2012-04-08

Schneider-Kreuznach Retina-Curtagon 28 mm f/4

Dieses Super-Weitwinkel (wie es tatsächlich in der Bedienungsanleitung zur Retina Reflex S heißt) war mit seinen 28 mm das Objektiv mit dem größten Bildwinkel (74 Grad), das es jemals für das Deckel-Bajonett (Kodak und Voigtländer, etc.) gab. Gebaut wurde es in zwei optisch und mechanisch fast identischen Versionen von 1959-1960 (die erste Version ist leicht an der fehlenden Feet-Entfernungsskala zu erkennen) und dann von 1961-1966 in der endgültigen (hier gezeigten Fassung) mit zusätzlich verbesserter nun gelb-bläulich schimmernden Vergütung. Dieses hier kannanhand der Seriennummer auf Juni 1962 datiert werden. Schneider Kreuznach hat dieses Curtagon auch in anderen, z.T. komplett anders aussehenden Fassungen für andere (deutsche) Spiegelreflexkameras gefertigt (Edixa, Exakta, M42, ...). Optisch war's immer das selbe:
This super wide-angle lens (how it actually was called in the manual of the Retina Reflex S) had a focal length of (only) 28 mm and offered the widest angle of view (74 degrees), that was ever available for DKL mount cameras (Kodak and Voigtlander, etc.). It got built in two optically and mechanically almost identical versions. The first version of 1959-1960 is easily identified by the lack of a feet scale. The final version (shown here) from 1961 to 1966 had the feet scale and additionally an improved now yellow gleaming lens coating. The one on the picture can be dated by the serial number to be from June 1962. Schneider Kreuznach produced this Curtagon in other, sometimes completely different looking versions for other (German) SLR manufacturers like Edixa , Exakta , M42 , ... Optically it was always the same:
Die Objektivkonstruktion selbst war aber 1959 nichts außergewöhnliches mehr, sondern eher von anderen abgeguckt. Es handelt sich um eine sog. Retrofokuskonstruktion, d.h. die Schnittweite ist länger als die Brennweite des Objektives. Für Weitwinkel ist dies bei Spiegelreflexkameras nötig, um dem Spiegel genügend Luft zum Hoch- und Runterklappen zu lassen, wurde aber erst seit 1950 in den ersten Kleinbild-SLR-Weitwinkelobjektiven realisiert. Im Allgemeinen wird Pierre Angénieux als der Erfinder dieser Objektivkonstruktion angesehen, ihm bzw. seiner Firma gehörte anfangs auch der Begriff Retrofokus als Markenzeichen. Seine Erfindung geht allerdings auf ein britisches Patent von H. W. Lee (Taylor, Taylor & Hobson, British patent # 355,452 von 1931) zurück, war damals allerdings für Cine-Objektive gedacht. Pierre Angénieux brachte 1950 das Angénieux Retrofocus Typ R1 35 mm f/2.5, 1953 ein 28mm f/3.5 (Typ R11) und schließlich 1957 das 24mm f/3.5 (Typ R51).

Interessanterweise kam 1950 von Carl Zeiss Jena auch das Flektogon 35 mm f/2.8 auf den Markt und begründete die erfolgreiche Flektogonfamilie anerkannt guter Weitwinkelobjektive (z.B. mein 20mm f/2.8), später auch als Distagon(s) von Carl Zeiss in Westdeutschland kopiert. Der wiedervereinige Carl Zeiss Konzern behauptet heute, dass die Erfindung von Harry Zöllner vollkommen unabhängig und gleichzeitig mit Pierre Angenieux gemacht wurde. Beweisen kann das heute wohl niemand mehr. Ich habe ein bisschen in Patentdatenbanken recherchiert: Der Franzose hat zumindest schneller angemeldet als der Deutsche, sein Patent FR1013652 wurde am 17.2.1950 angemeldet, Prof. Zöllner bzw. Carl Zeiss Jena hat damit bis zum 20.12.1953 (DE 953471) gewartet (ggf. hat er aber schon 1950 in der DDR angemeldet, diese Patente sind allerdings erst ab 1981 online recherchierbar). Wie dem auch sei, seit der Zeit gibt es auch für Spiegelreflexkameras ordentlich weite Weitwinkel und der Spiegel klappt noch!
In 1959 the lens design itself was nothing special anymore, Schneider rather copied it from others. It is a so-called Retrofocus design, ie the back focal length is longer than the focal length. For wide-angle lenses this is neccesary on SLRs to give the mirror enough space to flap up and down. This was not realized before 1950 for wide-angle lenses on 135 film SLR's. Generally Pierre Angénieux is regarded the inventor of this lens design, he or his company initially owned the term Retrofocus as a trademark. However, his invention is based on a British patent by HW Lee (Taylor, Taylor & Hobson, British patent # 355.452 of 1931). However, this was at the time intended for cine lenses. In 1950 Pierre Angénieux launched the Angénieux retrofocus type R1 35mm f / 2.5 , in 1953 the 28mm f/3.5 (Type R11) and finally in 1957 the 24mm f/3.5 (Type R51).

Interestingly enough, during 1950 also Carl Zeiss Jena launched its Flektogon 35 mm f/2.8 on the market. With this they founded the quite famous and successful famliy of Flektogon wide-angle lenses (for example, my 20mm f/2.8), later copied by Carl Zeiss in West Germany ("Distagon"). The re-united Carl Zeiss Group now claims that the invention of Harry Zöllner was taken completely independently and simultaneously with Pierre Angenieux. Probably, nobody will ever be able to proof this. I did a bit of research in patent databases: The Frenchman at least acted earlier than the German, his patent FR1013652 filed on February 17, 1950. Prof. Zöllner and Carl Zeiss Jena waited until December 20, 1953 (DE 953 471). Maybe he filed in 1950 in the GDR. These patents are, however, only from 1981 available online). Anyway, since this time SLR users can enjoy super wide-angle lenses together with a flipping mirror.
Zum Deckel mount (oder DKL Bajonett) habe ich schon früher mal geschrieben und ich muss zugeben, dass die Tatsache, dass ich dasSteinheil Cassarit 50 mm f/2.8 besitze, ein Argument dafür war, in die Retina Reflex S und dieses Weitwinkel zu investieren. Zu Hause angekommen, musste ich allerdings feststellen, dass ich das Normalobjektiv nicht an die SLR ansetzen kann, einfach, weil das Konzept mit den Blendenringen an beiden Objektiven verschieden ist (siehe Foto), auch wenn das Bajonett selbst fast (!) identisch ist.
I've already mentioned the Deckel mount (or DKL bayonet) once. I must admit that the fact that I own the f/2.8 Steinheil Cassarit 50mm was an argument in favor of investing into the Retina Reflex S and this lens. At home, however, I realized that I can not attach the standard lens to the Kodak SLR, simply because the aperture ring concepts on both lenses are different (see photo), even if the bayonet itself is almost (!) identical.
Retrofokus jedenfalls hat die Fotografie wirklich einen großen Schritt weitergebracht. Nicht nur, dass wir heute exzellente (wirkliche) Superweitwinkel haben, bei heutigen digitalen Spiegelreflexen sind sogar die Normalobjektive Retrofokuskonstruktionen, da wegen der kleineren Sensoren die Brennweiten kürzer, die Schnittweiten (Auflagenmaß) aber immer noch so groß wie früher sind. Das hat sich erst wieder mit den spiegellosen Systemkameras geändert.
Anyway, Retrofocus pushed photography a big step further. Not only do we now have excellent (real) super wide angle lenses,. In today's DSLR's even the standard lenses are Retrofocus constructions, since the focal length is shorter due to smaller sensors, but the back flange distances are still the same as before. That has only changed again with the recent mirrorless system cameras.

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