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2013-05-29

Agfa Isopan Super-Spezial (ISS)

Hier eine alte Agfa Broschüre aus meinen Beständen. Sie ist von 1937 und bewirbt sehr ausführlich den damals neuesten Stand der Schwarz-Weiß-Film Forschung, gerade frisch mit hochempfindlichen 21° DIN auf den Markt gekommen. Agfa war übrigends auch gerade dabei, Farbfilme auf den Markt zu bringen, hier nachzulesen. 
Agfa's Isopan Spuper-Spezial gab es in einigen Konfektionen und wurde bis Anfang der 60er Jahre sowohl in Wolfen als auch in Leverkusen hergestellt. Im Prinzip ist er der Urahn der späteren Agfapan 100 oder Orwo NP21. 
Wem das oben zu schnell geht mit dem Durchblättern...;-), hier gibt's die Broschüre als PDF.

2012-12-12

Gevaert Superchrom Express Film

Dieser bisher unbenutzte, aber mindestens 66 Jahre alte Rollfilm fiel mir auf dem letzten Kameramarkt am Stand zweier älterer Damen in die Hände, die die Fotobestände ihres verstorbenen Vaters loswerden wollten. Es handelt sich um einen 127er Rollfilm (bei Gevaert hieß das Format "G27", bei Agfa "A8"), vor dem Siegeszug der Kleinbildpatrone ein sehr erfolgreiches Format für kompakte Kameras. Für mich Gelegenheit etwas über Geschichte und Chemie der Sensibilisierung zu schreiben.
Gevaert Express Superchrom

Es handelt sich also um einen hochempfindlichen orthochromatischen Schwarz-Weiß-Film. Orthochromatisch bedeutet nach dem Wortsinn eigentlich "recht farblich" und wurde eingeführt zur Unterscheidung zu den ersten verfügbaren Filmmaterialien auf Silberbasis, die nur für kurzwelliges blaues Licht empfindlich waren (A im Diagramm).
Verschiedene Sensilibisierungen von Schwarz-
Weiß-Filmen: A) ohne, B) orthochromatisch,
C) panchromatisch. Quelle: Ullmann's Encyclopedia
of Industrial Chemistry
Orthochromatische Filme (B) sind zusätzlich noch für grünes Licht empfindlich und setzen damit die Farben einigermaßen natürlich in Graustufen um. Einigermaßen aber nur, denn der Rotanteil fehlt immer noch, der wird erst mit den panchromatischen Filmen (C) eingefangen. Fotopapiere sind oft orthochromatisch sensibilisiert, denn man kann sie im roten Dunkelkammerlicht ungefährdet verarbeiten. Nur für SW-Abzüge von Farbnegativen braucht man panchromatisches Papier.
Das Prinzip der Sensibilisierung wurde schon 1873 vom Berliner Chemiker Hermann Wilhelm Vogel gefunden, als er erkannte, dass Beimischungen bestimmter Farbstoffe die spektrale Empfindlichkeit der Silberemulsionen erweitern konnten, um so zu einer natürlicheren Grautonwiedergabe zu kommen. Ab den 1880er Jahren gab es immer besser werdende orthochromatische Fotoplatten, -papiere und schließlich auch -filme. Im Jahre 1902 erfanden die beiden Chemiker und Fotopioniere Adolf Miethe und Arthur Traube die panchromatische Sensibilisierung durch die Verwendung einer intelligenten Mischung verschiedener Farbstoffe auf der Oberfläche der Silberbromidkristalle. Es dauerte allerdings noch einige Jahrzehnte bis sich panchromatische SW-Filme als allgemeiner Standard durchsetzten. Orthochromatische Filme hat es aber immer gegeben und gibt es sogar heute noch. Gezielte Sensibilisierung von Silberhalogenid-Emulsionen ist natürlich auch Grundlage und notwendige Voraussetzung von Farbfilmen. Siehe hier... 

Bei KniPPsen gibt es inzwischen einige Kameras für den 127er Rollfilm...

2012-11-29

Kodak Disc

disc
Alle 10 Jahre ein neues Filmformat und damit das eigene Geschäft gehörig ankurbeln. 1963 war es die Instamatic Kasette (126), 1972 kam der Pocket-Film (110); und was zweimal geklappt hat muss einfach nochmal gehen. 1982 brachte Kodak also den Disc Film (der im übrigen keine Format-Nummer bekommen hat) und mit ihm natürlich neue Kameras und alles Zubehör. Das Bildformat war mit 8x11 mm genauso groß wie bei den Minox Miniaturkameras und damit das kleinste jemals komerziell angebotene Bildformat (selbst die Hit-Kameras hatten größere Negative!). 15 dieser kleinen Bildchen waren auf der 63 mm im Durchmesser großen kreisrunden Scheibe, das Ganze in einer 7 mm dicken Plastikkasette, die per Schieber automatisch lichtdicht verschlossen wurde, nahm man den Film aus der Kamera.
Kodak führte mit dem Film eine neue Emulsionstechnologie ein (T-Grain, Kodacolor HR und VR), die verglichen mit den Vorgängergenerationen feineres Korn und größere Schärfe brachten. Das war wegen der kleinen Negative auch nötig, Vergrößerungen über 10x15 cm sahen trotzdem häßlich aus. Anfangs sah die Einführung des neuen Formats und dazugehöriger Kameras noch wie ein Erfolg aus, doch schon nach 8 Jahren (1990) stellte Kodak ihre Disc-Kameraproduktion ein, der Film wurde interessanterweise noch bis 1999 im Programm geführt. Auch andere Filmhersteller produzierten zwischenzeitlich Disc's, kaum ein namenhafter Kamerahersteller hat sich aber je an Kameras für das Format gewagt. Wer noch unentwickelte Disc's besitzt kann sie immer noch von Spezial-Laboren entwickeln lassen, z.B. hier, wo auch die 8 Disc-Filmgenerationen aufgelistet sind, die auf jeder Disc als weiße Zahl auf rotem Grund in der rechten Ecke des Aufklebers genannt wird.   
Die Internet-Seite complex.com listet die Disc auch auf Platz 35 der "50 worst fails in tech history" (50 schlimmsten Misserfolge der Technikgeschichte), insbesondere auch wegen ihrer Bildqualität. Einer winzigen Minox verzeiht man die geringe Auflösung noch, aber Disc-Kameras waren auch nicht kleiner als kompakte 135er. Kodak hat die Disc niemals öffentlich als Fiasko bezeichnet und sich sogar ab 1996 wieder an APS gewagt, diesmal mit anderen zusammen.

2012-08-14

Kodak Autographic Film (116)

Das hier ist eine Metallspule für Eastman's Kodak No. 116 Rollfilm aus meiner No.1A Kodak Junior Faltbalgenkamera. Vermutlich war auch mal Autographic Film aufgespult, sowas wie der analoge Vorläufer einer Datenrückwand. Die Erfindung wurde schon vor 100 Jahren gemacht und zwar von Henry Jacques Gaisman, einem sehr vielseitigen Erfinder. George Eastman kaufte ihm die Erfindung 1913 für 300,000 US$ ab, damals eine riesige Summe, angeblich die größte Summe die bis dahin für eine einzelne Erfindung gezahlt wurde. Von verschiedenen Rollfilmen gab es ab 1914 jeweils eine Autographic Variante mit demselben Bildformat, man brauchte aber auch eine entsprechende Kamera. Der Autogrphic Film kostete nicht mehr als der entsprechende Film ohne, Kodak hatte wegen des Patents allerdings ein Alleinstellungsmerkmal und konnte so die Kunden an seine Filme binden.
So, wie funktioniert das Ganze nun? Autographic Film war erst einmal ein ganz normaler Schwarzweiß-Rollfilm, hatte aber statt einem einfachen Papierträger eine doppelte Papierschicht hinter dem Film. Die äußere war rot und leicht lichtdurchlässig, die mittlere schwarz und so eine Art Kohlepapier. Wenn man mit einem spitzen Gegenstand wie einem Stift Eindrücke darauf hinterließ, wurde es an diesen Stellen durchscheinend. Jetzt konnte man also nach der Aufname die spezielle Autographic-Klappe auf der Rückseite der Kamera öffnen, mit dem Stylus, einem Metall-Stift (fehlt leider bei meinem Exemplar) seine Notizen aufzeichnen und musste dann für ein paar Sekunden das Ganze ans Licht halten. Dadurch wurde dann das Geschriebene auf den Zwischenraum zwischen den Bilden einbelichtet. Klever, oder? 

Kodak's Autographic Film kam 1914 auf den Markt und Kodak stattete viele seiner Kamermodelle mit dem Feature aus und hat sogar später Kamerarückwände damit extra angeboten. Ganz ähnlich wie die Datenrückwände in den 1980ern. 1932 hat Kodak die Produktion der Autographic Filme wieder eingestellt, vermutlich weil höher empfindliche Filme aufkamen, die es technisch deutlich schwieriger machten, das Prinzip umzusetzen. Vielleicht war aber auch das Kundeninteresse nicht so groß und kaum einer verwendete diese Funktion? Auch die Datenrückwände der 80er haben meines Wissens sich nicht wirklich breit durchgesetzt.

2011-08-06

Advanced Photo System (APS Film)

 
Das Advanced Photo System (APS) kann man wohl als einen der größten Flops der Fotogeschichte bezeichen. Es war ein wohl gut gemeinter (in wessen Sinne wohl?) Versuch, ein modernes Fotosystem rund um eine neue Filmspezifikation zu etablieren und dabei einige Schwächen, die die gute alte Tante 135 alias Kleinbildfilm unbestritten hat, über Bord zu werfen. Immerhin haben sich die Großen der Branche (Kodak, Fuji, Agfa, Nikon, Minolta, Canon, etc.) zusammengerauft und 1996 ein gemeinsames System auf den Markt gebracht, nicht jeder 'was eigenes. Vermutlich hat aber gerade dieses gemeinsame Vorgehen wertvolle Zeit gekostet. Wäre APS ein paar Jahre früher auf den Markt gekommen, dann wäre es nicht so schnell von der digitalen Fotorevolution hinweggewischt worden.
Man hat aber wohl auch ein bißchen am Verbraucher vorbei gedacht und sich zu sehr auf die eigenen Vorteile konzentriert. So wurden systembedingte Kostenvorteile (z.B. der um ca. 70% geringere Materialbedarf pro Bild, oder Kosteneinsparungen durch die Prozessautomation bei der Entwicklung) in die eigene Tasche gesteckt, der Endkunde hat pro Bild eher noch etwas mehr gezahlt bei etwas geringerer Bildqualität.
Einiges an APS war gut gedacht, aber am Ende nicht konsequent an den Bedürfnissen der Fotografen ausgerichtet:
a) Weglassen der Perforation. Dieses Relikt vom Cinefilm war eigentlich auch schon beim Kleinbildfilm unsinnig. Rollfilm kommt schon immer ohne aus und man verschenkt unnötig Material. Durchs Weglassen kann man den Film und letztendlich auch die Kameras kompakter und leichter machen. Warum man dann aber das Format des Bildes fast halbiert (genau 56%) hat ist nicht ganz einzusehen.
b) Wegen des kleineren Bildes mussten bessere Emulsionen her und diese wurden auch entwickelt und angeboten. Ob sie wirklich den Performanceverlust des kleineren Bildes ausgleichen konnten, bleibt dahingestellt. Jedenfalls haben die Filmhersteller die verbesserten Emulsionen dann auch für's Kleinbild angeboten und damit den alten Qualitätsunterschied zu gunsten des KB wieder hergestellt.
c) Die drei Formate 30.2x16.7mm (sog. HD, 16:9), 23.4x16.7nmm (Classic, 3:2) und 30.2x9.5 mm (Panorama, 3:1) waren ein nettes Gimmik und wurden damals schwer beworben. Dass diese nur durch "Cropping" realisiert wurden und damit mit einem Auflösungsverlust einhergehen wurde geflissentlich verschwiegen. Der ambitionierte Amateur lässt sich aber kaum täuschen und hat u.a. auch deshalb die Finger von APS gelassen.
d) Das technische Design der Dose und die damit verbundenen Features sind recht gut gelungen. Automatische Filmeinfädelung, Austausch teilbelichteter Filme, Verbleib der Negative in der staubsicheren Kasette, u.a. sind alles Dinge, die tatsächliche Fans des APS hervorheben.
e) Die Speicherung von Daten aus der Kamera auf einem Magnetstreifen des Films zur Kommunikation mit dem Labor. Gut gedacht, das volle Potential wurde aber meist kaum ausgeschöpft.

In Summe sind es aber alles Vorteile, die hauptsächlich für Fotolaien gemacht sind. Amateure und auch Profis brauchen das meiste davon nicht. Das Format APS-C hat zumindestens als Bezeichnung den Sprung ins digitale Fotozeitalter geschafft. Sony hat diese Bezeichnung für Sensoren eingeführt, die fast so groß wie das alte APS-C sind, Nikon nennt ein entsprechendes Format DX.
Ich persönlich habe nie mit diesem Film fotografiert. Mein Exemplar hier habe ich von einer Freundin der Famile bekommen, die im gemeinsamen Urlaub mal einen ganzen Satz von Fotos von uns gemacht hat und uns den Film für eigene Abzüge überlassen hat.  

2011-03-02

Agfacolor, unmaskiert

Dieses Farbfoto wurde Ende Januar 1969 aufgenommen (im südafrikanischen Sommer) und zeigt mich selbst (weiße Badehose) mit zwei befreundeten Kindern beim Planschen. Vermutlich hat mein Vater dieses Foto mit seiner Exa II auf Agfacolor CN17 gemacht, dem damaligen Universal-Farbfilm. Jedenfalls sprechen viele Indizien dafür: 
1) Ich habe das Foto neben ein paar anderen in dieser Tüte gefunden:

Spätere Agfa-Tüten waren orange und bewarben namentlich den Agfacolor CNS, den Nachfolger des CN17.
2) Die Farben auf dem Foto sprechen für einen unmaskierten Farbnegativfilm, dazu unten mehr. 
3) Der (maskierte) Agfacolor CNS kam 1968 in Deutschland auf den Markt. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass mein Vater diesen im Januar 1969 in Namibia schon kaufen konnte.
Doch wie ist das nun mit der Farbmaske und den charakteristischen Farben unmaskierter Farbfilme? Farbnegativfilme verwenden bekanntermaßen drei übereinanderliegende Schichten mit den drei Farbstoffen Yellow, Magenta und Cyan aus denen sich per subtraktiver Farbmischung für unser Auge jede andere Farbe mischen läßt. Da es ein Negativfilm ist enthält die blauempfindliche Schicht des Films nach der Entwicklung den gelben Farbstoff, die grünempfindliche Schicht den Magenta Farbstoff und die rotempfindliche den Farbstoff Cyan (also jeweils ihre Komplementärfarben).
Jetzt ist es aber leider so, dass reale Farbstoffe zusätzlich zu ihrem Hauptabsorptionsmaximum, welches ihre Farbe bestimmt auch noch Licht in anderen Teilen des Spektrums absorbieren. Das sind die sogenannten Nebendichten, die besonders bei Magenta und Cyan auftreten und quasi das Yellow verschmutzen. Für eine einigermaßen korrekte Farbwidergabe sorgten die Fimhersteller dafür, dass zumindest das Grau als Mischung aller drei Grundfarben einigermaßen neutral wiedergegeben wird. Das führte bei den Farbnegativfilmen bis zum Ende der 60er Jahre zu den charakterisitschen Farbverschiebungen (eben wegen der Nebendichten): Gelb wurde ganz ordentlich wiedergegeben, blau etwas zu dunkel aber korrekt, grün und rot waren stets leicht bräunlich. Das änderte sich dann mit den Farbmasken, die ab Anfang der 70er Jahre sich mit den neuen Kodacolor und dem Agfacolor CNS schnell durchsetzen konnten, den Nebendichten entgegenwirken und für eine natürliche Farbwidergabe sorgen. Charakteristisch für maskierte Farbnegativfilme ist das orange-bräunliche Negativ, wie das genau funktioniert, kann man z.B. hier nachlesen. Wer möchte, kann Farbe bequem am Computer mischen und den Effekt der Nebendichten selbst ausprobieren.

2010-11-15

Compact Flash Cards

Speicherkarten sind die Filme des digitalen Fotozeitalters. Obwohl, so ganz stimmt das natürlich nicht. Der Film wurde durch Sensor UND Speicherkarte ersetzt, aus einem Verbrauchsmaterial wurde etwas wiederverwertbares. In einem Sinn steht die Speicherkarte aber ganz klar in der Tradition vom Film: Irgendwann ist halt der Film oder die Speicherkarte voll. Das passiert zwar je nach Einstellungen heute meist erst nach über 100 Bildern und nicht schon nach 24 oder 36 wie früher und oft ist der Akku der Kamera schneller leer als die Speicherkarte voll. Man sollte also stets (wie früher auch) Ersatz dabei haben.
CompactFlash Cards sind 1994 auf den Markt gekommen, haben seit dem eine enorme Entwicklung durchgemacht und sind auch heute noch mit dabei an der Spitze der technischen Entwicklung, insbesondere was Geschwindigkeit und Kapazität angeht. Bei der Verbreitung wird das Format inzwischen im Amateurmarkt von SD-Karten überholt, viele andere Speicherkartenformate, die zwischenzeitlich auf den Markt kamen, wie z.B. Sonys MemoryStick , Toshiba's SmartMedia Card oder Olympus/Fuji's xD-Picture Card sind schon tot oder werden es in Kürze sein, wie man an den Ankündigungen der jeweiligen Hersteller lesen kann.
Interessant zu verfolgen war die Entwicklung der Karten in den letzten Jahren, die natürlich Schritt halten mussten mit der Entwicklung der Digitalkamera-Sensoren, beides im Bezug auf Speicherkapazität und Schreib/Lesegeschwindigkeit. Karte ist hier nicht gleich Karte. Während die 16MB-Karte oben aus dem Jahr 2000 noch sehr gemütlich zu lesen und beschreiben ist, ist die SanDisk Ultra-II von 2008 schon sehr flott. Auch der Preisverfall pro MB war enorm in den letzten Jahren. Mit der stetigen Verdoppelung der Speicherkapazität halbierte sich stets der spezifische Preis, so dass der Preis für das jeweils aktuell benötigte Mittelklassemodell relativ konstant bei ca. 20-50€ blieb. Erst in letzter Zeit wurd's noch preiswerter, weil die Entwicklung bei den Speicherkarten zwar weitergeht, der MP-Wettlauf bei den Kameras aber langsam aufhört. Gut so!

2010-08-27

ORWO Filme

ORWO Schwarzweißfilme waren für mich als Schüler, Zivi und später Student eine preiswerte, aber doch recht gute Lösung, um meinen enormen Bedarf an Filmen zu decken. 1984 habe ich den ersten Schwung dieser Filme bei einem Verwandtenbesuch in der DDR vom Zwangsumtauschgeld gekauft, später dann nochmal 1988 in Ost-Berlin nachgelegt, doch auch in Wuppertal konnte man später solche Filme günstig kaufen. Oben sieht man fast die gesamte Palette an SW-Negativfilmen, ORWO produzierte aber auch Farbfilme. Von diesen habe ich auch mal einen ausprobiert, dieser erreichte aber bei weitem nicht das Qualitätsniveau westlicher Filme. Die SW-Filme waren vom Tonwertumfang vergleichbar mit Agfa, Kodak oder Ilford-Standardfilmen, der NP27 z.B. erreichte aber nicht das Niveau eines Tri-X oder HP5, was die Körnigkeit angeht. Praktisch waren die einfach zu öffnen und wiederverschließbaren Plastik-Patronen. Ich habe sie gerne für Meterware genutzt.
ORWO steht für "ORiginal WOlfen" und ist die 1964 neu eingeführte Marke für Filme aus der ehemals größten Filmfabrik Europas, wo bis zu diesem Zeitpunkt Filme unter der Marke Agfa produziert wurden. Die weltweiten Markenrechte (bis auf den Ostblock) an Agfa hatte sich nämlich die westdeutsche Neugründung der Agfa in Leverkusen gesichert. Der VEB Filmfabrik Agfa Wolfen war an kapitalistischen Werten wie Markennamen nicht sonderlich interessiert und hat diese Entwicklung einfach verschlafen. Die Geschichte der Fotofabrik in Wolfen kann in einem Buch von Rainer Karlsch nachgelesen werden. 

Von der ehemals riesigen Filmfabrik ist heute nur noch ein ödes Gelände übrig. Die meisten Gebäude sind abgerissen, einige wurden unter Denkmalschutz gestellt. In einem der ältesten noch erhaltenen Gebäude ist heute das Industrie- und Filmmuseum Wolfen, welches ich schon zweimal besucht habe und hier wärmstens für jeden Foto-Interessierten empfehlen möchte. Man kann in einer sehr interessanten Führung die alten Maschinen besichten, auf denen ab 1936 der erste Mehrschichtenfarbfilm der Welt, der Agfacolor-Neu gegossen wurde. Neben den Maschinen gibt es noch eine recht umfangreiche Kamera-Sammlung und vieles andere Interessante zum Thema Fotografie und Industriegeschichte. Der Museums-Shop verkauft für wenig Geld u.a. alte ORWO-Broschüren. Aus einer von diesen stammt das oben abgebildete Schema zur Filmherstellung.
In diesem Jahr feiert die ehemalige Filmfabrik übrigends 100-jähriges Jubiläum und gerade am heutigen Tag wird das Industrie- und Filmmuseum von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) als "Historische Stätte der Chemie" ausgezeichnet.

2010-08-26

Schwarzweißfilme

Beim Stöbern durch meinen Fotokram fiel mir gestern ein Schuhkarton mit leeren Filmpatronen von Schwarzweißfilmen in die Hände. Ich habe in meiner Fotodrangzeit zwischen 1982 und 1989 insgesamt fast 100 Schwarzweißfilme verknippst und bis auf vielleicht 2 alle selbst entwickelt. Da bleiben dann natürlich die leeren Patronen zurück und ich habe von jeder Sorte eine Patrone aufgehoben. Wenn man bedenkt, dass dazu noch ein paar wenige Farbnegativfilme und noch eine Menge Diafilme kommen (zu denen komme ich später noch), sind das im Durchschnitt alle 14 Tage ein Film. 

Die Negativstreifen all dieser Filme habe ich natürlich aufgehoben (fein säuberlich abgeheftet in einem Aktenordner) und ich habe mir damals noch die Mühe gemacht, diesen zu indizieren und fein säuberlich zu notieren, welcher Film jeweils verwendet wurde. Da fällt es mir heute nicht schwer ein bisschen Statistik zu betreiben.


Mein Lieblingshersteller ist demnach Kodak, dort erst der Tri-X-Pan und später der T-Max 400 als absolute Favoriten. Aber auch die Firma Orwo aus der ehemaligen DDR hatte es mir insbesondere wegen des Preises angetan. Hier habe ich die Gelegenheit eines Verwandtenbesuchs 1984 genutzt und den Zwangsumtausch in Fotomaterial investiert. Später habe ich auch Orwofilme im "Westen" gekauft, sie waren einfach billig und durch die eigene Entwicklung hat man die Qualität recht gut im Griff. Schaut man auf die von mir bevorzugte Filmempfindlichkeit, erkennt man meine Vorliebe für hochempfindliche Filme. Ich mag halt keinen Blitz und die Kombination aus ASA 400 (27°DIN) und lichtstarken Objektiven erlaubt auch Fotografieren ohne. Nur im Sommer habe ich auch noch mit der Standardempfindlichkeit von 100 ASA (21°DIN) gearbeitet.


Später habe ich die Schwarzweißfotografie aus Zeitmangel (Familie, Beruf, ...) mehr oder weniger aufgegeben. Nach 1989 habe ich vielleicht noch eine handvoll Filme entwickelt. Schade eigentlich! In meinem Schuhkarton habe ich noch einen einzigen unbelichteten SW-Film gefunden: einen Kodak T-Max 3200, Haltbarkeitsdatum 1997 abgelaufen. Ich bin trotzdem davon überzeugt, dass man immer noch Bilder damit machen kann und ich habe beschlossen, das demnächst auszuprobieren. Ich werde berichten.