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2026-04-02

Balda Piccochic

Vor ein paar Wochen schrieb mich ein Sammlerkollege per e-mail an, schickte mir ein paar Fotos dieser Kamera und bat mich, ihm beim Identifizieren zu helfen. Ich habe dann ein paar Stunden geknobelt und recherchiert, leider war der im Leder geprägte Schriftzug kaum zu entziffern. Aber irgendwann hatte ich es. Als ich ihm mein Ergebnis gemeldet habe, stellte sich heraus, dass er das gute Stück verkaufen wollte. Was soll ich sagen, nach kurzer Verhandlung war es meins und steht jetzt in der 3x4-Vitrine zwischen den beiden Dresdener Konkurrentinnen mit ähnlicher Spreizenkonstruktion:
Die Balda Piccochic zwischen ihren Dresdener Konkurrentinnen Welta Gucki und Kochmann Korelle

Das Balda-Werk, Max Baldeweg GmbH fertigte ab ca. 1913 Fotozubehör und begann 1925 mit dem Bau von (Platten-) Kameras. Schnell kamen auch Rollfilmkameras dazu und man legte eine enorme Expansion hin. Anfang der 1930er wurden mit über 1000 Mitarbeitern an vier Standorten in und um Dresden hauptsächlich preiswerte Box- und andere Amateurkameras produziert und Balda-Kameras waren meist etwas günstiger als ihre direkten Konkurrenten. 

Mit der Piccochic brachte man 1931 die erste Kleinbild-Kamera der Firma, wie viele andere zu der Zeit als Halbformat 3x4 für den eigentlich für 4x6.5 cm konfektionierten 127er Rollfilm. Sie ist genau wie ihre lokalen Konkurrentinnen Welta-Gucki und der Korelle 3x4 eine Spreizenkamera mit auf Knopfdruck herauspoppendem Objektiv. Von der Größe her sortiert sie sich zwischen die beiden anderen ein. Alle drei (und viele andere Modelle) sind von 1931 und es ist heute kaum noch zu ergründen, welche zuerst auf dem Markt war, bzw. wer was von wem abgeschaut hat. 

Die Piccochic wurde wohl nicht sehr lange gebaut, ich vermute maximal bis 1933. Der unten abgebildete Balda-Prospekt ist (wegen des erwähnten Rapid-Compur) von 1934 und dort wird per Stempel darauf hingewiesen, dass die Kameras nur noch aus dem Vorrat stammen. Es gab nämlich von Balda ab 1934 auch die 3x4-Kamera Baldi und ab 1935 die berühmte Kleinbildkamera Baldina für die 135er Patrone. Beide Neukonstruktionen teilen sich die für fast alle folgenden Balda-Kleinbildkameras typische Aufklapp-Konstruktion. Ab 1936 wird die Baldi in einer Einfachversion auch als Rigona vermarktet. Auch hat Balda schon damals die Kameras unter anderen Namen für (meist ausländische) Vertriebsgesellschaften gebaut.  

Datenblatt Kompakte Halbformat-Kamera (3x4 cm) für 127er Rollfilm
Objektiv Meyer Trioplan 5 cm f/3.5 (Triplet, #556224, ca. 1933). Kamera war auch mit anderen Objektiven erhältlich (siehe unten).
Verschluss F. Deckel Compur T-B-1-2-5-10-20-50-100-300 1/s, #2426887 (ca. 1931). Kamera war auch mit anderen Verschlüssen erhältlich (siehe unten).
Fokussierung per Frontlinsenverstellung, minimal 1 m. Mit höherwertigen Objektiven auch per separatem Schneckengang.
Sucher optischer Newton Aufklapp-Sucher, klappt gemeinsam mit Spreizenkonstruktion auf, nach Druck auf Öffnungsknopf.
Filmtransport mittels Drehrad auf der "Unterseite", doppelte rote Fenster für Filmrückseiten-Nummerierung  (wie alle 3x4 Kameras)
sonst. Ausstattung 3/8'' Stativgewinde, Ausklappständer für Querformat-Aufnahmen. Trageschlaufe aus Leder.
Maße, Gewicht ca. 108 x 72 x 41/65 (ein-/ausgeklappt), 360 g
Baujahr(e) 1931 - ca.1933, im Verkaufsprogramm bis ca. 1935
Kaufpreis, Wert heute ca. 70 RM (siehe unten), heute ca. 50-100€, seltene Varianten (z.B. mit Macro-Plasmat oder Elmar) deutlich mehr.
Links Camera-wiki, Engel-Art, Kamerasammlung.ch, Collection Appareils, CJ's classic cameras
Bei KniPPsen weiterlesen Meine 3x4-Sammlung, Das plötzliche Verschwinden der 3x4-KamerasBaldina, Jubilette, Korelle 3x4 
Seite aus einem Balda-Prospekt (vermutlich 1934, weil der Compur Rapid erwähnt wird). Man beachte den Stempel "Wird nur noch aus Vorrat verkauft".

Weil der Scan so schlecht ist, hier eine Transkription:

Dieser Knirps von Kamera leistet großartiges! * Infolge seiner geringen Außenmaße leicht in der Westentasche oder Damen-Handtasche unterzubringen * In 1 Sekunde schußbereit * 16 Bilder 3 x 4 cm auf einem 4 x 6,5 Rollfilm, selbstverständlich gestochen scharf zum Vergrößern * Objektive bis zur Lichtstärke f:2.9 gestatten Aufnahmen in allen Lichtverhältnissen.

PREISE einschließlich echtem Nappalederbeutel und Umhängeschnur

Vidanar 4.5 in Orig. Vario    RM 32,--
Trioplan 4.5 " Pronto-S          "    40,--
Xenar     3.5 " Comp. Schneckg. " 75,--
Xenar     2.9 "      "            "         "  83,--
Zeiss Tessar 4.5 in Compur        "  74,--
Zeiss Tessar 3.5 "  Compur        "   77,--
Trioplan 2.9 in Rapid-Compur    " 73,50
                    (mit 1/500 Sekunde)
Zeiss Tessar 3.5 Rapid-Compur    87,--

Zubehör: 
Echte Vollrindledertasche mit Trageriemen ...... RM 7,50

2026-03-19

Hapo 35 (Porst, aka Balda Mess Baldinette)

Nach drei Blitzgeräten, einem Belichtungsmesser und einem Objektiv gibt es hier mal wieder eine Kamera. Es handelt sich um Balda's Mess-Baldinette gebaut als Hapo 35 für Photo Porst. Die Kamera kann ihre Abstammung von der Vorkriegs-Baldina nich verleugnen, auch wenn sie selbst im westdeutschen Bünde und nicht mehr in Dresden gebaut wurde. Tatsächlich ist erstaunlich viel an der Konstruktion noch identisch (dazu unten mehr), auch wenn die durchgehende silberne Gehäusekappe sie wie eine moderne Nachkriegskamera erscheinen läßt. Diese Gehäusekappe verbirgt einen eingebauten aber ungekuppelten Entfernungsmesser (daher Mess-...). Eine entsprechende Super-Baldinette genannte Kamera gab es ebenfalls, diesmal mit gekuppelter Fokussierhilfe. Sucher- und Entfernungsmesser hatten in beiden Fällen ein eigenes Fensterchen, waren also keine Messsucher-Kameras.   

Das Interessante an dieser Kamera von ca. 1954 sind tatsächlich nicht ihre technischen Features, die waren schon seit 20 Jahren am Markt, sieht man mal von der Blitzbuchse am Verschluss und dem vergüteten Objektiv ab. Diese Kamerklasse wurde 1934 von Kodak's Retina (Typ 117) begründet, schnell kopiert von Welta und Balda, die dann zusammen den Siegeszug der Kleinbildkamera und der dazugehörigen 135er Patrone manifestierten. Diese Kameras gehörten zu den letzten, die bei Kriegsbeginn noch montiert wurden, und zu den ersten mit denen im Nachkriegsdeutschland die Produktion wieder aufgenommen wurde.  
Beltica (DDR, 1951), Hapo 35 (Mess-Baldinette, BRD 1954) und Jubilette (Deutsches Reich, 1938) können ihre Verwandtschaft nicht leugnen. Viele Teile sind identisch und untereinander austauschbar. 

Das wirklich erstaunliche an dieser Kamera ist die Tatsache, dass sehr viele Teile des Basisgehäuses mehr oder weniger identisch zur ursprünglichen Konstruktion der Baldina von 1936 sind. Insbesondere weil die Mess-Baldinette dabei aus der in West-Deutschland neugegründeten Balda-Fabrik in Bünde/Westfalen stammt und in der ursprünglichen (nun aber verstaatlichten) Fabrik in Dresden unter dem Namen Beltica ebenfalls eine fast identische Kamera gebaut wird. Man sieht es schon bei der direkten Gegenüberstellung im Bild oben. Ich habe es aber auch im Detail ausprobiert und die mit vier Schrauben fixierte Filmführung zwischen Beltica und Baldinette vertauscht: passt!

Datenblatt Einfache Balgen-Sucherkamera für Kleinbildfilm 24x36mm mit ungekuppeltem Entfernungsmesser
Objektiv Enna Haponar 5 cm f/2.9 (Triplet), vergütet
Verschluss Prontor-SV Zentralverschluss, B-1-2-5-10-25-50-100-300, muss separat vom Filmtransport gespannt werden, Gehäuse-Auslöser und Doppelbelichtungssperre mit Indikator auf der Gehäuseoberseite.
Fokussierung manuell per Frontlinsenverstellung
Sucher einfacher optischer Durchsichtsucher, separater Einblick für Entfernungsmesser
Blitz Anschluss von Blitzgeräten per PC-Buchse, umschaltbar M-X
Filmtransport Mittels Drehrad auf Kameraunterseite, Rückspulrad auf Gehäuseoberseite und Bildzählwerk (vorwärtszählend).
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4'', Zubehörschuh, Drahtauslösergewinde, Tiefenschärfetabelle, komplett versenkbares Objektiv, Standfuß für Hochkantaufnahmen
Maße, Gewicht 90 x 120 x 35/84 mm (geschlossen/offen), 495 g
Baujahr(e) ca. 1954
Kaufpreis, Wert heute (geschätzt 150 DM), 40 US$, heute ca. 20 € 
Links Camera-Wiki, CJ's Classic Camera Collection, Deutsches Kameramuseum
Bei KniPPsen weiterlesen Westdeutsche Nachkriegs Kameraproduktion, Beltica, Baldina, Jubilette, Welti, KB-Kameras im Vergleich, Hapo 24 (Balda)


2025-02-02

Baldessa I

Ich bekam neulich einen ganzen Einkaufsbeutel voll mit alten Kameras geschenkt, die meisten davon einfache Massenware, nichts wirklich aufregendes für einen Kamerasammler. Ich habe mich trotzdem entschlossen, die Dinger hier vorzustellen und entsprechend zu würdigen. Anfangen möchte ich mit dieser Baldessa I vom Balda Kamerawerk in Bünde. Sie ist zwar defekt (der eigentlich charakteristische Filmtransportschlüssel auf der Kameraunterseite fehlt), sieht aber trotzdem schick aus, mit ihren abgeschrägten Ecken und der kompakten Form. Irgendwo habe ich gelesen, sie sähe aus wie ein angelutschtes Bonbon.

Diese Baldessa 1 war 1957 die erste Kamera der erfolgreichen Baldessa-Serie, die bis Mitte der 1960er Jahre gebaut und wohl in großer Zahl verkauft wurden. Schon 1958 gibt es ein erstes Update mit einem Sucherfenster zur Einspiegelung eine Leuchtrahmens, spätere Modelle dann auch Messsucher und einen eigebauten Belichtungsmesser. Das eingebaute Objektiv war immer ein 45 mm f/2.8 (Baldanar, Color-Isconar oder ISCO-Westanar). 

Interessanterweise hat mein 1957er Exemplar hier das Color-Isconar (sonst eher bei späteren Modellen anzutreffen) in Kombination mit der high-end Version des Prontor-SVS (bis 1/500 s) inkl. Lichtwertskala, siehe Tabelle unten. Sonst wird die Kamera eher mit einfachen 3-Zeiten Vario, Pronto, Prontor 125-Verschlüssen beschrieben, manchmal allerdings auch mit einem Prontor-SVS (bis 1/300s). Mhmm, hier werde ich wohl nochmal tiefer reinschauen müssen. Kommentare wie immer willkommen...

Datenblatt Kleinbildsucherkamera
Objektiv ISCO Color-Isconar 45 mm f/2.8 (Triplet)
Verschluss Prontor-SVS Zentralverschluss, B-1-2-4-8-15-30-60-125-250-500
Belichtungsmessung keine (spätere Baldessa-Modelle mit Selenzelle)
Fokussierung manuell per Frontlinsenverstellung, minimale Entfernung 1 m
Sucher einfacher optischer Sucher, keine eingeblendeten Bildrahmen oder Parallaxenmarkierungen.
Blitz PC-Buchse, umschaltbar M und X, alle Zeiten.
Filmtransport mit Filmtransportschlüssel auf der Kameraunterseite (fehlt hier), Bildzählwerk, ausklappbare Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Lichwertskala und damit verbundene gekoppelte Zeit- und Blendeneinstellung. Stativgewinde 1/4'', Filmmerkrädchen, ISO-Drahtauslösegewinde, Zubehörschuh, Gurtösen
Maße, Gewicht 120 x 80 x 64 mm, 450g
Batterie keine
Baujahr(e) 1957
Kaufpreis, Wert heute ca. 100 DM (1957 ?), ca. 10-20 €
Links Camera-WikiShutterbug Review, Lippisches Kameramuseum
Bei KniPPsen weiterlesen Westdeutsche Nachkriegs-Kameraproduktion, Baldina (1936), Baldina (50er), Belca, Retinete

2021-06-01

Baldina

Diese Baldina von 1936 ist quasi ein Nachzögling für meine Sammlung von frühen Kleinbildkameras. Bisher wurde sie dort von der Jubilette vertreten. Es ist fast dieselbe Kamera, die Balda 1938 zur Feier ihres 30-jährigen Bestehens unter die Leute brachte. Die Baldina war ein Longseller, dieses Ur-Modell wurde von 1935 bis 1941 gebaut, aber auch nach dem 2. Weltkrieg wieder ab 1946 bis 1950. Ihre direkte und wieder fast identische Nachfolgerin hieß Belca Beltica und wurde in Dresden ab 1951 weitergebaut. Auch Balda in Westdeutschland baute ab 1951 eine Baldinette, die ihre Ahnin Baldina nicht verleugnen kann. Weitere Details und Links bei den entsprechenden Beiträgen und unten in der Tabelle.

Mein Exemplar lief mir für unter 20 € über den Weg, da konnte ich nicht widerstehen. Es ist sehr gut erhalten und voll funktionstüchtig mit einer schönen Patina, die zeigt, dass sie tatsächlich benutzt wurde. Mit der Seriennummer des Schneider Xenars (am Hinterlinsenglied) kann ich die Kamera recht genau ins Jahr 1936 einordnen. Die Kamera selbst oder der Prontor-Verschluss tragen lieder keine Nummern. 

Datenblatt Faltbalgen-Sucherkamera für KB-Film (135)
Objektiv Schneider Xenar 5cm f/2.9 (4 Linsen). Auch mit anderen Objektiven von Schneider oder Carl Zeiss erhältlich.
Verschluss Prontor II Zentralverschluss, T-B-1-2-5-10-25-50-100-175 (viele Kameras haben auch den Compur)
Fokussierung Manuell am Objektiv (ab 0.55 m), keine Scharfstellhilfe.
Suchereinfacher Fernrohrsucher, mit Parallaxenkorrektur-Drehrad. 
Filmtransport Mit Drehknopf auf der Unterseite, Bildzählwerk mit Deckel zum Aufklappen (vorwärtszählend), Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung Tiefenschärfe-Tabelle auf der Rückseite,  Anschluss für ISO-Drahtauslöser, Stativgewinde 3/8", Trageschlaufe,  Bereitschaftstasche als Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 123x83x38 mm,  427 g 
Baujahr(e) 1935-1941, diese (lat. Seriennummer #904995 des Objektivs) von 1936
Kaufpreis, Wert heute ca. 80RM (1936), heute ca. 30 €.
externe Quellen und Links Camera-Wiki, Instruction manual (Jubilette, english), Kurt Tauber, Dresdener Kameras, FotofreakWikipedia
bei KniPPsen weiterlesenKB-Kameras der 1930erBalda JubiletteKodak Retina (118), Kodak Retina (010), Kodak Retina (126), Welta Welti, Zeiss Ikon Tenax IWichtigste KB-Kameras 1937 (Porst Katalog), VEB BelcaHapo 24

2020-02-23

VEB Belca Beltica (Balda Baldina)

Kommt irgendwem dieses Kameradesign bekannt vor? Na klar, diese Kamera habe ich hier schonmal vorgestellt, und zwar als Balda Jubilette von 1938. Eigentlich heißt die Kamera Baldina, war eine der Konkurrentinnen zur Kodak Retina und wurde ab 1935 angeboten. Gebaut wurde sie vom Balda Werk-Max Baldeweg in Dresden bis 1941 und dann wieder nach Kriegsende von 1946 bis 1950. Max Baldeweg (1877-1955), damals schon Ende 60 verließ bei der Enteignung seiner Firma 1946 Dresden und gründete seine Firma im Westen (Bünde/Westfahlen) neu. Nach Namenstreitigkeiten firmierte das Werk in Dresden dann ab 1951 ein paar Jahre unter dem Namen VEB Belca und wurde letztendlich vom VEB Pentacon absorbiert. Aus der Baldina wurde 1951 die Beltica, auch der VEB-eigene Verschluss hieß nun Cludor. Ansonsten änderte sich nicht viel. Balda im Westen produzierte ab 1951 eine sehr ähnliche Kamera unter dem Namen Baldinette

Die Beltica von 1951 neben ihrer Ahnin Jubilette von 1938.
Mein Exemplar habe ich auf der Kamerabörse in Groß-Umstadt gefunden. Sie ist sehr gut erhalten und im Prinzip fotografierbereit. Hier und da ein paar "Zeiss Bumps", ansonsten in einem sehr gepflegten Zustand. Technisch gesehen, ist die Kamera kein Meilenstein, die wesentliche Neuerung im Vergleich zum Vorkriegsmodell ist die T-Vergütung des Objektivs. Aber ihr Beispiel ist irgendwie ein Zeitzeugnis, sowohl für den Stillstand bei der technischen Entwicklung, den der Krieg erzeugte, als auch für die Geschichte der deutschen Teilung.  


Datenblatt Faltbalgen-Sucherkamera für KB-Film (135)
Objektiv Carl-Zeiss Jena Tessar 5cm f/3.5 (4 Linsen, vergütet). Auch mit Meyer Trioplan oder Ludwig Meritar erhältlich.
Verschluss Cludor Zentralverschluss, B-1-2-5-10-25-50-100-200. Muss einzeln gespannt werden, allerdings Auslöser am Gehäuse.
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell durch Verschieben des gesamten Objektivs (ab 0.8 m), keine Scharfstellhilfe.
Suchereinfacher, Fernrohrsucher, mit Parallaxenkorrektur-Drehrad. 
Blitz Blitzbuchse am Verschluss.
Filmtransport Mit Drehknopf auf der Unterseite, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung Gehäuseauslöser, Anschluss für ISO-Drahtauslöser, Stativgewinde 3/8", Trageschlaufe.
Maße, Gewicht ca. 123x83x38 mm,  442 g 
Batterie keine
Baujahr(e) 1951-(?), davor von 1946-1950 als  Balda Baldina. Diese hier laut Objektiv-Seriennummer von 1951.
Kaufpreis, Wert heute 260 M (1951), heute ca. 30 €.
externe Quellen und Links Camera-Wiki, Instruction manual (english), Die-Fischers-Online, Fotoapparate Meier, Dresdener KamerasWikipedia, Lippisches Kameramuseum
bei KniPPsen weiterlesenBalda JubiletteKodak Retina (118), Kodak Retina (010), Kodak Retina (126), Welta Welti, Zeiss Ikon Tenax I.

2019-06-27

KB-Balgenkameras der 1930er

Um das Kapitel der einklappbaren Balgenkameras für den Kleinbildfilm abzuschließen und abzurunden, hier ein Vergleich der drei sehr ähnlichen Konkurrentinnen von Kodak, Balda und Welta. Alle drei habe sehr viel gemeinsam, kein Wunder, steckt doch die entscheidende Technik im Verschluss und im Objektiv. Beides konnte man sich quasi aus dem gleichen Sortiment dazu konfektionieren. Die Verschlüsse waren (fast ausschließlich) von Deckel in München, zumeist Compur oder Compur-Rapid. Die Objektive stammten von Schneider-Kreuznach oder Carl Zeiss in Jena und wenigen anderen Herstellern. 
Die Unterschiede liegen also eher im Gehäuse selbst, der Verarbeitung und der Anordnung der jeweiligen Bedienelemente für Bildtransport und Rückspulung. Auch manches Extra-Feature macht ggf. den entscheidenden Unterschied. Hier also eine kleine Tabelle:


Kodak RetinaI, 1934-1954 Balda Baldina, 1935 -1951 (Jubilette, 1938) Welta Welti,
1935-1951

Preis 1937 mit Schneider Xenar  f/3.5 und Compur Rapid 85 RM 94 RM 97 RM
besondere
Ausstattungs-merkmale Gehäuse
Tiefenschärfedrehrad Tiefenschärfe-Tabelle
Parallaxenausgleich (kontinuierlich)
Trageschlaufe
Tiefenschärfe-Tabelle
Parallaxenausgleich (zwei Stellungen)
Zubehörschuh

Maße (BxHxT)
Gewicht
120 x 75 x 35 mm
443 g
123 x 83 x 38 mm
424 g
125 x 80 x 40 mm
540 g

So, mal angenommen, ich wäre 1938 mit ca. 100 RM in einen Fotoladen gegangen, um eine solche Kamera zu kaufen. Welche wäre es geworden? Für die Welti spricht insbesondere der Zubehörschuh, damit kann man z.B. einen Entfernungsmesser aufstecken. Allerdings wirkt sie deutlich klobiger als die beiden anderen und ist insbesondere dicker und auch schwerer. Auch ist sie die teuerste von allen und damit für mich raus. Die Baldina bzw. Jubilette ist zusammengeklappt kaum dicker als die Kodak und sogar etwas leichter, gleichzeitig wirkt der Klappmechanismus etwas solider (interessanterweise klappt sie in die andere Richtung auf). Was sie für mich disqualifiziert, ist das Filmtransportrad an der Unterseite der Kamera und das seltsame Bildzählwerk, bei dem sich das äußere Gehäuse dreht und damit vor versehentlichem Verstellen in der Hosentasche nicht geschützt. 
Bleibt also die Kodak Retina. Sie ist nicht nur die preiswerteste des Trios, sondern wirkt auch am praktischsten. Das Tiefenschärfe-Drehrad ist doch intuitiver zu bedienen als eine schnöde Tabelle und zusammengeklappt hat man sie gerne in der Hosentasche dabei. So wie ich haben wohl einige damls gedacht, denn mit wohl über 400,000 Exemplaren ist sie die erfolgreichste der drei. Leider gibt es keine Produktionszahlen der anderen, aber viel mehr als 100,000 werden es jeweils nicht gewesen sein.
Welta Weltini (175 RM*)
Diese Kameras sprachen den ambitionierten Foto-Einsteiger mit wenig Geld an. Man sollte nicht die Agfa Karat Kamera vergessen zu erwähnen, auch eine Faltbalgenkamera für den Kino-Film (Karat-Kassette!). Diese war allerdings halb so teuer wie die Kameras auf dieser Seite und vom Anspruch auch eher knapp oberhalb der Boxkameras angesiedelt.
Oberhalb dieser Kameras gab es ein weiteres Marksegment mit Faltbalgenkameras, was sich an den ambitionierten Amateur mit etwas mehr Geld richtete. Diese Kameras hatten alle einen gekuppelten Entfernungsmesser eingebaut. Alle drei Hersteller dieser Seite bedienten mit der Retina II, der Super Baldina und der Weltini dieses Segment, die Kameras kosteten ca. 50% mehr. In dieser Klasse spielten mit der Certo Vollina und der Super Nettel von Zeiss Ikon noch weitere Hersteller mit.

Balda Super Baldina (150 RM*) Kodak Retina II (185 RM*)
Certo Vollina III (175 RM*) Zeiss Ikon Super Nettel (178 RM*)

* Alle Preise und Abbildungen aus dem Photo-Porst Katalog von 1937. Preise soweit verfügbar mit Carl Zeiss Tessar oder Schneider Xenon 5 cm f/2.8 und Compur Rapid. Die Super Nettel mit Tessar f/3.5 und Metall-Schlitzverschluss.

2019-06-21

Balda Jubilette


Und hier ist noch eine frühe Faltbalgenkamera für den 135er Kleinbildfilm: Eine Balda Jubilette von 1938. Die Kamera ist ein Sondermodell des Modells Baldina zum 30-jährigen Firmenjubiläum der "Balda-Werke Max Baldeweg" in Dresden. Balda, wie die Firma in Kurzform hieß, wurde 1908 als Fotozulieferer gegründet und stellte seit 1925 selbst Amateurkameras her. Die Baldina war Baldewegs erste Kamera für dem immer populärer werdenden Kleinbildfilm. Die Baldina kam fast zeitgleich mit der Welti im Jahr 1935 auf den Markt, beide folgten der Kodak Retina, die 1934 auf den Markt kam und die 135er Patrone als Konfektionierung des 35mm-Kinofilms einführte, und damit dem erfolgreichsten Filmformat einen entscheidenden "Push" gab. 

Die Baldina gab es wie die Konkurrentinnen auch mit einer Auswahl an Objektiven vom einfachen Dreilinser mit Frontlinsen-Fokus bis hin zum lichtstarken 6-linsigen Xenon. Das Ganze auch noch jeweils entweder mit dem Compur (bis 1/300 s) oder dem Compur-Rapid (bis 1/500 s) Verschluss. Die Preisspanne war dadurch mit 72-132 RM enorm, wie mein Photo-Porst Katalog von 1937 zeigt. Allerdings war in der Basisversion die Baldina die günstigste der 3 Konkurrentinnen.
Die Jubilette von 1938 war nichts anderes als diese Basisversion und es gab sie schon ab 50 RM, aber auch hier war per Aufpreis vom 10 RM der Compur-Rapid oder von 2 RM der Parallaxenausgleich zu ordern.
Durch den Status als Jubiläumskamera kann man die Jubilette eindeutig ins Jahr 1938 datieren. Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht: Wie bei Welta ist auch bei Balda keine Gehäuse-Seriennummer zu finden. In meinem Fall kommt erschwerend hinzu, dass das Corygon Objektiv zwar eine Nummer trägt (227283), diese aber von dem recht seltenen Optik-Produzenten C. Friedrich in München stammt, von dem weiter nicht viel bekannt ist. Der Compur Verschluss trägt die Nummer 0036383. Auch das ist seltsam, Compur Verschlüsse aus den Jahren 1937 und 1938 fangen normalerweise mit einer 4 an. Ggf. ist es doch eine interne Balda-Nummer und der Verschluss wurde unter Lizenz hergestellt? Dafür spräche, dass diese fünfstellige Zahl zumindest die Größenordnung wiedergibt, die ich für die Baldina-Produktion damals schätzen würde (siehe zum Vergleich die bekannten Zahlen der Retina bzw. eine ähnliche Vermutung hier). 
Wie bei Welta und anderen Kameraherstellern im Großraum Dresden wird auch bei Balda die Kameraproduktion kriegsbedingt zurückgefahren, dann eingestellt. Nach Demontage durch die Siegermächte folgt der Wiederaufbau und die Wiederaufnahme der Produktion am Ende der 1940er Jahre. Max Baldeweg (1877-1955), damals schon Ende 60 verließ bei der Enteignung 1946 Dresden zusammen mit seinem Geschäftsführer und gründete seine Firma im Westen (Bünde/Westfahlen) neu. Das Werk in Dresden firmierte ab 1951 unter dem Namen Belca und wurde letztendlich vom VEB Pentacon absorbiert. Die Baldina wurde zwischen 1947 und 1951 weiter produziert. Alle anderen bekannten Nachkriegskameras unter der Marke Balda kamen dann aus Westdeutschland. Sogar der Name Baldina wurde weiter benutzt, allerdings für ein komplett neues zeitgemäßes Design. Ich habe diese Kamera schon in meiner Sammlung, allerdings deren OEM-version für Photo Porst unter dem Namen Hapo 24



Datenblatt Faltbalgen-Sucherkamera für KB-Film (135)
Objektiv Friedrich Corygon-Anastigmat 5cm f/2.9 (3 Linsen). Auch mit entsprechenden Objektiven von Schneider und Meyer erhältlich, alle mit Frontlinsen-Fokussierung.
Verschluss Compur Zentralverschluss, T-B-1-2-5-10-25-50-100-300. 
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv (ab 0.4 m), keine Scharfstellhilfe.
Suchereinfacher, Fernrohrsucher, mit Parallaxenkorrektur-Drehrad. (Bei einigen Jubilette Exemplaren fehlt das)
Blitz kein Anschluss.
Filmtransport Mit Drehknopf auf der Unterseite, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung Gehäuseauslöser,  Tiefenschärfe-Tabelle auf der Rückseite,  Anschluss für ISO-Drahtauslöser, Stativgewinde 3/8", Trageschlaufe,  Bereitschaftstasche als Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 123x83x38 mm,  424 g 
Batterie keine
Baujahr(e) 1938, als (einfaches) Jubiläumsmodell der Baldina.
Kaufpreis, Wert heute 75 RM (1938), heute ca. 30 €.
externe Quellen und Links Camera-Wiki, Instruction manual (english), Digipainters Blog, Kurt Tauber, Dresdener Kameras, Jubilee BucketWikipedia, John's old Cameras
bei KniPPsen weiterlesenKodak Retina (118), Kodak Retina (010), Kodak Retina (126), Welta Welti, Zeiss Ikon Tenax IWichtigste KB-Kameras 1937 (Porst Katalog), VEB BelcaHapo 24

2010-09-28

Balda Hapo-24

Diese Kleinbild-Sucherkamera war "die" Kamera meines Schwiegervaters in den 60er und 70er Jahren. Gebaut wurde sie Ende der 50er Jahre von Balda in Bünde (Westfalen). Balda hat die Kamera unter dem Namen Baldina selbst vermarktet, aber auch für Photo Porst eine (heute würde man sagen:) OEM-Version unter dem Namen Hapo-24 (Hans Porst) im Lohn hergestellt. Balda war früher ein durchaus bekannter deutscher Kamerahersteller. 1908 von Max Baldeweg in Dresden gegründet, verlagerte man den Großteil der Firma nach dem 2. Weltkrieg ins westfälische Bünde. Der Ostteil ging später im Pentacon-Kombinat auf. In den 80er Jahren hat man versucht, dem Konkurrenzdruck aus Fernost durch eigene Kameraproduktion in China zu begegnen, scheiterte aber. Nach einigen schwierigen Jahren wurde das Unternehmen neu ausgerichtet und stellt heute unter anderem den Touchscreen für das iPhone her, welches immerhin eine Kamera eingebaut hat.
Diese Kamera war für ihre Zeit top ausgestattet. Schnellspannhebel, Bildzählwerk, etc. waren auf der Höhe der Zeit. Interessanterweise war die Kamera für einen Messsucher vorbereitet (das zweite Sucherfenster in der Mitte), hatte aber keinen. Die Entfernung musste man wie bei den meisten einfachen Kameras schätzen. Das Objektiv ist über einen Tubus versenkbar und schnappt beim Drücken auf die Taste an der Frontseite laut hörbar raus. Ein Compur-Rapid Zentralverschluss mit 1/500 s kürzester Belichtungszeit eingebaut in ein ENNA Haponar 50 mm f2.8 sind beides solide Werkzeuge. 
Als ich die Kamera neulich von meinem Schwiegervater geschenkt bekam, habe ich natürlich gleich versucht, die Rückwand zu öffnen. Dabei stellte ich fest, dass noch ein Film eingelegt ist. Die Bilder des offenliegenden Abschnitts sind natürlich jetzt verdorben, aber vielleicht versuche ich demnächst mal, den Film voll zu machen und dessen Alter zu ermitteln.
Seiten zur Baldina aus dem Photo Porst "Photohelfer" Katalog von 1956

Nachtrag am 6. Januar 2011: Ich habe also den Film  vollgekniPPst und heute entwickelt. Es war ein ORWO NP22 Schwarz-Weißfilm, den ich selbst meinen Schwiegervater Anfang 1989 aus Ost-Berlin mitgebracht hatte. Die ersten Fotos auf dem Film stammen wohl von Ende 1991. Die Negative sind recht flau geworden, aber was soll man erwarten von einem 20 Jahre alten Film, der so lange in der Kamera auf seine Entwicklung gewartet hat. Hier ist mal ein Beispiel: