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2018-12-01

Voigtländer Zoomar 36-82 mm f/2.8


Ein echter Meilenstein der Fotogeschichte: Das erste Zoomobjektiv für eine Kleinbildkamera hieß Voigtländer Zoomar und hat der ganzen Gattung auch noch seinen Namen verpasst. Davor hießen diese Konstruktionen Variofokus-Objektive oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch Gummilinsen. Zunächst wurden sie ab den 30er und 40er Jahren für Film- und Fernsehproduktionen verwendet, hier waren die Abbildungsleistungen im Vergleich nicht ganz so sichtbar und wichtig wie beim Einzelbild.

Die Firma Voigtländer kann sich unbestritten mit diesem technischen Meilenstein schmücken. Allerdings ist nicht ganz klar, wie sie an das Schätzchen gekommen sind. Aus eigener Entwicklungsabteilung oder gar Initiative stammt es jedenfalls nicht. Vater dieses Objektives war ein ursprünglich österreichischer Ingenieur namens Frank Gerhard Back, der 1938 vor Nazis floh und in den USA eine neue Bleibe fand. Dort gründete er schließlich die Firma Zoomar Inc., entwickelte ein optisch kompensiertes Variobjektiv für Fernsehkameras und erhielt dafür am 23.11.1948, also genau vor 70 Jahren, ein Patent (siehe Patentliste unten in der Tabelle). Vario-Objektive für Film- und später Fernsehkameras gab es da schon seit einiger Zeit, allerdings genügten diese keinesfalls den hohen optischen Ansprüchen des "unbewegten Bildes", sprich der klassischen Fotografie.
A true milestone in the history of photography: The first zoom lens for a 35 mm camera was called Voigtländer Zoomar and actually made the term zoom popular. Previously, these designs were called variofocals or, in common parlance, rubber lenses. First examples appeared in the 30s and 40s and were used for film and later television productions. For those purposes imaging performance is not as quite visible and important as for the still image.

The company Voigtländer can indisputably adorn itself with this technical milestone. However, it is not clear how they came to the baby. In any case, it wasn't their own development department or even initiative. The father of this lens was an originally Austrian engineer named Frank Gerhard Back, who fled from Nazis in 1938 and found a new home in the USA. There he finally founded the company Zoomar Inc., developed a visually compensated zoom lens for television cameras and received on November 23, 1948, more or less exactly 70 years ago, a patent (see patent list below in the table). Variofocal lenses for film and later television cameras have been around for some time, but these were by no means sufficient for the high optical demands of the "still image", that is, the classic photography.

Optisches Design aus US-Patent 2,913,957. Auf den Markt
kam eine leicht verbesserte Version. 
  Optical design from patent US 2,913,957. An improved
version was launched on the market later. 
 

Hier hat Frank Back unbestritten Pionierarbeit geleistet, in dem er während der nächsten ca. 10 Jahre sein Konzept zu dem hier beschriebenen Objektiv weiterentwickelt und natürlich wieder patentiert hat. In der Tat hat er nicht nur die optischen Anforderungen für das anspruchsvolle Kleinbildformat nahezu getroffen, sondern das Objektiv hatte damals schon die heute noch bemerkenswerte Öffnung von f/2.8 und das über den gesamten Brennweitenbereich. Dieser erstreckte sich auch noch vom Weitwinkel bis in den leichten Telebereich, bisherige Fernseh- oder Film-Varios waren nur Telezooms. Mit den 62° Bildwinkel war es das "weitwinkeligste" Variofokusobbjektive, das bis dahin gebaut wurde. Um diese optische Herausforderung zu meistern ist ihm sicherlich auch entgegengekommen, dass die Vergütungstechnik für optische Linsen zu dieser Zeit Einzug in die Herstellung fand. Ohne diese Antireflexbeschichtung wäre ein solches Objektiv mit so vielen Elementen schlicht unmöglich gewesen.
Frank Back undoubtedly was a pioneer: during the next about 10 years he further developed and improved his concept to eventually yield this lens described here. Of course he filed for patents again. In fact, he does not almost met the optical requirements for the demanding still picture (35 mm film), the lens already had the quite remarkable open aperture of f/2.8 and this even over the entire focal length range. This also reached from wide angle to the light telephoto, previous TV or movie variofocals were just tele-zooms. 62 degrees angle of view at this time was the "widest angle" zoom built until then for any format. In order to master this optical challenge, it certainly came to the fore that lens anti-reflex coating found its way into production at that time. Without this anti-reflective coating such a lens with so many elements would simply have been impossible.

Frank Back mit Albert Einstein  Albert Einstein and Frank Back 
Das Jahr 1958 muss für Frank Back sehr arbeitsreich gewesen sein. Am 27. Juni reichte er zeitgleich zwei Patente für das Objektiv ein, eines über die mechanische Konstruktion, das andere über Details des optischen Aufbaus. Gleichzeitig müssen schon die Vorbereitungen für die Serienfertigung gelaufen sein, die ab 1959 bei der Firma Kilfitt in München stattfand. Diese produzierte wiederum im Lohnauftrag für Voigtländer in Braunschweig. Leider ist nichts über die Umstände bekannt, wie und warum diese Kooperation zustande kam oder wer wieviel daran verdient hat. Am Ende jedenfalls hat Heinz Kilfitt seine Firma dann 1968 an Frank Back verkauft. Das Voigtländer Zoomar wurde jedenfalls am 10. Februar 1959 der erstaunten Öffentlichkeit auf der internationalen Camera show in Philadelphia vorgestellt. Hier gab es auch erstmals die Nikon F und andere SLR aus Japan zu sehen. Am 19.2.1959 reichte Frank Back beim Patentamt noch das verbesserte optische Design ein, das dann auch in Produktion ging. Hier kamen spezielle hochbrechende optische Gläser zum Einsatz.
The year 1958 must have been very busy for Frank Back. On June 27, he simultaneously filed two patents for the lens, one about the mechanical construction, the other about details of the optical design. At the same time, the preparations for serial production must have been going on. Assembling started in 1959 at the company Kilfitt in Munich. They in turn toll produced it under a contract for Voigtländer in Braunschweig, Germany. Unfortunately, nothing is known about the circumstances, how and why this three-way cooperation came about or how the profits were shared. Eventually, Heinz Kilfitt sold his company to Frank Back in 1968. The Voigtländer Zoomar was presented to the public on February 10, 1959 at the International Camera Show in Philadelphia. This show also featured the Nikon F and other SLRs from Japan. On February 19, 1959, Frank Back filed another patent about the improved optical Design, which then went into production. This was utilizing special highly refractive optical glasses.

Das Zoomar im Vergleich zu seinen Voigtländer Alternativen, um diesen Brennweitenbereich abzudecken.  The Zoomar in comparison to its prime lens alternatives from Voigtländer, to cover this focal length range. 
Das Objektiv selbst ist ein ganz schöner Klotz, zumindest verglichen mit zeitgenössischen Objektiven. Auch preislich war es Anfang der 60er nur etwas für wohlhabende Fotoamateure oder eben Profis. Nimmt man allerdings die drei Objektive, die es ersetzen kann, zusammen, relativieren sich Preis und Gewicht wieder etwas. Wegen des hohen Preises wurden nur ca. 15000 Exemplare produziert, die meisten wohl mit dem DKL-Bajonett in der Voigtländer-Version. Allerdings gab es von Anfang an auch eine Version für die Exakta, später kam noch M42 hinzu. Heute ist es ein gefragtes Sammlerstück, man findet aber regelmäßig Angebote auf e-bay. Ich habe über die letzten Jahre immer mal wieder mitgeboten, allerdings mit recht knappem Budget. Nun endlich hatte ich Glück, eines günstig zu ergattern. Natürlich brauchte ich auch noch die entsprechende Kamera dazu, wie ich schon berichtet habe.
The Lens itself is a pretty heavy block, at least compared with contemporary lenses. Also, only wealthy photo amateurs or professionals were able to afford its price. But if you take the three Lenses that it can replace together, price and weight can be put into perspective again. Because of the high price, only about 15,000 copies were produced, most of them with the DKL mount in the Voigtländer version. However, from the beginning there was also a version for the Exakta mount, later M42 was added. Today it is a highly searched after collector's item, but you will regularly find offers on e-bay. Over the last few years, I have offered again and again, but with a tight budget. Finally, I was lucky enough to get a cheap one. Of course, I also needed the corresponding camera , as I've already reported.


Datenblatt Erstes Zoomobjektiv für 35mm Spiegelreflexkameras
optische Daten 36-82 mm Brennweite, kontinuierlich verstellbar. Bildwinkel: 62° - 30°. Konstante Öffnung f/2.8 über gesamten Brennweitenbereich. Kürzeste Entfernung 1,30 m.
optische Konstruktion 14 Linsen in 11 Gruppen, Fokussierung durch Frontlinse, Gruppen 2, 3 und 6 gemeinsam verschiebbar zur Brennweiteneinstellung. Alle Linsen einfach vergütet.
Kamera-Anschluss DKL-Bajonett in Voigtländer Bessamatic Version. Auch erhältlich mit Exakta Bajonett oder M42-Schraubanschluss.
sonst. Ausstattung Mitgeliefertes Zubehör: 2 Nahlinsen (Focar A+B), UV-Filter, Gelbfilter, Gegenlichtblende inkl. Klemmring, Drehscheibe zur Berechnung der Tiefenschärfe. 
Maße, Gewicht Ø 86 mm x 123 mm, 837g (DKL Voigtländer)
Baujahr(e) 1959-1968 (ca. 15.000 Exemplare), dieses #6690569 von 1965
Kaufpreis, Wert heute 795 DM (1959, DKL), 845 DM (andere Anschlüsse). US$ 250 (USA), ca. 200€ (D)
Patente Alle vom Erfinder Frank G. Back (Anmeldedatum, Patenterteilung):
US2,454,686 (30.7.1946, 23.11.1948, Grundprinzip); US2,913,957 (27.6.1958, 24.11.1958, optisches Design); US2,902,901 (27.6.1958, 8.9.1959, mechanisches Design); US3,014,406 (19.2.1959, 26.12.1961, verbessertes optisches Design).
Links Manual (english), Wikipedia, Camera-Wiki, Rick Oleson DKL-Bajonett, Kilfitt.org, Klinterklater, Ernst Giger, UKCamera, Popular Science Jan 1964, Test in ePhotozine, Frank Back in Wikipedia, Zoom Lens History, 
Bei KniPPsen weiterlesen Bessamatic Deluxe, Zoomar, DKL Kameras und Objektive, Kodak Retina Reflex S, Zentralverschluss SLR, Friedrich Voigtländer.
Data Sheet First zoom lens for still cameras (35 mm SLR)
optical data 36-82 mm focal length, continuously switchable. Angle of view: 62° - 30°. Constant full aperture f/2.8 for entire focal length range. shortest distance 4.3 ft (1.30 m).
optical construction 14 elements in 11 groups, focussing with front element. Groups 2, 3 and 6 move lineary together for focal length change. All elements have a simple anti-reflex coating.
camera mount DKL-mount, Voigtländer Bessamatic type. Available also with Exakta mount or M42-screw mount.
misc. features Supplied accessories: 2 close-up lenses (Focar A + B), UV filter, yellow filter, lens hood incl. Clamping ring, turntable for calculating depth of field.
size, weight Ø 86 mm x 123 mm, 837g (DKL Voigtländer)
Year(s) of Production 1959-1968 (ca. 15,000 copies), this unit #6690569 from 1965
Original Price, Today's Value 795 DM (1959, DKL), 845 DM (other mounts). US$ 250 (US), about 200€ (Germany)
patents All filed by Inventor Frank G. Back (filing date, patent granted on):
US2,454,686 (7/30/1946, 11/23/1948, basic princple); US2,913,957 (6/27/1958, 11/24/1958, optical design); US2,902,901 (6/27/1958, 9/8/1959, mechanical design); US3,014,406 (2/19/1959, 12/26/1961, improved optical design).
links Manual (english), Wikipedia, Camera-Wiki, Rick Oleson DKL-Bajonett, Kilfitt.org, Klinterklater, Ernst Giger, UKCamera, Popular Science Jan 1964, Test in ePhotozine, Frank Back in Wikipedia, Zoom Lens History, 

2018-10-10

Fujinon Z 43-75 mm f/3.5-4.5


Manchmal muss eben der Zufall helfen: Ich war eigentlich nur auf der Suche nach einem Fujinon (Standard-) Objektiv für das einsame Fujica ST801 Gehäuse, dass ich als kleinen Meilenstein für meine Sammlung erworben hatte. Natürlich hätte ich auch andere M42-Objektive anschrauben können, aber die haben ja nicht die besondere Fujica-Offenblend-Variante. Außerdem wollte ich nicht mehr als 20€ ausgeben und das schränkt die Auswahl an Angeboten schon ein. 5 Monate und einige Versuche hat es dann gedauert, bis ein ebay Händler mein Angebot von 15€ für dieses Schätzchen hier angenommen hat.
Ich ahnte da noch nicht, dass ich hier einen zweiten Meilenstein ergattert habe. Zusammen mit der Fujica AZ-1 war es 1977 nämlich das erste Zoomobjektiv, das als Standardobjektiv mit der Kamera zusammen verkauft wurde. Es ist tatsächlich (zumindest bei 75mm) so kompakt wie ein Normalobjektiv und muss wohl auch optisch eine ganz gute Figur machen. 
Zoomobjektive für KB-SLR gab es Ende der 1970er Jahre schon fast 20 Jahre, angefangen hat es mit dem Voigtländer Zoomar 36-82 mm f/2.8 im Jahr 1959. Dieses war ein ziemliches Monstrum und auch die optischen Qualitäten ließen zu wünschen übrig, so dass es für entsprechende Festbrennweiten eigentlich keine Konkurrenz war. Anfang der 1960 brachten die Kamerasystemhersteller zunächst Telezoomobjektive. Diese waren zumindest ebenso groß und schwer wie entsprechende Festbrennweiten und ihre optischen Leistungen fielen gegenüber dem bisher gewohnten nicht ganz so stark ab. Als erster Hersteller wagte sich dann 1963 Nikon an ein relativ kompaktes Standard-Zoom: Zoom-Nikkor Auto 43-86 mm f/3.5 , zunächst als fest eingebautes Objektiv in der Nikkorex Zoom, dann aber auch als F-Objektiv. 
Von Ken Rockwell ist es als Nikon's optisch schlechtestes Objektiv bezeichnet worden und da ist wohl auch was dran. Nikon selbst hat es dann 1976 komplett neu gerechnet, die zweite Version war dann wohl OK. Mitte der 1970er kamen dann auch die anderen Hersteller mit neuen Standard-Zooms. Canon hat anscheinend mit ihrem FD 35-70 f/2.8-3.5 S.S.C. aus dem Jahr 1973 gezeigt, dass auch sehr gute optische Leistungen möglich sind. TTL-Messung und auch die ersten Zeit- und Blendenautomatiken machten die variierende Anfangsöffnung akzeptabel, höher empfindliche Filme ermöglichten auch recht lichtschwache (3.5-4.5), dafür dann aber kompakte und ordentliche Standardzooms. Warum sich Fuji für 43 mm als Startbrennweite entscheiden hat, bleibt wohl ihr Geheimnis. Aber sie waren die ersten, die sich getraut haben, das Zoom als Standardobjektiv mit der Kamera zu verkaufen. Ein Modell was, wie wir wissen Schule gemacht hat, heute nennt man sowas Kit-Objektiv.  
Das Fujinon (rechts) im Vergleich zum Nikkor 43-86 (links) und dem kompakten Nikkor 35-70 f/3.5-4.5 von ca. 1986. Interessanterweise ist das Fuji-Objektiv am kompaktesten bei 75 mm, während das alte Nikkor eingefahren 43mm Brennweite hat. Das jüngste hier ist bei der mittleren Brennweite von 50mm am kürzesten. 

Erstaunlicherweise findet sich fast nichts zu Zoomobjektiven und deren historische Entwicklung im Netz. Eine kurze und ganz gute Zusammenfassung bietet die englische Wikipedia. Ich werde weiter schauen und mir dieses Kapitel vielleicht mal vornehmen.

2017-08-14

Carl Zeiss Sonnar 5cm f/1.5


Ich hatte es bei meinem Post zur Contax II schon dezent angedeutet: Neben der Kamera selbst ist natürlich das Objektiv der Star, quasi der Meilenstein am Meilenstein. Das Carl Zeiss Sonnar, insbesondere in der Lichtstärke f/1.5, war in den 1930er Jahren DAS Hochleistungsobjektiv schlechthin. Man kann die Leistung seines Designers Ludwig Bertele und die Bedeutung dieser Erfindung für die Fotographie nicht hoch genug einschätzen.  
Die Ausgangslage bezüglich Objektivdesign war für den jungen Bertele eigentlich ganz gut. Schon ein paar Jahre vor seiner Geburt wurde das Hauptproblem der fotografischen Abbildung - der Astigmatismus - durch Taylor und seinem sog. Cooke-Triplet grundsätzlich gelöst. Um es kurz zu machen: Diese geschickte Kombination von zwei Sammel und einer zentralen Zerstreuungslinse bildet als ganzes wie eine Sammellinse ab, wobei sich die Abbildungsfehler der Einzellinsen aber im wesentlichen gegenseitig aufheben. Leider funktioniert das nur bis zu einer gewissen Lichtstärke, bei ca. 3.5 oder größer wird es unschön, besser blendet man auf 5.6 oder gar 8 ab. 
Natürlich versuchte man, durch Einfügen weiterer Elemente und die Verwendung hochbrechender Gläser lichtstärker zu werden ohne die Abbildungsleistung zu stark zu opfern. Der erste wirklich nennenswerte "Lichtriese" war das Ernostar f/2, entwickelt mit nur 4 Linsen von eben jenem Ludwig Bertele im Alter von nur 23 Jahren. 
Allerdings stiegen zur selben Zeit mit dem Aufkommen der Kleinbildkameras auch die Anforderungen an die Abbildungsleistung. Außerdem treibt man mit dem Einfügen zusätzlicher Linsen für Abbildungsleistung und Lichtstärke quasi den Teufel mit dem Belzebub aus. Jeder zusätzlicher Glas-Luft Übergang bedeutet Streuverluste, die mit Kontrast- und Lichtverlust einhergehen. Was also tun? Bertele lieferte die Antwort, in dem er Linsen "verkittete", am besten solche mit unterschiedlichen Glas (bzw. Brechungsindex). Schon in den 1920er Jahren verbesserte er bei Ernemann seine Ernostar-Objektive dadurch. Spätestens seit 1926 als Ernemann von Zeiss Ikon (und damit auch Bertele) übernommen wurde, verfeinerte er und das Team bei Zeiss die Technik dazu immer mehr und verkittete nicht nur zwei, sondern später sogar drei Linsen miteinander. Man kann also sagen, dass diese Technik den Objektivdesignern einen neuen Freiheitsgrad verschaffte. 
Das Sonnar f/1.5 von 1933 ist also quasi der Gipfel dieser Entwicklung, denn Bertele war es gelungen ein komplexes System aus 7 Linsen wieder zu einem Triplet zu gruppieren. Die Abbildungsleistung war derart gut, dass nur bis ca. 2.8 abblenden muss, um das Optimum rauszuholen. Fotografen und betuchte Amateure schwärmten und begründeten den legendären Ruf des Namens Sonnar. 
Die Entwicklung ging natürlich weiter und das bezeichnenderweise ebenfalls bei Zeiss Ikon in Jena. Im Jahre 1935 patentierte Alexander Smakula, ein (gleich alter) Kollege von Bertele die "Antireflexbeschichtung" oder "Vergütung" optischer Linsen. Auch das Sonnar wird später mit vergüteten Linsen gebaut und von Zeiss mit dem roten T* vermarktet, aber das wird vielleicht mal Thema eines anderen Posts. Allerdings macht die heutige Technik der Mehrschichtvergütung sehr komplexe Objektivkonstruktionen mit wieder einer größeren Zahl von freistehenden Gruppen möglich. Verkittung von einzelnen Linsen wird zwar noch angewendet, aber eher selten. 
Mein Sonnar hier von 1938 ist noch unvergütet und ich werde bei Gelegenheit mal Testfotos machen und auch hier zeigen. Für alle die weiterlesen wollen seien Frank Mechelhoff's exzellente Seiten empfohlen. 

2014-07-13

Zoom Nikkor Auto 43-86 mm f/3.5

Anfang der '60er Jahre waren Zoomobjektive gerade frisch auf dem Markt und auch Nikon versuchte sich hier. Das allererste Zoom allerdings war 1959 das Voigtländer Zoomar 36-82mm f/2.8. Nikon konterte zunächst mit zwei Tele-Zooms (85-250 f/4-4.5 und 200-600 f/9.5-10.5). 1961 wurde ein 35-80mm f/2.8-4 angekündigt, dann aber doch nicht gebaut. 1963 erschien dann, zunächst fest eingebaut in der Nikkorex Zoom, dieses Objektiv mit höchst seltsamen Brennweitenbereich. Während meiner aktiven Zeit als Nikon Amateur hat es mich nie angesprochen, als Sammler nun finde ich es durchaus interessant. Nach dem Fund der Nikkorex F habe ich mich auf dem Kameramarkt nach einem zeitgemäßen Objektiv umgeschaut. Das eigentliche Normalobjektiv Nikkor-H 50 mm f/2 war nicht zu bekommen, da habe ich mich für das Zoom hier entschieden. Ein paar Nikkorex F Fotografen dürften es in den 60ern in Kombination eingesetzt haben.


Auch wenn Nikon es als Meilenstein lobt, ist das Objektiv nach Meinung einiger angeblich Nikon's schlechteste optische Konstruktion (siehe auch hier). Ob es letztendlich Nikon's Ruf geschadet hat, möchte ich bezweifeln. Nikon hat 1976 selbst gehandelt und die optische Konstruktion von 9 Elementen in 7 Gruppen auf 11 Elemente in 8 Gruppen grundlegend umgestellt und damit einige der optischen Schwächen behoben. 


Trotz aller zugegebenen Schwächen war es für Nikon ein Bestseller. Immerhin blieb es 19 Jahre lang (von 1963-1982) im Verkaufsprogramm. Laut Roland's Nikon pages wurden in vier Versionen insgesamt 432. 603 Objektive gebaut:
Und es ist kein Scherz: Die Seriennummern starten mit 438601, mein Exemplar ist eines der letzten der ersten Serie und stammt von ca. 1973.

VersionLinsen/GruppenSeriennummernBaujahre
Zoom-NIKKOR Auto 43-869/7438601-5542611963 - 1974
Zoom-NIKKOR C 43-869/7 Multicoated570001-6254801974 - 03/1976
Zoom-NIKKOR 43-86 11/8 774071-80597611/1975 - 1977
Zoom-NIKKOR 43-86, AI11/8810001 - 10486141977 - 03/1982

2014-04-27

Super-Takumar 55 mm f/2

Zur Spotmatic SP gehört natürlich auch ein entsprechendes Normalobjektiv, welches ich extra erworben habe. Dieses hier ist die dritte Version des Objektives und wurde von 1971-1973 gebaut, zu erkennen am extra Hebelchen im M42-Gewinde für Offenblendmessung an den späten Spotmatic F und ES II. Asahi hat im Laufe der Zeit verschiedene sehr ähnliche Varianten ihres meist mit den Kameras zusammen verkauften Standardobjektives gebaut, sie unterscheiden sich z.B. an der Form und Richtung des Blendenrings. Das optische Design aus 6 Linsen in 5 Gruppen (ein sehr typischer "Doppel-Gauss") blieb aber immer gleich. Auch das noch häufiger anzutreffende 55 mm f/1.8 ist wohl die exakt gleiche Konstruktion und wurde nur als etwas lichtstärker vermarktet. 


2014-04-16

Irisblende - Pentacon auto 50 mm f/1.8

Mit meiner Praktica LTL3 kam ein Pentacon auto 50 mm f/1.8 Normalobjektiv. Es besitzt eigentlich eine automatische Springblende, nur leider sprang nichts mehr beim Druck auf den kleinen Metallstift, der aus dem M42-Gewindeanschluss herausragt. Im Gegensatz dazu bewegten sich die Blendenlamellen schon, wenn man langsam am Blendenring drehte. Zusammen ein eindeutiges Zeichen für altes und im Laufe der Zeit verharztes Schmieröl. Da hilft nur eines: Objektiv auseinanderschrauben und die Blendenlamellen in Waschbenzin baden und vom alten Fett befreien. Neues Öl sollte man gar nicht erst verwenden, es schadet mehr als es nutzt. 

Ich habe noch kein anderes Objektiv gesehen, wo man so leicht an die Blende herankommt wie bei diesem. Mit drei Schrauben ist der Gewindeanschluss ab, der auch die sonsige Übertragungsmechanik trägt. Drei weitere Schrauben halten den hinteren Teil (3 Linsen) des Objektives. Man kann die sechs Gewinde oben im Bild gut erkennen. Das ganze hat mich keine 5 Minuten gekostet, die Blendenlamellen lassen sich mit einer Pinzette leicht herausheben und nach etwas Üben auch wieder einsetzen. Bei der letzten Lamelle ist etwas Fummelarbeit gefragt, hier muss man die erste anheben und die andere darunter plazieren. Jetzt fluppt alles wieder wie früher...
Das Objektiv hat eine lange Produktionsgeschichte. Es is ein typischer Doppel-Gauss und kam Anfang der '60er als Meyer Oreston auf den Markt und wurde vom VEB Pentacon bis in die '90er als Standardoptik zur Praktica B-Serie gebaut. Es ist nach dem 20 mm Flektogon mein 2. Objektiv in M42 Fassung. Mehr zu M42 demnächst...

2013-08-31

Projekt PEN (#13, Linsengedicht)

Dies wird mein Objektiv werden. Ich habe endlich mal bei einer e-bay Auktion den Zuschlag bekommen. Zugegeben, mit $145.50 inklusive Versand aus Japan eigentlich außerhalb des Budgets für mein Projekt. Trotzdem ist ein echtes Schnäppchen. Ich beobachte ja den Markt bei e-bay schon länger und habe gerade nochmal den Preisindex aktualisiert. Diese Linse geht im Schnitt für $215 über den Ladentisch (inkl. Versand), und mein Teil hier war am unteren Rand der Verteilung. Wenn ich es endlich selbst in Händen halte, werde ich Kamera plus Objektiv nochmal in einem ausführlichen Beitrag hier würdigen.

2013-07-16

Projekt PEN (#11, fehlendes Glas)

...leider nur ein Bild von e-bay.
Dies ist das fehlendende Stück Glas für mein kleines Projekt und noch immer in weiter Ferne. Ich verfolge nun schon seit einiger Zeit fast alle e-bay Auktionen, bei denen PEN F Objektive gehandelt werden und es sind nicht wenige. Dafür dass diese Dinger schon seit geraumer Zeit Altglas sind und vermutlich nicht viel mehr können (oder doch?) als andere Linsen aus der Zeit, erzielen sie immer noch erstaunliche Preise. Dieses hier, das Standardobjektiv F.Zuiko Auto-S 38 mm f/1.8 kostete Mitte der 60er Jahre neu $39.95 (OK, die waren damals mehr wert als heute). Bei e-bay fängt der Spaß heute bei ca. $150 an und ich habe Auktionen gesehen, die inkl. Versand bei ca. $250 endeten. Und das ist das Standardobjektiv, andere seltenere Stücke, besonders die hochlichtstarken Gläser 70 mm f/2 und 42 mm f/1.2 erzielen Preise jenseits der $400. Das preisgünstigste ist das 100 mm f/3.5 gefolgt vom 50-90 mm Zoom. Beide sind meist für knapp unter $100 zu haben. Ich werde den Markt also noch weiter verfolgen (auch noch nach einer dritten defekten F) und vielleicht hier mal das aktuelle Preisgefüge posten.

2013-05-27

Canon FD 50 mm f/1.8 SC

Canon's Standardobjektiv in den 70er und 80er Jahren ist angeblich das meistverkaufte und -benutzte Objektiv mit FD Bajonett. Wenn man bedenkt, dass die AE-1 sich allein mehr als 5 Millionen mal verkaufte (und das meist mit dieser Linse) und auch die anderen Canon Kameras der Zeit es trugen, dann kann wohl behaupten, dass es zu den meistverkauften Wechselobjektiven überhaupt gehört, wenn es nicht sogar die Nummer 1 ist (zumindest für nicht-AF). Es wurde laut Canon's Camera Museum in 4 FD Versionen gebaut (das hier ist die letzte der vier), dazu kommt noch die "New FD" Version, die immerhin von 1979 bis zum Ende des FD-Bajonetts noch ca. 15 Jahre lang gebaut wurde. Optisch gesehen nichts wirklich außergewöhnliches, ein Doppelgauß mit 6 Linsen in 4 Gruppen, wie es fast alle Hersteller so oder ähnlich im Programm hatten. 

Für mich außergewöhnlich ist das FD Bajonett, eines der ganz wenigen Außenbajonette am Markt. Mit dem charakteristischen Chromring klemmte man das Objektiv über ein Vierteldrehung an den Bajonettbacken der Kamera fest. Canon bewarb dies als Vorteil, da sich nur dieser Ring drehte, Kamera, Objektiv und die Verindungen dazwischen aber in ihrer Position blieben. Anfang der 1990er allerdings, schwenke auch Canon mit der Einführung des EF Bajonetts für ihre neuen Autofokuskameras auf das allgemein übliche Innenbajonett um. Schon 1979 hatte man bei voller Kompatibilität den Chromring abgeschafft, Objektive mit dem "New FD" wurden dann auch drehend angesetzt. Das folgende Filmchen zeigt den Objektivwechesl mit Chromring...

 

2013-03-08

SMC Pentax-A 50 mm f/1.7

Endlich ein Standardobjektiv für meine Pentax K-1000, gefunden auf dem letzen Kameramarkt. Die K-1000 wurde zwar hauptsächlich mit dem SMC Pentax-M 50mm f/2 verkauft, dieses passt aber natürlich auch. Es stammt aus Mitte der 1980er Jahre und wurde mit der neuen Pentax-A Kameraserie angeboten, die nun auch Blenden- und Programmautomatik bot.  Natürlich ist es abwärtskompatibel und funktioniert auch an früheren Zeitautomaten und an der manuellen K-1000. Viel mehr gibt es eigentlich dazu nicht zu sagen: ein Doppelgauß-Typ mit 6 Linsen in 5 Gruppen. Ich vermute, dass die Abbildungsleistung fast identisch sein wird zu einigen der anderen originalen Standardobjektiven mit ähnlicher Lichtstärke (z.B. diesem hier). Pentax-Fans heben gerne die besonders gute Vergütung aller Pentax SCM Objektive hervor, SMC steht für Super Multi Coating, dazu irgendwann mal mehr in einem eigenen Beitrag.

2012-03-25

Pentax Auto-110

Auch das darf in meiner Sammlung nicht fehlen: das kleinste Spiegelreflex-System, das je gebaut wurde, leider habe ich auf der Camera Show nur die Kamera und das Standard-Objektiv erstehen können. Sie sieht erstmal aus wie eine Große, ist aber tatsächlich winzig (56mm x 99mm x 45mm (33 mm ohne Obj.) und nur 172 g, alles inklusive Objektiv), wie folgender Größenvergleich mit einer legendären KLEINBILD-SLR zeigt

Dabei war die Penatx Auto-110 nicht die erste Subminiatur-Spiegelreflex, diese Ehre gebührt der russischen Narziss (16 mm Film) vom Anfang der 60er Jahre. Sie war auch nicht die erste SLR zum neuen Pocketfilm 110, das war 1976 die Minolta 110-Zoom, eine relativ große - heute würde man Bridgekamera sagen - mit festeingebauten f4.5 Zoomobjektiv und einem seltsamen externen Belichtungsmesser neben dem Objektiv.   

Die Ingenieure von Asahi Optical K.K. brachten dann aber 1978 mit der Pentax auto-110 ein ganzes System um diese vollwertige Spiegelreflexkamera herum auf den Markt. Vollwertig, wenn man von der Möglichkeit absieht, Blende oder Verschlusszeit manuell einstellen zu wollen. Alles ging automatisch, von der Erkennung welche Filmempfindlichkeit verwendet wurde (80 oder 400 ASA), mittels TTL (!) -Belichtungsmessung wurde der hinter den Objektiven angeordnete Zentralverschluss (bis 1/750 s) gesteuert, dieser spielte gleichzeitig Blende. Programmautomatik nannte man sowas später. Der Rückschwing (!) - Spiegel übernahm gleichzeitig die Aufgabe, kein Licht auf den Film zu lassen (außer bei der Aufnahme natürlich) und mit zwei Schwüngen des Schnellschalthelbels transportierte man den Film weiter und zog den Verschluss wieder auf.
Wie es sich für ein System gehört, gab es einen Winder und ein passendes Elektronenblitzgerät, das mittels einem speziellen Stecker angeschlossen wurde, denn ein normaler Mittenschuh wäre einfach zu groß für die Kamera gewesen. Neben dem 24 mm Normalobjektiv gab es gleich von Beginn an ein 18 mm Weitwinkel und ein 50 mm Portrait-Tele, später kamen dann noch ein 70 mm Tele, ein 20-40 mm Zoom und ein 18 mm Fixfokus-Objektiv, alle mit einer Lichtstärke von 2.8, weil die Blende ja in der Kamera hinter den Objektiven saß. Blickt man durch den Sucher beeindruckt das helle und groß wirkende Sucherbild, man meint durch eine KB-SLR zu blicken!

Wer noch mehr über diese erstaunliche Kamera wissen möchte, der sei hier auf folgende Websites verwiesen: Steve's auto-110 Seiten, Cameraquest, Rick Oleson's Seite und natürlich die Bedienungsanleitung bei Mike Buktus.
Es gibt eine interessante Parallele zum heutigen Digitalzeitalter: Pentax brachte mit der Q vor kurzem zu aller Erstaunen eine winzige Digitalkamera um einen 1/2.3" Sensor heraus, auch hier die kleinste Systemkamera mit Wechselobjektiven, die es derzeit gibt. Interessant sind die Ausmaße dieser Kamera: 98 x 57 x 31 mm (siehe oben!). Ich habe mir mal den Spaß gemacht hier Oma und Enkel nebeneinander zu montieren...

2012-01-04

Panasonic Lumix G 20 mm f/1.7

Das ist derzeit mein absolutes Lieblingsobjektiv, hier an meiner Olympus E-PL1, zusammen eine tolle Kombination. Ich habe es vor etwas über 10 Monaten gekauft und schon kurz hier berichtet, seit dem mache ich einen Großteil meiner Fotos mit dieser erstklassigen Linse. Die eher ungewöhnliche Brennweite von 20 mm (entspr. 40 mm bei Kleinbild) ist wirklich klasse und entspricht fast exakt der Sensor-Diagonale. Mit der hohen Lichtstärke gelingen tolle Aufnahmen auch bei wenig Licht und mit der Tiefenschärfe läßt sich vortrefflich spielen. Etwas abgeblendet (2.8-4) erzielt es seine besten Abbildungsleistungen, wie man z.B. hier nachlesen kann.
Panasonic ist es gelungen die sieben Linsen (zwei davon sind asphärisch) in ein super kompaktes und hochwertiges Gehäuse zu packen. Mit dieser Pancake-Konstruktion passt Kamera und Objektiv wirklich in meine Jackentasche. Etwas ungewöhnlich ist das Geräusch, welches die auf- und zuspringende Blende erzeugt, man gewöhnt sich aber schnell daran. Statt weiterer technischer Einzelheiten, hier nun ein Beispielbild (ein Eingang zur Penn Station in New York City, Blende 2.8 1/200 s, ISO 400):


2011-09-11

Nikkor S-Auto 50 f/1.4

Zusammen mit der Nikon F habe ich dieses zeitgemäße Normalobjektiv erworben. Nach der Seriennummer ist es von 1972, wurde aber mit gelegentlichen kleinen (äußeren) Modifikationen schon seit 1962 gebaut und war daher der Begleiter der Nikon F bei ihrem Siegeszug auf dem professionellen Kameramarkt. Nikon hatte schon ein paar Jaare Erfahrung mit dem Bau lichtstarker Normalobjektive. Das erste war das Nikkor 5cm f/1.5 für die Nikon Messsucherkameras, ein mehr oder weniger optimierter Nachbau des Sonnar von Zeiss. Es wurde aber noch im selben Jahr 1950 von einer eigenen Nikon-Konstruktion mit der damals weitesten Öffnung 1.4 eines Normalobjektivs abgelöst. Ab 1956 gab es dann auch ein Nikkor-N 5 cm f/1.1. Alle diese Messsucherobjektive konnten wegen des geringeren Auflagemaßes aber nicht an der Spiegelreflexkamera Nikon F verwendet werden. Nippon Kogaku musste also neue Objektive konstruieren.  

Als erstes lichtstarkes Normalobjektiv erschien 1959 das Nikkor-S Auto 5.8 cm f/1.4. Die ungewöhnliche und längere Brennweite von 58 mm kommt daher, dass Nikon damit elegant die alte Objektivrechnung des Messsucher-50ers verwenden konnte, die etwas längere Brennweite erlaubte das erforderliche längere Auflagemaß. Doch das Objektiv kam nicht so gut an und schon 1962 erschien endlich das Nikkor-S Auto 5 cm f/1.4, eine komplette Neurechnung (durchgeführt von Zenji Wakimoto and Yoshiyuki Shimizu). Nach der deutschen Objektivtradition würde man es als modifizierter Xenontyp klassifizieren. Die Abbildungsleistung der Neurechnung war so gut, dass es quasi bis heute (als AF Nikkor 50 mm f/1.4D) gebaut wird.  
Die geringfügigen Optimierungen der optischen Konstruktion, die seit 1973 durchgeführt worden sind, wurden möglich durch das ab da verfügbare Multi-Coating (Vergütung) der Linsenoberflächen. Früher fasste man für hohe Leistungen Linsen zu Gruppen zusammen, um möglichst wenig Glas-Luft-Übergänge im Strahlengang zu haben (das Sonnar hatte daher nur 3 Gruppen). Ohne Antireflex-Beschichtung verliert man an jeder Grenzfläche ca. 4-5% des Lichtes, welches dann als Streulicht im Objektiv herumvagabundiert und den Kontrast absenkt. Mit einer einfachen Vergütung kann man den Streulichtanteil auf unter 1% drücken, mit modernen Mehrschichtvergütungen fast völlig eliminieren. Das Nikkor-S Auto war bis 1973 einfach vergütet, man erkennt es an der unter bestimmten Winkel gelblich schimmernden Glasoberfläche. Spätere Mehrfachcoatings schimmern violett. Das S im Namen steht übrigends für 7 Linsen (bei diesem in 5 Gruppen), das heutige Autofokusobjektiv hat 7 Linsen in 6 Gruppen, die zweite und dritte Linse sind nicht mehr verkittet. Wer die Geschichte der Nikon Normalobjektive im Detail nachlesen möchte, findet hier ausführliche Infos und Bilder.
Das Beste aber ist, dass es sich heute immer noch lohnt mit dem Objektiv zu fotografieren. Mittels Adapter lässt es sich bequem an meine Olympus PEN E-PL1 ansetzen und natürlich funktioniert alles manuell (kein AF, manuelles Abblenden). Fokussieren ist aber dank der Lupenfunktion an der E-PL1 ein Kinderspiel. Ich habe mir also mal den Spaß gemacht und einen kleinen Vergleichstest durchgeführt. Gegner waren die beiden anderen modernen 50 mm Brennweiten, die mir zur Verfügung standen: a) das Olympus Zuiko ED 40-150 f/4-5.6 bei 5.6, b) das Leica D Vario-Elmarit 14-50 f/2.8-3.5 bei 3.5 und 5.6. Beide Objektive lassen sich mittels Adapter mit allen Funktionen inkl. AF an der E-PL1 nutzen. Beim Nikkor habe ich 3 Aufnahmen bei 1.4, 2.8 und 5.6 gemacht. Und, vergleicht selbst anhand der Ausschnitte, die ich aus den Bildern gezogen habe (auf das Bild oben klicken, die Beschriftung steht jeweils oben über jedem Ausschnitt). Das Nikkor wird Testsieger bei 2.8 (5.6 ist fast genauso), bei 1.4 ist es noch scharf, aber etwas flau (perfekt für Portraits!). Enttäuscht bin ich ehrlich gesagt vom Pana-Leica-Zoom, das bei 3.5 arg schwächelt. Fazit: Das Nikkor ist das perfekte Portraitobjektiv an mFT und ich werde es dafür verwenden.

2011-06-05

Sears SL9 (Ricoh 35 Flex)

Diese Kamera habe ich heute auf einem kleinen Flohmarkt für nur 5 $ erworben (inklusive der zwei Vorsatzlinsen (s.u.) in einem Lederetui und einer originalen Betriebsanleitung). Beim späteren Ausprobieren und Recherchieren habe ich dann festgestellt, dass das Ding sehr gut erhalten und voll funktionsfähig ist und auch nur geringe Gebrauchsspuren aufweist. Ein echtes Schnäppchen also.
Sears ist eine große amerikanische Kaufhaus- und Versandhauskette, bekannt durch das damals höchste  Gebäude der Welt, den Sears Tower in Chicago (der allerdings heute nach seinem neuen Besitzer heißt und nur noch das höchste Gebäude in den USA ist). Sears hat in den USA, wie Foto Quelle oder Photo Porst in Deutschland japanische Kameras unter eigenem Namen vertrieben. Diese hier heißt im Original Ricoh 35 Flex, kam 1963 auf den Markt und war Ricohs erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera. 
Bemerkenswert an der Kamera ist die Möglichkeit zur vollautomatischen Belichtungssteuerung. Mit den beiden kleinen Hebeln unten am Objektiv kann man Blende und Zeit manuell einstellen. Beide haben aber auch eine Stellung mit einem kleinen grünen A für Automatik. Interessanterweise gibt es neben der Vollautomatik auch eine Zeitautomatik mit Blendenvorwahl, aber nicht das Gegenstück dazu. Versucht man eine Zeit vorzuwählen und läßt die Blende auf A, dann springt auch die Zeit auf A zurück. Damit gehörte die Kamera zu den ersten auf dem Markt mit automatischer Belichtungssteuerung. Die allererste war wohl 1961 die französische Royer Savoyflex Automatic, die ebenfalls wie die Ricoh/Sears einen eingebauten Selenbelichtungsmesser zur Steuerung verwendet.
Das Objektiv, ein vierlinsiges 2.8/50 ("f = 5 cm") Rikenon kann man nicht auswechseln. Statt dessen gibt es zwei relativ einfache Vorsätze (jeweils 2-linsig) , einen für Weitwinkel und einen für Tele. Ich habe heute an meinen Exemplaren Brennweiten von ca. 40 mm (Weitwinkel) und 70 mm (Tele) ermittelt, nicht die Reißer, aber immerhin. Die übrigen technischen Daten sind schnell aufgezählt: Seikosha Zentralverschluss 1/30 s bis 1/300 s und B, nur vier Blendenlamellen mit 2.8 bis 22, aufsteckbarer Zubehörschuh, Drahtauslöser- und Stativgewinde, Schnittbildentfernungsmesser und Anzeige des Belichtungsmessers im Sucher (Über-, Unter-Belichtung, bzw. richtig). Anschluss eines Blitzgerätes per Kabel, Bildzählwerk. Filmempfindlichkeit von 25 bis 400 ASA.
Diese Art von Kameras war Anfang der 60er Jahre recht verbreitet. Von verschiedenen anderen Kameraherstellern gab es ähnliche Modelle: Mamiya Auto-Lux 35 (= Revue Auto-Lux 35 und Porst Autoflex), Canonex, Nikkorex 35 und andere. Spätestens Ende der 60er Jahre war dann aber die Zeit der Zentralverschluss-SLR's vorbei und Schlitzverschluss und Rückschwingspiegel setzten sich durch.
Nachtrag 2023: Ich habe diese Kamera leider schon vor Jahren (mit Gewinn) verkauft, einfach weil ich dachte, sie passt nicht wirklich gut in meine Sammlung. Nun, heute bedaure ich den Verkauf, da sie doch eine kleine Kameraklasse repräsentiert, die die Belichtungsautomatik im Massenmarkt populär gemacht hat. Mehr dazu in meiner kleinen Geschichte der Belichtungsautomatik.

Datenblatt Vollautomatische Amateur-Spiegelreflex Kamera mit Zentralverschluss
Objektiv Vierlinsiges Rikenon 2.8/5cm, nicht auswechselbar. Weitwinkel- und Televorsatz, ergeben 40 mm bzw. 70 mm Brennweite.
Verschluss Seikosha Zentralverschluss 1/30 - 1/300 s und B. Blitzsynchronisation bei allen Zeiten.
Belichtungsmessung Eingebaute Selenzelle mit Nadelanzeige im Sucher. Vollautomatik, Zeitautomatik oder manuelle Einstellung möglich.
Fokussierung Einstellscheibe mit mit Schnittbild und Mikroprismenring. Nicht auswechselbar
Sucher Nadelanzeige des Belichtungsmessers mit roten Bereichen für Über- und Unterbelichtung.
Blitz X-Synchronbuchse. Zubehörschuh (ohne Mittenkontakt) aufsteckbar.
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk. Aufklappbare Rückwand.
Maße, Gewicht ca. 142/95/83(110 mit Vorsatzlinse) mm.
Batterie Keine.
Baujahr 1963 bis 1966, made in Japan.
Kaufpreis, Wert heute k.A. (1963), ca. 100 US$

2011-02-23

Panasonic Lumix G 20 mm f1.7 ASPH.

Meine kleine aber feine µFT-Ausrüstung hat heute Zuwachs bekommen. Das Lumix G 20 mm f1.7 ist mein drittes Objektiv direkt für meine Olympus E-PL1 (lassen wir die anderen über den Adapter ansetzbaren Linsen mal beiseite). Meine ersten Foto-Versuche heute abend bei Kunstlicht waren schon nicht schlecht, eines davon ist oben zu sehen, aber ich werde es wohl erst am nächsten Wochenende ausgiebig testen können. Später dann mehr dazu.
Wenn man das Ding googlet findet man fast ausschließlich Lob und Erstaunen über die optische Leistung dieses Winzlings. Glaubt man vielen Foreneinträgen, dann ist gerade diese Kombination von E-PL1 mit dem "Fremdobjektiv" von Panasonic das Maß der Dinge für das FourThirds-Format und sogar darüber hinaus. Ein besonders schönes Review hat Steve Huff in seinem Blog geschrieben. Darin schlägt das Objektiv an der E-P2 (gleicher Sensor wie die E-PL1) die Nikon D3s (Vollformat) mit dem Nikkor 50 mm f1.8. Nun ja, mal sehen...

2011-01-03

Olympus Zuiko ED 14-42 f3.5-5.6

Das ist heute standard: ein Zoom im KB-analogen Brennweitenbereich zwischen 28 und 85 mm, dieses hier ist aber (sieht man von den µFT-Optiken mal ab) das kompakteste von dutzenden meist mit den Kameras mitgelieferter Kit-Zooms. Respekt, Olympus! Trotzdem gibt's exzellente optische Leistungen, wie verschiedene Tests beweisen. Kehrseite der Medaille: Es ist relativ lichtschwach, vor allem im Telebereich und mit dem relativ kleinen FT-Sensor gibt es kaum Möglichkeiten mit der Schärfentiefe zu spielen.
Es bleibt nicht ganz so kompakt, wenn man in Richtung Tele zoomt, trotzdem sehr praktikabel an der Kamera, insbesondere an der E-420. An größeren Kameras wie meiner Panasonic L-1 wirkt es dagegen eher verloren.Weitere technische Daten gibt es auf der Olympus-Homepage. Wenn man sich dort genauer umschaut kann noch vier weitere Standard-Zooms in ähnlichem Brennweitenbereich entdecken, allerdings z.T. in anderen Preisregionen. Zusammengefasst: Ein unspektakuläres immer-dabei Objektiv zur E-420.

2010-11-29

Leica D Vario-Elmarit 14-50 f2.8-3.5

Zusammen mit der Panasonic Lumix DMC-L1 und der fast baugleichen Leica Digilux 3 kam 2006 dieses Standard-Objektiv auf den Markt. Unter den Leica-Fans gab es einen regelrechten Hype um dieses erste konsequent digitale Leica-Objektiv, einige meinten, alleine wegen dieser Optik lohne sich die Anschaffung oben genannter Kameras, da es Anfang nur im Set verkauft wurde. Zweifellos ist es ein sehr gutes Objektiv, nach Testergebnissen gegen die direkten Konkurenten von Olympus (mit dem selben Bajonett) ist es ein bißchen besser, den zum Teil dreimal so hohen Preis rechtfertigt das aber nicht. Ich hatte beim Kauf meiner L1 im Herbst 2006 keine Wahl und bin (zugegeben) auch etwas dem Namen Leica aufgesessen.
 
Neben der hohen Lichtstärke von 2.8 (eben ein Elmarit) hatte es 2006 mit dem im Objektiv eingebauten Bildstabilisator (Mega O.I.S.) ein Alleinstellungsmerkmal, welches wirklich beachtliches leistet. Die alte Verwackelungsregel "benutze kürzere Verschlusszeiten als den Kehrwert der Brennweite" (z.B. bei einem 28er Weitwinkel geht noch 1/30s aus der Hand) gilt nicht mehr. Ich habe mit dem Objektiv an der L1 verwackelungsfreie Aufnahmen mit 1/8 s gemacht! Das Gewicht der Kamera hilft hier natürlich auch, den Stabi stelle ich trotzdem eigentlich nie aus!
Über das Objektiv an sich (außer vielleicht das hohe Gewicht) kann ich nicht meckern. Leider hat es mich schon zweimal im Stich gelassen. Im Sommer 2007 konnte ich plötzlich nicht mehr den gesamten Zoombereich nutzen (der Zoomring blockierte bei ca. 21 mm), es war noch Garantie drauf und Panasonic hat's schließlich repariert. Im letzten Sommer dann die selben Spirenzien, allerdings konnte man etwas am Objektiv wackeln, dann gings mal und auch wieder nicht. Diesmal habe ich es nicht gleich zum Händler getragen (hatte ja auch keine Garantie mehr), sondern mal im Internet recherchiert. Und siehe da: auch andere hatten diesen Fehler schon bemerkt und auch Abhilfe beschrieben. Es geht um drei kleine Schräubchen, die unter dem vorderen Gummiring und einem abzulösenden Metallband zum Vorschein kommen. Diese lösen sich wohl gerne und blockieren dann den Zoomring. Wenn man's weiß kann man damit leben, trotzdem etwas peinlich für ein auch heute noch über 1000€ teures Objektiv. Ich benutze Kamera und Objektiv heute noch meist zuhause auf dem Stativ, es wird also nicht mehr so strapaziert wie früher und da soll es noch lange halten!