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2012-09-25

Polaroid J33 "Electric Eye"

Ebenfalls vom letzten Garage Sale habe ich Sofortbildkamera Nr. 4, Polaroid's J33, gebaut von 1961 bis 1963. Zusammen mit ihrer technisch fast identischen großen Schwester J66 (anderes Filmformat, 40er Rollfilm-Serie) gehörte die J33 zu Polaroid's letzten Kameras für Sofortbild-Rollfilm nach dem Trennbildverfahren. Ab 1963 kamen dann mit dem Modell 100 die Packfilmkameras, die mit der berühmten SX-70 ab 1972 ihren technischen Zenit erreichten. In die J33 passte der selbe 30er-Serie Rollfilm wie in das Modell 80 "Highlander" (Bildgröße 2 1/2" x 3 1/4" = 6.4 x 8.3 cm, durch einen weißen Rand ist das eigenliche Bild aber nur 5.4 x 7.3 cm groß). Die J33 "Electric Eye" hatte allerdings eine automatische Belichtungssteuerung (1/15 s bis 1/1000 s), die praktisch nur die Verwendung von Typ 37 Rollfilm erlaubte, der die damals unglaubliche Empfindlichkeit von 3000 ASA besaß (1959 war das Weltrekord!). 

Trotz automatischer Belichtungssteuerung und Zwei-Zonen Fixfokus, war Sofortbildfotografie mit dem Rollfilm immer noch recht umständlich. Polaroid hat aber alles getan, um es so weit es geht idiotensicher zu machen und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung auf die Kamera geklebt, sowie weitere Hinweise auf die Innenseite der Bildklappe gedruckt. Ich habe versucht mit meiner Bildkollage oben, die einzelnen Schritte abzubilden, einfach für größere Bilder draufklicken... Polaroid behauptet in ihrer gedruckten, ausführlichen Bedienungsanleitung, dass diese Schritte schon nach wenigen Bildern quasi in "Fleisch und Blut übergehen".


Neben der automatischen Belichtungssteuerung war das eingebaute Blitzgerät für Blitzbirnchen ein Highlight der Kamera. Mit meinen Exemplar bekam ich noch ein fast vollständiges Päckchen Sylvania Blitzbirnchen. Die notwendige Batterie in der Kamera stammte allerdings auch noch aus den 60ern, war ausgelaufen und hatte zu Korrosion der Batteriehalterung geführt, die bei meiner ersten Berührung abbrach. Also habe ich erstmal alles sorgfältig gereinigt und quasi eine neue 1.5 V Batterie eingelötet. Den Erfolg könnt ihr oben bewundern, es blitzt wieder! Auf die GIF-Serie bin ich besonders stolz, ich habe nur 3 Birnchen gebraucht. Trotz funktionerendem Blitz, sauberer Optik und satt klickender Mechanik kann man leider keine Bilder mehr mit dem Ding machen: Es gibt schon seit ungefähr 40 Jahren keinen passenden Film mehr!
Wie gut die Bilder der Kamera früher wirklich waren, kann ich man heute also nicht mehr beurteilen. Der einlinsige Plastik-Meniskus als Objektiv verspricht jedenfalls nicht besonders viel. Auch die kleine Bildgröße und der Fixfokus waren nichts für etwas anspruchsvollere Fotografen. Ich möchte auch nicht wissen, wieviele Fotos bei der Entwicklung misslangen. Gar nicht zu sprechen, vom notwendigen Klarlacküberzug, den man mit einem Schwämmchen nach jedem Foto auftragen musste, um es haltbar zu machen... Hat irgendjemand in einem Album noch Foto's von damals?
Für Interessierte an Polaroids Kamerageschichte, sei neben der Land-List auch Jim's Polaroid-Seite empfohlen.

2012-01-30

Polaroid Autofocus 660

Vor ca. einem Jahr bekam ich diese Polaroid Sofortbildkamera geschenkt, einfach so für meine Sammlung. Mit dem Posten hier wollte ich warten, bis ich eigene Erfahrungen gesammelt hatte, aber auch das ist längst geschehen (siehe hier). So steht sie nun schon eine ganze Weile neben meinen beiden anderen Polaroids im Regal (die phänomenale SX-70 und die alte Highlander). Im Vergleich ist die 660 sehr simpel, setzt aber sehr konsequent das Polaroidprinzip um, dem Fotografen mit verstecktem Einsatz von Automatik zum guten Bild zu verhelfen.
About a year ago I got this Polaroid instant camera as a gift, just for my collection. I wanted to wait with my posting here until I made some experiences, but even this is long done (see here). It's quite a while now that it is standing on the shelf next to my other two Polaroids (the phenomenal SX-70 and the old Highlander). In comparison, the 660 is very simple. But very consistently it implements the Polaroid principle to help the photographer with hidden use of automatic features achieving great images.
Zusammengeklappt ist sie sehr handlich und bringt mit ihrem stabilen Kunststoffgehäuse auch nicht viel Gewicht auf die Waage (700 g inkl. Filmpack). Bis auf den Auslöser mit der roten Front an der rechten Kameraseite verschwinden alle Bedienelement unter dem heruntergeklappten Blitzteil und auch der Sucher bleibt dunkel. Das nenne ich intelligentes Industriedesign. Anhand der Kameraform kann man den Strahlengang innerhalb der Kamera mit einem Umlenkspiegel erahnen.
When folded, it is quite compact and with its sturdy plastic body it doesn't put a lot of weight on the scale (700 g incl. FilmPack). Except for the red shutter button on the right side of the camera all the controls disappear under the folded-down flash part. Even the viewfinder remains dark. I call that smart industrial design. The outside camera shape let you imagine the optical path inside the camera including the central mirror.
Die Polaroid Autofocus 660 kam 1981 zusammen mit anderen (einfacheren) Kameras auf den Markt, um dem neuen 600er Integralfilm eine Plattform zu geben. Das Filmpack hatte dieselben Ausmaße wie der alte SX-70 Film, war statt ISO 160 aber nun mit ISO 640 vier mal so lichtempfindlich. Per Designphilosophie hat natürlich keine Polaroidkamera einen Regler, um die Filmempfindlichkeit zu verstellen, daher brauchte es "leider" neue Kameras oder einen neutralen Graufilter vor der alten SX-70. Natürlich gab es auch Bastler, die eine alte SX-70 für den neuen Film umrüsten. Der neue Filmpack hat auch eine etwas stärkere Batterie, die auch noch einen Elektronenblitz mitversorgen konnte.
The Polaroid 660 Autofocus was launched on the market in 1981 together with other (more simple) cameras to give the new 600 film a platform. The cartridge had the same dimensions as the old SX-70 film, but instead of ISO 160 it had ISO 640, which means four times the light sensitivity. Of course by design philosophy no Polaroid camera has a control to adjust the film speed, so "unfortunately" new cameras or a neutral gray filter in front of the old SX-70 were needed. Of course there were hobbyists who converted an old SX-70 to the new film. The new cartridge also had a slightly more powerful battery, which also could power the electronic flash.
Die 660 hat als erste der 600er-Serie Kameras Polaroids Sonar-AF-System an Bord, welches nur wenige Jahre vorher an der SX-70 Sonar OneStep Premiere hatte, erkennbar an der goldenen Resonator-Membran. Die Polaroid 660 fokussiert ihr Plastiklinsenobjektiv aber im Gegensatz zur SX-70 per neuartiger Innenfokussierung, wobei sich beim Scharfstellen die Brennweite (unendlich: 116 mm) ändert: 107 mm (ab 3,9 m Motiventfernung), 105 mm (1,5 m bis 3,9 m), 99 mm (0,9 m bis 1,5 m) und 90 mm (0,6 m bis 0,9 m). Ansonsten gibt es als Belichtungsautomatik das sogenannte Light-Managementsystem (der Schieber mit dem schwarzen und weißen Pfeil), welches die Belichtungszeit zwischen 1/4 und 1/200 s regelt. Der Blitz schaltet sich bei schwachem Licht automatisch zu und kann natürlich nicht abgeschaltet werden. Leider funktioniert er bei meinem Exemplar nicht mehr. Wer noch ein bißchen mehr über Polaroids Geschichte lesen will, kann das hier tun.
The 660 was the first of the 600 series cameras which had Polaroids Sonar AF system on board. It just premiered only a few years earlier on the SX-70 Sonar OneStep, and can be recognized by the golden resonator membrane. However, unlike the SX-70 the Polaroid 660 focuses its plastic lens via novel internal focusing, whereby the focal length varies : from 116 mm at infinity, 107 mm (about 3.9 m focal distance), 105 mm (1.5 m to 3.9 m), 99 mm (0.9 m to 1.5 m) down to 90 mm ​​(0.6 m to 0.9 m). In addition, there is a so-called automatic exposure Light Management System (the slider with the black and white arrow), which controls the shutter between 1/4 and 1/200 s. The flash switches on automatically in low light and can not be switched off, of course. Unfortunately, flash doesn't work anymore with my copy. For anybody interested, here is a little more about Polaroid's history.

2011-11-06

Polaroid SX-70 Sonar OneStep

Bei meinen bisherigen Polaroid-Posts habe ich schon etwas von meiner erst im letzten Jahr entstandenen Begeisterung für diese Kameras kundgetan. Im Gegensatz dazu habe ich früher das Sofortbild als einen auf der einen Seite teuren, auf der anderen Seite aber nicht wirklich ernsthaften Zweig der Fotografie abgetan. Die meisten der Kameras lieferten ein billiges Point-and-Shoot Image und das war natürlich nichts für einen ernsthaften Amateurfotografen...
Mit der SX-70 hat Edwin Land allerdings 1972 sein Meisterstück abgeliefert. Obwohl die Kamera äußerst simpel wirkt und auch so bedient werden kann, ist jedes Detail bis ins Kleinste durchdacht und optimiert. Diese Kamera ist wirklich ein Landmark, ein Meilenstein in der Geschichte der Fotografie und kann hinsichtlich Design, Bedeutung und Markterfolg vielleicht mit Apples iPhone verglichen werden.

Man muss es sich wirklich alles auf der Zunge zergehen lassen. Es ist vom Bildformat her die wohl kompakteste Mittelformatkamera, dabei noch eine SLR (einäugige Spiegelreflex), hat eine elektronische Belichtungssteuerung und einen motorischen Bildvorschub. Und das alles in einem Gehäuse, dass zusammengklappt in der Jackentasche nicht aufträgt. 1978 wurde der einmalige Sonar Autofocus ergänzt und damit die SX-70 zur ersten AF-Spiegelreflex überhaupt. Das Pfiffige am Sonar-System ist, das es auch bei absoluter Dunkelheit funktioniert. Auf der anderen Seite kann man nicht durch Scheiben hindurch oder auf Spiegelbilder scharfstellen. Dazu gibt dann einen kleinen Hebel, mit dem man den AF abschalten und manuell fokussieren kann.

 

Auch wenn das Video aus den 70ern echte Längen hat (am Besten zwischendurch einfach "vorspulen"), zeigt es doch viele sonst verborgene Details. Was nicht erwähnt wird: Zum Fokussieren wird nur das Frontelement des 116 mm f/8 Objektivs verschoben. Dies erlaubt die wirklich erstaunliche Naheinstellgrenze von weniger als 25cm. 

Ich habe die Kamera schon benutzt und zwar mit dem Impossible PX-70 Color Shade Filmpack. Auch wenn betont wird, dass dieser Film noch im experimentellen Stadium ist, war ich doch enttäuscht. Nicht nur von der wirklich mangehaften Farbwiedergabe, sondern auch Auflösung und Kontrast sind nicht wirklich da. Wenn man das heute sieht, kann man Polaroids Leistungen mit dem Film in den 70ern  nicht hoch genug einschätzen. Ich habe noch ein Filmpack vom PX-100 Silver Shade, da erwarte ich ein bisschen mehr...

2011-05-08

Edwin H. Land

Edwin Herbert Land wurde heute vor 102 Jahren (am 7.5.1909) in Bridgeport, Connecticut geboren und man kann ihn als den letzten großen Pionier der analogen Fotografie bezeichnen. Er hat der Fotografie fast im Alleingang das Kapitel "Sofortbild" hinzugefügt und dass er auch noch den Polfilter erfunden hat, tritt weit hinter die Polaroid Kameras zurück, auch wenn diese Tatsache namensgebend für seine Firma war. Seine Karriere war genauso einzigartig wie erstaunlich: Seine Eltern, jüdische Einwanderer aus der Ukraine besaßen eine Schrottplatz, waren aber wohlhabend genug, um ihren Sohn nach Harvard zu schicken. Er studierte dort Chemie, schmiss das Studium aber schon im zweiten Semester und ging nach New York City, um in seiner Kellerwohnung an der Erfindung des Polfilters zu arbeiten. Es heißt, dass er nachts die Labore der Columbia Uni verwendet hat, um Experimente für seine Erfindung zu machen. Nach dem Durchbruch bei der Erfindung kehrte er nach Harvard zurück, hat aber nie einen Abschluss gemacht. Später hat er mindestens zehn Ehrendoktorwürden erhalten und auch seine Mitarbeiter bei Polaroid haben ihren Chef und Chef-Wissenschaftler mit Dr. Land angeredet. 

Edwin Land wurde als Technik-besessen beschrieben. Wenn ihn einmal eine Idee gepackt hatte, dann hat er solange an der Aufgabe gearbeitet bis er eine Lösung hatte. Schlafen, essen oder Kleidung wechseln waren in solchen Phasen unwichtig. Auf die Idee mit der Sofortbildkamera hat ihn angeblich seine dreijährige Tochter gebracht, als sie direkt nach der Aufnahme das Foto sehen wollte. Nur drei Jahre später (am 21. Februar 1947) demonstrierte Land den Prototyp der ersten Sofortbildkamera und kurz vor Weihnachten 1948 kam die Kamera auf den Markt und war ein toller Erfolg. Sein Meisterstück hat er 1972 mit der Polaroid SX-70 Kamera abgeliefert, der ersten faltbaren, vollautomatischen Sofortbildspiegelreflexkamera. Mein (oben abgebildetes) Modell SX-70 Sonar von 1978 war nebenbei die erste Autofokus SLR, einige Jahre vor den ersten Kleinbild-SLRs mit AF. Auch der SX-70 Film (natürlich in Farbe) war wieder ein Quantensprung, er entwickelte sich selbst bei Tageslicht ohne das Eingreifen des Fotografen. Dazu mehr hier in einem separaten SX-70 Post.
Edwin Land hat in seinem Leben 535 Patente erteilt bekommen und ist damit nach Thomas A. Edison (1097) der  zweitfleißigste Erfinder in der Geschichte des US-Patentwesens. Er verstarb, auch sonst hoch dekoriert, vor 20 Jahren am 1. März 1991 und musste den Niedergang seines Unternehmens Polaroid nicht mehr miterleben. 
Viel mehr über Edwin Land und Polaroid kann im Internet (z.B. hier) gefunden werden. Einfach mal googlen! Für Technikinteressierte sei aber besonders das Kapitel 12 in "Neblette's Handbook of Photography and Reprography" empfohlen, welches Edwin Land u.a. selbst geschrieben hat und umfassend über Film und Kameras informiert. Leider gibt es das Kapitel selbst nicht im Netz zu lesen, bei Amazon kann man das Buch aber manchmal günstig gebraucht erwerben.

2011-03-27

Impossible PX-600 Silver Shade


Am letzten Wochenende war ich in Manhattan auf Fotopirsch, um die Polaroid 660 Autofocus (Danke Astrid!) und den dafür neu erstandenen Filmpack PX-600 Silver Shade auszuprobieren. Leider musste ich feststellen, dass an der Kamera der Blitz nicht mehr funktioniert, so dass nur noch Außenaufnahmen bei gutem Wetter infrage kamen. Natürlich hatte ich auch meine "normale" Kamera für Vergleichsfotos dabei...


Ich hatte mich natürlich auf der Website des "Impossible Project" eingelesen und ich wusste theoretisch, was mich erwartet. Der Film ist a) temperaturempfindlich und b) immer noch sehr lichtempfindlich, wenn er die Kamera verlässt. Die Website bietet hier immerhin neben den Warnungen dazu ein paar Tips und Tricks. Die Bedingungen an diesem Morgen in New York waren für meine Experimente nicht ganz perfekt. Es war relativ kalt, so ca. 5 ° C, in der Sonne heizten sich dunkle Gegenstände aber schnell auf, also auch die Kamera. Außerdem war es relativ hell, zumindest in der Sonne. 

Meine Beispiele belegen ganz klar den Experimental-Status des Films. Wenn er Software wäre bekäme er höchstens eine Versionsnummer 0.2 mit viel Potential für Verbesserungen. Ich hatte schon nach den ersten Aufnahmen das Gefühl, dass sehr viel vom Zufall abhängt, wie das Bild wird.  Die endgültige Bildfarbe variiert zwischen rotbraun über sepia, neutralgrau bis hin zu bläulichen Stellen, selbst innerhalb eines Bildes. Ich galube hier kommt es auf die Temperatur bei Belichtung und Entwicklung an. Ich habe die meisten Bilder direkt nach dem Knippsen zunächst für ca. 1 Minute gegen den Bauch gedrückt und mit der Hand von der Rückseite her gewärmt, dann vorsichtig geläuert (im Schatten der Jacke) und schließlich in der warmen Hemdbrusttasche fertig entwicklen lassen. Der Fleck in der Mitte oben in den meisten Bildern entsteht dadurch, dass die Entwicklerpaste dort nicht hingelangt. Auch darauf wird auf der Website hingewiesen ("kann mal vorkommen"). Bei mir hatte nur ein Bild keinen solchen Fleck! 
Das Bild vom Pferd habe ich leider nicht nochmal mit der anderen Kamera nachstellen können, ich war nicht schnell genug. Bei diesem habe ich hier nach dem Scannen noch digital nachgeholfen und Farbe, Kontrast und Helligkeit optimiert. ich denke, dann geht's. Mein Fazit: Eigentlich eine schöne Spielerei, wenn sie nicht so teuer wäre. Man braucht vermutlich etliche Versuche, um ein Gefühl für den Film zu bekommen. Die Originale wirken schon noch ein bisschen besser als ich hier mit den Scans darstellen kann. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich das mit dem Silver Shade nochmal wiederholen werde. Der Farbfilmpack PX-70 Color Shade interessiert mich noch für meine SX-70, aber das wird vermutlich Sommer werden, mal sehen.

2011-03-17

Mein erstes Sofortbild

Ich muss zugeben: Früher war Sofortbildfotografie für mich etwas für absolute fotografische Laien, Menschen, die einfach nicht auf ihr Foto warten wollen (warum eigentlich nicht?) und daher auf Qualität verzichten, dafür noch viel Geld ausgeben und trotzdem am Ende nur ein 8x8 cm großes Foto bekommen, das vielleicht sogar unscharf, verwackelt oder falsch belichtet ist. Außerdem waren die meist aus Vollplastik bestehenden Sofortbildkameras mit einfachen Objektiven und eigentlich keiner Möglichkeit irgendwelche Einstellungen vorzunehmen für mich als Fotofreak höchst unatraktiv.
Dennoch muss ich eingestehen: So ein Sofortbild hat seinen eigenen Charme. Es ist immer ein Unikat, man kann keine (genauso aussehenden) Duplikate machen, der autentischste Schnappschuss halt. Viele Künstler haben damit experimentiert und jeweils kleine Kunstwerke geschaffen. Und da kann man verstehen, dass es einen großen Aufschrei gab, als Polaroid am 17. Juni 2008 seinen letzten Film im letzten verbliebenen Werk in Enschede produziert hat. 
Aber die Geschichte geht weiter und vielleicht sogar gut aus für das analoge Sofortbild (trotz digitaler sofort auf dem Display und auf facebook-Fotografie). Ein paar Entusiasten gründen "The impossible Project", kaufen die alten Maschinen von Polaroid, mieten einen Teil des alten Gebäudes in Enschede und stellen ein paar der alten Polaroid-Mitarbeiter wieder ein. Es wird zusammen mit Ilford (eigentlich Harman Technolgy) in England ein neuer Film entwickelt, den es seit Ende 2009 zu kaufen gibt. Er ist Schwarz-Weiß (eigentlich Sepia) und man kann ihn in fast allen alten Pack-Kameras verwenden.
Auch mein Ehrgeiz war nun angestachelt. Die erste Polaroid-Kamera in meiner kleinen Sammlung habe ich schon vorgestellt, sie benötigt Rollfilm, den es wirklich nicht mehr gibt. Dann bekam ich vor einem Monat eine Polaroid 660 Autofocus geschenkt, und am Sonntag habe ich auf einem kleinen Fotoflohmarkt eine SX-70 OneStep Sonar für 25$ erstanden. Auf dem Heimweg hatte ich Glück in einem Fotoladen noch den Filmpack PX600 Silver Shade (8 Bilder, auch 25$, leider!) zu finden. Damit war alles zusammen und jetzt heißt es sorgfältig überlegen, wann und wo ich auf den Auslöser drücke (bei den Bildpreisen). Wenn sie was werden, zeige ich hier also demnächst weitere Bilder, auch wenn sie eingescannt nicht halb so gut wirken wie im Original. Auch zu den Kameras poste ich natürlich noch was...

2010-12-29

Polaroid Land Model 80 "Highlander"

Erna, eine Amerikanerin mit deutschen Wurzeln,  hieß die alte Dame, die meiner Frau (als diese Kind war) diese Sofortbildkamera zum Spielen geschenkt hat. Damals (in den 1970'ern) gab es schon kein Film-Material mehr für diese Rollfilm-Sofortkameras, sie wurden von den sog. Packfilm-Kameras abgelöst. Edwin Land hatte Ende der 40er Jahre mit seiner Firma Polaroid diese Kameras auf den Markt gebracht und war überaus erfolgreich damit. Eine Übersicht über alle Polaroid-Sofortbildkameras und das dazugehörige Film-Material gibt die Land-List. Das Model 80 hier wurde von 1954 bis 1957, mit geringen Modifikationen als 80A und 80B bis 1963 ca. 1.5 mio mal gebaut und wurde vor Nachbau durch eine Reihe von Patenten geschützt, z.B. diesem hier:
Die Kamera ist insbesondere durch ein berühmtes Foto bekannt geworden, welches Mary Moorman durch Zufall am 22. November 1963 vom Attentat auf John F. Kennedy, Sekundenbruchteile nach den tödlichen Schüssen gemacht hat. Sie ist von der anderen Seite der Straße beim Fotografieren gefilmt worden. Sie hat später versucht das Foto auf ebay für 225,000$ zu verkaufen, ist aber gescheitert. Auf ihrer Web-site gibt es heute neben Links auf diese Foto und Geschichten dazu auch die Anleitung zur Kamera.

Bis auf den einmaligen Sofortbild-Mechanismus ist die Kamera technisch eigentlich nichts besonderes, Optik (ein Dreilinser mit 100 mm Brennweite f8.8) und Verschluss entsprechen Box-Standards.  Die Verarbeitung ist erstklassig, bis auf den Balgen und die Linsen ist alles aus Metall. Interessanterweise gibt es für den Anschluss eines optionalen Blitzgerätes (nur) einen Mittenkontakt. Ist diese Kamera eine der ersten, die diesen verwendet hat? 
Meine Frau hat als Kind übrigends ein alternatives Sofortbildverfahren für die Kamera erfunden. Es wurde vorher ein Bild gemalt und formatgerecht zugeschnitten in der Kamera plaziert. Nach Drücken des Auslösers konnte man die hintere Klappe öffnen und das Bild wieder entnehmen!