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2026-04-30

Rollei A26


Ich habe hier schon ein paar Kameras für Kodak's Instamatic-Kassette 126 vorgestellt, von der ersten Instamatic 100, über die schicken Agfamatics bis zur anspruchsvollen Yashica EZ-matic 4. Außerdem bin ich stolzer Besitzer aller fünf jemals gebauten SLR-Kameras für dieses Format. Wenn es aber um die Frage nach der besten 126er-Kamera geht, dann stimmen mir sicher viele Experten zu: Es ist diese Rollei A26, ein technischer Geniestreich von Heinz Waaske. Genau, DER Heinz Waaske, der schon die geniale Rollei 35 konstruiert hat. Mit der A26 setzt er 1972 nochmal eins drauf und kreiert eine Kamera, die nicht viel größer ist als die Filmschachtel für den PAK-Film, für den sie konstruiert ist. Gleichzeitig enthält die Kamera ein hochwertiges Objektiv, eine Belichtungsautomatik und schützt im geschlossenen Zustand alle Bedienelemente vor Fehlbenutzung und Verschmutzung. "Cleaner" geht Kameradesign fast nicht.   

Zeichnung aus der Patentschrift DE 2028430. Hauptanspruch
ist dieser Mechanismus zum mechanischen Rein- und Raus-
fahren des Objektivs. 
Zentrales Bedienelement ist die relativ einfache, äußere schwarz belederte Blechhülle, die man auseinander zieht. Dabei wird über eine komplexe Mechanik zunächst die Objektivschutzklappe zur Seite geschwenkt und dann das Objektiv ausgefahren und an der äußeren Stelle arretiert. Diese Konstruktion bildet die Grundlage für den Hauptanspruch von Waaske's Patent DE2028430. Beim Aufziehen kommt außerdem der Sucher und der zentral platzierte orange Auslöser zum Vorschein. Wird dieser zur Aufnahme betätigt, die selbstredend durch eine Belichtungsmesser-gesteuerte Programmautomatik (Trap-Needle) geregelt wird, und schließt man die Kamera danach wieder durch Zusammenschieben, wird der Film (zur Hälfte) transportiert und der Verschluss gespannt. Ein erneutes Auseinanderziehen für die nächste Aufnahme erledigt den Rest des Filmtransports. Waaske hat natürlich auch einen Freilauf in seiner durch verschiedene Planetgetriebe realisierten Mechanik vorgesehen: Die Kamera kann man natürlich beliebig oft auf- und wieder zuschieben, ohne dass der Film transportiert und der Verschluss gespannt wird. Nur das Objektiv fährt immer wieder rein und raus.

Die A26 war nicht nur die beste 126er Kamera, sondern gehörte auch zu den letzten, die dafür auf den Markt kamen. Die Ironie der Geschichte wollte es, dass Kodak im Frühjahr 1972 den Fotomarkt mit noch einer neuen Instamatic-Kassette ("Pocket-Film", 110er) aufrüttelte. Die bis dahin im Massenmarkt so erfolgreiche 126er Kassette sah plötzlich alt aus. Keine guten Marktstart-Voraussetzungen für Rollei und Heinz Waaske, die die fast fertige Kameraentwicklung (und Vorproduktion) nicht mehr stoppen konnten. Waaske und das Rollei-Management nahmen's sportlich und präsentierten die Kamera stolz auf der Photokina in Köln. Waaske wird mit dem Satz zitiert: "Die anderen bauen große Kameras für kleine Filme - wir bauen eine kleine Kamera für große Filme!"

Die A26 war natürlich auch eine der teuersten 126er Kameras. Mit Anfangs 418 DM gehörte sie klar ins Premiumsegment. Dies und die o.g. Umstände führten dazu, dass sie mit 100.000 Exemplaren hinter den Rollei-Erwartungen zurückblieb, die mit der Rollei 35 (500 Tausend, 2.5 Millionen für die ganze Rollei 35 Serie) anderes gewohnt waren. Aber Heinz Waaske durfte nochmal 'ran und seine Grundkonstruktion an die kleinere Pocket-Kassette adaptieren: Schon 1974 kommt mit der A110 die kleinste und ebenfalls vermutlich beste Pocket-Kamera auf den Markt, die sich bis 1981 über 200-Tausend mal verkauft, trotz ebenfalls hohem Preis.  

Datenblatt Kompakte, automatische Sucherkamera für Kassettenfilm (126)
Objektiv Sonnar 40 mm f/3.5 (Zeiss Lizenz, 4 Linsen)
Verschluss Spezieller Prontor-Zentralverschluss mit Trap-Needle Steuerung. Gebaut von Rollei in Lizenz.
Belichtungsmessung CdS-Belichtungsprogrammautomatik, stufenlos von 1/30s - f/3.5 bis 1/250s f/22 mit optischer Grenzwertanzeige im Sucher. Automatische Empfindlichkeitseinstellung 18 - 27 DIN (50 - 400 ASA). 
Fokussierung Manuell mit Einstellsymbolen (Oberseite) und m/ft-Skala (Unterseite des Objektivs). Kürzeste Einstellung 1 m/3.5 ft.
Sucher optischer Leuchtrahmensucher.
Blitz Optional ansteckbarer Computerblitz C26 im selben Design, LZ 21 inkl. automatischer Blitz und Blendensteuerung.
Filmtransport in zwei Schritten beim Auf- und Zuschieben des Gehäuses, Kontrolle und Bildzählwerk über Rückseitenfenster
sonst. Ausstattung Relais-Auslöser, Doppelbelichtungssperre, Beliebiges Öffnen und Schließen der Kamera ohne Filmtransport, aber mit automatisch versenktem und mit Schieber geschütztem Objektiv.
Maße, Gewicht 94 (112) x 63 x 33 (50)  mm geschlossen (offen), 280 g (mit Film 305 g). 
Batterie PX625, 1.35 V
Baujahr(e) Juli 1972 - Anfang 1976, ca. 100.000+ Exemplare, davon bis zu 10.000 in Braunschweig, die anderen "made by Rollei Singapore".
Kaufpreis, Wert heute 418 DM, ab 1975 ca. 298, Abverkauf 1976 ff: 199 DM. Heute ca. 30 €
Links Camera-WikiEmtus, Deutsches Kameramuseum, Buch: Jörg Eikmann, Ulrich Vogt: "Kameras für Millionen", Wittig Verlag 1997, ISBN 3-930359-56-1.

2026-04-02

Balda Piccochic

Vor ein paar Wochen schrieb mich ein Sammlerkollege per e-mail an, schickte mir ein paar Fotos dieser Kamera und bat mich, ihm beim Identifizieren zu helfen. Ich habe dann ein paar Stunden geknobelt und recherchiert, leider war der im Leder geprägte Schriftzug kaum zu entziffern. Aber irgendwann hatte ich es. Als ich ihm mein Ergebnis gemeldet habe, stellte sich heraus, dass er das gute Stück verkaufen wollte. Was soll ich sagen, nach kurzer Verhandlung war es meins und steht jetzt in der 3x4-Vitrine zwischen den beiden Dresdener Konkurrentinnen mit ähnlicher Spreizenkonstruktion:
Die Balda Piccochic zwischen ihren Dresdener Konkurrentinnen Welta Gucki und Kochmann Korelle

Das Balda-Werk, Max Baldeweg GmbH fertigte ab ca. 1913 Fotozubehör und begann 1925 mit dem Bau von (Platten-) Kameras. Schnell kamen auch Rollfilmkameras dazu und man legte eine enorme Expansion hin. Anfang der 1930er wurden mit über 1000 Mitarbeitern an vier Standorten in und um Dresden hauptsächlich preiswerte Box- und andere Amateurkameras produziert und Balda-Kameras waren meist etwas günstiger als ihre direkten Konkurrenten. 

Mit der Piccochic brachte man 1931 die erste Kleinbild-Kamera der Firma, wie viele andere zu der Zeit als Halbformat 3x4 für den eigentlich für 4x6.5 cm konfektionierten 127er Rollfilm. Sie ist genau wie ihre lokalen Konkurrentinnen Welta-Gucki und der Korelle 3x4 eine Spreizenkamera mit auf Knopfdruck herauspoppendem Objektiv. Von der Größe her sortiert sie sich zwischen die beiden anderen ein. Alle drei (und viele andere Modelle) sind von 1931 und es ist heute kaum noch zu ergründen, welche zuerst auf dem Markt war, bzw. wer was von wem abgeschaut hat. 

Die Piccochic wurde wohl nicht sehr lange gebaut, ich vermute maximal bis 1933. Der unten abgebildete Balda-Prospekt ist (wegen des erwähnten Rapid-Compur) von 1934 und dort wird per Stempel darauf hingewiesen, dass die Kameras nur noch aus dem Vorrat stammen. Es gab nämlich von Balda ab 1934 auch die 3x4-Kamera Baldi und ab 1935 die berühmte Kleinbildkamera Baldina für die 135er Patrone. Beide Neukonstruktionen teilen sich die für fast alle folgenden Balda-Kleinbildkameras typische Aufklapp-Konstruktion. Ab 1936 wird die Baldi in einer Einfachversion auch als Rigona vermarktet. Auch hat Balda schon damals die Kameras unter anderen Namen für (meist ausländische) Vertriebsgesellschaften gebaut.  

Datenblatt Kompakte Halbformat-Kamera (3x4 cm) für 127er Rollfilm
Objektiv Meyer Trioplan 5 cm f/3.5 (Triplet, #556224, ca. 1933). Kamera war auch mit anderen Objektiven erhältlich (siehe unten).
Verschluss F. Deckel Compur T-B-1-2-5-10-20-50-100-300 1/s, #2426887 (ca. 1931). Kamera war auch mit anderen Verschlüssen erhältlich (siehe unten).
Fokussierung per Frontlinsenverstellung, minimal 1 m. Mit höherwertigen Objektiven auch per separatem Schneckengang.
Sucher optischer Newton Aufklapp-Sucher, klappt gemeinsam mit Spreizenkonstruktion auf, nach Druck auf Öffnungsknopf.
Filmtransport mittels Drehrad auf der "Unterseite", doppelte rote Fenster für Filmrückseiten-Nummerierung  (wie alle 3x4 Kameras)
sonst. Ausstattung 3/8'' Stativgewinde, Ausklappständer für Querformat-Aufnahmen. Trageschlaufe aus Leder.
Maße, Gewicht ca. 108 x 72 x 41/65 (ein-/ausgeklappt), 360 g
Baujahr(e) 1931 - ca.1933, im Verkaufsprogramm bis ca. 1935
Kaufpreis, Wert heute ca. 70 RM (siehe unten), heute ca. 50-100€, seltene Varianten (z.B. mit Macro-Plasmat oder Elmar) deutlich mehr.
Links Camera-wiki, Engel-Art, Kamerasammlung.ch, Collection Appareils, CJ's classic cameras
Bei KniPPsen weiterlesen Meine 3x4-Sammlung, Das plötzliche Verschwinden der 3x4-KamerasBaldina, Jubilette, Korelle 3x4 
Seite aus einem Balda-Prospekt (vermutlich 1934, weil der Compur Rapid erwähnt wird). Man beachte den Stempel "Wird nur noch aus Vorrat verkauft".

Weil der Scan so schlecht ist, hier eine Transkription:

Dieser Knirps von Kamera leistet großartiges! * Infolge seiner geringen Außenmaße leicht in der Westentasche oder Damen-Handtasche unterzubringen * In 1 Sekunde schußbereit * 16 Bilder 3 x 4 cm auf einem 4 x 6,5 Rollfilm, selbstverständlich gestochen scharf zum Vergrößern * Objektive bis zur Lichtstärke f:2.9 gestatten Aufnahmen in allen Lichtverhältnissen.

PREISE einschließlich echtem Nappalederbeutel und Umhängeschnur

Vidanar 4.5 in Orig. Vario    RM 32,--
Trioplan 4.5 " Pronto-S          "    40,--
Xenar     3.5 " Comp. Schneckg. " 75,--
Xenar     2.9 "      "            "         "  83,--
Zeiss Tessar 4.5 in Compur        "  74,--
Zeiss Tessar 3.5 "  Compur        "   77,--
Trioplan 2.9 in Rapid-Compur    " 73,50
                    (mit 1/500 Sekunde)
Zeiss Tessar 3.5 Rapid-Compur    87,--

Zubehör: 
Echte Vollrindledertasche mit Trageriemen ...... RM 7,50

2026-03-19

Hapo 35 (Porst, aka Balda Mess Baldinette)

Nach drei Blitzgeräten, einem Belichtungsmesser und einem Objektiv gibt es hier mal wieder eine Kamera. Es handelt sich um Balda's Mess-Baldinette gebaut als Hapo 35 für Photo Porst. Die Kamera kann ihre Abstammung von der Vorkriegs-Baldina nich verleugnen, auch wenn sie selbst im westdeutschen Bünde und nicht mehr in Dresden gebaut wurde. Tatsächlich ist erstaunlich viel an der Konstruktion noch identisch (dazu unten mehr), auch wenn die durchgehende silberne Gehäusekappe sie wie eine moderne Nachkriegskamera erscheinen läßt. Diese Gehäusekappe verbirgt einen eingebauten aber ungekuppelten Entfernungsmesser (daher Mess-...). Eine entsprechende Super-Baldinette genannte Kamera gab es ebenfalls, diesmal mit gekuppelter Fokussierhilfe. Sucher- und Entfernungsmesser hatten in beiden Fällen ein eigenes Fensterchen, waren also keine Messsucher-Kameras.   

Das Interessante an dieser Kamera von ca. 1954 sind tatsächlich nicht ihre technischen Features, die waren schon seit 20 Jahren am Markt, sieht man mal von der Blitzbuchse am Verschluss und dem vergüteten Objektiv ab. Diese Kamerklasse wurde 1934 von Kodak's Retina (Typ 117) begründet, schnell kopiert von Welta und Balda, die dann zusammen den Siegeszug der Kleinbildkamera und der dazugehörigen 135er Patrone manifestierten. Diese Kameras gehörten zu den letzten, die bei Kriegsbeginn noch montiert wurden, und zu den ersten mit denen im Nachkriegsdeutschland die Produktion wieder aufgenommen wurde.  
Beltica (DDR, 1951), Hapo 35 (Mess-Baldinette, BRD 1954) und Jubilette (Deutsches Reich, 1938) können ihre Verwandtschaft nicht leugnen. Viele Teile sind identisch und untereinander austauschbar. 

Das wirklich erstaunliche an dieser Kamera ist die Tatsache, dass sehr viele Teile des Basisgehäuses mehr oder weniger identisch zur ursprünglichen Konstruktion der Baldina von 1936 sind. Insbesondere weil die Mess-Baldinette dabei aus der in West-Deutschland neugegründeten Balda-Fabrik in Bünde/Westfalen stammt und in der ursprünglichen (nun aber verstaatlichten) Fabrik in Dresden unter dem Namen Beltica ebenfalls eine fast identische Kamera gebaut wird. Man sieht es schon bei der direkten Gegenüberstellung im Bild oben. Ich habe es aber auch im Detail ausprobiert und die mit vier Schrauben fixierte Filmführung zwischen Beltica und Baldinette vertauscht: passt!

Datenblatt Einfache Balgen-Sucherkamera für Kleinbildfilm 24x36mm mit ungekuppeltem Entfernungsmesser
Objektiv Enna Haponar 5 cm f/2.9 (Triplet), vergütet
Verschluss Prontor-SV Zentralverschluss, B-1-2-5-10-25-50-100-300, muss separat vom Filmtransport gespannt werden, Gehäuse-Auslöser und Doppelbelichtungssperre mit Indikator auf der Gehäuseoberseite.
Fokussierung manuell per Frontlinsenverstellung
Sucher einfacher optischer Durchsichtsucher, separater Einblick für Entfernungsmesser
Blitz Anschluss von Blitzgeräten per PC-Buchse, umschaltbar M-X
Filmtransport Mittels Drehrad auf Kameraunterseite, Rückspulrad auf Gehäuseoberseite und Bildzählwerk (vorwärtszählend).
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4'', Zubehörschuh, Drahtauslösergewinde, Tiefenschärfetabelle, komplett versenkbares Objektiv, Standfuß für Hochkantaufnahmen
Maße, Gewicht 90 x 120 x 35/84 mm (geschlossen/offen), 495 g
Baujahr(e) ca. 1954
Kaufpreis, Wert heute (geschätzt 150 DM), 40 US$, heute ca. 20 € 
Links Camera-Wiki, CJ's Classic Camera Collection, Deutsches Kameramuseum
Bei KniPPsen weiterlesen Westdeutsche Nachkriegs Kameraproduktion, Beltica, Baldina, Jubilette, Welti, KB-Kameras im Vergleich, Hapo 24 (Balda)


2025-12-29

Exa 500

Im Jahr 1936 baute die Ihagee in Dresden die erste Kleinbild-SLR: die Kine-Exakta. Eine Kamera, die in vielen Aspekten ihrer Zeit voraus war und auch nach der Zwangspause durch den 2. Weltkrieg wieder aufgelegt wurde. Sie setzte Maßstäbe und wurde der Innbegriff der Systemkamera mit einer breiten Wechselobjektiv- und Zubehörpalette. Als Kamerahersteller genoss Ihagee sicher die Reputation als High-End Hersteller, konnte aber davon alleine wirtschaftlich nicht überleben. Während andere in dem 1950er Jahren ihre ersten SLRs überhaupt auf den Markt brachten, wurde Ihagee 1950 der Erfinder der Einsteiger-SLR, sprich: Eine eigene Kameralinie unter eigenem Namen (EXA), die vom Image der großen Schwester EXAKTA profitiert, aber sonst konsequent auf low-Budget getrimmt wurde. 
Beispielsweise hatten die ersten Exas einen so genannten Klappverschluss, bei dem der Spiegel die Rolle eines Verschlussvorhangs mit übernimmt. So und durch andere Maßnahmen ließen sich Teile und entsprechend Produktionskosten sparen. Ich will hier nicht die Geschichte der Exa-Serie im Detail wiederholen, dazu gibt es exzellente und ausführliche Seiten im Netz, siehe Links unten in der Tabelle. Die Exa 500 ist technisch gesehen das Top-Modell der Serie und hatte mit Rückschwingspiegel und der 1/500 s als kürzeste Zeit auch was zu bieten. 

Die EXA 500 neben ihrer Ahnin Exa II, die das erste Modell einer zweiten Exa-Linie mit fest eingebautem Prisma war. Ab 1963 teilten sich alle Exa-Modelle das selbe, etwas größere und abgerundete Gehäuse mit der komplett abnehmbaren Rückwand.

Exa Kameras waren insbesondere in den 50er und 60er Jahren auch auf westlichen Märkten sehr erfolgreich, insgesamt wurden zwischen 1.1 und 1.27 Millionen Stück (da scheiden sich manche Quellen) in 38 Jahren gebaut. Die Exa 500 steuert dazu ca. 103.000 bei. Mit ihr wurde 1969 das letzte Modell der "Exa II"-Serie mit fest verbautem Prisma wieder eingestellt. Das hing vermutlich damit zusammen, dass die bisher relativ unabhängig in der sozialistischen Planwirtschaft agierende Ihagee (ein Holländer war Hauptaktionär) nun doch bis 1970 komplett in den VEB Pentacon integriert wurde. Pentacon baute dann ab 1970 nur noch jeweils ein Exa-Modell, das war bis 1977 noch die Exa Ia, dann die Exa Ib (jetzt mit M42) und ab 1985 bis 1987 die Exa Ic 

Viele Exas, darunter auch mein Exemplar, sind nicht mehr funktionsfähig. Die doch an vielen Stellen „billige“ Konstruktion insbesondere bei Filmtransport und Verschluss ist anfällig für Defekte und meist lohnt sich eine Reparatur nicht mehr, bzw. ist mangels Ersatzteilen unmöglich. Ich war natürlich neugierig und habe mein gutes Stück aufgeschraubt, wie man an den Bildern sieht. Die Deckkappe für den Transportmechanismus habe ich nicht abbekommen, vermutlich hakt es dort und so bleibt mein Exemplar nur der Platz im Regal.

Datenblatt Einsteiger SLR für Wechselobjektive mit Exakta-Bajonett
Objektiv Exakta-Bajonett Wechselfassung, hier mit Meyer Domiplan 50 mm f/2.8 (Triplet).
Verschluss Vertikaler Tuchschlitzverschluss, B-2-4-8-15-30-60-125-250-500 (1/s), T möglich durch B + Auslösesperre.
Fokussierung Manuell auf SLR-Mattscheibe, Rückschwingspiegel. Einige Kameras hatten eine Mikroprismen/Fresnellupe als Einstellhilfe, dieses nur eine Mattlupe.
Sucher SLR, rotes Fähnchen, wenn Verschluss noch gespannt werden muss.
Blitz Anschluss per PC-Buchse, Synchronzeit 1/30 s (X) bzw. 1/125 s (M)
Filmtransport Mit Schnellspannhebel, 120°, Rückspulkurbel, Bildzählwerk (rückwärts), manuell. Möglichkeit einer aufnehmenden Patrone.
sonst. Ausstattung Auslösesperre, Stativgewinde 1/4'', Drahtauslösergewinde, Filmempfindlichkeitsmerkscheibe, Gurtösen
Maße, Gewicht 97x130x50/82 mm, 640g/796g (ohne/mit Objektiv)
Baujahr(e) 1966-1969, 103.000 Kameras
Kaufpreis, Wert heute 258 DDR-Mark (1970, nur Gehäuse), 93 Mark für Domiplan, 
Links Camera-WikiPhotobutmore, Broschüre, Bedienungsanleitung (deutsch), Manual (English), Dresdner-Kameras, Ihagee.org, Exaklaus-Liste 

2025-12-18

Coronet Vogue

Auch diese kleine Bakelit-Kamera habe ich auf der Darmstädter Fotobörse in diesem Jahr erworben. Sie stammt von der britischen Firma Coronet aus Birmingham, die von 1926 bis 1967 existierte und meist sehr einfache und preiswerte Kameras hergestellt und vermarktet hat. Die allermeisten Modelle waren Box-Kameras aus Pappe, später wurde auch viel Plastik verwendet. Mit Kunststoff als Gehäusematerial experimentierte man erstmalig Mitte der 1930er Jahre. Dazu kooperierte Coronet mit der Briminghamer Nachbarfirma E. Elliott Ltd., die entsprechende Spritzgussmaschinen besaß und für Coronet die Gehäuse für die Vogue und die noch kleinere Midget produzierte. Elliott selbst produzierte alles mögliche aus Kunststoff (damals meist Bakelit), wie zum Beispiel Gehäuse für Radios und andere Geräte, hatte dann aber auch ab 1935 mit der V.P. Twin eine eigene Bakelitkamera (127er Film) im Programm, für die im Gegenzug Coronet den Verschluss und andere mechanische Komponenten lieferte.  

Die Vogue ist eine schlanke, für Hosen- oder andere Taschen geeignete Einfachstkamera und verwendet einen speziellen V-35 genannten Rollfilm (unperforierter 35 mm Film mir Rückseitenpapier, ähnlich Kodak's 828), mit dem jeweils 6 Bilder im ungewöhnlichen Format 3 x 5 cm möglich waren. Auf Knopfdruck springt der "Laufboden" mit dem Objektiv fast explosionsartig hervor. Man kann sofort loslegen mit dem Fotografieren, denn einzustellen gibt es fast nichts: Das Objektiv ist ein f/10 Fixfokus-Meniskus mit ca. 58 mm Brennweite, der Verschluss erlaubt die Wahl zwischen "I" (instant, ca. 1/30 s) und "T" (time, B). 

Auf den Markt gekommen ist sie angeblich 1936, wie erfolgreich und wie lange sie in Produktion war, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Immerhin gibt es eine Werbeanzeige eines amerikanischen Distributors von 1938. Das und der aufziehende Weltkrieg, der auch die Produktionsanlagen der Firma Coronet zerstört hat, grenzt die Länge der Produktionszeit und Verbreitung durchaus ein. Auch der sehr "eigene" Film und das ausgefallene Format dürften einem größeren Markterfolg eher entgegen gestanden haben. Ob man den Kodak 828-Film (Bantam) verwenden könnte, kann ich leider mangels eines solchen nicht rausfinden, die 35mm-Rollfilmspule meiner Bobette jedenfalls ist zu groß für die Vogue.  


Datenblatt Einfachst-Kamera für 3x5 cm Aufnahmen auf 35 mm Rollfilm 
Objektiv Meniskus, ca. 58 mm f/10
Verschluss einfacher Box-Kamera-Verschluss, B und 1/30s
Fokussierung Fix-Fokus
Sucher winziger optischer Durchsichtsucher 
Filmtransport mit Drehrad an der Kameraunterseite, rotes Fenster für Bild-Nr. (1 bis 6) auf der Rückseite. 
sonst. Ausstattung Stativgewinde ca. 4 mm
Maße, Gewicht ca. 113 x 72 x 32/72 mm (zu-/aufgeklappt), 171 g
Baujahr(e) ca. 1936 -1938
Kaufpreis, Wert heute 5 US$ (1938), ca. 50 - 100 €
Links Camera-WikiCamera Manualartdecocameras.comGraces Guide

2025-12-12

Zulauf Bebe

Dieser ganz besondere Fang für meine Sammlung gelang mir am letzten Sonntag auf der Fotobörse Darmstadt. Es handelt sich um eine Zulauf Bébé Spreizenkamera für das Miniatur-Plattenformat 4.5 x 6 cm. Gebaut wurde sie ab ca. 1908 bis 1911 vom Schweizer Fotounternehmer Gottlieb Zulauf in Zürich. Zulauf hatte ursprünglich in seiner Züricher Werkstatt Mikroskope und andere optische Geräte produziert und wohl gegen 1901 begonnen, eigene Plattenkameras zu bauen. Einigen Erfolg hatte er dann mit diesem für damalige Plattenkameras sehr kompakten und entsprechend "Bébé" genannten Modell und mit der Stereokamera Polyscop, die im Wesentlichen eine doppelte Bébé war. Die Objektive kamen (unter anderem) von Carl Zeiss in Jena, deren Management auf diesen talentierten Schweizer und seine Kameras aufmerksam wurde.

Man machte Gottlieb Zulauf 1911 ein Angebot, dass er vermutlich nicht ablehnen konnte oder wollte: Er verkaufte seine Kamerakonstruktionen und die Firma an ICA in Dresden, bekam dafür ein signifikantes Aktienpaket der ICA und wurde Mitglied des Direktoriums und technischer Direktor. ICA (Internationale Camerafabriken Aktiengesellschaft) war 1909 als erster größerer Merger der deutschen Kameraindustrie aus den Firmen Hüttig (Dresden), Krügener (Frankfurt), Wünsche (Reick b. Dresden) und Carl Zeiss Palmos (Jena) entstanden. Die Carl Zeiss Stiftung als vermutlich wichtigster Aktionär der ICA zog im Hintergrund die Fäden. Bébé und Polyscop wurden ab 1912 dann als ICA Modelle weitergeführt, in Dresden bis ca. 1925 produziert und bekamen neben kleineren Design-Änderungen auch einen anderen Verschluss. Gottlieb Zulauf schied schon 1918 bei ICA aus und kaufte 1922 in Zürich eine Fotohandlung, die er noch bis zu seinem Ruhestand 1933 betrieb

Stichwort Verschluss: Ich war natürlich neugierig, habe aber nirgendwo etwas zum Verschluss der Bébé lesen können. Immerhin wird er mit einem Schieber in Form einer kleinen Messingkugel gespannt und erlaubt die Verschlusszeitenreihe B-2-3-5-10-25-50-100 (1/s). Diese wird mit einem Hebel am Objektiv eingestellt, eine Anordnung, die so gar nichts mit den Drehrädchen der damals üblichen Compound (Deckel) oder Kollos/Ibso (Gauthier) Zentralverschlüssen zu tun hatte. 
Wie man links sieht, habe ich also den Schraubenzieher zur Hand genommen und Objektiv und Frontplatte (Messing) abgeschraubt. Darunter kommt ein pneumatisch gehemmter Guillotinenverschluss zum Vorschein mit zwei rechteckigen Stahlblechen als verschließende Elemente. Den Zylinder des Hemmwerks erkennt man auf der linken Seite des GIFs. Dieser wird über eine Feder gespannt, pneumatisches Medium ist wohl Luft. Die verschiedenen Verschlusszeiten werden nicht wie bei anderen pneumatischen Verschlüssen (z.B. Compound) durch das Verändern der Luftauslass-Öffnung gebildet, sondern durch unterschiedlich lange Hebelwege der Sperrklinke des zweiten Verschlussbleches. 

Ich habe keine Ahnung, ob es solche Verschlüsse auch von anderen Herstellern und in anderen Kameras dieser Zeit gab, muss ich tatsächlich mal recherchieren. Jedenfalls hat der Verschluss als Zulauf'sche Eigenkonstruktion den Umzug der Bèbé Produktion nach Dresden nicht "überlebt": Die dann ICA-gelabelten Bébé Modelle bekamen einen modifizierten Compound-Verschluss (ebenfalls mit pneumatischen Hemmwerk), zu erkennen am charakterisitschen Drehrädchen neben dem Objektiv auf der Frontplatte.


Datenblatt Spreizenkamera für das Miniatur-Plattenformat 4.5 x 6 cm
Objektiv Carl Zeiss Tessar 7.5 cm f/4.5, #145472 (1910), abblendbar mit 9-Segment-Irisblende f/4.5-6.3-9-12.5-18-25-36
Verschluss pneumatisch gehemmter Guillotinen-Verschluss, B-2-3-5-10-25-50-100 (1/s). Eigene Zulauf-Konstruktion
Fokussierung Mit Fokushebel/Schneckengang, der das ganze rechteckige Verschlussgehäuse verschiebt. Skala bei meinem Exemplar in Fuß, kleinste Entfernung 3 Fuß (1 m).
Sucher ausklappbarer optischer Rechtecksucher mit Fadenkreuz.
Foto-Material Glasplatten oder Filmpacks im Format 4.5 x 6 cm
sonst. Ausstattung optinale Mattscheibe anstelle der Fotoplatte, 3/8'' Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 65x85x40/84 mm (zusammen-/aufgeklappt), 399 g
Baujahr(e) 1908(?) - 1911, diese #986 ca. 1910
Kaufpreis, Wert heute (ICA-Bebe: 72 US$, 192x), Zulauf ?, heute: ca. 200 - 400€
Links Camera-WikiCoeln-CamerasICA Bebe, EarlyPhotography

2025-11-23

Korelle 3x4 (späte Version)

Um Platz zu schaffen, bin ich gerade dabei mich von ein paar Kameras aus meiner Sammlung zu trennen. Ich habe vor, ca. 40 Stück auf der diesjährigen Darmstädter Fotobörse am nächsten Sonntag (30.11.2025) anzubieten. Beim Auswahlvorgang fiel mir diese Korelle 3x4 in die Hände und ich habe realisiert, dass ich noch nichts über sie hier im Blog geschrieben habe. Das hole ich hiermit nach, bevor sie hoffentlich nächste Woche einen neuen Besitzer findet. 

Bisher stand sie neben ihrer gleichnamigen Schwester in der Vitrine, die selbst eine meiner ersten 3x4-Kameras war und über die ich schon 2019 geschrieben habe. Meine Beschäftigung mit 3x4-Halbformat-Kameras gipfelte in einem Aufsatz, der sowohl hier im Blog als auch dann später in der Zeitschrift Photodeal (Ausgabe 110, III-2020) erschienen ist. Ich hatte die Korelle damals schon als Archetyp dieser Kameraklasse bezeichnet und sie ist vermutlich (neben der Nagel Vollenda 48) die am häufigsten gebaute 3x4-Knippse. Dieses Exemplar ist etwas einfacher gehalten als mein anderes. Das dreilinsige Victar von Ludwig in Dresden läßt sich als Triplet per Frontlinse fokussieren, die andere Korelle hat einen extra Schneckengang zur Verschiebung des ganzen Objektivs inkl. Verschluss. Außerdem fehlen die Linsen im Aufklappsucher. Interessant sind auch die Seriennummern von sowohl dem Compur als auch dem Objektiv. Beide deuten eher auf 1934 hin und würden die Korelle (ebenfalls neben der Vollenda 48) zu einem Longseller unter den 3x4-Kameras machen.  

Datenblattfrühe Halbformat (3x4 cm) Kamera für den 127er Rollfilm
Objektiv Ludwig Victar 5 cm f/2.9 (Triplet, Serien-Nr. 112694). Auch mit anderen Objektiven erhältlich. Objektivplatte per Balgen versenkbar. 
Verschluss Compur Zentralverschluss, T-B-1-2-5-10-25-50-100-300. Verschluss wird unabhängig vom Filmaufzug gespannt. Auch mit Vario, Pronto-S und anderen Zentralverschlüssen erhältlich. Keine Doppelbelichtungssperre. Compur Seriennummer: 3243234
Fokussierung Manuell am Objektiv (bis 1 m) durch Frontlinsen-Fokus (Triplet)
Suchereinfacher ausklappbarer Durchsicht-Sucher. Bessere Kameraversionen auch mit Linsen.
Filmtransport Mit Drehknopf auf Kameraunterseite, doppeltes rotes Bildnummern-Fenster für Halbformat.
sonst. Ausstattung Ausklappbarer Standfuß, Stativgewinde 3/8", Anschluss für Drahtauslöser, Bereitschaftstasche als Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 115 x 70 x 37/63 mm (geschlossen, offen), 309 g 
Baujahr(e) 1931 bis vermutlich 1934. Diese hier laut Seriennummern von Compur und Objektiv 1934.
Kaufpreis, Wert heute 87.30 RM (Photo Porst, 1932), andere Objektiv/Verschluss-Varianten von 36RM bis 115 RM. Heutiger Wert je nach Zustand ca. 50-150 €.
externe Quellen und Links KochmannWikipediaCamera-WikiOneTwoSeven.org127er Rollfilm, Collectiblend, Johannstadtarchiv
bei KniPPsen weiterlesenMeine andere Korelle 3x4Das plötzliche Verschwinden der 3x4 KamerasFoth DerbyFerrania Tanit, Gevaert 127er Film, Rollfilm 127, Ising Puck, Reflex-Korelle

2025-10-31

Nerasport 3x4

Mein Interesse an 3x4-Halbformatkameras für den 127er Rollfilm ist schon lange bekannt. Die meisten dieser Kameras stammen aus einer sehr kurzen Periode zwischen 1930 und 1932, spätere Modelle sind eher selten, insbesondere solche nach dem 2. Weltkrieg. Bei irgendeiner Recherche begegnete ich dieser Einfachst-Plastikkamera eher zufällig. Die Kombination aus 60er-Jahre-Plastik und 3x4-Format sowie der Schriftzug "made in Spain" erregten meine Aufmerksamkeit.

Folgendes konnte ich inzwischen an Informationen zusammentragen: Die Kamera geht zurück auf ein Design von Dacora (eigentlich Dangelmayer & Co. in Reutlingen), die sie selbst als Digna 44 und für Ilford als Sporti-4 produziert haben. Dies waren allerdings 4x4-Kameras im selben Plastikgehäuse und als Produktionsjahre wird meist ca. 1960-1965 angegeben. Auch die Nerasport gibt es in dieser 4x4-Version, die anderen o.g. Kameras aber nicht für 3x4. Von der Nerasport gibt es 2 Versionen der 3x4-Variante, die sich lediglich in der Form des Auslösers unterscheiden, die eine hat eine Gehäuse-integrierten eckigen Knopf wie alle anderen genannten 4x4-Kameras, die andere den hier gezeigten kleinen Hebel am Objektiv. Außerdem hat die Nerasport zum Blitz-Anschluss einen Mittenkontakt, die anderen (noch) eine PC-Buchse am Objektiv.
Das oben sind die Fakten, jetzt kommen meine Schlussfolgerungen und Vermutungen. Glauben wir mal, dass diese Kamera wirklich in Spanien produziert wurde, dann vermutlich aber mit den alten Presswerkzeugen von Dacora und damit eher nach 1965, was gut zum hot-shoe passen würde. Negra Industrial SA war eigentlich ein Filmhersteller, der natürlich ein Interesse daran hatte, billige Kameras unter die Leute zu bringen. Die Nerasport 3x4 gab es jedenfalls Ende der 60er als Belohnung für das Sammeln von Aufklebern der Schokoladenmarke Loyola. Ob man sie auch im Fotoladen kaufen konnte, habe ich nicht rausfinden können. Wenn das stimmt, wäre sie die letzte 3x4-Kamera, die auf den Markt gekommen ist, und passt so trotz ihrer Einfachheit gut in meine Sammlung.

Datenblatt Einfache Plastikkamera für 127er Rollfilm (3x4 cm)
Objektiv Kronglas-Meniskus, ca. 50 mm, Lochblende mit 2 Einstellungen: Sonne (ca. f/11), Wolken (ca. f/8)
Verschluss Boxkamera-Einfachverschluss, ca. 1/100 s (?)
Fokussierung Fix-Fokus
Sucher einfacher Durchsichtsucher mit Plexiglas
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt (Hot-Shoe)
Filmtransport Drehrad, 2 rote Rückseitenfenster für Rückseitenpapiernummern, üblich für 3x4 Format.
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4''
Maße, Gewicht 114x88x61 mm, 171 g
Baujahr(e) Ende der 1960er?
Kaufpreis, Wert heute Werbegeschenk, 10 €
Links Cameras Espanyoles, Blog de Muntanya, Borja Jordanfoticoscollection, Dacora Digna 44, Ilford Sporti-4

2025-08-29

Diana - Snappy - etc.

Auch eine Kamera, die in keiner ernsthaften Kamerasammlung fehlen sollte und diejenige mit den meisten Namen: Alleine von diesem Urtyp hier gibt es mehr als 40 Namensvarianten. Meine heißt SNAPPY, meist werden diese Kameras aber als DIANA zusammengefasst. Ob die erste von ihnen tatsächlich Diana hieß, oder Diana der häufigste Name war, läßt sich kaum noch rekonstruieren. 

Diese Kameras wurden ab den frühen 1960er Jahren von der Great Wall Plastic Co. in Hongkong vornehmlich für den Export in die USA aber auch nach Europa produziert und dort meist als Werbegeschenk unters Volk gebracht. Der Urtyp trägt auf der Rückwand-Entriegelung den Aufdruck "Made in Hong Kong No. 151", eine weitere wichtige Variante (Diana F) hatte einen zusätzlichen Blitzanschluss (No. 162) und wurde auch mit dem entsprechenden Blitzgerät für AG-1 Blitzbirnchen ausgeliefert. Leider findet man keine genauen Zeitangaben (ab wann und bis wann) und auch keine Mengenangaben, nicht mal Schätzungen. Die Technik des thermoplastischen Kunststoff-Spritzgusses gibt es im kommerziellen Maßstab seit dem Ende der 1950er Jahre. Ich denke, es wird ein paar Jahre gedauert haben, bis es zur massenhaften Herstellung von Werbeartikel-Kameras verwendet wurde.  Auch sind die Investitions- und Einrichtungs-Kosten für eine solche Spritzgussmaschinen im Vergleich zum eingesetzten Material immens, so dass es sich für kleinere Auflagen der Kamera kaum gelohnt haben dürfte. Ich wage daher mal eine Schätzung über so 5 bis 10 Millionen Stück (alle o.g. technischen und Namens- Varianten zusammen), an die 21 Millionen der Smena (eine eher ernsthafte Kamera) wird die Diana wegen der deutlich kürzen Bauzeit wohl nicht herangekommen sein.   
Die Produktion des Urtyps wurde spätestens in den frühen 1970er Jahren beendet, es gab ja inzwischen auch einfache 35 mm oder Instamatic-Kameras. Zum Kult wurde die Diana ab Ende der 1990er mit dem Aufkommen der lo-fi Fotografie (Lomography). Ab 2007 wurde wieder eine modifizierte Diana F+ in China produziert und im Internet aber auch in Buchläden etc. verkauft. 


Datenblatt Einfache Plastik- und Kultkamera
Objektiv Plastik-Meniskus ca. 66 mm 3-Blendenstufen mit einschwenkbarer Lochblende, Wettersymbole Wolke (f/11), Wolke+Sonne (f/13), Sonne (f/19) 
Verschluss selbstspannender Guillotinen-Verschluss, ca. 1/30 s ("I") und B
Film und Bildformat 120er Rollfilm, Bildformat aber nur 42 x 42 mm (16 Aufnahmen pro Film)
Fokussierung manuell am Objektiv, drei Entfernungszonen 12FT-INF (3.6 m-∞ ), 6-12 FT (1.8-3.6 m), 4-6 FT (1.2-1.8 m).
Sucher optischer Durchsichtsucher (Plastik-Linsen).
Filmtransport mit Drehrad an der Kameraoberseite, rotes Rückseitenfenster unten
sonst. Ausstattung keine!
Maße, Gewicht ca. 122 x 90 x 77 mm, 138 g
Baujahr(e) frühe 1960er bis Mitte der 1970er, 
Kaufpreis, Wert heute ab 50 US-cent, viele als Werbegeschenk. Heute ca. 5€-30€ 
Links Wikipedia, Wikipedia (engl.)Camera-WikiLomography Shop, Anleitung, Allan Dietrich, Collection Appareils