2011-08-17

Argus C3

Darf ich vorstellen: Das ist die Argus C3, genannt "The Brick" (der Ziegelstein), meine neuste Erwerbung und gleichzeitig nun die älteste Kamera (Baujahr 1942) in meiner Sammlung. Ich fand sie letzten Sonntag auf der Second Sunday Camera Show in Wayne (NJ). In Deutschland ist sie eher unbekannt, mir war jedenfalls der Name Argus vor meinem Umzug in die USA noch nie untergekommen. Hier in den Staaten war Argus aber ein Begriff unter Hobbyfotografen und das hat vornehmlich mit diesem Modell C3 zu tun. Zumindest aus amerikanischer Sicht muss man die C3 zu den Meilensteinen in der Kamerageschichte zählen. Gebaut mit nur geringfügigen Modifikationen zwischen 1938 und 1966 war sie für fast 3 Jahrzehnte mit insgesamt ca. 2 Millionen Exemplaren die meistverkaufte Kleinbildkamera, quasi das Ford T-Modell der Kleinbildkamerageschichte.
May I introduce you? This is Argus C3, called "The Brick". I found her last Sunday at the Second Sunday Camera Show in Wayne (NJ). In Germany or generally outside the US it is rather unknown, I only came across the name Argus after my move to the United States. However, during its time Argus wasa name for many American amateur photographers and this was mainly because of this specific model C3. Out of the American perspective you have to call the C3 a landmark in camera history. Built with only minor modifications from 1938 for nearly 3 decades to 1966, with a total of about 2 million copies it was the best-selling compact cameras, virtually the Model T in still camera history.
Das Ding ist ohne Zweifel eine der häßlichsten und unpraktischsten Kameras, die es gibt. Dennoch hat sie einige Features, die man in ihrer Generation sonst nur bei Leica und Co. vermuten würde.  In dieser Kombination ist sie ziemlich einzigartig und macht sie deshalb wieder interessant.  Es ist a) eine Messsucherkamera mit gekoppeltem Entfernungsmesser (wie bei den ersten Leicas getrennt vom eigentlichen Sucher). b) Es gab Wechselobjektive, auch wenn der Austausch alles andere als einfach ist und man fast dafür in die Werkstatt muss. Angeboten wurden nebem dem 3.5/50 mm Cintar ein Weitwinkel (Sandmar 4.5/35mm) und ein Tele (4.5/100 mm Tele-Sandmar), sowie ein paar Fremdobjektive. Der Rest ist einfach maximal unhandlich und umständlich. Der Verschluss wird mit dem kleinen silbernen Hebel rechts vom Objektiv (wenn man die Kamera fotografierbereit vor sich hält) aufgezogen (ja, separat vom Filmtransport und es gibt auch keine Doppelbelichtungssperre), die Verschlusszeit wird an dem Rad in der linken oberen Ecke der Frontseite eingestellt (maximal anti-ergonomisch, wie sonst fast alles andere auch).
The thing is without a doubt one of the ugliest and unhandy cameras out there. Nevertheless, it has some features that in its generation usually only came with names like Leica. In this combination, it is quite unique and therefore makes it even more interesting. A) It is a rangefinder camera with a coupled rangefinder (seperated from the actual viewfinder as in the first Leicas). b) There are interchangeable lenses, even the exchange is anything but easy and you  almost have to go to the workshop for it. Offered beside the 3.5/50 mm Cintar werea wide-angle (Sandmar 4.5/35 mm) and a telephoto lens (4.5/100 mm Sandmar),as well as a few foreign lenses. The rest is simply to a maximum unwieldy and cumbersome. You cock the shutter with the little lever on the right of the lens (yes, this is separate from the film advance and there is no double exposure lock), the shutter speed is set with the wheel in the upper left corner of the front (maximum anti-ergonomic, like almost everything else). 
Der Filmtransport ist auch witzig. Zunächst muss man den kleinen Hebel neben dem Bildzählwerk ein wenig zur Seite schieben, damit entriegelt man die Rädchen, die in die Perforation greifen. Mit der anderen Hand dann gleichzeitig den Drehknopf links in Pfeilrichtung drehen und damit den Film transportieren, den Hebel dann aber wieder loslassen, damit die Verriegelung wieder beim nächsten Bild greift und man nicht zu weit spult. Es heißt, dass dieser Mechanismus immer etwas zu weit vorspult, sodass man auf einen 24er Film vielleicht 22 Aufnahmen bekommt. Film zurückspulen geht genauso, allerdings mit dem Drehknopf auf der Unterseite der Kamera in die entgegengesetzte Richtung (Helbchen nicht vergessen gedrückt zu halten!).
Advancing the film is also funny. At first you have to push the small lever next to the exposure counter a little to the side to unlock the cog gripping into the perforation. Then, with the other hand at the same time turn the knob on the left in direction of an arrow and with that wind the film. But don't forget to release the lever before you are finished, so that the mechanism locks in again at the next picture and the film does not move too far. It is said that this mechanism always goes a little too far, so you might get only  22 shots on a 24 film. Rewinding works accordingly but with the knob on the bottom of the camera in the opposite direction (don't forget to keep the lever on the top pushed!).
 

 

 

Anhand der Seriennummer (0374471) unterhalb des Filmfensterchens im Inneren der Kamera und verschiedenen Merkmalen (z.B. dem Weston Film Speed Merk-Rädchen auf der Rückwand), sowie der Zusammenstellung der Argus Collectors Group kann man meine Kamera auf das Jahr 1942 datieren. Der kleine Aufkleber im Inneren verweist übrigens auf das Design-Patent zur Kamera (US 110516 von 1938), was eigentlich nur eine technische Zeichnung ist und keinerlei technische Neuheiten schützt. Wer hätte wohl einen solchen Klotz genauso nachbauen wollen?

According to the serial number, which can be found below the film window inside the camera and specific features (eg. the Weston film speed wheel on the back) and the comprehensive compilation of the Argus Collectors Group this camera was produced in 1942. The little sticker on the inside refers to the design patent for the camera (US 110 516 from 1938), which is really just a technical drawing and protects no technical novelties. Who would probably want to build such a block as well? By the way, main material of the camera is Bakelite, which made it heavy (quite exact 2 lbs). With now two cameras in hand I might dismantle one of them to see more of the mechanisms (thereare manuals for that) or I might even try to shoot a film, let's see.
 
Haupbestandteil der Kamera ist übrigends Bakelit, was sie inklusive Film ziemlich genau 2 lbs (ca. 900 g) schwer macht. Bei meiner sind schon zwei Ecken an der Seite ausgebrochen, ansonsten funktioniert das Teil aber mehr oder weniger. Vielleicht nehme ich es bei Gelegenheit noch weiter auseinander, im Netz geíbt es jedenfalls Anleitungen dazu.

 

Datenblatt Kleinbild-Messsucherkamera mit Wechselobjektiven
Objektiv Wechselobjektive mit Schraubgewinde 33mm (Auflagemaß: 41mm). Verfügbar: 3.5/50 Cintar, 4.5/35 Sandmar, 4.5/100 Tele-Sandmar, sowie einige Fremdobjektive
Verschluss Mechanischer Verschluss hinter den Objektiven mit 1/10 bis 1/300 s in sieben Stufen und B. Blitzsynchronisation mit allen Zeiten möglich.
Belichtungsmessung keine.
Fokussierung Messsucher gekoppelt mit separatem Fenster für den Entfernungsmesser, Fokussierung über Rad am am Gehäuse.
Sucher getrennte Sucher für Entfernungsmessung und Ausschnitt (nur 50mm), keine  Parallaxenmarkierung.
Blitz Anschluss für Kolbenstabblitzgeräte an der linken Gehäuseseite über zwei Kontakte.
Filmtransport Über Transportrad mit manueller Entriegelung (siehe Blogbeitrag).
sonst. Ausstattung Bildzählwerk, Weston Film Speed Merker, ISO-Gewinde für Drahtauslöser.
Maße, Gewicht ca. 132/85/53(70)mm, 731(898)g ohne (mit) Objektiv
Batterie keine.
Baujahr(e) 1938-1966 (diese: 1942)
Kaufpreis, Wert heute ca. 60$ (1957), ca. $10
Links Manual (english), Matt Denton's Artikel (english), The Argus Collector Group (viele Infos)

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