2019-11-10

Kameraleder erneuern - Ising Puck

Vor Kurzem habe ich über diese kleine und interessante Kamera berichtet. Mein Exemplar hatte noch das ursprüngliche Leder, aber leider nicht mehr überall. An einigen Stellen wurde es mit einem nicht originalen Kleber wieder angeklebt, an anderen fehlte es ganz oder wurde einfach durch schwarze Farbe ersetzt. Für mich der perfekte Kandidat für ein Belederungsprojekt. 

Ein paar Anbauteile abschrauben und
komplett nackig machen...
Mit dem Gedanken, eine Kamera neu zu beledern, trage ich mich schon länger. Man kann ja im Netz schon fertig zugeschnittene Belederungs-Sätze kaufen, auch in poppigen Farben oder in Krokodil-Leder-Optik (z.B. hier, oder hier).  Aber das ist nichts für mich. Zum einen halte ich es mehr mit möglichst originalgetreuer Restaurierung, zum anderen gibt es die fertig geschnittenen Sätze nur für recht gängige Kameras. Die alten oder seltenen Schätzchen, an die ich denke, sind garantiert nicht dabei.  

Dann stolperte ich vor einiger Zeit über einen kurzen Beitrag über das Thema in einem Forum. Die Idee mit dem Schneidplotter hat mich sehr schnell überzeugt. Ein solcher stand auch schon länger auf der "Will-Haben"-Liste meiner Frau und so konnte ich ihr eine große Freude damit machen, einen solchen mir zum Geburtstag von ihr zu wünschen. 

Es wurde am Ende sogar der Silhouette Portrait, der im Artikel oben verwendet und empfohlen wurde. Dieser kommt mit einer recht simplen aber für den Zweck ausreichenden CAD-Software, mit der man sich seine Schnittmuster selbst erstellen kann. Hier nun also eine kurze Beschreibung, wie ich bei meinem kleinen Projekt vorgegangen bin.

Schnittmusterbogen, erstellt mit Silhouette Studio 4.2
Als erstes heißt es natürlich, das alte Leder von der Kamera zu entfernen. Bei vielen Kameras muss man dafür noch ein paar Anbauteile abschrauben, so auch bei der Ising Puck. Wie ich schon geschrieben habe, fehlte schon einiges an Leder und auch das andere war schnell abgezogen. Ich habe schon viel fester verklebtes Leder an anderen Kameras erlebt. Früher wurde oft Schellack als Klebstoff verwendet, zu erkennen an der rot-braunen Farbe. Wenn man auf solche Verklebungen stößt, hilft oft Einweichen mit Brennspiritus (Ethanol), darin ist Schellack nämlich löslich. Zum Glück war das bei mir nicht nötig. 

Plotter mit dickerem Papier testen und anprobieren...
Im nächsten Schritt habe ich den Schnittmusterbogen erstellt, eigentlich die Anweisungsdatei für den Plotter, wie er zu schneiden hat. Dazu habe ich die originalen Lederteile glatt gepresst, mit Tesafilm auf ein Stück Papier geklebt und eingescannt. Die Software Silhouette Studio 4.2 kann nämlich Bild-Dateien lesen und auch kontrastreiche Kanten selbstständig erkennen und in Schnitt-Linien übersetzen.  

Allerdings muss man trotzdem noch selbst Hand anlegen, um die von der Software gefundenen Schnittlinien zu glätten, bzw. Kreise wirklich rund und Linien wirklich gerade zu machen. Das nimmt seine Zeit in Anspruch, man findet sich in der Software mit der Zeit aber immer besser zurecht. Vorteil der Methode mit dem Scannen ist allerdings, dass man nicht alle Maße mit Lineal oder Maßband an der Kamera selbst abnehmen braucht. 

Fertig geschnittenes Leder mit Kleberücken
einfach anbringen und festdrücken.
Wenn man mit dem Schnittmuster fertig ist, empfehle ich Testplot(s) auf dickeres Papier (o.ä.) zu machen, um das neue Lederkleid vorab an der Kamera anzuprobieren. Ich selbst habe noch drei Runden gebraucht, bis es letztendlich alles passte.  Dann erst habe ich den Bogen Leder eingespannt und beim Plotter die Schneideparameter auf das neue Material eingestellt. Hier muss man wohl je nach Leder etwas rumprobieren. Bei mir ging das ganz schnell: Ich habe bei der Materialauswahl "Leatherette" (Kunstleder) gewählt, einen kleinen Schneidtest durchgeführt, und die Einstellungen so gelassen. Dann Schnittmuster an den Plotter senden und nach ca. 3 Minuten war bei mir alles fein säuberlich ausgeschnitten.

Das Leder habe ich bei Aki-Asahi in Japan bestellt (black uncut crinkled emboss, 220x320 mm). Auch wenn sich das erstmal verrückt anhört, kann ich das nur empfehlen. Der Service dieses Ladens ist klasse, Bezahlung per Paypal, sofortige email Bestellbestätigung, weltweiter Versand für nur 4 US$ und das innerhalb von ca. 10 Tagen. Das Leder kommt in exzellenter Qualität mit selbstklebender Rückseite, man muss also nicht mit Kleber hantieren. 

Schneidplotter bei der Arbeit
Das eigentliche Beledern selbst geht recht flott von der Hand. Natürlich muss man auch hier präzise arbeiten und genau ansetzen, aber man kann auch noch vorsichtig die eine oder andere einfache Korrektur anbringen. 

Mein Ergebnis kann sich sehen lassen und ich bin sehr zufrieden. Unbedarfte Kamera-Laien würden nicht merken, dass es sich um ein Do-It-Yourself Projekt handelt. Alle Schnitte sind super präzise, so was schafft man per Hand nicht. Allerdings ist das Leder von seinem Stil her eher "70er oder 80er Jahre Japan" als "30er oder 50er Jahre Deutschland". Es ist einen Ticken dicker als das originale Leder und natürlich auch anders gemustert. Die beiden Bilder auf dieser Seite zeigen das fertige Stück, das jetzt in der Vitrine steht. Bei mir wartet bereits die nächste Kamera auf ihr neues Lederkleid. Allerdings will ich hier auch noch mehr Restaurationsarbeit leisten und mir fehlt derzeit die Zeit dazu. Wer selbst noch Fragen oder Anregungen zum Thema hat, bitte unten in die Kommentare posten oder e-mail an knippsen(at)icloud.com.


2019-10-26

Praktica BX-20S


Die Praktica BX20S ist die letzte 35mm SLR "made in Germany", hat aber bis auf ein etwas moderneres Plastikdesign und ein paar Kleinigkeiten dieselben technischen Fähigkeiten wie ihre Vorgängerin BX20, welches wiederum das letze kommerziell erhältliche SLR-Modell des VEB Pentacon aus der DDR war. Ich habe schon einige Praktica Kameras in meiner Sammlung, bisher alle mit M42-Objektivgewinde. Eine Praktica mit dem ab 1979 erhältlichen B-Bajonett fehlte noch und mir war schon lange klar, dass wenn überhaupt eine B-Kamera, dann diese BX20S. Eben weil sie die letzte ihrer Art war und die ganze Geschichte mit der Wende dranhängt
Ich habe mich also schon seid einiger Zeit umgesehen und feststellen müssen, dass für das Ding ganz schöne Preise aufgerufen werden. Zum einen gibt es sogar noch unbenutzte und originalverpackte Einheiten, zum anderen gab es am Ende der Produktion kleinere Sonderserien (insbesondere die letzten 100, sowie 280 grüne und 155 grün-schwarze), die wegen der limitierten Zahl die Sammler auf den Plan rufen. Deren hohe Preise von ein paar 100 Euros scheinen auch auf die ganz normalen gebrauchten Exemplare abzufärben. Ich habe jetzt endlich recht günstig ein sehr gut erhaltenes Exemplar, sogar mit frischer Batterie und etwas Zubehör ergattert. 

Mein persönlicher Eindruck von der Kamera war dann in mehrerer Hinsicht ambivalent. Auf der einen Seite das äußere konsequent durchgängige Plastikgehäuse, durchaus wohlgeformt und angenehm in der Hand liegend. Gleichzeitig merkt man am Gewicht der Kamera, dass drinnen durchaus noch einiges an Metall und Glas verbaut wurde. Der Druck auf den Auslöser startet einen satten und warmen Spiegel- und Verschlussablauf, während das anschließende Spannen mit dem wackligen Schnellschalthebel einem die Nackenhaare aufstellen lässt: Am Ende des Aufziehens gibt es stets ein lautes Knacken und man glaubt etwas kaputt zu machen. Mit dem hellen und übersichtlichen Sucher und seinem innovativen Tripelmesskeil in der Mitte macht das Scharfstellen Spaß, während an der Seite kleine rote LED's nervös flackern.
Ansonsten bietet die Kamera einen technischen Standard, den man unbedarft in die frühen 80er verorten würde. Allerdings gab es nach Einführung der Autofokusgeneration ab Mitte der 80er und bis spät in die 90er weiter einen Markt für solche pre-AF SLR Kameras, man denke z.B. an die Nikon FE10 und ähnliche Cosina-made Gehäuse. Hier war die BX20S durchaus eine unabhängige Alternative für die es preiswerte, aber durchaus leistungsfähige Objektive gab. Ob allerdings das "Made in Germany" irgendwen hier überzeugen konnte, möchte ich bezweifeln. Das war sicher für die Leica R7 der Fall, die andere in den 90ern noch in Deutschland hergestellte SLR. Die spielte aber technisch und preislich in einer anderen Liga.  

DatenblattLetzte KB-Spiegelreflexkamera made in Germany 
Objektiv Wechselobjektive mit Praktica-B Bajonett. Hier mit PRAKTICAR MC 28-50 mm f/2.8-3.5 (made by Sigma, Japan). Elektrische Übertragung der eingestellten Blende an die Kamera.
Verschluss Elektronisch gesteuerter, vertikaler Metalllamellenverschluss . Stufenlos 40s - 1/1000 s bei Zeitautomatik, 1s - 1/1000 s und B bei Nachführmessung. Blitzsynchronisation bei 1/100s.
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, Si-Photodioden, 12-3200 ASA (DX). Automatische Belichtungssteuerung (Zeitautomatik) oder Nachführmessung mit wählbaren Zeiten. Belichtungskorrektur +/-2 in ganzen Stufen. Messwertspeicherfunktion (AEL).
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit Tripelmesskeil (Schnittbild) und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher (95%), eingespiegelte Blende, LED-Anzeige(n) für Belichtungsmessung (Zeiten), Blitzbereitschaft, Batteriekontrolle und AEL. 
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt, Extra-Kontakte für TTL-Blitzsteuerung nach SCA-321 Standard, kompatibel zu Olympus
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk (vorwärts zählend), Anschluss für Motoraufzug.
sonst. Ausstattung mechanischer Selbstauslöser (10s), gleichzeitig Abblendtaste, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Hauptschalter, Filmdosenfenster in der Rückwand.
Maße, Gewicht ca. 141/88/49 mm, 510g (ohne Batterie und Objektiv)
BatteriePX28 (6V, 4 x LR44 oder SR44 möglich)
Baujahr(e) 1992-2001, ca. 33.000 Exemplare, dieses #5138412 von 03-1995, eigentliche Serienfertigung endete 1999, eine limitierte Serie von 100 Kameras wurde 06-2001 das offizielle Ende der deutschen SLR Produktion)
Kaufpreis, Wert heute ca. 300 DM (?, 1995), heute ca. 100€
Links Bedienungsanleitung (dreisprachig)Dresdner Kameras, BX20 Teardown video, Praktica B-Kameras
Bei KniPPsen weiterlesenPraktiflex, Contax F, Praktica F.X2Praktica LLC, Praktica PL electronic, Praktica LTL3, 65 Jahre deutsche SLR, Deutsche SLR Statistik

2019-10-18

Von Kine Exakta bis Praktica BX20S - 65 Jahre deutsche Spiegelreflex

Die erste und die letzte SLR aus deutscher Produktion. Zwischen den beiden liegen sechs wechselvolle Jahrzehnte und ungefähr 12 Millionen Spiegelreflex-Kameras aus West- und hauptsächlich Ost-Deutschland,
zwischen den beiden Produktionsstätten in Dresden aber nur ca. 2 km.
Die letzte 35mm Spiegelreflexkamera, die in Deutschland gebaut wurde und die sogar stolz das Label "Made in Germany" tragen durfte heißt Praktica BX20S und seit dieser Woche nenne ich eine davon mein Eigen. Die Kine-Exakta war sechs Jahrzehnte vorher die erste Spiegelreflex für den 35 mm Film, ich habe ein Exemplar davon schon länger in meiner Sammlung. Die Statistik der 12.3 Millionen deutschen SLR habe ich ebenfalls hier ausgerollt. Hier nun in aller Kürze die Geschichte dazwischen. Über die "neue" Kamera werde ich demnächst in einem Extra Beitrag berichten. 

Die Geschichte der deutschen Spiegelreflex ist so interessant wie traurig, und wurde entscheidend geprägt durch die deutsche Teilung. Rückblickend kann man von einem Glücksfall sprechen, dass das technologische Zentrum der deutschen Kameraindustrie in und um Dresden lag, und damit die Kameraproduktion sich im Schutze der sozialistischen Planwirtschaft noch ein paar Jahrzehnte halten und sogar zumindest in der ersten Zeit nach dem Krieg sehr wacker schlagen konnte. Wäre es in Westdeutschland gewesen, dann wage ich hier mal die Behauptung, dass auch für Ihaage, Praktica und Co. das Aus Anfang der 1970er gekommen wäre.

Die letzte ihrer Art- SLR made in Germany
In Dresden und Umgebung jedenfalls konsolidierte sich die Kameraindustrie nach dem Krieg und man konnte gemeinsam unter dem Kombinatsdach des VEB Pentacon die Kräfte bündeln. In den 50er Jahren knüpfte man an alte Tugenden und auch Designs wieder an. Die ganze Geschichte und ihre Details kann man an vielen Stellen nachlesen (siehe auch die Links unten). In den späten 1960er Jahren probierte man sich sogar weltweit auf Augenhöhe an Elektronik, wie der erste elektronisch gesteuerte Schlitzverschluss beweist und brachte mit der Praktica L die erfolgreichste deutsche SLR-Serie auf den Markt. 

Ostdeutscher Verkaufsschlager der 70er :
Praktica L Serie mit M42
Während am Anfang der 1970er die westdeutschen Produzenten (bis auf Leitz) einer nach dem anderen die Segel strichen und der inzwischen technologisch als auch preislich davonziehenden japanischen Konkurrenz das Feld überließen, konnte der VEB Pentacon wegen des geschützten Wirtschaftsraums zumindest preislich noch etwas mithalten. Technisch ging auch den Dresdnern langsam der Atem aus und man hinkte den Japanern schließlich um Jahre hinterher. Als man (endlich) 1979 die moderne B-Serie mit einem Bajonett brachte, konnte die Kamera ungefähr das, was die führenden Japaner ca. 5 Jahre zuvor am Markt eingeführt hatten. Aber immerhin, man muss bedenken, dass die Pentacon Ingenieure wg. der wirtschaftlichen Isolation, alles alleine (nochmal) entwickeln mussten. Man konnte bzw. durfte nicht auf Komponenten von Zulieferern zurückgreifen. Die B-Serie wurde im Laufe der 1980er weiter gepflegt, als letzte Innovation kam mit der BX20 im Jahr 1987 TTL-Blitzautomatik und ein moderneres Kunststoff-Gehäuse.


Titel der Bedienungsanleitung mit großer
"Schneider Dresden Schleife"
Und dann kam 1989 die Wende und nichts war mehr wie vorher. Der VEB Pentacon hatte zu dem Zeitpunkt ca. 5000 Mitarbeiter, davon ca. 250 in Forschung und Produktentwicklung. Man hatte hochfliegende Pläne für eine BY-Serie mit Programmautomatik und sogar Autofokus und 37 Prototypen der BX20S in der Schublade.
Aber, es kam wie es kommen musste: man war nicht konkurrenzfähig im Kapitalismus. Die Treuhand wickelte ab, Teile des Kombinats wurden an frühere Eigentümer zurückgegeben, so z.B. die Kamerawerkstätten "KW" Niedersedlitz (Wiege der Praktica) an die Familie Noble, sowie die Görlitzer Meyer-Optik. Den Kern der aktuellen Kameraproduktion in Dresden erwarb der Fotounternehmer Heinrich Mandermann, der seit 1969 mit seiner Beroflex Vertriebsgesellschaft die Pentacon- und Orwo-Produkte im "Westen" erfolgreich vermarktete. Mandermann hatte zuvor schon den Objektivhersteller Schneider in Kreuznach (Westdeutschland!) aus der Insolvenz erlöst und gliederte nun den Dresdener Betrieb unter dem Namen "Jos. Schneider Feinwerktechnik GmbH & Co. KG" in seine Unternehmensgruppe ein. Die Produktion der BX20 geht mit deutlich reduzierter Belegschaft weiter, ab 1991 bis 1999 werden dann noch über 33.000 Exemplare der BX21S gebaut. Ab 1998 firmiert die Dresdener Tochter dann wieder unter Pentacon GmbH und 2001 wird nochmal eine letzte Serie von 100 Kameras aufgelegt. Das wars! Mehr Details über die Kamera selbst hier in Kürze...

2019-09-22

Konica Autoreflex TC



Ein Zufallsfund auf einem kleinen Flohmarkt vor 3 Wochen war diese Konica Autoreflex TC. Es ist schon meine dritte Konica SLR und eigentlich nichts Aufregendes. Gebaut von 1976 bis 1982 war sie Konica's Einstiegsmodell und erfuhr im Laufe ihrer (wohl sehr zahlreichen) Produktion kleinere kosmetische Änderungen und Optimierungen. So wurde z.B. die Bodenplatte am Ende aus Plastik gefertigt, erste Schritte hin zum Vollplastik-Gehäuse ihrer Nachfolgerin Konica TC-X. Alles weitere zu den recht simplen Spezifikationen der Kamera unten in der Tabelle. Meine Kamera ist ein spätes Stück mit der Seriennummer 814082 (vermutlich von 1981, dem SLR-Boomjahr überhaupt).

Im Inneren der Kamera (und auch auf der Rückseite der Anleitung) fand ich allerdings jeweils einen interessanten Aufkleber. Service und Garantie für Konica Kameras wurde damals vom Carl Braun Camera-Werk in Nürnberg geleistet. Der Aufkleber auf der Anleitung spricht sogar vom Alleinvertrieb in der Bundesrepublik Deutschland. Carl Braun, bekannt durch seine 50er-Jahre Kameras (z.B. die Paxette oder Colorette), hatte schon in den 1960er Jahren die eigene Kameraproduktion eingestellt und sich danach auf Diaprojektoren und anderes Zubehör verlegt. Dass sie auch Vertrieb und Service für einen (oder mehrere?) japanische Kamerahersteller übernommen haben, war mir neu. Ich habe versucht, im Netz dazu noch mehr zu finden, bisher aber ohne Erfolg. Carl Braun lebt zwar bis heute in der Braun Phototechnik GmbH fort, in der zugehörigen Firmengeschichte wird über den Ausstieg aus der Kameraproduktion und die 70er und 80er Jahre kein Wort verloren. Wer dazu noch andere Infos oder Quellen hat, bitte hier kommentieren.


DatenblattEinsteiger KB-Spiegelreflexkamera 
Objektiv Wechselobjektive mit Konica AR-Bajonett. Hier Super-Danubia Auto-Zoom 80-200 mm f/4.5.
Verschluss Mechanisch gesteuerter, vertikaler Metalllamellenverschluss (Copal Square). 1/8s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation bei 1/125s.
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, CdS, 50-1600 ASA. Automatische Belichtungssteuerung (Blendenautomatik) mit entspr. Objektiven.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher, (90%), Vergrößerung 0.91x bei 50 mm. Nadel-Anzeige für Belichtungsmessung (Blende). 
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt, X-Buchse.
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulknopf, Bildzählwerk (vorwärts zählend)
sonst. Ausstattung mechanischer Selbstauslöser (10s), ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Hauptschalter (klappt Schnellschalthebel ein)
Maße, Gewicht ca. 136/90/47 mm, 487g (ohne Batterie und Objektiv)
Batterie2 x PX625 (1.35V Quecksilber)
Baujahr(e) 1976-1982, dieses #814082 von 1981 (?)
Kaufpreis, Wert heute  299 US$ (1976), heute ca. 20€
Links Manual (english), Camera-Wiki, Konica-CollectorCollectiblend
Bei KniPPsen weiterlesen Konica TC-X, Konica FS-1, Konica C35V, Konica C35AF, Carl Braun Kameras

2019-09-08

Ising Puck


Über diese recht seltene Kamera bin ich neulich gestolpert, sie war bei e-bay gelistet und nur laienhaft beschrieben. Ich habe nach ein wenig Recherchieren das Mindestgebot von 15€ abgegeben und den Zuschlag bekommen. Ich selbst hätte die Kamera nach ihrer Spezifikation (3x4 cm Halbformat auf 127er Rollfilm) eher in die 1930er Jahre eingeordnet, sie stammt allerdings aus den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg, als es wieder möglich wurde Kameras zu produzieren (ab 1948).  Gebaut wurde sie vom relativ unbekannten Kamera- und Fotozubehörproduzenten Ising (Eugen Ising Metallwarenfabrik in Bergneustadt, Rheinland, heute NRW). Dieser hatte insgesamt nur 3 Kameramodelle (in wenigen Varianten) auf den Markt gebracht, die erfolgreichste davon war die Pucky, eine 6x6 Pseudo-TLR Boxkamera. 
Die (oder der?) Ising Puck war im Sinne der 1930er Jahre eine KLEINBILDKAMERA, denn so wurden eigentlich alle Kameras genannt, deren Negative zum endgültigen Betrachten vergrößert werden mussten, also alles bis ca. 6x6 cm. Ab 6x9 cm konnte man mit Kontaktabzügen schon leben. Erst ab den späten 30er Jahren, als die 135er Patrone ihren Siegeszug begann, wurde der Begriff Kleinbild immer mehr zum Synonym für das 24x36 mm Format auf perforiertem Cinefilm. 
Davor war der 127er Rollfilm (bei Agfa A8 genannt) mit seinen nur 46 mm Breite prädestiniert für kompakte Kameras. Seine Standardformate waren  4 x 6,5 cm (8 Aufnahmen pro Film), oder 4 x 4 cm (12 Aufnahmen, z.B. Baby-Rollei oder Yashica 44). Entsprechende Bildnummern waren auf der Rückseite des Trägerpapiers aufgedruckt und konnten durch die roten Fensterchen beim Filmtransport abgelesen werden.
Aber es gab (wie auch beim 135er) ein Halbformat, was meist hochkannt realisiert wurde, und zwar 3 x 4 cm. Exakt waren es eigentlich  1 5/8 x 1 1/4 Zoll, also 41,3 x 31,7 mm. Frühe Kameras für dieses Halbformat waren z.B. die Foth Derby und die Nagel Pupille, aber es gab noch eine ganze Reihe anderer, heute meist vergessener Kameras.
Die Puck war Ising's anspruchsvollste Kamera und steht ganz in der Tradition dieser Vorkriegsmodelle. Der Vorteil vom Rollfilm ist, dass der Transport einfach ist und nur in eine Richtung passiert, außerdem ist das Bildzählwerk per Rückseitenaufdruck schon dabei. Alle Halbformatkameras behelfen sich dabei mit zwei Fensterchen auf der Rückseite, wobei man die Zahl (z.B. 1) für's Vollformat zuerst im rechten und dann nochmal im linken Fensterchen sieht (ergibt Halbformat-Bilder 1 und 2), usw.
Das Komplizierte an der Kamera, Verschluss und Objektiv wird von Spezialisten dazugekauft. Hier hat Ising (wie damals üblich) verschiedene Varianten angeboten. Man griff dabei auf eigentlich für 24x36 mm gerechnete Objektive zurück (Meine Puck hat 45 mm Brennweite!), daher wurde die Bildmaske auf 28 x 37 gestutzt und damit fast 20% Filmfläche verschenkt.  
Mein Exemplar ist in einem recht gebrauchten Zustand, aber es funktioniert. An einigen Stellen fehlt das Leder, was mit schwarzer Farbe kaschiert wurde. Der Selbstauslöser hakt und die Rückwand klemmt ein wenig. Vielleicht komme ich zu einer sanften Renovierung, aber auch so ist sie ein nettes Stück für die Vitrine. 

Datenblatt kompakte Halbformat (3x4) Kamera für den 127er Rollfilm
Objektiv Rodenstock-Trinar 4,5 cm f/3.5. Auch mit Steinheil Cassar 5cm f/2.9, oder Staeble Kata 50mm f/2.8. Objektiv mit Tubus versenkbar.
Verschluss Prontor II Zentralverschluss, B-1-2-5-10-25-50-100-250. Auch mit Compur-Rapid (bis 1/500 s) oder Vario (B-25-75-200).
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv (ab 1 m) durch Verstellen der Frontlinse, keine Scharfstellhilfe.
Suchereinfacher, sehr kleiner Fernrohrsucher.
Blitz Buchse am Verschluss.
Filmtransport Mit Drehknopf, doppeltes rotes Bildnummern-Fenster für Halbformat (s.o.), verschließbar.
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, Tiefenschärfe-Drehknopf auf der Oberseite, (Zubehörschuh an späten Versionen), Stativgewinde 1/4", Standfuß ausklappbar, Bereitschaftstasche als Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 100x70x47 mm,  360 g 
Batterie keine
Baujahr(e) 1948-1950 (?), diese hier (#5585) eher früh, insgesamt wohl weniger als 10,000 Exemplare.
Kaufpreis, Wert heute ?, heute ca. 50 €.
externe Quellen und Links Classic Camera Collection, Cameras Sin Fronteras, 127er Rollfilm, Collectiblend
bei KniPPsen weiterlesenFerrania Tanit, Gevaert 127er Film, Rollfilm 127

2019-08-11

Rollei B35 Reparatur


Letzte Woche erhielt ich diese ansonsten sehr gut erhaltene schwarze Rollei B35 zur Reparatur. Sie wurde im Januar 1976 in Singapur gebaut, wie ein handschriftlicher Vermerk im Inneren der Deckelkappe verrät. Ich besitze selbst zwei weitere B35 in Chrom, eine noch made in Germany (1970), die andere auch made in Singapore (November 1971). Über letztere habe ich schon 2011 hier im Blog berichtet, und sie spielt bei der Reparatur der schwarzen eine Rolle.

Die B35 ist, wie allgemein bekannt ist, nicht ganz so robust gebaut wie die anderen Rollei 35 Kameras, im Netz findet man immer wieder Hinweise auf defekte Kameras (z.B. hier), bei denen sich ein Schräubchen gelöst hatte und in die sonstige Mechanik geraten ist. So ähnlich war es wohl auch mit dieser hier. Jedenfalls ist deren Besitzerin zu einem Repaircafe gegangen, die Kamera wurde geöffnet und eigentlich mehr Schaden angerichtet als Nutzen: man bekam das Ding gar nicht mehr zusammen, geschweige denn repariert.

Ich erhielt also eine e-mail mit der Frage nach einer möglichen Reparaturanleitung und habe schließlich meine Hilfe angeboten. Ich bin zwar kein professioneller Kameramechaniker, habe aber inzwischen schon die eine oder andere Kamera auseinandergenommen und heil wieder zusammengesetzt, kleinere Wehwehchen behoben, gereinigt und geölt. Die Tatsache, dass ich eine B35 schonmal halb auf hatte und ggf. dort nachschauen konnte, machte mich etwas selbstsicherer, die Sache zu versuchen.   

Die Kamera kam also letzte Woche auf dem Postweg zu mir, ich habe nicht lange gezögert und sowohl sie als auch meine andere B35 (Singapur) geöffnet. Einiges war irgendwie nicht richtig zusammen, Federchen ausgehakt, etc. Es fehlten auch ein paar Kleinteile. Insbesondere die beiden massiven weißen Plastikteile innerhalb des Transportmechanismus (Nr. 14, siehe Fotos links und rechts). Nach etwas Ausprobieren war klar, eines davon reicht auch und so wurde meine alte B35 zur Ersatzteilspenderin. Beide Kameras laufen jetzt mit einem davon und die schwarze ist wieder zurück auf dem Weg zu ihrer glücklichen Besitzerin. Ich bin einigermaßen stolz, das Ding wieder in Ordung gebracht zu haben, habe viel gelernt und Spaß dabei gehabt. Es gibt natürlich eine Reparaturanleitung (für Profis gedacht, siehe Bild oben), ich muss aber sagen, dass diese alleine mir nicht viel weiter geholfen hätte. Eine funktionierende Kamera zu haben und die Funktionen der Einzelteile am Beispiel zu sehen, war viel wichtiger.

Drei mal Rollei B35: links made in Germany (1970), mitte von 1976, recht von 1971 (beide made in Singapore).

2019-07-15

Reflex-Korelle IIa



Die Reflex-Korelle vom Kamerawerk Franz Kochmann in Dresden, war eine der ersten SLRs für 6x6 auf 120er Rollfilm. Als das erste Modell 1935 auf den Markt kam, war lediglich die Noviflex des lokalen Konkurrenten Eichmann ein paar Monate früher. Allerdings ist die Noviflex eine echte Rarität, es wurde wohl nur eine sehr geringe Stückzahl produziert. Hingegen war die Reflex-Korelle sehr erfolgreich und dementsprechend auch heute noch gebraucht gut zu bekommen. Für mich gehört sie zu den Meilensteinkameras, da sie neben der Exakta als erste das SLR-Prinzip modern für Rollfilmkameras interpretiert.

Daher gehört eine Reflex-Korelle natürlich in meine Sammlung und ich verfolge schon länger den Markt. Gut erhaltene und funktionierende Exemplare wechseln so um die 200€ den Besitzer, ich habe hier deutlich darunter zugeschlagen und auch ein entsprechendes "Wrack" bekommen. Die äußerlichen Gebrauchsspuren kann man schon an den Fotos sehen, auch innerlich ist nicht mehr viel ganz, der Verschluss steht offen und der Spiegel ist fast blind. Für mich Ansporn, ein Restaurationprojekt in Angriff zu nehmen, was sich aber sicherlich etwas länger hinziehen wird. Ich werde natürlich berichten und hoffentlich hier irgendwann das restaurierte Exemplar wieder präsentieren.

Von der Reflex-Korelle gibt es einige wenige an sich ganz ähnliche Varianten. Dies kam daher, dass sie nach Verkaufsstart kontinuierlich weiterentwickelt wurde, ein damals nicht ganz unübliches Vorgehen. Das erste Modell (nur "Reflex-Korelle") kam 1935 auf den Markt. Der Verschluss konnte 1/25 bis 1/500 s, ganz frühe Prototypen versuchten (erfolglos) 1/10 bis 1/1000 s. Schon 1936 kam das Modell II, die frühere Variante wurde von da an Modell I genannt und weiterhin produziert. Modell II hatte ein zusätzliches Langzeitwerk (2 s - 1/10) und ein Vorlaufwerk (Selbstauslöser). Ab 1937 kam für beide Varianten ein verbesserter Filmvorschub mit Autostop (Ia und IIa) und im selben Jahr kam mit dem Modell B eine einfachere und preiswerte Variante auf den Markt, der einige Extras wie kombinierter Film- und Verschlussaufzug sowie der Sportsucher fehlten.   

Franz Kochmann (*12.09.1872), der Erfinder einiger Kameras und Gründer der Firma schuf mit dieser Kamera sein best verkauftes Werk. Er war in seiner Heimatstadt Dresden ein sehr erfolgreicher Unternehmer, wohnte in einer heute noch existierenden Stadtvilla, die zum Motiv eines bekannten Gemäldes von Ludwig Meidner wurde, das Franz Kochmann dort selbst mal an der Wand hängen hatte. Nun, Franz Kochmann war Jude und wurde 1938 aus seiner eigenen Firma gedrängt, konnte sich mittellos vor den Nazis nach Holland retten und überlebte dort den Holocaust. Nach dem Krieg arbeitete er dort für das Kamerawerk Vena und die Venaret hat einige Ähnlichkeiten mit der Reflex-Korelle, auch wenn sie eine viel einfachere Kamera war. Franz Kochmann starb am 25. 06. 1956 mit 83 Jahren an den Folgen eines Autounfalls. Von der Reflex-Korelle gab es auch nach ihm weitere Modelle, aber das ist eine andere Geschichte und kann in den Links unten weiter verfolgt werden. 

Datenblatt frühe Spiegelreflexkamera für Rollfilm (120)
Objektiv Wechselobjektive mit 40,5 mm Schraubfassung. Hier mit
Schneider-Kreuznach Radionar 7,5 cm f/2.9 (3 Linsen). 
Verschluss horizontaler Tuchschlitzverschluss, B-25-50-75-100-200-500, separates Langzeitwerk: 10-5-2-1-2 (nur Modell II/IIa)
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv, keine Scharfstellhilfe außer der einfachen Mattscheibe.
SucherSLR, einfacher faltbarer Lichtschachtsucher mit optionaler Sucherlupe. Alternativ ausklappbarer Sportsucher.
Blitz keinerlei Anschlussmöglichkeit.
Filmtransport Schnellaufzugkurbel, mit Verschluss gekuppelt. Bildzählwerk 1-12, zusätzlich "rotes Fenster" auf der Rückwand. Ab 1937 automatischer Filmstop ("a"). 
sonst. Ausstattung automatischer Rückschwingspiegel, Stativgewinde, Selbstauslöser, Drahtauslöseranschluss. 
Maße, Gewicht 145x75x85 mm, 750g
Batterie keine
Baujahr(e) 1935-1939, Modell IIa: 1937-1939. Diese von 1937.
Kaufpreis, Wert heute 142 RM (1937, IIa mit Radionar), in gutem Zustand ca. 200€.
externe Quellen und Links Camera-Wiki, Instruction manual (english), Pentaconsix.com, Kurt Tauber, Dresdener Kameras, Shutterbug - Top20 camerasWikipedia, Über Franz Kochmann, Reflex-Korelle Repair, Mike Eckman, Leaflet, Elrectangulo, Broschüre,
bei KniPPsen weiterlesenIhagee Kine Exakta

2019-07-01

Dating your Camera - Altersbestimmung


Ich möchte hier und heute mein kleines Online-Tool zur Altersbestimmung von Kameras und Objektiven anhand ihrer Seriennummern vorstellen. Es ist die Erweiterung dessen, was ich schon 2016 für Schraubleicas gebastelt hatte. Es existiert auch in dieser Form schon länger auf dieser Seite, bisher zu finden ganz rechts unten. Ich habe es jetzt noch etwas optimiert, mit weiteren Seriennummern-Tabellen gefüttert und nun hier rechts oben plaziert. Ich denke, die Benutzung ist so gut wie selbst erklärend.
May I introduce a small online tool for determining the age of cameras and lenses simply based on their serial numbers? It is the extension of what I did for screw mount Leica's in 2016. It already existed in this form at the far right bottom of this page for some time. I have now optimized it a little, fed with more serial number tables, and now placed here on the top right. I think usage is more-or-less self-explanatory.

One of my sources:
a French booklet
from 1994 with information
covering up to ca 1991.
ISBN 2-906840-06-8
Um aber Vertrauen in das jeweilige Resultat zu bekommen, hier noch ein paar Hintergrundinfos zu Methodik und Quellen:
However, in order to get confidence in the respective result, here are some background information on methodology and sources:


1) Das Resultat ist auch nur so genau, wie die jeweilige Quelle es hergibt. Es wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass der Kamera- oder Objektivhersteller einfach hochgezählt hat.
1) The result is only as accurate as the respective source. It is generally assumed that the camera or lens manufacturer has simply counted up.


2) Oft wird linear interpoliert. Wenn zum Beispiel bekannt ist, dass eine Kamera zwischen 1950 und 1954 gebaut wurde und Seriennummern von 100000 bis 150000 hatte, dann gibt mein Progrämmchen für 123456 das Jahr 1952 an. Es könnte aber natürlich sein, dass sich die Produktion nicht linear über den Zeitraum verteilt und dieses Exemplar schon 1951 oder erst 1953 gebaut wurde.
2) Often linear interpolation is used. For example, a certain camera was built between 1950 and 1954 and had serial numbers from 100,000 to 150,000, then the result for serial #123456 would be 1952. However, it could well be that production was not distributed linearly over the period and this copy was built in 1951 or  even 1953.


3) Es wird grundsätzlich nur das (interpolierte) Baujahr angegeben, auch wenn manche Quellen so genau sind, dass auch eine Interpolation auf Monatsebene möglich wäre. Hier sollte man nochmal die jeweilige Quelle genauer konsultieren.
3) Basically, only the (interpolated) year of production is given, even if some sources are so accurate that interpolation at month level would also be possible. Here you should again consult the respective source more closely.


4) Derzeit umfasst das Tool folgende Kameras, Objektive und Verschlüsse. Neben der jeweiligen Quellenangabe gebe ich auch meine Einschätzung zur Genauigkeit (Definition siehe unten).
4) Currently the tool includes the following cameras, lenses and shutters. In addition to the respective source, I also give my assessment of accuracy (definition below).



Manufacturer/Brand Remarks, Sources Accuracy, *)
Angenieux Lenses, Les CHIFFRES CLES ** 1936-1950,
*** since 1951
Carl Zeiss Camera-Wiki *** 1912-1941,
** post war
Compur Leaf Shutter, additionally to other serial numbers. Sometimes Compur shutters have strange other numbers.
Camera-Wiki
***
Ihagee (Exa, Exakta) Dresdner Kameras **(*)
Kodak Only for Retina or Retinette cameras. Simple Kodak cameras used the CAMEROSITY code. ***
Leica Screw mount cameras, Cameraquest
(M-Rangefinder and SLR's, Cameraquest, coming soon)
****
****
Leitz Lenses 1931-2012, Les CHIFFRES CLES, Ken Rockwell  ***
Meyer Görlitz Lenses, Les CHIFFRES CLES **
Nikon Nikon rangefinders: Les CHIFFRES CLES
Nikon F, F2: Destoutz, Netzwerk Fotographie
all other Nikon or Nikkormat SLR (own assessment)
Nikon Lens serials can be found here (not in the tool)
****
****
**(*)
Rodenstock Lenses, Les CHIFFRES CLES **
Schneider-Kreuznach Lenses, Les CHIFFRES CLES, Camera-Wiki ***
Steinheil Lenses, Les CHIFFRES CLES **
Voigtländer Lenses, Les CHIFFRES CLES, Camera-Wiki ***
*) Accuracy definitions:
* very low accuracy, only linear interpolation, probably +/- 2 years

** low accuracy, at least a few firm serial/year assignments, rest is linear interpolation, +/- 1 years
*** high accuracy, for most years the serial number range is known. Only little interpolation. +/- 0.5 years or better.
**** very high accuracy. Serial number blocks are documented by the manufacturer. Even assignments to specific cameras are possible (e.g. Leica Screwmount).

2019-06-27

KB-Balgenkameras der 1930er

Um das Kapitel der einklappbaren Balgenkameras für den Kleinbildfilm abzuschließen und abzurunden, hier ein Vergleich der drei sehr ähnlichen Konkurrentinnen von Kodak, Balda und Welta. Alle drei habe sehr viel gemeinsam, kein Wunder, steckt doch die entscheidende Technik im Verschluss und im Objektiv. Beides konnte man sich quasi aus dem gleichen Sortiment dazu konfektionieren. Die Verschlüsse waren (fast ausschließlich) von Deckel in München, zumeist Compur oder Compur-Rapid. Die Objektive stammten von Schneider-Kreuznach oder Carl Zeiss in Jena und wenigen anderen Herstellern. 
Die Unterschiede liegen also eher im Gehäuse selbst, der Verarbeitung und der Anordnung der jeweiligen Bedienelemente für Bildtransport und Rückspulung. Auch manches Extra-Feature macht ggf. den entscheidenden Unterschied. Hier also eine kleine Tabelle:


Kodak RetinaI, 1934-1954 Balda Baldina, 1935 -1951 (Jubilette, 1938) Welta Welti,
1935-1951

Preis 1937 mit Schneider Xenar  f/3.5 und Compur Rapid 85 RM 94 RM 97 RM
besondere
Ausstattungs-merkmale Gehäuse
Tiefenschärfedrehrad Tiefenschärfe-Tabelle
Parallaxenausgleich (kontinuierlich)
Trageschlaufe
Tiefenschärfe-Tabelle
Parallaxenausgleich (zwei Stellungen)
Zubehörschuh

Maße (BxHxT)
Gewicht
120 x 75 x 35 mm
443 g
123 x 83 x 38 mm
424 g
125 x 80 x 40 mm
540 g

So, mal angenommen, ich wäre 1938 mit ca. 100 RM in einen Fotoladen gegangen, um eine solche Kamera zu kaufen. Welche wäre es geworden? Für die Welti spricht insbesondere der Zubehörschuh, damit kann man z.B. einen Entfernungsmesser aufstecken. Allerdings wirkt sie deutlich klobiger als die beiden anderen und ist insbesondere dicker und auch schwerer. Auch ist sie die teuerste von allen und damit für mich raus. Die Baldina bzw. Jubilette ist zusammengeklappt kaum dicker als die Kodak und sogar etwas leichter, gleichzeitig wirkt der Klappmechanismus etwas solider (interessanterweise klappt sie in die andere Richtung auf). Was sie für mich disqualifiziert, ist das Filmtransportrad an der Unterseite der Kamera und das seltsame Bildzählwerk, bei dem sich das äußere Gehäuse dreht und damit vor versehentlichem Verstellen in der Hosentasche nicht geschützt. 
Bleibt also die Kodak Retina. Sie ist nicht nur die preiswerteste des Trios, sondern wirkt auch am praktischsten. Das Tiefenschärfe-Drehrad ist doch intuitiver zu bedienen als eine schnöde Tabelle und zusammengeklappt hat man sie gerne in der Hosentasche dabei. So wie ich haben wohl einige damls gedacht, denn mit wohl über 400,000 Exemplaren ist sie die erfolgreichste der drei. Leider gibt es keine Produktionszahlen der anderen, aber viel mehr als 100,000 werden es jeweils nicht gewesen sein.
Welta Weltini (175 RM*)
Diese Kameras sprachen den ambitionierten Foto-Einsteiger mit wenig Geld an. Man sollte nicht die Agfa Karat Kamera vergessen zu erwähnen, auch eine Faltbalgenkamera für den Kino-Film (Karat-Kassette!). Diese war allerdings halb so teuer wie die Kameras auf dieser Seite und vom Anspruch auch eher knapp oberhalb der Boxkameras angesiedelt.
Oberhalb dieser Kameras gab es ein weiteres Marksegment mit Faltbalgenkameras, was sich an den ambitionierten Amateur mit etwas mehr Geld richtete. Diese Kameras hatten alle einen gekuppelten Entfernungsmesser eingebaut. Alle drei Hersteller dieser Seite bedienten mit der Retina II, der Super Baldina und der Weltini dieses Segment, die Kameras kosteten ca. 50% mehr. In dieser Klasse spielten mit der Certo Vollina und der Super Nettel von Zeiss Ikon noch weitere Hersteller mit.

Balda Super Baldina (150 RM*) Kodak Retina II (185 RM*)
Certo Vollina III (175 RM*) Zeiss Ikon Super Nettel (178 RM*)

* Alle Preise und Abbildungen aus dem Photo-Porst Katalog von 1937. Preise soweit verfügbar mit Carl Zeiss Tessar oder Schneider Xenon 5 cm f/2.8 und Compur Rapid. Die Super Nettel mit Tessar f/3.5 und Metall-Schlitzverschluss.

2019-06-21

Balda Jubilette


Und hier ist noch eine frühe Faltbalgenkamera für den 135er Kleinbildfilm: Eine Balda Jubilette von 1938. Die Kamera ist ein Sondermodell des Modells Baldina zum 30-jährigen Firmenjubiläum der "Balda-Werke Max Baldeweg" in Dresden. Balda, wie die Firma in Kurzform hieß, wurde 1908 als Fotozulieferer gegründet und stellte seit 1925 selbst Amateurkameras her. Die Baldina war Baldewegs erste Kamera für dem immer populärer werdenden Kleinbildfilm. Die Baldina kam fast zeitgleich mit der Welti im Jahr 1935 auf den Markt, beide folgten der Kodak Retina, die 1934 auf den Markt kam und die 135er Patrone als Konfektionierung des 35mm-Kinofilms einführte, und damit dem erfolgreichsten Filmformat einen entscheidenden "Push" gab. 

Die Baldina gab es wie die Konkurrentinnen auch mit einer Auswahl an Objektiven vom einfachen Dreilinser mit Frontlinsen-Fokus bis hin zum lichtstarken 6-linsigen Xenon. Das Ganze auch noch jeweils entweder mit dem Compur (bis 1/300 s) oder dem Compur-Rapid (bis 1/500 s) Verschluss. Die Preisspanne war dadurch mit 72-132 RM enorm, wie mein Photo-Porst Katalog von 1937 zeigt. Allerdings war in der Basisversion die Baldina die günstigste der 3 Konkurrentinnen.
Die Jubilette von 1938 war nichts anderes als diese Basisversion und es gab sie schon ab 50 RM, aber auch hier war per Aufpreis vom 10 RM der Compur-Rapid oder von 2 RM der Parallaxenausgleich zu ordern.
Durch den Status als Jubiläumskamera kann man die Jubilette eindeutig ins Jahr 1938 datieren. Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht: Wie bei Welta ist auch bei Balda keine Gehäuse-Seriennummer zu finden. In meinem Fall kommt erschwerend hinzu, dass das Corygon Objektiv zwar eine Nummer trägt (227283), diese aber von dem recht seltenen Optik-Produzenten C. Friedrich in München stammt, von dem weiter nicht viel bekannt ist. Der Compur Verschluss trägt die Nummer 0036383. Auch das ist seltsam, Compur Verschlüsse aus den Jahren 1937 und 1938 fangen normalerweise mit einer 4 an. Ggf. ist es doch eine interne Balda-Nummer und der Verschluss wurde unter Lizenz hergestellt? Dafür spräche, dass diese fünfstellige Zahl zumindest die Größenordnung wiedergibt, die ich für die Baldina-Produktion damals schätzen würde (siehe zum Vergleich die bekannten Zahlen der Retina bzw. eine ähnliche Vermutung hier). 
Wie bei Welta und anderen Kameraherstellern im Großraum Dresden wird auch bei Balda die Kameraproduktion kriegsbedingt zurückgefahren, dann eingestellt. Nach Demontage durch die Siegermächte folgt der Wiederaufbau und die Wiederaufnahme der Produktion am Ende der 1940er Jahre. Max Baldeweg (1877-1955), damals schon Ende 60 verließ bei der Enteignung 1946 Dresden zusammen mit seinem Geschäftsführer und gründete seine Firma im Westen (Bünde/Westfahlen) neu. Das Werk in Dresden firmierte ab 1951 unter dem Namen Belca und wurde letztendlich vom VEB Pentacon absorbiert. Die Baldina wurde zwischen 1947 und 1951 weiter produziert. Alle anderen bekannten Nachkriegskameras unter der Marke Balda kamen dann aus Westdeutschland. Sogar der Name Baldina wurde weiter benutzt, allerdings für ein komplett neues zeitgemäßes Design. Ich habe diese Kamera schon in meiner Sammlung, allerdings deren OEM-version für Photo Porst unter dem Namen Hapo 24



Datenblatt Faltbalgen-Sucherkamera für KB-Film (135)
Objektiv Friedrich Corygon-Anastigmat 5cm f/2.9 (3 Linsen). Auch mit entsprechenden Objektiven von Schneider und Meyer erhältlich, alle mit Frontlinsen-Fokussierung.
Verschluss Compur Zentralverschluss, T-B-1-2-5-10-25-50-100-300. 
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv (ab 0.4 m), keine Scharfstellhilfe.
Suchereinfacher, Fernrohrsucher, mit Parallaxenkorrektur-Drehrad. (Bei einigen Jubilette Exemplaren fehlt das)
Blitz kein Anschluss.
Filmtransport Mit Drehknopf auf der Unterseite, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung Gehäuseauslöser,  Tiefenschärfe-Tabelle auf der Rückseite,  Anschluss für ISO-Drahtauslöser, Stativgewinde 3/8", Trageschlaufe,  Bereitschaftstasche als Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 123x83x38 mm,  424 g 
Batterie keine
Baujahr(e) 1938, als (einfaches) Jubiläumsmodell der Baldina.
Kaufpreis, Wert heute 75 RM (1938), heute ca. 30 €.
externe Quellen und Links Camera-Wiki, Instruction manual (english), Digipainters Blog, Kurt Tauber, Dresdener Kameras, Jubilee BucketWikipedia, John's old Cameras
bei KniPPsen weiterlesenKodak Retina (118), Kodak Retina (010), Kodak Retina (126), Welta Welti, Zeiss Ikon Tenax IWichtigste KB-Kameras 1937 (Porst Katalog), Hapo 24