2011-10-18

Universal Mercury II


Beim "town-wide garage sale" anfang diesen Monats musste ich lange suchen, um überhaupt Kameras zu sehen. Am Ende aber wurde ich fündig und konnte für nur 5$ dieses Schnäppchen machen, eine Kamera, deren Hersteller mir bis dato unbekannt war. Bei Recherche und Beschäftigung mit der Kamera wurde mir nach und nach klar, welches Schätzchen ich da für meine Sammlung ergattert hatte.

Universal Camera wurde 1932 in New York City von einem Banker und einem Versicherungsmakler gegründet, die mit dem Verkauf von billigen Massenkameras (UniveX) und entsprechendem Film erst einmal nur ein gutes Geschäft machen wollten. Ihr Geschäftsmodell basierte auf einem Vertrag mit der belgischen Firma Geveart, die einen speziellen zwar 35mm breiten, aber unperforierten Rollfilm lieferte. So konnte man Kameras billig verkaufen und hinterher am speziellen Film verdienen (kennen wir solche Geschäftsmodelle nicht auch heute noch?). Mit George Kende hatte man aber einen sehr fähigen Chefingenieur an Bord, der 1937 mit der Univex Mercury CC eine hochwertige Kamera designte, die schon speziell war und in ihren technischen Eigenheiten wenig mit den anderen Kleinbildkameras á la Leica, Contax et al. auf dem Markt gemein hatte.

Wer sich bis jetzt gefragt hat, was dieser Buckel auf der Kameraoberseite zu bedeuten hat, kann sich das Patent genauer ansehen (einfach auf das Bild klicken). Das zentrale Designmerkmal der Kamera ist ihr einmaliger Rotationsverschluss, sowas ähnliches kannte man bisher nur von Filmkameras. Durch Verdrehen zweier Halbscheiben gegeneinander bleibt immer ein Kreissegment mit variablen Winkel frei, die Rotation der Scheibe selbst ist immer gleich schnell (bei meiner Kamera knapp unter einer Sekunde für eine Umdrehung). Das freie Segment überstreicht nach dem Auslösen das Filmfenster (18 x 24 mm: "Halbformat", obwohl die Kamera eher KB-Dimensionen hat). 180° ergeben ca. 1/20 Sekunde, knapp 4° die 1/1000 s. Das wäre bis 1936 Weltrekord gewesen.


Doch 1936 kam die Contax II von Zeiss Ikon auf den Markt und die hatte als schnellste Verschlusszeit 1/1250 s. Universal konterte das 1939 mit der Mercury CC-1500 Superspeed. Eine stärke Feder wurde eingebaut, die 1/1500 durch schnellere Rotation der Scheibe realisierte. Leider brach diese Feder dann auch gerne, und Universal nahm die schnellere Version schon nach einem Jahr wieder vom Markt.
Universals Vorstoß in die Welt hochwertiger Kameras war riskant und kostspielig. Dummerweise fiel mit dem Beginn des zweiten Weltkriegs auch Geveart als Filmlieferant und damit die geldbringende Geschäftsgrundlage weg.  Zwangsläufig brachte man 1946 dann diese Mercury II als technisch fast identische Nachfolgerin, diesmal aber für den normalen 35 mm Kleinbildfilm, wie ihn auch fast alle anderen Hersteller benutzten. Doch schon 1952 war Universal Camera pleite.  So geht es, wenn Managementfehler und Pech zusammentreffen...


Bei meinem Post zur Polaroid Highlander hatte ich gefragt, ob dies die erste Kamera mit einem Mittenkontakt ("Hot Shoe") wäre. Hier ist die Antwort: Nein, die Mercury CC war 1938 die erste Kamera mit einem solchen und obiges Patent erwähnt auch dieses Feature, was später alle UniveX Kameras hatten. Alle anderen Kamerahersteller, die den Mittenkontakt Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre einführten, haben sich sicher gefreut, dass das Patent längst abgelaufen war.

2011-10-16

Compur Rapid (Zentralverschluss)

Als Nachtrag zur Contaflex II hier der entsprechende Compur Reflex Zentralverschluss, eingebaut ins Zentrum des Tessars, daher der Name. Oder heißt ein Zentralverschluss so, weil er sich vom Zentrum her öffnet? Wie dem auch sei, die Animation oben und auch das Schema unten zeigen eigentlich sehr schön, wie so ein Ding funktioniert. Interessant finde ich den Vergleich zwischen den deutschen und englischen Bezeichnungen für die beiden wichtigsten Verschlusstypen: Der ZENTRALVERSCHLUSS heißt im englischen LEAF SHUTTER (also "Blattverschluss"), wohingegen der deutsche SCHLITZVERSCHLUSS auf englisch FOCAL PLANE SHUTTER ("Schärfe-Ebenenverschluss") genannt wird. Also jeweils ein Mischmasch aus Funktions- und Positionsbezeichnung.
As an addendum to the Contaflex II here is the respective Compur Reflex leave shutter, sitting in the center of the Tessar, hence the German name 'Zentralverschluss' (Center Shutter). Anyway, the animation above and also the scheme below actually show nicely how the thing works. The comparison between the English and German names for the two main shutter types is quite interesting: The leaf shutter is named ZENTRALVERSCHLUSS in German, whereas the focal plane shutter is called SCHLITZVERSCHLUSS (Slit Shutter). In each case a mishmash of function and position description.
Ein Zentralverschluss ist ein interessantes feinmechanisches Gebilde und wurde schon 1904 von Friedrich Deckel und Christian Bruns erfunden und danach in immer besseren Varianten erfolgreich vermarktet. Aus Deutschland heraus dominierten die Firmen Friedrich Deckel in München (Compur) und Alfred Gauthier in Calmbach (Prontor) den Markt, beide gehörten am Ende zum Carl Zeiss Konzern, aus Japan kamen später mit Copal und Seikosha ebenbürtige Wettbewerber. Bei meinen Kameras mit Zentralverschluss dominiert der Compur (Contaflex II, Agfa Isolette II, Braun Super Colorette, Balda Hapo-24), danach Seikosha (Sears SL-9, Aires 35-V) und Copal (Yashica Lynx 5000, Olympus PEN EES-2), die anderen (Rollei 35, Seagull) sind wohl Eigenkonstruktionen bzw. in Lizenz gebaut.
A leaf shutter is an interesting fine mechanical structure and was invented already in 1904 by Friedrich Deckel and Christian Bruns. They later successfully launched more and more improved versions. From Germany, the two companies Friedrich Deckel in Munich (Compur) and Alfred Gauthier in Calmbach (Prontor) dominated the market, both at the end part of the Carl Zeiss Group. Later, from Japan Copal and Seikosha became on par competitors. Within my cameras having a leaf shutter the Compur dominates (Contaflex II , Agfa Isolette II , Braun Super Colorette , Balda Hapo-24 ), then Seikosha ( Sears SL-9 , 35-V Aires ) and Copal (Yashica Lynx 5000 , Olympus PEN EES 2 ), the other ( Rollei 35 , Seagull ) are probably self-designed or built under license.

2011-10-11

Zeiss Ikon Contaflex II

Zusammen mit der Yashica Lynx-5000  und der Kodak Instamatic 104 habe ich vor ein paar Monaten diesen Kamera gewordenen Ausdruck deutscher Ingeieurskunst auf einem amerikanischen Flohmarkt für (zusammen!) nur 15$ erworben. Immer noch ein Schnäppchen, obwohl lediglich die einfache Instamatic intakt war. Doch für den Preis konnte ich nicht widerstehen. Immerhin funktionierte der Auslöser und die Blende noch, die Kamera ließ sich spannen und auch äußerlich war sie noch ganz ansehnlich. Der Selenbelichtungsmesser zeigte wie so viele seiner 50 Jahre alten Kollegen nichts mehr an, aber das kann man verschmerzen. Was mich wurmte war, dass man durch den Sucher nichts mehr sehen konnte, anscheinend klappte der Spiegel nicht in seine vorgesehene Position. Spuren nach zu urteilen hatte schon vor mir jemand an der Kamera geschraubt, die Entfernungsskala am Objektiv fehlte und noch das eine oder andere Schräubchen. So habe ich mich also im Netz umgeschaut und auch tatsächlich ein Reparaturhandbuch gefunden, was 190 Seiten hat und eigentlich unverständlich ist. Auch findet man Beschreibungen, die einen mehr oder weniger direkt warnen, die Finger Schraubenzieher von dem Ding zu lassen, es wäre einfach zu kompliziert. Das hat mich aber irgendwie noch mehr herausgefordert und ich konnte ja nur gewinnen (habe ich gedacht!). Ich hab mich also an die Arbeit gemacht und das Ding fein säuberlich zerlegt, wie folgendes Bild beweist:
Nach ein paar Stunden habe ich aufgehört, die Teile weiter zu zerlegen. Ich wollte ja am Ende zumindest wieder ein Exemplar für die Vitrine haben. Ich kann nur bestätigen, was ich gelesen hatte: Die Kamera ist vermutlich eine der kompliziertesten und komplexesten mechanischen Konstruktionen, die es auf dem Markt je gegeben hat. Es hat mich einige Zeit gekostet und ich musste mehrfach zwischendurch aufgeben, bis ich sie am Ende wieder mit allen Teilen zusammen hatte. Leider muss ich gestehen, dass ich zwar den Spiegel in seine Sollposition bringen konnte und nun ein heller Sucher erstrahlt, der Auslöser aber nun blockiert ist. Tja, alles kann man halt nicht haben. Vielleicht versuche ich es an einem langweiligen Winterabend nochmal...

Zeiss Ikon brachte 1953 mit der Contaflex I eine kompakte SLR mit festeingebautem Objektiv und Zentralverschluss auf den Markt, die überhaupt erste ihrer Art. Entscheidendes Designmerkmal war der damals neue Compur Reflex Verschluss, um den herum quasi die Kamera konstruiert wurde. Die 1954 folgende Contaflex II war dieselbe Kamera mit zusätzlich eingebautem (ungekuppeltem) Selenbelichtungsmesser. Die Contaflexreihe war für den anspruchsvollen Amateur gedacht und wurde bis 1970 in verschiedenen Varianten angeboten. Bei der Markteinführung 1954 kostete sie 498 DM (in heutigem Geld ca. 1200€) und war trotz des Preises, aber wegen der soliden Verarbeitung und einiger damals herausragender Eigenschaften (die helle Sucherscheibe, das exzellente Tessar, ...) ein Erfolg am Markt. Zeiss Ikon fand einige Nachahmer (Kodak Retina Reflex, Voigtländer Bessamatic, um nur die beiden wichtigsten Konkurrenten zu nennen), allerdings hatte das Konzept mit dem Zentralverschluss entscheidende Nachteile: Nur (Vor-)Satzobjektive, eingeschränkte Lichtstärke, super komplexer Auslösevorgang, kein Rückschwingspiegel, u.a.. Die immer wieder genannten angeblichen Vorteile (Blitzsynchronisation bei allen Zeiten und kompaktere Bauweise) wollen mir nicht wirklich einleuchten. Wenn ich meine Nikon F, die immerhin ab 1959 gebaut wurde, in die Hand nehme, dann weiß ich genau, warum diese Kamera zum Archetyp der modernen Schlitzverschluss-System-SLR wurde (die Vorteile aufzuzählen, spare ich mir hier). Zeiss Ikon hielt auch aus Marketinggründen viel zu lange am komplizierten Zentralverschluss fest und besiegelt damit das Ende der westdeutschen industriellen Kameraproduktion. Frank Mechelhoff hat letzteres detailliert in einem interessanten Artikel beschrieben.

Die Contaflex 126, die ich als Kind schon mal benutzen durfte, hatte übrigends einen Schlitzverschluss. Ein paar Jahre früher als Kleinbildkamera auf dem Markt gebracht, vielleicht hätten die Deutschen den Japanern damit noch etwas länger Paroli bieten können. Die Contaflex-Serie hat sich ihren Namen übrigends von einem berühmten Vorfahren geborgt. Die urprüngliche Contaflex von 1935 war eine zweiäugige Spiegelreflex ("TLR", mit Schlitzverschluss!) und hatte als erste Kamera überhaupt einen eingebauten Belichtungsmesser. Zu ihrer Zeit war sie (auch preislich) quasi der Maybach der Kleinbildkameras, wurde selten verkauft und ist heute als Sammlerstück entsprechend heiß begehrt. Nicht zu vergleichen mit den 5$ für meine defekte Contaflex II... 

Seite aus dem Photo Porst "Photohelfer" Katalog von 1956

Nachtrag: Im Oktober 2012 konnte ich eine funktionierende Contaflex II erwerben...

2011-10-04

Olympus Zuiko 9-18 f4.0-5.6

This is my fourth and so far the lightest (5.5 oz, 155 g) super-wide angle lens. It fits perfectly with my E-PL1 . With focal lengths (35 mm eq.) of super-wide 18mm (100° angle of view) to the moderate "standard" wide-angle 36 mm (62° angle of view) in my eyes it covers a very suitable everyday usage range. Therefore, sometimes I even leave the ordinary standard zoom at home. One should mention that you can't take pictures in this compact form, which is only for transportation. One has to turn the zoom ring to extend it:
Dies ist mein viertes und bisher leichtestes (155 g) Superweitwinkel-Objektiv. Es passt perfekt zu meiner E-PL1 . Mit Brennweiten (KB) von superweiten 18mm (100° Bildwinkel) bis zum moderaten "Standard"-Weitwinkel von 36 mm (62° Bildwinkel) deckt es einen für mich sehr alltagstauglichen Bereich ab, so dass ich sogar machmal das normale Standardzoom einfach zu Hause lasse. Man sollte erwähnen, dass man in dieser kompakten Form nicht fotografieren kann (die ist nur für den Transport), man muss es durch Drehen des Zoom-Ringes erst ausfahren:
However, a very practicable approach. About its imaging performance it has already been written a lot, for example here . I can't complain either. I have not yet done a direct comparison with my Zuiko 7-14, but they both play in different weight and price categories. Nevertheless, I find the image quality to be excellent, the missing 14° angle of view between 9 and 7 mm does not really bother me (besides I can use my 7-14 per adapter also on the E-P1!). Here is a sample photo, taken last weekend at the Brooklyn Bridge in New York:
Dennoch ein sehr praxistauglicher Ansatz. Über die Abbildungsleistung ist schon geschrieben worden, z.B. hier . Auch ich kann nicht meckern. Einen direkten Vergleich mit meinem Zuiko 7-14 habe ich noch nicht gemacht, aber beide spielen ja in unterschiedlichen Gewichts- und Preisklassen. Trotzdem finde ich die Abbildungsleistung exzellent, die fehlenden 14° Bildwinkel im Vergleich zwischen 9 und 7 mm stören mich nicht wirklich (außerdem kann ich ja mein 7-14 per Adapter auch an der E-PL1 nutzen!). Hier ein Probefoto, aufgenommen letztes Wochenende unter der Brooklyn Bridge in New York:

Since I now have presented all four of my super wide lenses here, it's time for a comparison. Everyone has something special: The Carl Zeiss 20 f2.8 Flektogon is the most popular successor of the first retro-focus wide angle design for an SLR, the Nikkor 20 f3.5 is probably still the most compact (though slightly heavier than my newest!) super wide angle on the market, the Zuiko 7-14 is at the moment probably the best super wide zoom on the market, and finally here is the lightest of such lenses. Below see the comparison pictured. One might think that my need for super wide lenses is now satisfied? Well, if someone brings out a compact 10mm f2.8 prime lens for mFT I could probably get weak again. Even with a fisheye I have not played yet...
Da ich jetzt alle vier meiner Superweitwinkel hier schon vorgestellt habe ist es Zeit für einen Vergleich. Alle haben etwas besonderes: Das Carl Zeiss Flektogon 20 f2.8 ist als populärster Nachfolger der ersten Retrofokus-WW ein Klassiker, das Nikkor 20 f3.5 ist wohl immer noch das kompakteste (wenn auch etwas schwerer als mein neuestes!) Superweitwinkel auf dem Markt, das Zuiko 7-14 im Moment wohl das beste SWW auf dem Markt, und schließlich hier das leichteste SWW. Unten der Vergleich im Bild. Man könnte meinen, mein Bedarf an SWW ist nun gestillt? Nun ja, falls jemand eine kompakte 10 mm f2.8 Festbrennweite für mFT rausbringt könnte ich wohl nochmal schwach werden. Auch mit einem Fisheye habe ich noch nicht gespielt...

Still here for those interested in the link on the lens architecture ...

Hier noch für Interessierte der Link auf die Objektivkonstruktion ...