2013-11-09

Braun Paxette Ib


Meine Vorliebe für kompakte Kameras ist sicher schon aufgefallen, da darf natürlich die Paxette nicht fehlen. Mit dieser schicken Kleinbildkamera stieg die später hauptsächlich für ihre Diaprojektoren bekannte Firma Braun ins Fotogeschäft ein. Das Carl Braun Camerawerk in Nürnberg entstand 1948 bei der Währungsreform auf den Überresten der Karl Braun KG, die schon seit 1915 Metallwaren und optische Geräte (z.B. Ferngläser) fertigte. Ab 1948 baute man zunächst Box-Kameras und 1950 kam dann das erste eigene Nachkriegsdesign - die Friedenskamera - oder Paxette (wie die Lateiner sagen würden).  Nach dem ersten Modell hier (diese ist von 1952, Variante 1b) folgten in den 50er Jahren verschiedene verbesserte Modelle, ab dem Modell 2 auch mit Wechselobjektiven (M39, allerdings nicht Leica-kompatibel). Das Modell 1b wurde als Einstiegsmodell noch bis 1956 für 99 DM verkauft, insgesamt galt die Paxette wegen ihrer soliden Bauweise und unschlagbarem Preis-/Leistungsverhältnis als "Volksschullehrer-Leica".


Technisch gesehen hat die Kamera alles Wesentliche an Bord und auch sonst noch das eine oder andere Extra (siehe Tabelle unten). Die 1b hier ist keine Messsucherkamera, die Entfernung muss also geschätzt werden, der Entfernungsmesser kam erst mit Modell 1M im Jahre 1953. Das zweite Fenster neben dem Sucher ist etwas, was ich hiermit zum alleresten Mal in der Hand gehabt habe: ein optischer Belichtungsmesser. Schaut man in das rechte Fensterchen auf der Kamerarückseite sieht man meist erst mal gar nichts. Das andere Auge muss man gut zukneifen und sich dann an die Dunkelheit gewöhnen. Langsam erscheinen Zahlen und nach 20 Sekunden soll man die Zahl ablesen, die gerade noch sichtbar ist (realisiert ist das mit Graukeilen). Für diesen Lichtwert kann man dann in einer Tabelle, die an die Bereitschaftstasche genietet ist, eine passende Blenden-Zeit -Kombination ablesen. 


Heinz Waaske ist für seine superkompakte Rollei 35 gefeiert worden. Dabei gab es mit der Paxette Anfang der 50er schon eine annähernd kleine "Kleinbildkamera" für die vollen 24x36 mm, wie das
Gruppenbild unten beweist. Die Paxette Serie hatte in den 50er Jahren ihren festen Platz im Fotomarkt. Eine schöne Beschreibung des damaligen Marktes in Deutschland liefert Horst Neuhaus auf seinen Seiten.

Als meine Paxette über ebay für $10 zu mir kam, funktionierte fast nichts. Sie war vollkommen verdreckt bzw. verstaubt und die beiden aus Rohaluminium gefertigten Filmtransporträder waren sehr unansehnlich korrodiert. Der Verschluss ließ sich nicht betätigen, die Verschlusslamellen standen halb offen. Also hab ich erst mal alles gereinigt und zerlegt, was erstaunlicherweise recht einfach vonstatten geht. Nach Ausbau des Prontor S Zentralverschlusses kam dieser über Nacht erstmal ins Leichtbenzinbad, um verharztes Öl etc. zu entfernen. Aber auch danach gings noch nicht richtig. Nach ein wenig rumprobieren habe ich dann die Lösung gefunden. Jemand hatte dem Selbstauslöser Gewalt angetan und damit nicht nur ihn selbst beschädigt, sondern auch eine Stift des eigentlichen Lamellenschiebers verbogen. Nachdem ich diesen wieder in Stellung gebogen hatte, ging zumindest der Verschluss wieder (siehe unten), den Selbstauslöser habe ich abgeschrieben. Im Prinzip kann man mit meiner Paxette also wieder fotografieren...



Datenblatt kompakte Kleinbildkamera-Sucherkamera
Objektiv Steinheil Cassar 45mm f/2.8 (Triplet, vergütet). Andere Ausführungen der Kamera verwendeten auch entspr. Roeschlein oder Staeble Objektive.
Verschluss Prontor S (Gauthier) hinter dem Objektiv mit 1 bis 1/300 s in acht Stufen (1-2-5-10-25-50-100-300) und B. Blitzsynchronisation mit allen Zeiten möglich.
Belichtungsmessungeingebauter, optischer Belichtungsmesser und externe Belichtungstabelle (s.o.).
Fokussierung Manuell am Objektiv, keine Scharfstellhilfe.
Sucher Einfacher Durchsichtsucher, keine  Parallaxenmarkierung.
Blitz Anschluss für Blitzkabel am Kameraverschluss.
Filmtransport mittels Drehrad an Oberseite, das auch den Verschluss spannt. Spätere Modelle hatten einen Schnellspannhebel.
sonst. Ausstattung Bildzählwerk (rückwärts), Auslösesperre, Zubehörschuh, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Selbstauslöser
Maße, Gewichtca. 115/65/65mm, 429g 
Batterie keine.
Baujahr(e)1950-1952, in Modifikationen bis 1958
Kaufpreis, Wert heute99 DM (1956), ca. $30
LinksBedienungsanleitung (english), UKCamera (Paxette Übersicht), Oliver Corff's Paxette Seiten
Kleinbild-Fotographie in den 50ern (Horst Neuhaus)

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