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2020-05-15

Fujica Rapid S2 (Teil 4: @Work, die Fotos)

Wie ich im ersten Teil dieser kleinen Serie schon geschrieben habe, bestand meine Hauptmotivation, die schicke Fujica Rapid S2 überhaupt zu kaufen, darin, den Rapid-Film mal selbst auszuprobieren. Mir war natürlich klar, dass man Rapid-Film heute nicht mehr kaufen kann und auch, dass ich meinen unbenutzten und historischen dafür nicht verschwenden will. Aber, man kann ja normalen Kleinbildfilm in 60 cm lange Streifen schneiden und einfach in die Patrone schieben (natürlich im Dunkeln!). Als es dann zur Tat ging, dämmerte mir, dass weitere Konsequenzen damit verbunden sind. Denn kaum ein Labor ist heute mehr daran gewöhnt bzw. überhaupt darauf eingerichtet sowas zu entwickeln. Außerdem wollte ich meine kostbaren Rapid Patronen natürlich nicht irgendeinem unbekannten Labor opfern. Daher ist hier Eigeninitiative gefragt, sprich: selbst Entwickeln! 
Ich habe zu Schüler- und Studentenzeiten 100te Schwarzweiß-Filme selbst entwickelt, allerdings vor meinem letzten Umzug mich vom gesamten Dunkelkammerequipment getrennt (sprich: weggeworfen!), darunter auch diese Entwicklungsdose, eine Trockenpressedieser Vergrößerer und manches mehr. Tja, dumm gelaufen. Jetzt hieß es also neu (bzw. gebraucht) kaufen. Bei e-bay habe ich eine Jobo-1000 Dose für nur 9€ ergattert, die nötigen Chemikalien und S/W-Filme habe ich frisch bei Fotoimpex bestellt. Auf das analoge Abziehen von Papierbildern habe ich allerdings verzichtet, die Negative wurden hiermit eingescannt und digital weiterverarbeitet. Alles in allem ein doch umfangreicheres Experiment als ich zunächst gedacht habe, hat aber Spaß gemacht. 
Das Fotografieren mit der Fujica geht sehr leicht von der Hand. Filmeinlegen hatte ich ja schon in Teil 2 gezeigt, die Belichtungsautomatik tut, was sie tun muss (Teil 3). Nach diesem Film und meiner gründlichen Untersuchung habe ich auch Vertrauen in ihre Funktion. Beim Druck auf den Auslöser sollte man langsam drücken, es muss ja noch einiges passieren dabei. Erst wenn der Auslöser ganz unten ist, macht es leise klick und das Foto ist im Kasten. Für's Scharfstellen muss man die Entfernung schätzen, die Zonenfokus-Symbole helfen einem dabei und wirklich unscharf war keines meiner Bilder. Geärgert habe ich mich eigentlich nur über eine Sache: das Fehlen von Ösen für einen Kameragurt. Die Kamera wiegt mit fast 500g ganz ordentlich und eine Bereitschaftstasche hatte ich nicht, habe mich dann aber mit einer kleineren Gürteltasche beholfen. 
Quadratische Fotos (hier 24x24 mm Negativ) haben einen eigenen Charme, trotzdem merke ich beim Fotografieren, dass man doch arg vom Rechteck geprägt ist.  Auch in Schwarz/Weiß musste ich mich wieder reindenken. Die Entwicklung selbst ging (fast) problemlos, ein paar Bilder sind mir misslungen, weil die Negative in der Entwicklungsdose aneinander gelegen waren. Ansonsten bin ich mit meinem ersten Versuch nach fast 20 Jahren sehr zufrieden und werde mich (weil ich noch Chemie übrig habe) demnächst noch an weiteren Filmen versuchen.
Eine Sache ist mir allerdings aufgefallen: Die Negative haben einen Steg von ca. 4 mm zwischen jeder Aufnahme. Zusammen mit dem ebenfalls großzügig ungenutzten An- und Abspann, hätte man bei etwas besserer Konstruktion durchaus auch 2 Bilder mehr (also 18) auf den 60 cm Filmstreifen bekommen können. Keine Ahnung, ob das für alle Rapid-Kameras ähnlich war. Immerhin war Fuji ja Filmhersteller und hat bei zusätzlichen Bildern pro Film eher einen Nachteil. 
Hier nochmal die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie:

3) Belichtungsautomatik, Lichtwertverschluss


Und für alle, die an Details interessiert sind: Der Film war ein AgfaPhoto APX 100, gekauft bei DM. Entwickelt wurde in Adox F-39 II Feinkorn-Ausgleichsentwickler 1+9, 8 min bei 21°C, Kippen nach Adox-Datenblatt Empfehlung. 

2020-05-10

Fujica Rapid S2 (Teil 3: Der automatische Lichtwertverschluss)


Für diesen Teil 3 der kleinen Serie über die Fujica Rapid S2 habe ich die obere Gehäusekappe abgenommen, um mal einen Blick auf die Belichtungsautomatik zu werfen. Dazu werden einfach zwei Schräubchen links und rechts sowie der Schnellschalthebel abgeschraubt. Der Fotograf muss normalerweise dem A außen auf dem Blendenring blind vertrauen. Es gibt keinerlei Hinweis, ob und wie der Belichtungsmesser wirklich arbeitet und was eingestellt wird. Halt! Doch, es gibt ein kleines rotes Fähnchen im Sucher, wenn Unter- oder Überbelichtung drohen (Auslösen kann man in diesen Fällen trotzdem!). 

Nach Öffnen der Kamera kommt ein Drehspulinstrument zum Vorschein, das auf den Strom reagiert, den die Selenzelle rund um das Objektiv liefert. Beim Runterdrücken des Auslösers drückt der Fotograf gleichzeitig zwei Messingplättchen runter, die wiederum die Messnadel in ihrer jeweiligen Stellung einklemmen. Auf dem Bild rechts habe ich sie mal orange und blau hervorgehoben. Das verdeckte orange ist die sogenannte Steuerkurve für Verschluss und Blende, je heller es ist, desto weiter nach rechts schlägt die Nadel aus und desto tiefer läßt sich die orange Platte runterdrücken. Damit wird direkt der darunter liegende Seikosha-L Lichtwertverschluss gesteuert und ist der eigentliche Kern und erste Teil der Belichtungsautomatik. Das blaue markierte Plättchen davor ist nur für das Warnfähnchen da. Es ist im mittleren Bereich unten gerade. Wenn die Nadel dort ist, passiert sonst weiter nichts. Ist es aber zu dunkel (Nadel ganz links) oder zu hell (Nadel ganz rechts), läßt sich das Plättchen ca. 2 mm weiter runterdrücken und schwenkt dabei das rote Fähnchen in den Sucher (im Bild links unten zu erahnen).

Der zweite Teil der Belichtungsautomatik ist natürlich der sogenannte Lichtwertverschluss Seikosha-L. Eigentlich ist es ein relativ einfacher Zentralverschluss (1/30s bis 1/250s) mit direkt dahinter liegenden Blendenlamellen (2.8 bis 22). Beides ist aber so miteinander (mechanisch) verschaltet, dass man mit einem einzigen Steuerhebel auskommt. Dieser stellt den entsprechenden Lichtwert ein, und zwar analog des rechts abgebildeten linearen Zusammenhangs. Bei LW=8 (z.B. Innenräume) ist das 1/30s und f/2.8, das andere extrem ist LW=17 (am sonnigen Strand) und bedeutet 1/250 bei f/22 (Werte jeweils für 100 ASA Film). Dazwischen werden linear alle möglichen Zwischenwerte verwendet, LW 12 (wolkiger Himmel draußen) ist z.B. 1/80s bei Blende 7.1. Der eben erwähnte Steuerhebel ist für den Fotografen nicht direkt zugänglich, das erledigt die Belichtungsautomatik mit der oben von mir orange markierten Steuerkurve. Man kann allerdings für die Blitzfotografie zumindest die Blenden manuell anwählen. Ob dann der Verschluss immer mit 1/30s läuft, oder auch entsprechend der oben gezeigten Automatiklinie, konnte ich nicht herausbekommen. Ich vermute letzteres, da einfacher zu realisieren. Außerdem ist bei einem Zentralverschluss die Verschlusszeit beim Blitzen (fast) irrelevant.

Sucher mit Beli-Infos aus der
Fujica Half.
Diese Art von Belichtungs-Vollautomatik war bei einigen besseren Sucherkameras in den 60ern und insbesondere in den 70ern sehr populär. Die erste Kamera mit einer solchen war die Agfa Optima von 1959. Die meisten dieser Point-And-Shoot Kameras kamen wohl aus Japan und hatten oft genau diesen Seikosha-L Verschluss an Bord. Neben den Fujica Kameras sind insbesondere die Canon Demi (Halbformat) oder Canonet Serien zu nennen. Olympus verbaute etwas ähnliches in seine populäre PEN-Serie und die millionenfach verkaufte Olympus Trip 35.
Meine Kenntnisse zum Lichtwertverschluss Seikosha-L habe ich mir aus mehreren Anleitungen zu diesen Kameras zusammengesucht. Die Abbildung rechts stammt aus derjenigen der Fujica Half, einer Halbformatkamera für den 135-er Kleinbildfilm mit exakt derselben Objektiv/Verschluss-Kombination. Eine entsprechende Anleitung zu meiner Rapid S2 konnte ich bisher im Netz nicht finden. Die Anleitung zur Konica L enthält im Prinzip obiges Lichtwertdiagramm.

Drehspulinstrument und einklemmende Steuerkurve
für den Copal B mat Verschluss der Konica C35 Serie.
Das Prinzip des Lichtwertverschlusses wurde auch von anderen (meist) für automatische Zentralverschlüsse übernommen und verbaut. Auch als die Selenzelle vom CdS-Fotowiderstand plus Batterie abgelöst wurde, lebte das Prinzip weiter. Ich habe mal meine Konica C35V (1971-1976) aufgeschraubt, und siehe da: auch hier intern ein Drehspulinstrument und der Abgriff des Lichtwertes per Steuerkurve beim Runterdrücken des Auslösers. Ich muss hier wirklich meinen früheren Beitrag korrigieren, es ist mitnichten ein elektronischer Verschluss, dieser "Copal B mat" (diesmal 1/30s f/2.8 bis 1/650 s f/14), der auch in sehr vielen anderen automatischen Sucherkameras der Zeit seinen Dienst tat (s.u.). Ich habe mal einen Fotokatalog von 1975 durchgesehen und von fast jedem mehr oder weniger renommierten Hersteller findet sich eine solche Vollautomatik-Kamera. Und ich würde mich nicht wundern, dieses Prinzip bis in die 80er Jahre hinein in einfacheren Automatik-Knippsen zu finden. Erst ab Mitte der 80er werden die allermeisten Kameras wirklich elektronisch.
Aber nicht nur in Japan gab es solche Lichtwertverschlüsse. In Deutschland kamen Anfang der 1960er (nach dem großen Erfolg der Optima) auch viele andere vollautomatische Kameras auf den Markt. Viele davon hatten einen Prontormator oder Prontormat-S Verschluss von Gauthier mit fast derselben Spezifikation wie mein Seikosha-L hier.  Hier nun, ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine kleine Liste vollautomatischer Kameras der 60er und 70er Jahre mit den entsprechenden Lichtwertverschlüssen:

Verschluss Liste der vollautomatischen Kameras mit Lichtwertverschluss
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
Prontormator,
Prontormat-S, u.ä.
(Gauthier)
Agfa Optima II (1960) und spätere Nachfolger,  Kodak Retina automatic I , Voigtländer Dynamatic, Rollei Magic (TLR), Braun Paxette Electromatic III, Zeiss Ikon Tenax Automatic, Adox Polomatic III, Rollei A26 (Instamatic, 1972), Rollei A110 (1975)
Seikosha-L Konica L, Canonet Junior, Fujica Half 2.8, Fujica Rapid S2 und D1, Canon Demi
Olympus Eigenentwicklung Olympus Trip 35, Olympus PEN EE Serie (Halbformat), 
Copal B mat Canon Canonet 28, Konica C35 (1968) und ihre Klone und Nachfolger: Cosina compact 35eYashica 35-MFVoigtländer VF 135Porst 135 SEdixa compact 35ERevue 700 SELBeroflex quick spot 135EERollei XF 35Revue electronic CVivitar 35EEChinon 35 EEGAF Memo 35 ETMinolta Hi-Matic G
Citizen UNI-E Minolta Hi-Matic, Ansco Autoset,
unbekannt Canon A35F (1978), Minolta AF-C (1983)

Hier die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie:

2020-05-05

Fujica Rapid S2 (Teil 2: Rapid-Film)

Hier also Teil 2 meiner kleinen Serie zur Fujica Rapid S2, Thema heute ist der Rapid Film selbst und natürlich seine Patrone. Aber als erstes möchte ich einmal kurz zeigen, wie Rapid-Film eingelegt wird, dazu links dies kurze Video. Es ist tatsächlich so einfach: Man legt links eine leere Patrone (übrig geblieben vom letzten Film) und ins rechte Fach diejenige mit frischen Film. Die herausschauende Filmlasche liegt irgendwie automatisch auf dem Transportzahnrad auf. Nun die Rückwand schließen und drei mal Spannen. Dabei schiebt das Transportzahnrad den Filmstreifen in die leere Patrone. Fertig! Beim anschließenden Fotografieren schiebt man einfach weiter Foto für Foto von rechts nach links. 16 Fotos später ist der gesamte Filmstreifen in der linken Patrone. Rückwand auf, volle Patrone raus und ab zum Entwicklen. Die rechte ist leer und kann später links wiederverwendet werden. Kein lästiges Einfädeln und kein Rückspulen! Wenn irgendwann mal aus Versehen die Rückwand geöffnet wird, ist nur der freiliegende Teil des Films ruiniert!

Der rote Pfeil weist auf die Abtastvorrichtung,
die in den besseren Rapid-Kameras die Empfindlichkeit
des Films automatisch berücksichtigt

Soviel zu den Vorteilen gegenüber der allseits bekannten Kleinbildpatrone 135, die im Übrigen exakt den selben beidseitig perforierten Normalfilm verwendet. Warum hat sich das Ding dann nicht schon in den 1930er Jahren (als Karat-Patrone) durchgesetzt? Der einzige große, aber entscheidende Nachteil ist die Kapazität der Patrone, die dadurch beschränkt ist, dass geschoben und nicht gezogen und stramm gewickelt wird wie bei der 135er. Während ein normaler Kleinbildfilm dadurch bis zu 1,70 m (bei 36 Aufnahmen 24x36 mm) lang ist, funktioniert die Rapid-Technik maximal mit ca. 60 cm langen Filmstreifen. Darüber hinaus würde irgendwann der Kraftaufwand zu groß, den Film in die aufnehmende Patrone zu schieben, die Perforation reißen, usw. Bei der Fujica mit ihrem quadratischen 24x24 Negativen entsprechen 60 cm Film (inkl. ca. 18 cm Vor-und Nachspann) 16 Aufnahmen, andere Kameras machen bis zu 24 Halbformat- (18x24) oder eben nur 12 normale 24x36 mm Bilder. 

Drei Rapid-Patronen für die Filmempfindlichkeiten
C = 17 DIN, E =18 DIN (50ASA), und G = 21 DIN
(100 ASA).  Es gab noch B = 15 DIN (25 ASA)
Als Agfa die alte Karat-Patrone 1964 wieder aus der Schublade holte, haben die Ingenieure ihr ein neues Feature spendiert und natürlich patentiert. Es handelt sich um eine automatische Filmempfindlichkeitserkennung, realisiert durch T-förmige sogenannte Nocken an der Patrone, deren Mittelsteg eine je nach Filmempfindlichkeit unterschiedlichen Länge hat und von einer entsprechenden Abtastvorrichtung in der Kamera gelesen wird (siehe Fotos). Das ist ein Feature, das bei der Kleinbildpatrone erst 1983 mit der DX-Codierung (wieder) eingeführt wurde. Auf dem Mittelsteg sind kleine Buchstaben aufgeprägt, die neben der Steglänge die Empfindlichkeit des Films kodieren. Leider konnte ich nur Bruchstücke einer Dokumentation dazu finden. Ich vermute, dass die Buchstaben bei A (15 DIN, 25 ASA) beginnen über das wohl gebräuchlichste G (21 DIN, 100 ASA) gehen und bis M (27 DIN, 400 ASA) reichen, allerdings gibt es hier durchaus widersprüchliche bzw. fehlerhafte Informationen zu finden. Wer mehr dazu weiß bitte unten kommentieren, ich werde das dann hier ergänzen. Ich bin in der glücklichen Position selbst drei verschiedene leere Patronen zu besitzen, siehe Bild. Außerdem habe ich seit meinem Antiquitätenshop Fund in Oregon einen unbenutzten Film:


Man sollte hier erwähnen, dass es noch eine dritte Variante dieser Patrone gibt, und zwar natürlich auch sie in der Agfa Karat Tradition (und vollständig dazu kompatibel). Natürlich handelt es sich um die ostdeutsche Variante des ehemaligen Agfa Stammwerks in Wolfen, 1964 in ORWO umbenannt. Sie kam sogar schon 1958 mit der Welta Penti (wieder) auf den Markt, allerdings wurde sie auch in der DDR erst nach dem Instamatic Schock 1964 verstärkt "vermarktet" und SL-Patrone genannt. Im Gegensatz zur Rapid- und Karat-Patrone (Blech) war sie aus Kunststoff und hatte keine Nocken zur Filmempfindlichkeitsabtastung.  Man kann aber durchaus diese Patronen zumindest als aufnehmende Patrone in jeder Rapid- oder Karat-Kamera verwenden.

Gestern habe ich einen normalen Kleinbildfilm im Dunkeln in 60 cm lange Streifen geschnitten und damit zwei Rapid-Kassetten befüllt, um mit der Fujica zu fotografieren. Die Ergebnisse werde ich ich hier natürlich im 4. Teil meiner kleinen Serie zeigen.

Hier die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie:

1) Fujica S2, die Kamera
3) Belichtungsautomatik, Lichtwertverschluss
4) @work, die Fotos

2020-05-01

Fujica Rapid S2 (Teil 1: die Kamera)

Über Agfa's Antwort auf die Kodak Instamatic Kassette 126 habe ich schon vor längerer Zeit berichtet. Auch über das alte Karat-Konzept, auf dem die Rapid-Patrone basiert. Die Instamatic Kassette hatte ja dieses Rennen gewonnen, auch wegen der Tatsache, dass es Kameras von vielen anderen Herstellern gab (am Ende sogar von Agfa). Selbst 5 verschiedene Spiegelreflexkameras gab es! Aber auch Agfa konnte andere Kamerahersteller überzeugen,  auf die Rapid-Patrone zu setzen. Hier gab es ein paar schicke Kameras, insbesondere von japanischen Herstellern (wenn auch keine SLR!), und eine der hübschesten ist diese Fujica Rapid S2. 
Besonders bemerkenswert ist, dass Fujiphoto ja selbst Filmhersteller war und auch eigene Filme in der Patrone angeboten hat, ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das auch für Europa zutrifft. Jedenfalls war und ist mein Plan, mit einer Rapidkamera zu fotografieren, und das will ich nicht mit einer Einfachstkamera a la Isoflash tun. Daher habe ich mich schon länger umgeschaut und bin immer wieder an dieser schicken Fujica S2 hängengeblieben. Außerdem hat sie eine frühe Belichtungsvollautomatik nach Agfa Optima Vorbild an Bord. Dies und den dazugehörigen Lichtwertverschluss Seikosha-L will ich mir genauer anschauen. Es wird also vermutlich neben diesem Teil 1 (über die Kamera selbst), einen Teil 2 (Rapid-Film und Handling), einen Teil 3 (Verschluss und Belichtungsautomatik), sowie als Abschluss: Teil 4 (Fotos von und mit der Kamera) geben.

Meine Kamera hier ist für ihre 55 Jahre extrem gut erhalten und (vermutlich) voll funktionsfähig. Viel scheint auch nicht kaputtgehen zu können. Fast alles ist aus Metall und super solide gebaut. Sogar der Selen-Belichtungsmesser funktioniert noch. Wie genau er allerdings misst, werde ich beim Teil 4 (meine Fotos) feststellen. Dies und der ansonsten recht tadellose äußere Zustand sind allerdings auch ein Zeichen dafür, dass sie die meiste Zeit ihres Kameralebens im Dunkeln verbracht hat.  

Fuji hat diese Kamera zusammen mit ihrer viel einfacher gehaltenen kleinen Schwester Rapid S wohl nur 1965 gebaut, beide wurden schon 1966 von der Rapid D1 und der Rapid SF abgelöst. Die S und die S2 waren Fuji's einzige Kameras für das quadratische 24x24 Format, ihre Nachfolger für die Rapid-Patrone knipsten dann (schon wieder) im zumindest in Japan recht populären Halbformat 18x24 mm. Es war ein insgesamt kurzer Rapid-Ausflug von Fuji, davor und danach gibt es einige zum Teil sehr ähnliche einfache oder auch automatische Kameras für den normalen Kleinbildfilm. Fuji hat aber im Gegensatz zu Agfa und vielen anderen nie Kameras für die 126er Instamatic Kassette gebaut (wohl aber Film dafür produziert).
Viel mehr gibt es über die Kamera selbst nicht zu sagen. Neben ihrem recht schicken Design ist sie erstaunlich unspektakulär und arm an Schnickschnack, wenn man das so sagen kann. Es gibt sehr wenige Einstellmöglichkeiten, die Belichtungsautomatik und der Zonenfokus sollen wohl das meiste regeln. Für das relative kleine Negativformat von 24x24 mm ist sie allerdings recht groß (insbesondere breit) geraten und mit fast 500 g auch recht schwer. Ich habe bereits angefangen damit zu fotografieren und Ösen für einen Kameragurt vermisst. Vermutlich gab es statt dessen eine Bereitschaftstasche, allerdings hab ich diese nicht.

Datenblatt Solide automatische Sucherkamera für den Rapid-Film (24x24)
Objektiv Fujinar-K 2.8 cm f/2.8 (Triplet, vergütet), entspricht vom Bildwinkel ca. 35 mm bei 24x36. Manuelle Blende 2.8 - 22 nur für Blitzfotografie bei ca. 1/30s.
Verschluss Seikosha-L Zentralverschluss, automatisch gesteuert ("Electric Eye") per Lichtwert (8-17), entspricht 1/30s f/2.8 - 1/250 s f/22, sowie kontinuierlich die Werte dazwischen.  
Belichtungsmessung Selenzelle rund um's Objektiv, steuert Verschluss automatisch. Rote Fahne im Sucher, wenn Beleuchtung nicht ausreichend.
Fokussierung Manuell am Objektiv, 0.8 m bis unendlich, Symbole für Zonenfokus, bei den Symbolen einrastend.
Sucher Durchsichtsucher mit Leuchtrahmen, keine Parallaxenkorrektur
Blitz über Buchse, Zubehörschuh ohne Mittenkontakt.
Filmtransport Schnellschalthebel, direkt von rechter in linke Rapid-Patrone, Bildzählwerk (rückwärts 16-0), nach Filmeinlegen drei Leerschwünge zum Filmeinfädeln.
sonst. Ausstattung Stativgewinde ¼'', Drahtauslöser-Gewinde.
Maße, Gewichtca. 61x130x57 mm, 480g
Batterie keine
Baujahr(e) 1965, ca. 36,000 Exemplare (eigene Schätzung)
Kaufpreis, Wert heute ?, heute je nach Zustand 30-50 €
Links Fotomuseum Tauber, Camera-Wiki, Kanskamera,

Hier die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie:

2018-10-10

Fujinon Z 43-75 mm f/3.5-4.5


Manchmal muss eben der Zufall helfen: Ich war eigentlich nur auf der Suche nach einem Fujinon (Standard-) Objektiv für das einsame Fujica ST801 Gehäuse, dass ich als kleinen Meilenstein für meine Sammlung erworben hatte. Natürlich hätte ich auch andere M42-Objektive anschrauben können, aber die haben ja nicht die besondere Fujica-Offenblend-Variante. Außerdem wollte ich nicht mehr als 20€ ausgeben und das schränkt die Auswahl an Angeboten schon ein. 5 Monate und einige Versuche hat es dann gedauert, bis ein ebay Händler mein Angebot von 15€ für dieses Schätzchen hier angenommen hat.
Ich ahnte da noch nicht, dass ich hier einen zweiten Meilenstein ergattert habe. Zusammen mit der Fujica AZ-1 war es 1977 nämlich das erste Zoomobjektiv, das als Standardobjektiv mit der Kamera zusammen verkauft wurde. Es ist tatsächlich (zumindest bei 75mm) so kompakt wie ein Normalobjektiv und muss wohl auch optisch eine ganz gute Figur machen. 
Zoomobjektive für KB-SLR gab es Ende der 1970er Jahre schon fast 20 Jahre, angefangen hat es mit dem Voigtländer Zoomar 36-82 mm f/2.8 im Jahr 1959. Dieses war ein ziemliches Monstrum und auch die optischen Qualitäten ließen zu wünschen übrig, so dass es für entsprechende Festbrennweiten eigentlich keine Konkurrenz war. Anfang der 1960 brachten die Kamerasystemhersteller zunächst Telezoomobjektive. Diese waren zumindest ebenso groß und schwer wie entsprechende Festbrennweiten und ihre optischen Leistungen fielen gegenüber dem bisher gewohnten nicht ganz so stark ab. Als erster Hersteller wagte sich dann 1963 Nikon an ein relativ kompaktes Standard-Zoom: Zoom-Nikkor Auto 43-86 mm f/3.5 , zunächst als fest eingebautes Objektiv in der Nikkorex Zoom, dann aber auch als F-Objektiv. 
Von Ken Rockwell ist es als Nikon's optisch schlechtestes Objektiv bezeichnet worden und da ist wohl auch was dran. Nikon selbst hat es dann 1976 komplett neu gerechnet, die zweite Version war dann wohl OK. Mitte der 1970er kamen dann auch die anderen Hersteller mit neuen Standard-Zooms. Canon hat anscheinend mit ihrem FD 35-70 f/2.8-3.5 S.S.C. aus dem Jahr 1973 gezeigt, dass auch sehr gute optische Leistungen möglich sind. TTL-Messung und auch die ersten Zeit- und Blendenautomatiken machten die variierende Anfangsöffnung akzeptabel, höher empfindliche Filme ermöglichten auch recht lichtschwache (3.5-4.5), dafür dann aber kompakte und ordentliche Standardzooms. Warum sich Fuji für 43 mm als Startbrennweite entscheiden hat, bleibt wohl ihr Geheimnis. Aber sie waren die ersten, die sich getraut haben, das Zoom als Standardobjektiv mit der Kamera zu verkaufen. Ein Modell was, wie wir wissen Schule gemacht hat, heute nennt man sowas Kit-Objektiv.  
Das Fujinon (rechts) im Vergleich zum Nikkor 43-86 (links) und dem kompakten Nikkor 35-70 f/3.5-4.5 von ca. 1986. Interessanterweise ist das Fuji-Objektiv am kompaktesten bei 75 mm, während das alte Nikkor eingefahren 43mm Brennweite hat. Das jüngste hier ist bei der mittleren Brennweite von 50mm am kürzesten. 

Erstaunlicherweise findet sich fast nichts zu Zoomobjektiven und deren historische Entwicklung im Netz. Eine kurze und ganz gute Zusammenfassung bietet die englische Wikipedia. Ich werde weiter schauen und mir dieses Kapitel vielleicht mal vornehmen.

2018-10-05

M42 Fujica Variante


Das M42 Objektivgewinde (eigentlich M42x1mm, Auflagemaß: 45.46mm) war lange Zeit DER Standard zum Anschluss von Wechselobjektiven an Spiegelreflexkameras. Eingeführt 1949 für die Contax S sowie spätere Praktica Kameras wurde es lange Zeit auch Praktica-Gewinde genannt. Weltweit populär wurde es auch durch die Verwendung durch Asahi Pentax (damals japanischer Marktführer) und anderen Herstellern, die sich kein umfangreiches eigenes Objektivprogramm leisten konnten oder wollten und gerne auf die riesige Auswahl an verfügbaren Objektiven verwiesen. Mit der Praktica F.X2 kam 1956 die automatische Springblende (zu erkennen am kleinen silbernen Pin). Dieses Update kam wohl noch früh genug, um allgemein auch von allen anderen Herstellern angenommen und damit zum Standard zu werden.    
Was dann nicht mehr geklappt hat, war einen Standard für die Offenblend-Belichtungsmessung abzustimmen. Hier kochte dann jeder Hersteller sein eigenes Süppchen, um der Kamera irgendwie die am Objektiv eingestellte Blende mitzuteilen, ohne vor dem Auslösen abzublenden. Während Pentacon bei der Praktica LLC auf elektrische Kontakte setzte, beruhen alle anderen Lösungen auf mechanischer Übertragung: 1968: Pentacon Super, 1970: ZeissIkon Ikarex TM,  1971: Olympus FTL, Pentax ES, 1972: Fujica ST-801, 1974: Mamiya MSX 1000.
Hier ist also die Fujica-Variante, realisiert durch einen maximal 1mm breiten Mitnehmer am Blendenring des Objektives, der einen Ring rund ums Kameragewinde schiebt, gekuppelt durch einen ebenfalls winzigen Pin. Weil ja beim M42-Gewinde das Objektiv nicht immer gleich fest "angezogen" wird, rastet es bei Fujica nun ein. Zum Abnehmen des Objektivs muss wieder entriegelt werden. Es kommt fast Bajonett-Feeling auf! 


Das Ganze ist abwährtskompatibel, das heißt, andere M42-Objektive können (ohne Offenblendfunktion) an der Fujica-Kamera verwendet werden. Allerdings verhindert der etwas überstehende Blendenmitnehmer die Verwendung von entsprechenden Fujinon-Objektiven an vielen anderen M42-Kameras. Bei meiner Praktica LTL3 jedenfalls ging es nicht.

2018-09-30

Fujica ST801


Wieder mal ein (kleiner) Meilenstein in der Geschichte der Kleinbild-Spiegelreflexkameras. Die Fujica ST801 war bei ihrem Erscheinen 1972 die erste SLR mit Leuchtdioden (LEDs) anstatt eines Drehspulinstruments mit Nadel. Jetzt kann man berechtigterweise fragen, wo der wirkliche Vorteil für den Fotografen liegt, vielleicht mal von ein paar wenigen Situationen bei schlechtem Licht abgesehen. 

Trotzdem war die Sache mit den LED's ein sichtbares Zeichen des Fortschritts, der sich allerdings eher im Verborgenen abspielte. Die Kamera hatte nämlich (wie ihre ein Jahr frühere Schwester ST701, noch mit Nadel) Silizium Photodioden anstatt CdS-Photowiderständen als Messelemente eingebaut, das ganze mit einer integrierten Schaltung, also echte Elektronik, keine langsamen halb-analogen Belichtungsmesser mehr. Bei der ST801 war das jetzt auch noch gepaart mit einer Offenblendvariante für M42, sowie einem schnellen Verschluss bis1/2000 s. Das Ganze in einem relativ kompakten Gehäuse und garniert mit einem damals noch seltenen Hot-Shoe (Blitz-Mittenkontakt im Zuberhörschuh). 



Elektronik war Anfang der 1970er einfach schwer angesagt und schickte sich an, auch in der Kameratechnik immer mehr Bereiche zu übernehmen. Zunächst wurden die elektrisch-analogen Belichtungsmesser durch präzisere und schnellere elektronische Varianten ersetzt. Wie eben hier in der ST801. Der nächste Schritt war die elektronische Verschluss-Steuerung, die dann in Fuji's nächstem Modell ST901 gleich zusammen mit einer Zeitautomatik realisiert wurde. Pionier dafür war keine japanische Kameraschmiede sondern 1968 der VEB Pentacon mit der Praktica PL electronic. Diese war aber eher ein technischer Pilotstudie, das Prinzip hat Pentacon erst mit der Praktica EE2 im Jahr erst 1977 wirklich umgesetzt. Da waren die japanischen Hersteller alle schneller und brachten Anfang der 70er alle "Elektronic"-Kameras mit Automatikfunktionen. Das kann man zum Beispiel in der Juni-Ausgabe von Popular Science von 1973 nachlesen. Auf Seite 80 gibt es dort ein anschauliches Schema über die Elektronic in der ST801 (siehe Bild). 
Fujifilm, oder wie sie früher hieß: Fuji Photo Film Co., ist eine bedeutende Firma, die nicht nur einer der drei großen Filmhersteller der Welt war, sondern immer schon auf verwandten Gebieten aktiv war. Im Gegensatz zu Agfa, die ja bekanntlich pleite und untergegangen sind, und auch Kodak, die zwar nach vorübergehender Insolvenz noch existieren, aber nur noch ein Schatten ihrer ehemaligen Größe und Bedeutung besitzen, ist Fuji immer noch da und auch heute (wieder) im Kamerabau aktiv. Respekt! Als Kamerahersteller gehörten sie nie zu den ganz großen, mit solch innovativen Kameras wie der ST801 haben sie der Industrie aber immer wieder Impulse gegeben. 


Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit LED-Anzeige
Objektiv M42 Schraubgewinde mit Fujica Offenblend-Variante. 
Verschluss Mechanischer, horizontaler Tuchschlitzverschluss 1s bis 1/2000 s und B.
Belichtungsmessung Si-Photodioden, TTL-Nachführmessung bei offener Blende, Fujinon-Objektive vorausgesetzt. Anzeige durch 7 LED's im Sucher. 25-3200 ASA (15-36 DIN)
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen und Schnittbildindikator als Scharfstellhilfen.
Sucher Spiegelreflex, Anzeige der eingestellten Verschlusszeit und LED's des Nachführbelichtungsmessers.
Blitz Mittenkontakt im Zuberhörschuh, FP und X Buchsen, Synchronzeit 1/60 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel. Hilfe beim Filmeinfädeln.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Trageösen, Aufschraub-Okular für Zubehör, Zubehörschuh, Selbstauslöser, Arretierung für den Auslöser, Abblendtaste.
Maße, Gewicht ca. 133x91x50 mm, 635g (mit Batterie), 840g (mit Objektiv)
Batterie PX-28 (6V, Silberoxid), 4xLR44 möglich.
Baujahr(e) 1972-1978, ca. 200,000? Exemplare, diese #3050869  
Kaufpreis, Wert heute 125 £ (1974), heute ca. 50€ mit Objektiv
Links Camera ProtraitsInstruction ManualThe Camera SiteCamera-Wiki