestehen, was durchaus gelang. Interessanterweise sind die "Nachfolger" XA1 bis XA4 allesamt schlechter ausgestattet als die originale XA. Kein Modell hatte mehr den Messsucher und auch die Objektivkonstruktion wurde einfacher. Die XA1 war ein seltsamer Rückschritt in die 60er Jahre mit Selenzelle, ein Einstiegsmodell mit alter EE-Technologie im XA Gehäuse. Die XA2, später zur XA3 upgegraded war das kommerziell erfolgreichste Modell. Die XA4 hatte ein 28mm Weitwinkel und eine Naheinstellgrenze von nur 30 cm und wurde konsequent als Makro-Kamera beworben. Alles das kann man auf DER XA Website nachlesen, auch hier nimmt die einzig wahre, sprich originale XA den meisten Raum ein.


Meine XA habe ich als defekt für $15 auf einem Kamera-Flohmarkt gekauft, ohne Batterie konnte ich dort auch nicht nachprüfen, was alles funktioniert und was nicht. Nach etwas Basteln (es gibt ein Repair-Manual im Netz) und Einsetzen von zwei 675er Hörgeräte-Batterien (funktioniert, die Kameraelektronik braucht >2.2V) habe ich sie inzwischen fotografierbereit. Lediglich das Drehspulelement zur Nadelanzeige der Verschlusszeit im Sucher verweigert seinen Dienst, der Verschluss arbeitet aber anscheinend korrekt. Bei Gelegnheit werde ich mal einen Film verknippsen.

Datenblatt kompakte automatische KB-Sucherkamera
Objektiv F.Zuiko 35 mm f/2.8 (6 Linsen in 5 Gruppen, reverser Retrofokus).
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss, stufenlos 10s bis 1/500s, automatisch nach Blendenvorwahl.
Belichtungsmessung eingebaut(CdS), 25-800 ISO/ASA.
Fokussierung Manuell mit Schieber unter dem Objektiv bis 2.8ft (0.9m), Messsucher als präzise Scharfstellhilfe.
Sucher Messsucher, eingespiegelter Bildausschnitt mit Parallaxenmarkierungen, Nadelanzeige der Verschlusszeit auf der linken Seite.
Blitz externer Systemblitz A11 zum Ansetzen an die linke Kameraseite, Blitzautomatik bei Blende 4 oder manuelle Blendeneinstellung nach Leitzahl und Entfernung.
Filmtransport Daumenrad, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Kombischalter für Gegenlichtkorrektur (+1.5), Batterietest und Selbstauslöser, Stativgewinde, Objektivschutzschieber schaltet Kamera aus.
Maße, Gewicht ca. 102/65/40 mm, 225g.
Batterie 2 x LR44/SR44 oder kompatible (2.2-3V)
Baujahr(e) 1979-1985
Kaufpreis, Wert heute ¥35,800 US$165 300DM (1979), ca. US $50-$150
Links Instruction Manual (E, G, F, S), DIAXA (XA Fan website), Olypedia, Review from Modern Photography 1979, A11 flash manual, XA at Japan Camera Hutner, Matt Denton,Karen Nakamura,Cameraquest