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2023-11-19

Braun Paxette electromatic II

Die Paxette electromatic II war Braun's klammheimliches Eingeständnis an Agfa, dass die Optima mit ihrer Interpretation von Vollautomatik ein Volltreffer war und die eigene erste electromatic am Kundenwunsch vorbei geplant war. Der Rechtsstreit mit Agfa über die Verwendung des Begriffs vollautomatisch war verloren und auch die Kunden hatten trotz des deutlich höheren Preises sich für die teurere, weil bessere Kamera entschieden. 
Erste "wirklich vollautomatische" Kamera (electromatic, links) 
 neben Braun's erster richtiger vollautomatischer Kamera. Die jüngere
rechts ist bei sonst gleichem Gehäuse ein paar Milimeter höher.   
Auch wenn die Zielgruppe der electromatic (I) die fotografischen Laien waren, so ließen sich diese doch nicht für dumm verkaufen. Ein im Zweifel unscharfes Fixfokus-Objektiv sowie Fehlbelichtungen wegen des nur knapp 5 Lichtwertstufen großen Belichtungsspielraums sind halt starke Argumente gegen die erste Version der electromatic. 
Bei dieser zweiten Version, die dann 1960 endlich in die Läden kam, machten die Braun-Ingenieure dann alles richtig. Es gab ein lichtstärkeres Objektiv (Rodenstock-Ultralit** 2.8/40), das jetzt auch fokussiert werden wollte, wofür neben den üblichen Meter- und Feet-Skalen noch zwei Symbole (Gruppe, Portrait) vorhanden waren, bei denen es sogar einrastete. Die Entfernung zum Objekt musste allerdings geschätzt werden, immerhin gab es um das Objektiv herum eine gut abzulesende Tiefenschärfeskala. Und, Braun setzte nicht mehr auf die eigene (preiswerte) Implementierung der automatischen Blendensteuerung, sondern kaufte Vollautomatik in Form des Prontormat-S-Verschlusses von Gauthier zu. 

Blick durch den Sucher mit Leuchtrahmen und
Parallaxenmarkierung. Ganz oben wird die vom
belichtungsmesser ermittelte Zeit-Blenden-Kombi
eingespiegelt, ändern kann amn daran nichts.
Es handelt sich um einen Lichtwertverschluss, der ein festes Programm von Blenden- und Zeitkombinationen abfährt und mit einem einzigem, dem gemessenen Lichtwert entsprechenden Steuersignal auskommt. Wenn der Verschluss gespannt ist und auf der Wahlstellung "Auto" steht, kann man (mit ein bisschen Augen verrenken) am oberen Rand des sehr großen und hellen Sucherbildes die vom Belichtungsmesser gewählte Zeit-Blendenkombination ablesen. Das Drehspulelement bewegt dazu eine transparente Folie, deren eingeprägte Zahlen entsprechend in den Sucher eingespiegelt werden. 
Die Filmempfindlichkeitseinstellung (10-400 ASA, bzw. 11-27 DIN) gelingt mit einem kleinen Drehrädchen und verstellt das gesamte Drehspulelement, wirklich pfiffig gelöst. Ob jetzt der Verschluss tatsächlich das sinnvoll gestufte Programm dieser festen Zeit-Blenden-Kombinationen benutzt, oder eher der im Diagramm gestrichelten kontinuierlichen Linie folgt, konnte ich an meinem Exemplar nicht zweifellos klären. Ich vermute eher ersteres, da auch beim manuellen Einstellen der Blende  (dazu gleich mehr) diese sich in Stufen verstellt. 

Im Sucher angezeigtes Programm des Prontormat-S
Lichtwertverschlusses. Mit über 10 Lichtwertstufen 
und den gewählten Stufen ist dieser sehr praxistauglich.
Der Verschluss kennt neben der automatischen Lichtwert-Steuerung (Stellung des Drehrings um das Objektiv mittig auf "Auto") noch zwei manuelle Modi. Dreht man den Ring eine Drittel-Drehung nach rechts gelangt man zu "B", dargestellt durch eine grüne Blendenskala von 2.8-22. Dreht man 120° nach links, kommt eine entsprechende rote Blendenskala zum Vorschein, begleitet durch die Blitz-Verschlusszeit, vermutlich 1/30s. 
Damit wird auch klar, dass es zwei Sätze von jeweils 5-Lamellen gibt, die eigentliche Blende liegt dabei direkt hinter den Verschluss-Lamellen. Das ist nicht selbstverständlich, gibt es doch spätere Automatikverschlüsse, die nur einen Satz Lamellen verwenden und jeweils nur bis zur gewünschten Blende öffnen.   
Interessanterweise gibt es bei der Kamera keinen Mittenkontakt (Hot-Shoe) mehr, sondern eine gewöhnliche Blitzbuchse. Ob auch hier Braun den Kunden so viel Innovation nicht zumuten wollte, oder ob die Verlegung des Kabels in die Deck-Kappe einfach technisch zu komplex war? Vielleicht beides.
Die Paxette electromatic II neben der mehr als ein Jahr früher erschienenen Agfa Optima, deren technische Spezifikation sie im Wesentlichen teilt. Die Braun hat den besseren Sucher, ist deutlich kompakter und läßt sich mit einer Hand bedienen, während die Agfa den linken Zeigefinder für die magische Taste und den rechten zum Auslösen braucht. Die Optima erreichte von 1959 bis 1961 und einem Preis von 238 DM ca. eine halbe Million Kunden, während die electromatic II bei 297 DM wohl nur ca. 10-20 tausendmal gekauft wurde. 

Die "II" ist (außer der Luxusversion der "I" mit Krokodilleder) vermutlich die seltenste der gesamten electromatic-Serie. Neben der II gab es parallel noch die ähnlich gut ausgestattete electromatic III, die mit dem Prontormatic-Verschluss (1/30 bis 1/500 s) ausgestattet war, der volle manuelle Einstellung erlaubte und alternativ die automatische Blendensteuerung nach Zeitvorwahl anbot. Ich stütze meine Vermutung auf der Tatsache, dass man heute mehr IIIer als IIer auf dem Gebrauchtmarkt (ebay) zu sehen bekommt. Es gab übrigens noch eine abgespeckte electromatic IIs genannte Version, die das bekannte Fixfokus 5.6/40 mm Objektiv, aber sonst die gleiche Funktionalität wie die II hatte. Was das sollte, bleibt mir schleierhaft, vielleicht mussten die auf Lager liegenden Fixfokus-Objektive weg...? 


Mit meinem Exemplar habe ich ein echtes Schnäppchen gemacht. Während der Recherche zur electromatic (I) lief sie mir über den Weg, ich habe mal 10 € (inkl. Versand!) geboten und den Zuschlag bekommen. Sie war allerdings als defekt beschrieben, der Verschluss klemmte. Ich habe allerdings keine 10 Minuten gebraucht, um das wieder hinzukriegen. Die beiden Frontglieder vom Objektiv lassen sich recht einfach entfernen, mit einem Wattestäbchen und etwas Waschbenzin löste sich der mit den Jahrzehnten verklebte Verschluss schnell. Zu meiner Freude funktioniert der Selenbelichtungsmesser noch sehr passabel, die angezeigten Lichtwert-Kombinationen stimmen. Allerdings habe ich immer noch Zweifel an der richtigen Blendeneinstellung im Automatik-Modus, mal sehen, ob ich mich hier nochmal dranmache. Ansonsten zeigen die Fotos den Top-Erhaltungszustand. Vermutlich hat sie die letzten 50 Jahre meist im Dunkeln und geschützt in einer Bereitschaftstasche zugebracht.

Datenblatt kompakte Kleinbildkamera mit Belichtungsautomatik 
ObjektivRodenstock-Ultralit** 40 mm f/2.8, vergütetes Triplet (?)
Verschluss Prontromat-S von Gauthier, Lichtwert-Zentralverschluss 1/30 -1/300 s, B, Blitzsynchronzeit 1/30s. 
Belichtungsmessung Bertram Selen Belichtungsmesser, Trap-Needle-Lichtwertautomatik LW 8  bis 17.5, Filmempfindlichkeit 10-400 ASA, bzw. 11-27 DIN.
Fokussierung Frontlinsen-verstellung manuell, minimale Entfernung 1 m. Einrastende mit Symbolen markierte Entfernungen für Gruppe und Portrait.
Sucher Großer optischer Sucher mit Leuchtrahmen. Einspiegelung der Zeit-Blenden-Kombination, roter Balken bei zu wenig Licht.
Blitz PC-Buchse, kein Mittenkontakt im Zuberhörschuh.
Filmtransport Schnellschalthebel (Ein Schwung pro Bild), ähnlicher Hebel auch zum Rückspulen. Bildzählwerk (rückwärts)
sonst. Ausstattung Zubehörschuh, Stativgewinde 1/4‘‘, keine Gurtösen, Drahtauslösergewinde, Tiefenschärfeskala am Objektiv
Maße, Gewicht ca. 111x88x60 mm, 671g
Baujahr(e) 1960-1964 ca. 20,000 Exemplare, s. Text. Diese hier #467645 von 1962
Kaufpreis, Wert heute297 DM, heute je nach Zustand 40-60€.
Links Camera-Wiki, Braun Kameraliste, Collection appareils, 
Bei KniPPsen weiterlesen Geschichte der Belichtungsautomatik, Geschichte des heißen Schuhs, Agfa Optima, Lichtwertverschluss, Braun Paxette Ib, Braun Paxette Automatic Super III, Braun Colorette Super IIL

**Ultralit scheint eine Marke von Braun selbst zu sein. Es gibt neben diesem von Rodenstock auch von Enna und Staeble hergestllte Braun-Objektive dieses Namens als auch später (Projektions)Objektive ohne Herstellerbezeichnung.

2023-11-12

Braun Paxette electromatic

Im letzten Jahr habe ich hier die Geschichte der Belichtungsautomatik in 16 Beispielen erzählt. Das Jahr 1959 spielt dabei eine zentrale Rolle, in dem mehr oder weniger gleichzeitig einige Kameras mit diesem Feature erscheinen. Insbesondere ist die Agfa Optima zu nennen, die als die erste wirklich erfolgreiche Automatikkamera gelten darf. Ich habe mich also daran gemacht, auch ihre direkten Konkurrentinnen aus dem Jahr mal genauer unter die Lupe zu nehmen. 
Der neben Agfa andere Pionier zum Thema in Deutschland war das Carl Braun Camera-Werk in Nürnberg. Ihre Paxette electromatic genannte Kamera kam wohl etwas später als die Optima auf den Markt und so feuerte Brauns Marketingabteilung aus allen Rohren und bewarb die Neue als Die erste und einzige wirklich vollautomatische Kleinbildkamera der Welt. Brauns Argument: Bei der Optima musste der Fotograf noch die Entfernung (und die Filmempfindlichkeit) einstellen, das entfiel wegen des lichtschwachen Fixfokus-Objektivs (40 mm f/5.6) bei der electromatic. Dass deren Verschluss auch nur eine Verschlusszeit hat (ca. 1/40 s) und nur Filme mit einer Empfindlichkeit (17/18 DIN, 40/50 ASA) verwendet werden konnten, blieb dezent unerwähnt, machte die Kamera aber immerhin deutlich preiswerter als die Optima (168 DM vs. 238 DM).
  
Blick auf Verschluss und Blenden-
Hebel, der bei Auslösung die
Blende im Objektiv anhand der 
Helligkeit mehr oder weniger schließt
Agfa hat das so nicht auf sich sitzen lassen und einen Rechtsstreit mit Braun begonnen, um zu klären, was als vollautomatisch bezeichnet werden darf. Immerhin kontrollierte die Optima sowohl Verschlusszeit als auch Blende automatisch, ein Modus der später tatsächlich Vollautomatik bzw. Programmautomatik genannt wurde. Laut Walter Zellner in seinem Buch Die Kameraherstellung bei Carl Braun in Nürnberg (2004, Selbstverlag), das ich mir im Rahmen dieser Recherche zugelegt habe, hat Agfa diesen Rechtsstreit gewonnen und Braun sich verpflichtet, den Begriff erste vollautomatische Kamera nicht mehr so in Druckschriften zu verwenden. 

Wegen der festen Verschlusszeit ist die electromatic tatsächlich ein Blendenautomat, natürlich nach der 1959 schon über 20 Jahre alten Kodak'schen Trap-Needle Methode. Das Ganze ist allerdings eine technisch recht elegante, weil kompakte  Eigenentwicklung von Braun. Man verwendete einen Selen-Belichtungsmesser von Bertram (Bewi) und einen Einfachverschluss von Gauthier (Prontor). Erst ab 1960 boten sowohl Gauthier (Prontormat-S) als auch Deckel (Compur) Verschlüsse an, die speziell für entsprechende Belichtungsautomaten vorgesehen waren. 
Zweite Variante mit Rückspulschieber
 und Schraube im ursprünglichen
 Loch des Rückspulknopfes

Dass die Kamera 1959 wohl etwas übereilt und noch nicht komplett fertig entwickelt auf dem Markt erschien, mache ich an der Tatsache fest, dass es insgesamt 3 Varianten gibt, die alle eine eigene Kadlubek-Nr. bekommen haben (BRA1065, BRA 1066, BRA1070), sich aber nur in Kleinigkeiten unterscheiden. Die erste Variante ist oben auf der Anzeige abgebildet und insbesondere an dem Rückspul(entsperr)knopf zu erkennen, der hinter dem Auslöser auf der Gehäuseoberseite sitzt. Vermutlich haben einige Kunden sich beschwert, weil sie versehentlich auf den falschen Knopf gedrückt und den Schnappschuss verpasst haben. 
Braun hat reagiert und für Variante 2 den Rückspulknopf elegant in einen unscheinbaren Rückspulschieber verwandelt, der nur wenige Millimeter von der ursprünglichen Stelle entfernt nun aber auf der Rückseite der Kamera zu finden ist. Außerdem hat diese zweite Variante einen gedruckten Hinweis auf der Filmandruckplatte (siehe Bild unten), dass tatsächlich nur 17 oder 18 DIN-Filme zu verwenden sind. Auch hier dürften sich Kunden wegen Fehlbelichtungen beschwert haben.

Erst die dritte Variante, erschienen im Frühjahr 1960, räumte mit der Einschränkung nur einer Filmempfindlichkeit auf. Rechts unten am Objektiv gab es nun einen kleinen Schieber, beschriftet mit 16-18-21 DIN, bzw. bei der Exportversion 10-32-64 ASA. Das ist interessanterweise technisch nicht das selbe, spiegelt aber wohl die in den entsprechenden Märkten am häufigsten verfügbaren Filmtypen wider. Realisiert wurde das durch einen "verbesserten" Verschluss, der nun drei Zeiten beherrscht (Walter Zellner vermutet 1/40, 1/60 und 1/120 s), die aber sonst nirgends offiziell dokumentiert sind. Diese Variante wird im Laufe des Jahres 1960 in Paxette electromatic I umbenannt, man findet aber auch noch Exemplare bei denen nur electromatic auf der Kappe graviert ist.  

abgeschraubtes Objektiv mit simpler Blendenkupplung, man beachte die schon vorgesehene Lücke für den späteren DIN-Hebel Datumstempel (25.8.59) auf Belichtungsmesser Dieses kompakte Gehäuse und solide Mechanik war die Basis für alle 
electromatic Modelle bis 1964
Die "I" deutet schon das Erscheinen der besseren Modelle "II" (ab 1960) und "III" (ab 1961) an. Die Paxette electromatic II erreicht mit dem Prontormat-S-Verschluss (Lichtwertverschluss, 1/30 - 1/300 s) und einem fokussierbaren Ultralit 40 mm f/2.8 endlich die Spezifikation der Agfa Optima, kostete aber mit 297 DM sogar deutlich mehr als diese. Bei der Paxette electromatic III konnte der Fotograf nun dank des Prontormatic-Verschlusses die Verschlusszeit (bis 1/500 s) sowie die Filmempfindlichkeit unabhängig von einander wählen, die Kamera steuerte dazu die Blende. 

Die "I" wurde ab Anfang 1962 durch die Paxette electromatic Ia ersetzt, die nach wie vor den Dreizeitenverschluss und die automatische Blendensteuerung der "I" hatte. Allerdings war das Objektiv nun ein fokussierbares Rodenstock Trinar L 2.8/40, das sogar über ein spezielles Bajonett durch das optional erhältliche Tele-Rotelar 4.0/75 ausgetauscht werden konnte. Entsprechend gab es zwei Leuchtrahmen im Sucher.

Die electromatic hatte bei ihrem Erscheinen noch ein unscheinbares damals sehr seltenes Feature, den Zubehörschuh mit Blitz-Mittenkontakt, kurz Hot-Shoe genannt. Interessanterweise wird das von Braun kaum marketingtechnisch ausgeschlachtet. Ich habe die Geschichte des heißen Schuhs hier schon erzählt. Die Kamera war nicht die erste damit, markiert für mich aber den Beginn der Verwendung dieses Features bei den main-stream Kleinbildkameras. Es gab von Braun zunächst ein passendes "Spezialblitzgerät" für 18 DM (für Blitzbirnchen), später auch den Paxitron T 50, einen Elektronenblitz mit LZ 36 (138 DM). 

War die Kamera erfolgreich? Walter Zellner spricht von erheblichen Stückzahlen. Leider gibt es keine offizielle Produktionsdokumentation, ich versuche mich aber hier mal auf Basis gesichteter Seriennummern an einer Schätzung: Scheinbar verwenden alle oben genannten electromatic-Versionen (inkl. II und III etc.) das selbe Grundgehäuse und entsprechend den selben Seriennummernkreis. Die niedrigste von mir erspähte Zahl war eine 397xxx (electromatic Variante 1), die höchste eine 516xxx (electromatic II), das macht ca. 120.000 Kameras in den ca. 5 Jahren Bauzeit. Die meisten davon (ca. 60-70 Tausend) dürften auf das einfache Einsteigermodell hier entfallen, das mit seinem attraktiven Preis insbesonders die neue Zielgruppe des fotografischen Laien ansprach. Kunden, die schon etwas mehr von Fotografie verstanden, dürfte das Fixfokusobjektiv und die sonstigen Einschränkungen der Kamera abgeschreckt haben. 

Man muss rückblickend Brauns Strategie als Misserfolg werten: Trotz des deutlichen Preisdifferenz griffen die Kunden lieber zum tatsächlichen Vollautomaten Agfa Optima (500.000 Stück in 2 Jahren). Als Braun dann technisch nachzog (electromatic II), gab es auf dem Markt schon großen Wettbewerb (u.a. Kodak, Voigtländer, etc...) und es wurde noch schwieriger zu bestehen. Hätte man von Anfang an sowas wie die Ia zum attraktiven Preis am Start gehabt, vielleicht wäre die Geschichte anders gelaufen...

Datenblatt kompakte, einfache Kleinbildkamera mit früher Blendenautomatik 
Objektiv ENNA Ennagon 40 mm f/5.6, alternativ auch mit Staeble Katagon (gleiche Daten), vergütetes Triplet.
Verschluss Gauthier, einfacher Zweisegment-Zentralverschluss 1/40 s, ab Variante 3 mit verstellbarer Verschlusszeit (Filmempfindlichkeitshebel), ca. 40-60-120 1/s.
Belichtungsmessung Bertram Selen Belichtungsmesser, Trap-Needle-Blendenautomatik LW 9.5 bis 14.5, grünes Signal im Sucher zur Anzeige korrekter Belichtung.
Fokussierung Fixfokus
Sucher Großer optischer Sucher mit Leuchtrahmen.
Blitz keine Buchse, aber Mittenkontakt im Zuberhörschuh ("Hot-shoe").
Filmtransport Schnellschalthebel (zwei Züge pro Bild), ähnlicher Hebel auch zum Rückspulen. Bildzählwerk (rückwärts)
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4‘‘, keine Gurtösen, kein Drahtauslösergewinde!
Maße, Gewicht ca. 111x83x60 mm, 576g
Baujahr(e) 1959-1961 in 3 Varianten, zusammen ca. 60,000 Exemplare, s. Text. Diese hier #411485 von Ende 1959.
Kaufpreis, Wert heute 168 DM, heute je nach Zustand 20-40€.
Links Camera-Wiki, Auto-Exposure Class of 1959, Braun Kameraliste, Instruction book electromatic,  Instruction book electromatic I, Dt. Kameramuseum, Emtus
Bei KniPPsen weiterlesen Paxette electromatic II ,Geschichte der Belichtungsautomatik, Geschichte des heißen Schuhs, Agfa Optima, Lichtwertverschluss, Braun Paxette Ib, Braun Paxette Automatic Super III, Braun Colorette Super IIL

2020-09-05

Canon Zoom FDn 35-70 mm 1:4

Mit meiner Canon A-1 kam ein interessantes Objektiv, das selbst ein paar Worte verdient hat. Canon war kein früher Pionier bei Zoom-Objektiven, hat aber spätestens seit Anfang der 1970er Jahre gerade in diesem Segment bei den Objektivherstellern ganz oben mitgespielt und vielfach auch den einen oder anderen neuen Standard gesetzt. Damit haben sie Zoom-Objektiven überhaupt erst zu der allgemeinen Akzeptanz verholfen, die sie heute noch haben. Dieses Objektiv ist ein sehr schönes Beispiel dafür.
Frühe Zoomobjektive boten bis auf die Tatsache, dass der Fotograf nicht mehr das Objektiv für verschiedene Bildwinkel wechseln musste, eigentlich nur Nachteile: Sie waren teuer, schwer und groß (manchmal schwerer und teurer als zwei entsprechende Festbrennweiten zusammen), oft lichtschwach.
Linsenschnitt des 35-70 f/4, ausgeführt in 
zwei jeweils gegenläufig verschiebbaren
Gruppen.  
Was aber am meisten schmerzte waren die Kompromisse, die man bei den Abbildungsleistungen machen musste. Gerade beim letzten Punkt hat Canon Pionierarbeit geleistet. Ihr FD 35-70 mm f/2.8-3.5 von 1973 gilt als das erste Standardzoom, das es von den Abbildungsleistungen mit den gängigen Festbrennweiten aufnehmen konnte. Es war zwar immer noch relativ schwer und teuer, aber den Bildern sah man das Zoom nicht mehr an. In den folgenden Jahren arbeiteten die Hersteller auch an den äußeren Dimensionen und dem Preis  und so bot Fuji als erster Hersteller im Jahr 1977 eine SLR zusammen mit einem kompakten Zoom als Standard an (Fuji AZ-1 mit Fujinon 43-75). 
Die anderen folgten natürlich und auch Canon brauchte ein preiswertes, leichtes und dennoch optisch gutes Standardzoom für ihre Megaseller AE-1 und A-1. Herausgekommen ist dieses FDn 35-70 mm f/4 mit der grundsätzlich ähnlichen optischen Konstruktion wie der alte Star von 1973, allerdings etwas lichtschwächer. Außerdem wurden einige Teile in Plastik statt Metall ausgeführt und damit wurde es nur noch etwas größer und schwerer als ein 50 mm Normalobjektiv. Angeblich sind sogar die Abbildungsleistungen nochmal etwas besser als der Ahn. Tatsächlich bescheinigen auch neuere Tests an Digitalkameras dem Objektiv exzellente Ergebnisse über den ganzen Brennweitenbereich.
Eine Sache ist recht eigenartig (und vielleicht einzigartig?) bei diesem Zoom. Es behält stets seine externen Maße. Sowohl Zoomen als auch Fokussieren passieren innerhalb der äußeren Hülle, die am vorderen Ende aus dem Fokusring besteht. Da die Frontlinse je nach Einstellung mehr oder weniger hinter dem Entfernungsring verschwindet, fungiert dieser daher auch als Sonnenblende. Lediglich bei 35 mm Brennweite und 50cm Entfernung (nächstmögliche Einstellung) kommt die Frontlinse soweit raus, dass man einen Filter aufschrauben kann. 

Datenblatt kompaktes Standardzoom mit sehr guten Abbildungsleistungen
opt. Konstruktion 8 einzeln stehende Linsen in 2 Zoomgruppen, Typ Drehzoom
Blende f/4-f/22 in halben Stufen einrastend, 6 Blendenelemente
Vergütung Mehrschicht (Super Spectra Coating)
Filtergewinde 52 mm, dreht sich mit Fokus. Innerhalb des Fokusrings, keine größeren Filterhalter oder z.B. Linearpolfilter möglich.
bekannte optische Schwächen  tonnenförmige Verzeichnung bei 35mm, sonst ohne größere Schwächen, scharf bei allen Brennweiten.
Bajonett  Canon new FD, mit Entriegelungstaste am Objektiv
Maße, Gewicht ca. 87mm x 63 mm Durchmesser, 305 g
Baujahr(e) 1979-1983
Kaufpreis, Wert heute 45.000 Yen (1979), ca. 30€
Links Ken Rockwell, Canon Camera Museum, Olypedia, MIR, Canon Classics

2020-04-22

Nikkorex 35 Zoom und die Geschichte der Zoomkameras

1963-1965, die erste Zoomkamera der Welt.
Ich habe es bei meinem Beitrag über die Nikkorex 35 Zoom schon erwähnt: Sie ist als allererste Kamera mit fest eingebautem Zoom-Objektiv ein Meilenstein. Allerdings ein seltsamer Meilenstein, weil sie selbst ab 1963 nur ca. 2 Jahre am Markt war und erst mal ohne Nachahmer wieder verschwand und es dann fast 25 Jahre dauerte bis das Prinzip Zoomkamera (fest eingebautes Zoomobjektiv) sich langsam durchsetzte und danach zum Standard wurde.

Das ist natürlich eng verbunden mit der technischen Entwicklung des Zooms und die steckte seit dem ersten Voigtländer Zoomar (1959) 1963 noch in den Anfängen. Die allermeisten Hertsteller brachten zunächst Telezooms (so auch Nikon), weil diese wohl einfacher zu realisieren waren, außerdem spielte bei diesen die zusätzlich benötigte Größe im Vergleich zur Festbrennweite keine so große Rolle. Auch die Nikon-Ingenieure  mussten erst die Erfahrung machen, dass ein Standard-Zoom bei der Konzentration auf die optischen Qualitäten schnell größen-, gewichts- und kostenmäßig aus dem Ruder laufen kann. So geschehen beim geplanten und später nicht realisierten 35-85 f/2.8-3.5. Man musste also weitere Kompromisse machen und die Branche lernte dies im darauf folgenden Jahrzehnt. Auch das 43-86 war ein solcher Kompromiss, aber ein fauler. Der Brennweitenbereich und die optischen Leistungen waren nicht da, wo sie eigentlich sein sollten, trotzdem war das Ding immer noch groß und teuer. Das war der Grund, warum die Nikkorex und mit ihr das Konzept Zoomkamera 1965 erstmal wieder in der Versenkung verschwanden.

1977: Das erste Zoom, was als Standardobjektiv
mit einer SLR zusammen verkauft wird. 
Erst ca. 10 Jahre später kam wieder Fahrt in die Sache und ab ca. 1973 kamen die ersten wirklich brauchbaren Standard-Zooms auf den Markt. Als erstes optisch fast ebenbürtiges Standardzoom gilt das Canon FD 35-70 f/2.8-3.5, aber auch das war noch groß und teuer. Fast alle wichtigen Objektivhersteller brachten innerhalb der folgenden Jahre akzeptable und immer kompakter werdende Modelle. Unterstützt wurde das von der Tatsache, dass die Kameras inzwischen TTL-Messung beherrschten und die Zooms daher auch in ihrer Anfangsöffnung variieren konnten. Ein entscheidender Freiheitsgrad mehr für die Ingenieure. Es war dann Fuji, die sich als erste trauten, ein Zoom (Fujinon-Z 43-75 f/3.5-4.5) als Standardobjektiv mit einer SLR zu verkaufen. Von hier aus -sollte man meinen- wäre der Weg zu einer zweiten Zoomkamera nicht mehr weit gewesen. Aber beim allseits beliebten 35mm Film tat sich auch die nächsten 10 Jahre nichts.

1976-1979: Die zweite Zoomkamera ist
eine SLRfür die Pocketkassette 110
In der Zwischenzeit (1976) betrat allerdings die zweite Zoomkamera der Welt die Bühne. Sie war ebenfalls eine SLR, allerdings für die 110er Kassette: Die Minolta 110 Zoom wurde sogar sehr konsequent als Zoom-SLR für den Massenmarkt vermarktet und fiel durch ihr sehr ungewöhnliches Äußeres auf. Das schreckte aber wohl die potentiellen Käufer eher ab, sodass sie von Minolta ab 1979 durch eine zweite eher konventionell als SLR gestylete Version ersetzt wurde. Ihr Zoom ist angeblich eines der besten überhaupt für den Pocketfilm 110 erhältlichen Objektive. Man muss aber erwähnen, dass bei beiden Kameras der Zoombereich erst bei KB-äquivalenten 50mm startete, sie streng genommen also keine echten Standardzooms, sondern leichte Telezooms waren. Aber auch diese beiden Versuche von Minolta waren nicht lange am Markt und verschwanden schnell wieder und es kamen einige Jahre, in denen man keine Zoomkamera kaufen konnte.
Pentax Zoom 70 (IQ Zoom) war ab 1987 die
erste kompakte Zoomkamera (35-70 f/3.5-6.7) 
So gab es Anfang der 1980er wieder keine Kamera mit fest eingebautem Zoom am Markt. Es war die Zeit der Automatisierung. Fast alle Kameras hatten inzwischen irgendeine Art von Belichtungsautomatik an Bord, viele einen Elektronenblitz eingebaut, fast überall Elektronik und natürlich eine Batterie an Bord. Autofokus gab es bei den Kompakten seit der Konica 35 AF (1977) und bei den Kleinbild-SLR's seit 1981 (Pentax ME-F). Das einzige dazu verfügbare AF-Objektiv war (natürlich) ein Standardzoom, aber eben nicht fest eingebaut. Den umfassendsten Automatisierungsgrad erreichte dann 1985 die SLR-Königin Minolta 7000 AF. Gerade an ihr erkennt man einen anderen Trend in der Kameraproduktion: der Einzug von Kunststoff und Plastik als Hauptmaterial der Kameras (sogar bei SLR's). Kunststoff, die Verwendung von Elektronik und weitere Fortschritte beim (Zoom-) Objektivdesign ermöglichten dann den dritten und letztendlich nachhaltigen Versuch der Einführung von Zoomkameras. Angekündigt schon 1986 erschien dann ein Jahr später die Pentax Zoom 70 (in anderen Märkten auch Pentax IQZoom). Allerdings muss man der Fairness halber erwähnen, dass es schon einige meist "TW" (Tele/Wide, TWin-Focal) genannte Kameras in dieser Klasse gab (z.B. Fuji TW-300, Nikon TW2, Vivitar TW35 u.a.) , allerdings eben keine echte Zooms. Aber der Pentax Zoom folgten bald fast alle anderen Kamerahersteller und diese Kamerklasse war spätestens ab Mitte der 1990er Jahre in den meisten Haushalten zu finden.  Auch ich habe irgendwann eine solche sehr preiswert bei Aldi erworben.     
Yashica Samurai X3.0: der dritte Versuch eine
Zoom-SLR Kameraklasse am Markt zu etablieren

Und was ist mit SLR? Auch hier kam 1987 eine recht außergewöhliche Kamera auf den Markt: Yashica Samurai X3.0, eine vollautomatische SLR mit eingebautem Dreifachzoom 25-75 mm f/3.5-4.3 für das Halbformat 18x24 mm auf Kleinbildfilm 135. Zusammen mit den 1988 erschienenen Ricoh Mirai und Chinon Genesis (beide für 24x36 mm) begründete sie die neue Klasse der sogenannten Bridge-Kameras, Olympus bezeichnete seine entsprechenden Kameras als ZLR (Zoom Lens Reflex). Diese Klasse hat sich am Ende sogar irgendwie ins digitale Zeitalter gerettet: Heute bezeichnet man als "Bridge" solche Kameras mit relativ großen Sensoren, aber simpler und vollautomatischer Bedienung. Und natürlich mit fest-eingebautem Zoomobjektiv, das vom Weitwinkel in den Telebereich reicht. Danke Nikon, für die frühe Studie dazu von vor 57 Jahren! 

2017-10-09

Ferrania Tanit

Quasi ein Beifang beim letzten Flohmarktbesuch, neben der Bilora Boy und der Braun Super Colorette IIL kam auch diese 50er Jahre Einfachstkamera aus Italien in meinen Besitz. Ausgestattet ist sie mit Box-Kamera Technik: einem selbstspannenden Einfachverschluss mit einer kurzen (ca. 1/80s) Zeit und B, nur 1 Blende (ca. 11) und natürlich einem einlinsigen Meniskus, dessen Brennweite nicht mal angegeben wird. Ich schätze diese mal auf ca. 60 mm. Immerhin läßt sich die Entfernung am Objektiv einstellen, interessanterweise in feet (5 feet =1,50 m bis unendlich). 

Belichtet wird im Format 3x4 cm auf Rollfilm 127, der natürlich am Besten von Ferrania selbst stammte. Ferrania war nämlich zunächst einmal "der" italienische Filmhersteller und produzierte diese und andere Einfachkameras als Mittel zum Zweck, nämlich den Absatzmarkt für Filme zu schaffen und zu vergrößern. Kodak und Agfa taten das ja auch. 
Vielmehr gibt es zu dem Ding kaum zu sagen, statt der üblichen Daten-Tabelle, hier lediglich noch zwei nützliche Links: Bedienungsanleitung (italienisch),  Wert (Collectiblend). 
Über 3x4 Kameras aus den frühen 1930ern gibts es hier auch noch einiges zu lesen: Verschwinden der 3x4-Kameras, Foth Derby, Welta Gucki, Korelle 3x4, Gevaert 127er Film, Rollfilm 127, Ising Puck.

2016-04-03

Olympus OM-1


Schon lange auf meiner Muss-Haben-Liste war Yoshihisa Maitani's vierter Designstreich, die kleinste Kleinbild-Spiegelreflex der 1970 und das trotz aller damals aktuellen technischen Features. Auch ästhetisch ein Juwel setzte sie schnell Maßstäbe für Qualität und Design und begründete den Erfolg der gesamten OM-Serie, die mit relativ wenigen Modellen ziemlich genau 30 Jahre lang (1972-2002) auf dem Markt war. Nach einer 10-jährigen Pause setzte Olympus 2012 die Designlinie fort, heute als spiegellose MicroFourThirds Systemkamera. Auch ich konnte letztes Jahr nicht widerstehen.
Nachdem die Kleinbild-Kameras der 50er und 60er Jahre durch das Hinzufügen technischer Features immer größer wurden, zeigte Maitani und die anderen Olympus Ingenieure der Fotowelt, dass voll- und hochwertige SLR's nicht wesentlich größer sein müssen als die kompakteste SLR der 50er: Zenit-C, und die basierte ja auf einem Leica-Grunddesign. Ich finde, nichts illustriert ihre kompakten Proportionen so gut, wie der direkte Fotovergleich oben mit meiner klobigsten SLR. Man beachte: Beide Kameras waren zwischen 1972 und 1975 parallel auf dem Markt!



Im Laufe der 70er brachten dann auch andere Hersteller wieder kompaktere und leichtere SLR's auf den Markt, prominenteste Vertreter sind die Kameras aus Pentax' M-Serie, aber auch meine erste KB-SLR Nikon EM hatte OM-Dimensionen. Aber die Geschichte wiederholt sich: Durch weiteres Hinzufügen technischer Features, diesmal sind es motorischer Filmtransport und Autofokus, wachsen die Kameras in den 80er und 90er Jahren wieder. Und auch der Übergang ins digitale Zeitalter geht erst mal nicht mit einem Schrumpfen der Kameras einher (obwohl das Bildformat meist kleiner als KB ist!). Auch hier ist es wieder Olympus, die mit der E-Serie einige der kompaktesten DSLR's auf dem Markt hatten.

Der informierte Leser wird es schon bemerkt haben: Dies ist die "MD"-Version (Motor Drive), die ab Oktober 1974 so verkauft wurde. Die früheren M-1 und OM-1-Versionen hatten keinen Motoranschluss.  1979 gab es mit der OM-1N eine leichte Modellpflege, um die Kamera fit für neues innovatives Zubehör zu machen, was es für die OM-Serie reichlich gab. Genug hier, mehr Infos gibt es in der Tabelle unten sowie den angegebenen Links.

Datenblatt mechanische KB-Spiegelreflexkamera
Objektiv OM-Bajonett, hier mit F.Zuiko Auto-S 50 mm f/1.8  (6 Linsen in 4 Gruppen, Doppel-Gauss Typ)
Verschluss horizontaler Tuchschlitzverschluss, 1, 2, 4, 8, 15, 30, 60, 125, 250, 500, 1000 1/s und B, Einstellring rund ums Bajonett.
Belichtungsmessung mittenbetonte, integrale Offenbelndmessung, CdS, 25-1600 ASA
Fokussierung Spiegelreflex, Fresnelllinse, auswechselbare Einstellscheiben
Sucher SLR, Pentaprisma (0.92x mit 50 mm), 97% des Bildfelds, Anzeige der Messnadel (+/-) des Belichtungsmessers
Blitz Buchse umschaltbar für FP und X, sowie aufsteckbarer Zubehörschuh mit Mittenkontakt
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulrad, Bildzählwerk, MD-Version: Anschluss von Motordrive (bis 5 B/s)
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, pneumatische Spiegeldämpfung, Spiegel arretierbar, Zubehörschuh, Stativgewinde, Hauptschalter, Abblendtaste an jedem Objektiv, ISO-Drahtauslösergewinde
Maße, Gewicht ca. 136 x 83 x 50 mm, 510g/681g (ohne/mit Objektiv)
Batterie PX625 (oder PX13), bzw. moderne Alternativen
Baujahr(e) 1972-1987 (M-1: 1972, OM-1: ab Mai 1973, OM-1 MD ab Oktober 1974, OM-1N ab 1979).Diese (#396525) von Jan. 1975.  Insgesamt ca. 2.1 Millionen Exemplare. 
Kaufpreis, Wert heute 280 US$ (1976), ca. 50 € (MD), ca. 100€ (OM-1),
original M-1: US$500
Links Frühe (O)M-1 Broschüre, Explosionszeichnung, Erik Fiss, MIR,
Instruction manual (english), M-1 Information page, Maitani-Fan, Olympus OM-1 Story, Camera-Wiki, Wikipedia

2013-12-02

Olympus XA


Hier mal wieder ein echter Meilenstein der Kamerageschichte. Der vierte Geniestreich von Yoshihisa Maitani nach Olympus PEN (1959), Olympus PEN F (1963) und Olympus OM1/OM2 heißt Olympus XA. Das Ding sieht zumindest in geschlossenem Zustand so gar nicht wie eine Kamera aus, ist aber die kleinste Messucher-(!) Kamera für das Kleinbildformat und hat dabei noch einiges an Features eingebaut. Das Design ist konsequent auf Jacken- oder sogar Hosentaschentauglichkeit ausgelegt, die stabile Kunststoffhülle läßt keinerlei Bereitschaftstasche vermissen und der ovale Objektivschutzschieber schmeichelt im geschlossenen Zustand den Händen. 
Maitani hat trotz der vorgegebenen Kompaktheit, die Zeit seines Designerlebens erklärtes Ziel war, eigentlich kaum Kompromisse gemacht. Das Objektiv durfte trotz 35 mm Brennweite bei f/2.8 nicht aus der nur 39.5 mm tiefen Kamera herausragen, von Filmebene bis Frontlinsenspitze wurden es am Ende sogar nur 33.6 mm. Eine harte Nuss, die Olympus' Objektivdesigner Toshihiru Imai und Yoshisada Hayamizu durch eine "reverse Retrofokus"-Konstruktion lösten. Es war das erste Mal, dass so etwas für ein Weitwinkelobjektiv verwendet wurde. Um dennoch exzellente Abbildungseistungen zu erzielen, mussten hochbrechende Gläser her. Das Ergebnis überzeugt, wie z.B. dieser Test beweist. Damit nicht genug: Wegen des Objektivschiebers durfte sich natürlich auch nicht der Auszug beim Fokussieren verändern. Innenfokussierung war die Lösung, die XA war die erste kommerzielle Kamera, bei der dieses Prinzip in einem eingebauten Objektiv angewendet wurde. 

Olympus schärfster Wettbewerber war die Minox 35 Serie, die tatsächlich kleinste Vollformat-35 mm Kamera, allerdings ohne Messucher! Olympus brachte im Laufe der Jahre noch weitere XA-Modelle, um im Wettbewerb zu bestehen, was durchaus gelang. Interessanterweise sind die "Nachfolger" XA1 bis XA4 allesamt schlechter ausgestattet als die originale XA. Kein Modell hatte mehr den Messsucher und auch die Objektivkonstruktion wurde einfacher. Die XA1 war ein seltsamer Rückschritt in die 60er Jahre mit Selenzelle, ein Einstiegsmodell mit alter EE-Technologie im XA Gehäuse. Die XA2, später zur XA3 upgegraded war das kommerziell erfolgreichste Modell. Die XA4 hatte ein 28mm Weitwinkel und eine Naheinstellgrenze von nur 30 cm und wurde konsequent als Makro-Kamera beworben. Alles das kann man auf DER XA Website nachlesen, auch hier nimmt die einzig wahre, sprich originale XA den meisten Raum ein.


Meine XA habe ich als defekt für $15 auf einem Kamera-Flohmarkt gekauft, ohne Batterie konnte ich dort auch nicht nachprüfen, was alles funktioniert und was nicht. Nach etwas Basteln (es gibt ein Repair-Manual im Netz) und Einsetzen von zwei 675er Hörgeräte-Batterien (funktioniert, die Kameraelektronik braucht >2.2V) habe ich sie inzwischen fotografierbereit. Lediglich das Drehspulelement zur Nadelanzeige der Verschlusszeit im Sucher verweigert seinen Dienst, der Verschluss arbeitet aber anscheinend korrekt. Bei Gelegnheit werde ich mal einen Film verknippsen.

Datenblatt kompakte automatische KB-Sucherkamera
Objektiv F.Zuiko 35 mm f/2.8 (6 Linsen in 5 Gruppen, reverser Retrofokus).
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss, stufenlos 10s bis 1/500s, automatisch nach Blendenvorwahl.
Belichtungsmessung eingebaut(CdS), 25-800 ISO/ASA.
Fokussierung Manuell mit Schieber unter dem Objektiv bis 2.8ft (0.9m), Messsucher als präzise Scharfstellhilfe.
Sucher Messsucher, eingespiegelter Bildausschnitt mit Parallaxenmarkierungen, Nadelanzeige der Verschlusszeit auf der linken Seite.
Blitz externer Systemblitz A11 zum Ansetzen an die linke Kameraseite, Blitzautomatik bei Blende 4 oder manuelle Blendeneinstellung nach Leitzahl und Entfernung.
Filmtransport Daumenrad, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Kombischalter für Gegenlichtkorrektur (+1.5), Batterietest und Selbstauslöser, Stativgewinde, Objektivschutzschieber schaltet Kamera aus.
Maße, Gewicht ca. 102/65/40 mm, 225g.
Batterie 2 x LR44/SR44 oder kompatible (2.2-3V)
Baujahr(e) 1979-1985
Kaufpreis, Wert heute ¥35,800 US$165 300DM (1979), ca. US $50-$150
Links Instruction Manual (E, G, F, S), DIAXA (XA Fan website), Olypedia, Review from Modern Photography 1979, A11 flash manual, XA at Japan Camera Hutner, Matt Denton,Karen Nakamura,Cameraquest

2013-11-28

Konica C35V

Ihre drei Jahre ältere Schwester Konica C35 setzte 1968 Maßstäbe für kompakte Kleinbild-Messsucherkameras mit eingebauter automatischer Belichtungssteuerung. Fotografieren war nie zuvor einfacher und dabei ist das Ding so kompakt, dass man es immer dabei haben kann. Heinz Wasske's Rollei 35 war zwar immer noch kleiner, aber deutlich fummeliger und auch teurer. Konica's Ingenieure schafften es, alles Wesentliche in ein superkompaktes Gehäuse zu packen, das dennoch maximal ergonomisch ist und gar nicht gedrängt wirkt. Schlüssel dafür ist sicher der elektronisch gesteuerte Verschluss, der mit allen Einstelloptionen im Ring um das exzellente Objektiv angeordnet ist. Was natürlich fehlt ist manuelles Eingreifen, nur für's Blitzen kann man die Blende wählen.


1971 entschied sich Konica die Serie in zwei Modelle zu teilen. Als Basismodell kam diese C 35 V (in Japan C35 E&L), man hatte der C35 einfach den Messsucher genommen und durch ein einfaches Entfernungszonensystem ersetzt, außerdem fehlt der Selbstauslöser. Das Topmodell bekam das sog. Flashmatic-System (Leitzahlen-Blitzautomatik) dazu und hieß fortan C35 automatic. Alles das im selben, kompakten Gehäuse. Ende 1972 kam dann zusätzlich die Auto S3 mit 1.8/38 Objektiv, für viele die beste Sucherkamera, die Konica je gebaut hat.

Blick durch den Sucher mit Verschlusszeiten/Blenden-Kombination rechts
und Einspiegelung der Entfernungszone rechts unten in der Ecke.

Ab 1977 wurde mit der C35EF auf ein neues Gehäuse aus Kunststoff und eingebauten Blitz umgestellt. Dies war dann 1978 die Basis für die  Konica C35AF, die erste kommerzielle Kamera mit Autofokus auf dem Markt. Die kompakte Anmutung hatten diese Kameras aber leider nicht mehr. Insgesamt eine überaus erfolgreiche Serie, ich habe leider keine Produktionszahlen gefunden, die das belegen konnten. Nach dem Produktionsende der ursprünglichen C35-Serie haben andere sehr ähnliche Kameras weiterhin angeboten. Vermutlich hatte Konica das Design lizensiert und auch Werkzeuge an die Nachfolger überlassen (z.B. Chinon). 

Als die C35V 1971 für ca. 250 DM auf den Markt kam war sie nicht mehr die einzige japanische Perle dieser Art. Man sehe sich nur die Olympus 35 RC (1970), Ricoh 500G (1971) oder Minolta Hi-Matic F (1972) an. Da sah eine Zeiss Ikon Contessa S310 richtig alt aus mit ihren 330 DM und 100g mehr auf den Rippen, auch wenn man den deutschen Ingenieuren durchaus guten Willen und die richtige Richtung attestieren muss. Die Japaner waren damals eben schon weiter.


Datenblatt kompakte automatische KB-Sucherkamera
Objektiv Hexanon 38 mm f/2.8 (4 Linsen in 3 Gruppen, Tessar Typ).
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss Copal B mat, stufenlos 1/30 bis 1/650s kombiniert mit der Blendenlamellen
Belichtungsmessung eingebaut(CdS), 25-400 ISO/ASA (15-27 DIN).
Fokussierung Manuell am Objektiv (1 m-unendl.) in 3 Zonen, Entfernungszonen-Anzeige im Sucher.
Sucher Optischer Sucher, eingespiegelter Bildausschnitt mit Parallaxenmarkierungen, Anzeige von Blenden-/ Verschlusszeiten-Kombination und Entfernungszone.
Blitz Mittenkontakt (X) im Zubehörschuh.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde.
Maße, Gewicht ca. 112/70/52 mm, 340g.
Batterie 1 x PX-675 (oder entspr. Zn-Luft).
Baujahr(e) 1971-1976
Kaufpreis, Wert heute £41.48 = ca. 250 DM (1974),  ca. US $20
Links Instruction Manual (C35, english), Mike Elek, C35 Repair Manual (Explosionszeichnung), Collection Appareils Konica Timeline, Camera-Wiki

2013-09-16

Rollei 35

Mein bisher polulärster Beitrag in diesem Blog ist der zur Rollei 35 SE, scheinbar finden auch andere Fotointeressierte diese Kamera faszinierend. Nachdem ich schon vor genau 2 Jahren mit der B35 eine weitere Kamera aus der Serie ergattern konnte, habe ich immer wieder nach dem ersten Modell, der Ur-35 - natürlich Made in Germany - Ausschau gehalten. Hier ist sie: die damals (und für lange Zeit!) kleinste Kleinbildkamera der Welt für volle 24 x 36 mm. Heinz Waaske hat der Fotowelt mit ihr eine Ikone hinterlassen und sich selbst ein Denkmal gesetzt.

Gefunden habe ich sie heute auf dem Kameramarkt in Hasbrouck Heights, NJ. Einer der Händler verkaufte Restposten eines ehemals auf Rollei spezialisierten Fotoladens, darunter 2 Rollei 35, eine davon Made by Rollei Singapore und eben diese hier. Anhand der Seriennummern von Gehäuse und Objektiv konnte ich den Produktionszeitpunkt auf ca. Februar 1969 abschätzen. Einige Gebrauchsspuren zieren das Gehäuse, wie man an den Fotos sieht, aber alles funktioniert und nach Einlegen einer Batterie (Wein Cell statt PX625) schlug auch die Nadel des Belichtungsmessers aus.


Meine kleine Rollei 35 Sammlung ist natürlich bei weiten nicht komplett, besonders wenn man die ganzen goldenen Jubiläums-Sondermodelle mitrechnet, die nur für Sammler aufgelegt wurden. Trotzdem habe ich einen recht umfassenden Satz an sammelwerten Features hier in nur drei Kameras vereinigt: Das Originalmodell aus Deutschland mit dem Tessar, ein sehr frühes Singapore Modell der Einsteigerkamera B35 mit Selenzelle und dem Triotar (wie das Tessar von Zeiss). Und schließlich das letzte Spitzenmodell der regulären Serie mit dem Sonar (gebaut in Lizenz von Rollei) in schwarz und mit LED Anzeige im Sucher.

Datenblatt Kleinste KB-Sucherkamera
Objektiv Carl Zeiss Tessar 40mm f/3.5, 4 Linsen in 3 Gruppen
Verschluss Compur Zentralverschluss, 1/2s - 1/500 s und B.
Belichtungsmessung CdS-Zelle mit Nachführzeigerinstrument auf der Kameraoberseite, nicht abschaltbar. Empfindlichkeitseinstellung 25-1600 ASA. 
Fokussierung Manuell am Objektiv, 0.9m bis unendl., kein Entfernungsmesser.
Sucher Heller optischer Sucher, Suchervergrößerung 0.8x, eingespiegelter Bildausschnitt ohne Parallaxenmarkierungen.
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh, keine Synchronbuchse. Synchronisation bei allen Zeiten. 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Auslösesperre bei eingezogenem Objektiv, Zubehörschuh, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Filtergewinde 24mm, Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 97 x 32 x 60 mm , 370 g
Batterie 1.35V PX 625 (Hg) oder Zink-Luft Alternative.
Baujahr(e) 1966-1971 in Braunschweig (311000 Expl.), danach bis 1974 in Singapore (185000), als Rollei 35T bis 1980 (440000). Diese hier: ca. Februar 1969
Kaufpreis, Wert heute 487 DM (1967, sank bis zum Ende der Serie 1983 auf ca. 200 DM), heutiger Preis: US$150 bis US$400 (je nach Zustand)
Links Bedienungsanleitung (deutsch/english), Frank Mechelhoff's Artikel, John Lind, Umfassender Artikel in der Olypedia