2012-04-17

Yashica 44

Diese schnuckelige TLR (Twin Lens Reflex, auf deutsch: zweiäugige Spiegelreflex) habe ich neben der Retina und der kleinen Pentax auf der letzten Camera-Show günstig erwerben können. Ich war echt überrascht über den wirklich guten Zustand der Kamera, alles funktioniert, sieht gut aus und es gibt wirklich sehr wenige Gebrauchsspuren. Dabei ist das Ding schon 54 Jahre alt. 
TLR's sind wohl die homogenste aller Kameragattungen. Mich erstaunt immer wieder wie sich verschiedene Modelle auch unterschiedlicher Hersteller sogar im Detail gleichen. Alle scheinen irgendwie ein Nachbau der legendären Rolleiflex zu sein. Barry Toogood hat die meisten in seiner Sammlung und anhand seiner exzellenten Website kann man meine These leicht nachprüfen. 


Yashima Seiki, eine kleine Feinmechanik-Firma aus dem japanischen Nagano, beschloss 1949 in den rasant wachsenden Kameramarkt einzusteigen und TLR schienen der perfekte Einstieg. Schwierige Komponenten, wie Objektiv und Verschluss konnte man quasi komplett zukaufen, das Design stand mehr oder weniger seit 20 Jahren (Rolleiflex), der Rest war schlicht Handwerk. 1953 kam die erste Kamera unter dem Namen Yashica raus, eine klassische 6x6 Kamera für den 120er Rollfilm. 1958 kopierte man recht dreist auch noch die sog. Baby-Rollei (Rolleiflex 4x4 für 127er Rollfilm), inklusive der besonderen grauen Belederung. Als Yashica die Kameras auch noch in die USA und nach Europa zu exportieren begann und nur ca. 40% des Preises verlangte, verklagte Rollei Yashica vor einem US Gericht, langfristig erfolglos.  Yashica änderte zwar daraufhin recht zügig Lackierung und brachte schnell das etwas einfacherere Modell 44A das hochwertigere Modell 44 LM (mit Belichtungsmesser), Rollei konnte aber den Erfolg von Yashica keineswegs bremsen.
Ein Größenvergleich zu einer 6x6 TLR, wirkt ein bißchen wie zu heiß gewaschen...
Yashica baute TLR's übrigens bis 1986 und damit länger als die allermeisten anderen Hersteller. Heute kann man noch die russische Lubitel (für billig Geld) oder auch eine nagelneue Rolleiflex (für teuer Geld) kaufen. An TLR's scheint also was dran zu sein, selbst im digitalen Zeitalter. Fast alles über Yashica's TLR Kameras kann man auch auf Paul Sokk's Seite nachlesen. Interessanterweise listet er die Seriennummern der zur Yashica 44 gehörenden Objektive zwischen 340xxx-345xxx, hier hab ich wohl ein wirklich frühes Modell erwischt (siehe Foto: 333455!). Das mit der Seriennummer hätte er auch schon anhand der im Netz verfügbaren Bedienungsanleitung (333079) wissen können, ich werde ihm mal eine e-mail schreiben.

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