2026-03-19

Hapo 35 (Porst, aka Balda Mess Baldinette)

Nach drei Blitzgeräten, einem Belichtungsmesser und einem Objektiv gibt es hier mal wieder eine Kamera. Es handelt sich um Balda's Mess-Baldinette gebaut als Hapo 35 für Photo Porst. Die Kamera kann ihre Abstammung von der Vorkriegs-Baldina nich verleugnen, auch wenn sie selbst im westdeutschen Bünde und nicht mehr in Dresden gebaut wurde. Tatsächlich ist erstaunlich viel an der Konstruktion noch identisch (dazu unten mehr), auch wenn die durchgehende silberne Gehäusekappe sie wie eine moderne Nachkriegskamera erscheinen läßt. Diese Gehäusekappe verbirgt einen eingebauten aber ungekuppelten Entfernungsmesser (daher Mess-...). Eine entsprechende Super-Baldinette genannte Kamera gab es ebenfalls, diesmal mit gekuppelter Fokussierhilfe. Sucher- und Entfernungsmesser hatten in beiden Fällen ein eigenes Fensterchen, waren also keine Messsucher-Kameras.   

Das Interessante an dieser Kamera von ca. 1954 sind tatsächlich nicht ihre technischen Features, die waren schon seit 20 Jahren am Markt, sieht man mal von der Blitzbuchse am Verschluss und dem vergüteten Objektiv ab. Diese Kamerklasse wurde 1934 von Kodak's Retina (Typ 117) begründet, schnell kopiert von Welta und Balda, die dann zusammen den Siegeszug der Kleinbildkamera und der dazugehörigen 135er Patrone manifestierten. Diese Kameras gehörten zu den letzten, die bei Kriegsbeginn noch montiert wurden, und zu den ersten mit denen im Nachkriegsdeutschland die Produktion wieder aufgenommen wurde.  
Beltica (DDR, 1951), Hapo 35 (Mess-Baldinette, BRD 1954) und Jubilette (Deutsches Reich, 1938) können ihre Verwandtschaft nicht leugnen. Viele Teile sind identisch und untereinander austauschbar. 

Das wirklich erstaunliche an dieser Kamera ist die Tatsache, dass sehr viele Teile des Basisgehäuses mehr oder weniger identisch zur ursprünglichen Konstruktion der Baldina von 1936 sind. Insbesondere weil die Mess-Baldinette dabei aus der in West-Deutschland neugegründeten Balda-Fabrik in Bünde/Westfalen stammt und in der ursprünglichen (nun aber verstaatlichten) Fabrik in Dresden unter dem Namen Beltica ebenfalls eine fast identische Kamera gebaut wird. Man sieht es schon bei der direkten Gegenüberstellung im Bild oben. Ich habe es aber auch im Detail ausprobiert und die mit vier Schrauben fixierte Filmführung zwischen Beltica und Baldinette vertauscht: passt!

Datenblatt Einfache Balgen-Sucherkamera für Kleinbildfilm 24x36mm mit ungekuppeltem Entfernungsmesser
Objektiv Enna Haponar 5 cm f/2.9 (Triplet), vergütet
Verschluss Prontor-SV Zentralverschluss, B-1-2-5-10-25-50-100-300, muss separat vom Filmtransport gespannt werden, Gehäuse-Auslöser und Doppelbelichtungssperre mit Indikator auf der Gehäuseoberseite.
Fokussierung manuell per Frontlinsenverstellung
Sucher einfacher optischer Durchsichtsucher, separater Einblick für Entfernungsmesser
Blitz Anschluss von Blitzgeräten per PC-Buchse, umschaltbar M-X
Filmtransport Mittels Drehrad auf Kameraunterseite, Rückspulrad auf Gehäuseoberseite und Bildzählwerk (vorwärtszählend).
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4'', Zubehörschuh, Drahtauslösergewinde, Tiefenschärfetabelle, komplett versenkbares Objektiv, Standfuß für Hochkantaufnahmen
Maße, Gewicht 90 x 120 x 35/84 mm (geschlossen/offen), 495 g
Baujahr(e) ca. 1954
Kaufpreis, Wert heute (geschätzt 150 DM), 40 US$, heute ca. 20 € 
Links Camera-Wiki, CJ's Classic Camera Collection, Deutsches Kameramuseum
Bei KniPPsen weiterlesen Westdeutsche Nachkriegs Kameraproduktion, Beltica, Baldina, Jubilette, Welti, KB-Kameras im Vergleich, Hapo 24 (Balda)


2026-03-05

Agfatronic 280 CB (Typ 6910/100)

In dem geschenkten Beutel mit Fotokrams war auch dieses äußerlich sehr gut erhaltene (vermutlich kaum benutzte), aber trotzdem defekte Elektronenblitzgerät aus den 1970er bzw. 1980er Jahren. Ich habe es natürlich ausprobiert und neue Batterien eingelegt, aber das typische aufsteigende Summen bis die Bereitschaftslampe leuchtete blieb leider aus. Ich würde sagen: Die Elektronik ist nach Jahrzehnten der Nichtbenutzung einfach kaputt, vermutlich verursacht durch den einen oder anderen gealterten Kondensator.
 

Agfa verkaufte als Foto-Vollsortimenter natürlich auch Blitzgeräte. Die Elektronenblitzgeräte hießen seit Mitte der 1960er Jahre AGFATRONIC und trugen darüber hinaus noch eine Typ-Bezeichnung. Diese erzählt noch etwas über das Featureset: So hat die Zahl was mit der Leitzahl zu tun (280 bedeutet LZ 28), ein C steht für Computer, ein B für Batterie, ein A für Akku (wieder aufladbar). 

Gebaut hat Agfa die Blitzgeräte nicht selbst, man findet in seriösen Quellen die Vermutung, dass Osram hier Produktionspartner war. Allerdings hat die beim meinem Exemplar beiliegende Bedienungsanleitung ein dezentes "Printed in Japan", was auf einen japanischen OEM schließen läßt (hier wird im Netz hauptsächlich auf Sunpak gezeigt). 

Agfa hat sein Blitzportfolio Mitte der 1970er re-designt und den bisher schlichten kastenförmigen Modellen nun auch das rundliche schwarz-elegante Schlagheck-Schultes Design mit den orangen Sensor-Elementen verpasst. Öfters findet man widersprüchliche Jahreszahlen und auch für dieses Blitzgerät als Baujahr 1974, was für das alte kastenförmige Gerät wohl stimmt, ich aber für das runde Modell bezweifeln möchte. Ganz unten habe ich eine Seite aus einem 1975er Fotokatalog abgebildet, wo nur die alten Modelle angeboten werden. Außerdem hat meine Bedienungsanleitung einen Zeitstempel 0576. Falls jemand mehr dazu weiß, bitte melden...

Datenblatt Elektronenblitz mit Computersteuerung
Leitzahl 28 (bei 21 DIN), bzw. Guide Number 92 (100 ASA)
Blitzfolge ca. 8 Sekunden
Blitzzahl ca. 300 - 350 Blitze pro Batteriesatz (je nach Qualität der Batterien)
Batterie 4 x 1.5V AA-Batterien (z.B. Varta 7244)
Farbtemperatur 5600 °K, Tageslicht
Leuchtzeit 1/1000 - 1/50 000 s (bestimmt durch Lichtsensor und Computersteuerung)
Einstellungen Zwei Blitzbereiche wählbar, grün: bis 2,50 m, gelb: bis 5 m. Manuelle Blitzauslösung durch Druck auf Blitzkontrollleuchte möglich.
sonst. Ausstattung Ausleuchtung starr nach vorne, nicht schwenkbar. Ausreichend für leichtes Weitwinkel (35 mm). Mittenkontakt (Hot shoe) und Anschluss für Synchronkabel.
Maße, Gewicht 130 x 67 x 43 mm, 175 g (ohne Batterien)
Baujahr(e) 1976 - 198?, made in Japan (vermutlich Sunpak)
Kaufpreis, Wert heute ca. 120 DM, < 5 €
Links Emtus, Deutsches Kameramuseum, Bedienungsanleitung
Agfa-Blitzgeräte aus "Internationaler Photo-Katalog 1975" (14. Ausgabe). Damals wurden die Agfatronic-Geräte noch im rechteckigen Design angeboten. Dieser 280 CB kostete im März 1975 119 DM.