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2025-12-18

Coronet Vogue

Auch diese kleine Bakelit-Kamera habe ich auf der Darmstädter Fotobörse in diesem Jahr erworben. Sie stammt von der britischen Firma Coronet aus Birmingham, die von 1926 bis 1967 existierte und meist sehr einfache und preiswerte Kameras hergestellt und vermarktet hat. Die allermeisten Modelle waren Box-Kameras aus Pappe, später wurde auch viel Plastik verwendet. Mit Kunststoff als Gehäusematerial experimentierte man erstmalig Mitte der 1930er Jahre. Dazu kooperierte Coronet mit der Briminghamer Nachbarfirma E. Elliott Ltd., die entsprechende Spritzgussmaschinen besaß und für Coronet die Gehäuse für die Vogue und die noch kleinere Midget produzierte. Elliott selbst produzierte alles mögliche aus Kunststoff (damals meist Bakelit), wie zum Beispiel Gehäuse für Radios und andere Geräte, hatte dann aber auch ab 1935 mit der V.P. Twin eine eigene Bakelitkamera (127er Film) im Programm, für die im Gegenzug Coronet den Verschluss und andere mechanische Komponenten lieferte.  

Die Vogue ist eine schlanke, für Hosen- oder andere Taschen geeignete Einfachstkamera und verwendet einen speziellen V-35 genannten Rollfilm (unperforierter 35 mm Film mir Rückseitenpapier, ähnlich Kodak's 828), mit dem jeweils 6 Bilder im ungewöhnlichen Format 3 x 5 cm möglich waren. Auf Knopfdruck springt der "Laufboden" mit dem Objektiv fast explosionsartig hervor. Man kann sofort loslegen mit dem Fotografieren, denn einzustellen gibt es fast nichts: Das Objektiv ist ein f/10 Fixfokus-Meniskus mit ca. 58 mm Brennweite, der Verschluss erlaubt die Wahl zwischen "I" (instant, ca. 1/30 s) und "T" (time, B). 

Auf den Markt gekommen ist sie angeblich 1936, wie erfolgreich und wie lange sie in Produktion war, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Immerhin gibt es eine Werbeanzeige eines amerikanischen Distributors von 1938. Das und der aufziehende Weltkrieg, der auch die Produktionsanlagen der Firma Coronet zerstört hat, grenzt die Länge der Produktionszeit und Verbreitung durchaus ein. Auch der sehr "eigene" Film und das ausgefallene Format dürften einem größeren Markterfolg eher entgegen gestanden haben. Ob man den Kodak 828-Film (Bantam) verwenden könnte, kann ich leider mangels eines solchen nicht rausfinden, die 35mm-Rollfilmspule meiner Bobette jedenfalls ist zu groß für die Vogue.  


Datenblatt Einfachst-Kamera für 3x5 cm Aufnahmen auf 35 mm Rollfilm 
Objektiv Meniskus, ca. 58 mm f/10
Verschluss einfacher Box-Kamera-Verschluss, B und 1/30s
Fokussierung Fix-Fokus
Sucher winziger optischer Durchsichtsucher 
Filmtransport mit Drehrad an der Kameraunterseite, rotes Fenster für Bild-Nr. (1 bis 6) auf der Rückseite. 
sonst. Ausstattung Stativgewinde ca. 4 mm
Maße, Gewicht ca. 113 x 72 x 32/72 mm (zu-/aufgeklappt), 171 g
Baujahr(e) ca. 1936 -1938
Kaufpreis, Wert heute 5 US$ (1938), ca. 50 - 100 €
Links Camera-WikiCamera Manualartdecocameras.comGraces Guide

2025-10-31

Nerasport 3x4

Mein Interesse an 3x4-Halbformatkameras für den 127er Rollfilm ist schon lange bekannt. Die meisten dieser Kameras stammen aus einer sehr kurzen Periode zwischen 1930 und 1932, spätere Modelle sind eher selten, insbesondere solche nach dem 2. Weltkrieg. Bei irgendeiner Recherche begegnete ich dieser Einfachst-Plastikkamera eher zufällig. Die Kombination aus 60er-Jahre-Plastik und 3x4-Format sowie der Schriftzug "made in Spain" erregten meine Aufmerksamkeit.

Folgendes konnte ich inzwischen an Informationen zusammentragen: Die Kamera geht zurück auf ein Design von Dacora (eigentlich Dangelmayer & Co. in Reutlingen), die sie selbst als Digna 44 und für Ilford als Sporti-4 produziert haben. Dies waren allerdings 4x4-Kameras im selben Plastikgehäuse und als Produktionsjahre wird meist ca. 1960-1965 angegeben. Auch die Nerasport gibt es in dieser 4x4-Version, die anderen o.g. Kameras aber nicht für 3x4. Von der Nerasport gibt es 2 Versionen der 3x4-Variante, die sich lediglich in der Form des Auslösers unterscheiden, die eine hat eine Gehäuse-integrierten eckigen Knopf wie alle anderen genannten 4x4-Kameras, die andere den hier gezeigten kleinen Hebel am Objektiv. Außerdem hat die Nerasport zum Blitz-Anschluss einen Mittenkontakt, die anderen (noch) eine PC-Buchse am Objektiv.
Das oben sind die Fakten, jetzt kommen meine Schlussfolgerungen und Vermutungen. Glauben wir mal, dass diese Kamera wirklich in Spanien produziert wurde, dann vermutlich aber mit den alten Presswerkzeugen von Dacora und damit eher nach 1965, was gut zum hot-shoe passen würde. Negra Industrial SA war eigentlich ein Filmhersteller, der natürlich ein Interesse daran hatte, billige Kameras unter die Leute zu bringen. Die Nerasport 3x4 gab es jedenfalls Ende der 60er als Belohnung für das Sammeln von Aufklebern der Schokoladenmarke Loyola. Ob man sie auch im Fotoladen kaufen konnte, habe ich nicht rausfinden können. Wenn das stimmt, wäre sie die letzte 3x4-Kamera, die auf den Markt gekommen ist, und passt so trotz ihrer Einfachheit gut in meine Sammlung.

Datenblatt Einfache Plastikkamera für 127er Rollfilm (3x4 cm)
Objektiv Kronglas-Meniskus, ca. 50 mm, Lochblende mit 2 Einstellungen: Sonne (ca. f/11), Wolken (ca. f/8)
Verschluss Boxkamera-Einfachverschluss, ca. 1/100 s (?)
Fokussierung Fix-Fokus
Sucher einfacher Durchsichtsucher mit Plexiglas
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt (Hot-Shoe)
Filmtransport Drehrad, 2 rote Rückseitenfenster für Rückseitenpapiernummern, üblich für 3x4 Format.
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4''
Maße, Gewicht 114x88x61 mm, 171 g
Baujahr(e) Ende der 1960er?
Kaufpreis, Wert heute Werbegeschenk, 10 €
Links Cameras Espanyoles, Blog de Muntanya, Borja Jordanfoticoscollection, Dacora Digna 44, Ilford Sporti-4

2025-08-29

Diana - Snappy - etc.

Auch eine Kamera, die in keiner ernsthaften Kamerasammlung fehlen sollte und diejenige mit den meisten Namen: Alleine von diesem Urtyp hier gibt es mehr als 40 Namensvarianten. Meine heißt SNAPPY, meist werden diese Kameras aber als DIANA zusammengefasst. Ob die erste von ihnen tatsächlich Diana hieß, oder Diana der häufigste Name war, läßt sich kaum noch rekonstruieren. 

Diese Kameras wurden ab den frühen 1960er Jahren von der Great Wall Plastic Co. in Hongkong vornehmlich für den Export in die USA aber auch nach Europa produziert und dort meist als Werbegeschenk unters Volk gebracht. Der Urtyp trägt auf der Rückwand-Entriegelung den Aufdruck "Made in Hong Kong No. 151", eine weitere wichtige Variante (Diana F) hatte einen zusätzlichen Blitzanschluss (No. 162) und wurde auch mit dem entsprechenden Blitzgerät für AG-1 Blitzbirnchen ausgeliefert. Leider findet man keine genauen Zeitangaben (ab wann und bis wann) und auch keine Mengenangaben, nicht mal Schätzungen. Die Technik des thermoplastischen Kunststoff-Spritzgusses gibt es im kommerziellen Maßstab seit dem Ende der 1950er Jahre. Ich denke, es wird ein paar Jahre gedauert haben, bis es zur massenhaften Herstellung von Werbeartikel-Kameras verwendet wurde.  Auch sind die Investitions- und Einrichtungs-Kosten für eine solche Spritzgussmaschinen im Vergleich zum eingesetzten Material immens, so dass es sich für kleinere Auflagen der Kamera kaum gelohnt haben dürfte. Ich wage daher mal eine Schätzung über so 5 bis 10 Millionen Stück (alle o.g. technischen und Namens- Varianten zusammen), an die 21 Millionen der Smena (eine eher ernsthafte Kamera) wird die Diana wegen der deutlich kürzen Bauzeit wohl nicht herangekommen sein.   
Die Produktion des Urtyps wurde spätestens in den frühen 1970er Jahren beendet, es gab ja inzwischen auch einfache 35 mm oder Instamatic-Kameras. Zum Kult wurde die Diana ab Ende der 1990er mit dem Aufkommen der lo-fi Fotografie (Lomography). Ab 2007 wurde wieder eine modifizierte Diana F+ in China produziert und im Internet aber auch in Buchläden etc. verkauft. 


Datenblatt Einfache Plastik- und Kultkamera
Objektiv Plastik-Meniskus ca. 66 mm 3-Blendenstufen mit einschwenkbarer Lochblende, Wettersymbole Wolke (f/11), Wolke+Sonne (f/13), Sonne (f/19) 
Verschluss selbstspannender Guillotinen-Verschluss, ca. 1/30 s ("I") und B
Film und Bildformat 120er Rollfilm, Bildformat aber nur 42 x 42 mm (16 Aufnahmen pro Film)
Fokussierung manuell am Objektiv, drei Entfernungszonen 12FT-INF (3.6 m-∞ ), 6-12 FT (1.8-3.6 m), 4-6 FT (1.2-1.8 m).
Sucher optischer Durchsichtsucher (Plastik-Linsen).
Filmtransport mit Drehrad an der Kameraoberseite, rotes Rückseitenfenster unten
sonst. Ausstattung keine!
Maße, Gewicht ca. 122 x 90 x 77 mm, 138 g
Baujahr(e) frühe 1960er bis Mitte der 1970er, 
Kaufpreis, Wert heute ab 50 US-cent, viele als Werbegeschenk. Heute ca. 5€-30€ 
Links Wikipedia, Wikipedia (engl.)Camera-WikiLomography Shop, Anleitung, Allan Dietrich, Collection Appareils

2025-05-25

Kodak Instamatic 50


Kodak's Instamatic Kameras 100 und 104 habe ich hier schon vorgestellt. Diese etwas verschmutzte "50" bekam ich neulich als Teil einer kleinen Sammlung geschenkt. Die Instamatic 50 ist nach einigen Quellen (u.a. McKeown's) Kodak's erste Kamera für den neuen 126er ("Pak"-) Kassettenfilm, kam 1963 aber zusammen mit der "100" auf den Markt. Beide wurden sowohl in Rochester/NY (USA) als auch in England und Australien gebaut. Bis auf kleinere Äußerlichkeiten unterscheiden sich die beiden lediglich durch den Blitz: Während die "50" einen proprietären Blitzschuh (Hot-Shoe) für das Instamatic-Aufsteckblitzgerät besitzt (siehe Bild links), hat die "100" dieses (und auch die obligatorische Batterie dazu) eingebaut. Beide Blitzgeräte verwendeten AG1-Blitzbirnchen.   

Kodak hat insgesamt von 1963 bis zum Ende der 1970er Jahre über 60 verschiedene Instamatic-Modelle an 6 verschiedenen Produktionsstätten (USA, England, Deutschland, Spanien, Kanada und Australien) gebaut und angeblich schon 1970 die 50-Millionenmarke an verkauften Instamatics geknackt. Wenn man bedenkt, dass die Kameras eigentlich nur Mittel zum Zweck (Filmverkäufe) waren, ein immenser Markterfolgt. Die "50" und die "100" dürften auch im 7-stelligen Bereich gebaut worden sein, an das meistverkaufte Kameramodell der Welt kommen sie wegen ihrer eher kurzen Bauzeit aber wohl nicht ran.  

Datenblatt Einfachstkamera für 126er Pak-Film
Objektiv 43 mm f/11 Meniskus
Verschluss Einfachverschluss 1/40 und 1/90 s, umschaltbar per Schalter auf der Front.
Fokussierung Fixfokus, 1.20 m  - ∞.
Suchereinfacher optischer Durchsichtsucher
Blitz Proprieträrer Blitzschuh mit zwei Kontakten für Instamatic Blitzbirnchenhalter 
Filmtransport Schnellschalthebel an der Seite
sonst. Ausstattung Öse für Handschlaufe
Maße, Gewicht 102 x 60 x 51 mm, 265 g (ohne Film)
Baujahr(e) 1963-1965, diese hier (Camerosity-Code CCOE = 11/64)
Kaufpreis, Wert heute US$ 16 (1963), ca. 5 €
Links Camera WikiCollection Appareils, Wikipedia (engl.), Mes-Appareils
Bei KniPPsen weiterlesen Kodak als Filmhersteller, Kodak Instamatic 100, Instamatic SLR, Hubert Nerwin (Erfinder 126er Kassette), George Eastman, Agfamatic 200 Sensor

2025-05-11

Agfa ISO-PAK

Mit dieser Kamera schwenkte Agfa Ende 1967 eher kleinlaut auf das von Kodak entwickelte PAK-Kassettensystem (auch 126er, Instamatic) ein und gab sein eigenes Rapid-System im Gegenzug auf. ChatGTP behauptet, Agfa hätte über die Jahre (vermutlich 1967 bis 1983) insgesamt ca. 50 mio US$ Lizenzgebühren an Kodak gezahlt, was von der Größenordnug her hinkommen könnte, eine Quelle dazu wird leider nicht genannt. Agfa produzierte mit dieser Lizenz natürlich auch 126er Filmkassetten, wie die meisten anderen Filmhersteller inzwischen auch. 

Das Kameradesign kann man kaum als solches bezeichnen, so lieblos orientiert man sich an den in der technischen Spezifikation der Lizenz gemachten Vorgaben. Vermutlich musste es nach der Entscheidung, die den Agfa-Managern wohl nicht leicht gefallen sein dürfte, schnell gehen und herausgekommen ist diese lieblose Plastikdose. Diese erhielt 1969 mit der ISO-PAK C und ISO-PAK Ci noch zwei Nachfolger mit etwas besserer Ausstattung (Schnellschalthebel statt Drehknopf, Blitzwürfelanschluss und im Falle der Ci auch Unterbelichtungswarnung mittels CdS-Zelle und LED). 


Mit der Agfamatic-Serie brachte Agfa dann 1971 endlich 126er Kameras, die zum eigenen Anspruch bzgl. Design und Technologie passten. Als Kodak dann schon 1972 mit dem Pocketfilm 110 den nächsten Schritt vollzog, zögerte man bei Agfa nicht und kaufte gleich eine Lizenz und brachte schon 1973 mit der Agfamatic Pocket Serie die meiner Meinung nach gelungensten Pocketkameras auf den Markt. Aber das ist eine andere Geschichte...

Datenblatt Einfachstkamera für 126er PAK-Film
Objektiv Plastik-Meniskus 42 mm f/11
Verschluss Parator Einfachverschluss, 1/40 und 1/80 s, umschaltbar per Wettersymbol (Sonne/Wolken)
Fokussierung Fixfokus, 1.20 m - ∞.
Sucher einfacher optischer Durchsichtsucher
Blitz Anschluss per Mittenkontakt im Zubehörschuh. ISI-C Flashcube-Adapter war als Zubehör erhältlich.
Filmtransport Mit Drehrad.
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4'', Öse für Handschlaufe.
Maße, Gewicht 115 x 67 x 53 mm, 172 g (ohne Film)
Baujahr(e) 1967-1969
Kaufpreis, Wert heute 31 DM (1968), heute ca. 5€
Links Camera-Wiki, Collection Appareils, Lippisches Kameramuseum, AGFA CNS PAK-126
Bei KniPPsen weiterlesen Agfa Isoflash Rapid, Agfa als Filmhersteller, Kodak Instamatic 100, Instamatic SLR, Hubert Nerwin (Erfinder 126er Kassette)

2025-03-01

Altissa Box

Dies ist nach der Baldessa 1 und der Agfamatic 300 Sensor Kamera Nummer 3 aus dem Einkaufsbeutel voller einfacher Kameras, den ich neulich geschenkt bekam. Es handelt sich um einen fast klassischen Vertreter einer Box-Kamera, einfachst konstruiert (billig zu bauen) und mit minimalen Einstell-Möglichkeiten für den Fotografen. Diese Altissa Box aus DDR-Produktion von 1954 bis ca. 1957 ist eine Neuauflage und Fortsetzung einer Vorkriegskonstruktion von 1937. 
Berthold Altmann hatte im Oktober 1934 die bis dahin von Emil Hofert geführte EHO-Kamerafabrik GmbH übernommen und ab ca. 1937 begonnen, seine Altissa-Boxen u.a. im kompakten 6x6-Format zu bauen, das durch die Rolleiflex populär wurde. Ab 1941 hieß die Firma schließlich Altissa-Camerawerk Berthold Altmann und begann nach der erzwungenen Kriegspause 1946 langsam wieder mit der Produktion der Vorkriegsmodelle. 1952 wurde Altmann enteignet und floh nach Westdeutschland. Das Altissa-Werk wurde als volkseigener Betrieb (VEB) weitergeführt, 1959 in die VEB Kamera und Kinowerke Dresden eingegliedert und die ehemaligen Produktionsräume 1961 aufgegeben. In diese Zeit fällt die Neuauflage der wohl anfangs recht erfolgreichen Altissa "Blechbüchse". Weitere Details kann man bei den unten aufgeführten Links finden.

Datenblatt Boxkamera aus Blech für 6x6-Aufnahmen auf Rollfilm 120
Objektiv Altissar Periskop f/8 (2 Linsen), Brennweite ca. 62 mm (selbst nachgemessen)
Verschluss Selbstspannender Einfachverschluss, B und 1/25s. Abblendbar durch Lochblende auf f/16
Fokussierung Fixfokus
Sucher großer optischer Fernrohrsucher
Blitz frühe Versionen der Kamera hatten eine PC-Buchse, dieses Modell vermutlich aus Kostengründen nicht mehr.
Filmtransport mittels Drehschraube an der rechten Kameraseite, rotes Rückseitenfenster, mit Schieber verschließbar.
sonst. Ausstattung Drahtauslösergewinde, Stativgewinde 3/8'', Ösen für Kameragurt.
Maße, Gewicht ca. 78 x 80 x 122 mm, 297 g (ohne Film, mit einer Spule)
Baujahr(e) 1954-1957, 
Kaufpreis, Wert heute 25.50 Mark (DDR, 1955), 5€
Links Camera-Wiki, VEBZeissIkon, Fotoapparate Meier, Lippisches Kameramuseum, Collection Appareils, Blende-Zeit-Forum

2023-08-21

SIDA


Kleine Kamera GANZ GROSS! Das Bild zeigt die Sida auf den meisten Monitoren in ca. doppelter Größe, ihre wahren Dimensionen stehen unten in der Tabelle. Am Besten ist sie mit einer Streichholzschachtel zu vergleichen, die an beiden Seiten jeweils eine AA-Batterie angeklebt hat. Es ist (neben der ähnlichen Simplex Snapper) die kleinste Boxkamera in meiner Sammlung. Auch wenn sie keine Boxform hat gehört sie mit Fixfokus-Meniskus und Einfachverschluss definitiv in diese Klasse. Gefertigt ist sie aus drei Teilen Zink-Druckguss: abnehmbare Rückwand, eigentlicher Kamerakörper und die rechteckige Verschlusskappe mit dem Objektiv im Zentrum. Nimmt man diese ab, kommt der einfache Selbstspannverschluss zum Vorschein, der auch nur aus drei Blechteilen, drei Schrauben und einer Feder besteht. Insgesamt hat die Kamera weniger als 30 Einzelteile und ist zudem wegen der Ganzmetallkonstruktion super robust.

Der Verschluss meines Exemplars funktionierte nicht mehr. Korrosion hatte zugeschlagen, die ich aber mit feinem Schmirgelpapier entfernen konnte. Jetzt geht er wieder und auf dem GIF links kann man gut die Funktionsweise für Momentaufnahmen („M“, ca. 1/25 s) sowie Zeitaufnahmen („T“, Schieber Links oben) erkennen. 

Bei meiner Kamera fehlt leider der Drehknopf für den Filmtransport (oben auf dem rechten Zylinder). Dafür war noch eine Spule für den speziellen Sida-Rollfilm mit Rückseitenpapier in der Kamera. Dieser ist 32 mm breit (nicht 35 mm, wie manchmal behauptet wird!) und bot 10 Aufnahmen vom Format 25x25 mm. Auf der Kamerarückseite ist das Rollfilm-typische rote Fenster, die Unterseite hat ein Stativgewinde mit sehr unüblich kleinem (3mm) Gewinde, die Oberseite einen winzigen Fernrohrsucher, gerade noch so zum groben Anpeilen des Motivs geeignet. 


Der einlinsige Meniskus hat eine angegebene Brennweite von 35 mm und wird mittels eingelegter Unterlegscheibe auf f/8 abgeblendet. Damit ergibt sich eine akzeptable Tiefenschärfe für das Fixfokusobjektiv sowie eine durchschnittliche Belichtung für mittlere Beleuchtungssituationen draußen. Viel sollte man aber nicht von der Qualität der Aufnahmen erwarten. Diese ist eher bescheiden bis ungenügend, wie die fünf Originalaufnahmen beweisen, die ich mit großer Freude zusammen mit der Kamera auspacken durfte. Es handelt sich um Kontaktabzüge im Briefmarkenformat, mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Ich hab sie mit 2400 dpi eingescannt und etwas digital aufgepeppt. Vielleicht könnte man aus echten Vergrößerungen noch etwas mehr rausholen, aber das hat sich wohl kaum einer der Kameranutzer wirklich geleistet. 


Die Sida (der Name kommt angeblich von "Sieh da!") ist eine Kreation von Fritz Kaftanski (*18.11.1899), einem deutschen Erfinder und Kameraunternehmer, der wegen seiner jüdischen Herkunft vor den Nazis fliehen und auch sich selbst und seine Kamerafirmen immer wieder neu erfinden musste. Am Ende war er insgesamt an 9 Kamerafirmen maßgeblich beteiligt gewesen und starb 1988 hochbetagt in seiner neuen Heimat Frankreich. Die "Sida Gesellschaft für photographische Apparate mbH" wurde 1934 von zwei Geschäftspartnern in Berlin gegründet, er selbst blieb im Hintergrund. 1936 kam die kleine Kamera auf den Markt, Kaftanski musste 1937 nach Prag in die Tschecheslowakei fliehen, wo er wieder eine neue Firma gründete und die Kamera auch dort produzierte. Am Ende gab es wohl noch weitere Produktionsstätten (England, Polen, ...) und Varianten aus Bakelit statt Metalldruckguss. Aber die Geschichte von Fritz Kaftanski und den mit ihm verbundenen Kameras arbeite ich vielleicht ein anderes Mal auf.
Wie erfolgreich die Sida in den wenigen Jahren vor und auch während des 2. Weltkriegs wirklich war, läßt sich im Nachhinein schwer rekonstruieren. Auf der einen Seite war sie billig zu bekommen, und damit eine gute Einstiegskamera für die breite Masse. Auf der anderen Seite war vermutlich der spezielle Rollfilm nicht überall verfügbar und auch wegen seiner unüblichen Breite nicht von jedem Labor zu entwickeln. Ich glaube, dass auch die Nutzer nach schon wenigen Filmrollen von den Ergebnissen enttäuscht und vom entsprechend aufwändigen Filmhandling frustriert waren und sich entweder besseren Kameras zuwandten oder ganz die Finger von der Fotografie ließen. 
Als Sammelgegenstand taugt die Sida aber allemal, wegen der vielen Varianten und der intersessanten Geschichte dahinter.

Datenblatt Einfachkamera für Sida-Rollfim (25x25 mm)
Objektiv Meniskus 35 mm f/8.
Verschluss Selbstspann-Verschluss M (1/25 s) und T.
Fokussierung Fixfokus
Sucher einfacher Fernrohrsucher
Filmtransport Mit Drehrad auf der Kameraoberseite. Kontrolle über rotes Rückseiten-Fensterchen.
sonst. Ausstattung Stativgewinde ca. 3 mm, lederne Kameratasche
Maße, Gewicht ca. 70x50x40 mm, 180 g
Baujahr(e) ca. 1936, verschiedene Varianten bis 194x. Vermutlich mehrere 10-Tausend Exemplare
Kaufpreis, Wert heute 1,50 RM (1936), ca. 10-30€ je nach Zustand und Zubehör.
Links Camera-Wiki, Submin.com, Fotofex Camerapage, Collection Appareils, Wikipedia-Artikel über Fritz Kaftanski (französisch)

2017-10-09

Ferrania Tanit

Quasi ein Beifang beim letzten Flohmarktbesuch, neben der Bilora Boy und der Braun Super Colorette IIL kam auch diese 50er Jahre Einfachstkamera aus Italien in meinen Besitz. Ausgestattet ist sie mit Box-Kamera Technik: einem selbstspannenden Einfachverschluss mit einer kurzen (ca. 1/80s) Zeit und B, nur 1 Blende (ca. 11) und natürlich einem einlinsigen Meniskus, dessen Brennweite nicht mal angegeben wird. Ich schätze diese mal auf ca. 60 mm. Immerhin läßt sich die Entfernung am Objektiv einstellen, interessanterweise in feet (5 feet =1,50 m bis unendlich). 

Belichtet wird im Format 3x4 cm auf Rollfilm 127, der natürlich am Besten von Ferrania selbst stammte. Ferrania war nämlich zunächst einmal "der" italienische Filmhersteller und produzierte diese und andere Einfachkameras als Mittel zum Zweck, nämlich den Absatzmarkt für Filme zu schaffen und zu vergrößern. Kodak und Agfa taten das ja auch. 
Vielmehr gibt es zu dem Ding kaum zu sagen, statt der üblichen Daten-Tabelle, hier lediglich noch zwei nützliche Links: Bedienungsanleitung (italienisch)Wert (Collectiblend)
Über 3x4 Kameras aus den frühen 1930ern gibts es hier auch noch einiges zu lesen: Verschwinden der 3x4-KamerasFoth DerbyWelta GuckiKorelle 3x4Gevaert 127er FilmRollfilm 127Ising Puck.

2017-10-02

Bilora Boy

Diese schicke Boxkamera hab ich vor ein paar Wochen auf einem Flohmarkt gefunden und für ein paar Euro erstanden. Die Firma Bilora war mir durchaus ein Begriff, ich verband sie bis dahin aber eher mit Fotozubehör (z.B. Stative). Dass sie auch Kameras produzierten habe ich erst durch diese Recherche hier erfahren. Der Name BILORA kommt von KürBI & NiggeLOh, Radevormwald, ein Ort im Bergischen Land, in dem ich selbst 2 Jahre meiner Kindheit zugebracht habe. Die Geschichte zur Kamera und ihrem Hersteller kann man bei Spuer-sinn.net und bei boxkamera.de nachlesen, ich möchte nicht alles wiederholen.
Die Bilora Boy ist wie alle Boxkameras höchst simpel gehalten, mit ihrem zweiteiligen Bakelit-Gehäuse besteht sie lediglich aus ca. 30 Einzelteilen und konnte so günstig produziert und für nur 9,90 DM (1950) verkauft werden. Fotografiert wird auf 127er Rollfilm (8 Bilder a 4 x 6.5 cm), der um die Unzulänglichkeiten des einlinsigen Meniskusobjektivs etwas auszugleichen gebogen geführt wird. Dessen Brennweite ist wohl ca. 65 mm bei f/11 als einziger Blende. Es gibt auch nur eine Verschlusszeit (wohl ca. 1/30 s) und Zeitbelichtung ("T" bzw. eigentlich B). 

Dieser Einfachverschluss hat bei meiner Kamera gehakt. Ich habe ihn daher gereinigt und etwas geölt und jetzt geht wieder alles. Für mich eine gute Gelegenheit des Funktionsweise mal genauer zu dokumentieren (siehe unten). Ich denke, viele Einfachverschlüsse funktionieren sehr ähnlich und die Bilora-Leute haben hier nichts wirklich spektakuläres gebaut:


Funktionsweise des Einfachverschlusses in sechs Stufen:

(1) Ausgangsposition: Der Hebel (H) wird durch die Feder (A) in seiner Position gehalten. Auf der einen Seite des Hebels ist der Auslöser (S) über ein Gestänge befestigt, auf der anderen Seite ist das Verschlussblatt (V) über die verdeckte Feder (B) so am Hebel befestigt, dass (V) auf der rechten Seite am Anschlag gehalten wird.
(2) Druck auf den Auslöser (S) schiebt den Hebel an den Anschlag rechts oben. Dabei wird Feder (A) gespannt, der untere Teil des Hebels schwingt über das Lager von (V) nach links und (B) zieht (V) plötzlich nach links.
(3) (V) setzt sich durch den Zug der Feder (B) jetzt nach links in Bewegung und gibt das Objektiv zur Aufnahme frei (gelb). Falls der Anschlag (M/T) auf Stellung T (Zeitaufnahme) steht, bleibt (V) in dieser Position und gibt das Objektiv solange frei, wie der Auslöser gedrückt bleibt.
4) Falls der Anschlag auf Stellung M steht, schwingt (V) nach ganz links durch und überstreicht so die Objektivöffnung nur kurzzeitig (vermutlich ca. 1/30 s).
5) Der Auslöser (S) wird losgelassen, Feder (A) zieht den Hebel (H) wieder in seine Ausgangsposition am linken oberen Anschlag. Dabei wird jetzt die Feder (B) zum Rückholen von (V) wieder gespannt.
6) Das Verschlussblatt (V) schwingt durch (B) gezogen wieder in seine Ausgangsposition nach rechts zurück. Dabei gibt es selbst kurzzeitig das Objektiv frei, das jetzt aber durch den Hebel (H) verdeckt ist! Damit ist der Kreis geschlossen und der Verschluss sofort (ohne extra Spannen) wieder auslösebereit!

2013-02-18

Kodak Six-20 Brownie Junior

Auf dem Kameramarkt am letzten Sonntag war ich eigentlich nur auf der Suche nach 620er Rollfilm (oder Spulen davon zum Umspulen von 120er) zum Testen meiner alten Rolleiflex. Statt Film oder Spulen fand ich nur ein paar alte Brownies für das Format. Diese hier war besonders gut erhalten, und: es war noch ein Film und damit zwei Spulen drin. Bei nur 5$ für alles zusammen brauchte ich nicht lange überlegen.


Kodak hat im Laufe von Jahrzehnten einen Haufen verschiedener Boxkameras unter dem Namen Brownie (siehe auch hier) verkauft, fast alle hatten ein ähnliches Eigenschaftsprofil im Sinne der technischen und optischen Funktionalität (siehe z.B. Tabelle unten). Es gab sie für die verschiedensten Rollfilmformate und dabei auch einige für den 620er, meist mit dem Namenszusatz SIX-20. Auch waren die Namen nicht wirklich eindeutig. Die "Kodak SIX-20 Brownie Junior" wurde von 1934-1942 in den USA, England und Kanada gebaut und es existieren mindestens 5 verschiedene Varianten. Die häufigste ist das Art-Deco Modell aus amerikanischer Produktion, daneben die englischen Modelle Standard, Super und Portait. Das hier gezeigte Modell mit der einfach schwarzen Art-Deco Front wurde zwischen 1940 und 1942 für den Export nach Frankreich gebaut.

Datenblatt Einfache Boxkamera(6x9) für Rollfilm 620
Objektiv Einlinisger Meniskus, f/11 und f/16
Verschluss Box-Rotationsverschluss, ca. 1/40s und T.
Fokussierung Fixfokus.
Sucher zwei einfache Spiegelsucher für Hoch- und Querformataufnahmen..
Filmtransport Rollfilm 620, Drehknopf, kein mechanisches Bildzählwerk (rotes Fensterchen für Zählung auf Rückseitenpapier hinten).
sonst. Ausstattung keine.
Maße, Gewicht ca. 82/110/132 mm, 438 g
Baujahr(e) 1934-1942, diese Variante 1940-1942 für den Export.
Kaufpreis, Wert heute 1934: US$ 2.25, heutiger Wert je nach Modell und Zustand ca. US$5 bis US$30
Links The Brownie Camera Page, Camera-Wiki, The Remigijus Brownie Collection, Manual (english)

2012-12-25

Agfa Click I

Hier noch der "missing link" in meiner Agfa Click-Clack Sammlung. Die Click-I wurde neben der besser ausgestatteten Click-II im Agfa Kamerawerk in München von 1958 bis 1970 gebaut. Die beiden Kameras unterschieden sich kaum. Die Click-I hat als Objektiv Meniskus-Linse 1:11/72,5 mm und einen einschwenkbaren Gelbfilter. Bei Sonnenlicht kann noch eine Stufe abgeblendet werden, sonstige Einstellmöglichkeiten: Fehlanzeige. Die Click-II hatte immerhin einen lichtstärkeren Achromaten und statt des Gelbfilters konnte eine zusätzliche Nah/Portraitlinse eingeschwenkt werden.


Beide 6x6 Kameras waren komplett aus Bakelit, wie auch die ältere Clack, die schon 1954 auf den Markt kam. Die Kameras stehen fast schon exemplarisch für den Übergang von Boxkameras (zu der man die Clack noch zählen kann) zu kompakteren Einfachstkameras. Hier nochmal alle drei auf einem Bild...


Datenblatt Einfache Mittelformatkamera (6x6) aus Bakelit
Objektiv Meniskus 11/72.5mm, abblendbar um eine Stufe
Verschluss einfacher Boxkamera- (Rotations-) Verschluss, ca. 1/30 s
Film(format) Rollfilm 120, 6x6 cm
Fokussierung Fixfokus, ab ca. 4m.
Sucher Einfacher, optischer Durchsichtsucher.
Blitz Synchronkontakte an der Oberseite, Agfa-Blitze zum Aufstecken als Zubehör.
Filmtransport Drehknopf an der Oberseite, rotes Filmfenster in der Rückwand
sonst. Ausstattung gebogene Rückwand, einschwenkbarer Gelbfilter, Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 140/99/8, 181 g (ohne Film)
Batterie keine.
Baujahr(e) 1958-1970, made in Germany (München)
Kaufpreis, Wert heute 16,80 DM (1958), ca. 5 €/US
Links Bedienungsanleitung