2018-06-12

Ihagee Blitzleuchte


Auch dieses Zubehör kam mit meinem Flohmarktfang um die Praktica FX.2 herum. Wie fast alles andere auch in extrem gut erhaltenem Zustand, komplett im Karton. Sogar eine heute seltene Batterie vom Typ V72PX (22.5V) war dabei, allerdings keine Blitzlämpchen mehr, so dass ich das Ensemble aus Kamera und Blitz nicht wirklich ausprobieren kann. Eine Anleitung war (natürlich) auch dabei. Diese habe ich eingescannt und stelle sie hier anstelle von eigenem Text hier dem interessierten Leser zur Verfügung. Einfach auf das Bild oben klicken und viel Spaß dabei!

2018-05-26

KW Zwischenringe und Doppeldrahtauslöser

Zwischenringe sind die technisch simpelste Methode den Objektivauszug mechanisch zu verlängern und damit Nahaufnahmen zu ermöglichen. Bei M42 reichen simple Metallringe (wie diese hier aus Aluminium) mit vorne und hinten dem jeweiligen Gewinde. Diese hier, gebaut von den Kamerawerkstätten Niedersedlitz ("KW") in den 1950 oder 1960ern, sind 7, 14 und 28 mm breit. Beliebig kombinierbar erlauben sie einen maximalen Auszug von 49 mm und mit einem 50 mm-Objektiv einen maximalen Abbildungsmaßstab von ca. 1:1:

Ab 1956 hatten die Dresdener Kameras Praktica FX2 und später die Contax F mit entsprechenden Objektiven die automatische Springblende, d.h. die Blende blieb zum Scharfstellen maximal geöffnet und schloss sich erst beim Auslösen auf den eingestellten Wert.  Das ist natürlich auch bei Makrofotografie sinnvoll und dafür gab es noch einen Spezialzwischenring (14mm), der direkt hinter das Objektiv kam und den silbernen Pin bedienen konnte. Dazu brauchte man noch den mitgelieferten Doppeldrahtauslöser, der mit einem Druck dann die Blende schloss und die Kamera auslöste.

2018-05-20

Praktica F.X2


Einen überaus erfreulichen Flohmarktsfund hatte ich letzten Samstag: Eine quasi komplette und extrem gut erhaltene Kamera-Ausrüstung von ca. 1959. Neben der Praktica F.X2 waren drei Objektive dabei, ein Ihaagee Kolben-Blitzgerät, zwei funktionierende Selen-Handbelichtungsmesser, alte Filmdöschen, Zwischenringe, Drahtauslöser, Gelbfilter etc. Alles quasi wie neu, zum großen Teil im Originalkarton mit Anleitungen, was will da das Sammlerherz mehr. Der Verkäufer wollte 50 Euro für einen guten Zweck, da habe ich ich mir das sonst obligatorische Handeln verkniffen...
Die Kamera ist ein typischer Vertreter der Dresdener Kameraindustrie der 1950er. Als Nachfolger der Praktiflex kam von den Kamerawerken in Niedersedlitz 1949 die Praktica, von der im Laufe der nächsten 10 Jahre immer weiter verbesserte Varianten als FX und später FX2/FX3 gebaut und verkauft wurden (Details gibt es hier). Die Buchstaben FX sind übrigends eine Referenz an die eingebaute Blitzsynchronisation für Kolben und später Elektronenblitzgeräte. Alle Praktica-Varianten der 1950er hatten den aufklappbaren Lichtschachtsucher mit einschwenkbarer Sucherlupe. Als Zuberhör gab es einen Aufsteckprismensucher, der genau in den Lichtschacht passte:
Der Spiegel klappte nach dem Auslösen nicht wieder automatisch runter, ein Feature, was man von der Praktiflex leider nicht übernommen hatte. Der Verschluss ist ein horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss a la Leica, allerdings mit Zeiten von 1/2 bis 1/500 s und B an nur einem (mitdrehenden) Einstellring. 1956 wurde dann während der FX2 Produktion die automatische Springblende für das M42-Gewinde eingeführt, zu erkennen am breiten Hebel unterhalb des Spiegels bzw. objektivseitig am charakteristischen silbernen Pin.

Insofern ist die FX2 also doch ein technisches Meilensteinchen. Im letzten Jahr der Produktion wurde noch die Blitzsynchronisation um 10 Millisekunden korrigiert und die Bezeichnung bekam den Punkt zwischen F und X. Meine Kamera ist aus diesem Zeitraum und auch das Objektiv ist laut Seriennummer von 1958. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich langfristig mit ihr anstellen werde. Erstmal werde ich auch noch einige andere Teile aus der Ausrüstung hier dokumentieren. Fotos sind schon gemacht. Aber eventuell verkaufe ich auch das eine oder andere. Ich bin sicher, dass ich in Summe ein vielfaches meines Kaufpreises erzielen werde.


Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera mit Lichschachtsucher und erstmalig automatischer Springblende bei M42.
Objektiv M42 Schraubgewinde, hier Carl Zeiss Jena Tessar 50 mm f/2.8 (4 Linsen in 3 Gruppen).
Verschluss mechanischer, horizontaler Tuchschlitzverschluss 2, 5, 10, 50, 100, 200, 500 1/s und B.
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv, SLR.
Sucher Spiegelreflex, kombinierter (Durchsicht-)Sport und Lichtschachtsucher mit ausklappbarer Sucherlupe. Keine weiteren Scharfstellhilfen.
Blitz 2 Buchsen für F und X, Synchronzeit 1/40 s.
Filmtransport Drehknpof mit Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Trageösen, Aufsteckprimensucher (optionales Zubehör).
Maße, Gewicht ca. 152x91x49 mm, 624g (Gehäuse), 890g (mit Objektiv und Prisma)
Batterie keine.
Baujahr(e) 1958-1959, 29.000 Exemplare ("F.X2" Hummel 137), diese #317322 
Kaufpreis, Wert heute 521 Mark (1959, mit Tessar), heute ca. 50€
Links Camera-Wiki, Wikipedia, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, Kurt Tauber, Prakticas reparieren lassen.

2018-05-10

Pentax ME-F + AF Zoom 1:2.8 35-70mm


Ein Meilenstein der Kamerageschichte: 1981 war die Pentax ME F die erste (kommerziell erhältliche) Autofokus-Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm mit TTL (through the lens) Fokusmessung. Alle diese Einschränkungen müssen sein, denn die erste AF-SLR war die Polaroid SX-70 Sonar Onestep von 1978. Die erste kommerzielle AF-Kleinbildkamera habe ich auch schon in meiner Sammlung: Konica C35 AF von 1977. Man sieht, Autofokus war damals ein ganz heißes Thema und DIE Innovation nachdem TTL-Belichtungsmessung und Belichtungsautomatik inzwischen Stand der Technik waren. 


Alle renomierten Kamerahersteller arbeiteten also damals an Autofokus-SLR's und Asahi Pentax Ingenieure waren die schnellsten am Markt. Sie haben es sich aber auch recht einfach gemacht. Die Pentax ist im wesentlichen eine Pentax ME-Super, die um eine integrierte Scharfstellhilfe und ein paar weitere damit verbundene Kleinigkeiten erweitert wurde. Die Bilder oben zeigen, was anders ist: Während die rechte Kameraoberseite unverändert ist, kamen links zwei Schiebeschalter für die Scharfstellhilfe hinzu. Außerdem braucht die Kamera die doppelte Anzahl an Batterien. Die Messzelle für die Phasenkontrastmessung sitzt im Boden der Kamera, der Rückschingspiegel ist in der Mitte halbdurchlässig und ein zweiter Hilfsspiegel lenkt das Licht auf den neuen Sensor. Das ansonsten identische K-Bajonett hat 5 neue elektrische Kontakte, die die Scharfstellinformationen an das einzig verfügbare AF-Objektiv übermitteln: SMC Pentax AF 35-70/2.8 Zoom. Dies hat einen eingebauten Scharfstellmotor, der aus 4 AAA Batterien gespeist wird und entsprechend einen recht unattraktiven Bauch. 
Aufmerksame Leser meines Blogs werden es vielleicht bemerkt haben: Die Kamera gehört schon seit 2013 zu meiner Sammlung, seit gestern habe ich (endlich) auch das dazugehörige Objektiv (oben auf Bild)! Und das Beste ist: Der AF funktioniert, so dass ich hier links ein kleines GIF des Scharfstellvorgangs zeigen kann. Ruckelnd tastet sich der Schrittmotor im Objektiv an die richtige Schärfe ran, man kann es im ursprünglichen Video hören. Bei genügend Licht und Kontrast funktioniert das sehr zuverlässig. Aber schon im Innenraum mit künstlicher Beleuchtung kann man den AF nicht wirklich mehr gebrauchen. Auch die Scharfstellgeschwindigkeit liegt eher im (mehrere-) Sekundenbereich, kein Vergleich zu heutigen Systemen. Cirka 80,000 Kameras und vermutlich weniger AF-Objektive wurden von 1981-1984 gebaut. Leider blieb dieses Zoom das einzige AF-Objektiv von Pentax. Immerhin funktioniert die Scharfstellhilfe mit allen anderen verfügbaren K-Objektiven über die LED-Anzeige in der unteren Suchermitte (siehe Video) oder wahlweise mit einem akustischen Signal (wer's mag). 

Es folgten andere Kamerahersteller mit ähnlichen Konzepten: Yashica mit der Contax 137 AF (nur ein Prototyp auf der Photokina 1982), Olympus OM30/OM-F (1983), Nikon F3AF (1983, 2 Objektive, nur für Profis erschwinglich), Canon T80 (1985).  Alle diese Kameras waren nicht sehr erfolgreich am Markt und werden wohl selbst kaum die Entwicklungskosten für die neuen AF-Systeme eingespielt haben. Der Durchbruch für Autofokus kam 1985 mit der Minolta (Maxxum) 7000. Davon in diesem Beitrag, denn auch eine solche konnte ich im März 2013 günstig erwerben...

Datenblatt Erste KB-SLR mit passivem TTL-Autofokus
Objektiv AF-adaptiertes Pentax K Bajonett, AF nur mit SMC Pentax AF 35-70 f/2.8. Alle K-Objektive passen (ohne AF).
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß ( Seiko MFC -E2) 1/2000s - 4s, mechanisch 1/125s und B.
Belichtungsmessung Mittenbetonte TTL-Offenblendmessung mit GPD-Zellen. Empfindlichkeitseinstellung 12-1600 ASA. 
Fokussierung SLR, Mikroprismenmattscheibe, nicht auswechelbar. Elektronische Scharstellhilfe mit drei LED im Sucher, Steuerung des AF-Objektivs durch 5 Kontakte im Bajonett.
Sucher SLR, 92% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.95x. Anzeige der Belichtungszeiten mit farbigen LEDs. 
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/125s Synchronzeit. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz. 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel. Anschlussmöglichkeit für Winder "ME2"
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser , Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschlussmöglichkeit für Datenrückwand
Maße, Gewicht ca. 134/83/52 mm, 480g (Gehäuse), mit AF-Zoom und Batterien: 1124g.
Batterie 4 x 1.5V LR44 oder SR44 für die Kamera und 4x AAA (Objektiv)
Baujahr(e) 1981-1984, ca. 80,000 Exemplare. Diese: #3505076 ca. 1981.
Kaufpreis, Wert heute $994 (1981, inkl. AF Zoom), heutiger Wert ca. 250 € (Kamera mit AF-Objektiv)
Links Manual (english) , Wikipedia , Werbeanzeige, Geschichte des Autofokus nach Patenten (english), Lomography, andere frühe AF-SLR's (japanisch)

2018-04-15

Praktica LLC


Ende der 1960er Jahre war der VEB Pentacon der deutsche Kamerahersteller, der es noch am ehesten mit der immer besser werdenden japanischen Konkurrenz aufnehmen konnte. Nicht von ungefähr wurde die 1969 eingeführte L-Serie die erfolgreichste deutsche SLR. Allen L-Kameras (L von Lamelle) gemein ist der neue (relativ) kompakte vertikale Stahllamellenverschluss, der den bis dahin fast überall zu findenden langsamen horizontalen Tuchschlitzverschluss a la Leica in fast allen Belangen ins Abseits stellt. Aber dazu mal irgendwann etwas in einem extra-Post.  
Schon die erste Generation kam 1969 mit verschieden ausgestatteten Kameras. Neben dem Basismodell L gab es die LB (mit eingebautem nicht-TTL Belichtungsmesser), das Hauptmodell "LTL" (TTL bei Arbeitsblende), sowie die zwei Spitzenmodelle LLC und VLC. Letztere bot auswechselbare Sucher, beide hatten aber die andere große Innovation an Bord, TTL bei offener Blende, realisiert über die weltweit erstmalige Verwendung von elektrischen Kontakten zwischen Objektiv und Gehäuse.

Um es nochmal klar herauszustellen: Die LLC ist nicht die erste Spiegelreflex mit TTL bei offener Blende, sondern "nur" die erste Kamera, die für die notwendige Blendensimulation die Informationen vom Objektiv an die Kamera per elektrischen Kontakten (siehe Bild oben) übertrug. Schon die allererste Spiegelreflex mit TTL-Messung (Topcon RE Super) konnte stets bei offener Blende messen, auch andere Kameras der späten 1960er Jahre boten das (z.B. Minolta SRT-101, Nikkormat FTn), alle mit mechanischer Blendenwert-Übertragung. Der Marktführer und Prakticas größter Konkurrent bei Kameras mit dem defakto Standard M42 konnte es allerdings nicht: Pentax Spotmatic SP. Pentax brauchte sogar bis 1971 (Spotmatic ES) bzw. 1973 Spotmatic F, um hier am Markt nachzuziehen. 
Wichtigstes Bauteil der neuen elektrischen Blendenwert-
Übertragung: Schiebewiderstand im Objektiv.
Es ist aber vermutlich viel schwieriger eine mechanische Übertragung des Blendenwertes beim M42-Schraubgewinde zu realisieren als bei immer in der gleichen Position einrastenden Bajonett-Verbindungen. Unmöglich ist es aber nicht, wie schließlich 6 verschiedene andere untereinander nicht kompatibele mechanische M42-Modifikationen beweisen (1968: Pentacon Super, 1970: ZeissIkon Ikarex TM,  1971: Olympus FTL, Pentax ES, 1972: Fujica ST-801, 1974: Mamiya MSX 1000). Leider wollten oder konnten sich diese Hersteller nicht auf ein einheitliches System einigen. Vermutlich auch aufgrund der Tatsache, dass man verstanden hatte, dass M42 eh ein Auslaufmodell war und im Hintergrund schon an Bajonetten gearbeitet wurde. Der wichtigste M42 Nachfolger ist natürlich Pentax' K-Bajonett (1975) und das hatte eine genormte (mechanische) Blendenwert-Übertragung. Praktica kam erst 1979 mit einem Bajonett (daher der Name: B-Reihe) und das hatte wieder: Elektrische Kontakte (als  EDC, elektronische Blendenkontrolle beworben). 
Elektrische Kontakte in anderen Objektivfassungen tauchen dann erst wieder in AF-Kameras (1981: Pentax ME-F) auf, diesmal zur Übertragung der Entfernungs-Informationen. Hier hat kein Hersteller jemals versucht, auch diese mechanisch zu übermitteln. Spätere, konsequent mit der mechanischen Vergangenheit brechende Systeme (z.B. Canon EF) übertragen heute alles nur noch elektrisch, bzw. elektronisch. Saß in den Pentacon "electric" Objektiven nur ein einfacher Schiebewiderstand, so sind es heute Mikroprozessoren mit eigenem Betriebsystem (Firmware), die mit den Kameras kommunizieren. 

Meine Kamera hier habe ich als teilweise defekt, aber in äußerlich sehr gutem Zustand mit zwei Objektiven (darunter das exzellente und damals originale Zeiss Pancolar) für nur 40€ bei e-bay ergattert. Zu meiner Überraschung war auch die seltene PX-21 Batterie dabei, noch mit Spannung! Besonders stolz bin ich, dass ich die festsitzenden Blendenlamellen des Pancolars wieder gängig bekommen habe. Bei der nötigen Komplett-Zerlegung des Objektivs habe ich schon arg geschwitzt, aber am Ende flutscht alles wieder! Auch der Belichtungsmesser in der Kamera zuckt nach etwas Pflege wieder, allerdings scheinen die Blendenwerte vom Objektiv nicht übertragen zu werden. Schade, denn hierum geht es ja gerade. Mal sehen, was sich noch machen läßt. Im Übrigen wird die Kamera in der Vitrine den Platz ihrer jüngeren Schwester LTL3 übernehmen, den sie quasi für den Meilenstein hier stellvertretend eingenommen hatte. 


Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit elektrischer Übertragung des Blendenwerts für Offenblendmessung
Objektiv M42 Schraubgewinde, hier Carl Zeiss Jena Pancolar 50 mm f/1.8 (6 Linsen in 4 Gruppen)
Verschluss mechanischer, vertikaler Stahllamellenverschluss 1s bis 1/1000 s und B.
Belichtungsmessung CdS, Nachführmessung bei offener Blende, "Electric"-Objektive vorausgesetzt.  12-1600 ASA (12-33 DIN)
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, nicht gespannter Zustand wird durch Dreieck im Sucher angezeigt.
Blitz Mittenkontakt im Zuberhörschuh, keine extra Buchse. Synchronzeit 1/125 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel. Hilfe beim Filmeinfädeln.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Trageösen, Aufsteck-Okular für Zubehör, Zubehörschuh, Selbstauslöser, Arretierung für den Auslöser.
Maße, Gewicht ca. 145x98x50 mm, 613g (mit Batterie), 840g (mit Objektiv)
Batterie PX-21 (4.5 V)
Baujahr(e) 1969-1975, 176.697 Exemplare, diese #272497 
Kaufpreis, Wert heute 660 Mark (1969), heute ca. 50€
Links Camera-Wiki, Wikipedia, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, Vielseitige Praktica (Buch), Prakticas reparieren lassen.

2018-03-11

Top 12 classical SLR by production numbers

Previously I summarized 35mm film SLR production by countries, and with almost no surpise Japan won this competition. Today I'm presenting a TOP-12 list of the most successful single models, all of them have been produced more than 2 million times. But attention: This list only comprises the classical type models, no AF or built-in-motordrive cameras have been considered. Especially Minolta's (Maxxum) 7000 AF, Nikon's F-x01 or Canon's EOS models could have made it onto the Top 12 as well (I hope a can give the answer one time).

RankCameraProductionTotal SeriesYears
1Zenit E8.000.00012.000.000Zenit E, EM, ET1965-1989
2Canon AE15.730.00010.650.000Canon AE1976-1984
3Canon AE1Prog4.000.00010.650.000Canon AE1981-1984
4Praktica LTL3.664.0004.959.100Praktica L1969-1989
5Pentax K-10003.320.0003.660.000Pentax K1976-1997
6Pentax Spotmatic SP2.700.0004.400.000Pentax SP1964-1974
7Minolta SR-T1012.500.0003.600.000Minolta SR-T1966-1976
8Canon A12.430.0002.430.000Canon A11978-1985
9Pentax ME Super2.300.0006.900.000Pentax M1980-1987
10Nikon FM/FM22.225.0004.600.000Nikon FM-FE-FA1977-2001
11Minolta X-7002.100.0004.250.000Minolta X1981-1999
12Olympus OM-12.100.0003.870.000Olympus OM-x1972-1987







#1: KMZ Zenit E
Although not from Japan, this Russian camera won the competion based on three facts, which were all founded in the socialistic market environment in the former USSR: the extremly long production period (24 years) paired with little technological advancement during this time frame, and of course a closed market with almost no competition. In addition this camera was sold cheap in Western markets.  

#2 and #3: Canon AE1  and AE1 Program
This is the total opposit to the Zenit. The AE1 ruled the market due to its advanced technology, a global marketing campaign and of course competive pricing. After only 5 years of tremendous success on the market it was succeeded by its almost as successful sister model AE1 Program, and laid the foundation of Canon's position in market even today.

 #4: Praktica LTL
This is the only German SLR on the list, the country where it all began. However, as with the Zenit it was a socialistic environment and a long production period of 20 years (with slight improvements though), which secured the high numbers, together with automation in production. In the beginning of its production the technology was almost competive and more advanced than the Zenit.

#5: Pentax K-1000
This camera was never meant to become a best seller. Pentax just wanted to have a simple base model in their portfolio, took the old Spotmatic technology and added the new K-bayonet mount. What secured the camera's high production numbers was the fact that Pentax moved production twice, first to Hongkong and later to mainland China. This ensured low costs, which lead to 21 years of production.

 #6: Pentax Spotmatic SP
The "Spotmatic" was the first SLR, which reached a production number of more than 1 million units. It ruled the SLR market in the 60ies in a similar way as Canon did it with the AE1 in the late 70ies. If you took the entire Spotmatic series and add the K-Series, which was essentially the same technology, you'd get to a number of about 8 million units!

#7: Minolta SR-T 101
Although technically more advanced than the Spotmatic, Minolta's SR-T 101 was a great success, but almost always came in second behind the Pentax. However, it paved the way for later Minolta best sellers, namely the great X-700 of the early 80ies (second behind Canon AE1 though), and of course the Maxxum 7000 AF of the late 80ies (not on this list, see comment above).

All of the above cameras I'm proud to own and the pictures on the left are of course all taken by me. I find this quite remarkable, as I was mostly interested in significant cameras from a technology and innovation perspective, and did not care too much on how successful these cameras were. Of course, the higher the production volume, the higher the probability to get one for cheap money.
From the missing 5 on the list I only have the #12: Olympus OM1, and I'm glad it made it among the top 12 as it is from a design perspective one of the most beautiful SLRs one could ever buy.

The other 4, namely Canon A1, Nikon FM, Pentax ME Super and Minolta X-700 are still missing in my collection and the future will show, whether the one or the other appears here in my blog.

On the left you can see two cameras, which probably belong onto this list of best-selling SLR's. The first is Cosina CT-1, produced in many versions and sold under many names. Therefore the true production number of this "series" is not really assessible.

The second is Minolta's Maxxum 7000 AF, the top seller AF-SLR from the late 80ies. Still, I could not find any production number for it yet. I will keep trying, stay tuned...


2018-03-01

Praktica PL electronic


Vor genau 50 Jahren, im März 1968 begann die Produktion dieses unscheinbaren Meilensteins des Kamerabaus. Von außen sieht die PL electronic fast genauso aus wie ihre Schwester PL Nova I, im Boden versteckt sich die Innovation: Der erste elektronisch gesteuerte Schlitzverschluss in einer kommerziellen Kamera, bestehend aus einem Elektromagneten als Sperrklinke für den zweiten Verschlussvorhang, einer Platine als variable Verzögerungsschaltung (adieu Räderhemmwerk) und natürlich der dafür unverzichtbaren Batterie.
Die Ingenieure vom VEB Pentacon in Dresden (namentlich Hubertus Reimann, Siegfried Müller und Fritz Lindner) waren mit ihrer Erfindung (Patent DD44166) schneller am Markt als ihre westdeutschen Konkurrenten von Zeiss Ikon mit der Contarex SE "electronic". Diese wird oft als die weltweit erste bezeichnet, wurde schon für 1967 angekündigt, war aber erst ab Herbst 1968 erhältlich. Auch in Japan arbeitete man zu der Zeit wohl schon an dem Thema, als erste Kamera dort mit einem solchen Verschluss kann wohl die Yashica TL electro X von 1969 gelten.
Schaltplan der Elektronik aus dem Patent DD44166. Die
realisierte Schaltung der Kamera ist einfacher (kein 
Photowiderstand, nur 2 Transistoren).
Man sollte allerdings erwähnen, dass das Thema irgendwo in der Luft lag. Die Entwicklung der Elektronik machte überall Riesenfortschritte, die entsprechenden Bauelemente (insbesondere Transistoren) waren endlich erhältlich. Ende der 1950er kamen die ersten Transistorradios auf den Markt, und die eigentliche Erfindung (DE1095107, das elektronische Hemmwerk) wurde schon 1956 von Paul Fahlenberg gemacht, der zu dieser Zeit für das Compur-Werk Friedrich Deckel in München arbeitete. Die Firma gehörte damals zum Zeiss Konzern, realisierte einen solchen Verschluss aber erstmal nicht, bzw. dann erst in der Contarex SE. Die Herren Reimann et al. haben sich vermutlich die eine oder andere Inspiration davon geholt, und ein paar Ausführungspatente in der DDR selbst angemeldet. VEB Pentacon war angeblich vergeblich mit Compur in Verhandlungen, hatte aber wegen der deutschen Teilung wenig Skrupel die Technik trotzdem zumindestens für den ostdeutschen Markt einzusetzen.
Beide oben erwähnten Patente deuten die Möglichkeit zur automatische Belichtungssteuerung  durch die Verwendung eines Photowiderstands an, später auch als Zeitautomatik realisiert. Allerdings besitzt die Praktica PL Electronic keinen Belichtungsmesser und man kann sie daher eher als Pilotstudie nur für den Verschluss betrachten. Mit dem Drehrad um die Rückspulkurbel wird lediglich der entsprechende Widerstand eingestellt, der die Oszillation zwischen Kondensator und Spule stärker oder schwächer dämpft. Allerdings ist der enorme Zeitenbereich von 30 bis zu 1/500 Sekunden bis dahin von keinem anderen (einzelnen) mechanischen Hemmwerk erzeugt worden. Auch dürfte die Genauigkeit der elektronisch gesteuerten Zeiten prinzipiell höher als die der mechanischen gebildeten gewesen sein.
Dennoch muss festgehalten werden, dass für den Fotografen diese Innovation erstmal keinen wirklichen Vorteil brachte. Mit einer PL electronic kann man bestenfalls genausogut oder schlecht fotografieren wie mit einer PL Nova. Im schlechten Fall ist allerdings die Batterie leer, was bei dieser Praktica hier wohl wegen des hohen Stromverbrauch recht schnell der Fall war. Daher wurde die Produktion nach nur ca. 3400 Exemplaren wieder eingestellt. Die elektronische Steuerung eines Verschlusses gab es von Pentacon erst wieder ab 1977 mit der Praktica EE2, einem Zeitautomaten.
Aber die Kameraindustrie war 1968 natürlich aufgewacht und erkannte den Wert der Erfindung recht schnell. Elektronische Verschlüsse sind viel simpler aufgebaut und billiger zu bauen als komplizierte Räderhemmwerke, dazu genauer und sie erlauben die einfache Integration in eine Belichtungsautomatik.  So verwundert es nicht, dass ab 1969 von fast jedem renomiertem Kamerahersteller "Elektronik"-Kameras auf den Markt gebracht wurden, die meisten hatten ein E im Namen (z.B. Pentax ES 1971,  Nikkormat EL 1972, Minolta XE 1974). Besonders die frühen elektronischen Kameras hatten nicht immer den besten Ruf und die Hersteller behielten zunächst ihre mechanischen Baureihen im Angebot. Canon war mit der AE1 1976 der erste, der konsequent auf Elektronik und moderne Produktionsverfahren setzte und damit den Markt aufrollte. Aber diese Geschichte kann man hier nachlesen.


Die Praktica PL electronic ist mit nur 3400 Stück ziemlich selten und als Meilenstein entsprechend bei Sammlern gefragt. Ich hatte Glück bei einer Auktion und mein Exemplar hat die außergewöhnliche Seriennummer 500005. Meine Vermutung ist, dass die Nummerierung des Modells bei 500001 startete, jedenfalls habe ich bisher keine Fotos mit Nummern unter dieser Zahl gesehen. Sie ist ansonsten sehr gut erhalten, keine Kratzer oder Beulen. Sie löst auch aus und läßt sich spannen, allerdings entweder bei B (mit eingelegter Batterie) oder (ohne Batterie) bei ihrer einzigen mechanischen Zeit (ca. 1/60s). Wie man an den Fotos sieht, hatte ich sie schon offen um die Elektronik zu fotografieren. Ob ich/man sowas reparieren kann...?

Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit elektronischem Verschluss
Objektiv M42 Schraubgewinde.
Verschluss elektronisch gesteuerter, horizontaler Tuchschlitzverschluss 30s bis 1/500 s und B.
Belichtungsmessung keine.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, nicht gespannter Zustand wird durch rotes Dreieck angezeigt.
Blitz Synchronbuchse, X und FP umschaltbar. Synchronzeit ca. 1/40 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Merkscheiben für Filmempfindlichkeit und Filmtyp, Trageösen, Okularbajonett für Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 150x95x47 mm, 636g (mit Batterie)
Batterie PX-21 (4.5 V)
Baujahr(e) 1968-1969, ca. 3400 Exemplare, diese #500005 März 1968
Kaufpreis, Wert heute 900 Mark, ca. 200 € (eigene Schätzung)
Links Club Daguerre, Blende und Zeit Forum, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, ZeisikonVEB (Schaltung), Patent DD44166.