2019-11-10

Kameraleder erneuern - Ising Puck

Vor Kurzem habe ich über diese kleine und interessante Kamera berichtet. Mein Exemplar hatte noch das ursprüngliche Leder, aber leider nicht mehr überall. An einigen Stellen wurde es mit einem nicht originalen Kleber wieder angeklebt, an anderen fehlte es ganz oder wurde einfach durch schwarze Farbe ersetzt. Für mich der perfekte Kandidat für ein Belederungsprojekt. 

Ein paar Anbauteile abschrauben und
komplett nackig machen...
Mit dem Gedanken, eine Kamera neu zu beledern, trage ich mich schon länger. Man kann ja im Netz schon fertig zugeschnittene Belederungs-Sätze kaufen, auch in poppigen Farben oder in Krokodil-Leder-Optik (z.B. hier, oder hier).  Aber das ist nichts für mich. Zum einen halte ich es mehr mit möglichst originalgetreuer Restaurierung, zum anderen gibt es die fertig geschnittenen Sätze nur für recht gängige Kameras. Die alten oder seltenen Schätzchen, an die ich denke, sind garantiert nicht dabei.  

Dann stolperte ich vor einiger Zeit über einen kurzen Beitrag über das Thema in einem Forum. Die Idee mit dem Schneidplotter hat mich sehr schnell überzeugt. Ein solcher stand auch schon länger auf der "Will-Haben"-Liste meiner Frau und so konnte ich ihr eine große Freude damit machen, einen solchen mir zum Geburtstag von ihr zu wünschen. 

Es wurde am Ende sogar der Silhouette Portrait, der im Artikel oben verwendet und empfohlen wurde. Dieser kommt mit einer recht simplen aber für den Zweck ausreichenden CAD-Software, mit der man sich seine Schnittmuster selbst erstellen kann. Hier nun also eine kurze Beschreibung, wie ich bei meinem kleinen Projekt vorgegangen bin.

Schnittmusterbogen, erstellt mit Silhouette Studio 4.2
Als erstes heißt es natürlich, das alte Leder von der Kamera zu entfernen. Bei vielen Kameras muss man dafür noch ein paar Anbauteile abschrauben, so auch bei der Ising Puck. Wie ich schon geschrieben habe, fehlte schon einiges an Leder und auch das andere war schnell abgezogen. Ich habe schon viel fester verklebtes Leder an anderen Kameras erlebt. Früher wurde oft Schellack als Klebstoff verwendet, zu erkennen an der rot-braunen Farbe. Wenn man auf solche Verklebungen stößt, hilft oft Einweichen mit Brennspiritus (Ethanol), darin ist Schellack nämlich löslich. Zum Glück war das bei mir nicht nötig. 

Plotter mit dickerem Papier testen und anprobieren...
Im nächsten Schritt habe ich den Schnittmusterbogen erstellt, eigentlich die Anweisungsdatei für den Plotter, wie er zu schneiden hat. Dazu habe ich die originalen Lederteile glatt gepresst, mit Tesafilm auf ein Stück Papier geklebt und eingescannt. Die Software Silhouette Studio 4.2 kann nämlich Bild-Dateien lesen und auch kontrastreiche Kanten selbstständig erkennen und in Schnitt-Linien übersetzen.  

Allerdings muss man trotzdem noch selbst Hand anlegen, um die von der Software gefundenen Schnittlinien zu glätten, bzw. Kreise wirklich rund und Linien wirklich gerade zu machen. Das nimmt seine Zeit in Anspruch, man findet sich in der Software mit der Zeit aber immer besser zurecht. Vorteil der Methode mit dem Scannen ist allerdings, dass man nicht alle Maße mit Lineal oder Maßband an der Kamera selbst abnehmen braucht. 

Fertig geschnittenes Leder mit Kleberücken
einfach anbringen und festdrücken.
Wenn man mit dem Schnittmuster fertig ist, empfehle ich Testplot(s) auf dickeres Papier (o.ä.) zu machen, um das neue Lederkleid vorab an der Kamera anzuprobieren. Ich selbst habe noch drei Runden gebraucht, bis es letztendlich alles passte.  Dann erst habe ich den Bogen Leder eingespannt und beim Plotter die Schneideparameter auf das neue Material eingestellt. Hier muss man wohl je nach Leder etwas rumprobieren. Bei mir ging das ganz schnell: Ich habe bei der Materialauswahl "Leatherette" (Kunstleder) gewählt, einen kleinen Schneidtest durchgeführt, und die Einstellungen so gelassen. Dann Schnittmuster an den Plotter senden und nach ca. 3 Minuten war bei mir alles fein säuberlich ausgeschnitten.

Das Leder habe ich bei Aki-Asahi in Japan bestellt (black uncut crinkled emboss, 220x320 mm). Auch wenn sich das erstmal verrückt anhört, kann ich das nur empfehlen. Der Service dieses Ladens ist klasse, Bezahlung per Paypal, sofortige email Bestellbestätigung, weltweiter Versand für nur 4 US$ und das innerhalb von ca. 10 Tagen. Das Leder kommt in exzellenter Qualität mit selbstklebender Rückseite, man muss also nicht mit Kleber hantieren. 

Schneidplotter bei der Arbeit
Das eigentliche Beledern selbst geht recht flott von der Hand. Natürlich muss man auch hier präzise arbeiten und genau ansetzen, aber man kann auch noch vorsichtig die eine oder andere einfache Korrektur anbringen. 

Mein Ergebnis kann sich sehen lassen und ich bin sehr zufrieden. Unbedarfte Kamera-Laien würden nicht merken, dass es sich um ein Do-It-Yourself Projekt handelt. Alle Schnitte sind super präzise, so was schafft man per Hand nicht. Allerdings ist das Leder von seinem Stil her eher "70er oder 80er Jahre Japan" als "30er oder 50er Jahre Deutschland". Es ist einen Ticken dicker als das originale Leder und natürlich auch anders gemustert. Die beiden Bilder auf dieser Seite zeigen das fertige Stück, das jetzt in der Vitrine steht. Bei mir wartet bereits die nächste Kamera auf ihr neues Lederkleid. Allerdings will ich hier auch noch mehr Restaurationsarbeit leisten und mir fehlt derzeit die Zeit dazu. Wer selbst noch Fragen oder Anregungen zum Thema hat, bitte unten in die Kommentare posten oder e-mail an knippsen(at)icloud.com.


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