2026-04-02

Balda Piccochic

Vor ein paar Wochen schrieb mich ein Sammlerkollege per e-mail an, schickte mir ein paar Fotos dieser Kamera und bat mich, ihm beim Identifizieren zu helfen. Ich habe dann ein paar Stunden geknobelt und recherchiert, leider war der im Leder geprägte Schriftzug kaum zu entziffern. Aber irgendwann hatte ich es. Als ich ihm mein Ergebnis gemeldet habe, stellte sich heraus, dass er das gute Stück verkaufen wollte. Was soll ich sagen, nach kurzer Verhandlung war es meins und steht jetzt in der 3x4-Vitrine zwischen den beiden Dresdener Konkurrentinnen mit ähnlicher Spreizenkonstruktion:
Die Balda Piccochic zwischen ihren Dresdener Konkurrentinnen Welta Gucki und Kochmann Korelle

Das Balda-Werk, Max Baldeweg GmbH fertigte ab ca. 1913 Fotozubehör und begann 1925 mit dem Bau von (Platten-) Kameras. Schnell kamen auch Rollfilmkameras dazu und man legte eine enorme Expansion hin. Anfang der 1930er wurden mit über 1000 Mitarbeitern an vier Standorten in und um Dresden hauptsächlich preiswerte Box- und andere Amateurkameras produziert und Balda-Kameras waren meist etwas günstiger als ihre direkten Konkurrenten. 

Mit der Piccochic brachte man 1931 die erste Kleinbild-Kamera der Firma, wie viele andere zu der Zeit als Halbformat 3x4 für den eigentlich für 4x6.5 cm konfektionierten 127er Rollfilm. Sie ist genau wie ihre lokalen Konkurrentinnen Welta-Gucki und der Korelle 3x4 eine Spreizenkamera mit auf Knopfdruck herauspoppendem Objektiv. Von der Größe her sortiert sie sich zwischen die beiden anderen ein. Alle drei (und viele andere Modelle) sind von 1931 und es ist heute kaum noch zu ergründen, welche zuerst auf dem Markt war, bzw. wer was von wem abgeschaut hat. 

Die Piccochic wurde wohl nicht sehr lange gebaut, ich vermute maximal bis 1933. Der unten abgebildete Balda-Prospekt ist (wegen des erwähnten Rapid-Compur) von 1934 und dort wird per Stempel darauf hingewiesen, dass die Kameras nur noch aus dem Vorrat stammen. Es gab nämlich von Balda ab 1934 auch die 3x4-Kamera Baldi und ab 1935 die berühmte Kleinbildkamera Baldina für die 135er Patrone. Beide Neukonstruktionen teilen sich die für fast alle folgenden Balda-Kleinbildkameras typische Aufklapp-Konstruktion. Ab 1936 wird die Baldi in einer Einfachversion auch als Rigona vermarktet. Auch hat Balda schon damals die Kameras unter anderen Namen für (meist ausländische) Vertriebsgesellschaften gebaut.  

Datenblatt Kompakte Halbformat-Kamera (3x4 cm) für 127er Rollfilm
Objektiv Meyer Trioplan 5 cm f/3.5 (Triplet, #556224, ca. 1933). Kamera war auch mit anderen Objektiven erhältlich (siehe unten).
Verschluss F. Deckel Compur T-B-1-2-5-10-20-50-100-300 1/s, #2426887 (ca. 1931). Kamera war auch mit anderen Verschlüssen erhältlich (siehe unten).
Fokussierung per Frontlinsenverstellung, minimal 1 m. Mit höherwertigen Objektiven auch per separatem Schneckengang.
Sucher optischer Newton Aufklapp-Sucher, klappt gemeinsam mit Spreizenkonstruktion auf, nach Druck auf Öffnungsknopf.
Filmtransport mittels Drehrad auf der "Unterseite", doppelte rote Fenster für Filmrückseiten-Nummerierung  (wie alle 3x4 Kameras)
sonst. Ausstattung 3/8'' Stativgewinde, Ausklappständer für Querformat-Aufnahmen. Trageschlaufe aus Leder.
Maße, Gewicht ca. 108 x 72 x 41/65 (ein-/ausgeklappt), 360 g
Baujahr(e) 1931 - ca.1933, im Verkaufsprogramm bis ca. 1935
Kaufpreis, Wert heute ca. 70 RM (siehe unten), heute ca. 50-100€, seltene Varianten (z.B. mit Macro-Plasmat oder Elmar) deutlich mehr.
Links Camera-wiki, Engel-Art, Kamerasammlung.ch, Collection Appareils, CJ's classic cameras
Bei KniPPsen weiterlesen Meine 3x4-Sammlung, Das plötzliche Verschwinden der 3x4-KamerasBaldina, Jubilette, Korelle 3x4 
Seite aus einem Balda-Prospekt (vermutlich 1934, weil der Compur Rapid erwähnt wird). Man beachte den Stempel "Wird nur noch aus Vorrat verkauft".

Weil der Scan so schlecht ist, hier eine Transkription:

Dieser Knirps von Kamera leistet großartiges! * Infolge seiner geringen Außenmaße leicht in der Westentasche oder Damen-Handtasche unterzubringen * In 1 Sekunde schußbereit * 16 Bilder 3 x 4 cm auf einem 4 x 6,5 Rollfilm, selbstverständlich gestochen scharf zum Vergrößern * Objektive bis zur Lichtstärke f:2.9 gestatten Aufnahmen in allen Lichtverhältnissen.

PREISE einschließlich echtem Nappalederbeutel und Umhängeschnur

Vidanar 4.5 in Orig. Vario    RM 32,--
Trioplan 4.5 " Pronto-S          "    40,--
Xenar     3.5 " Comp. Schneckg. " 75,--
Xenar     2.9 "      "            "         "  83,--
Zeiss Tessar 4.5 in Compur        "  74,--
Zeiss Tessar 3.5 "  Compur        "   77,--
Trioplan 2.9 in Rapid-Compur    " 73,50
                    (mit 1/500 Sekunde)
Zeiss Tessar 3.5 Rapid-Compur    87,--

Zubehör: 
Echte Vollrindledertasche mit Trageriemen ...... RM 7,50

2026-03-19

Hapo 35 (Porst, aka Balda Mess Baldinette)

Nach drei Blitzgeräten, einem Belichtungsmesser und einem Objektiv gibt es hier mal wieder eine Kamera. Es handelt sich um Balda's Mess-Baldinette gebaut als Hapo 35 für Photo Porst. Die Kamera kann ihre Abstammung von der Vorkriegs-Baldina nich verleugnen, auch wenn sie selbst im westdeutschen Bünde und nicht mehr in Dresden gebaut wurde. Tatsächlich ist erstaunlich viel an der Konstruktion noch identisch (dazu unten mehr), auch wenn die durchgehende silberne Gehäusekappe sie wie eine moderne Nachkriegskamera erscheinen läßt. Diese Gehäusekappe verbirgt einen eingebauten aber ungekuppelten Entfernungsmesser (daher Mess-...). Eine entsprechende Super-Baldinette genannte Kamera gab es ebenfalls, diesmal mit gekuppelter Fokussierhilfe. Sucher- und Entfernungsmesser hatten in beiden Fällen ein eigenes Fensterchen, waren also keine Messsucher-Kameras.   

Das Interessante an dieser Kamera von ca. 1954 sind tatsächlich nicht ihre technischen Features, die waren schon seit 20 Jahren am Markt, sieht man mal von der Blitzbuchse am Verschluss und dem vergüteten Objektiv ab. Diese Kamerklasse wurde 1934 von Kodak's Retina (Typ 117) begründet, schnell kopiert von Welta und Balda, die dann zusammen den Siegeszug der Kleinbildkamera und der dazugehörigen 135er Patrone manifestierten. Diese Kameras gehörten zu den letzten, die bei Kriegsbeginn noch montiert wurden, und zu den ersten mit denen im Nachkriegsdeutschland die Produktion wieder aufgenommen wurde.  
Beltica (DDR, 1951), Hapo 35 (Mess-Baldinette, BRD 1954) und Jubilette (Deutsches Reich, 1938) können ihre Verwandtschaft nicht leugnen. Viele Teile sind identisch und untereinander austauschbar. 

Das wirklich erstaunliche an dieser Kamera ist die Tatsache, dass sehr viele Teile des Basisgehäuses mehr oder weniger identisch zur ursprünglichen Konstruktion der Baldina von 1936 sind. Insbesondere weil die Mess-Baldinette dabei aus der in West-Deutschland neugegründeten Balda-Fabrik in Bünde/Westfalen stammt und in der ursprünglichen (nun aber verstaatlichten) Fabrik in Dresden unter dem Namen Beltica ebenfalls eine fast identische Kamera gebaut wird. Man sieht es schon bei der direkten Gegenüberstellung im Bild oben. Ich habe es aber auch im Detail ausprobiert und die mit vier Schrauben fixierte Filmführung zwischen Beltica und Baldinette vertauscht: passt!

Datenblatt Einfache Balgen-Sucherkamera für Kleinbildfilm 24x36mm mit ungekuppeltem Entfernungsmesser
Objektiv Enna Haponar 5 cm f/2.9 (Triplet), vergütet
Verschluss Prontor-SV Zentralverschluss, B-1-2-5-10-25-50-100-300, muss separat vom Filmtransport gespannt werden, Gehäuse-Auslöser und Doppelbelichtungssperre mit Indikator auf der Gehäuseoberseite.
Fokussierung manuell per Frontlinsenverstellung
Sucher einfacher optischer Durchsichtsucher, separater Einblick für Entfernungsmesser
Blitz Anschluss von Blitzgeräten per PC-Buchse, umschaltbar M-X
Filmtransport Mittels Drehrad auf Kameraunterseite, Rückspulrad auf Gehäuseoberseite und Bildzählwerk (vorwärtszählend).
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4'', Zubehörschuh, Drahtauslösergewinde, Tiefenschärfetabelle, komplett versenkbares Objektiv, Standfuß für Hochkantaufnahmen
Maße, Gewicht 90 x 120 x 35/84 mm (geschlossen/offen), 495 g
Baujahr(e) ca. 1954
Kaufpreis, Wert heute (geschätzt 150 DM), 40 US$, heute ca. 20 € 
Links Camera-Wiki, CJ's Classic Camera Collection, Deutsches Kameramuseum
Bei KniPPsen weiterlesen Westdeutsche Nachkriegs Kameraproduktion, Beltica, Baldina, Jubilette, Welti, KB-Kameras im Vergleich, Hapo 24 (Balda)


2026-03-05

Agfatronic 280 CB (Typ 6910/100)

In dem geschenkten Beutel mit Fotokrams war auch dieses äußerlich sehr gut erhaltene (vermutlich kaum benutzte), aber trotzdem defekte Elektronenblitzgerät aus den 1970er bzw. 1980er Jahren. Ich habe es natürlich ausprobiert und neue Batterien eingelegt, aber das typische aufsteigende Summen bis die Bereitschaftslampe leuchtete blieb leider aus. Ich würde sagen: Die Elektronik ist nach Jahrzehnten der Nichtbenutzung einfach kaputt, vermutlich verursacht durch den einen oder anderen gealterten Kondensator.
 

Agfa verkaufte als Foto-Vollsortimenter natürlich auch Blitzgeräte. Die Elektronenblitzgeräte hießen seit Mitte der 1960er Jahre AGFATRONIC und trugen darüber hinaus noch eine Typ-Bezeichnung. Diese erzählt noch etwas über das Featureset: So hat die Zahl was mit der Leitzahl zu tun (280 bedeutet LZ 28), ein C steht für Computer, ein B für Batterie, ein A für Akku (wieder aufladbar). 

Gebaut hat Agfa die Blitzgeräte nicht selbst, man findet in seriösen Quellen die Vermutung, dass Osram hier Produktionspartner war. Allerdings hat die beim meinem Exemplar beiliegende Bedienungsanleitung ein dezentes "Printed in Japan", was auf einen japanischen OEM schließen läßt (hier wird im Netz hauptsächlich auf Sunpak gezeigt). 

Agfa hat sein Blitzportfolio Mitte der 1970er re-designt und den bisher schlichten kastenförmigen Modellen nun auch das rundliche schwarz-elegante Schlagheck-Schultes Design mit den orangen Sensor-Elementen verpasst. Öfters findet man widersprüchliche Jahreszahlen und auch für dieses Blitzgerät als Baujahr 1974, was für das alte kastenförmige Gerät wohl stimmt, ich aber für das runde Modell bezweifeln möchte. Ganz unten habe ich eine Seite aus einem 1975er Fotokatalog abgebildet, wo nur die alten Modelle angeboten werden. Außerdem hat meine Bedienungsanleitung einen Zeitstempel 0576. Falls jemand mehr dazu weiß, bitte melden...

Datenblatt Elektronenblitz mit Computersteuerung
Leitzahl 28 (bei 21 DIN), bzw. Guide Number 92 (100 ASA)
Blitzfolge ca. 8 Sekunden
Blitzzahl ca. 300 - 350 Blitze pro Batteriesatz (je nach Qualität der Batterien)
Batterie 4 x 1.5V AA-Batterien (z.B. Varta 7244)
Farbtemperatur 5600 °K, Tageslicht
Leuchtzeit 1/1000 - 1/50 000 s (bestimmt durch Lichtsensor und Computersteuerung)
Einstellungen Zwei Blitzbereiche wählbar, grün: bis 2,50 m, gelb: bis 5 m. Manuelle Blitzauslösung durch Druck auf Blitzkontrollleuchte möglich.
sonst. Ausstattung Ausleuchtung starr nach vorne, nicht schwenkbar. Ausreichend für leichtes Weitwinkel (35 mm). Mittenkontakt (Hot shoe) und Anschluss für Synchronkabel.
Maße, Gewicht 130 x 67 x 43 mm, 175 g (ohne Batterien)
Baujahr(e) 1976 - 198?, made in Japan (vermutlich Sunpak)
Kaufpreis, Wert heute ca. 120 DM, < 5 €
Links Emtus, Deutsches Kameramuseum, Bedienungsanleitung
Agfa-Blitzgeräte aus "Internationaler Photo-Katalog 1975" (14. Ausgabe). Damals wurden die Agfatronic-Geräte noch im rechteckigen Design angeboten. Dieser 280 CB kostete im März 1975 119 DM.


2026-02-19

Duo-Lux Primus Kondensatorblitzgerät


Ebenfalls in dem geschenkten Beutel mit Fotokrams war dieser Kondensatorblitz mit dem Namen Duo-Lux Primus und zwei dazugehörige Schachteln Blitzbirnchen des Typs PF1B, eine davon sogar noch ungeöffnet. 
Gebaut aus hell-beigen Plastik beherbergt das Gehäuse die einfache Schaltung aus 22.5 V Anodenbatterie und Kondensator, die zum Zünden der einsteckbaren Blitzbirnchen nötig ist. Der Duo-Lux akzeptierte übrigens die Blitzbirnchen-Typen XM1/XM5, PF1/PF5 und sogar die amerkikanischen AG1


Komplettiert wird das Ganze durch einen 9 Fächersegmente umfassenden Fächerreflektor mit 12.5 cm Durchmesser und Bajonett zum ansetzen ans Gehäuse. Aufgesteckt auf die Kamera wird der Blitz per Zubehörschuh, angeschlossen allerdings (noch) per Kabel und PC-Buchse. Der Mittenkontakt ("Hot-Shoe") war 1956 (erstes Baujahr des Primus) zwar schon erfunden, setzte sich aber erst Mitte der 60er langsam durch.
Zusammengefaltet passt das nur 90 g schwere Gerät (davon 30 g alleine für die Batterie) in die mitgelieferte braune Kunstledertasche (nochmal 42 g), die man per Schlaufe am Kameratragegurt festmachen konnte. Der Originalpreis Ende der 1950er Jahre war 17.40 DM (Preisbindung), heute sind die Dinger nur noch Blitzgerätesammlern etwas wert. Hergestellt und vertrieben wurde der Blitz übrigens von der Duo-Lux Albert Hiller KG aus Dornstetten in Baden-Württemberg. Die Firma existierte von ca. 1950 bis 1972, und war wohl zusammen mit den Blitzbirnchen untergegangen. Man hatte wohl versäumt, auch in Elektronenblitze oder anderes Zubehör zu investieren. Interessanterweise findet man den kompletten Firmennamen nirgendwo auf dem Gerät noch dem Etui, dafür mehrfach ein stolzes "Made in Germany".

2026-02-05

Actino U

In einem Beutel mit Fotokrams, den ich neulich geschenkt bekam,  war auch dieser Handbelichtungsmesser aus den 1950ern. Es handelt sich um ein Modell der Firma Weigand aus Erlangen. Karl-Heinrich Weigand hatte seine Firma für elektrische Messinstrumente schon 1938 zusammen mit einem Partner gegründet und das erste einfach ACTINO genannte Modell herausgebracht. Nach dem Krieg hat er die Firma alleine wieder aufgebaut und ab 1948 neue Actino-Modelle produziert.    
Der Actino U wurde in leicht verschiedenen Versionen von 1954 bis zum Ende des Jahrzehnts produziert. Mein Exemplar hier hat entgegen zu den meisten anderen Darstellungen oder Fotos eine schwarze Skala mit weißer Schrift, entspricht aber in der sonstigen Spezifikation dem üblicherweise Version 1 genannten Modell. Er kommt in einem schicken und praktischen roten (Kunst-)Lederetui, und weil das meistens geschlossen ist und somit kein Licht auf die Zelle fällt, funktioniert mein Exemplar tatsächlich noch.

Datenblatt Handbelichtungsmesser
Belichtungsmessung per Selenzelle, Empfindlichkeit 8-26 °/10 DIN, 6-400 ASA, Blenden 1.4 - 22, Zeiten 60s - 1/1000 s
sonst. Ausstattung Cine-Gangzahlen, Aufklappdiffusor
Maße, Gewicht ca. 50 x 70 x 23 mm (ohne Etui, mit jeweils ca. 4 mm dazu), 140 g
Batterie keine notwendig, Selenzelle!
Baujahr(e) 1954-ca. 1959
Kaufpreis, Wert heute 39 DM plus Etui (3,30 DM), 5€
Links Photobutmore, Camera-Wiki, Lightmetermuseum.com (archived)
Der Actino U (hier mit der üblichen hellen Skala) neben einiger seiner direkten Konkurrenten aus dem Photo Porst Katalog 1956. Mit 39 DM gehörte er zu den günstigeren Modellen, auf der Seite vorher waren die Gossen-Modelle Sixtomat etc. ab 69 DM zu bestellen.

2026-01-22

Agfa ISI-C (Typ K)

Zur Abwechslung mal keine Kamera oder Objektiv, sondern ein populäres Foto-Zubehör aus den 1970ern. Es handelt sich um ein einfaches Blitzgerät zur Verwendung von Blitzwürfeln des Typs N (Flash-Cube). Diese wurden 1965 vom Glühlampenhersteller Sylvania auf den Markt gebracht und waren eigentlich für einfache Kameras gedacht, die einen entsprechenden Flash-Cube Halter eingebaut hatten. Am Besten so einen, der beim Filmtransport auch den Würfel um 90° gleich mit dreht. Wie zum Beispiel die Kodak Instamatic 104. Eigentlich ist das Ganze mehr als ein Halter, sondern ein eingebautes Blitzgerät, da die Kamera zur Zündung der Blitzbirnchen im Würfel eine Batterie und einen Kondensator brauchte.

Wie viele andere Kamera- und Zubehörhersteller hatte auch Agfa seit 1952 einige Blitzgeräte im Programm, meist waren es einfache Kondensator-Modelle für verschiedene Blitzbirnchen. 1963 kommt das Modell ISI in die Fotoläden, ein sehr kompaktes, quaderförmiges Gerät mit eingebautem relativ kleinen Reflektor für den Zuberhörschuh. ISI gab es in den beiden Varianten K (mit Kabel) oder M (Mittenkontakt, hot-shoe). 

In dessen Tradition bringt Agfa im Jahr 1976 ISI-C (ebenfalls in beiden Varianten) auf den Markt. der kleine schwarze Plastikquader ist noch kompakter als der alte ISI, bringt doch der Blitzwürfel seine eigenen Reflektoren mit. Im Gehäuse wird nur noch die Batterie (6V, PX23) und der Kondensator versteckt. Eine Automatik zum Drehen des Würfels nach der Aufnahme gibt es nicht, da muss der Fotograf selbst dran denken. Eine Entfernungs-/Blenden-Tabelle (Leitzahl 15) und ein kleines abgerundetes Plastiketui für den Kameragurt runden das Produkt ab.

1976 ist die Zeit der Blitzbirnchen und entsprechender Blitzgeräte eigentlich vorüber. Der ISI-C dürfte einer der letzten Kondensatorblitzer gewesen sein, die auf den Markt gekommen sind. Der gehörte längst den Elektronenblitzern, die ab Mitte der 70er sogar von deren zweiter Generation (Computer-Blitz) abgelöst wurden. Auch Agfa ist 1963 mit dem Agfatron auf diesen Zug aufgesprungen. Diese mit der Elektronik-Revolution Anfang der 1970er erschwinglich gewordenen Geräte blitzten einmal erworben und aufgeladen quasi umsonst, während Blitzbirnchen und auch Blitzwürfel ein teurer Spaß waren.



2026-01-08

Carl Zeiss Jena Sonnar 135 mm f/4

Zusammen mit der Exa 500 bekam ich neulich auch dieses Schätzchen geschenkt. Es handelt sich um das zahlenmäßig erfolgreichste Wechsel- bzw. präziser Zusatzobjektiv von Carl Zeiss Jena, gerechnet und gebaut ab ca. 1932 zunächst für die Contax, dann nach dem 2. Weltkrieg in verschiedenen Wechselfassungen und Design-Versionen. Angeblich wurden bis 1988 in Jena 470.000 Exemplare gebaut, die meisten davon allerdings in der ab Ende der 1960er leicht verbesserten Version mit f/3.5 (bei nahezu gleichem Linsenschnitt). Nicht eingerechnet sind die Kopien, hauptsächlich das optisch identische Jupiter 11, was in der Sowjetunion bis Mitte der 1990er in ähnlicher (oder noch größerer) Anzahl produziert wurde. Aber auch in Japan wurden entsprechend konstruierte Nikkore, Takumare und andere Abkömmlinge in hohen Stückzahlen gebaut. Insgesamt dürften die Zahl derart gebauter 135er durchaus 7-stellig gewesen sein.
Erfunden bzw. gerechnet wurde dieses Objektiv ca. 1930 von Ludwig Bertele, der auch schon das berühmte Sonnar 5 cm f/1.5 erschaffen hat. Obwohl beide Male Sonnar drauf steht und trotz einiger anderer Gemeinsamkeiten handelt es sich beim Teleobjektiv um eine eigenständige Konstruktion. Charakteristisch ist seine verglichen mit der Brennweite verkürzte Bauweise und der Aufbau aus nur vier Linsen, wovon Nr. 2 und Nr. 3 auch noch verkittet sind (4/3 Linsen/Gruppen). Die außergewöhnlich dicke Blei-Flintglas-Linse im Zentrum macht solche Tele-Sonnare vergleichsweise schwer. 

Bertele rechnete dieses Objektiv noch zu Zeiten als die Antireflexvergütung noch nicht erfunden war und jeder Glas-Luft Übergang zu ungewünschten Reflexionen und damit Kontrastverlusten führte. Mit nur 4 Linsen und 6 Glas-Luft Übergängen schuf er durch geschickte Kombination der Glassorten und Linsenradien ein technisches Meisterwerk, bei dem die wesentlichen Abbildungsfehler Astigmatismus, Koma, Farbfehler und Bildfeldwölbung so gut wie eliminiert sind bei gleichzeitig hervorragenden Auflösungs- und Kontrastwerten bereits bei offener Blende.

Spätere Optimierungen (von Bertele selbst und anderen) nutzten dann die (Mehrschicht-) Vergütung und neue Glassorten, um die Lichtstärke sowie die Abbildungsleistungen noch weiter zu erhöhen, bzw. noch kompaktere und leichtere Teleobjektive zu bauen. Dazu wurde die Verkittung meist wieder aufgelöst (4/4), die Grundkonstruktion aber im wesentlichen beibehalten. Im Januar 1937 wurde eine von Bertele selbst durchgeführte Optimierung (vermutlich inkl. der Vergütung) in die Produktion überführt. Diese Konstruktion wurde dann bis Frühjahr 1965 unverändert produziert.

Mein Exemplar hier stammt von 1967, besitzt eine hauptsächlich aus Aluminium bestehende Fassung im klassischen Zebra-Design der 1960er und natürlich die einfache Vergütung der Linsen, erkennbar am blauen Schimmer. Carl Zeiss Jena hatte im Frühjahr 1965 eine Optimierungsrechnung mit anderen/besseren Glassorten durchgeführt und damit die Lichtstärke leicht auf f/3.5 erhöht. Das entsprechende Update ging dann im April 1965 in Produktion. Interessanterweise wurde kurze Zeit später noch ein Los (22.000 Exemplare) einer f/4-Version (ebenfalls neu gerechnet) mit Exakta- Bajonett gebaut, was bis 1969 im Programm war. Ich denke, ich habe ein solches hier vor mir…


Datenblatt Erfolgreichstes KB-Wechselobjektiv von Carl Zeiss Jena und Archetyp vieler mittlerer Teleobjektive mit 135 mm Brennweite.
Kamera-Anschluss Exakta-Bajonett, auch erhältlich für M42 und andere Anschlüsse.
Fokussierung Manuell, kürzeste Distanz 1 m.
sonst. Ausstattung Filtergewinde 49 mm
Maße, Gewicht ca. 94 x 66 mm, 395 g. 
Baujahr(e) ca. 1932 - 1988, in dieser Form 1965 -1969. Dieses #8248555 von 1967.
Kaufpreis, Wert heute ca. 200 Mark, heute ca. 50€
Links ZeissIkonVEB, Wikipedia (DE), Wikipedia(EN), Klassik-Cameras
Bei KniPPsen weiterlesen Sonnar 5cm f/1.5, CZJ Tessar 40 mm, Isconar 135 f/4, Paul RudolphPiere Angénieux und Harry Zöllner

2025-12-29

Exa 500

Im Jahr 1936 baute die Ihagee in Dresden die erste Kleinbild-SLR: die Kine-Exakta. Eine Kamera, die in vielen Aspekten ihrer Zeit voraus war und auch nach der Zwangspause durch den 2. Weltkrieg wieder aufgelegt wurde. Sie setzte Maßstäbe und wurde der Innbegriff der Systemkamera mit einer breiten Wechselobjektiv- und Zubehörpalette. Als Kamerahersteller genoss Ihagee sicher die Reputation als High-End Hersteller, konnte aber davon alleine wirtschaftlich nicht überleben. Während andere in dem 1950er Jahren ihre ersten SLRs überhaupt auf den Markt brachten, wurde Ihagee 1950 der Erfinder der Einsteiger-SLR, sprich: Eine eigene Kameralinie unter eigenem Namen (EXA), die vom Image der großen Schwester EXAKTA profitiert, aber sonst konsequent auf low-Budget getrimmt wurde. 
Beispielsweise hatten die ersten Exas einen so genannten Klappverschluss, bei dem der Spiegel die Rolle eines Verschlussvorhangs mit übernimmt. So und durch andere Maßnahmen ließen sich Teile und entsprechend Produktionskosten sparen. Ich will hier nicht die Geschichte der Exa-Serie im Detail wiederholen, dazu gibt es exzellente und ausführliche Seiten im Netz, siehe Links unten in der Tabelle. Die Exa 500 ist technisch gesehen das Top-Modell der Serie und hatte mit Rückschwingspiegel und der 1/500 s als kürzeste Zeit auch was zu bieten. 

Die EXA 500 neben ihrer Ahnin Exa II, die das erste Modell einer zweiten Exa-Linie mit fest eingebautem Prisma war. Ab 1963 teilten sich alle Exa-Modelle das selbe, etwas größere und abgerundete Gehäuse mit der komplett abnehmbaren Rückwand.

Exa Kameras waren insbesondere in den 50er und 60er Jahren auch auf westlichen Märkten sehr erfolgreich, insgesamt wurden zwischen 1.1 und 1.27 Millionen Stück (da scheiden sich manche Quellen) in 38 Jahren gebaut. Die Exa 500 steuert dazu ca. 103.000 bei. Mit ihr wurde 1969 das letzte Modell der "Exa II"-Serie mit fest verbautem Prisma wieder eingestellt. Das hing vermutlich damit zusammen, dass die bisher relativ unabhängig in der sozialistischen Planwirtschaft agierende Ihagee (ein Holländer war Hauptaktionär) nun doch bis 1970 komplett in den VEB Pentacon integriert wurde. Pentacon baute dann ab 1970 nur noch jeweils ein Exa-Modell, das war bis 1977 noch die Exa Ia, dann die Exa Ib (jetzt mit M42) und ab 1985 bis 1987 die Exa Ic 

Viele Exas, darunter auch mein Exemplar, sind nicht mehr funktionsfähig. Die doch an vielen Stellen „billige“ Konstruktion insbesondere bei Filmtransport und Verschluss ist anfällig für Defekte und meist lohnt sich eine Reparatur nicht mehr, bzw. ist mangels Ersatzteilen unmöglich. Ich war natürlich neugierig und habe mein gutes Stück aufgeschraubt, wie man an den Bildern sieht. Die Deckkappe für den Transportmechanismus habe ich nicht abbekommen, vermutlich hakt es dort und so bleibt mein Exemplar nur der Platz im Regal.

Datenblatt Einsteiger SLR für Wechselobjektive mit Exakta-Bajonett
Objektiv Exakta-Bajonett Wechselfassung, hier mit Meyer Domiplan 50 mm f/2.8 (Triplet).
Verschluss Vertikaler Tuchschlitzverschluss, B-2-4-8-15-30-60-125-250-500 (1/s), T möglich durch B + Auslösesperre.
Fokussierung Manuell auf SLR-Mattscheibe, Rückschwingspiegel. Einige Kameras hatten eine Mikroprismen/Fresnellupe als Einstellhilfe, dieses nur eine Mattlupe.
Sucher SLR, rotes Fähnchen, wenn Verschluss noch gespannt werden muss.
Blitz Anschluss per PC-Buchse, Synchronzeit 1/30 s (X) bzw. 1/125 s (M)
Filmtransport Mit Schnellspannhebel, 120°, Rückspulkurbel, Bildzählwerk (rückwärts), manuell. Möglichkeit einer aufnehmenden Patrone.
sonst. Ausstattung Auslösesperre, Stativgewinde 1/4'', Drahtauslösergewinde, Filmempfindlichkeitsmerkscheibe, Gurtösen
Maße, Gewicht 97x130x50/82 mm, 640g/796g (ohne/mit Objektiv)
Baujahr(e) 1966-1969, 103.000 Kameras
Kaufpreis, Wert heute 258 DDR-Mark (1970, nur Gehäuse), 93 Mark für Domiplan, 
Links Camera-WikiPhotobutmore, Broschüre, Bedienungsanleitung (deutsch), Manual (English), Dresdner-Kameras, Ihagee.org, Exaklaus-Liste