2010-10-17

Steinheil Cassarit 50 mm f2.8

Unter meinem ganzen Fotokram fand sich dieses kleine, aber feine Standard-Objektiv. Nach einigem Überlegen bin ich darauf gekommen, wie es in meinen Besitz gekommen ist; dazu aber in einem späteren Eintrag mehr. Steinheil war von 1855 bis 1962 ein bedeutendes deutsches Unternehmen für optische Geräte und hat neben astronomischen Fernrohren (z.B. den Steinheil-Refraktor) eben auch Objektive für andere Kamerahersteller wie Carl Braun, ADOX und Exacta hergestellt, es wurden auch welche mit dem Leica M39 und später M42-Gewinde gebaut. Nach dem Krieg konkurrierte man mit Firmen wie Schneider, Rodenstock, Carl Zeiss und anderen. Das Cassarit ist ein Drei- oder (vermutlich eher) ein Vierlinser vom Triplet-Typ, ähnlich zu Meyers Domiplan 50 mm f2.8. Die optische Leistung kann vermutlich mit modernen Festbrennweiten nicht mehr mithalten, im Vergleich zu Objektiven seiner Zeit muss sich das damals eher preiswerte Objektiv nicht verstecken, wie ein japanischer Blogger eindrucksvoll zeigt

Mein Cassarit hat einen heute nicht mehr verwendeten Bajonett-Anschluss, den sogenannten Deckel-mount oder auch DKL-Bajonett alias Compur-Wechselfassung. Gebaut und eingeführt von der Firma Friedrich Deckel, dem Hersteller des Compur-Zentralverschlusses. Heute existiert noch die Firma Compur in München, die sich auf die Deckelsche Tradition beruft. Nach meinen Recherchen wurde dieses Bajonett zumindest von folgenden Kameras benutzt: 
Dummerweise verwenden diese Kameras (und die dazugehörigen Objektive) nicht immer exakt das selbe Bajonett, es gibt kleinere mechanische Varianten, die aber mit Feile und Säge kompatibel gemacht werden können. Immerhin ist das Auflagemaß von 44.7 mm immer gleich. Einige Features dieses Bajonetts waren sehr modern damals: Die Lichtwertskala am Objektive steuerte die eingebauten Blendenlamellen, die Blendenskala selbst befindet sich jeweils an der Kamera. Über eine "schiefe Ebene" (links im Bild in der Ritze in Messing) und einen Abtaststift an der Kamera wurde die Information über die eingestellte Entfernung an den Entfernungsmesser übertragen. Alles was man für richtige Messsucherkameras so braucht. Heute gibt es sogar den einen oder anderen Adapter zur Verwendung der Objektive an  moderneren Kameras zu kaufen.

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