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2013-05-23

Rolleiflex Original @work

Am letzten Aprilwochenende, wunderschönes Wetter bei uns in New Jersey, war es so weit: Ein erster Testfilm für meine Rolleiflex Original, immerhin schon 83 Jahre alt und gerade verschlussmäßig neu gereinigt und geölt. Den Film, einen Kodak Professional Porta 400 VC mit Ablaufdatum August 2012 habe ich im dunklen Keller auf eine 620er Spule umgespult. Wie ich an die Spulen gekommen bin, habe ich auch schon berichtet. Und natürlich habe ich den fertigen Film auch wieder auf die 120er Spule zurückbefördert, ich wollte ja die wertvollen 620er nicht an das Labor opfern.

Das Motiv waren die Great Falls of the Passaic River in Paterson, NJ, immerhin die zweitgrößten Wasserfälle der USA östlich des Missisipi (nach den Niagara Fällen). Als ich die Fotos endlich vom Labor zurückbekam, war ich ehrlich positiv überrascht. Bis auf zwei Aufnahmen, die ich aus Versehen verschossen hatte, waren alle anderen z.T. sehr gut geworden, so wie die beiden hier. Bei der (bei Sonne fast zwangsläufigen) Einstellung Blende 16, 1/300 s (kürzeste Verschlusszeit) kann man sicher gute Schärfe erwarten. Die Farben und Kontraste sind etwas flauer als wir es heute von vergüteten Objektiven gewohnt sind. Man muss aber bedenken, dass die Kamera damals für Schwarz-Weiß-Film gedacht war, erste Farbfilme gab es erst 10 Jahre, für den Massenmarkt erst 30 Jahre später.

Den Spass war's wert. Dennoch werde ich jetzt nicht regelmäßig mit dem Ding fotografieren. Das Scharfstellen mit der alten Mattscheibe ist eine Qual, und auch sonst fehlt es an den gewohnten Bequemlichkeiten modernerer Fotoapparate. Ich habe aber noch andere Filme, die ich für weitere Tests anderer alter Schätzchen aufbewahre.

2012-11-29

Kodak Disc

disc
Alle 10 Jahre ein neues Filmformat und damit das eigene Geschäft gehörig ankurbeln. 1963 war es die Instamatic Kasette (126), 1972 kam der Pocket-Film (110); und was zweimal geklappt hat muss einfach nochmal gehen. 1982 brachte Kodak also den Disc Film (der im übrigen keine Format-Nummer bekommen hat) und mit ihm natürlich neue Kameras und alles Zubehör. Das Bildformat war mit 8x11 mm genauso groß wie bei den Minox Miniaturkameras und damit das kleinste jemals komerziell angebotene Bildformat (selbst die Hit-Kameras hatten größere Negative!). 15 dieser kleinen Bildchen waren auf der 63 mm im Durchmesser großen kreisrunden Scheibe, das Ganze in einer 7 mm dicken Plastikkasette, die per Schieber automatisch lichtdicht verschlossen wurde, nahm man den Film aus der Kamera.
Kodak führte mit dem Film eine neue Emulsionstechnologie ein (T-Grain, Kodacolor HR und VR), die verglichen mit den Vorgängergenerationen feineres Korn und größere Schärfe brachten. Das war wegen der kleinen Negative auch nötig, Vergrößerungen über 10x15 cm sahen trotzdem häßlich aus. Anfangs sah die Einführung des neuen Formats und dazugehöriger Kameras noch wie ein Erfolg aus, doch schon nach 8 Jahren (1990) stellte Kodak ihre Disc-Kameraproduktion ein, der Film wurde interessanterweise noch bis 1999 im Programm geführt. Auch andere Filmhersteller produzierten zwischenzeitlich Disc's, kaum ein namenhafter Kamerahersteller hat sich aber je an Kameras für das Format gewagt. Wer noch unentwickelte Disc's besitzt kann sie immer noch von Spezial-Laboren entwickeln lassen, z.B. hier, wo auch die 8 Disc-Filmgenerationen aufgelistet sind, die auf jeder Disc als weiße Zahl auf rotem Grund in der rechten Ecke des Aufklebers genannt wird.   
Die Internet-Seite complex.com listet die Disc auch auf Platz 35 der "50 worst fails in tech history" (50 schlimmsten Misserfolge der Technikgeschichte), insbesondere auch wegen ihrer Bildqualität. Einer winzigen Minox verzeiht man die geringe Auflösung noch, aber Disc-Kameras waren auch nicht kleiner als kompakte 135er. Kodak hat die Disc niemals öffentlich als Fiasko bezeichnet und sich sogar ab 1996 wieder an APS gewagt, diesmal mit anderen zusammen.

2012-11-05

The Kodachrome story - History of modern color film (part 2)

 
Die beiden befreundeten Berufsmusiker Leopold Godowsky (mit der Geige) und Leopold Mannes experimentierten als begeisterte Hobbyfotografen mit allerlei Fotochemie und stießen  nach 1922 auf die Patente von Rudolf Fischer, der die chromogene Farbfotografie  und damit das Prinzip des modernen Farbfilms schon 1911 erfunden hatte. Leider konnte dieser das Problem der unerwünschten Diffusion der Farbkuppler zwischen den verschiedenen Gelatineschichten nicht lösen. 
Godowsky und Mannes machten sich zunächst selbstständig an die Arbeit wurden 1930 schließlich von Kenneth Mees, dem Forschungsdirektor von Eastman Kodak nach Rochester, NY gelockt, wo ihnen ein großes Labor und eine Schar von Mitarbeitern zur Verfügung standen, um das fertig zu entwickeln, was wir als Kodachrome kennengelernt haben.
"Man and God" (der Mensch und Gott), wie die beiden scherzhaft genannt wurden, überwanden das Farbkuppler-Diffusionsproblem durch den sogenannten "kontrollierten Diffusions-Bleichprozess", eine aufwändige 27-stufige Entwicklungs-Prozedur. Das dazugehörige Patent US 2,113,329 wurde am 27. Februar 1935 angemeldet, also heute vor 76 Jahren. Auch in Europa wurden entsprechende Patente angemeldet, in Deutschland u.a. DRP 723388 und DRP 631324. Der erste Film (ein 16 mm Schmalfilm) kam am 15. April 1935 auf den Markt und war damit der erste kommerzielle, moderne Mehrschichten-Farbfilm.
Leopold Godowsky (with the violin) and Leopold Mannes, two friends and both professional musicians were also enthusiastic hobby photographers. In 1922 they experimented with some photo chemistry and discovered the patents of Rudolf Fischer, who invented the the so-called chromogenic color photography and with that the principle of the modern color film already in 1911. Unfortunately, Fischer was not able to overcome the problem of undesired diffusion of the color couplers between the different gelatin layers.
At first Godowsky and Mannes started their own research lab. Eventually, in 1930 they were hired by Kenneth Mees, research director of Eastman Kodak in Rochester, NY. At Kodak's headquarters they headed a big new lab with a bunch of technicians to help them. Finally, the group developed what we got to know as Kodachrome.
"Man and God" how the two used to be named solved the problem by the so-called controlled diffusion bleach process, a complicated 27 steps comprising film development procedure. The appendant patent US 2,113,329 was filed on February 27, 1935. Kodak also filed for patents in Europe, e.g. the German applications DRP 723388 and DRP 631324. The first film (in form of a 16 mm movie film) was launched on the market on April 15, 1935 and with this date Kodak won the race for the first commercially available modern multilayer color film.

Etwas vereinfacht steht in den Patenten folgendes: Der Kodachrome ist im Grunde ein reiner Schwarz-Weiß-Film mit u.a. drei für die jeweiligen Farben Blau, Grün und Rot sensibilisiere Emulsionsschichten. Zunächst gibt es eine S/W-Umkehrentwicklung (Kodachrome ist ein Dia-Film) für alle drei Schichten gleichzeitig. Nach Entfernung des ursprünglichen S/W-Negativ-Silbers wird nun stufenweise mit der Farbentwicklung begonnen. Die einzelnen (und unterschiedlichen Farbentwickler) enthalten neben der Entwicklersubstanz auch den entsprechenden Farbkuppler. An den Stellen, wo nun das positive Silberbild ist kommt es zur Reaktion zwischen beiden und der unlösliche Farbstoff entsteht. Man beginnt mit dem Cyanfarbstoff (rotempfindliche, unterste Schicht) und muss dann anschließend aus den beiden anderen Schichten darüber diesen wieder ausbleichen. Dieser Schritt ist die sogenannte diffusionskontrollierte Bleiche, der entscheidende Schritt. Mit den beiden darüberliegenden Schichten verfährt man genauso, d.h. zunächst den Magentafarbstoff in der mittleren Schicht erzeugen und in der obersten wieder ausbleichen und am Schluss Yellow für die oberste Lage. Am Ende wird alles Silber aus dem Film rausgelöst, alle überflüssigen Chemikalien entfernt und es bleibt ein farbiges Diapositiv über.
What is described in the patents (somehow simplified): The Kodachrome essentially is a pure black and white film comprising three photographic emulsion layers, which are sensitized for the respective colors red, green and blue.
First, there is a black and white reversal processing (Kodachrome was a reversal film) for all three layers. After removal of the B&W negative silver the color processing is done step-by-step, layer by layer. The respective color couplers are contained in the individual and different color developer solutions, but in their reduced form they do not react with each other. Only at the positions of the positive silver image a chemical reaction is triggered between the two, and the insoluble dye is formed. The process starts with the cyan dye (red-sensitive, bottom layer) and subsequently this has to be bleached from the other two layers on top again. This step is the so-called diffusion-bleaching, the crucial step. With the two top layers, the procedure is exactly the same: first generate the magenta dye in the middle layer and bleach it from the top layer and at the end again create yellow in the uppermost layer. At the end, all the silver is removed and all unnecessary chemicals are washed out. Voila: there is a color slide.
Kodachrome photo by Chalmers Butterfield of Shaftesbury Avenue from
Piccadilly Circus, in the West End of London, c. 1949 (source: Wikimedia)
Das Verfahren war so kompliziert, dass kein Fotograf oder gar Fotoamateur seinen Kodachrome selbst entwickeln konnte. Kodak hat das übernommen, bzw. in den USA nach einem Kartellstreit auch anderen Fachlaboren überlassen (müssen). Auch wurde die Prozedur schon 1938 "vereinfacht": Die diffusionskontrollierte Bleiche wurde durch die selektiven Nachbelichtungen und eine sog. schleiernde Entwicklung ersetzt.  Somit sind heute waren bis vor kurzem nur noch 16 Schritte erforderlich, die ein geübtes Fachlabor in 30 Minuten absolviert hat. Nach wie vor aber waren die Farbkuppler nicht im Film selbst enthalten, sondern kamen aus der Entwickler-Lösung. Dies machte den Kodachrome-Film nicht nur zum schärfsten, hochauflösendsten, sondern auch gleichzeitig zum langlebigsten Farbfilm für über 50 Jahre!
The procedure was so complicated that neither professional nor amateur photographers could process their Kodachrome by themselves. Initially Kodak offered this service exclusively, but after an antitrust case in the US they had to offer the processing chemicals also to independent labs. Also, the procedure has been "simplified" in 1938: The diffusion-controlled bleaching was replaced by  selective re-exposure and a so-called fogging development. Thus, today until recently, only 16 steps were required to be completed by a trained specialized lab in about 30 minutes. As before, however, the color couplers were not contained in the film itself, but were included in the developer solution. This made the Kodachrome film not only the sharpest, the highest resolution, but at the same time the most durable color film for over 50 years!
Der Kodachrome 64 (und später der Kodachrome 200) war auch mein Lieblings-Diafilm, auch wenn ich ihn mir nicht immer leisten konnte und daher auf preiswertere E6-Alternativen umgestiegen bin. Insbesondere für Urlaubsreisen hatte er einen Vorteil: In der Packung war immer ein Rücksendeumschlag zum Kodak-Labor (in Deutschland: Stuttgart), so dass man die im Urlaub schon weggeschickten Filme bei der Rückkehr zuhause fertig entwickelt im Briefkasten fand. 
Aber es kam, wie es kommen musste. Mitte der 90er sind andere Filme qualitativ endlich konkurrenzfähig und die Digitalfotografie versetzte Kodachrome endgültig den Todesstoß. Kodak hat am 22. Juni 2009 mitgeteilt auch den letzten verbliebenen Filmtyp (den 64er) nicht mehr zu produzieren, am 30.12.2010 wurde der letzte Film entwickelt. Aber zum Trost: Er wird vermutlich der einzige Film bleiben, der in einem populären Popsong besungen wurde:
The Kodachrome 64 (and later Kodachrome 200) was my favorite slide film, even if I could not afford it all the time and sometimes switched to cheaper E6 alternatives. Especially for holiday trips, Kodachrome had an advantage: In the pack was always a return envelope to the Kodak lab (in Germany: Stuttgart). If you mailed the exposed films during the trip, you would already find the slides in the mailbox when returning home. 
But eventually the inevitable happened. During the 1990ies other films in terms of quality became competitive and later the digital photo revolution sounds the death knell for Kodachrome. On June 22nd, 2009 Kodak announced to discontinue production of the last remaining film type (the 64), on December 30th, 2010 the last film was processed. But as some consolation, Kodachrome will probably remain the only film a popular pop song was dedicated to:



Die anderen Teile dieser kleinen Geschichts-Serie...
Other parts of this little history series... 
1) Invention of the modern multilayer color film - 100 Jahre moderner Farbfilm
2) Kodachrome 
3) Agfacolor Neu
4) Ektachrome and Kodacolor

2012-07-28

Kodak Retina I Fotos

Hier nun drei ausgewählte Fotos, aufgenommen mit meiner 66 Jahre alten Kodak Retina I bei einer Waterraftingtour auf dem Lehigh River in Pennsylvania am letzten Samstag. Die Kamera hatte ich in einen verschließbaren Plastikbeutel gepackt und wenn es die Situation erlaubte ab und zu mal rausgenommen, um Fotos zu machen. Mit einer normalen Digitalkamera hätte ich mich sowas nicht getraut.
Fast alle Fotos auf dem Film sind was geworden, ich bin wirklich zufrieden. Einige sind etwas überbelichtet, andere unscharf oder leicht verwackelt. Was will man erwarten bei der ganzen Schätzometrie bzgl. Entfernung und Beleuchtung. Auf dem unteren Foto sieht man am unteren Rand Fremdlichteinfall, das habe ich auf einigen der Fotos. Woher der kommt, weiß ich nicht genau, vielleicht ist der Balgen doch nicht ganz dicht und je nachdem, wie das Licht fällt...

Dennoch wirken insbesondere die Portraitfotos witziger und natürlicher als moderne Digitalbilder. Vielleicht, weil die abgebildeten Personen die alte Kamera nicht wirklich ernst genommen haben? Ich werde vermutlich doch noch mehr mit der Kamera fotografieren, hat irgendwie was...

2012-04-15

Happy Birthday Kodachrome

Am 15. April 1935, also heute vor 77 Jahren kam in den USA der erste kommerziell erhältliche moderne Farbfilm auf den Markt: der legendäre Kodachrome Diafilm. Gelegenheit genug, nochmal auf meine Serie über die Geschichte der Farbfotographie hinzuweisen, die ich letztes Jahr online gestellt habe:

Teil 1: Die Geschichte von Rudolf Fischer und seiner Farbfilm-Idee
Teil 2: Die Kodachrome Story
Teil 3: Agfacolor Neu
Teil 4: Ektachrome und Kodacolor

2011-09-20

Rollfilm 127


Der kleine Bruder des klassischen 6x6 Rollfilms (120er) heißt Rollfilm 127 und ist statt 6 cm nur 4 cm breit, vom Aufbau (Rückseitenpapier, Spule, etc.) aber fast identisch. Er wurde 1912 schon von Kodak für kleinere KniPPsen (wie die im Hintergrund abgebildete Brownie Starflex) auf den Markt gebracht und erlebte seine Blüte in den 1930er Jahren. Hier mal ein Größenvergleich:
The little brother of the classic # 120 roll film is roll film # 127, which instead of 6 cm (exactly 2.4" = 6.1 cm) is only 4 cm (exactly 4.6 cm) wide. However, the rest of the design (backing paper, coil, etc.) is almost identical. It was launched on the market already in 1912 by Kodak, intended for smaller cameras (like the   Brownie Starflex shown in the background). Usage reached its peak in the 1930s. Here is a size comparison: 


Mit dem Siegeszug des Kleinbildfilms 135 (24x36 mm auf 35 mm breitem Kinofilm) insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren gingen die Verkaufszahlen des 127ers immer mehr zurück, auch wenn er ähnlich kompakte Kameras erlaubte und dennoch (wegen der fehlenden Perforation und bei effektiven 38,1 x 38,1 mm) ein um 68% größeres Negativ (oder Diapositiv) erlaubte und damit einhergehend qualitativ hochwertigere Bilder. Leider gab es nur wenige hochwertige Kameras für diesen Film, wie z.B. die Baby-Rollei oder die Yashica 44, die daraus Kapital schlagen konnten. So wundert es nicht, dass Kodak 1995 die Produktion aufgab.
With the advent of the 135 film (24x36 mm on 35 mm wide film), especially in the 1950s and 1960s, the sales figures of the 127 shrank more and more, even it allowed similar compact cameras while having a 68% larger negative. Due to the lack of perforation and effective 38.1 x 38.1 mm2 area it permitted higher quality images. Unfortunately, there were only a few high-end cameras for this film format, such as the Baby Rollei or Yashica 44, which could make use of it. So it is no surprise that Kodak ceased production eventually in 1995.

Bei Fotoimpex kann man immer noch 127er Film kaufen, produziert von Fotokemika in Kroatien und verkauft unter der Efke-Marke. Meinen 127er hier, einen Kodacolor II Farbnegativfilm habe ich neulich auf einem Kameraflohmarkt gefunden. Er war zwar schon 1984 "abgelaufen", aber noch original verpackt, ist also noch unbelichtet. Der Agfacolor CN17 auf der 120er Spule, den ich vor einiger Zeit belichtet in einer Kamera gefunden habe, ist ca. 20 Jahre und eine Filmgeneration älter und damit trotz aller Ähnlichkeit ein schöner Kontrast, oder?
At Fotoimpex you can still buy 127 roll film, produced by Fotokemika in Croatia and sold under the brand Efke. My roll here is a Kodacolor II color negative film, which I recently found in a flea market camera. Although it  "expired" in 1984, it is still in its original carton, still unexposed. The Agfacolor CN17 I've found on a 120 spool partially exposed in an old camera, is about 20 years and a film generation older. Despite all similarity a nice contrast, right?

2011-08-31

Kodacolor II und der Prozess C-41


Diese Kleinbildpatrone fand ich in einer der Kameras, die ich für meine kleine Sammlung auf dem Flohmarkt erstanden habe. Der Film ist vermutlich vom Ende der 1970er Jahre, Kodak hatte den Kodacolor II als Nachfolger des Kodacolor-X 1972 (zunächst als 110er Patrone) auf den Markt gebracht und vermutlich bis Anfang der '80er Jahre in allen möglichen Formaten produziert. Ich habe keine Ahnung, welche Bilder noch auf dem Film zu finden sind, bzw. ob nicht schon vor mir Menschen die Kamera einfach geöffnet haben und der Film komplett verdorben ist. Ich werde jedenfalls nichts mehr in ihn investieren.
Wirklich interessant ist nicht der Film selbst, sondern die Tatsache, dass Kodak mit ihm den neuen Entwicklungsprozess C-41 eingeführt hat, den es bis heute gibt und der alle anderen Entwicklungsprozesse für Farbnegativfilme verdrängt hat. Es ist DER Standard-Prozess und es gibt bzw. gab ihn unter anderen Namen, aber mit identischen Spezifikationen auch von den anderen Fotofirmen (Fuji: CN-16, Konica: CNK-4, Agfa: AP-70, um nur die wichtigsten zu nennen).
Was aber ist und war an C-41 so besonders. Zunächst einmal ist es ein relativ simpler Prozess, der aus lediglich 4 (mit Wässern: 6) Stufen besteht: 1) Der Entwickler arbeitet wie bei Schwarz-Weiß und reduziert bevorzugt an den belichteten Stellen das Silberbromid zu fein verteiltem schwarzem Silber. Dies passiert in allen für die verschiedenen Grundfarben sensibilisierten Farbschichten. Der Entwickler (Bezeichnung CD-4, ein para-Phenylendiamin-Derivat) wird dabei oxidiert und das Oxidationsprodukt kuppelt an Ort und Stelle mit zunächst farblosen Farbkupplern: der eigentliche Farbstoff wird gebildet (siehe auch hier). In Schritt 2), dem Bleichbad wird das eben noch erzeugte Silber wieder ausgebleicht, sprich in eine farblose und lösliche Form gebracht, um dann in Schritt 3) dem Fixierbad, wie bei der Schwarzweißfotografie ganz aus dem Film entfernt zu werden. In den verschiedenen Farbschichten des Films bleiben dann an den jeweils belichteten Stellen die gebildeten Farbstoffe zurück und bilden ein negatives, komplementäres Farbbild. Der Schritt 4), ein Stabilisierbad entfern noch letzte Chemikalienreste, damit es haltbar wird.
Im Prinzip funktionierten Farbnegativprozesse auch schon vor dem C-41 so. C-41 allerdings hat den Prozess so standartisiert, dass er heute mit beliebigen Filmen in ein und der selben Weise abläuft, was die ökonomische Verwendung von Enwicklungsautomaten erst möglich gemacht hat. Außerdem war er schneller als frühere Prozesse. Die eigentliche Entwicklung läuft bei exakt 37.8°C genau 3 Minuten und 15 Sekunden, die weiteren Schritte sind toleranter gegenüber Temperatur und Zeitschwankungen und dauern zusammen auch nur ca. 20 Minuten. Genaueres erfährt man auch hier. Damit war es erstmals möglich innerhalb einer Stunde einen kompletten Film zu entwicklen, zu trocknen und maschinelle Abzüge zu ziehen.
Die erhöhte Prozesstemperatur brauchte eine verbesserte, höher schmelzende Emulsion und damit musste mit dem Prozess ein neuer Film her: Der Kodacolor II. Weitere Verbesserungen wie eine dünnere orange Maske, verbesserte Auflösung etc. wurden natürlich auch eingebaut und waren Voraussetzung für das neue kleine Neagtivformat 110 ("Pocketfilm"). Manche Leute haben behauptet, dass erst mit dem Kodacolor II Kodak einen Film auf dem Markt hatte, der bessere Bilder ergab als der Agfacolor. Agfa und die anderen zogen dann technologisch Ende der 70er Jahre nach und C-41 wurde schließlich Weltstandard. 

2011-05-18

Das erste Farbfoto...

...wurde heute vor 150 Jahren, am 17. Mai 1861 im Rahmen eines wissenschaftlichen Vortrags vor der Royal Institution vom Schotten James Clerk Maxwell gezeigt. Stielecht zeigt es ein Tartanband, ein Gewebe mit dem typischen Muster von Schottenröcken und ähnlichen schottischen Textilien. Man muss aber schon recht genau hinsehen, um das zu erkennen, denn Maxwells Foto gibt nicht die wirklichen Farben des Originals wieder, dazu reichte die Qualität der damals verwendeten Schwarz-Weiß-Materialien nicht aus. (Häh, Farbfoto auf S/W-Film? Erklärung: siehe unten...).
Maxwell ging es bei seinem Vortrag aber nicht um die Erfindung der Farbfotografie, sondern er wollte das Prinzip der additiven Farbmischung demonstrieren. Damals herrschte die Meinung, dass die drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb wären. Mit diesem Experiment wollte er beweisen, dass für die additive Mischung die Grundfarben Rot, Blau und Grün sind. Dazu beauftragte er Thomas Sutton, einen damals bekannten Fotografen und Erfinder, drei Fotos durch entsprechend farbige Filter aufzunehmen. Die entsprechenden Schwarz-Weißen Glasplatten wurden dann bei der Vorführung wieder durch die Filter deckungsgleich projiziert und lieferten entsprechend ein farbiges Bild.


Dummerweise waren die damaligen Schwarz-Weiß-Fotoemulsionen auf den Glasplatten hauptsächlich empfindlich für blaues Licht, etwas Grün wurde noch erkannt, aber die Platte, die durch den roten Filter aufgenommen wurde, zeigte fast überhaupt keine Zeichnung. Es gab damals noch keine panchromatische Sensibilisierung der Silberkristalle, die wurde erst Jahrzehnte später gefunden. Maxwells Farbdia war also weit entfernt von perfekter Farbwiedergabe. Er konnte aber mit seinem Experiment zeigen, wie es geht. Und tatsächlich: Auch heute noch verwenden die meisten Farbdisplays sein Prinzip. Ich erinnere mich noch gut an die ersten (riesigen) Videobeamer in den 1980er Jahren, die mit drei großen Projektionsobjektiven rote, grüne und blaue Bilder deckungsgleich auf die Leinwand warfen. Maxwell wird eigentlich nicht direkt zu den Fotopionieren gezählt, da stand er drüber. Er war einer der bedeutensten Physiker und Mathematiker des 19. Jahrhunderts und hat Grundlagen gelegt, auf denen Einstein, Planck und Co. die moderne Physik bauen konnten.

2011-04-04

Kodacolor and Ektachrome

Was bisher geschah: Rudolf Fischer hatte 1912 den modernen "chromogenen" Farbfilm erfunden, konnte aber das Wandern der Farbkuppler zwischen den verschiedenen Gelatineschichten nicht verhindern und damit seine brilliante Idee technisch nicht umsetzen. Über 20 Jahre später gelingt es (unabhängig voneinander) den Firmen Agfa und Kodak über verschiedene Wege das Problem zu lösen. Als erste bringt 1935 Kodak den Kodachrome-Diafilm auf den Markt, sie bringen die Farbkuppler erst während eines sehr komplizierten Entwicklungsprozesses in die Filmschichten.
 
The story so far: In 1912 Rudolf Fischer invented the modern "chromogenic" color film<. However, he could not prevent the crucial color couplers to migrate between the different gelatin layers. Therfore he had no technical solution for his otherwise so brilliant idea. It took about 20 years unless the two companies Agfa and Kodak independently overcame the issue using different chemistry and processes. In 1935 Kodak was first on the market with the Kodachrome reversal film. The color couplers were introduced into the film layers in a very complicated multistep process during film development.

Die Agfa-Forscher kommen mit ihrer Lösung der sog. "diffusionsechten Kuppler" Fischers ursprünglicher Idee deutlich näher und bringen 1936 den Agfacolor-Neu Film auf den Markt. In den folgenden Jahren (und sogar Jahrzehnten) liefern sich beide Firmen einen technologischen Wettlauf, der immer weitere Verbesserungen bringt. Am Ende (ca. 50 Jahre später) gewinnt Kodak das Rennen. Die technische Grundlage für den Sieg ist das 1940 eingeführte Verfahren der "ölgeschützten Kuppler", welches die Basis für Kodaks Kodacolor und Ektachrome Filme ist und heute die einzige (analoge) Farbfilmtechnik, die noch verwendet wird. 
The Agfa researchers actually came closer to Fischer's basic idea and solved the issue with so-called "diffusion resistant couplers" and designed a pretty simple process. In 1936 the "Agfacolor Neu" film was launched on the market. During the following years (and even decades) the two  companies gave each other a technological race, which always brought further improvements. Eventually, and about 50 years later Kodak won the race when Agfa and other companies switched to Kodak's chemistry and labs would only take this type of film. Key for this victory was a new method adopted in 1940 using "oil protected couplers".  It was the basis for Kodak's Kodacolor (negative) and Ektachrome (reversal) films and is actually the only (analog) color film technology still in use. 
Auslöser für die Entwicklung des neuen Verfahrens war mal wieder der Krieg. Während Hittler-Deutschland mit dem Agfacolor-Neu einen Farbfim besaß, welcher relativ einfach auch an der Front von den Fotografen selbst verarbeitet werden konnte, so war das konkurrierende Kodachrome-Entwicklungsverfahren so kompliziert, dass nur wenige Kodak-Fachlabore es beherrschten. Die Amerikaner beauftragen Kodak daher einen neuen Film besonders für die Luftaufklärung zu entwickeln, der auch im Feld entwicklet werden kann. Ab 1940 war der Kodacolor Aero Reversal Film (ein Diafilm!) einsatzbereit und basierte auf einer Idee des englischen Chemikers Michele Martinez, der seine 1937 eingereichte Patentanmeldung US2284877 auf Kodak überträgt. Die Kodak-Forscher Edwin E. Jelley und Paul W. Vittum verfeinern das Verfahren weiter (US2322027) und es bildet so die Grundlage für  die Kodacolor Negativfilme und Fotopapiere (ab 1942) und später Kodaks Ektachrome-Serie (Diafilme, ab 1946). 
Again, catalyst for the development of the new method was the war. With the Agfacolor technology Hittler-Germany had a color material relatively easy to process, a big advantage at the front where the soldiers could process their images by themselves. The competing Kodachrome, although higher in resolution, had to be processed at some few specialist Kodak laboratories. Therefore the American army entrusted Kodak with the development of a new film material especially for aerial reconnaissance. Top priority was the ability of easy in-the-field processing. Beginning in 1940, the Kodacolor Aero Reversal film was available for the desired purpose. The technology was based on an idea by the English chemist Michele Martinez. Kodak aquired his 1937 patent application US 2,284,877. The Kodak researchers Edwin E. Jelley and Paul W. Vittum refined the process further (US 2,322,027). Based on this technology Kodak launched negative films and photographic papers ("Kodacolor", from 1942) and later Kodak the Ektachrome series (reversal film, from 1946).
Die Idee hinter dem neuen Verfahren ist brilliant. Wie beim Agfacolor-Verfahren sitzen entsprechende (farblose) Farbkuppler, die mit dem Oxidationsprodukt des Entwicklers zusammen den Farbstoff bilden in den (mindestens) drei farbempfindlichen Schichten des Films. Die Grundchemie der Kuppler ist bei Kodak und Agfa dieselbe. Agfas Kuppler müssen aber zusätzlich  a) lange Alkylschwänze besitzen, die sie diffusionsfest machen; und b) Sulfon- oder Carboxylgruppen enthalten, die die Wasserlöslichkeit sicherstellen. Beim Kodakverfahren werden die Kuppler in ölige Harze eingebettet, die als Tröfchen in der Gelatineschicht fein verteilt werden. Die Kuppler selbst müssen also eine Löslichkeit in den organischen Ölen besitzen und werden damit vor der Diffusion beim wässrigen Entwicklungsprozess geschützt. Die Entwicklerlösung enthält dafür einen Lösungsvermittler (z.B. Benzylalkohol), der den oxidierten Entwickler in die Tröfchen zum Kuppler transportiert.
The idea behind the new method is brilliant. Like in the Agfacolor technology the specific (colorless) color couplers are a constituent of the respective three color-sensitive gelatin layers. They react with the oxidation product of the developer to form the final dye. The basic chemistry of the couplers are the same with Kodak and Agfa. However, the Agfa couplers need to carry a) long aliphatic tails that make them resistant to diffusion, and contain b) sulfonic or carboxylic groups to ensure water solubility. Kodak's chemistry is much simpler: The couplers are embedded in oily resins dispersed as small droplets within the gelatin layer. The couplers themselves have to have a solubility in organic oils and are thus protected from the diffusion into the aqueous environment of the development process. In contrast, the developer solution contains a solubilizer (eg. benzyl alcohol), to wrangle the oxidized developer in the oil droplets to react with the couplers.
Anfangs war das Agfacolor-Verfahren dem Kodakverfahren überlegen, da die Öl-Tröpfchengröße die Farbkörnigkeit des Films bestimmt. Kodacolor gab es daher zunächst als Rollfilm, da Vergrößerungen vom Kleinbildfilm häßlich ausgesehen hätten. Aber Kodak schaffte es schrittweise Empfindlichkeit und Feinkörnigkeit immer weiter zu steigern, so dass man am Ende sogar das kleine Negativformat der Disk-Kameras anbieten konnte. Als die Bildqualität passte, traten die wirtschaftlichen Vorteile des Kodakverfahrens zu Tage. Die Kuppler sind vermutlich chemisch einfacher und damit billigier zugänglich, außerdem laufen Kodaks Entwicklungsprozesse C-41 (Negativ) und E-6 (Diafilme) bei 38°C ab, und waren damit deutlich schneller (und damit preiswerter) als die Agfachemie. Agfa stellte ab 1978 schrittweise auf das Kodakverfahren um (wie auch fast alle anderen Filmhersteller zu der Zeit) und damit war das Wettrennen entschieden.
Hier zum Abschluss das wohl berühmteste Foto auf einem Ektachrome-Film: "Earthrise" aufgenommen am 24.12.1968 an Bord von Apollo 8 von William A. Anders, Hasselblad 500C, Carl Zeiss Objektiv 250 mm, Blende 11.
Initially the Agfacolor method was superior to the Kodak method, since the oil droplet size determines the color granularity ("grain") of the film. Kodak learned over the years how to create and stabilize smaller and smaller droplets. Initially, Kodacolor was only offered as roll film as enlargements from 135 film would have looked ugly. However, gradually increasing speed and fine grain Kodak could eventually offer even the tiny negative size of the disc cameras. When the image quality fit, the economic benefits of Kodak's technology came to light. The couplers are chemically simpler and therefore less expensive to make. In addition, Kodak's development processes C-41 (negative) and E-6 (reversal film) are performed at 38°C, significantly faster (and cheaper) than the Agfa chemistry. Beginning in 1978, Agfa gradually introduced new film generations using the Kodak process (as well as almost any other film producer at the time did). The race was over...

Finally, here is probably the most famous photograph on an Ektachrome film: "Earthrise" taken on Christmas Eve, 1968 aboard Apollo 8 by William A. Anders, Hasselblad 500C, Carl Zeiss lens 250 mm, f/11.


Für Interessierte zum Weiterlesen (zusätzlich zu den Links in den früheren Posts): Die Ausgabe des Magazin Life vom 12. Juni 1944 mit dem Artikel über den Kodacolor Aero (S.53) und einer ganzseitigen Anzeige der Firma Ansco (S.10), die das Agfa-Verfahren verwendete; Michael Talbert's Photomemorabilia; Ein schönes Vorlesungsskript der Uni Basel; David Rogers' "The Chemistry of Photography", RCS Publishing 2007. Ronald D. Theys and George Sosnovsky, Chem. Rev. 1997, 97, 83-132.
For further reading (in addition to the links in the previous posts): An issue of Life magazine, June 12th, 1944 with the article about the Kodacolor Aero (p.53) and a full-page advertisement of the company Ansco (p.10), which used the Agfa process; Michael Talbert's Photomemorabilia; David Rogers' "The Chemistry of Photography" , RCS Publishing 2007. Ronald D. Theys and George Sosnovsky, Chem Rev. 1997, 97, 83-132.


Die anderen Teile dieser kleinen Geschichts-Serie...
Other parts of this little history series... 
1) Invention of the modern multilayer color film - 100 Jahre moderner Farbfilm
2) Kodachrome
3) Agfacolor Neu
4) Ektachrome and Kodacolor

2011-03-22

Agfacolor Neu

Das sind Gustav Wilmanns und Wilhelm Schneider, beides Chemiker im Dienste der I.G. Farben, die damals alle Foto-Aktivitäten unter dem Dach ihrer Abteilung Agfa gebündelt hatte. Wilmanns war seit 1922 Leiter der Fabrikationsabteilung Foto im Werk Wolfen (Kreis Bitterfeld) und seit 1928 auch für das wissenschaftliche Zentrallabor der Agfa dort zuständig und damit auch Schneiders Chef. Wilhelm Schneider arbeitete dort seit 1929 an der Weiterentwicklung von Schwarzweißfilmen, insbesondere an Lichthofschutzschichten. Er entdeckte 1932, dass Farbstoffe unauswaschbar in Gelatineschichten eingebracht werden können, wenn sie chemische Gruppen haben, die aus der Baumwollfärberei bekannt waren. Damit hatte er ansatzweise ein 20 Jahre altes Problem gelöst, welches die technische Umsetzung von Rudolf Fischers Erfindung des chromogenen Mehrschichten-Farbfilms bis dahin verhinderte.
These are Gustav Wilmanns and Wilhelm Schneider, both chemists working for IG Farben, which had then pooled all their photo activities under the umbrella of its department Agfa. Since 1922 Wilmanns was head of the manufacturing department at the photo site ("Filmfabrik") Wolfen (district Bitterfeld, Germany) and since 1928 in addition responsible for the central scientific laboratory of  Agfa and Schneider's boss. Since 1929 Wilhelm Schneider's main task was the development of black and white films, especially he worked on anti-halation backings. In 1932 he discovered  that specific dyes mixed into gelatin layers can't be washed out if they carry chemical groups that were known from cotton dyeing. With that he almost solved a 20 year old problem, which prevented the technical implementation of Rudolf Fischer's invention of the chromogenic multilayer color film
Wilmanns und Schneider meldeten ihre Idee am 11. April 1935 zum Patent an (DRP 746135) und wurden  nur wenig später vom Kodachromefilm überrascht, der am 15. April in Amerika auf den Markt kam, das Problem der unerwünschten Farbstoffdiffusion aber anders löste. Dennoch kam es in der folgenden Jahren zu einem Wettrennen zwischen dem Wolfener Team, welches auf über 50 Mitarbeiter erweitert wurde und dem in Rochester (vermutlich ähnlich groß). Auch gegen das Patent legte Kodak Einspruch ein, der mit einem Vergleich beendet wurde und zur Folge hatte, dass es  erst am 23.12.1943 erteilt wurde. Ein zweites Patent (DRP 725872 vom 8. August 1935) beschreibt eine nochmals verbesserte Verhinderung der Diffusion und legte die Grundlage für den "Agfacolor-neu" Film. 
Abbildung aus "Filmherstellung", Broschüre der VEB Filmfabrik Wolfen (ORWO), DDR 1981
On April 11th, 1935 Wilmanns and Schneider filed for a patent (DRP 746 135).  Only a few days later they were overtaken by the Kodachrome film, which was launched on the market in the US on April 15th. However, it solved the problem of unwanted dye diffusion quite differently. It's easy to imagine that this was the starting point of a scientific and commercial race between the Wolfen team and the group in Rochester. For the following years Willmann's group grew to over 50 employees and probably the Rochester had a similar size. The battle was even fought on the legal field. Kodak laid an objection against the Agfa patent that ended with a settlement and had the consequence that it was granted not before December 23rd, 1943. A second patent ( DRP 725872 dated August 8, 1935 ) describes a further improvement in preventing the diffusion and laid the foundation for the "Agfacolor Neu" film. 
Figure from "film production", brochure of VEB Filmfabrik Wolfen (ORWO), GDR 1981

Agfa realisierte mit den diffusionsfesten Farbkupplern als erste Firma Rudolf Fischers Idee, mit nur einem Farbentwickler in allen drei Farbschichten gleichzeitig die benötigten Farbstoffe zu bilden. Daraus resultiere ein relativ einfaches Entwicklungsverfahren, welches mit lediglich 5 Schritten zu einem Diafilm gelangt im Gegensatz zum Kodachrome mit seinen 27 Prozessstufen. Die Diffusionsfestigkeit resultierte aus den langen Alkyl-Seitenketten, die die Farbkuppler tragen. Schneider und seine Kollegen erklärten den Effekt damals mit dem Verhaken der langen Ketten mit den Polymerstrukturen der Gelatine. Heute weiß man aber, dass die Farbkuppler durch die langen Schwänze Mizellen bilden, die allein durch ihre Größe  eine verminderte Diffusionsgeschwindigkeit besitzen. Nun ja, hauptsache es funktionierte. 
Im Frühjahr 1936, also vor nun 75 Jahren wurden die ersten erfolgreichen Betriebsversuche unternommen, einige Fotografen verwendeten den neuen Film testweise bei den Olympischen Spielen im August in Berlin, auch wenn die Empfindlichkeit von nur ca. 7/10°DIN (heute: 5 ISO) keine Bilder von sich bewegenden Sportlern erlaubte. Im November 1936 kamen die ersten Kleinbildpatronen auf den Markt (für 3,60 RM, also 10 Pfennig pro Aufnahme). In den nächsten Jahren wurden (wie auch bei Kodak) Verfahren und Rezeptur noch weiter optimiert. So gelang 1938 durch den Zusatz von etwa 10µg Goldrhodanid (AuSCN) pro Film die Empfindlichkeit auf nun 15/10°DIN (25 ISO) zu steigern. 
Das Agfacolor-Verfahren wurde natürlich technisch noch weiterentwickelt und angeblich von 278 Patenten geschützt. Mit dem Ende des 2. Weltkriegs 1945 wurden die Agfacolor Rezepte veröffentlicht und das Verfahren auch für andere Hersteller freigegeben. Viele Firmen wie Adox, Ferrania, Fuji, Gevaert, Konica, Tellko, Valca produzierten danach. Hier kann man einige der erhältlichen Filmschachteln bewundern. Kodak benutzte das Agfacolor-Verfahren nie, denn sie hatten schon 1937 eine weitere technische Lösung gefunden, das Diffusionsproblem mit den Farbkupplern zu vermeiden und 1941 einen entsprechenden Film dem amerikanischen Militär zur Verfügung gestellt. Doch dazu demnächst hier mehr...


With this new color-couplers Agfa realized more or less exactly what Rudolf Fischer had in mind: Just one color developer was used for all three color layers at the same time to generate the desired dyes. This results of course in a  relatively simple film processing, which comprises only 5 steps to generate a positive image (reversal film), in contrast to the Kodachrome process with 27 steps. The diffusion resistance was due to the long alkyl side chains attached to the color couplers. Schneider and his colleagues at the time explained the effect with the entanglement of the long chains with the polymer structures of the gelatin. Today it is known, however, that the color coupler by their long tails form micelles, which by their mere size have a reduced diffusion rate. Well, as long as it works... 
During spring of 1936 the first successful pilot plant trials have been made. Some photographers used the new material on a trial basis at the Olympic Games in Berlin in August, although the sensitivity of only about 7/10 °DIN (today: 5 ISO ) didn't allow images of moving athletes. In November 1936, the first 135 cartridges were launched on the market (for RM 3.60, which is 10 Pfennig per shot). In the coming years, as did Kodak Agfa optimized method and recipes even further. E.g. in 1938 it was possible to increase the sensitivity to 15/10 °DIN (today: 25 ISO) by the addition of about 10 μg Gold Rhodanide (AuSCN) per film.

The Agfacolor process of course has been continuously improved over time and supposedly was protected by 278 patents. With the end of WWII in 1945 the Agfacolor methods and recipes were declared public domain. Many companies such as Adox, Ferrania, Fuji , Gevaert , Konica , Tellko, and Valca adopted the procedures. Here you can see some of the available film boxes. Kodak never used the Agfacolor method, as in 1937 they found another technical solution to avoid the diffusion problem with the color couplers. A corresponding film has been provided to the U.S. military in 1941. However, this is the topic of part no. 4 of this series, coming soon.


Die anderen Teile dieser kleinen Geschichts-Serie...
Other parts of this little history series... 
1) Invention of the modern multilayer color film - 100 Jahre moderner Farbfilm
2) Kodachrome 
3) Agfacolor Neu
4) Ektachrome and Kodacolor

2011-02-27

The Kodachrome Story

 
Die beiden befreundeten Berufsmusiker Leopold Godowsky (mit der Geige) und Leopold Mannes experimentierten als begeisterte Hobbyfotografen mit allerlei Fotochemie und stießen  nach 1922 auf die Patente von Rudolf Fischer, der die chromogene Farbfotografie  und damit das Prinzip des modernen Farbfilms schon 1911 erfunden hatte. Leider konnte dieser das Problem der unerwünschten Diffusion der Farbkuppler zwischen den verschiedenen Gelatineschichten nicht lösen. 
Godowsky und Mannes machten sich zunächst selbstständig an die Arbeit wurden 1930 schließlich von Kenneth Mees, dem Forschungsdirektor von Eastman Kodak nach Rochester, NY gelockt, wo ihnen ein großes Labor und eine Schar von Mitarbeitern zur Verfügung standen, um das fertig zu entwickeln, was wir als Kodachrome kennengelernt haben.
"Man and God" (der Mensch und Gott), wie die beiden scherzhaft genannt wurden, überwanden das Farbkuppler-Diffusionsproblem durch den sogenannten "kontrollierten Diffusions-Bleichprozess", eine aufwändige 27-stufige Entwicklungs-Prozedur. Das dazugehörige Patent US 2,113,329 wurde am 27. Februar 1935 angemeldet, also heute vor 76 Jahren. Auch in Europa wurden entsprechende Patente angemeldet, in Deutschland u.a. DRP 723388 und DRP 631324. Der erste Film (ein 16 mm Schmalfilm) kam am 15. April 1935 auf den Markt und war damit der erste kommerzielle, moderne Mehrschichten-Farbfilm.
Leopold Godowsky (with the violin) and Leopold Mannes, two friends and both professional musicians were also enthusiastic hobby photographers. In 1922 they experimented with some photo chemistry and discovered the patents of Rudolf Fischer, who invented the the so-called chromogenic color photography and with that the principle of the modern color film already in 1911. Unfortunately, Fischer was not able to overcome the problem of undesired diffusion of the color couplers between the different gelatin layers.
At first Godowsky and Mannes started their own research lab. Eventually, in 1930 they were hired by Kenneth Mees, research director of Eastman Kodak in Rochester, NY. At Kodak's headquarters they headed a big new lab with a bunch of technicians to help them. Finally, the group developed what we got to know as Kodachrome.
"Man and God" how the two used to be named solved the problem by the so-called controlled diffusion bleach process, a complicated 27 steps comprising film development procedure. The appendant patent US 2,113,329 was filed on February 27, 1935. Kodak also filed for patents in Europe, e.g. the German applications DRP 723388 and DRP 631324. The first film (in form of a 16 mm movie film) was launched on the market on April 15, 1935 and with this date Kodak won the race for the first commercially available modern multilayer color film.

Etwas vereinfacht steht in den Patenten folgendes: Der Kodachrome ist im Grunde ein reiner Schwarz-Weiß-Film mit u.a. drei für die jeweiligen Farben Blau, Grün und Rot sensibilisiere Emulsionsschichten. Zunächst gibt es eine S/W-Umkehrentwicklung (Kodachrome ist ein Dia-Film) für alle drei Schichten gleichzeitig. Nach Entfernung des ursprünglichen S/W-Negativ-Silbers wird nun stufenweise mit der Farbentwicklung begonnen. Die einzelnen (und unterschiedlichen Farbentwickler) enthalten neben der Entwicklersubstanz auch den entsprechenden Farbkuppler. An den Stellen, wo nun das positive Silberbild ist kommt es zur Reaktion zwischen beiden und der unlösliche Farbstoff entsteht. Man beginnt mit dem Cyanfarbstoff (rotempfindliche, unterste Schicht) und muss dann anschließend aus den beiden anderen Schichten darüber diesen wieder ausbleichen. Dieser Schritt ist die sogenannte diffusionskontrollierte Bleiche, der entscheidende Schritt. Mit den beiden darüberliegenden Schichten verfährt man genauso, d.h. zunächst den Magentafarbstoff in der mittleren Schicht erzeugen und in der obersten wieder ausbleichen und am Schluss Yellow für die oberste Lage. Am Ende wird alles Silber aus dem Film rausgelöst, alle überflüssigen Chemikalien entfernt und es bleibt ein farbiges Diapositiv über.
What is described in the patents (somehow simplified): The Kodachrome essentially is a pure black and white film comprising three photographic emulsion layers, which are sensitized for the respective colors red, green and blue.
First, there is a black and white reversal processing (Kodachrome was a reversal film) for all three layers. After removal of the B&W negative silver the color processing is done step-by-step, layer by layer. The respective color couplers are contained in the individual and different color developer solutions, but in their reduced form they do not react with each other. Only at the positions of the positive silver image a chemical reaction is triggered between the two, and the insoluble dye is formed. The process starts with the cyan dye (red-sensitive, bottom layer) and subsequently this has to be bleached from the other two layers on top again. This step is the so-called diffusion-bleaching, the crucial step. With the two top layers, the procedure is exactly the same: first generate the magenta dye in the middle layer and bleach it from the top layer and at the end again create yellow in the uppermost layer. At the end, all the silver is removed and all unnecessary chemicals are washed out. Voila: there is a color slide.
Kodachrome photo by Chalmers Butterfield of Shaftesbury Avenue from
Piccadilly Circus, in the West End of London, c. 1949 (source: Wikimedia)
Das Verfahren war so kompliziert, dass kein Fotograf oder gar Fotoamateur seinen Kodachrome selbst entwickeln konnte. Kodak hat das übernommen, bzw. in den USA nach einem Kartellstreit auch anderen Fachlaboren überlassen (müssen). Auch wurde die Prozedur schon 1938 "vereinfacht": Die diffusionskontrollierte Bleiche wurde durch die selektiven Nachbelichtungen und eine sog. schleiernde Entwicklung ersetzt.  Somit sind heute waren bis vor kurzem nur noch 16 Schritte erforderlich, die ein geübtes Fachlabor in 30 Minuten absolviert hat. Nach wie vor aber waren die Farbkuppler nicht im Film selbst enthalten, sondern kamen aus der Entwickler-Lösung. Dies machte den Kodachrome-Film nicht nur zum schärfsten, hochauflösendsten, sondern auch gleichzeitig zum langlebigsten Farbfilm für über 50 Jahre!
The procedure was so complicated that neither professional nor amateur photographers could process their Kodachrome by themselves. Initially Kodak offered this service exclusively, but after an antitrust case in the US they had to offer the processing chemicals also to independent labs. Also, the procedure has been "simplified" in 1938: The diffusion-controlled bleaching was replaced by  selective re-exposure and a so-called fogging development. Thus, today until recently, only 16 steps were required to be completed by a trained specialized lab in about 30 minutes. As before, however, the color couplers were not contained in the film itself, but were included in the developer solution. This made the Kodachrome film not only the sharpest, the highest resolution, but at the same time the most durable color film for over 50 years!
Der Kodachrome 64 (und später der Kodachrome 200) war auch mein Lieblings-Diafilm, auch wenn ich ihn mir nicht immer leisten konnte und daher auf preiswertere E6-Alternativen umgestiegen bin. Insbesondere für Urlaubsreisen hatte er einen Vorteil: In der Packung war immer ein Rücksendeumschlag zum Kodak-Labor (in Deutschland: Stuttgart), so dass man die im Urlaub schon weggeschickten Filme bei der Rückkehr zuhause fertig entwickelt im Briefkasten fand. 
Aber es kam, wie es kommen musste. Mitte der 90er sind andere Filme qualitativ endlich konkurrenzfähig und die Digitalfotografie versetzte Kodachrome endgültig den Todesstoß. Kodak hat am 22. Juni 2009 mitgeteilt auch den letzten verbliebenen Filmtyp (den 64er) nicht mehr zu produzieren, am 30.12.2010 wurde der letzte Film entwickelt. Aber zum Trost: Er wird vermutlich der einzige Film bleiben, der in einem populären Popsong besungen wurde:
The Kodachrome 64 (and later Kodachrome 200) was my favorite slide film, even if I could not afford it all the time and sometimes switched to cheaper E6 alternatives. Especially for holiday trips, Kodachrome had an advantage: In the pack was always a return envelope to the Kodak lab (in Germany: Stuttgart). If you mailed the exposed films during the trip, you would already find the slides in the mailbox when returning home. 
But eventually the inevitable happened. During the 1990ies other films in terms of quality became competitive and later the digital photo revolution sounds the death knell for Kodachrome. On June 22nd, 2009 Kodak announced to discontinue production of the last remaining film type (the 64), on December 30th, 2010 the last film was processed. But as some consolation, Kodachrome will probably remain the only film a popular pop song was dedicated to:



Die anderen Teile dieser kleinen Geschichts-Serie...
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1) Invention of the modern multilayer color film - 100 Jahre moderner Farbfilm
2) Kodachrome
3) Agfacolor Neu
4) Ektachrome and Kodacolor