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2021-11-26

Sony Mavica FD-7 @work

Die beiden Menüs (Play oben,
Camera unten) mit allen wichtigen 
Funktionen
Hier kommt nun endlich der neulich schon angekündigte Beitrag über meinen Test mit der Mavica FD-7. Mein Exemplar war zum Glück in voll funktionsfähigem Zustand, was man leider heute nicht mehr oft über alte Elektronik sagen kann. Während viele der bis zu 100 Jahre alten analogen Kameras in meiner Sammlung noch funktionieren und es vermutlich in 20 Jahren auch noch tun werden, sind solche Funktionstests an nur 10 oder (wie diese hier) 20 Jahre alten Digitalkameras wirklich Glückssache. Meist sind es die Akkus, die versagen, auch meiner wurde vom Vorbesitzer irgendwann ausgetauscht. Irgendwann gibt es aber dafür keinen Ersatz mehr und auch die Peripherie muss passen: Kabel, Stecker, Speicherkarten. Im Falle der Mavica ist der Austausch der Bilddateien auf die 3.5'' Diskette beschränkt! Ich besitze glücklicherweise noch ein externes USB-Diskettenlaufwerk und alte Disketten. Wer weiß wie lange es sowas noch geben wird.

Das Diskettenlaufwerk bestimmt tatsächlich einiges an der Kamera. Nicht nur die Größe und das quaderförmige Grunddesign sind damit  vorgegeben, auch das Handling folgt oft den Beschränkungen des Laufwerkes. Man hört stets das charakteristische Schreib- und Lesegeräusch und ahnt damit zumindest, warum und worauf man viele Sekunden lang warten muss (und zwar bei jedem Bild, das man aufnimmt oder betrachten will!). Auch muss man nicht nur während der Aufnahme still halten (s.u.), sondern am Besten noch 5-7 Sekunden danach. Denn allzu heftige Beschleunigung ist schädlich für den filigranen Schreib/Lesekopf und könnte die gerade geschriebenen Daten unbrauchbar machen. Die ewigen sekundenlangen Wartezeiten sind tatsächlich für mich das eindrücklichste, was mir von meinem Test in Erinnerung bleiben wird.  

Ansonsten ist die Bedienung (zumindest mit unser heutigen Digitalerfahrung) sehr intuitiv und gut umgesetzt. Die Kamera liegt trotz ihres Quaderdesigns dank einer Griffleiste gut in der Hand, der rechte Zeigefinger ist automatisch am Auslöser und der Daumen bedient die Zoom-Wippe. Ein optischer Sucher fehlt komplett. Man muss sich also komplett auf das ansonsten sehr ordentliche 2.5'' Display fokussieren. Dies ist allerdings sehr dunkel und taugt nicht für helle Aussenumgebung. Ein Highlight der Kamera ist das 10-fach Zoomobjektiv, das von (KB-äquivalenten) 40 bis 400 mm Brennweite reicht und bei der kleinsten Brennweite bis zu einer kürzesten Entfernung von 1 cm (!) fokussieren kann. Damit gelingen dann auch Aufnahmen von kleinen Gegenständen.

Größtes Lowlight ist ironischerweise der eingebaute Blitz, den hätte Sony besser weggelassen und stattdessen eine Blitzbuchse oder einen hot-shoe spendiert. Der Blitz ist nämlich komplett ungeregelt, feuert also immer seine komplette aber ansonsten bescheidene Blitzleistung und taugt so nur für Motive in ca. 3 m Entfernung. Näheres ist stets über-, weiter entferntes stets unterbelichtet.  Außerdem schaltet der Blitz automatisch auf den Field-Modus um (s.u.) und reduziert damit die vertikale Auflösung des Sensors um die Hälfte.
Die vier möglichen 
Qualitätsstufen.
180x180 Pixel crop in
Originalgröße. Aufnahme:
2 m Entfernung, Stativ.
iPhone aus der Hand, 
runter gerechnet auf gleiche
Auflösung. Klicken für
4x Vergrößerung.  
Kommen wir damit also zum Herzstück, dem Sensor, der aus heutiger Sicht eine sehr bescheidene Auflösung und auch Bildqualität liefert. 1997 allerdings ist VGA (640x480 Pixel) eine immer noch sehr gängige Monitorgröße und bei Bild- bzw. Dateigröße fast an dem Limit dessen, was noch praktikabel verarbeitet werden konnte. Viele Computer waren nur über niedrige Datenraten mit dem Internet verbunden, das Übertragen von einzelnen Bilddateien dauerte da selbst in komprimierter Form oft mehrere Sekunden. Wenn Web-sites überhaupt Bilder hatten, dann lag deren Größe und Auflösung z.T. weit unter VGA. In dem Sinne war die Mavica ein höchst praktikable Kamera, deren recht stark komprimierte JPG-Bildchen genau den Bedürfnissen der Web-Designer und Poweruser entsprach. 

Der CCD-Sensor ist eigentlich für die Verwendung in Video-Camcordern gedacht und so ausgelegt, dass das analoge Signal direkt nach den üblichen Fernseh-Normen auf einem Monitor wieder ausgegeben werden kann. Dazu wird das Bild in zwei Halbbilder ("Field") geteilt, wobei zunächst die ungeraden Zeilennummern zu einem Field zusammengefasst werden und danach die geraden. Zusammen ergeben sie einen "Frame".

Der Sensor der Mavica hat nominell 659x494 Pixel, die dann auf die VGA Auflösung 640x480 herunter gerechnet werden. Die volle Auflösung gibt es allerdings nur, wenn der Frame-Modus ausgewählt ist. Die Kamera fotografiert aber standardmäßig im Field-Modus, was bedeutet, dass nur das erste Halbbild verwendet (und zeilenweise verdoppelt wird), d.h. die vertikale Auflösung beträgt nur 240 Pixel. Leider ist Field tatsächlich die praktischere Einstellung. Denn, die beiden Halbbilder werden nacheinander im Abstand von 1/30s aufgenommen und bewegte Objekte erscheinen daher doppelt (siehe Auto-Fotos unten), bzw. bei 1/30s hat man schnell auch die Kamera verwackelt. Außerdem wird bei Blitzaufnahmen automatisch in den Field Modus zurückgeschaltet. Klar, denn der Blitz ist beim zweiten Field schon längst wieder aus. 


Interessant ist, dass weder an der Kamera noch in der Anleitung irgendetwas über die sonst üblichen Fotografie-Parameter Verschlusszeit, Blende oder Empfindlichkeit zu erfahren ist. Lediglich die Qualitätsparameter Frame/Field (s.o.) und der Kompressionsgrad der JPGs können gewählt werden. Stattdessen hat man die Wahl von 5 Sonderprogrammen für bestimmte Fotografiersituationen, bei denen allerdings auch nicht ganz klar wird, was sie genau bewirken oder ob die standardmäßige Überallautomatik nicht auch so ein ordentliches Bild liefert (vermutlich). Dann gibt es noch 4 Spezialbildeffekte (Pastel, Negativ, Sepia und Schwarz-Weiß), die im Prinzip auch im Nachhinein mit jeder Bildbearbeitung möglich wären.

Fazit für mich: Eine interessante frühe Digitalkamera, die vom Konzept her konsequent auf die Bedürfnisse der frühen Internet-Pioniere zugeschnitten war, die Bilder für's WWW brauchten. Die Verwendung der Floppy-Disk zum Datentransfer ist gleichzeitig für die damalige Zeit sehr gelungen, technologisch aber langfristig eine Sackgasse. Am Bemerkenswertesten für mich: 7 Sekunden braucht eine Aufnahme vom Druck auf den Auslöser bis alles auf der Scheibe ist.

2021-03-27

Nagel Pupille @work

Schon länger habe ich keinen Filmtest für eine meiner alten Kameras gemacht, bei der Nagel Pupille mit ihrem Leitz Elmar musste es aber mal wieder sein. Schon vor einiger Zeit hatte ich  einen 127er Rollfilm gekauft (RERA Pan 400 aus japanischer Produktion). Entwickelt habe ich selbst und zwar im FX-39 II, 11 min bei 20°C. Die Negative habe ich dann mit meiner Digitalkamera und Makro-Objektiv abfotografiert und digital zum Positiv verwandelt und optimiert. Beim digitalen Workflow habe ich mir nicht die größte Mühe gegeben, hier könnte man wohl noch mehr aus den Negativen rausholen. Trotzdem war ich mit den Resultaten sehr zufrieden und möchte hier exemplarisch 3 Bilder von unserem Hund als Modell posten. 


Das Fotografieren mit dem 90 Jahre alten Schätzchen ging mir eigentlich ganz gut von der Hand. Film Einfädeln ist fummelig bei der Kamera, dafür soll er besonders plan liegen. Die Kamera liegt klein, aber schwer in der Hand, besonders ergonomisch ist fast nichts. Lediglich der große Schneckengang erlaubt sehr präzises Fokussieren, falls man die Entfernung zum Objekt auf den Zentimeter genau geschätzt hat. Filmtransport und Verschlussspannen sind gänzlich entkoppelt und ich bin echt stolz, dass ich weder eine Doppelbelichtung noch eine Leeraufnahme produziert habe. 


Ein Sache hatte ich allerdings nicht richtig durchdacht: Der 400 ASA Film passt nicht zu so einer alten Kamera mit einer kürzesten Verschlusszeit von lediglich 1/300 s und kleinster Blende f/16. Bei vollem Tageslicht ist man selbst im Winter schnell am Rande des Einstellungsbereiches oder darüber hinaus. Daher habe ich die meisten Aufnahmen in der Abenddämmerung oder im Innenraum gemacht, die häufigste Kombination war wohl 1/100 s und f/5.6. 

P.S. Unser Hund Louis hat es schon mehrfach in dieses Blog geschafft. Zum Vergleich hier eine Aufnahme als Welpe.

2020-05-15

Fujica Rapid S2 (Teil 4: @Work, die Fotos)

Wie ich im ersten Teil dieser kleinen Serie schon geschrieben habe, bestand meine Hauptmotivation, die schicke Fujica Rapid S2 überhaupt zu kaufen, darin, den Rapid-Film mal selbst auszuprobieren. Mir war natürlich klar, dass man Rapid-Film heute nicht mehr kaufen kann und auch, dass ich meinen unbenutzten und historischen dafür nicht verschwenden will. Aber, man kann ja normalen Kleinbildfilm in 60 cm lange Streifen schneiden und einfach in die Patrone schieben (natürlich im Dunkeln!). Als es dann zur Tat ging, dämmerte mir, dass weitere Konsequenzen damit verbunden sind. Denn kaum ein Labor ist heute mehr daran gewöhnt bzw. überhaupt darauf eingerichtet sowas zu entwickeln. Außerdem wollte ich meine kostbaren Rapid Patronen natürlich nicht irgendeinem unbekannten Labor opfern. Daher ist hier Eigeninitiative gefragt, sprich: selbst Entwickeln! 
Ich habe zu Schüler- und Studentenzeiten 100te Schwarzweiß-Filme selbst entwickelt, allerdings vor meinem letzten Umzug mich vom gesamten Dunkelkammerequipment getrennt (sprich: weggeworfen!), darunter auch diese Entwicklungsdose, eine Trockenpressedieser Vergrößerer und manches mehr. Tja, dumm gelaufen. Jetzt hieß es also neu (bzw. gebraucht) kaufen. Bei e-bay habe ich eine Jobo-1000 Dose für nur 9€ ergattert, die nötigen Chemikalien und S/W-Filme habe ich frisch bei Fotoimpex bestellt. Auf das analoge Abziehen von Papierbildern habe ich allerdings verzichtet, die Negative wurden hiermit eingescannt und digital weiterverarbeitet. Alles in allem ein doch umfangreicheres Experiment als ich zunächst gedacht habe, hat aber Spaß gemacht. 
Das Fotografieren mit der Fujica geht sehr leicht von der Hand. Filmeinlegen hatte ich ja schon in Teil 2 gezeigt, die Belichtungsautomatik tut, was sie tun muss (Teil 3). Nach diesem Film und meiner gründlichen Untersuchung habe ich auch Vertrauen in ihre Funktion. Beim Druck auf den Auslöser sollte man langsam drücken, es muss ja noch einiges passieren dabei. Erst wenn der Auslöser ganz unten ist, macht es leise klick und das Foto ist im Kasten. Für's Scharfstellen muss man die Entfernung schätzen, die Zonenfokus-Symbole helfen einem dabei und wirklich unscharf war keines meiner Bilder. Geärgert habe ich mich eigentlich nur über eine Sache: das Fehlen von Ösen für einen Kameragurt. Die Kamera wiegt mit fast 500g ganz ordentlich und eine Bereitschaftstasche hatte ich nicht, habe mich dann aber mit einer kleineren Gürteltasche beholfen. 
Quadratische Fotos (hier 24x24 mm Negativ) haben einen eigenen Charme, trotzdem merke ich beim Fotografieren, dass man doch arg vom Rechteck geprägt ist.  Auch in Schwarz/Weiß musste ich mich wieder reindenken. Die Entwicklung selbst ging (fast) problemlos, ein paar Bilder sind mir misslungen, weil die Negative in der Entwicklungsdose aneinander gelegen waren. Ansonsten bin ich mit meinem ersten Versuch nach fast 20 Jahren sehr zufrieden und werde mich (weil ich noch Chemie übrig habe) demnächst noch an weiteren Filmen versuchen.
Eine Sache ist mir allerdings aufgefallen: Die Negative haben einen Steg von ca. 4 mm zwischen jeder Aufnahme. Zusammen mit dem ebenfalls großzügig ungenutzten An- und Abspann, hätte man bei etwas besserer Konstruktion durchaus auch 2 Bilder mehr (also 18) auf den 60 cm Filmstreifen bekommen können. Keine Ahnung, ob das für alle Rapid-Kameras ähnlich war. Immerhin war Fuji ja Filmhersteller und hat bei zusätzlichen Bildern pro Film eher einen Nachteil. 
Hier nochmal die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie:

3) Belichtungsautomatik, Lichtwertverschluss


Und für alle, die an Details interessiert sind: Der Film war ein AgfaPhoto APX 100, gekauft bei DM. Entwickelt wurde in Adox F-39 II Feinkorn-Ausgleichsentwickler 1+9, 8 min bei 21°C, Kippen nach Adox-Datenblatt Empfehlung. 

2019-06-16

Tenax I @work

Mohnblumen auf einem Rapsfeld in der Nähe von Hanau-Mittelbuchen

Hier also wie versprochen erste Testbilder von meiner Tenax I. Den Film (ein simpler Kodak Gold 200) habe ich an einem Wochende "verschossen", die meisten Bilder draußen bei gutem Sommerwetter, d.h. die Belichtungseinstellungen waren überwiegend bei kleiner bis sehr kleiner Blende (8-16) und kurzen Verschlusszeiten (1/100 bzw. 1/300 s). Damit ergibt sich fast eine Fixfokus-Situation, man kann die Entfernung auf ca. 3 m einstellen und hat dann alles von unendlich bis 2 m scharf. Die Nahaufnahme oben mußte ich natürlich anders einstellen, aber auch hier sieht man die große Schärfentiefe. 

Historisches Karussell in Hanau-Wilhelmsbad

Insgesamt war es ein entspanntes Fotografieren. Der Schnellaufzughebel tut seinen Dienst, auch wenn seine Position für den linken Zeigefinger recht ungewöhnlich ist. Man braucht meist beide Hände zum Bilder machen. Der Aufklappsucher ist für mich als Brillenträger etwas zu klein, ich habe manchmal die Brille abgenommen, dann geht die Ausschnittsuche ganz gut. Die Bilder sind wie für ein nicht vergütetes Objektiv zu erwarten war, etwas flau und kontrastarm, auch bei der Detailschärfe erkennt man den recht simplen Dreilinser. Dennoch bin ich mit den Ergebnissen ganz zufrieden.

Regionalbahn am Bahnhof Wilhelmsbad

Nicht zufrieden war ich mit den Leistungen meines Labors. Das hatte ich beim Auftrag zwar auf die kleinen quadratischen 24x24 mm Negative hingewiesen und somit vorgewarnt. Der Film wurde standardmäßig entwickelt, dann aber fast wahllos geschnitten (mitten durch Bilder durch!), die weitere Verarbeitung (Abzüge, CD scannen) wurde verweigert. Also musste ich mit dem eigenen Flachbettscanner ran, was sehr aufwändig ist.

2018-08-29

Minolta SRT-101 @work


Seit langem mal wieder hier ein analoges Foto, aufgenommen mit der Minolta SRT-101 und dem W.Rokkor-HG 35mm f/2.8. Meine Tochter hat vor einiger Zeit sich die Kamera und Objektiv "ausgeliehen" und will sie gar nicht mehr hergeben. Sie hat schon einige Filme damit verschossen, viele schöne Aufnahmen sind entstanden. Dieses hier von unserem Hund Louis ist wirklich klasse geworden und zeigt ein wirklich schönes Spiel mit der Tiefenschärfe, wie es nur das Vollformat und Film liefern.

Das Objektiv ist übrigens eine Retrofokus-Konstruktion a lá Flektogon, wie viele andere erfolgreiche Weitwinkelobjektive ab den 1960er Jahren: 

W.Rokkor-HG 35mm f/2.8

2016-09-15

Vitessa T @work



Wie versprochen habe ich einen Fim in die Vitessa T eingelegt und diese mit in den Urlaub genommen. Der Film ist inzwischen entwickelt und die Abzüge liegen vor mir auf dem Schreibtisch. Fast alle sind etwas geworden. Bei der Gelegenheit möchte ich hier den Fotoservice vom Dorgeriemarkt dm ("Foto Paradies") loben. Es geht (glaube ich) kaum billiger: Entwickeln kostet 95 Cent, der 10x15 Abzug 8 Cent (9x13: 5 Cent), ich habe mir noch den Luxus einer CD gegönnt (3.95€), insgesamt habe ich 7.68€ ausgegeben.





Bei meiner Kamera, die sonst anstandslos immer noch funktioniert (selbst der Belichtungsmesser!), hakte es bei der Kombistange ein wenig. Nicht immer wird nach dem Auslösen der Film transportiert und auch das Verschlussspannen war nicht 100% zuverlässig. Ich konnte mir mit folgendem Trick aber helfen: Auf der Unterseite der Kamera gibt es einen kleinen Hebel (mit rotem Punkt), der eigentlich Filmtransport ohne Auslösung erlaubt (Voigtländer bewirbt das zum Austauschen teilbelichteter Filme). Wenn man den vor dem Filmtransport drückt, klappt alles zuverlässig. Vermutlich, muss der Mechanismus gereinigt und neu gefettet werden, mal sehen, ob ich das Schätzchen dafür mal zerlege.  

2014-11-19

Nikon S @work

Am letzten Freitag war es soweit, einen Fujicolor C200 habe ich meine "neue" Nikon S eingefädelt und mich dann per Zug auf den Weg nach Manhatten gemacht, ich hatte da was zu erledigen. Es war zwar kalt, am Morgen konnte man den ersten Schnee auf Autodächern sehen, aber die Sonne schien. Ideale Bedingungen eine alte Kamera auszuprobieren. Und, das Ding kommt echt cool rüber. In New York bin ich innerhalb weniger Stunden insgesamt drei Mal auf die Kamera angesprochen worden, eine Verkäuferin meinte, es wäre sicher eine neue (auf alt getrimmte) Digitalkamera. 


Den Verschluss hatte ich ja schon mit meiner neuen iPhone-Methode getestet und wusste, dass bis auf die 500stel alles im Rahmen ist. Dabei ist mir aber auch die einzige technische Schwäche der Kamera aufgefallen: Beim Spannen des Verschlusses ist er nicht ganz lichtdicht, der zweite Vorhang hängt etwas hinter dem ersten her und eine millimeterweite Lücke klafft zwischen beiden. Ich wusste also was zu tun war: Jeweils beim Spannen immer schön den Objektivdeckel drauf! Was soll ich sagen: Ich hab's natürlich ein paar mal vergessen und je nach Umgebungslicht helle Streifen auf der rechten Bildseite erzeugt. Vermutlich könnte ein Service diese Schwäche des Verschlusses beheben, ich werde es aber vermutlich nicht machen (lassen). Bei meinen Testfotos habe ich meist die 100stel oder 60stel verwendet, in Innenräumen aber auch die 40stel aus der Hand! Die Aufnahme unten von Grand Central Station ist 1/4, aufgestützt auf die Brüstung.  
 

Als Belichtungsmesser habe ich auch mein iPhone bemüht, es gibt eine App dafür (Pocket Light Meter). Aber schon nach einer kurzen Zeit gewöhnt man sich daran, Zeit und Blende auch nach Gefühl zu stellen. Die Blende ist was ganz spezielles am Nikkor 5cm f/2, insgesamt 10 Lamellen erzeugen eine fast kreisrunde Öffnung, wo sieht man sowas heute noch? Man kann relativ einfach auch Zwischenwerte einstellen, allerdings dreht sich der Indexpunkt beim Fokussieren mit dem Objektiv, nicht besonders ergonomisch.

Fokussieren ging nach etwas Eingewöhnung auch gut von der Hand, der Entfernungsmesser ist sehr präzise und gut im Sucher zu erkennen. Bei späteren Nikons (S2, S3 und SP) soll das sogar noch besser sein. Hakelig und etwas störend war nur die Unendlichsperre und die (bei meinem Exemplar) recht schwergängige Fokussierschnecke, ggf. würde Öl helfen, ich traue mich aber nicht welches dranzutun. Der Sucher selbst könnte etwas größer sein, er zeigt wohl auch nicht das ganze Bildfeld und eine Paralaxenmarkierung oder gar -korrektur gibt es auch nicht. Dafür waren bei Nikon später ja auch die Nachfolgemodelle zuständig. Auch die Naheinstellgrenze von nur 3 ft (ca. 1m) ist in heutigen Zeiten, wo man mit dem iPhone fast beliebig nah ran kommt, sehr gewöhnungsbedürftig.
Ansonsten muss ich sagen, hat das Fotografieren damit wirklich Spaß gemacht. Der Verschluss läuft extrem leise und ruhig, im lauten Manhatten fragt man sich oft: War's das jetzt? Der Verschlussaufzug ohne Schnellschalthebel ist etwas lästig, der Hebel kam dann ja 1954 mit der S2.
Ein paar Features der Kamera konnte ich mangels zusätzlichem Zubehör nicht wirklich ausprobieren. Objektivwechseln gelingt dank Bajonett recht einfach, ich habe nur leider kein Wechselobjektiv. Es ist wohl trotzdem fummeliger als mit modernen SLR-Bajonetten. Völlig anders ist der Blitzanschluss und man muss wohl sehr lange suchen um die speziellen Stecker zu finden (oder ein Kolbenblitzgerät mit solchen). In meiner Bedienungsanleitung, die noch original zu meiner Kamera gehört, gibt es handschriftliche Kommentare zum Blitzen, die den Angaben von Nikon zur Verwendung kurzer Zeiten widersprechen.
Der Film war recht schnell mit New York Impressionen gefüllt, mit den letzten Bildern habe ich noch Herbststimmung bei uns im Neighborhood eingefangen. Am Samstag zu The Photoplace zum Entwickeln und Scannen geschickt, heute Mittag (Dienstag) hatte ich die JPG-Dateien in der Dropbox und war beeindruckt (einfach auf die Fotos hier klicken und die höhere Auflösung sehen...).

2013-05-23

Rolleiflex Original @work

Am letzten Aprilwochenende, wunderschönes Wetter bei uns in New Jersey, war es so weit: Ein erster Testfilm für meine Rolleiflex Original, immerhin schon 83 Jahre alt und gerade verschlussmäßig neu gereinigt und geölt. Den Film, einen Kodak Professional Porta 400 VC mit Ablaufdatum August 2012 habe ich im dunklen Keller auf eine 620er Spule umgespult. Wie ich an die Spulen gekommen bin, habe ich auch schon berichtet. Und natürlich habe ich den fertigen Film auch wieder auf die 120er Spule zurückbefördert, ich wollte ja die wertvollen 620er nicht an das Labor opfern.

Das Motiv waren die Great Falls of the Passaic River in Paterson, NJ, immerhin die zweitgrößten Wasserfälle der USA östlich des Missisipi (nach den Niagara Fällen). Als ich die Fotos endlich vom Labor zurückbekam, war ich ehrlich positiv überrascht. Bis auf zwei Aufnahmen, die ich aus Versehen verschossen hatte, waren alle anderen z.T. sehr gut geworden, so wie die beiden hier. Bei der (bei Sonne fast zwangsläufigen) Einstellung Blende 16, 1/300 s (kürzeste Verschlusszeit) kann man sicher gute Schärfe erwarten. Die Farben und Kontraste sind etwas flauer als wir es heute von vergüteten Objektiven gewohnt sind. Man muss aber bedenken, dass die Kamera damals für Schwarz-Weiß-Film gedacht war, erste Farbfilme gab es erst 10 Jahre, für den Massenmarkt erst 30 Jahre später.

Den Spass war's wert. Dennoch werde ich jetzt nicht regelmäßig mit dem Ding fotografieren. Das Scharfstellen mit der alten Mattscheibe ist eine Qual, und auch sonst fehlt es an den gewohnten Bequemlichkeiten modernerer Fotoapparate. Ich habe aber noch andere Filme, die ich für weitere Tests anderer alter Schätzchen aufbewahre.

2013-01-26

Olympus 35 SP @work

Die erste Filmpatrone ist durch und es war tatsächlich das erste Mal, dass ich einen ganzen Film lang mit einer Messsucherkamera fotografiert habe. Eine ganze Woche war der 36er Kodak ColorPlus 200 in der Kamera, den Großteil der Bilder habe ich aber bei wunderbarem Wetter und einem Ausflug nach Manhattan am letzten Sonntag geschossen. Hier also eine Auswahl davon und meine Eindrücke über die Praxistauglichkeit der Kamera. Technische Details und mehr Infos zur Kamera gibt es hier.


Der Broadway in SOHO in Richtung Süden...
Allgemeines - Die Kamera ist ein bißchen zu groß für die Jacken- oder Hosentasche. Man hängt sie um den Hals oder über die Schulter, am Besten in ihrer Bereitschaftstasche.  Einziger Schwachpunkt hier: Die Ösen sind nicht in der Schwerpunktebene angebracht, die Kamera kippt mit der Oberseite leicht nach hinten, wenn sie einfach so hängt. Ihre 600 g merkt man beim Tragen aber nicht wirklich.

Messsucher - Scharfstellen funktioniert wirklich gut mit diesem hellen Sucher und dem kleinen Mischbildentfernungsmesser in der Mitte. Meine Eingewöhnungsphase war sehr kurz, nur ein einziges Foto war nicht ganz scharf. Der Bildausschnitt wird mit einem hellen Rahmen eingeblendet, die Parallaxenmarkierung ist natürlich hilfreich, ein echter mechanischer Ausgleich wäre aber noch besser. Ich habe manchmal erst nach dem Druck auf den Auslöser an die Parallaxenverschiebung gedacht. Gewöhnungssache! Ich als Brillenträger hatte allerdings Schwierigkeiten, die Anzeige des Belichtungsmessers zu sehen. Bei Hochkantaufnahmen ist es noch schwieriger, da ist irgendwie die Nase im Weg. Das ist allerdings unerheblich, wenn man sich auf die Belichtungsautomatik verläßt... 
Broom St, SOHO

Objektiv - neben der Spotmessung das Highlight der Kamera. Ich liebe diese(n) Brennweite/Bildwinkel seit ich mein Panasonic 20 f/1.7 zum absoluten Lieblingsobjektiv erkoren habe. Dieses 42mm f/1.7 steht seinem 40 Jahre jüngeren Digital-Enkel aber nichts nach. Scharf und verzeichnungsfrei, die Kontraste knackig. Einzig die nur 85 cm Naheinstellgrenze habe ich zu bemängeln. Eine nähere hätte wohl einen deutlich höheren technischen Aufwand mit Parallaxenkorrektur für den Sucher bedeutet. Ich hatte relativ häufig den Wunsch, näher ran zu gehen, schade!

Belichtungssteuerung - Die Vollautmatik funktioniert gut und ich habe sie viel öfter benutzt als ich dachte. Die manuelle Option funktioniert natürlich auch, sie ist aber wirklich etwas kompliziert und bei anderen Kameras besser gelöst. Man muss erst den EV-Wert im Sucher ablesen, dann diesen am Objektiv einstellen und kann dann ggf. noch andere Kombinationen von Zeit und Blende wählen. Ich würde mir eine Zeitautomatik als Option wünschen. Gibt es aber nicht.
Schaufenster der deutschen Bäckerei Landbrot
(West Village, 137 7th Ave, Manhattan, NY)

Spotmessung - Nettes Feature und technisch sehr gut gelöst. Man wird durch diese Möglichkeit fast gezwungen, die Beleuchtungs- / Belichtungs- Situation seines Bildes genau zu überdenken. Gegenlichtaufnahmen und ähnlich kniffliges werden zum Kinderspiel. Ein halb gedrückter Auslöser funktioniert als Messwertspeicher, falls der Spot den man messen möchte nicht im Bildzentrum liegt.

Auslöser, Verschluss - Man merkt es deutlich, eben weil man sich an die Auslöseverzögerung digitaler Kameras schon gewöhnt hat, wie direkt analoge Fotografie sein kann. Bewegte Szenen wie die Basketball spielenden Jungs, gelingen einfach direkter. Der Verschluss der Kamera ist sehr leise, man kann auch einigermaßen unbemerkt damit fotografieren. 


Blitzen - habe ich nicht ausprobiert, sollte aber hier erwähnt werden. Die Kamera hat eine sog. Leitzahlen-Blitzautomatik, will heißen, man stellt die Leitzahl des Blitzes am Blendenring ein und die Kamera wählt je nach eingestellter Entfernung die richtige Blende, alles voll mechanisch, wohlgemerkt! Es funktioniert auch ohne Batterie.

Analoggefühl - Die direkte Bildkontrolle der Digitalknippsen fehlt natürlich und man überlegt sich viel genauer, ob sich die Aufnahme wirklich lohnt. Der Druck auf den Auslöser kostet halt $0.44 ($2.50 für den Film, $10 für Entwickeln und Scannen, 4$ Versandkosten), ich habe den Internet-Fotoservice PhotoplaceOnline.com ausprobiert, mein lokaler Fotohändler war ein bißchen teurer. Die Scans haben eine Größe von 3088 x 2048 Pixel (6.3 MP) bei 8 Bit Farbtiefe. Für's erste und einfache Abzüge reicht das allemal, die Negative selbst sollten noch ein bißchen mehr an Informationen enthalten, was man bei (teuren) Handabzügen ja noch rauskitzeln kann. 

Fazit - Eine tolle Kamera, die ich jedem empfehlen kann, der mal Messsucher-Feeling haben möchte, ohne gleich Tausende in ein Leica M zu investieren. Es gibt noch Alternativen, die Canonet GIII-QL17, Konica Auto S3 oder Yashica Electro und ein paar andere. Aber keine von denen hat die einmalige Spotmessung der Olympus. Dass ich jetzt mein Digitalequipment in die Ecke stelle, wird natürlich nicht passieren. Aber den einen oder anderen Film werde ich damit noch machen...