2011-02-13

Jenoptik JC23

Diese Kamera haben wir (so genau weiß ich es nicht mehr) so zwischen 1999 und 2001 für 99 DM bei Aldi gekauft. Sie sollte unsere Nikon RF2 als Immerdabeikamera ersetzen, die zwar noch funktionierte, aber nach einem Sturz teilweise mit Tesafilm zusammengehalten wurde. Neben dem Aldi-typischen niedriegen Preis sprach die gute Ausstattung mit Zoomobjektiv und sinnvollen Automatikfunktionen und auch (ich geb es zu) der Markenname für die Kamera. Ich glaube, wir haben trotz allem nicht viele Filme damit verknippst.

Viel interessanter als die Kamera selbst ist die wechselvolle Geschichte der Marke Jenoptik, die ein schönes Beispiel dafür ist, dass Markennamen einerseits einen eigenen Wert besitzen und damit länger leben können als das ursprüngliche Produkt, das der Marke mal einen Sinn gab. Auf der anderen Seite zeigt die Geschichte der Kameramarke Jenoptik, dass das Konzept nicht trägt, wenn nicht wirklich nachhaltig Qualität transportiert wird. 
Wie war das aber nun konkret mit dieser Marke? Die Geschichte reicht natürlich zurück ins Jahr 1846 als Carl Zeiss in Jena seine feinmechanische-optische Werkstatt gründet, aus der der Optik- und Kamerakonzern Carl Zeiss entsteht, der durch die deutsche Teilung 1945 in zwei Unternehmen, den VEB Carl Zeiss Jena und die westdeutsche Carl Zeiss AG aufgepalten wird. Nach der Wiedervereinigung wird aus dem VEB über Umwege die Jenoptik GmbH, die zu 100% dem Land Thüringen gehörte und die durch eine umfassende Restrukturierung und schließlichen Privatisierung zur heutigen Jenoptik AG wurde. Die wesentlichen Fotobereiche wurden schon frühzeitig an die westdeutsche Carl Zeiss AG verkauft, das Kapital anscheinend sinnvoll in andere Industriefelder investiert. Diese haben aber mit Kameras für den Endverbraucher gar nichts mehr zu tun. 1996 wurde als Tochterunternehmen die Jenoptik Vierzehnte Verwaltungsgesellschaft mbH gegründet, mit dem wohl einzigen Zweck, den Markennamen auch für Endverbraucherprodukte wie analoge und später digitale Kameras auszuschlachten. Gebaut wurden diese Kameras nicht in Jena, sondern in Fernost. Wenn  z.B. Skanhex (der Taiwanesische Lohnhersteller für einige Digitalmodelle) draufgestanden hätte, hätten wohl viele Käufer in Deutschland und auch anderswo von einem Kauf abgesehen. Insofern hatte die Marke einen Wert. Viel Gewinn kann dabei aber nicht abgefallen sein, denn fast im Jahresrythmus wird der Besitzer der Kameramarke umfirmiert, 2000 gehts an die Börse und der neue Besitzer landet schließlich in einer Insolvenz.
Die Marke übernimmt 2004 die Concord Camera Group durch den Abschluss eines weltweiten Lizenzvertrag über die Marke Jenoptik und das ehemalige Firmenlogo der Jenoptik AG. Aber auch hier ist 2009 Schluss. Inzwischen ist wohl auch dem letzten Verbraucher klargeworden, dass Jenoptik-Kameras aber auch garnichts mit Carl Zeiss oder der Optikhochburg Jena zu tun haben. Ein Markenimage muss man halt auch ein bisschen mit Qualitätsprodukten pflegen. Die Jenoptik AG hat seit ein paar Jahren ein neues Logo (siehe links) und erfreut sich wohl in ihrer neuen Industrie-Optik Nische bester Gesundheit.

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