2017-10-14

Photo Porst Katalog 1956

Ich besitze schon ewig einen Photo Porst Katalog von 1937 und es ist nicht nur eine tolle Informationsquelle sondern auch recht amüsant sowas heute noch zu lesen. Ich habe mich also auf die Suche nach einem solchen Katalog aus den 50ern gemacht und bin letzte Woche fündig geworden. Dieser hier ist die 49. Auflage (7 Millionen gedruckte Exemplare bis dahin) und stammt aus dem Jahr 1956. Erstaunt war ich zunächst, dass sich in den fast 20 Jahren zwischen beiden Katalogen nicht viel verändert hatte. Die verwendete Sprache war noch fast dieselbe und auch die Form war wohl halt auch typisch Hanns Porst, außerdem muss man wohl auch für den 2. Weltkrieg fast 10 Jahre wirtschaftlichen Stillstand abziehen und dann ab Anfang der 50er alles wieder aufbauen. Aber ihr könnt Euch selbst ein Bild machen und die ersten Seiten des Katalogs "Der Photohelfer" über den Aufstieg und die Geschichte von Hanns Porst und seinem Geschäft selbst lesen (hier auch als ganzes PDF):




2017-10-09

Ferrania Tanit

Quasi ein Beifang beim letzten Flohmarktbesuch, neben der Bilora Boy und der Braun Super Colorette IIL kam auch diese 50er Jahre Einfachstkamera aus Italien in meinen Besitz. Ausgestattet ist sie mit Box-Kamera Technik: einem selbstspannenden Einfachverschluss mit einer kurzen (ca. 1/80s) Zeit und B, nur 1 Blende (ca. 11) und natürlich einem einlinsigen Meniskus, dessen Brennweite nicht mal angegeben wird. Ich schätze diese mal auf ca. 60 mm. Immerhin läßt sich die Entfernung am Objektiv einstellen, interessanterweise in feet (5 feet =1,50 m bis unendlich). 

Belichtet wird im Format 3x4 cm auf Rollfilm 127, der natürlich am Besten von Ferrania selbst stammte. Ferrania war nämlich zunächst einmal "der" italienische Filmhersteller und produzierte diese und andere Einfachkameras als Mittel zum Zweck, nämlich den Absatzmarkt für Filme zu schaffen und zu vergrößern. Kodak und Agfa taten das ja auch. 
Vielmehr gibt es zu dem Ding kaum zu sagen, statt der üblichen Daten-Tabelle, hier lediglich noch zwei nützliche Links: Bedienungsanleitung (italienisch)Wert (Collectiblend)

2017-10-07

Braun Colorette Super II L


Diese Kamera beschäftigt mich schon sehr lange und immer wieder. So um 1983 schenkte mir mein Onkel ein defektes Exemplar, welches ich fein säuberlich zerlegt, aber nie wieder zusammengebaut bekommen habe. Die meisten Einzelteile verschwanden irgendwie und die anderen habe ich dann bewusst weggeworfen, lediglich das Objektiv (hier auf dem Bild) und den Sucher habe ich behalten. Ich hatte schon vor sieben Jahren hier berichtet. Seit ich mit dem Kamerasammeln begonnen habe, habe ich immer wieder nach einem neuen Gehäuse für's Objektiv gesucht und bin dann schließlich letztes Jahr im Sommer bei e-bay fündig geworden. Das könnte es jetzt gewesen sein, aber die Geschichte geht weiter: Vor drei Wochen auf dem Flohmarkt im Nachbardorf konnte ich ein weiteres Exemplar (inklusiv Objektiv und Tasche) dem netten Verkäufer für wenig Geld abkaufen:
Jetzt hab ich also zwei funktionierende, identische Kameras, und die "Neue" ist sogar noch ein bisschen besser in Schuss. Aber wirklich erstaunlich ist die Sache mit den Seriennummern: Die beiden Objektive unterscheiden sich um 474 Zähler (1817886: Flohmarkt, 1817412: Onkel); die beiden Gehäuse gar nur um 367 Zähler (033630: Flohmarkt, 033263: ebay). Alles nur Zufall, oder ist ein Zeichen, wie selten diese Kamera ist. Vermutlich irgendwie eine Kombination aus beidem.

Braun produzierte die (Super) Colorette-Serie von Messucherkameras von 1956 bis ca. 1960, technisch basierten sie auf der Gloriette, lösten aber die Paxette als die hochwertige Messsucherkamera am Ende ab. Die L-Serie war quasi die zweite Generation (gebaut von 1958-1959) mit einem großen Messsucher und eingespiegelten Bildausschnitten. Auch wenn nur Colorette draufsteht, war diese die "Super Colorette II L", das Basismodell ohne eingebautem Belichtungsmesser, aber mit großem Sucher und DKL-Wechselobjektiven. Dieses Bajonett existiert in verschiedenen, nicht unbedingt kompatiblen Nuancen, die Objektive zur Braun waren aber 100%ig mit denen zur Voigtländer Vitessa T austauschbar.
Die Bedienungsanleitung hebt ein paar technische Highlights hervor, wie die Lichtwertskala, den eingebauten Selbstauslöser oder die "grünen B-Verschlusszeiten" auf der Objektivunterseite. Alles ganz nett und neben dem für alle Wechselobjektive gekoppelten Entfernungsmesser auch sehr brauchbar für's Fotografieren. Aber eben nicht genug, um langfristig am Markt erfolgreich sein zu können. Der anspruchsvolle Amateur verlangte bald nach Spiegelreflex und im selben Jahr in dem diese Kamera hier hergestellt wurde, wurde in Japan die Nikon F vorgestellt. Braun stellte schon in den frühen 60er Jahren die Kameraproduktion komplett ein und konzentrierte sich für die kommenden Jahrzehnte auf andere Dinge, z.B. Diaprojektoren.

Datenblatt KB-Messsucherkamera mit Wechselobjektiven
Objektiv DKL-Wechselbajonett, Objektive von Steinheil, Rodenstock, oder Schneider. Hier: Steinheil Cassarit 50 mm f/2.8.
Verschluss Synchro Compur Zentralverschluss 1 s -1/500 s und B mit Lichtwertkupplung zur Blende.
Belichtungsmessung -
Fokussierung Manuell am Objektiv, gekoppelter Entfernungsmesser im Sucher.
Sucher Heller und großer Messsucher, entspricht 35 mm Brennweite, mit eingespiegelten Leuchtrahmen für 50, 90 und 135 mm.
Blitz Synchronbuchse, Hebel zum Umstellen zwischen X und M.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (rückwärtszählend), Rückspulrad.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Zubehörschuh, Merkscheibe für Filmart, Selbstauslöser, Vorschläge für lange Verschlusszeiten bei B.
Maße, Gewicht ca. 127x89x55 (72) mm, 620 (733) g (ohne/mit Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 1958-1959, ca. 10,000 Exemplare, diese #033630 bzw. #033263
Kaufpreis, Wert heute ca. 250 DM (1959), ca. 50 € (eigene Schätzung)
Links CJS Classic Cameras, Braun (Wikipedia), Bedienungsanleitung, Camera-wiki, Bleckedemoor

2017-10-02

Bilora Boy

Diese schicke Boxkamera hab ich vor ein paar Wochen auf einem Flohmarkt gefunden und für ein paar Euro erstanden. Die Firma Bilora war mir durchaus ein Begriff, ich verband sie bis dahin aber eher mit Fotozubehör (z.B. Stative). Dass sie auch Kameras produzierten habe ich erst durch diese Recherche hier erfahren. Der Name BILORA kommt von KürBI & NiggeLOh, Radevormwald, ein Ort im Bergischen Land, in dem ich selbst 2 Jahre meiner Kindheit zugebracht habe. Die Geschichte zur Kamera und ihrem Hersteller kann man bei Spuer-sinn.net und bei boxkamera.de nachlesen, ich möchte nicht alles wiederholen.
Die Bilora Boy ist wie alle Boxkameras höchst simpel gehalten, mit ihrem zweiteiligen Bakelit-Gehäuse besteht sie lediglich aus ca. 30 Einzelteilen und konnte so günstig produziert und für nur 9,90 DM (1950) verkauft werden. Fotografiert wird auf 127er Rollfilm (8 Bilder a 4 x 6.5 cm), der um die Unzulänglichkeiten des einlinsigen Meniskusobjektivs etwas auszugleichen gebogen geführt wird. Dessen Brennweite ist wohl ca. 65 mm bei f/11 als einziger Blende. Es gibt auch nur eine Verschlusszeit (wohl ca. 1/30 s) und Zeitbelichtung ("T" bzw. eigentlich B). 

Dieser Einfachverschluss hat bei meiner Kamera gehakt. Ich habe ihn daher gereinigt und etwas geölt und jetzt geht wieder alles. Für mich eine gute Gelegenheit des Funktionsweise mal genauer zu dokumentieren (siehe unten). Ich denke, viele Einfachverschlüsse funktionieren sehr ähnlich und die Bilora-Leute haben hier nichts wirklich spektakuläres gebaut:


Funktionsweise des Einfachverschlusses in sechs Stufen:

(1) Ausgangsposition: Der Hebel (H) wird durch die Feder (A) in seiner Position gehalten. Auf der einen Seite des Hebels ist der Auslöser (S) über ein Gestänge befestigt, auf der anderen Seite ist das Verschlussblatt (V) über die verdeckte Feder (B) so am Hebel befestigt, dass (V) auf der rechten Seite am Anschlag gehalten wird.
(2) Druck auf den Auslöser (S) schiebt den Hebel an den Anschlag rechts oben. Dabei wird Feder (A) gespannt, der untere Teil des Hebels schwingt über das Lager von (V) nach links und (B) zieht (V) plötzlich nach links.
(3) (V) setzt sich durch den Zug der Feder (B) jetzt nach links in Bewegung und gibt das Objektiv zur Aufnahme frei (gelb). Falls der Anschlag (M/T) auf Stellung T (Zeitaufnahme) steht, bleibt (V) in dieser Position und gibt das Objektiv solange frei, wie der Auslöser gedrückt bleibt.
4) Falls der Anschlag auf Stellung M steht, schwingt (V) nach ganz links durch und überstreicht so die Objektivöffnung nur kurzzeitig (vermutlich ca. 1/30 s).
5) Der Auslöser (S) wird losgelassen, Feder (A) zieht den Hebel (H) wieder in seine Ausgangsposition am linken oberen Anschlag. Dabei wird jetzt die Feder (B) zum Rückholen von (V) wieder gespannt.
6) Das Verschlussblatt (V) schwingt durch (B) gezogen wieder in seine Ausgangsposition nach rechts zurück. Dabei gibt es selbst kurzzeitig das Objektiv frei, das jetzt aber durch den Hebel (H) verdeckt ist! Damit ist der Kreis geschlossen und der Verschluss sofort (ohne extra Spannen) wieder auslösebereit!