2020-09-27

Smena 8M

Ich habe sie schon ca. 4 Jahre in meinem Regal stehen, damals für ganz wenig Geld auf einem Flohmarkt erworben. Auch wenn ich sonst Plastikkameras liegen lasse, hatte diese irgendwie mein Interesse geweckt und ich musste sie einfach mitnehmen. Dann stand sie also in meinem Regal neben den vielen anderen herum, wurde immer wieder verschoben und so recht wusste ich nicht, ob und wann ich sie hier in meinem Blog vorstellen sollte und was es überhaupt dazu zu erzählen gibt.

Dann stolperte ich neulich über diesen Beitrag der Leute von DPreview. Auch wenn dieser recht oberflächlich recherchiert ist und jegliche Quellenangaben fehlen, fragte ich mich, ob es wirklich stimmen kann, dass diese hier die am meisten produzierte 35mm Kamera der Welt ist. Ich habe also ein bisschen im weiten Netz gegraben und versucht diese Angabe zu bestätigen. In der Tat findet man auf der Sovietcams.com Seite (eine der besten spezialisierten Kameraseiten, die ich kenne, mit Quellenangaben!) die Zahl von 21.041.191 Einheiten (8M zusammen mit ihrer Vorgängerin Smena 8), die in 32 Produktionsjahren (!) zusammengekommen sind. Es gibt für mich keinen Grund an dieser Angabe zu zweifeln. Auch die Tatsache, dass von Smena 8 zu Smena 8M ein Designwechsel stattgefunden hat, disqualifiziert sie nicht. Das Objektiv, der Verschluss und alle wesentlichen Funktionen blieben dieselben. Auch entfallen auf das ältere Modell 8 vermutlich nur ca. 3 Millionen davon, und für die 8M verbleiben immer noch ca. 18 Millionen, die es zu schlagen gilt.
   
Die Frage ist eher nach den "Gegnern" in diesem "Wettbewerb" um die meist produzierte Kamera der Welt. Hier also das Ergebnis meiner ersten (nicht umfassenden) Recherchen: Zunächst möchte ich auf meine SLR-Liste verweisen, die mit der Zenit E auch eine Sowjet-Kamera an der Spitze hat (12 mio). Aber auch die Canon AE-1 und AE-1 Programm haben es mit zusammen mehr als 10 mio. auf eine erkleckliche Zahl gebracht. Bei DPreview wird die Olympus Trip 35 auf Platz zwei genannt, mit 5.4 mio Einheiten. Ganz nahe daran käme wohl auch die Yashica Electro 35 (Serie) mit ebenfalls über 5 mio Stück. Leider gibt es nur von den wenigsten Kameras oder Herstellern verlässliche Produktionszahlen. Aber ich vermute, dass auch andere Kameras insbesondere aus den 1970ern auf ähnliche Zahlen gekommen sind. Mir fallen hier die Canonet QL17, Konica C35 oder die  Minolta Himatic (Serien) ein. Diese Kameras waren alle super erfolgreich, standen aber miteinander im (kapitalistischen) Wettbewerb und wurden so regelmäßig durch verbesserte Modelle ersetzt. Keine Chance also, die mit langem Atem erreichten Zahlen aus der Planwirtschaft zu übertreffen. Einen anderen Longseller gibt es aber noch aus den USA zu berichten: Die Argus C3 bringt es immerhin auch auf ca. 3 Millionen Stück in 28 Jahren (1938 bis 1966).
Alle diese o.g. Kameras betreffen den 135er Film und das 24x36 mm Format. Aber auch bei anderen Filmformaten gab und gibt es Topseller: Insbesondere Kodak war in der Massenproduktion von einfachen Kameras sehr erfolgreich. Schon die frühen Box-Kameras und Folders gingen in die Hunderttausende. Der erste wirkliche Megaseller (ca. 10 Millionen) war die Starflex-Serie für den 127er Film in den 1950ern, der dann in den 1960ern durch die 126er Instamatic-Serie deutlich übertroffen wurde. Angeblich wurden alleine von Kodak mehr als 60 Millionen 126er Kameras bis Mitte der 1970er gebaut. Es kann gut sein, dass ein einzelnes Modell davon (Instamatic 104 ?) auch mehrere Millionen erreichte. Zahlen konnte ich keine finden. Aber auch Agfa und ihr amerikanischer "Ableger" Ansco produzierten zeitweise mehrere Millionen Kameras pro Jahr, allerdings ebenfalls viele Modelle mit häufigen Modellwechseln. 
Grundsätzlich nahm die Zahl der produzierten Kameras im Laufe des letzten Jahrhunderts kontinuierlich zu. Dass es nach 1980 allerdings ein einzelnes Modell auf mehr als ein paar Millionen gebracht hat, ist wegen der ebenfalls zunehmenden Modellvielfalt sehr unwahrscheinlich.  Also bleibt mir zu konstatieren: Die Smena 8M ist höchstwahrscheinlich die Kamera mit der höchsten Produktionszahl eines einzelnen Modells. Aber Stop! Dies gilt nur für Film und vermutlich auch für reine Digitalkameras, auch wenn ich hier noch nicht in Details geschaut habe. Aber es gibt ja... das iPhone 6 (inkl. 6plus), welches mit seiner 8MP Rückseitenkamera insgesamt 224 Millionen Mal verkauft wurde, davon allein 4 Millionen am ersten Verkaufstag, dem 19. September 2014. Auch viele andere populäre Smartphones schlagen die Smena 8M noch.    


Zurück zur Smena. Die Kamera selbst ist ein durch ihren Minimalismus fast unkaputtbares Fotografierwerkzeug. Gespart wurde an Belichtungs- und Entfernungsmesser, Schätzometrie ist also angesagt. Auch ist der Filmaufzug nicht mit dem Verschluss-Spannen gekoppelt, beides muss separat betätigt werden. Vergisst man das eine oder andere, kommt es zu Doppel- oder Leerbelichtungen. Wenn man sich als Fotograf aber konzentriert und richtig schätzt, hat der kleine Apparat alles, um zu guten Bildern zu kommen. Das Objektiv ist ein vergütetes Triplet mit 40 mm Brennweite, die Blende hat 8 (!) Lamellen und die solide Filmführung glänzt durch eine ordentliche Andruckplatte für exakte Planlage. Blitzlichter lassen sich per Kabel und PC-Buchse anschließen und die Beschriftungen rund ums Objektiv richten sich sowohl per Piktogramme an die Anfänger wie auch mit den üblichen Skalen an erfahrenere Fotografen. Ich schätze, dass sehr viele gelungene Schnappschüsse und Familienerinnerungen damit festgehalten wurden. Mein Exemplar ist von 1990 (Seriennummer 90107993) und aus der PK3470-Serie. Als ich sie auf dem Flohmarkt gekauft habe, war sogar noch ein Film drin, den ich allerdings bei der überraschenden Entdeckung ruiniert habe. Sie bekommt jetzt natürlich einen gebührenden Platz in meiner Sammlung, vermutlich neben meinem inzwischen auch ausgedienten iPhone 6!

2020-09-05

Canon Zoom FDn 35-70 mm 1:4

Mit meiner Canon A-1 kam ein interessantes Objektiv, das selbst ein paar Worte verdient hat. Canon war kein früher Pionier bei Zoom-Objektiven, hat aber spätestens seit Anfang der 1970er Jahre gerade in diesem Segment bei den Objektivherstellern ganz oben mitgespielt und vielfach auch den einen oder anderen neuen Standard gesetzt. Damit haben sie Zoom-Objektiven überhaupt erst zu der allgemeinen Akzeptanz verholfen, die sie heute noch haben. Dieses Objektiv ist ein sehr schönes Beispiel dafür.
Frühe Zoomobjektive boten bis auf die Tatsache, dass der Fotograf nicht mehr das Objektiv für verschiedene Bildwinkel wechseln musste, eigentlich nur Nachteile: Sie waren teuer, schwer und groß (manchmal schwerer und teurer als zwei entsprechende Festbrennweiten zusammen), oft lichtschwach.
Linsenschnitt des 35-70 f/4, ausgeführt in 
zwei jeweils gegenläufig verschiebbaren
Gruppen.  
Was aber am meisten schmerzte waren die Kompromisse, die man bei den Abbildungsleistungen machen musste. Gerade beim letzten Punkt hat Canon Pionierarbeit geleistet. Ihr FD 35-70 mm f/2.8-3.5 von 1973 gilt als das erste Standardzoom, das es von den Abbildungsleistungen mit den gängigen Festbrennweiten aufnehmen konnte. Es war zwar immer noch relativ schwer und teuer, aber den Bildern sah man das Zoom nicht mehr an. In den folgenden Jahren arbeiteten die Hersteller auch an den äußeren Dimensionen und dem Preis  und so bot Fuji als erster Hersteller im Jahr 1977 eine SLR zusammen mit einem kompakten Zoom als Standard an (Fuji AZ-1 mit Fujinon 43-75). 
Die anderen folgten natürlich und auch Canon brauchte ein preiswertes, leichtes und dennoch optisch gutes Standardzoom für ihre Megaseller AE-1 und A-1. Herausgekommen ist dieses FDn 35-70 mm f/4 mit der grundsätzlich ähnlichen optischen Konstruktion wie der alte Star von 1973, allerdings etwas lichtschwächer. Außerdem wurden einige Teile in Plastik statt Metall ausgeführt und damit wurde es nur noch etwas größer und schwerer als ein 50 mm Normalobjektiv. Angeblich sind sogar die Abbildungsleistungen nochmal etwas besser als der Ahn. Tatsächlich bescheinigen auch neuere Tests an Digitalkameras dem Objektiv exzellente Ergebnisse über den ganzen Brennweitenbereich.
Eine Sache ist recht eigenartig (und vielleicht einzigartig?) bei diesem Zoom. Es behält stets seine externen Maße. Sowohl Zoomen als auch Fokussieren passieren innerhalb der äußeren Hülle, die am vorderen Ende aus dem Fokusring besteht. Da die Frontlinse je nach Einstellung mehr oder weniger hinter dem Entfernungsring verschwindet, fungiert dieser daher auch als Sonnenblende. Lediglich bei 35 mm Brennweite und 50cm Entfernung (nächstmögliche Einstellung) kommt die Frontlinse soweit raus, dass man einen Filter aufschrauben kann. 

Datenblatt kompaktes Standardzoom mit sehr guten Abbildungsleistungen
opt. Konstruktion 8 einzeln stehende Linsen in 2 Zoomgruppen, Typ Drehzoom
Blende f/4-f/22 in halben Stufen einrastend, 6 Blendenelemente
Vergütung Mehrschicht (Super Spectra Coating)
Filtergewinde 52 mm, dreht sich mit Fokus. Innerhalb des Fokusrings, keine größeren Filterhalter oder z.B. Linearpolfilter möglich.
bekannte optische Schwächen  tonnenförmige Verzeichnung bei 35mm, sonst ohne größere Schwächen, scharf bei allen Brennweiten.
Bajonett  Canon new FD, mit Entriegelungstaste am Objektiv
Maße, Gewicht ca. 87mm x 63 mm Durchmesser, 305 g
Baujahr(e) 1979-1983
Kaufpreis, Wert heute 45.000 Yen (1979), ca. 30€
Links Ken Rockwell, Canon Camera Museum, Olypedia, MIR, Canon Classics

2020-08-30

Canon A-1

Auch wenn es mir als ehemaliger Nikonianer schwer fällt zuzugeben: Die Canon A-1 war bei ihrem Marktauftritt im Jahr 1978 der Konkurrenz weit voraus und hat es geschafft viele Dinge, die damals am Rande des technisch machbaren waren, in einem Gehäuse zu vereinen. Diese Kamera hatte so gut wie alles, was sich der ambitionierte Amateur wünschte und zielte genau auf diese Käufergruppe (für die Profis gab es "die F"). Canon hatte Innovation aber nicht nur in die Kamera selbst, sondern auch in ihre Fertigungstechniken gesteckt und so konnte man das Ding zu einem Preis anbieten, den die Konkurrenz für viel schlechter ausgestattete Kameras verlangte. Der Preis stimmte nachweislich: Die A-1 verkaufte sich wie schon ihre etwas früher erschienene Schwester AE-1 wie "geschnitten Brot", insgesamt fast 2,5 Millionen mal. Sie ist damit unbestritten eine der wichtigsten Kameras der SLR-Geschichte, natürlich auch technologisch betrachtet.  

Laut Anleitung ein "von Skalen und Zeigern völlig ungestörtes
 Sucherbild". Ich persönlichfinde die Digitalanzeige zwar
informativ, vermisse aber Richtungszeiger für Über- bzw. 
Unterbelichtung. Für P-Modus OK, bei M unbrauchbar! 
Auch Canon war bewusst, welche innovative Leistung sie da 1978 abgeliefert haben. So findet sich in der Einleitung der Bedienungsanleitung sehr selbstbewusst 5 mal der Begriff „erste Kamera“. Allerdings beziehen sich die ersten vier davon auf die tatsächlich in dieser Form in einer Kamera neuartige Elektronik (eher innere Werte), erst Nr. 5 nennt auch das für die Fotografen greifbare Neue: 5 Automatikmodi plus volle manuelle Kontrolle, wenn gewünscht. Und sie ist tatsächlich die erste SLR, die die gleichzeitige automatische Einstellung von Blende und Verschlusszeit „Programmautomatik“ (P) nennt. Die ein Jahr vor der A-1 erschienene Minolta XD-7 (und ihre größte Konkurrentin am Markt) hatte „nur“ eine versteckte Programmautomatik an den jeweiligen Bereichsenden von Zeit- oder Blendenautomatik. Die A-1 kann genau das übrigens auch, und für mich ist das für den ambitionierten Amateur völlig ausreichend. Mit ihrem Preis/Leistungsverhältnis sprach die Canon allerdings auch ein paar SLR Anfänger an und die werden den P-Modus wohl häufig genutzt haben. Die allererste SLR mit Wechselobjektiven und „elektr(on)ischer“ Vollautomatik war die wenig bekannte Wirgin Edixa electronica von 1962, allerdings mit einer teuren und umständlichen Technik, die fast niemanden vom Hocker riss. 
Schaltzentrale mit jeweils teilverdecktem zentralen Einstell-
rad. Interessanterweise wird auch bei Zeitautomatik (Av) hier
die Blende eingestellt, was recht fummelig und nicht sehr ergonomisch
ist. Gut gelöst ist die Kombi aus Hauptschalter und Selbstauslöser.

Die Canon A-1 faszinierte und polarisierte die Fotoszene mit einer in dieser Fülle selten gesehenen Vielfalt von Einstellmöglichkeiten, Hebeln, Knöpfen und Systemzubehör. Die fünf Automatikmodi waren nur die Spitze des Eisbergs. Sie hatte aber auch ein paar Schwächen, die ihre Kritiker aus den anderen Markenlagern gerne betonen: Da ist zuerst der altbackene horizontale Tuchschlitzverschluss, der nur 1/60s Synchronzeit schafft und ohne Batterie gar nicht funktioniert. Was mir persönlich besonders missfällt ist die fummelige und manchmal umständliche Bedienung außerhalb des P-Modus. Da sind ihre direkte Konkurrentin Minolta XD7 und viele spätere Automatikkameras deutlich ergonomischer. Ansonsten ist nicht viel Negatives zu sagen. Sogar die Kritik an ihrer kleinen Schwester AE-1 trifft nicht, es wäre zu viel Plastik im Spiel. Bei der A-1 ist trotz gleicher Gehäusedimension und vieler Gleichteile tatsächlich einiges (wieder) aus Metall, und sie wirkt (und ist) dadurch sehr robust. Auch heute noch findet man wohl viel mehr noch funktionierende A-1 Exemplare als von den zahlreicheren Schwestern AE-1 und AE-1 Programm. Das ist rückblickend keine Selbstverständlichkeit für eine Kamera der Elektronik-Generation!
  
Nach längerer Marktbeobachtung bei e-bay war ich erstaunt, wie gefragt die A-1 auch heute noch ist. Gut erhaltene und funktionierende Gehäuse wechseln so zwischen 40 und 80€ die Besitzer, für ein originales Canon Objektiv dazu muss man je nach Typ nochmal das selbe rechnen. Über mein relativ günstig ergattertes Exemplar bin ich sehr glücklich. Nach Einlegen einer neuen Batterie zeigte sich der komplette Funktionsumfang. Die Kamera war aus erster Hand, gut gepflegt und wohl immer nur mit diesem Objektiv bestückt gewesen, daher auch kaum Staub auf Spiegel oder Mattscheibe. Trotzdem sieht (und hört, s.u.) man der Kamera an, dass sie benutzt wurde. Nach Aussage der Erstbesitzerin aus Berlin für vielfältige Streifzüge nach Ostberlin nach dem Mauerfall 1989 und auch zur Verhüllung des Reichstags durch Christo und Jean Claude im Jahr 1995.
Fast alle heute ca. 40 Jahre alte Canon A-1 haben ein mehr oder weniger großes "Altersleiden", so auch mein Exemplar. Es wird in den entsprechenden Kreisen meist (Keuch-)Husten oder Astma genannt und klingt beim Auslösen der Kamera auch fast so. Michael Reichardt hat auf seiner Seite nicht nur Tonaufnahmen davon, sondern auch sehr schön beschrieben, wie einfach man das wieder mit einem Tröpfchen Öl beheben kann. So hab ich es auch gemacht.
Canon hat übrigens ihre A-Serie nach der A-1 weiter ausgebaut und abgerundet. Neben den älteren AE-1 (Blendenautomatik) und AT-1 (Nachführmessung), gab es später noch eine AV-1 (Zeitautomatik). Die AE-1 bekam mit der AE-1 Programm eine noch erfolgreichere Nachfolgerin und mit der letzten A-Serienkamera AL-1 deute Canon schonmal an, dass auch sie bereits an Autofokus forschten. Canon konnte alle diese Kameras kostengünstig mit fast identischem technischen Innenleben bauen, immerhin zusammen etwas mehr als 13 Millionen Exemplare zwischen 1976 und 1985. Damit haben sie Ende der 1970er Jahre erstmalig die Marktführerschaft im SLR Segment übernommen, aber diese Geschichte bereite ich vielleicht mal extra auf... 

Datenblatt high-end Amateur SLR mit PSAM Automatik-Set
Objektiv alle Objektive mit Canon FD (ab 1971) oder FDn (ab 1979) Bajonett, frühere FL-Objektive (ab 1964) können mit Einschränkunegn genutzt werden. Hier mit dem Standardzoom FD 35-70 f/4 (ab 1979).
Verschluss elektronisch gesteuerter, horizontaler Tuchschlitzverschluss 30s - 1/1000s, B, stufenlos bei Zeitautomatik. Keine mechanische Verschlusszeit, Kamera funktioniert ohne Batterie nicht.
Belichtungsmessung Si-Photodiode, TTL, mittenbetont, LW -2 bis 21, Empfindlichkeit 6-12.800 ASA (9-42 DIN).
Belichtungsautomatik erste Kamera mit den heute üblichen vier Modi "PSAM": Programmautomatik, Zeitautomatik ("Av"), Blendenautomatik ("Tv"), Manuelle Einstellung, Zeitautomatik bei Arbeitsblende. 
Fokussierung manuell am Objektiv, serienmäßige Einstellscheibe mit Mikorprismenring und Schnittbildindikator. Weitere Einstellscheiben erhältlich, Wechsel nur durch Kundendiesnt.
Sucher eingebauter Pentaprismensucher 0.83-fache Vergrößerung (50mm), zeigt ca. 94% des Bildes. 7-Segment-LED Anzeigen für Blende, Verschlusszeit, Blitzbereitschaft und andere Warnungen. 
Blitz Synchronzeit 1/60s, Anschluss über PC-Buchse oder Mittenkontakt im Zubehörschuh, Extrakontakte für Canon-Systemblitze: Blitzautomatik stellt automatisch Synchronzeit und Blende ein.
Filmtransport Schnellschalthebel, Rückspulkurbel, Bildzähler (vorwärts- und rückwärts zählend!), Anschluss für Winder (2 B/s) oder Motordrive (bis 5 B/s).
sonst. Ausstattung Okularverschluss und mögliche Abschaltung der LED-Anzeige gegen Fremdlichtfehler bei Stativaufnahmen, Messwertspeicher mit Taste, Abblendschieber, elektronischer Selbstauslöser (2 oder 10 s), Mehrfachbelichtungshebel, auswechselbare Rückwand für den Ansatz einer Datenrückwand, ¼ '' Stativgewinde, Anschluss für ISO-Drahtauslöser, Filmlaschenhalter
Maße, Gewicht ca. 141 x 92 x 48 mm, 620 g
Batterie 6V PX28 oder 4LR44, Batterietest-Taster.
Baujahr(e) 1978-1985, ca. 2,43 Millionen Exemplare, dieses #1296717 von März 1981 (Code V342F)
Kaufpreis, Wert heute 1098 DM (1980 mit 1.4/50), ca. 50-200 € je nach Zustand und Objektiv
Links Camera-WikiWikipedia (D), Wikipedia (E)Ken Rockwell 35-70, Canon Camera Museum, Bedienungsanleitung, Canon SLR production numbers

2020-07-19

Yashica half 17 EE Rapid


Eigentlich ist diese Yashica half 17 EE Rapid nur ein Beifang bei meinen Recherchen zur Yashica Electro 35 und Yashica TL Electro X. Sie kam im Bundle mit dem zweiten Electro X-Gehäuse, was ich gekauft habe, zusammen für nur 20€! Auf den Fotos hier kann man ihren exzellenten Zustand schon erahnen, nach dem Auspacken durfte ich auch ihre inneren Qualitäten testen. Zu meinem Entzücken ist auch hier alles tadellos, der Belichtungsmesser mit seiner Copal B Mat Vollautomatik funktioniert.
Corporate Design at its best! Neben der Halbformatkamera 17 EE Rapid (18x24 mm, mitte) ihre Instamatik-Schwester EZ-matic 4 (24x24 mm, links) und die legendäre Electro 35 (24x36mm, rechts). 

Aber sie passt natürlich auch so toll in meine Sammlung. Ihr sperriger Name verrät schon alle ihre Besonderheiten: "half" steht natürlich für's Halbformat 18x24 mm, die 17 für die außergewöhnliche Anfangsöffnung des Objektivs von f/1.7, "EE" für Electric Eye, was damals eine gängige Bezeichnung für eine von der Selenzelle gesteuerte Belichtungsautomatik war. Ja, und Rapid steht natürlich für den Rapid-Film, den Agfa als Konkurrenz zu Kodak's Instamatik-Kassette reaktiviert hatte, ich habe schon darüber berichtet. Interessanterweise hatte Yashica fast identisch ausgestattete und auch designte Kameras sowohl für die 126er-kassette (24x24 mm) als auch den 135er Kleinbildfilm (Halbformat) im Programm.

Natürlich ist sie am Markt eine direkte Konkurrentin für die Fujica Rapid S2, über die ich neulich erst berichtet hatte. Das in diesem Beitrag über die Vollautomatik gesagte, trifft auch auf die deutlich kompaktere Yashica zu, der Lichtwertverschluss kommt allerdings vom Wettbewerber Copal. Der Blick durch den Sucher (siehe links) ist bei der Yashica deutlich informativer als bei der Fujica, neben der Verschlusszeit wird auch ein Hinweis auf die eingestellte Entfernung angezeigt. Auch eine Parallaxenmarkierung ist vorhanden. Mit diesen Hilfsmitteln dürften sich einige misslunge Aufnahmen vermieden haben lassen.

Yashica hat Mitte der 1960er Jahre eine ganze Anzahl sehr ähnlicher, aber doch in Details verschiedene Kameras gebaut und verkauft. Ausgangspunkt war die Yashica half 17 (1964), im Prinzip dieselbe Kamera wie diese, aber für den 135er Kleinbildfilm. Diese hatte natürlich eine Rückspulkurbel und eine Einstellung für die Filmempfindlichkeit, beides für Rapid-Patronen unnötig. Dann gab es ab 1965 parallel zu dieser  "EE" eine Yashica half 17 Rapid. Diese hatte keine Belichtungsautomatik, sondern nur Nachführmessung an Bord. Ab 1966 dann kam das Topmodell Yashica half 14, wieder für die Kleinbildpatrone, aber mit f/1.4 Objektiv und CdS statt Selenzelle. Darüber hinaus gab es parallel noch die EZ-matic Serie für Kodaks Instamatik (126) Kassette und Sucher- und Messsucherkameras für 24x36 mm Standard-Kleinbildformat der Serien Minimatic, Minister und Lynx.

Ebenfalls im Jahr 1965 erschien die Yashica Electro half in kleiner Serie, die allererste Kamera mit einer echten elektronisch gesteuerten Zeitautomatik und Vorbotin der super erfolgreichen Electro 35 Serie, die ab 1966 dann Yashica's Zugpferd im Messsucherbereich wurde und alle anderen oben genannten Kameras ersetzte. Auch das Halbformat überlebte das Ende der 1960er Jahre nicht, genauso wenig wie die Rapid-Patrone.

Datenblatt Vollautomatische Halbformat-Kamera für den Rapidfilm
Objektiv Yashinon 3.2 cm f/1.7 (6 Linsen in 4 Gruppen, Gauss-Typ)
Verschluss Copal Lichtwertverschluss, f/1.7 1/30s (LW 6.5) bis f/16 1/800s (LW 17.5)
Belichtungsmessung Selenzelle rund ums Objektiv, Filmempfindlichkeit wird über die Rapid-Patrone automatisch eingestellt.
Fokussierung Zonenfokus mit 4 Klick-Stops bei unendlich, 3m, 1.2m und 0.8m, Symbolanzeige dazu im Sucher
Sucher heller optischer Sucher mit Anzeige der Verschlusszeit auf der einen und der eingestellten Entfernung (Symbol) auf der anderen Seite.
Blitz über PC-Buchse.
Filmtransport Daumendrehrad links unten, ergonomisch besser als gedacht, Bildzählwerk 1-24 (vorwärts), Rückspulen nicht notwendig (Rapid)
sonst. Ausstattung Zuberhörschuh, Stativgewinde ¼'', Selbstauslöser, ISO-Drahtauslöser, eine Öse für Handschlaufe, Filtergewinde 52mm
Maße, Gewicht ca. 123x71x55 mm, 462g (mit Film)
Batterie keine
Baujahr(e) 1965-?
Kaufpreis, Wert heute 137.50 NLG (Niederlande, 1965), heute ca. 20-40 € je nach Zustand 
Links Yashica Half frame cameras (Subclub), Corsopolaris' Liste von Halbformatkameras

2020-06-28

Yashica TL Electro X


Wieder ein Meilenstein in der Geschichte der Spiegelreflexkameras. Die Yashica TL Electro X war nach der einige Monate vor ihr erschienenen Praktica PL electronic und der nur einen Monat vor ihr in einer Kleinserie produzierten und super teuren Contarex SE zwar nur die dritte SLR mit elektronisch gesteuertem Verschluss. Allerdings war sie bei ihrem Debüt im Oktober 1968 eine komplette und höchst funktionale Kamera. Die Praktika ist eher eine Technologiestudie für den Verschluss, sie hatte keinen Belichtungsmesser! Die Contarex bediente wegen ihres extrem hohen Preises lediglich eine Niche. Die Yashica aber war gerade mit und wegen der Electronic auf den Massenmarkt ausgerichtet und wurde auch kommerziell zu einem großen Erfolg. Yashica baute sie 6 Jahre lang und verkaufte wohl fast 300,000 Exemplare in alle Welt. Die Praktika hingegen wurde nach nur 3400 Exemplaren und wohl vielen Reklamationen nach einigen Monaten wieder eingestellt. Die Contarex SE blieb zwar auch noch bis 1975 im Zeiss Ikon Programm, aber auch von ihr gibt es nur ca. 3100 Exemplare. Welche von den dreien ist nun die signifikante SLR, die der Elektronik den Weg bereitet hat?
1968: Die erste und die erste wichtige Spiegelreflex-Kamera mit elektronisch gesteuertem Verschluss nebeneinander.

Sucher der TL Electro X (späte Version) mit den beiden
Über- und Unter
belichtungs-Warnpfeilen, die gleichzeitig die
Richtung an
geben, in die man das Blenden- oder Zeitenrad 
drehen soll. Sind beide beim Druck auf die Abblendtaste aus,
wird richtig 
belichtet.
Yashica kann man überhaupt als DEN Elektronik-Pionier unter den Kameraherstellern bezeichnen. Mit der Yashica Electro Half hatte man (in Kooperation mit Copal) schon 1965 die erste Halbformatkamera mit einem wirklich elektronisch gesteuerten Verschluss auf dem Markt. Dieser Verschluss machte dann ab 1966 in der Yashica Electro 35 Furore, einer Kamera mit einer Zeitautomatik, die am Ende mehr als 5 Millionen mal verkauft wurde. Die elektronisch gesteuerte Zeitautomatik ist natürlich das i-Tüpfelchen und funktionierte in der Messsucherkamera durch Messung des Lichtes während (!) der Belichtung.

Eine Spiegelreflex musste bei einem Erscheinungsdatum 1968 natürlich TTL-Messung haben, und da funktioniert sowas nicht mehr, weil der Spiegel bei der Aufnahme den Sucher und damit auch den Belichtungsmesser verdunkelt. Yashica konnte daher nicht dieselbe Logik in der SLR wie in der Messsucherkamera verbauen und auch (zunächst) keine Automatik anbieten. Dafür hätte es eines elektronischen Messwertspeichers bedurft, der aber erst später (1971 von Asahi Pentax) erfunden wurde. 
Schaltplan der Kamera. Man kann schön die eigentlich drei verschiedenen Schaltkreise erkennen: Ganz rechts außen mit nur einem Transistor die simple Batterie-Prüf-Schaltung mit grünem Lämpchen. Links neben der Batterie ist der Belichtungsmesser mit den beiden CdS-Zellen. Rechts neben der Batterie der Schaltkreis für die Steuerung des Verschlusses mit dem Elektromagnet und dem Kondensator C1. Mechanisch gekoppelt sind beide Schaltungen durch das Doppel-Drehpotentiometer VR/VR1 (Zeitenwahlrad/Filmempfindlichkeit). 
Elektronische Nachführmessung ohne Drehspulinstrument und Nadel, dafür mit Lämpchen in Pfeilform als Über- bzw. Unterbelichtungswarnung hat Yashica aber realisiert. Zentrales Bauelement dafür ist ein doppelt ausgeführtes Drehpotentiometer unterhalb des Zeitenwahlrads. Das eine von beiden gehört elektronisch zur Steuerung des Verschlusses (mit den anderen üblichen Komponenten eines elektronischen Hemmwerkes), das andere zum Belichtungsmesser. Ganz geschickt wurde auch die Einstellung der Filmempfindlichkeit hier mechanisch angekoppelt.  
Verdrahtungsdiagramm aus der
ausführlichen Reparaturanleitung,
unten: Platine mit Transistoren und
Kondensatoren.

Die meisten elektronischen Bauelemente befinden sich auf einer kleinen mit NEC MC-3011 bezeichneten Platine im Boden der Kamera unterhalb der Filmpatrone. Ausnahmen dazu sind die beiden CdS-Elemente, die beidseitig zum Sucherokular sitzen und wie der Fotograf auf die Mattscheiben "blicken" und dort die Helligkeit bei Arbeitsblende messen. Am hinteren Rand der Mattscheibe sitzen auch die beiden kleinen Lämpchen, die jeweils mit einer roten Pfeilblende versehen sind und wie oben zu sehen Unter- oder Überbelichtung anzeigen. Es handelt sich dabei NICHT um LEDs, wie man auf einigen Seiten im Internet fälschlicherweise lesen kann. Die erste Kamera, die für Sucheranzeigen LEDs eingesetzt hat ist die Fujica ST-801 von 1972. Ansonsten gibt es in der Yashica jede Menge bunte Kabel, die die Batterie, die Steuerelemente auf der Oberseite und den Verschluss schließlich mit der Platine verbinden. Das Verdrahtungsdiagramm und das Foto der geöffneten Kamera unten zeigt das deutlich. 

Der Verschluss ist übrigens der damals sehr moderne vertikale Metalllamellenverschluss Copal Square SE, vermutlich von Copal in Kooperaion mit Yashica entwickelt. Der Ablauf des zweiten Verschlussvorhangs wird durch einen Elektromagneten getriggert und nicht mehr durch einmechanisches Hemmwerk. Solche Verschlüsse auch vom Wettbewerber Seiko wurden in der Folge in Japan immer weiter perfektioniert und millionenfach in Kameras vieler Marken verbaut. Aber auch der klassische horizontale Tuchschlitzverschluss ließ sich entsprechend elektronisch steuern und wurde selbst noch in den 1980ern in einigen Kameras verwendet.
  
Mein erstes Exemplar der Kamera habe ich vor zwei Wochen für nur 1€ bei einer Auktion gekauft. Es war allerdings total verdreckt und hatte eine dicke Beule auf der Prismenkappe. Aber das war für mich nur Herausforderung und zu meinem Entzücken konnte ich nach Einlegen einer Batterie feststellen, dass die Elektronik für Verschluss und Belichtungsmesser noch tadellos funktionierten. Ich habe also das Ding zerlegt, gereinigt und etwas ausgebeult und hatte nach dem Zusammenbau wieder eine voll funktionierende Kamera für die Vielzahl der M42-Objektive, die ich noch besitze. 

Auf den meisten Bildern hier ist allerdings das äußerlich viel schönere Exemplar zu sehen, was ich letzte Woche inklusive des Super Carenar Objektivs (Cosina) für nur 10€ spontan noch dazu gekauft habe. Bis auf die fehlende Kappe des Batteriefachs funktioniert auch bei dieser noch alles. Hier habe ich ein echtes Schnäppchen gemacht: Es handelt sich nämlich um ein recht frühes Exemplar vom März 1969 (Yashica kodiert das Herstelldatum in der Seriennummer, siehe Links in der Tabelle unten), das noch ein paar Besonderheiten hatte, die die Mehrzahl der späteren Kameras noch nicht oder nicht mehr haben: 1) eine kleine "Beule" am oberen Rand des Suchereinblicks, äußerer Indikator für die frühe Sucherkonfiguration mit den Lämpchen am oberen Bildrand. Spätere Kameras haben einen etwas größeren Einblick und die Belichtungsmesserpfeile unten; 2) die extra FP-Blitzbuchse fehlt noch. Schon bei den Kameras vom April 1969 kann man dieses Feature dann finden;
Sucher der TL Elctro X (frühe Version bis ca. Mitte 1969)
3) Yashica hat damit Werbung gemacht, dass der elektronische Verschluss kontinuierliche Zeiteinstellung erlaubt, man also auch Zwischenwerte einstellen kann. Bei den späteren Kameras fehlt daher für Verschlusszeiten länger als 1/30 s die Rasterung, bei der frühen Kamera hier war sie aber (noch) vorhanden.
Wichtigster Unterschied allerdings waren die beiden Über- und Unterbelichtungslämpchen im Sucher, die bei der frühen Version als Text oberhalb des Sucherbildes erschienen (siehe Bild rechts, es leuchtet allerdings immer jeweils nur ein Lämpchen, oder keines). Man erkennt schon an diesem Bild hier (Abdunkelung), wie schwierig es war, diese Lämpchen überhaupt zu sehen (geschweige denn zu fotografieren!) und ich habe zunächst geglaubt, dass der Belichtungsmesser dieser Kamera kaputt ist, weil ich sie beim Blick in den Sucher schlicht übersehen hatte. Man muss seine Augen und die Haltung der Kamera wirklich verrenken, um ihrer Ansichtig zu werden, eindeutig eine Fehlkonstruktion. Hier musste Yashica nachbessern und hat es recht zügig getan. 

Datenblatt Erste SLR mit elektronisch gesteuertem Verschluss und TTL-Belichtungsmessung
Objektiv M42-Gewinde, Standard-Objektiv war Auto-Yashinon DX 50mm f/1.7 oder f/1.4
Verschluss Elektronisch gesteuerter, vertikaler Metalllamellenverschluss (Copal Square SE), kontinuierlich 2s bis 1/1000 s und B.
Belichtungsmessung TTL-Messung bei Arbeitsblende beim Druck auf die Abblendtaste. 2 CdS-Zellen, Nachführmessung mit 2 Lämpchen (Pfeile) im Sucher. Empfindlichkeitsbereich 25-800 ASA.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikroprismen als Scharfstellhilfe
Sucher SLR, Mikroprismen im Zentrum, Anzeige des Belichtungsmessers am unteren Bildrand. Wenn keiner beiden Warnpfeile leuchtet, ist richtig belichtet.
Blitz X und FP-Buchse (ab 04/1969), X-Mittenkontakt in Zuberhörschuh, Synchronzeit ca. 1/90s.
Filmtransport Schnellschalthebel, Rückspulkurbel, Zählwerk (vorwärts).
sonst. Ausstattung Zubehörschuh, Batterietest, Spiegel-Arretierung, Selbstauslöser (10s), Iso-Drahtauslöser, Stativgewinde ¼ ''
Maße, Gewicht ca.  151 x 96 x 51 mm, 731g (ohne Objektiv, Batterie und Film)
Batterie 6V, PX28 (oder Alternative)
Baujahr(e) 10/1968-12/1974, ca. 300.000 Exemplare, diese hier von 03-1969 und 10-1970. Spätere schwarze Version hieß TL Electro X ITS.
Kaufpreis, Wert heute 245 US$ (mit 1.7/50, 1969), 598 DM (1975), heute je nach Zustand 20-50€
Links Camera-WikiRepair Manual, Instruction Manual, Yashicasailorboy (1), Yashicasailorboy (2), Yashicasailorboy (3)Sammlung Tauber, Wikipedia, Werbung, Werbung 1969, Testbericht von 1969

2020-06-07

Yashica Electro 35

Irgendwie habe ich sie bisher übersehen und jetzt während der Beschäftigung mit frühen Belichtungsautomatiken für mich entdeckt. Die Yashica Electro 35 ist ein Meilenstein im Kamerabau und die erste (und super erfolgreiche) Kleinbildkamera für 24x36, die 1966 die damals sehr moderne Transistor-Elektronik für einen elektronisch gesteuerten Verschluss kombiniert mit einer Zeitautomatik genutzt hat. Yashica hatte allerdings schon ein Jahr zuvor (1965) diesen Verschluss in ihrer sehr seltenen Halbformatkamera Electro Half vorgestellt. Mal sehen, ob ich eine solche mal irgendwann ergattern kann. Kein Wunder, dass Yashica auch bei den SLR zu den ersten gehörten, die echte Elektonik einbauten. Ihre TL-Electro X kam im selben Jahr auf den Markt wie die Praktica PL electronic (1968), die vermutlich ein paar Monate früher dran war. Während die Technik beim VEB Pentacon schnell wieder in der Schublade verschwand, legte Yashica erst richtig los und baute Millionen von Elektro(nik)-Kameras. Nun aber zur Technik:  
Dieser Schaltplan ist aus der exzellenten Reparaturanleitung. Die dicken Linien entsprechen in der Kamera verlegten Kabeln, der Rest der Schaltung ist auf einer kompakten Platine vereint hinter dem CdS-Element untergebracht. In der frühen Version der Kamera sind die Transistoren etc. in einem Epoxyblock eingegossen, der in späteren Versionen von einem IC-Element (integriertes Schaltung) ersetzt wurde. Zentrale Elemente habe ich mal farbig hervorgehoben: Komplexer Mehrfach-Schalter im Auslösergestänge (gelb), Elektromagnet für die Verschluss-Steuerung (grün), Kondensator C1 (rot), der sich abhängig vom gemessenen Licht (CdS-Widerstand, blau) schnell (hell) oder langsam (dunkel) auflädt, um dann bei voller Ladung, dem Magneten wieder den Saft zu entziehen, was den Verschluss schließt. Auf den Seiten 59-64 der Anleitung werden verschiedene Schaltzustände und Abläufe sehr schön erklärt.
Copal ELEC - mit gut sichtbarem Elektromagneten, der den
Verschluss solange aufläßt, wie ein Kondensator lädt, was
wiederum am vorhandenen Licht hängt... 
Zentrales Element der Kamera ist der Copal ELEC-Verschluss, der ein elektronisches Hemmwerk besitzt und seine Zeiten über die Ladegeschwindigkeit eines Kondensators steuert und schließlich per Elektromagnet im Verschluss selbst schaltet. Die Ladegeschwindigkeit hängt am elektrischen Widerstand, den man bevorzugt durch einen CdS-Photowiderstand realisiert. Wenn man dann noch die Blende über in Reihe geschaltete zusätzliche Widerstände simuliert, hat man die Zeitautomatik beisammen!

Die Filmempfindlichkeit wird interessanterweise nicht über einen entsprechenden variablen elektrischen Widerstand eingestellt (wie bei späteren Kameras üblich). Stattdessen haben sich die Yashica Ingenieure für eine mechanische Blende vor der CdS-Zelle entschieden.

Wichtig zu erwähnen ist, dass der Verschluss nur automatisch gesteuert wird, eine manuelle Zeitenwahl gibt es bis auf B und X(1/30s) nicht. Auch diese beiden Zeiten werden elektronisch gesteuert und stehen ohne Batterie nicht zur Verfügung. In einem solchen Fall läuft der Verschluss immer mit 1/500s ab. Natürlich gibt es mindestens zwei Bastler, die erfolgreich der Kamera auch ein Zeitenwahlrad verpasst haben (siehe hier und hier).

Die Schaltung selbst kann noch mehr als den Verschluss während der Belichtung steuern: Und zwar über drei Lämpchen Warnungen und Hinweise auch schon vor dem Verschlussablauf geben. Zunächst ist da eine grüne Batterie-Kontrollleuchte, ganz wichtig ab dieser Kamerageneration, die ohne Stromquelle nicht mehr fotografieren kann. Dann existieren eine rote Warnleuchte für Überbelichtungen, sowie eine gelbe, die anzeigt, wenn die vermutliche Verschlusszeit länger als eine 1/30 s ist. Beide werden sowohl oben auf der Kamera angezeigt als auch in den Sucher eingeblendet.

Ich bin super glücklich ein sehr frühes Exemplar von Juli 1966 ergattert zu haben, die Kamera selbst ist 11 Jahre lang in über 5 Millionen Einheiten gebaut worden (dazu demnächst mal mehr). Es gab über die Zeit eine eher moderate Modellpflege, die späteren Varianten hatten die Namenszusätze G, GS, GT, GSN und GTN. Die genauen Unterschiede kann man auf verschiedenen Seiten im Netz nachlesen, im Prinzip handelt es sich aber um ein und dieselbe Kamera.
Die Elektronik ist in einem Block hinter der CdS-Zelle
untergebracht. Kabel führen von dort zu den Schaltern im
Auslösergestänge darunter und natürlich im Objektiv.
Alle diese Varianten vereint ein Problem, möchte man sie nicht nur in die Vitrine stellen, sondern noch damit fotografieren wollen:  Das "Pad of Death". Es handelt sich um ein unscheinbares Stückchen Gummi, eingesetzt als Dämpfung im Auslösergestänge der Kamera. Das Material des originalen Pads war nicht für mehr als 15 oder 20 Jahre gemacht, wurde mit der Zeit spröde und hat sich im wahrsten Sinne des Wortes verkrümelt. Ohne das mindestens 2mm dicke Pad steht der komplexe-Auslöse-Schalter aber nicht mehr an der richtigen Schaltstellung der Elektronik und somit wird die ganze Kamera unbrauchbar.

Genau das war bei meinem alten Schätzchen auch der Fall, das ich natürlich aufgeschraubt habe. Zum Glück gibt es im Netz einige Anleitungen, wie man dies reparieren kann (siehe Links unten). Wenn man länger sucht findet man sogar Leute, die sowas professional für einen erledigen. Ich hab's natürlich selbst versucht und zwar die minimal-invasive Variante durch den kleinen Schlitz, den man oben auf dem Foto sieht. Danach leuchteten zumindest wieder die Warnlämpchen, wie man am Bildchen oben sehen kann, trotzdem habe ich immer noch kein echtes Vertrauen in die volle Funktionsfähigkeit der Kamera. Ich habe aber keinen Nerv, sie komplett zu zerlegen um noch weitere Kleinigkeiten zu richten. 

Das zweite Problem der Kamera ist die Batterie, die es in der ursprünglich vorgesehenen Quecksilbervariante schon lange nicht mehr gibt. Zum Glück gibt es auch hier eine Lösung, entweder per käuflich zu erwerbendem Adapter, oder wieder durch Basteln. Die Kamera verträgt glücklicherweise statt 5.6V auch 6V, so dass man mit 4 LR44 Knopfzellen, einer abgesägten Filzstifthülle und einer Schraube sich selbst was basteln kann. So hab ich's gemacht, ansosnten siehe Links unten.  


Bis auf die beiden Problemchen wird die Kamera als sehr zuverlässig beschrieben und hat jede Menge Fans, die geradezu euphorisch über die Qualität ihrer Bilder berichten. Die Fähigkeit für Nachtaufnahmen mittels automatischer Langzeitbelichtungen wird immer wieder genannt, dafür gab es sogar ein schickes Taschenstativ als spezielles Zubehör. Mit ihrer Zuverlässigkeit und Belichtungspräzision hat sie sicher auch dazu beigetragen, dass die Abhängigkeit vom Batteriestrom mehr und mehr Akzeptanz unter den Fotografen fand. Ich denke kaum einer hat eine manuelle Verschlusszeitenwahl wirklich vermisst.  In den 1970ern ging der Trend immer mehr zu automatisierten SLRs, aber es gab auch einen durchaus interessanten Markt für hochwertige Messsucherkameras wie diese. Ihre größten Konkurrenten waren die Olympus-35 SP, Canonet G3 QL17, Minolta Hi-matic E und natürlich die Konica Auto S3. Die hatten alle ähnlich leistungsfähige Objektive und eine Belichtungsautomatik eingebaut, allerdings war die Electro 35 die einzige mit einer Zeitautomatik. Davon gibt es wohl sonst auch nich so viele, mir fallen aus meiner Sammlung nur die Olympus XA und die Contessa S310 ein. Auch möchte ich an dieser Stelle nochmal auf zwei andere interessante Yashica's hinweisen, die ich eher zufällig in meiner Sammlung habe, aber ebenfalls die Innovations- und Design-Qualitäten der Firma zeigen: Yashica Lynx-5000 und EZ-matic 4

Datenblatt Erste Kleinbildkamera mit elektronisch gesteuertem Verschluss und Zeitautomatik
Objektiv Yashinon-DX 45 mm f/1.7 (Gauß-Typ 6 Linsen, 4 Gruppen)
Verschluss Copal-ELEC, stufenlos elektronisch gesteuert 30s bis 1/500s, B
Belichtungsmessung eingebauter CdS-Photowiderstand mit Vorschaltblende für die Simulation der Filmempfindlichkeit (12-400 ASA). Direkte Steuerung der Belichtungszeit abhängig von der eingestellten Kamerablende, auch noch während der Aufnahme.
FokussierungManuell am Objektiv, Naheinstellgrenze 80 cm.
Sucher Messsucher mit Leuchtrahmen und automatischem Parallaxenausgleich. Anzeige der Warnlämpchen bzgl. Überbelichtung (rot) und Verwacklungsgefahr (gelb)
Blitz X-Synchronisation bei allen Verschlusszeiten, Wählbar: 1/30s, Anschluss mit Kabel über PC-Buchse.
Filmtransport Schnellschalthebel, Bildzählwerk (vorwärts), Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Zubehörschuh (ohne Blitzkontakt), Auslöser-Lock, Filtergewinde 55mm, Stativgewinde ¼ '', Selbstauslöser
Maße, Gewicht ca. 140x90x75 mm, 750g (ohne Batterie und Film)
Batterie PX32, 5.6V oder Alternativen mit Adapter.
Baujahr(e) 1966-1968, ca. 250.000 Exemplare. Dieses Exemplar # 6070854 von Juli 1966. Die ganze Serie G, GS, GT, GSN, GSN (gleiche Funktionen und Gehäuse) bis 1977, angeblich mehr als 5 Millionen Exemplare.
Kaufpreis, Wert heute21,400 Yen (1966, ca. 60 US$ oder 240 DM), heute je nach Zustand 30-100 €. Nachfolger GTN kostete in Deutschland 1975 ca. 398 DM
Links Camera-WikiInstruction ManualWikipediaYashica Guy, Mike Eckman, Karen Nakamura, Eric FissRepair Manual, Matt's classic Cameras, Ken Rockwell, Flickr GroupPad of death Reparatur, Batterie Adapter für PX32, 5 Million GTN, Yashica Electro Half (1965), Asahi.net

2020-05-29

Durst Automatica

Die Durst Automatica war 1960 die erste Kleinbildkamera mit automatischer Einstellung der Verschlusszeit, im Allgemeinen wird das "Zeitautomatik" genannt. Ich würde das bei der Kamera nur mit Abstrichen gelten lassen, denn die Blende konnte nicht wirklich frei gewählt werden, doch dazu gleich noch mehr. Die allererste Kamera mit einer Zeitautomatik war die 1956 erschienene Agfa Automatic 66 für den 120er Rollfilm. Die Technik zur automatischen Zeitsteuerung - ein Luft-pneumatisches Hemmwerk - war allerdings bei beiden Kameras dieselbe und basierte auf dem schon 1952 eingereichten und 1955 erteilten Patent DE923525 von Julius Durst (1909-1964), einem Südtiroler Erfinder und Fotounternehmer. 

Durst Automatica EW, angeblich 1956 vorgestellt. Man
beachte das Objektiv in Prontor SLK Wechselfassung
Angeblich, so liest man auf der offiziellen Durst Homepage, hatte er die Inspiration dafür von Instrumententeilen eines abgestürzten amerikanischen Bombers 1944 bekommen. Die Firma Durst ist in der Fotoszene hautsächlich für ihre Vergrößerungsgeräte bekannt, produzierte aber zwischen 1938 und 1963 auch 4 verschiedene Kameramodelle, meist einfacher Art. Die Automatica war davon die einzige Kamera für den 135er Kleinbildfilm und ist technisch die anspruchsvollste.

Auf der Seite liest man auch, dass die Kamera 1956 vorgestellt wurde und findet ohne weitere Erläuterungen dazu ein Bild eines vermeintlichen Prototypen, das ein paar sehr interessante Details zeigt, die an der späteren Serienversion (sehr wahrscheinlich erst ab 1960 am Markt) nicht mehr zu finden sind. Da ist zuerst der Name "Automatica EW" und zwar so angeordnet, dass ein Fensterchen frei bleibt, welches auf einen Messsucher hindeutet. Und in der Tat findet man beim Öffnen des Serienmodells dieses Fenster noch, allerdings nun vom Namensschild verdeckt (siehe mein Bild unten). Und dann ist da ja noch das Objektiv: Ein ENNA Photavit-Ennit 2.8/50 in der charakteristischen Prontor SLK-Wechselobjektiv-Fassung. Wäre die Kamera so 1956 oder 1957 auf den Markt gekommen, hätte sie sicher ein bisschen Wirbel gemacht. Interessanterweise liest man sonst überhaupt nichts über diesen Prototypen und die Gründe, warum es nicht zu den Premium-Features kam. Vielleicht wurde man sich mit Prontor über die Lizenz zum Bajonett nicht einig, vielleicht war auch hier die technische Umsetzung mit der Pneumatik gescheitert. Oder das ganze Projekt war für die kleine Firma Durst mit sonst einfachen Kameras eine Nummer zu groß bzw. die Kamera zu teuer in der Produktion. Leider wird ja über Misserfolge nicht so viel geschrieben, wie über Erfolge. Und, um ehrlich zu sein: Vielleicht war auch die "EW" ein von Anfang an geplantes zweites Premiummodell, dass dann nie realisiert wurde.

Die tatsächliche Automatica war simpler: Es gab nur ein fest eingebautes Objektiv und mit dem Schneider Radionar ein relativ einfaches, aber dennoch ordentliches Triplet. Der Messsucher ist ein einfacher optischen Durchsichtsucher und als Verschluss wählte man den Prontor SVS mit einer 1/300s als kürzeste Zeit. Das größte Manko der Kamera wird erst auf den zweiten Blick klar: Es fehlt die Entkopplung von Blende und eingestellter Filmempfindlichkeit für die Automatik. Beide sind auf einem einzigen Ring einzustellen. Dies bedeutet, dass bei einem damals üblichen 50ASA/18 DIN Film die Blende konstant auf 8 stehen muss. Damit bekommt man bei etwas trüben Licht schnell verwackelte Aufnahmen, obwohl man eigentlich auch eine Blende 2.8 hätte. Damit ist die Kamera eigentlich keine vollwertige Zeitautomatik mehr, da man in vielen Situation wieder auf den manuellen Modus ausweichen muss. Die Agfa Automatic 66 hat diese Entkopplung übrigens schon 1956 durch elektrische Widerstände (Filmempfindlichkeit) und eine extra Blende vor der Selenzelle (Blendeneinstellung) realisiert. Das war Durst vermutlich zu teuer. Positiv anzumerken ist ein sehr solides Metall-Druckguss-Gehäuse, ein sehr ordentliches und höchst modernes Design mit interessanten Elementen wie versenkbarer Schnellschalthebel und Rückspulkurbel. Und natürlich die Automatik, die wie folgt funktioniert:  
Die Automatik (das pneumatische Hemmwerk) verbirgt sich hinter der Selenzelle (A-C) sowie im und unter dem Drehspulinstrument (D, E). Die Spule E bewegt nicht nur den Zeiger, sondern auch ein kleines transparentes Plastikplättchen F, das wiederum den Lufteintrittschlitz G mehr oder weniger abdeckt. Nach Spannen des Verschlusses befindet sich der Kolben H in der oberen Position, gespannt durch die Feder I. Beim Auslösen öffnet sich nicht nur der Verschluss, sondern auch der Kolben saust nach unten und saugt dabei Luft durch G ein. Diese Bewegung geht um so schneller, je größer die Öffnung ist. An deren Ende wird der Verschluss über den Hebel L wieder geschlossen. Im manuellen Modus der Kamera wird L entkoppelt und das traditionelle Räder-Hemmwerk des Prontor SVS tut seinen Dienst.

Natürlich habe ich schon länger nach der Kamera (bzw. der Agfa Automatik 66) Ausschau gehalten und war dann sehr erfreut, dieses Exemplar hier sehr günstig bekommen zu haben. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Selenzelle tot ist und damit die Automatik nicht mehr funktioniert. Neugierig wie ich bin, habe ich das Ding aufgeschraubt und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass wenn man den Zeiger des Drehspulinstruments manuell bewegt, durchaus das pneumatische Hemmwerk noch genau das macht, was es soll. Erstaunlich robust, diese Technik. Auch sonst funktioniert der manuelle Modus (traditionelles Räderhemmwerk) noch einwandfrei, man könnte mit dem Schätzchen also noch fotografieren und sich am satten, dumpfen "Blupp" der pneumatischen Auslösung freuen. 

Man findet einiges im Netz zu der Kamera (siehe Links unten), die meisten schreiben aber leider ungefiltert voneinander ab und es wird immer wieder behauptet, die Kamera wäre von 1956 bis 1963 gebaut worden. Das ist definitiv falsch, denn die Schneider Objektiv-Seriennummern, die auf fast allen Fotos gut lesbar sind, stammen ausnahmslos (!) von 1960. Aus dem Jahr 1960 findet man Werbung und auch Testberichte zur Kamera und ich denke man kann der Durst Homepage schon glauben, wenn sie schreibt, dass die Kameraproduktion im Jahr 1963 beendet wurde. Mit meiner Methode schätze ich auf Basis von 20 Kameras aus dem Netz die Gesamtzahl auf knapp unter 11,000 Exemplaren. 

Automatikkameras gab es schließlich einige am Markt. Die Agfa Automatik 66 mit der (vermutlich lizensierten) Durst Technik an Bord, verkaufte sich 1956/57 nur schleppend (ca. 5000 Exemplare), und Agfa brachte 1958 mit der Optima die erste sehr erfolgreiche nun vollautomatische Kleinbildkamera. Nun allerdings mit der älteren Nadel-Klemm-Technologie, die Julius Durst in seinem Patent als sehr nachteilig verreißt. Diese setzte sich allerdings in der ersten Hälfte der 1960er Jahre durch und behielt ihre Bedeutung bis echte elektronische Hemmwerke kamen. Dazu demnächst hier auch mehr. Das pneumatische Hemmwerk sieht man nach 1963 meines Wissens in keiner anderen Kamera mehr. 

Datenblatt Erste KB-Kamera mit Zeitautomatik
Objektiv Schneider-Kreuznach Radionar 45 mm f/2.8 (Triplet)
Verschluss Prontor SVS-Zentralverschluss B-1-2-4-8-15-30-60-125-300 mit zusätzlich optionalem pneumatischem Hemmwerk für die automatische stufenlose Steuerung der Verschlusszeit
Belichtungsmessung Mit Selenzelle zur automatischen Einstellung der Verschlusszeit. Filmempfindlichkeit 6-400 ASA direkt mit Blendeneinstellung gekoppelt (s. Text).
Fokussierung Manuell, ca. 0.8 m bis unendlich. Keine Fokussierhilfe, Fokusring rastet bei 1 m (Schnappschuss) ein. 
Sucher Einfacher optischer Sucher mit Leutrahmen, kein Parallaxenausgleich.
Blitz Per PC-Buchse, umschaltbar X, M
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk (vorwärts)
sonst. Ausstattung Zubehörschuh, Stativgewinde ¼'', Drahtauslösergewinde, Selbstauslöser
Maße, Gewicht 142x80x65 mm, 672 g
Batterie keine
Baujahr(e) 1960-1963, ca. 11,000 Exemplare, diese #69440 von 1960
Kaufpreis, Wert heute ???, heute je nach Zustand (Selenzelle) ca. 80 bis 200 €
Links Camera-WikiAgfa Automatic 66 Gebrauchsanleitung mit guter Beschreibung des Atomatik-Prinzips, Italienische Web-Archiv Seite, Italienischer Artikel (Notariziaro Erca 12_1960), Harisson Photographic, Rangefinderforum