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2025-12-29

Exa 500

Im Jahr 1936 baute die Ihagee in Dresden die erste Kleinbild-SLR: die Kine-Exakta. Eine Kamera, die in vielen Aspekten ihrer Zeit voraus war und auch nach der Zwangspause durch den 2. Weltkrieg wieder aufgelegt wurde. Sie setzte Maßstäbe und wurde der Innbegriff der Systemkamera mit einer breiten Wechselobjektiv- und Zubehörpalette. Als Kamerahersteller genoss Ihagee sicher die Reputation als High-End Hersteller, konnte aber davon alleine wirtschaftlich nicht überleben. Während andere in dem 1950er Jahren ihre ersten SLRs überhaupt auf den Markt brachten, wurde Ihagee 1950 der Erfinder der Einsteiger-SLR, sprich: Eine eigene Kameralinie unter eigenem Namen (EXA), die vom Image der großen Schwester EXAKTA profitiert, aber sonst konsequent auf low-Budget getrimmt wurde. 
Beispielsweise hatten die ersten Exas einen so genannten Klappverschluss, bei dem der Spiegel die Rolle eines Verschlussvorhangs mit übernimmt. So und durch andere Maßnahmen ließen sich Teile und entsprechend Produktionskosten sparen. Ich will hier nicht die Geschichte der Exa-Serie im Detail wiederholen, dazu gibt es exzellente und ausführliche Seiten im Netz, siehe Links unten in der Tabelle. Die Exa 500 ist technisch gesehen das Top-Modell der Serie und hatte mit Rückschwingspiegel und der 1/500 s als kürzeste Zeit auch was zu bieten. 

Die EXA 500 neben ihrer Ahnin Exa II, die das erste Modell einer zweiten Exa-Linie mit fest eingebautem Prisma war. Ab 1963 teilten sich alle Exa-Modelle das selbe, etwas größere und abgerundete Gehäuse mit der komplett abnehmbaren Rückwand.

Exa Kameras waren insbesondere in den 50er und 60er Jahren auch auf westlichen Märkten sehr erfolgreich, insgesamt wurden zwischen 1.1 und 1.27 Millionen Stück (da scheiden sich manche Quellen) in 38 Jahren gebaut. Die Exa 500 steuert dazu ca. 103.000 bei. Mit ihr wurde 1969 das letzte Modell der "Exa II"-Serie mit fest verbautem Prisma wieder eingestellt. Das hing vermutlich damit zusammen, dass die bisher relativ unabhängig in der sozialistischen Planwirtschaft agierende Ihagee (ein Holländer war Hauptaktionär) nun doch bis 1970 komplett in den VEB Pentacon integriert wurde. Pentacon baute dann ab 1970 nur noch jeweils ein Exa-Modell, das war bis 1977 noch die Exa Ia, dann die Exa Ib (jetzt mit M42) und ab 1985 bis 1987 die Exa Ic 

Viele Exas, darunter auch mein Exemplar, sind nicht mehr funktionsfähig. Die doch an vielen Stellen „billige“ Konstruktion insbesondere bei Filmtransport und Verschluss ist anfällig für Defekte und meist lohnt sich eine Reparatur nicht mehr, bzw. ist mangels Ersatzteilen unmöglich. Ich war natürlich neugierig und habe mein gutes Stück aufgeschraubt, wie man an den Bildern sieht. Die Deckkappe für den Transportmechanismus habe ich nicht abbekommen, vermutlich hakt es dort und so bleibt mein Exemplar nur der Platz im Regal.

Datenblatt Einsteiger SLR für Wechselobjektive mit Exakta-Bajonett
Objektiv Exakta-Bajonett Wechselfassung, hier mit Meyer Domiplan 50 mm f/2.8 (Triplet).
Verschluss Vertikaler Tuchschlitzverschluss, B-2-4-8-15-30-60-125-250-500 (1/s), T möglich durch B + Auslösesperre.
Fokussierung Manuell auf SLR-Mattscheibe, Rückschwingspiegel. Einige Kameras hatten eine Mikroprismen/Fresnellupe als Einstellhilfe, dieses nur eine Mattlupe.
Sucher SLR, rotes Fähnchen, wenn Verschluss noch gespannt werden muss.
Blitz Anschluss per PC-Buchse, Synchronzeit 1/30 s (X) bzw. 1/125 s (M)
Filmtransport Mit Schnellspannhebel, 120°, Rückspulkurbel, Bildzählwerk (rückwärts), manuell. Möglichkeit einer aufnehmenden Patrone.
sonst. Ausstattung Auslösesperre, Stativgewinde 1/4'', Drahtauslösergewinde, Filmempfindlichkeitsmerkscheibe, Gurtösen
Maße, Gewicht 97x130x50/82 mm, 640g/796g (ohne/mit Objektiv)
Baujahr(e) 1966-1969, 103.000 Kameras
Kaufpreis, Wert heute 258 DDR-Mark (1970, nur Gehäuse), 93 Mark für Domiplan, 
Links Camera-WikiPhotobutmore, Broschüre, Bedienungsanleitung (deutsch), Manual (English), Dresdner-Kameras, Ihagee.org, Exaklaus-Liste 

2025-03-01

Altissa Box

Dies ist nach der Baldessa 1 und der Agfamatic 300 Sensor Kamera Nummer 3 aus dem Einkaufsbeutel voller einfacher Kameras, den ich neulich geschenkt bekam. Es handelt sich um einen fast klassischen Vertreter einer Box-Kamera, einfachst konstruiert (billig zu bauen) und mit minimalen Einstell-Möglichkeiten für den Fotografen. Diese Altissa Box aus DDR-Produktion von 1954 bis ca. 1957 ist eine Neuauflage und Fortsetzung einer Vorkriegskonstruktion von 1937. 
Berthold Altmann hatte im Oktober 1934 die bis dahin von Emil Hofert geführte EHO-Kamerafabrik GmbH übernommen und ab ca. 1937 begonnen, seine Altissa-Boxen u.a. im kompakten 6x6-Format zu bauen, das durch die Rolleiflex populär wurde. Ab 1941 hieß die Firma schließlich Altissa-Camerawerk Berthold Altmann und begann nach der erzwungenen Kriegspause 1946 langsam wieder mit der Produktion der Vorkriegsmodelle. 1952 wurde Altmann enteignet und floh nach Westdeutschland. Das Altissa-Werk wurde als volkseigener Betrieb (VEB) weitergeführt, 1959 in die VEB Kamera und Kinowerke Dresden eingegliedert und die ehemaligen Produktionsräume 1961 aufgegeben. In diese Zeit fällt die Neuauflage der wohl anfangs recht erfolgreichen Altissa "Blechbüchse". Weitere Details kann man bei den unten aufgeführten Links finden.

Datenblatt Boxkamera aus Blech für 6x6-Aufnahmen auf Rollfilm 120
Objektiv Altissar Periskop f/8 (2 Linsen), Brennweite ca. 62 mm (selbst nachgemessen)
Verschluss Selbstspannender Einfachverschluss, B und 1/25s. Abblendbar durch Lochblende auf f/16
Fokussierung Fixfokus
Sucher großer optischer Fernrohrsucher
Blitz frühe Versionen der Kamera hatten eine PC-Buchse, dieses Modell vermutlich aus Kostengründen nicht mehr.
Filmtransport mittels Drehschraube an der rechten Kameraseite, rotes Rückseitenfenster, mit Schieber verschließbar.
sonst. Ausstattung Drahtauslösergewinde, Stativgewinde 3/8'', Ösen für Kameragurt.
Maße, Gewicht ca. 78 x 80 x 122 mm, 297 g (ohne Film, mit einer Spule)
Baujahr(e) 1954-1957, 
Kaufpreis, Wert heute 25.50 Mark (DDR, 1955), 5€
Links Camera-Wiki, VEBZeissIkon, Fotoapparate Meier, Lippisches Kameramuseum, Collection Appareils, Blende-Zeit-Forum

2024-11-23

Penti I


Über die coole DDR-Taschenhalbformat-Kamera Penti habe ich schon vor fast 3 Jahren hier geschrieben, Damals war es das komplett ausgestattete Modell Penti II mit eingebautem Selen-Belichtungsmesser und Nachführmessung. Es gab aber auch (gebaut von ca. 1961 bis 1966) diese einfachere und ein Drittel günstigere Version Penti I ohne Belichtungsmesser. Da die Gehäuse indentisch sind, kann man beide Versionen leicht verwechseln, es steht aber jeweils "Penti I" oder "Penti II" unterhalb des Objektivs. Interessanterweise kann man auch an der Petnti I die Filmempfindlichkeit einstellen, hier allerdings nur als Merkhilfe.
Dieses Exemplar habe ich neulich auf einem Flohmarkt von der Erstbesitzerin erwerben können. Es hat ein paar Gebrauchsspuren ist aber ansonsten voll funktionsfähig. Die (kunst-)lederne Bereitschaftstasche war auch dabei. Für die ganze Geschichte zur Kamera bitte meinen anderen Beitrag lesen und den Links unten folgen...

Datenblatt kompakte Halbformat-Kamera (18x24mm) für die SL-Kassette
Objektiv Meyer Domiplan 30 mm f/3.5 (Triplet)
Verschluss selbst-spannender Zentralverschluss, B-30-60-125
Belichtungsmessung keine
Fokussierung manuell, keine Scharfstellhilfe, kürzeste Entfernung: 1m
Sucher optischer Durchsichtsucher (hochkant) mit Leuchtrahmen und Parallaxenmarkierung, 
Blitz Anschluss über PC-Buchse an der Kameraoberseite, X-Synchronisation bei allen Zeiten, FP bei 1/30s
Filmtransport mittels Schiebestange (ca. 2.5cm Hub) auf der linken Seite, die beim Auslösen ausfährt und beim Reinschieben den Film von der Filmpatrone in die leere Aufnahmenpatrone schiebt. Keine Rückspulung notwendig. Zählwerk (vorwärts von 1-24), manuelle Rückstellung mit durch Rückwand verborgenem Zahrad.
sonst. Ausstattung Zubehörschuh (kalt), ISO-Drahtauslöser, ¼'' Stativgewinde, M18x0.5 Filtergewinde, Öse für Handschlaufe
Maße, Gewichtca. 109 x 76 x 47 mm, 261g (ohne Film und Leerpatrone)
Batterie keine
Baujahr(e) 1961-1977, ca. 800,000 Exemplare (alle 3 Versionen), davon die meisten von der Penti II. Penti I Produktion wurde angeblich schon 1966 eingestellt, die Kamera war aber noch länger im Verkaufsprogramm. Diese Kamera #429672 von ca. 1966.
Kaufpreis, Wert heute 109 Mark (DDR), plus 16.95 Mark für die Bereitschaftstasche, heute je nach Zustand 5-30 €. Sammler zahlen für die farbigen Varianten auch mehr.
Links Dresdner-Kameras.de, Camera-Wiki, Optiksammlung, Bedienungsanleitung,  Mike Eckman, Zeissikonveb.de, Günter Posch
Bei KniPPsen weiterlesen Penti IIKorelle K, Agfa KaratRapid-Film verwenden, Olympus PEN, Pentacon Electra

2023-06-17

WERRA

Heute, zum 70. Jahrestag des Volksaufstands in der ehemaligen DDR am 17. Juni 1953 präsentiere ich die zugehörige Kamera. Nein, die Kamera selbst gab es damals noch nicht, aber sie ist eines der greifbaren Ergebnisse des "Neuen Kurses", den die SED-Führung im Mai 1953 verkündet hatte. Die Details und wie das alles zusammenhängt, kann man in Marco Krögers tollem Aufsatz und in Geschichtsbüchern zur DDR nachlesen. Jedenfalls sollten mehr Konsumgüter statt Schwerindustrieprodukte produziert werden und der DDR zum Wirtschaftswunder a la BRD verhelfen. 

Warum dann gerade der Optik-Spezialist Carl Zeiss Jena am bisher auf Ferngläser spezialisierten Standort Eilsfeld in Thüringen (nahe der Quelle der Werra, daher der Name) eine Volkskamera bauen sollte, bleibt mir auch nach der Lektüre vieler Artikel zur Kamera immer noch rätselhaft. In Dresden und Umgebung hätte es genügend Kameraexpertise gegeben, aber vielleicht ging es ja gerade auch um das Schaffen von Arbeitsplätzen im strukturschwachen Thüringen.

Aber gerade die bisher im Kamerabau unbedarften, aber hochbegabten Ingenieure Werner Broche und Kurt Wagner schufen ein sehr innovatives und modernes Kamerakonzept, das von Anfang an eine im Featureset abgestufte Serie vorsah. Die Werra I bis V genannten Modelle unterschieden sich in ihrer Ausstattung mit Details (z.B. eingebauter Belichtungsmesser, Messsucher, oder Wechselobjektive). Der Grundkörper aus Aluminiumspritzguss und viele Einzelteile blieben bei allen Modellen dieselben, was neben vielen anderen pfiffigen Detaillösungen auch eine effektive und kostengünstige Produktion der Kamera(s) ermöglichte. Ich möchte die Werra daher gerne in eine Reihe mit anderen später erfolgreichen Kameraserien wie der Olympus XA oder der Minox 35 stellen. 

Ein wesentliches Konstruktionsmerkmal hatten sich die Werra-Designer von der Tenax abgeguckt: Der Zentralverschluss sitzt auch hier hinter (!) und nicht mehr im Zentrum des Objektivs. Dies ermöglicht eine kompakte und modern wirkende Konstruktion. Der Schnellspannhebel der Tenax hätte allerdings auch der WERRA gut gestanden. Ich musste nämlich feststellen, dass deren Drehring zwar schick aussieht und die Kamera elegant macht, aber nicht besonders ergonomisch zu betätigen ist.

Die Kameraserie kam dann im zweiten Halbjahr 1954 auf den Markt. Bis 1968 wurden die fünf Grundmodelle in drei Generationen produziert, was zu 22 verschieden Versionen und mehr als vierzig Varianten führte. Insgesamt wurden mehr als 560.000 Kameras gebaut und verkauft. Ein tolles Feld für Sammler, die meines Erachtens beste Seite für den Einstieg ist diese hier

Mein Exemplar (#76362) gehört zur zweiten Serie des lediglich WERRA genannten Grundmodells und ist wohl noch in 1954 (oder Anfang 1955) produziert worden. Es hat die charakteristischen Features: Die zur Schutzkappe umfunktionierbare Sonnenblende, Verschlussaufzug und (!) Filmtransport durch Drehring um das Objektiv, welches auch alle anderen Einstellelemente beheimatet (Fokus, Blende, Verschlusszeit). Dadurch verbleibt auf der ansonsten blanken Kameraoberseite nur der eingelassene Auslöser. Die Kameraunterseite hat dafür die Elemente, die man nicht immer braucht: Rückspulkurbel, Stativgewinde und Bildzählwerk. Charakteristisch für die Kamera war in ihren ersten Jahren auch der grüne Vulkanit-Bezug: ein Kunstleder, für das der technische Direktor Rudolph Müller verantwortlich zeichnete. Aus diesem Material war auch der anfänglich erhältliche weiche Reißverschlussbeutel. Beides wurde mit der zweiten Kamerageneration Ende der 1950er wieder zugunsten einer klassisch-schwarzen Belederung und einer traditionellen Bereitschaftstasche aufgegeben.
Mein Exemplar wurde zur Reinigung und
inneren Inspektion rudimentär zerlegt... 

Mein Exemplar hat aber auch zwei historisch interessante Merkmale, die nicht alle WERRA Kameras haben: Zum einen den Compur-Rapid (#8646122, Baujahr 1952 in München!) und zum anderen die markenlose Beschriftung des Objektivs (T statt Tessar und einfach Jena statt Carl Zeiss Jena). 

Beides hat mit dem sich verschärfendem Ost-West-Konflikt und dem aufkeimenden kalten Krieg Anfang der 1950er zu tun. Das wesentliche Zentralverschluss-Knowhow gehörte zwar zum Zeiss-Konzern war aber komplett bei Deckel und Gauthier in Westdeutschland beheimatet. Die DDR musste daher erstmal dieses Rad neu erfinden und eigene Expertise aufbauen. Das war zum Beginn der Werra-Produktion noch nicht soweit, so dass viele Kameras noch teure Compur-Verschlüsse eingebaut bekamen, die meisten allerdings den Synchro-Compur, nur wenige den Rapid

Der Markenstreit zwischen Carl Zeiss Ost und West eskalierte gerade zur Markteinführung der Werra im Jahr 1954. In der anfänglichen Verunsicherung wurde wohl für einige Kameras, die für den West-Export vorgesehen waren, die Marken Carl Zeiss und Tessar einfach weggelassen. Ansonsten gäbe es noch viele weitere Details zu erwähnen. Allerdings gibt es schon viele Seiten im Netz, die sich mit der Werra befassen (siehe Links unten), ich möchte nicht alles nur wiederholen.


Datenblatt kompakte Kleinbild-Sucherkamera (24x36)
Objektiv Carl Zeiss Jena Tessar 50 mm f/2.8 (4 Linsen, 3 Gruppen), "Jena T", #4242160. Die Grundversion war auch mit dem Novonar 50 mm f/3.5 (Triplet) erhältlich. Die späteren Modelle mit Messsucher besaßen auswechelbare Objektive, verfügbar neben dem Tessar: Flektogon 35 mm f/2.8, Cardinar 100 mm f/4.
Verschluss Compur Rapid bzw. Synchro-Compur Zentralverschluss hinter dem Objektiv, zu spannen mit dem breiten Drehring um den Verschluss herum, der auch den Film transportiert. B-1-2-5-10-25-50-100-250-500 1/s. Spätere Modelle hatten den Vebur 250, Prestor RVS 500, oder Prestor RVS 750.
Belichtungsmessung Keine. Die späteren WERRA II, IV und mit eingebautem Selen-Belichtungsmesser.
Fokussierung Manuell am Objektiv, kürzeste Entfernung 0.90 m. Ab Modell III ff. Messsucher mit Schnittbild-Entfernungsmesser. 
Sucher Einfacher Durchsichtsucher (1x) mit Glasblock. Ab Modell III ff. komplexer Messsucher mit Schnittbild-Entfernungsmesser. 
Blitz Synchronbuchse (alle Modelle), nur späte Modelle hatten einen Zubehörschuh.
Filmtransport Mittels zentralem Spannring um das Objektiv. Rückspulrad, vorwärtszählendes Bildzählwerk auf der Kamera-Unterseite. Spezielle Filmspreiz-Führung für bessere Planlage.
sonst. Ausstattung 3/8'' Stativgewinde, ISO-Drahtauslöseranschluss, Kameragurt-Ösen, Sonnenblende, die umgekehrt als Objektivschutz aufgesteckt wird. (Kunst-)lederne Reißverschlusstasche.
Maße, Gewicht 117x72x80 mm, 450g (inkl. Sonnenblende)
Batterie keine
Baujahr(e) 1954-1955 (dieses Grundmodell), gesamte Serie: 1954-1968, insgesamt ca. 560.000 Kameras, davon ca. 281.000 des einfachen Grundmodells/Werra I.  
Kaufpreis, Wert heute 100 Mark (1954), andere Modelle siehe hier. Heute je nach Zustand und Modell: ca. 20 - 40 €, Wechselobjektive z.T. deutlich mehr.
Links Camera Manual (english)ZeissIkonVEB, Les WERRA, Alfred KlompLippisches Kameramuseum, Camera-Wiki, Dirapon.be, Wikipedia, Optiksammlung.DE, Chris Osborne, Mike Eckman

2021-12-29

Penti II

Diese Penti II besitze ich schon seit über 5 Jahren, irgendwann hat sie ihren Platz bei den anderen Halbformatkameras in der Vitrine gefunden, trotzdem ist sie mir hier in der virtuellen Sammlung bisher durchgerutscht. Aber jetzt soll sie auch hier den ihr gebührenden Platz bekommen. 

Über die Kamera und ihre Geschichte ist schon viel geschrieben worden (auch widersprüchlich), die besten Web-sites habe ich unten unter Links in der Tabelle aufgeführt. Ich möchte daher hier nur die für mich besonderen Aspekte betonen und begründen, warum sie in jede anspruchsvolle Kamerasammlung gehört: Sie ist ein Design-Juwel, auch wenn ihr goldenes Kleid und die abgerundete Formensprache heute nicht mehr den Zeitgeschmack treffen. Technisch hingegen, sowohl für den Fotografen als auch ihre Produzenten kann sie für mich volle Punktzahl einfahren. Ihre genial simple Konstruktion mit einem zentralen Kunststoffrahmen, der auf der Rückseite das Filmhandling und auf der Vorderseite die restliche Fotomechanik, -optik und -elektrik aufnimmt, beides abgedeckt mit jeweils einem Deckel aus gestanztem Aluminiumblech, der innen schwarz lackiert und außen golden eloxiert wurde, erlaubte einen sehr einfachen und damit preiswerten Produktionsablauf.  


Die Wahl der alten Karat-Patrone in Kombination mit dem Halbformat war neu und wirklich innovativ, erlaubte es doch eine wirkliche Hosen- oder besser Handtaschen-Größe. Wirklich genial zu Ende gedacht ist aber die Sache mit der Schiebestange, die nach dem Auslösen per Federkraft aus der linken Kameraseite ausfährt. Ihr Zurückschieben transportiert den Film in die Aufnahmepatrone, denn beim Karat-, Rapid- bzw. im DDR-Jargon SL- ("Schnell-Lade") System gibt es kein Wickeln und kein Ziehen, sondern nur Schieben. Dadurch kommt die Konstruktion der Penti fast ohne drehende Teile, Achsen und Kugellager aus, lediglich das Filmzählwerk dreht sich noch.

Aber auch für den Fotografen ist fast alles dabei: Die Kamera ist nur etwas größer als eine Zigarettenschachtel und wiegt mit Film unter 300g. Der Blick durch den hellen Sucher mit Leuchtrahmen zeigt die Nadeln des Selen-Belichtungsmessers und der Zeit-Blendenkombination, die man nur zur Deckung bringen muss. Lediglich das Scharfstellen bleibt (wie üblich) der Schätzometrie überlassen. Blitzgeräte können per Kabel angeschlossen werden. Im elegant in den Kamerarahmen integrierten Zubehörschuh gibt es eine metallene Federplatte, die aber leider nicht als Mittenkontakt ausgeführt wurde. 

Mit nur 155 Mark war sie auch in der DDR vergleichsweise erschwinglich. Da verwundert es nicht, dass sie mit ihrem Eigenschaftsprofil zu einem Best- und Longseller avancierte. Angeblich wurden von 1961 bis 1977 ca. 800,000 Exemplare gebaut und sie gehört damit zu den erfolgreichsten deutschen Nachkriegskameras. Die überwiegende Zahl entfällt auf dieses Modell II, die einfacheren Modelle Penti I und die Ur-Penti/Orix hatten keinen Belichtungsmesser und wurden jeweils nur kurze Zeit gebaut.

Bei mir steht sie in der Vitrine neben anderen Halbformatkameras, aber auch anderen kompakten Taschenkameras wie der Tenax und dem späteren anderen Design-Juwel Olympus XA, mit denen ich sie durchaus vergleichen möchte. 

Datenblatt kompakte Halbformat-Kamera (18x24mm) für die SL-Kassette
Objektiv Meyer Domiplan 30 mm f/3.5 (Triplet)
Verschluss selbst-spannender Zentralverschluss, B-30-60-125
Belichtungsmessung Nachführ-Belichtungs-"automatik" mit Selenzelle und zwei in Deckung zu bringenden Zeigern im Sucher. 15-24 DIN (manuell einzustellen)
Fokussierung manuell, keine Scharfstellhilfe, kürzeste Entfernung: 1m
Sucher optischer Durchsichtsucher (hochkant) mit Leuchtrahmen und Parallaxenmarkierung, Anzeigenadeln des Belichtungsmessers.
Blitz Anschluss über PC-Buchse an der Kameraoberseite, X-Synchronisation bei allen Zeiten, FP bei 1/30s
Filmtransport mittels Schiebestange (ca. 2.5cm Hub) auf der linken Seite, die beim Auslösen ausfährt und beim Reinschieben den Film von der Filmpatrone in die leere Aufnahmenpatrone schiebt. Keine Rückspulung notwendig. Zählwerk (vorwärts von 1-24), manuelle Rückstellung mit durch Rückwand verborgenem Zahrad.
sonst. Ausstattung Zubehörschuh (kalt), ISO-Drahtauslöser, ¼'' Stativgewinde, M18x0.5 Filtergewinde, Öse für Handschlaufe
Maße, Gewichtca. 109 x 76 x 47 mm, 261g (ohne Film und Leerpatrone)
Batterie keine
Baujahr(e) 1961-1977, ca. 800,000 Exemplare (alle 3 Versionen), davon die meisten von der Penti II. Diese Kamera #236932 von ca. 1965 
Kaufpreis, Wert heute 155 Mark (DDR), 49.50 DM, heute je nach Zustand 5-30 €. Sammler zahlen für die farbigen Varianten auch mehr.
Links Dresdner-Kameras.de, Camera-Wiki, Optiksammlung, Bedienungsanleitung,  Mike Eckman, Zeissikonveb.de, Günter Posch
Bei KniPPsen weiterlesen Korelle K, Agfa KaratRapid-Film verwenden, Olympus PEN, Pentacon Electra

2021-01-17

Pentacon Electra

Eher zufällig bin ich vor zwei Wochen über sie im Netz "gestolpert". Irgendwie konnte ich mich erinnern,  schon mal von ihr gelesen zu haben. Ich habe also nachgeschlagen und war danach noch mehr verwirrt. Es handelt sich um einen frühen Zeitautomaten mit CdS-Zelle, "made in DDR". Und dann stand da auf (fast) allen Seiten, dass sie von 1960 (!) bis ca. 1969 gebaut wurde. 
Blick von hinten ins Innere der Kamera
auf Verschluss und Elektronik
Das ist falsch, da war ich mir sehr sicher, habe aber doch etwas gebraucht, um die Puzzlesteine zum Beweis zusammenzubekommen. Außerdem musste ich mir natürlich eine dieser Pentacon Electras besorgen und habe ein besonders schönes, noch funktionierendes Exemplar im Originalkarton für wenig Geld ergattert. Was will ich mehr. Hier ist also die ganze Geschichte mit Bildern...

Da ist zunächst mal alleine der Name der Kamera. Sie ist ein originales Gewächs des VEB Pentacon und heißt auch so. Pentacon als Firmenname gibt es aber erst seit 1964, davor hieß man 'VEB Kamera und Kinowerke' und Pentacon war lediglich der Name des Contax-SLR Exportmodells. Ähnliches gilt auch für ORWO und die SL-Patrone ('Schnelladekassette'), auch dies wird im Prospekt zur Kamera so erwähnt, aber erst frühestens ab 1964 so vermarktet. 

Aber für mich das Entscheidende ist die Technik: CdS-Fotowiderstände mit entsprechender elektronischer Logik wird für Belichtungsmesser erst ab 1961 in kommerziellen Produkten verwendet. Der erste Belichtungsmesser damit war der berühmte Lunasix von Gossen (1961), 1962 kamen dann schon erste Kameras: Minolta SR-7, Nikon F "Photomic" oder Yashica Lynx-5000, alle noch mit einem externen "Beli-Auge". Während die einen schnell in Richtung TTL dachten (Pentax Spotmatic, Topcon RE Super), war es Yashica, die als erste mit CdS-Zelle und Elektronik einen Verschluss steuern konnten und so die Zeitautomatik auf den Markt brachten. Der Durchbruch dazu kam 1966 in Form der Yashica Electro 35

Mein Exemplar kam im Originalkarton und
mit Rechnung und Anleitung. 
Aber nicht nur in Japan, sondern auch in der alten Kamerametropole Dresden werkelte man Mitte der 1960er an Elektronik. Das zentrale Patent DD44166 wurde schon 1964 angemeldet und ist mir seit meiner Beschäftigung mit der Praktica PL electronic bekannt. Genau, damals hatte ich auch zum ersten Mal  hier über die Pentacon Electra gelesen. Die SLR erhielt "nur" den stufenlosen elektronischen Verschluss, vermutlich weil ein externer CdS-Meter in TTL-Zeiten fast wie ein Rückschritt aussah. Dafür bekam dann die moderne Plastik-Volkskamera Electra die Zeitautomatik spendiert. Die Praktica PL electronic kam 1968 auf den Markt, für die Electra gibt McKweon's in seiner letzten Ausgabe 1967 an. Ich schließe mich hier an. 

Man könnte noch ein paar weitere Argumente für die späten 60er Jahre anführen, z.B. Material und quadratisch-praktisches Design der Plastikkamera. Die dafür notwendige Spritzgusstechnologie hat sich auch erst im Laufe der 1960er Jahre durchgesetzt. Vielleicht wurde die Electra ja auch mit ihrer Vorgängerin Prakti verwechselt, die tatsächlich 1960 vorgestellt wurde, aber noch zeitgemäße Selenzellen-Technologie und ein Metallgehäuse verwendet hat.  

Mein Exemplar ist sehr gut erhalten. Ich habe es natürlich sofort aufgeschraubt, untersucht und gereinigt. Zu meinem Entzücken funktioniert alles (nach Reinigung von etwas eingerosteten elektrischen Kontakten). Mit neuen Batterien (der gewöhnliche AA-Typ!) steuert die Automatik immer noch den Verschluss, und das hinunter bis zu mehreren Sekunden! Leider ist dieser nicht der schnellste, bei 1/125 s ist nach oben hin Schluss. Auch die kleinste Blende ist "nur" 13.5, so dass sich ein maximaler EV von 10 ergibt. Das reicht selbst bei niedrig empfindlichen Filmen nicht mehr für Strand- oder Schneeszenen, die dann vermutlich alle überbelichtet rauskommen. Das ist vielleicht ihre größte Schwäche. Falls doch mal die Batterien ausfallen (oder es gerade im Sozialismus keine zu kaufen gab), löst der Verschluss immerhin mit 1/125 s aus. Das ist mit den vier Blendenstufen für außen noch praktikabel, außerdem kann damit auch geblitzt werden.
Mechanische Blende vor dem CdS-Element

Noch ein Wort zur Elektronik: Ähnlich wie bei der Yashica Electro 35 wird auch bei der Electra das CdS-Element von einer analogen Blende beschattet, bei der Yashica zur Simulation der Filmempfindlichkeit, bei der Pentacon ist es die eigestellte Blende. Für das jeweils andere werden elektrische Widerstände bemüht, beides elektronisch zu regeln funktionierte damals wohl noch nicht.

Die Electra bekam dann noch etwas Modellpflege. Die "Electra 2" hatte ein kleines "Verwackel"- Warnlämpchen im Sucher, das Verschlusszeiten unter 1/30 s anzeigte, ansonsten ist es aber dieselbe Kamera. Wann genau dieses zusätzliche Feature kam und auch wie lange diese Kameras insgesamt auf dem Markt waren, kann ich nicht sagen. Ich vermute fast bis hinein in die frühen 1980er Jahre, solange noch SL-Kassetten verfügbar waren. Wenn jemand dazu was weiß, bitte melden!

Datenblatt Kleinbildsucherkamera 24x36 mm für SL-Film mit Zeitautomatik
Objektiv Meyer Domiplan 45 mm f/2.8 (3 Linsen, vergütet), fast kreisrunde Blende mit 12 Lamellen, kleinste Blende 13.5
Verschluss elektro-magnetisch gesteuerter "Priomat" Zentralverschluss hinter dem Objektiv, stufenlos und ausschließlich automatisch gesteuerte Zeiten von mehreren Sekunden (getestet, offiziell 1/2 s) bis 1/125s. Ohne Batterie: 1/125s
Belichtungsmessung mit CdS-Photowiderstand über dem Objektiv, Einstellung von Filmempfindlichkeit von 50 oder 100 ASA per Schalter. Belichtungsmesser steuert Verschluss direkt nach Vorwahl der Blende mittels Wettersymbolen.
Fokussierung am Objektiv (1 m bis unendlich), keine Scharfstellhilfe. Symbole für Landschaft, Gruppenaufnahme und Portrait. 
Sucher einfacher optischer Durchsichtsucher.
Blitz Anschluss über Mittenkontakt, Umschalter für Elektronenblitz (1/125s) oder Blitzbirnen (1/30s).
Filmtransport SL-Patrone, einfaches Drehrad für Vorschub, Zählwerk (rückwärts von 12 bis 1)
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4'', Drahtauslöseranschluss, optionale Bereitschaftstasche aus Kunstleder (14 Mark)
Maße, Gewicht 126 x 77 x 67 mm, 275 g (mit Batterien und Film: 345g)
Batterie 3V, 2x AA (Original DDR: "Heizelemente R6, EAaT")
Baujahr(e) ab 1967 bis ca. 1980 (?)
Kaufpreis, Wert heute 195 Mark (1972, offizielle Preisliste), ca. 10-30 € je nach Zustand.
Links Bedienungsanleitung, Prospekt (1970)IfM-Wolfen, Camera-Wiki, SL-System, Lippisches Kameramuseumfotoapparate-meier.de


2019-10-26

Praktica BX-20S


Die Praktica BX20S ist die letzte 35mm SLR "made in Germany", hat aber bis auf ein etwas moderneres Plastikdesign und ein paar Kleinigkeiten dieselben technischen Fähigkeiten wie ihre Vorgängerin BX20, welches wiederum das letze kommerziell erhältliche SLR-Modell des VEB Pentacon aus der DDR war. Ich habe schon einige Praktica Kameras in meiner Sammlung, bisher alle mit M42-Objektivgewinde. Eine Praktica mit dem ab 1979 erhältlichen B-Bajonett fehlte noch und mir war schon lange klar, dass wenn überhaupt eine B-Kamera, dann diese BX20S. Eben weil sie die letzte ihrer Art war und die ganze Geschichte mit der Wende dranhängt
Ich habe mich also schon seid einiger Zeit umgesehen und feststellen müssen, dass für das Ding ganz schöne Preise aufgerufen werden. Zum einen gibt es sogar noch unbenutzte und originalverpackte Einheiten, zum anderen gab es am Ende der Produktion kleinere Sonderserien (insbesondere die letzten 100, sowie 280 grüne und 155 grün-schwarze), die wegen der limitierten Zahl die Sammler auf den Plan rufen. Deren hohe Preise von ein paar 100 Euros scheinen auch auf die ganz normalen gebrauchten Exemplare abzufärben. Ich habe jetzt endlich recht günstig ein sehr gut erhaltenes Exemplar, sogar mit frischer Batterie und etwas Zubehör ergattert. 

Mein persönlicher Eindruck von der Kamera war dann in mehrerer Hinsicht ambivalent. Auf der einen Seite das äußere konsequent durchgängige Plastikgehäuse, durchaus wohlgeformt und angenehm in der Hand liegend. Gleichzeitig merkt man am Gewicht der Kamera, dass drinnen durchaus noch einiges an Metall und Glas verbaut wurde. Der Druck auf den Auslöser startet einen satten und warmen Spiegel- und Verschlussablauf, während das anschließende Spannen mit dem wackligen Schnellschalthebel einem die Nackenhaare aufstellen lässt: Am Ende des Aufziehens gibt es stets ein lautes Knacken und man glaubt etwas kaputt zu machen. Mit dem hellen und übersichtlichen Sucher und seinem innovativen Tripelmesskeil in der Mitte macht das Scharfstellen Spaß, während an der Seite kleine rote LED's nervös flackern.
Ansonsten bietet die Kamera einen technischen Standard, den man unbedarft in die frühen 80er verorten würde. Allerdings gab es nach Einführung der Autofokusgeneration ab Mitte der 80er und bis spät in die 90er weiter einen Markt für solche pre-AF SLR Kameras, man denke z.B. an die Nikon FE10 und ähnliche Cosina-made Gehäuse. Hier war die BX20S durchaus eine unabhängige Alternative für die es preiswerte, aber durchaus leistungsfähige Objektive gab. Ob allerdings das "Made in Germany" irgendwen hier überzeugen konnte, möchte ich bezweifeln. Das war sicher für die Leica R7 der Fall, die andere in den 90ern noch in Deutschland hergestellte SLR. Die spielte aber technisch und preislich in einer anderen Liga.  

DatenblattLetzte KB-Spiegelreflexkamera made in Germany 
Objektiv Wechselobjektive mit Praktica-B Bajonett. Hier mit PRAKTICAR MC 28-50 mm f/2.8-3.5 (made by Sigma, Japan). Elektrische Übertragung der eingestellten Blende an die Kamera.
Verschluss Elektronisch gesteuerter, vertikaler Metalllamellenverschluss . Stufenlos 40s - 1/1000 s bei Zeitautomatik, 1s - 1/1000 s und B bei Nachführmessung. Blitzsynchronisation bei 1/100s.
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, Si-Photodioden, 12-3200 ASA (DX). Automatische Belichtungssteuerung (Zeitautomatik) oder Nachführmessung mit wählbaren Zeiten. Belichtungskorrektur +/-2 in ganzen Stufen. Messwertspeicherfunktion (AEL).
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit Tripelmesskeil (Schnittbild) und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher (95%), eingespiegelte Blende, LED-Anzeige(n) für Belichtungsmessung (Zeiten), Blitzbereitschaft, Batteriekontrolle und AEL. 
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt, Extra-Kontakte für TTL-Blitzsteuerung nach SCA-321 Standard, kompatibel zu Olympus
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk (vorwärts zählend), Anschluss für Motoraufzug.
sonst. Ausstattung mechanischer Selbstauslöser (10s), gleichzeitig Abblendtaste, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Hauptschalter, Filmdosenfenster in der Rückwand.
Maße, Gewicht ca. 141/88/49 mm, 510g (ohne Batterie und Objektiv)
BatteriePX28 (6V, 4 x LR44 oder SR44 möglich)
Baujahr(e) 1992-2001, ca. 33.000 Exemplare, dieses #5138412 von 03-1995, eigentliche Serienfertigung endete 1999, eine limitierte Serie von 100 Kameras wurde 06-2001 das offizielle Ende der deutschen SLR Produktion)
Kaufpreis, Wert heute ca. 300 DM (?, 1995), heute ca. 100€
Links Bedienungsanleitung (dreisprachig)Dresdner Kameras, BX20 Teardown video, Praktica B-Kameras
Bei KniPPsen weiterlesenPraktiflex, Contax F, Praktica F.X2Praktica LLC, Praktica PL electronic, Praktica LTL3, 65 Jahre deutsche SLR, Deutsche SLR Statistik

2018-05-20

Praktica F.X2


Einen überaus erfreulichen Flohmarktsfund hatte ich letzten Samstag: Eine quasi komplette und extrem gut erhaltene Kamera-Ausrüstung von ca. 1959. Neben der Praktica F.X2 waren drei Objektive dabei, ein Ihaagee Kolben-Blitzgerät, zwei funktionierende Selen-Handbelichtungsmesser, alte Filmdöschen, Zwischenringe, Drahtauslöser, Gelbfilter etc. Alles quasi wie neu, zum großen Teil im Originalkarton mit Anleitungen, was will da das Sammlerherz mehr. Der Verkäufer wollte 50 Euro für einen guten Zweck, da habe ich ich mir das sonst obligatorische Handeln verkniffen...
Die Kamera ist ein typischer Vertreter der Dresdener Kameraindustrie der 1950er. Als Nachfolger der Praktiflex kam von den Kamerawerken in Niedersedlitz 1949 die Praktica, von der im Laufe der nächsten 10 Jahre immer weiter verbesserte Varianten als FX und später FX2/FX3 gebaut und verkauft wurden (Details gibt es hier). Die Buchstaben FX sind übrigends eine Referenz an die eingebaute Blitzsynchronisation für Kolben und später Elektronenblitzgeräte. Alle Praktica-Varianten der 1950er hatten den aufklappbaren Lichtschachtsucher mit einschwenkbarer Sucherlupe. Als Zuberhör gab es einen Aufsteckprismensucher, der genau in den Lichtschacht passte:
Der Spiegel klappte nach dem Auslösen nicht wieder automatisch runter, ein Feature, was man von der Praktiflex leider nicht übernommen hatte. Der Verschluss ist ein horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss a la Leica, allerdings mit Zeiten von 1/2 bis 1/500 s und B an nur einem (mitdrehenden) Einstellring. 1956 wurde dann während der FX2 Produktion die automatische Springblende für das M42-Gewinde eingeführt, zu erkennen am breiten Hebel unterhalb des Spiegels bzw. objektivseitig am charakteristischen silbernen Pin.

Insofern ist die FX2 also doch ein technisches Meilensteinchen. Im letzten Jahr der Produktion wurde noch die Blitzsynchronisation um 10 Millisekunden korrigiert und die Bezeichnung bekam den Punkt zwischen F und X. Meine Kamera ist aus diesem Zeitraum und auch das Objektiv ist laut Seriennummer von 1958. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich langfristig mit ihr anstellen werde. Erstmal werde ich auch noch einige andere Teile aus der Ausrüstung hier dokumentieren. Fotos sind schon gemacht. Aber eventuell verkaufe ich auch das eine oder andere. Ich bin sicher, dass ich in Summe ein vielfaches meines Kaufpreises erzielen werde.


Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera mit Lichschachtsucher und erstmalig automatischer Springblende bei M42.
Objektiv M42 Schraubgewinde, hier Carl Zeiss Jena Tessar 50 mm f/2.8 (4 Linsen in 3 Gruppen).
Verschluss mechanischer, horizontaler Tuchschlitzverschluss 2, 5, 10, 50, 100, 200, 500 1/s und B.
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv, SLR.
Sucher Spiegelreflex, kombinierter (Durchsicht-)Sport und Lichtschachtsucher mit ausklappbarer Sucherlupe. Keine weiteren Scharfstellhilfen.
Blitz 2 Buchsen für F und X, Synchronzeit 1/40 s.
Filmtransport Drehknpof mit Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Trageösen, Aufsteckprimensucher (optionales Zubehör).
Maße, Gewicht ca. 152x91x49 mm, 624g (Gehäuse), 890g (mit Objektiv und Prisma)
Batterie keine.
Baujahr(e) 1958-1959, 29.000 Exemplare ("F.X2" Hummel 137), diese #317322 
Kaufpreis, Wert heute 521 Mark (1959, mit Tessar), heute ca. 50€
Links Camera-Wiki, Wikipedia, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, Kurt Tauber, Prakticas reparieren lassen.

2018-03-01

Praktica PL electronic


Vor genau 50 Jahren, im März 1968 begann die Produktion dieses unscheinbaren Meilensteins des Kamerabaus. Von außen sieht die PL electronic fast genauso aus wie ihre Schwester PL Nova I, im Boden versteckt sich die Innovation: Der erste elektronisch gesteuerte Schlitzverschluss in einer kommerziellen Kamera, bestehend aus einem Elektromagneten als Sperrklinke für den zweiten Verschlussvorhang, einer Platine als variable Verzögerungsschaltung (adieu Räderhemmwerk) und natürlich der dafür unverzichtbaren Batterie.
Die Ingenieure vom VEB Pentacon in Dresden (namentlich Hubertus Reimann, Siegfried Müller und Fritz Lindner) waren mit ihrer Erfindung (Patent DD44166) schneller am Markt als ihre westdeutschen Konkurrenten von Zeiss Ikon mit der Contarex SE "electronic". Diese wird oft als die weltweit erste bezeichnet, wurde schon für 1967 angekündigt, war aber erst ab Herbst 1968 erhältlich. Auch in Japan arbeitete man zu der Zeit wohl schon an dem Thema, als erste Kamera dort mit einem solchen Verschluss kann wohl die Yashica TL electro X von 1969 gelten.
Schaltplan der Elektronik aus dem Patent DD44166. Die
realisierte Schaltung der Kamera ist einfacher (kein 
Photowiderstand, nur 2 Transistoren).
Man sollte allerdings erwähnen, dass das Thema irgendwo in der Luft lag. Die Entwicklung der Elektronik machte überall Riesenfortschritte, die entsprechenden Bauelemente (insbesondere Transistoren) waren endlich erhältlich. Ende der 1950er kamen die ersten Transistorradios auf den Markt, und die eigentliche Erfindung (DE1095107, das elektronische Hemmwerk) wurde schon 1956 von Paul Fahlenberg gemacht, der zu dieser Zeit für das Compur-Werk Friedrich Deckel in München arbeitete. Die Firma gehörte damals zum Zeiss Konzern, realisierte einen solchen Verschluss aber erstmal nicht, bzw. dann erst in der Contarex SE. Die Herren Reimann et al. haben sich vermutlich die eine oder andere Inspiration davon geholt, und ein paar Ausführungspatente in der DDR selbst angemeldet. VEB Pentacon war angeblich vergeblich mit Compur in Verhandlungen, hatte aber wegen der deutschen Teilung wenig Skrupel die Technik trotzdem zumindestens für den ostdeutschen Markt einzusetzen.
Beide oben erwähnten Patente deuten die Möglichkeit zur automatische Belichtungssteuerung  durch die Verwendung eines Photowiderstands an, später auch als Zeitautomatik realisiert. Allerdings besitzt die Praktica PL Electronic keinen Belichtungsmesser und man kann sie daher eher als Pilotstudie nur für den Verschluss betrachten. Mit dem Drehrad um die Rückspulkurbel wird lediglich der entsprechende Widerstand eingestellt, der die Oszillation zwischen Kondensator und Spule stärker oder schwächer dämpft. Allerdings ist der enorme Zeitenbereich von 30 bis zu 1/500 Sekunden bis dahin von keinem anderen (einzelnen) mechanischen Hemmwerk erzeugt worden. Auch dürfte die Genauigkeit der elektronisch gesteuerten Zeiten prinzipiell höher als die der mechanischen gebildeten gewesen sein.
Dennoch muss festgehalten werden, dass für den Fotografen diese Innovation erstmal keinen wirklichen Vorteil brachte. Mit einer PL electronic kann man bestenfalls genausogut oder schlecht fotografieren wie mit einer PL Nova. Im schlechten Fall ist allerdings die Batterie leer, was bei dieser Praktica hier wohl wegen des hohen Stromverbrauch recht schnell der Fall war. Daher wurde die Produktion nach nur ca. 3400 Exemplaren wieder eingestellt. Die elektronische Steuerung eines Verschlusses gab es von Pentacon erst wieder ab 1977 mit der Praktica EE2, einem Zeitautomaten.
Aber die Kameraindustrie war 1968 natürlich aufgewacht und erkannte den Wert der Erfindung recht schnell. Elektronische Verschlüsse sind viel simpler aufgebaut und billiger zu bauen als komplizierte Räderhemmwerke, dazu genauer und sie erlauben die einfache Integration in eine Belichtungsautomatik.  So verwundert es nicht, dass ab 1969 von fast jedem renomiertem Kamerahersteller "Elektronik"-Kameras auf den Markt gebracht wurden, die meisten hatten ein E im Namen (z.B. Pentax ES 1971,  Nikkormat EL 1972, Minolta XE 1974). Besonders die frühen elektronischen Kameras hatten nicht immer den besten Ruf und die Hersteller behielten zunächst ihre mechanischen Baureihen im Angebot. Canon war mit der AE1 1976 der erste, der konsequent auf Elektronik und moderne Produktionsverfahren setzte und damit den Markt aufrollte. Aber diese Geschichte kann man hier nachlesen.


Die Praktica PL electronic ist mit nur 3400 Stück ziemlich selten und als Meilenstein entsprechend bei Sammlern gefragt. Ich hatte Glück bei einer Auktion und mein Exemplar hat die außergewöhnliche Seriennummer 500005. Meine Vermutung ist, dass die Nummerierung des Modells bei 500001 startete, jedenfalls habe ich bisher keine Fotos mit Nummern unter dieser Zahl gesehen. Sie ist ansonsten sehr gut erhalten, keine Kratzer oder Beulen. Sie löst auch aus und läßt sich spannen, allerdings entweder bei B (mit eingelegter Batterie) oder (ohne Batterie) bei ihrer einzigen mechanischen Zeit (ca. 1/60s). Wie man an den Fotos sieht, hatte ich sie schon offen um die Elektronik zu fotografieren. Ob ich/man sowas reparieren kann...?

Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit elektronischem Verschluss
Objektiv M42 Schraubgewinde.
Verschluss elektronisch gesteuerter, horizontaler Tuchschlitzverschluss 30s bis 1/500 s und B.
Belichtungsmessung keine.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, nicht gespannter Zustand wird durch rotes Dreieck angezeigt.
Blitz Synchronbuchse, X und FP umschaltbar. Synchronzeit ca. 1/40 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Merkscheiben für Filmempfindlichkeit und Filmtyp, Trageösen, Okularbajonett für Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 150x95x47 mm, 636g (mit Batterie)
Batterie PX-21 (4.5 V)
Baujahr(e) 1968-1969, ca. 3400 Exemplare, diese #500005 März 1968
Kaufpreis, Wert heute 900 Mark, ca. 200 € (eigene Schätzung)
Links Club Daguerre, Blende und Zeit Forum, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, ZeisikonVEB (Schaltung), Patent DD44166.