2017-10-02

Bilora Boy

Diese schicke Boxkamera hab ich vor ein paar Wochen auf einem Flohmarkt gefunden und für ein paar Euro erstanden. Die Firma Bilora war mir durchaus ein Begriff, ich verband sie bis dahin aber eher mit Fotozubehör (z.B. Stative). Dass sie auch Kameras produzierten habe ich erst durch diese Recherche hier erfahren. Der Name BILORA kommt von KürBI & NiggeLOh, Radevormwald, ein Ort im Bergischen Land, in dem ich selbst 2 Jahre meiner Kindheit zugebracht habe. Die Geschichte zur Kamera und ihrem Hersteller kann man bei Spuer-sinn.net und bei boxkamera.de nachlesen, ich möchte nicht alles wiederholen.
Die Bilora Boy ist wie alle Boxkameras höchst simpel gehalten, mit ihrem zweiteiligen Bakelit-Gehäuse besteht sie lediglich aus ca. 30 Einzelteilen und konnte so günstig produziert und für nur 9,90 DM (1950) verkauft werden. Fotografiert wird auf 127er Rollfilm (8 Bilder a 4 x 6.5 cm), der um die Unzulänglichkeiten des einlinsigen Meniskusobjektivs etwas auszugleichen gebogen geführt wird. Dessen Brennweite ist wohl ca. 65 mm bei f/11 als einziger Blende. Es gibt auch nur eine Verschlusszeit (wohl ca. 1/30 s) und Zeitbelichtung ("T" bzw. eigentlich B). 

Dieser Einfachverschluss hat bei meiner Kamera gehakt. Ich habe ihn daher gereinigt und etwas geölt und jetzt geht wieder alles. Für mich eine gute Gelegenheit des Funktionsweise mal genauer zu dokumentieren (siehe unten). Ich denke, viele Einfachverschlüsse funktionieren sehr ähnlich und die Bilora-Leute haben hier nichts wirklich spektakuläres gebaut:


Funktionsweise des Einfachverschlusses in sechs Stufen:

(1) Ausgangsposition: Der Hebel (H) wird durch die Feder (A) in seiner Position gehalten. Auf der einen Seite des Hebels ist der Auslöser (S) über ein Gestänge befestigt, auf der anderen Seite ist das Verschlussblatt (V) über die verdeckte Feder (B) so am Hebel befestigt, dass (V) auf der rechten Seite am Anschlag gehalten wird.
(2) Druck auf den Auslöser (S) schiebt den Hebel an den Anschlag rechts oben. Dabei wird Feder (A) gespannt, der untere Teil des Hebels schwingt über das Lager von (V) nach links und (B) zieht (V) plötzlich nach links.
(3) (V) setzt sich durch den Zug der Feder (B) jetzt nach links in Bewegung und gibt das Objektiv zur Aufnahme frei (gelb). Falls der Anschlag (M/T) auf Stellung T (Zeitaufnahme) steht, bleibt (V) in dieser Position und gibt das Objektiv solange frei, wie der Auslöser gedrückt bleibt.
4) Falls der Anschlag auf Stellung M steht, schwingt (V) nach ganz links durch und überstreicht so die Objektivöffnung nur kurzzeitig (vermutlich ca. 1/30 s).
5) Der Auslöser (S) wird losgelassen, Feder (A) zieht den Hebel (H) wieder in seine Ausgangsposition am linken oberen Anschlag. Dabei wird jetzt die Feder (B) zum Rückholen von (V) wieder gespannt.
6) Das Verschlussblatt (V) schwingt durch (B) gezogen wieder in seine Ausgangsposition nach rechts zurück. Dabei gibt es selbst kurzzeitig das Objektiv frei, das jetzt aber durch den Hebel (H) verdeckt ist! Damit ist der Kreis geschlossen und der Verschluss sofort (ohne extra Spannen) wieder auslösebereit!

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