2011-08-06

Advanced Photo System (APS Film)

 
Das Advanced Photo System (APS) kann man wohl als einen der größten Flops der Fotogeschichte bezeichen. Es war ein wohl gut gemeinter (in wessen Sinne wohl?) Versuch, ein modernes Fotosystem rund um eine neue Filmspezifikation zu etablieren und dabei einige Schwächen, die die gute alte Tante 135 alias Kleinbildfilm unbestritten hat, über Bord zu werfen. Immerhin haben sich die Großen der Branche (Kodak, Fuji, Agfa, Nikon, Minolta, Canon, etc.) zusammengerauft und 1996 ein gemeinsames System auf den Markt gebracht, nicht jeder 'was eigenes. Vermutlich hat aber gerade dieses gemeinsame Vorgehen wertvolle Zeit gekostet. Wäre APS ein paar Jahre früher auf den Markt gekommen, dann wäre es nicht so schnell von der digitalen Fotorevolution hinweggewischt worden.
Man hat aber wohl auch ein bißchen am Verbraucher vorbei gedacht und sich zu sehr auf die eigenen Vorteile konzentriert. So wurden systembedingte Kostenvorteile (z.B. der um ca. 70% geringere Materialbedarf pro Bild, oder Kosteneinsparungen durch die Prozessautomation bei der Entwicklung) in die eigene Tasche gesteckt, der Endkunde hat pro Bild eher noch etwas mehr gezahlt bei etwas geringerer Bildqualität.
Einiges an APS war gut gedacht, aber am Ende nicht konsequent an den Bedürfnissen der Fotografen ausgerichtet:
a) Weglassen der Perforation. Dieses Relikt vom Cinefilm war eigentlich auch schon beim Kleinbildfilm unsinnig. Rollfilm kommt schon immer ohne aus und man verschenkt unnötig Material. Durchs Weglassen kann man den Film und letztendlich auch die Kameras kompakter und leichter machen. Warum man dann aber das Format des Bildes fast halbiert (genau 56%) hat ist nicht ganz einzusehen.
b) Wegen des kleineren Bildes mussten bessere Emulsionen her und diese wurden auch entwickelt und angeboten. Ob sie wirklich den Performanceverlust des kleineren Bildes ausgleichen konnten, bleibt dahingestellt. Jedenfalls haben die Filmhersteller die verbesserten Emulsionen dann auch für's Kleinbild angeboten und damit den alten Qualitätsunterschied zu gunsten des KB wieder hergestellt.
c) Die drei Formate 30.2x16.7mm (sog. HD, 16:9), 23.4x16.7nmm (Classic, 3:2) und 30.2x9.5 mm (Panorama, 3:1) waren ein nettes Gimmik und wurden damals schwer beworben. Dass diese nur durch "Cropping" realisiert wurden und damit mit einem Auflösungsverlust einhergehen wurde geflissentlich verschwiegen. Der ambitionierte Amateur lässt sich aber kaum täuschen und hat u.a. auch deshalb die Finger von APS gelassen.
d) Das technische Design der Dose und die damit verbundenen Features sind recht gut gelungen. Automatische Filmeinfädelung, Austausch teilbelichteter Filme, Verbleib der Negative in der staubsicheren Kasette, u.a. sind alles Dinge, die tatsächliche Fans des APS hervorheben.
e) Die Speicherung von Daten aus der Kamera auf einem Magnetstreifen des Films zur Kommunikation mit dem Labor. Gut gedacht, das volle Potential wurde aber meist kaum ausgeschöpft.

In Summe sind es aber alles Vorteile, die hauptsächlich für Fotolaien gemacht sind. Amateure und auch Profis brauchen das meiste davon nicht. Das Format APS-C hat zumindestens als Bezeichnung den Sprung ins digitale Fotozeitalter geschafft. Sony hat diese Bezeichnung für Sensoren eingeführt, die fast so groß wie das alte APS-C sind, Nikon nennt ein entsprechendes Format DX.
Ich persönlich habe nie mit diesem Film fotografiert. Mein Exemplar hier habe ich von einer Freundin der Famile bekommen, die im gemeinsamen Urlaub mal einen ganzen Satz von Fotos von uns gemacht hat und uns den Film für eigene Abzüge überlassen hat.  

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