Nach drei Blitzgeräten, einem Belichtungsmesser und einem Objektiv gibt es hier mal wieder eine Kamera. Es handelt sich um Balda's Mess-Baldinette gebaut als Hapo 35 für Photo Porst. Die Kamera kann ihre Abstammung von der Vorkriegs-Baldina nich verleugnen, auch wenn sie selbst im westdeutschen Bünde und nicht mehr in Dresden gebaut wurde. Tatsächlich ist erstaunlich viel an der Konstruktion noch identisch (dazu unten mehr), auch wenn die durchgehende silberne Gehäusekappe sie wie eine moderne Nachkriegskamera erscheinen läßt. Diese Gehäusekappe verbirgt einen eingebauten aber ungekuppelten Entfernungsmesser (daher Mess-...). Eine entsprechende Super-Baldinette genannte Kamera gab es ebenfalls, diesmal mit gekuppelter Fokussierhilfe. Sucher- und Entfernungsmesser hatten in beiden Fällen ein eigenes Fensterchen, waren also keine Messsucher-Kameras.
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Das Interessante an dieser Kamera von ca. 1954 sind tatsächlich nicht ihre technischen Features, die waren schon seit 20 Jahren am Markt, sieht man mal von der Blitzbuchse am Verschluss und dem vergüteten Objektiv ab. Diese Kamerklasse wurde 1934 von Kodak's Retina (Typ 117) begründet, schnell kopiert von Welta und Balda, die dann zusammen den Siegeszug der Kleinbildkamera und der dazugehörigen 135er Patrone manifestierten. Diese Kameras gehörten zu den letzten, die bei Kriegsbeginn noch montiert wurden, und zu den ersten mit denen im Nachkriegsdeutschland die Produktion wieder aufgenommen wurde.
| Beltica (DDR, 1951), Hapo 35 (Mess-Baldinette, BRD 1954) und Jubilette (Deutsches Reich, 1938) können ihre Verwandtschaft nicht leugnen. Viele Teile sind identisch und untereinander austauschbar. |
Das wirklich erstaunliche an dieser Kamera ist die Tatsache, dass sehr viele Teile des Basisgehäuses mehr oder weniger identisch zur ursprünglichen Konstruktion der Baldina von 1936 sind. Insbesondere weil die Mess-Baldinette dabei aus der in West-Deutschland neugegründeten Balda-Fabrik in Bünde/Westfalen stammt und in der ursprünglichen (nun aber verstaatlichten) Fabrik in Dresden unter dem Namen Beltica ebenfalls eine fast identische Kamera gebaut wird. Man sieht es schon bei der direkten Gegenüberstellung im Bild oben. Ich habe es aber auch im Detail ausprobiert und die mit vier Schrauben fixierte Filmführung zwischen Beltica und Baldinette vertauscht: passt!
| Datenblatt | Einfache Balgen-Sucherkamera für Kleinbildfilm 24x36mm mit ungekuppeltem Entfernungsmesser |
| Objektiv | Enna Haponar 5 cm f/2.9 (Triplet), vergütet |
| Verschluss | Prontor-SV Zentralverschluss, B-1-2-5-10-25-50-100-300, muss separat vom Filmtransport gespannt werden, Gehäuse-Auslöser und Doppelbelichtungssperre mit Indikator auf der Gehäuseoberseite. |
| Fokussierung | manuell per Frontlinsenverstellung |
| Sucher | einfacher optischer Durchsichtsucher, separater Einblick für Entfernungsmesser |
| Blitz | Anschluss von Blitzgeräten per PC-Buchse, umschaltbar M-X |
| Filmtransport | Mittels Drehrad auf Kameraunterseite, Rückspulrad auf Gehäuseoberseite und Bildzählwerk (vorwärtszählend). |
| sonst. Ausstattung | Stativgewinde 1/4'', Zubehörschuh, Drahtauslösergewinde, Tiefenschärfetabelle, komplett versenkbares Objektiv, Standfuß für Hochkantaufnahmen |
| Maße, Gewicht | 90 x 120 x 35/84 mm (geschlossen/offen), 495 g |
| Baujahr(e) | ca. 1954 |
| Kaufpreis, Wert heute | (geschätzt 150 DM), 40 US$, heute ca. 20 € |
| Links | Camera-Wiki, CJ's Classic Camera Collection, Deutsches Kameramuseum, |
| Bei KniPPsen weiterlesen | Westdeutsche Nachkriegs Kameraproduktion, Beltica, Baldina, Jubilette, Welti, KB-Kameras im Vergleich, Hapo 24 (Balda) |





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