2018-07-14

Carl Zeis Tessar 40 mm f/4.5

Ich war einigermaßen erstaunt, dass ich neben dem "normalen" Tessar 2.8/50 mm dieses Tessar 4.5/40 mm als Wechselobjektiv der Praktica F.X2 Ausrüstung antraf. Bisher hatte ich von diesem Objektiv noch nichts gehört und war im ersten Moment fast erschrocken über die geringe Lichtstärke von f/4.5. Erst dachte ich, es ist vielleicht als Makroobjektiv gedacht gewesen, aber nach einigen Recherchen ergibt sich ein Bild: Es ist als Weitwinkelobjektiv benutzt worden. Laut Seriennummer wurde es im Juni 1953 gebaut und damit in einer Zeit, in der das moderne Retrofokus-Weitwinkel für die Spiegelreflex gerade erfunden, aber noch nicht wirklich verfügbar bzw. sehr teuer war. 
Vignettierung bei verschiedenen Blenden, hier am
Beispiel des westdeutschen Tessars 2.8/45.

Technisch existierte in der Anfangszeit der einäugigen Spiegelreflexkamera folgendes Problem für Weitwinkelobjektive: Der Spiegel im Strahlengang brauchte Platz. Bei der Kine-Exakta waren es 38 mm, es konnten also nicht einmal die moderaten und damals beliebten 35 mm Weitwinkel verwendet werden, denn Brennweite und Auflagemaß gingen mit den damaligen Optiken noch Hand-in-Hand. 
Da lag es nahe, es mit einem Tessar 40 mm zu versuchen. Dummerweise wird auch der Bildkreis dieses Universalobjektivs mit Abstand zur Filmebene kleiner und es leuchtete das Kleinbildformat insbesondere in den Ecken nicht mehr so aus wie der größere Normalobjektiv-Bruder. Diese sogenannte Vignettierung (relativ geringere Beleuchtungsstärke im Vergleich zur Bildmitte) kann man aber durch Abblenden verringern und so entschied man sich für f/4.5 als noch akzeptablen Kompromiss. Im Herbst 1953 kamen die ersten Flektogon Objektive von Carl Zeiss Jena auf den Markt und lösten das Problem mit neuer optischer Konstruktion, die Brennweite von Auflagemaß entkoppelte. Aber davon bei Gelegenheit noch mehr.

Mein Tessar hier ist jedenfalls recht selten und in dieser Form nur 5600 mal gebaut worden. Besonders interessant ist auch die Geschichte rund um den Neuanfang von Carl Zeiss Jena in den 1950ern

2018-07-08

Gelbfilter

Rückblickend scheint bestimmtes Fotozubehör sonderbar, einfach weil es heute nicht mehr gebraucht wird. Aber in den Zeiten der Schwarz-Weiß-Fotografie gehörten Gelbfilter zu jeder ambitionierten Fotoausrüstung. Was solche Filter tun, habe ich in einem früheren Post schonmal beschrieben. Diese drei hier gehören zur Ausrüstung rund um die Praktica F.X2  aus den 1950ern. Schön einzeln verpackt in Bakelit Etuis kamen sie in die Fototasche. Die 49 ist der Durchmesser des Filtergewindes in mm, lange Zeit ein Standardmaß bei Zeiss Ikon aber auch anderen. Es gab wohl auch noch einen "G3" Gelbfilter (mit 4x Belichtungsverlängerung), mein Vorbesitzer hat aber darauf verzichet.

2018-06-12

Ihagee Blitzleuchte


Auch dieses Zubehör kam mit meinem Flohmarktfang um die Praktica FX.2 herum. Wie fast alles andere auch in extrem gut erhaltenem Zustand, komplett im Karton. Sogar eine heute seltene Batterie vom Typ V72PX (22.5V) war dabei, allerdings keine Blitzlämpchen mehr, so dass ich das Ensemble aus Kamera und Blitz nicht wirklich ausprobieren kann. Eine Anleitung war (natürlich) auch dabei. Diese habe ich eingescannt und stelle sie hier anstelle von eigenem Text hier dem interessierten Leser zur Verfügung. Einfach auf das Bild oben klicken und viel Spaß dabei!

2018-05-26

KW Zwischenringe und Doppeldrahtauslöser

Zwischenringe sind die technisch simpelste Methode den Objektivauszug mechanisch zu verlängern und damit Nahaufnahmen zu ermöglichen. Bei M42 reichen simple Metallringe (wie diese hier aus Aluminium) mit vorne und hinten dem jeweiligen Gewinde. Diese hier, gebaut von den Kamerawerkstätten Niedersedlitz ("KW") in den 1950 oder 1960ern, sind 7, 14 und 28 mm breit. Beliebig kombinierbar erlauben sie einen maximalen Auszug von 49 mm und mit einem 50 mm-Objektiv einen maximalen Abbildungsmaßstab von ca. 1:1:

Ab 1956 hatten die Dresdener Kameras Praktica FX2 und später die Contax F mit entsprechenden Objektiven die automatische Springblende, d.h. die Blende blieb zum Scharfstellen maximal geöffnet und schloss sich erst beim Auslösen auf den eingestellten Wert.  Das ist natürlich auch bei Makrofotografie sinnvoll und dafür gab es noch einen Spezialzwischenring (14mm), der direkt hinter das Objektiv kam und den silbernen Pin bedienen konnte. Dazu brauchte man noch den mitgelieferten Doppeldrahtauslöser, der mit einem Druck dann die Blende schloss und die Kamera auslöste.

2018-05-20

Praktica F.X2


Einen überaus erfreulichen Flohmarktsfund hatte ich letzten Samstag: Eine quasi komplette und extrem gut erhaltene Kamera-Ausrüstung von ca. 1959. Neben der Praktica F.X2 waren drei Objektive dabei, ein Ihaagee Kolben-Blitzgerät, zwei funktionierende Selen-Handbelichtungsmesser, alte Filmdöschen, Zwischenringe, Drahtauslöser, Gelbfilter etc. Alles quasi wie neu, zum großen Teil im Originalkarton mit Anleitungen, was will da das Sammlerherz mehr. Der Verkäufer wollte 50 Euro für einen guten Zweck, da habe ich ich mir das sonst obligatorische Handeln verkniffen...
Die Kamera ist ein typischer Vertreter der Dresdener Kameraindustrie der 1950er. Als Nachfolger der Praktiflex kam von den Kamerawerken in Niedersedlitz 1949 die Praktica, von der im Laufe der nächsten 10 Jahre immer weiter verbesserte Varianten als FX und später FX2/FX3 gebaut und verkauft wurden (Details gibt es hier). Die Buchstaben FX sind übrigends eine Referenz an die eingebaute Blitzsynchronisation für Kolben und später Elektronenblitzgeräte. Alle Praktica-Varianten der 1950er hatten den aufklappbaren Lichtschachtsucher mit einschwenkbarer Sucherlupe. Als Zuberhör gab es einen Aufsteckprismensucher, der genau in den Lichtschacht passte:
Der Spiegel klappte nach dem Auslösen nicht wieder automatisch runter, ein Feature, was man von der Praktiflex leider nicht übernommen hatte. Der Verschluss ist ein horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss a la Leica, allerdings mit Zeiten von 1/2 bis 1/500 s und B an nur einem (mitdrehenden) Einstellring. 1956 wurde dann während der FX2 Produktion die automatische Springblende für das M42-Gewinde eingeführt, zu erkennen am breiten Hebel unterhalb des Spiegels bzw. objektivseitig am charakteristischen silbernen Pin.

Insofern ist die FX2 also doch ein technisches Meilensteinchen. Im letzten Jahr der Produktion wurde noch die Blitzsynchronisation um 10 Millisekunden korrigiert und die Bezeichnung bekam den Punkt zwischen F und X. Meine Kamera ist aus diesem Zeitraum und auch das Objektiv ist laut Seriennummer von 1958. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich langfristig mit ihr anstellen werde. Erstmal werde ich auch noch einige andere Teile aus der Ausrüstung hier dokumentieren. Fotos sind schon gemacht. Aber eventuell verkaufe ich auch das eine oder andere. Ich bin sicher, dass ich in Summe ein vielfaches meines Kaufpreises erzielen werde.


Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera mit Lichschachtsucher und erstmalig automatischer Springblende bei M42.
Objektiv M42 Schraubgewinde, hier Carl Zeiss Jena Tessar 50 mm f/2.8 (4 Linsen in 3 Gruppen).
Verschluss mechanischer, horizontaler Tuchschlitzverschluss 2, 5, 10, 50, 100, 200, 500 1/s und B.
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv, SLR.
Sucher Spiegelreflex, kombinierter (Durchsicht-)Sport und Lichtschachtsucher mit ausklappbarer Sucherlupe. Keine weiteren Scharfstellhilfen.
Blitz 2 Buchsen für F und X, Synchronzeit 1/40 s.
Filmtransport Drehknpof mit Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Trageösen, Aufsteckprimensucher (optionales Zubehör).
Maße, Gewicht ca. 152x91x49 mm, 624g (Gehäuse), 890g (mit Objektiv und Prisma)
Batterie keine.
Baujahr(e) 1958-1959, 29.000 Exemplare ("F.X2" Hummel 137), diese #317322 
Kaufpreis, Wert heute 521 Mark (1959, mit Tessar), heute ca. 50€
Links Camera-Wiki, Wikipedia, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, Kurt Tauber, Prakticas reparieren lassen.

2018-05-10

Pentax ME-F + AF Zoom 1:2.8 35-70mm


Ein Meilenstein der Kamerageschichte: 1981 war die Pentax ME F die erste (kommerziell erhältliche) Autofokus-Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm mit TTL (through the lens) Fokusmessung. Alle diese Einschränkungen müssen sein, denn die erste AF-SLR war die Polaroid SX-70 Sonar Onestep von 1978. Die erste kommerzielle AF-Kleinbildkamera habe ich auch schon in meiner Sammlung: Konica C35 AF von 1977. Man sieht, Autofokus war damals ein ganz heißes Thema und DIE Innovation nachdem TTL-Belichtungsmessung und Belichtungsautomatik inzwischen Stand der Technik waren. 


Alle renomierten Kamerahersteller arbeiteten also damals an Autofokus-SLR's und Asahi Pentax Ingenieure waren die schnellsten am Markt. Sie haben es sich aber auch recht einfach gemacht. Die Pentax ist im wesentlichen eine Pentax ME-Super, die um eine integrierte Scharfstellhilfe und ein paar weitere damit verbundene Kleinigkeiten erweitert wurde. Die Bilder oben zeigen, was anders ist: Während die rechte Kameraoberseite unverändert ist, kamen links zwei Schiebeschalter für die Scharfstellhilfe hinzu. Außerdem braucht die Kamera die doppelte Anzahl an Batterien. Die Messzelle für die Phasenkontrastmessung sitzt im Boden der Kamera, der Rückschingspiegel ist in der Mitte halbdurchlässig und ein zweiter Hilfsspiegel lenkt das Licht auf den neuen Sensor. Das ansonsten identische K-Bajonett hat 5 neue elektrische Kontakte, die die Scharfstellinformationen an das einzig verfügbare AF-Objektiv übermitteln: SMC Pentax AF 35-70/2.8 Zoom. Dies hat einen eingebauten Scharfstellmotor, der aus 4 AAA Batterien gespeist wird und entsprechend einen recht unattraktiven Bauch. 
Aufmerksame Leser meines Blogs werden es vielleicht bemerkt haben: Die Kamera gehört schon seit 2013 zu meiner Sammlung, seit gestern habe ich (endlich) auch das dazugehörige Objektiv (oben auf Bild)! Und das Beste ist: Der AF funktioniert, so dass ich hier links ein kleines GIF des Scharfstellvorgangs zeigen kann. Ruckelnd tastet sich der Schrittmotor im Objektiv an die richtige Schärfe ran, man kann es im ursprünglichen Video hören. Bei genügend Licht und Kontrast funktioniert das sehr zuverlässig. Aber schon im Innenraum mit künstlicher Beleuchtung kann man den AF nicht wirklich mehr gebrauchen. Auch die Scharfstellgeschwindigkeit liegt eher im (mehrere-) Sekundenbereich, kein Vergleich zu heutigen Systemen. Cirka 80,000 Kameras und vermutlich weniger AF-Objektive wurden von 1981-1984 gebaut. Leider blieb dieses Zoom das einzige AF-Objektiv von Pentax. Immerhin funktioniert die Scharfstellhilfe mit allen anderen verfügbaren K-Objektiven über die LED-Anzeige in der unteren Suchermitte (siehe Video) oder wahlweise mit einem akustischen Signal (wer's mag). 

Es folgten andere Kamerahersteller mit ähnlichen Konzepten: Yashica mit der Contax 137 AF (nur ein Prototyp auf der Photokina 1982), Olympus OM30/OM-F (1983), Nikon F3AF (1983, 2 Objektive, nur für Profis erschwinglich), Canon T80 (1985).  Alle diese Kameras waren nicht sehr erfolgreich am Markt und werden wohl selbst kaum die Entwicklungskosten für die neuen AF-Systeme eingespielt haben. Der Durchbruch für Autofokus kam 1985 mit der Minolta (Maxxum) 7000. Davon in diesem Beitrag, denn auch eine solche konnte ich im März 2013 günstig erwerben...

Datenblatt Erste KB-SLR mit passivem TTL-Autofokus
Objektiv AF-adaptiertes Pentax K Bajonett, AF nur mit SMC Pentax AF 35-70 f/2.8. Alle K-Objektive passen (ohne AF).
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß ( Seiko MFC -E2) 1/2000s - 4s, mechanisch 1/125s und B.
Belichtungsmessung Mittenbetonte TTL-Offenblendmessung mit GPD-Zellen. Empfindlichkeitseinstellung 12-1600 ASA. 
Fokussierung SLR, Mikroprismenmattscheibe, nicht auswechelbar. Elektronische Scharstellhilfe mit drei LED im Sucher, Steuerung des AF-Objektivs durch 5 Kontakte im Bajonett.
Sucher SLR, 92% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.95x. Anzeige der Belichtungszeiten mit farbigen LEDs. 
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/125s Synchronzeit. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz. 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel. Anschlussmöglichkeit für Winder "ME2"
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser , Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschlussmöglichkeit für Datenrückwand
Maße, Gewicht ca. 134/83/52 mm, 480g (Gehäuse), mit AF-Zoom und Batterien: 1124g.
Batterie 4 x 1.5V LR44 oder SR44 für die Kamera und 4x AAA (Objektiv)
Baujahr(e) 1981-1984, ca. 80,000 Exemplare. Diese: #3505076 ca. 1981.
Kaufpreis, Wert heute $994 (1981, inkl. AF Zoom), heutiger Wert ca. 250 € (Kamera mit AF-Objektiv)
Links Manual (english) , Wikipedia , Werbeanzeige, Geschichte des Autofokus nach Patenten (english), Lomography, andere frühe AF-SLR's (japanisch)

2018-04-15

Praktica LLC


Ende der 1960er Jahre war der VEB Pentacon der deutsche Kamerahersteller, der es noch am ehesten mit der immer besser werdenden japanischen Konkurrenz aufnehmen konnte. Nicht von ungefähr wurde die 1969 eingeführte L-Serie die erfolgreichste deutsche SLR. Allen L-Kameras (L von Lamelle) gemein ist der neue (relativ) kompakte vertikale Stahllamellenverschluss, der den bis dahin fast überall zu findenden langsamen horizontalen Tuchschlitzverschluss a la Leica in fast allen Belangen ins Abseits stellt. Aber dazu mal irgendwann etwas in einem extra-Post.  
Schon die erste Generation kam 1969 mit verschieden ausgestatteten Kameras. Neben dem Basismodell L gab es die LB (mit eingebautem nicht-TTL Belichtungsmesser), das Hauptmodell "LTL" (TTL bei Arbeitsblende), sowie die zwei Spitzenmodelle LLC und VLC. Letztere bot auswechselbare Sucher, beide hatten aber die andere große Innovation an Bord, TTL bei offener Blende, realisiert über die weltweit erstmalige Verwendung von elektrischen Kontakten zwischen Objektiv und Gehäuse.

Um es nochmal klar herauszustellen: Die LLC ist nicht die erste Spiegelreflex mit TTL bei offener Blende, sondern "nur" die erste Kamera, die für die notwendige Blendensimulation die Informationen vom Objektiv an die Kamera per elektrischen Kontakten (siehe Bild oben) übertrug. Schon die allererste Spiegelreflex mit TTL-Messung (Topcon RE Super) konnte stets bei offener Blende messen, auch andere Kameras der späten 1960er Jahre boten das (z.B. Minolta SRT-101, Nikkormat FTn), alle mit mechanischer Blendenwert-Übertragung. Der Marktführer und Prakticas größter Konkurrent bei Kameras mit dem defakto Standard M42 konnte es allerdings nicht: Pentax Spotmatic SP. Pentax brauchte sogar bis 1971 (Spotmatic ES) bzw. 1973 Spotmatic F, um hier am Markt nachzuziehen. 
Wichtigstes Bauteil der neuen elektrischen Blendenwert-
Übertragung: Schiebewiderstand im Objektiv.
Es ist aber vermutlich viel schwieriger eine mechanische Übertragung des Blendenwertes beim M42-Schraubgewinde zu realisieren als bei immer in der gleichen Position einrastenden Bajonett-Verbindungen. Unmöglich ist es aber nicht, wie schließlich 6 verschiedene andere untereinander nicht kompatibele mechanische M42-Modifikationen beweisen (1968: Pentacon Super, 1970: ZeissIkon Ikarex TM,  1971: Olympus FTL, Pentax ES, 1972: Fujica ST-801, 1974: Mamiya MSX 1000). Leider wollten oder konnten sich diese Hersteller nicht auf ein einheitliches System einigen. Vermutlich auch aufgrund der Tatsache, dass man verstanden hatte, dass M42 eh ein Auslaufmodell war und im Hintergrund schon an Bajonetten gearbeitet wurde. Der wichtigste M42 Nachfolger ist natürlich Pentax' K-Bajonett (1975) und das hatte eine genormte (mechanische) Blendenwert-Übertragung. Praktica kam erst 1979 mit einem Bajonett (daher der Name: B-Reihe) und das hatte wieder: Elektrische Kontakte (als  EDC, elektronische Blendenkontrolle beworben). 
Elektrische Kontakte in anderen Objektivfassungen tauchen dann erst wieder in AF-Kameras (1981: Pentax ME-F) auf, diesmal zur Übertragung der Entfernungs-Informationen. Hier hat kein Hersteller jemals versucht, auch diese mechanisch zu übermitteln. Spätere, konsequent mit der mechanischen Vergangenheit brechende Systeme (z.B. Canon EF) übertragen heute alles nur noch elektrisch, bzw. elektronisch. Saß in den Pentacon "electric" Objektiven nur ein einfacher Schiebewiderstand, so sind es heute Mikroprozessoren mit eigenem Betriebsystem (Firmware), die mit den Kameras kommunizieren. 

Meine Kamera hier habe ich als teilweise defekt, aber in äußerlich sehr gutem Zustand mit zwei Objektiven (darunter das exzellente und damals originale Zeiss Pancolar) für nur 40€ bei e-bay ergattert. Zu meiner Überraschung war auch die seltene PX-21 Batterie dabei, noch mit Spannung! Besonders stolz bin ich, dass ich die festsitzenden Blendenlamellen des Pancolars wieder gängig bekommen habe. Bei der nötigen Komplett-Zerlegung des Objektivs habe ich schon arg geschwitzt, aber am Ende flutscht alles wieder! Auch der Belichtungsmesser in der Kamera zuckt nach etwas Pflege wieder, allerdings scheinen die Blendenwerte vom Objektiv nicht übertragen zu werden. Schade, denn hierum geht es ja gerade. Mal sehen, was sich noch machen läßt. Im Übrigen wird die Kamera in der Vitrine den Platz ihrer jüngeren Schwester LTL3 übernehmen, den sie quasi für den Meilenstein hier stellvertretend eingenommen hatte. 


Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit elektrischer Übertragung des Blendenwerts für Offenblendmessung
Objektiv M42 Schraubgewinde, hier Carl Zeiss Jena Pancolar 50 mm f/1.8 (6 Linsen in 4 Gruppen)
Verschluss mechanischer, vertikaler Stahllamellenverschluss 1s bis 1/1000 s und B.
Belichtungsmessung CdS, Nachführmessung bei offener Blende, "Electric"-Objektive vorausgesetzt.  12-1600 ASA (12-33 DIN)
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, nicht gespannter Zustand wird durch Dreieck im Sucher angezeigt.
Blitz Mittenkontakt im Zuberhörschuh, keine extra Buchse. Synchronzeit 1/125 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel. Hilfe beim Filmeinfädeln.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Trageösen, Aufsteck-Okular für Zubehör, Zubehörschuh, Selbstauslöser, Arretierung für den Auslöser.
Maße, Gewicht ca. 145x98x50 mm, 613g (mit Batterie), 840g (mit Objektiv)
Batterie PX-21 (4.5 V)
Baujahr(e) 1969-1975, 176.697 Exemplare, diese #272497 
Kaufpreis, Wert heute 660 Mark (1969), heute ca. 50€
Links Camera-Wiki, Wikipedia, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, Vielseitige Praktica (Buch), Prakticas reparieren lassen.