2019-09-22

Konica Autoreflex TC



Ein Zufallsfund auf einem kleinen Flohmarkt vor 3 Wochen war diese Konica Autoreflex TC. Es ist schon meine dritte Konica SLR und eigentlich nichts Aufregendes. Gebaut von 1976 bis 1982 war sie Konica's Einstiegsmodell und erfuhr im Laufe ihrer (wohl sehr zahlreichen) Produktion kleinere kosmetische Änderungen und Optimierungen. So wurde z.B. die Bodenplatte am Ende aus Plastik gefertigt, erste Schritte hin zum Vollplastik-Gehäuse ihrer Nachfolgerin Konica TC-X. Alles weitere zu den recht simplen Spezifikationen der Kamera unten in der Tabelle. Meine Kamera ist ein spätes Stück mit der Seriennummer 814082 (vermutlich von 1981, dem SLR-Boomjahr überhaupt).

Im Inneren der Kamera (und auch auf der Rückseite der Anleitung) fand ich allerdings jeweils einen interessanten Aufkleber. Service und Garantie für Konica Kameras wurde damals vom Carl Braun Camera-Werk in Nürnberg geleistet. Der Aufkleber auf der Anleitung spricht sogar vom Alleinvertrieb in der Bundesrepublik Deutschland. Carl Braun, bekannt durch seine 50er-Jahre Kameras (z.B. die Paxette oder Colorette), hatte schon in den 1960er Jahren die eigene Kameraproduktion eingestellt und sich danach auf Diaprojektoren und anderes Zubehör verlegt. Dass sie auch Vertrieb und Service für einen (oder mehrere?) japanische Kamerahersteller übernommen haben, war mir neu. Ich habe versucht, im Netz dazu noch mehr zu finden, bisher aber ohne Erfolg. Carl Braun lebt zwar bis heute in der Braun Phototechnik GmbH fort, in der zugehörigen Firmengeschichte wird über den Ausstieg aus der Kameraproduktion und die 70er und 80er Jahre kein Wort verloren. Wer dazu noch andere Infos oder Quellen hat, bitte hier kommentieren.


DatenblattEinsteiger KB-Spiegelreflexkamera 
Objektiv Wechselobjektive mit Konica AR-Bajonett. Hier Super-Danubia Auto-Zoom 80-200 mm f/4.5.
Verschluss Mechanisch gesteuerter, vertikaler Metalllamellenverschluss (Copal Square). 1/8s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation bei 1/125s.
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, CdS, 50-1600 ASA. Automatische Belichtungssteuerung (Blendenautomatik) mit entspr. Objektiven.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher, (90%), Vergrößerung 0.91x bei 50 mm. Nadel-Anzeige für Belichtungsmessung (Blende). 
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt, X-Buchse.
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulknopf, Bildzählwerk (vorwärts zählend)
sonst. Ausstattung mechanischer Selbstauslöser (10s), ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Hauptschalter (klappt Schnellschalthebel ein)
Maße, Gewicht ca. 136/90/47 mm, 487g (ohne Batterie und Objektiv)
Batterie2 x PX625 (1.35V Quecksilber)
Baujahr(e) 1976-1982, dieses #814082 von 1981 (?)
Kaufpreis, Wert heute  299 US$ (1976), heute ca. 20€
Links Manual (english), Camera-Wiki, Konica-CollectorCollectiblend
Bei KniPPsen weiterlesen Konica TC-X, Konica FS-1, Konica C35V, Konica C35AF, Carl Braun Kameras

2019-09-08

Ising Puck



Über diese recht seltene Kamera bin ich neulich gestolpert, sie war bei e-bay gelistet und nur laienhaft beschrieben. Ich habe nach ein wenig Recherchieren das Mindestgebot von 15€ abgegeben und den Zuschlag bekommen. Ich selbst hätte die Kamera nach ihrer Spezifikation (3x4 cm Halbformat auf 127er Rollfilm) eher in die 1930er Jahre eingeordnet, sie stammt allerdings aus den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg, als es wieder möglich wurde Kameras zu produzieren (ab 1948).  Gebaut wurde sie vom relativ unbekannten Kamera- und Fotozubehörproduzenten Ising (Eugen Ising Metallwarenfabrik in Bergneustadt, Rheinland, heute NRW). Dieser hatte insgesamt nur 3 Kameramodelle (in wenigen Varianten) auf den Markt gebracht, die erfolgreichste davon war die Pucky, eine 6x6 Pseudo-TLR Boxkamera. 
Die (oder der?) Ising Puck war im Sinne der 1930er Jahre eine KLEINBILDKAMERA, denn so wurden eigentlich alle Kameras genannt, deren Negative zum endgültigen Betrachten vergrößert werden mussten, also alles bis ca. 6x6 cm. Ab 6x9 cm konnte man mit Kontaktabzügen schon leben. Erst ab den späten 30er Jahren, als die 135er Patrone ihren Siegeszug begann, wurde der Begriff Kleinbild immer mehr zum Synonym für das 24x36 mm Format auf perforiertem Cinefilm. 
Davor war der 127er Rollfilm (bei Agfa A8 genannt) mit seinen nur 46 mm Breite prädestiniert für kompakte Kameras. Seine Standardformate waren  4 x 6,5 cm (8 Aufnahmen pro Film), oder 4 x 4 cm (12 Aufnahmen, z.B. Baby-Rollei oder Yashica 44). Entsprechende Bildnummern waren auf der Rückseite des Trägerpapiers aufgedruckt und konnten durch die roten Fensterchen beim Filmtransport abgelesen werden.
Aber es gab (wie auch beim 135er) ein Halbformat, was meist hochkannt realisiert wurde, und zwar 3 x 4 cm. Exakt waren es eigentlich  1 5/8 x 1 1/4 Zoll, also 41,3 x 31,7 mm. Frühe Kameras für dieses Halbformat waren z.B. die Foth Derby und die Nagel Pupille, ich habe inzwischen die Geschichte dieser Kameraklasse aufgearbeitet und auch eine erkleckliche Anzahl von denen in meiner Sammlung.
Die Puck war Ising's anspruchsvollste Kamera und steht ganz in der Tradition dieser Vorkriegsmodelle. Der Vorteil vom Rollfilm ist, dass der Transport einfach ist und nur in eine Richtung passiert, außerdem ist das Bildzählwerk per Rückseitenaufdruck schon dabei. Alle Halbformatkameras behelfen sich dabei mit zwei Fensterchen auf der Rückseite, wobei man die Zahl (z.B. 1) für's Vollformat zuerst im rechten und dann nochmal im linken Fensterchen sieht (ergibt Halbformat-Bilder 1 und 2), usw.
Das Komplizierte an der Kamera, Verschluss und Objektiv wird von Spezialisten dazugekauft. Hier hat Ising (wie damals üblich) verschiedene Varianten angeboten. Man griff dabei auf eigentlich für 24x36 mm gerechnete Objektive zurück (Meine Puck hat 45 mm Brennweite!), daher wurde die Bildmaske auf 28 x 37 gestutzt und damit fast 20% Filmfläche verschenkt.  
Mein Exemplar ist in einem recht gebrauchten Zustand, aber es funktioniert. An einigen Stellen fehlt das Leder, was mit schwarzer Farbe kaschiert wurde. Der Selbstauslöser hakt und die Rückwand klemmt ein wenig. Vielleicht komme ich zu einer sanften Renovierung, aber auch so ist sie ein nettes Stück für die Vitrine. 

Datenblatt kompakte Halbformat (3x4) Kamera für den 127er Rollfilm
Objektiv Rodenstock-Trinar 4,5 cm f/3.5. Auch mit Steinheil Cassar 5cm f/2.9, oder Staeble Kata 50mm f/2.8. Objektiv mit Tubus versenkbar.
Verschluss Prontor II Zentralverschluss, B-1-2-5-10-25-50-100-250. Auch mit Compur-Rapid (bis 1/500 s) oder Vario (B-25-75-200).
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv (ab 1 m) durch Verstellen der Frontlinse, keine Scharfstellhilfe.
Suchereinfacher, sehr kleiner Fernrohrsucher.
Blitz Buchse am Verschluss.
Filmtransport Mit Drehknopf, doppeltes rotes Bildnummern-Fenster für Halbformat (s.o.), verschließbar.
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, Tiefenschärfe-Drehknopf auf der Oberseite, (Zubehörschuh an späten Versionen), Stativgewinde 1/4", Standfuß ausklappbar, Bereitschaftstasche als Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 100x70x47 mm,  360 g 
Batterie keine
Baujahr(e) 1948-1950 (?), diese hier (#5585) eher früh, insgesamt wohl weniger als 10,000 Exemplare.
Kaufpreis, Wert heute ?, heute ca. 50 €.
externe Quellen und Links Classic Camera Collection, Cameras Sin Fronteras, 127er Rollfilm, Collectiblend
bei KniPPsen weiterlesenDiese Kamera neu beledert127er Halbformatkameras in meiner SammlungGevaert 127er Film, Rollfilm 127, das plötzliche Verschwinden der 3x4-Kameraklasse