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2015-01-03

Lytro Review (Teil 8 - Fazit und Linkliste)


...und? Hat sich die Anschaffung der Lytro gelohnt? Ich bin immer noch hin und her gerissen in meiner Meinung. Einerseits muss man den Mut der Lytro-Leute (insbesondere Ren Ng) und deren Investoren anerkennen, aus dem Lichtfeld-Konzept ein tatsächliches Produkt zu machen und sich dem Urteil des Marktes zu stellen. Andererseits hat zumindest diese erste Generation zu viele Schwächen, die einem schnell den Spaß daran verderben können und schlimmsten Falls am Konzept haften bleiben.
Das geht schon mit dem Design der Kamera los. Die ungewöhnliche Form kann man noch als Geschmacksache abtun, immerhin unterstreicht die Form, dass auch das Fotogrfieren ungewöhnlich ist. Aber musste es dieses winzige 128x128 Pixel Display sein? Hier wurde ganz eindeutig an der falschen Ecke gespart.
Mein Hauptkritikpunkt aber ist die unterirdische Bildqualität, die nicht nur an der geringen Auflösung von ca. 1 MP liegt. Sowas gehört nicht auf den Markt! Zum anderen stört mich der dazu unverhältnismäße Resourcenverbrauch, sowohl hinsichtlich Rechenzeit als auch beim Speicherbedarf. Hier ist dringend Abhilfe nötig. Es gibt allerdings Hoffnung auf Besserung. Lytro's zweite Kamera Illum beweist, dass man verstanden hat. Die Bildqualität der Bilder auf der Homepage ist deutlich besser, und auch das Konzept der Kamera ist konventioneller. Doch die Hauptkritikpunkte bleiben wie ein erster Test der Computerzeitschrift Chip zeigt. Die Lytro-Leute sollten aber schleunigst auch die Software entschlacken und endlich Datenkompression einführen, damit das Verhälnis von Qualität und Resourcenverbrauch ins Lot kommt. Außerdem bedarf es einer viel besseren Integration in die Smartphone Biotope. Die iPhone-App zeigt erste schicke Ansätze, trotzdem kommt der Frust schnell an anderer Stelle.
Ich persönlich bin gespannt, wie sich das Projekt Lytro Lichtfeldkamer weiterentwickeln wird. Ich kann mir mehrere Szenarien vorstellen. Das erste ist wohl die Hoffnung/Vision der Lytro-Leute: Man schafft es die Schwachpunkte nach und nach auszumerzen, die Illum kommt mittelfristig in Preisregionen (sagen wir $500), und die Kunden kaufen zahlreicher. Das erlaubt die Entwicklung der 3. Kamerageneration und einer dazu passenden schnellen Smartphone-App, die gute Bildqualität mit einem schnellen Social-Network-Workflow verbindet und endlich den Lichtfeld-Hype auslöst.
Leider gibt es aber nüchtern betrachtet eher Anzeichen für folgendes Szenario: Man gibt der Illum noch ca. 2 Jahre, um endlich am Markt anzukommen, investiert aber nicht mehr viel Mühe in die Verbesserung des Produktes. Die Finanzinvestoren werden ungeduldig und lassen sich nicht länger vertrösten. Am Ende haut man die Kameras zu Ramschpreisen raus. Die Patente werden verkauft und die Technologien finden in die Nischen in die sie gehören (Mikroskopie, Raumfahrt, etc.). Vielleicht baut ein Smartphonehersteller mal eine plenoptische Kamera und ein 3D-Display in die übernächste Generation? Die Anzeichen dafür: Gründer Ren Ng geht schon 2015 zurück an die Uni, Lytro verkauft seit kurzem auch Technologie-Kits, Lytro's Konkurrent Raytrix konzentriert sich auch nur auf Nischen.Warten wir's also ab.

Für alle, die jetzt noch weiterlesen wollen, gibt es jetzt hier eine Linkliste zu durchklicken. Zunächst natürlich alle anderen Teile meiner Review-Serie: 0 - theoretischer Hintergrund, Meine neue Lytro, 1 - Bedienung der Kamera und praktische Erfahrungen, 2 - Lytro Desktop (die zugehörige Software), 3 - Lytro Web , 4 - Lytro App, 5 - Living Pictures auseinander genommen, 6 - Testfotos und Bildqualität, 7 - 3D-Fotos mit der Lytro. Neben Lytro's eigener Homepage sind insbesondere das Lightfield Forum, sowie Jan Kucera's Lytro Meltdown noch zu empfehlen. Es gibt aber auch kritische Stimmen im Netz, wie diese englische Computer-Zeitschrift oder gar richtige Verrisse.

Um meine Frage von oben zu beantworten: Viele Fotos werde ich mit meiner Lytro wohl nicht machen. Ich bin aber nicht so enttäuscht, dass ich das Ding gleich wieder weiterverkaufe (wie ich tatsächlich zwischendurch dachte). Dafür bin ich zu sehr Sammler. Wer weiß, vielleicht ist die erste Generation in 20 Jahren eine Rarität... Ich werde meine wohl an Interessierte verleihen, damit haben sich die $99 Investition dann doch gelohnt.

2015-01-02

Lytro Review (Teil 7 - 3D Fotografie)

Eines der wenigen Dinge mit der mich die Lytro positiv überrascht hat, ist die Möglichkeit 3D-Fotos mit nur einer Linse zu machen. Eigentlich nicht die Tatsache selbst -darüber hatte ich schon gelesen- sondern wie einfach und geradeaus das in der Software umgesetzt wurde und wie gut der 3D-Effekt bei mir als Betrachter ankommt. 
Lytro bietet dazu zwei Möglichkeiten: A) wie Anaglyph-3D, das ist die altbekannte Methode mit der Rot-Grün (oder besser Rot-Cyan) Brille. Eine solche hat wohl (hoffentlich) jeder irgendwo in der Ecke rumliegen und kann es an meinem Lytro-Selfie testen. B) ist die modernere Variante der sog. side-by-side Darstellung, die moderne 3D-TV Geräte hochfrequent abwechselnd darstellen. Der Betrachter guckt dabei durch eine Shutter-Brille und sieht das 3D-Bild vollfarbig. Es gibt auch schon Geräte, die ohne Brille auskommen. Das Ganze konnte ich mangels TV nicht testen, ich denke aber Lytro wird uns schon nichts vormachen. Hier ist das entsprechende Bild, was die Software exportiert:


Als Anregung für Lytro (für die nächsten Generationen von Kameras und Software) sei hier noch das Linsenrasterverfahren erwähnt (Lentikular-Bilder). Das wäre wirklich cool, wenn man diese netten Flip-3D-Postkarten mit der Lytro machen könnte. Doch reicht vermutlich die Auflösung der ersten Lytro nicht aus, um ansehnliche Ergebnisse zu produzieren. Lentikulardisplays werden auch in anderen Zusammenhängen immer wieder diskutiert. Auch existiert ein Gerücht, dass angeblich Apple an brillenlosen 3D-Displays für das kommende iPhone 6s (oder 7) arbeitet. Wäre es da nicht  naheliegend auch an eine 3D-fähige Kamera zu denken? Lytro-Gründer Ren Ng hatte sich 2012 noch mit Steve Jobs getroffen. Ob die beiden damlas schon über diese Vision gesprochen haben? Jedenfalls hält Apple in der zwischenzeit ein entsprechnednes Patent...

Fazit: Ich finde die 3D-Fähigkeiten der Lytro ein cooles Feature, dass auch gut umgesetzt wurde und meiner Meinung nach weiter ausbaufähig ist.

Die anderen Teile meiner Review-Serie sind hier zu finden:

Lytro Review (Teil 6 - Bildqualität)


Man konnte es schon an den anderen Beispielen sehen, die Bildqualität der Lytro ist nicht überragend, eigentlich sollte man sagen: sie ist schlecht! Natürlich hat das Projekt Lichtfeldkamera mit ein paar Umständen zu kämpfen, die es nicht erlauben aus dem Stand die Bildqualität zu erreichen, die man von heutigen multi-Megapixel Digitalknippsen gewöhnt ist (einschließlich der allgegenwärtigen Smartphones!). Die Tiefen- und 3D-Informationen, die die Kamera mit ihrem Konzept aus den Sensordaten gewinnt, kosten ca. 66% der physikalischen Auflösung des ansonsten recht leistungsfähigen Aptina MT9F002 Sensors, dummerweise werden dessen 14 MP (Rechteck-) Auflösung zusätzlich noch auf ein 10.7 MP-Quadrat beschnitten. Exportiert man schlussendlich mit Lytro Desktop ein (nachträglich fokussiertes) JPEG, bleiben mickrige 1080x1080 Pixel (1 MP) übrig. Das ist heute nichtmal mehr am Computer ansehnlich, insbesondere wenn man mit der Bildschärfe spielen will, denn eigentlich ist ALLES irgendwie unscharf. Das fällt besonders bei Aufnahmen auf, bei denen eigentlich alles scharf sein sollte, wie zum Beispiel das Haus bei meinen Beispielen (gute Beleuchtung, alle Objekte weit weg).

Lytro Olympus PEN PL-1 Nikon Coolpix 3400
Lytro Olympus PEN PL-1 Coolpix
skaliert auf
1080x1080 px ->
Olympus PL-1 (1080px) Coolpix 1080px

Ich habe mir heute den Spaß gemacht und die Lytro in zwei Situationen gegen die Olympus PEN PL-1 (12 MP, mit Lumix G 40 f/1.7) und meine älteste noch funktionierende Digitalkamera Nikon Coolpix 3400 (4 MP, von 2003) antreten lassen. Bitte selbst schauen (Klick auf die Bildchen macht sie groß...). Interessanterweise ist es nicht die Auflösung alleine, die bei der Lytro für Frust sorgt. Das zeigt die mittlere Bilderzeile, wo ich die Aufnahmen von der Olympus und der Nikon auf 1080x1080 Pixel runterskaliert habe. Beide sind deutlich besser als das Bild der Lytro. Letzteres enttäuscht mich doch sehr. Ich wusste, dass ich mich auf 1 MP bescheiden muss, auch wenn Lytro seine Kunden mit nichtsagenden 11 Megarays hinters Lichtfeld führt. Das dann noch schlechte Bildqualität obendrauf kommt, hatte ich nicht erwartet. Ich weiß nicht, ob ich zu kritisch hier bin, aber mir macht das Fotografieren mit dem Ding immer weniger Spaß.

Hier zum weiterlesen, die anderen Teile meiner Review-Serie:

2014-12-26

Lytro Review (Teil 5 - Living Pictures auseinander genommen)

 Lytro-Tiefenkarte (stack.depthmap.png, 328x328 Pixel)
Wenn es darum geht der Lytro unter die Haube zu schauen kann ich nur die Website von Jan Kucera empfehlen (The Lytro Meltdown), der die Kamera(s) nicht nur physikalisch auseinander genommen hat, sondern auch viele Einsichten in die verwendeten Dateiformate und andere eigentlich verborgene Dinge liefert. Allerdings hat sich insbesondere mit dem Erscheinen der Lytro Illum einiges an den Dateiformaten etc. geändert, was er in seinem Vorwort auch anmerkt und ich auch beim Vergleich bemerkt habe. Trotzdem ist es DIE Quelle, wenn es um Details geht. Ich werde hier nicht alles wiederholen, sondern nur mit meine eigenen Beobachtungen ergänzen.
Der Lytro raw-file hat eine Größe von 16.1 MB (3280x3280 Pixel, 12 Bit) und enthält per Definition alle wesentlichen Bildinformationen. Alle? Nein eben nicht, und das wird bei der Analyse der Dateistruktur relativ deutlich. Das Microlinsenraster vor dem Sensor (bestehend aus ca. 130.000 Linsen) sitzt wohl bei jeder Kamera an einer etwas anderen Stelle, was ein nachträgliches Rekalibrieren per Software notwendig macht. Circa 1 GB an Daten gehen für Kalibrierdateien etc. drauf, was den 8GB internen Speicher entsprechend schmälert.  Nach Jan Kucera werden diese Daten sogar auf den Computer übertragen, das konnte ich allerdings nicht nachvollziehen. Ggf. hat Lytro hier was bei den letzten Versionen geändert.
Überträgt man dann die Bilder, so werden diese von Lytro Desktop lichtfeldtechnisch durchgerechnet und landen in einer Bilddatenbank, softwaretechnisch verpackt in Lytro-Bibliothek.lytrolibrary, zu finden im Bilderordner. Die Software bläst dabei die 16.1 MB Rohdaten auf ca. 50 MB auf (ja, für jedes einzelne Bild mit einer Auflösung von 1134x1134 Pixeln !). Der Großteil dieser Daten findet sich in der Datei stack.preadjust.lfp, hier handelt es sich vermutlich um das durchgerechnete Lichtfeldbild mit mehreren Schärfeebenen, etc. Die restlichen Dateien sind dagegen klein und enthalten JPG Vorschaubildchen und Animations- und Ansicht-Informationen im JSON-Format.


Wie gesagt, das ist alles gut verpackt und der normale Anwender soll gar nicht merken, welchen Datenfriedhof er da anlegt. Bei mir kamen bei nur 45 Lytro-Bildern insgesamt 2.3 GB zusammen. Aber das ist noch nicht alles! Lytro Desktop erlaubt den Export verschiedener Datenformate (z.B. simple JPGs oder TIFFs), aber auch als Living Picture zum Weitergeben. Dabei wird nicht eine Datei pro Bild geschrieben, sondern ein ganzer Order mit dem Namen des Bildes angelegt, der immer folgendes enthält und dabei 72 MB groß ist:

Als erstes fällt stack.depthmap.png auf, die Tiefenkarte des jeweiligen Bildes (s.o.), welche in einer Auflösung von 328x328 Pixeln (ungefähr die Anzahl der Mikrolinsen!) mittels 7 verschiedener Graustufen die Gegenstände des Bildes anhand ihrer Entfernung zur Kamera klassifiziert. Dann gibt es 7 TIFF-files, die interessanterweise alle gleich scharf sind, allerdings durch unterschiedliche Perspektiven die 3D-Informationen enthalten. Zusätzliche Info wird stack.lfp gespeichert, sodass die Lytro-Wolke oder ein anderes Lytro Desktop wieder ein Living picture zusammenrechnen kann.
Gegen die Verwendung von TIFF-Dateien ist eigentlich nichts einzuwenden, sind sie doch ein äußerst flexibler Container. Man hätte z.B. alle 7 Ebenen in einer einzigen TIFF Datei und noch dazu mit Kompression verwenden können, sogar die Tiefenkarte hätte als weitere Seite hinein gepasst. Nein, jede TIFF-Datei auf unserem Stack hat 10.3 MB, u.a. weil jedes Pixel mit 16 Bit Farbtiefe abgelegt wurde.
Fazit: Wieder eine Enttäuschung hier. Der Resourcenverbrauch ist wirklich unangemessen. Auch wenn ich nicht alles verstehe, bin ich fest überzeugt, dass Lytro bei weitem nicht ihr Potential für weitere Optimierungen ausgeschöpft hat. Wie soll das weitergehen, wenn neue Generationen (wie die Illum) noch größere Datenmengen verarbeiten und speichern müssen? Als erstes muss eine ordentlich und angemessene Komprimierung her. Ich bin überzeugt, dass bei der gegebenen Bildqualität eine Dateigröße von sagen wir 1-2 MB ohne Verlust möglich ist. Das würde nicht nur Platz sparen, sondern auch bei der Geschwindigkeit helfen.
Weiter geht's mit den anderen Teilen meines Reviews:

2014-12-24

Lytro Review (Teil 4 - Lytro App)


Der natürliche Verbündete der Lichtfeld-Kamera heißt natürlich Smartphone, weil heute die allermeisten Fotos auf dessen Display angeschaut werden. Wenn es gelänge die Living Pictures hier nahtlos zu integrieren und jeder quasi natürlich mit den Dingern rumspielte, wäre Lytro am Ziel. Leider ist es noch ein weiter Weg dahin. Aber die Anfänge sind gemacht...
Obwohl die ersten Lytros irgendwann im Frühjahr 2012 ausgeliefert wurden, dauerte es noch über ein Jahr bis zum Sommer 2013 bis es endlich die App für iOS gab, gleichzeitig wurde die bisher verborgene WLAN Funktion der Kameras per Firmwareupdate freigeschaltet und seither können Lytro-Kameras zumindestens mit iPhones und iPads drahtlos kommunizieren. Eine Android Version wird für 2015 (irgendwann...!) angekündigt. Die jetztige iOS Version hört auf die Nummer 2.1.0 und läuft nur noch auf iOS 8.x.
Wer jetzt aber (wie ich) geglaubt hat, dass man Living Pictures auf dem iPhone speichern könnte, per e-mail oder WhatsApp verschicken etc., der irrt leider (man kann nur Links auf die Lytro Website verschicken). Sowas ging in der früheren Version 1.2 mal, dort gab es eine coole Funktion zum Export von animierten GIF-Dateien zu genau diesem Zweck. Warum es die jetzige Version nicht mehr kann, weiß ich leider nicht.
Die App übernimmt im wesentlichen zwei Funktionen. Erstens ist sie ein schicker Browser für's Lytro-Web, man bekommt in der allgemeinen Galerie genau dieselben Bilder gezeigt, wie auch auf der Titelseite der Website am PC. Allerdings läuft es (zumindestens auf meinem iPhone 6) viel flüssiger als im Browser und auch der Touchscreen scheint besser geeignet zur Interaktion als die Maus. Besonders cool kommt die Tatsache, dass die Bewegungssensoren im Telefon zur perspektivischen Verschiebung genutzt werden: Wackelt man mit dem Display, wackelt drinnen auch das Bild, und zwar in 3D! Die Blende stellt man mit einem Twist aus zwei Fingern ein. Hier ist er: der natürliche Verbündete der Lytrografie!
Zweitens fungiert das Telefon als Modem, um die Fotos in die Lytro-Wolke hochzuladen. Dazu aktiviert man an der Kamera das WLAN und wählt am Phone die Kamera als Hot-spot aus. Deren Funkreichweite ist recht kurz, weiter als ein paar Meter gehen nicht. Jetzt läuft vieles parallel zum Lytro-Desktop. Man bekommt kleine Vorschaubildchen für alle Bilder auf der Kamera, und kann nun Bilder einzeln anwählen. Dann wird Bild für Bild lichtfeldtechnisch durchgerechnet, selbst auf dem schnellen iPhone 6 dauert das ca. 5 Sekunden (pro Bild) und man bekommt den zirkulierenden Statusanzeiger zu sehen (siehe Bild links). Jetzt noch Bild-Überschrift und Location ausgewählt und das Ding für die Upload-Queue vormerken. Wenn man eine Datenflatrate seines Mobilfunkproviders besitzt kann man getrost die Option wählen, dass über den Mobilfunk hochgeladen wird. Der startet dann im Hintergrund. Wenn nicht, kann man zumindest theoretisch die App anweisen zu warten bis man wieder in seinem Heim-WLAN ist. Der anschließende Upload funktionierte bei mir nur mit einzelnen Bildern und nicht ganzen Serien. Einmal abgebrochene Uploads ("failed") lassen sich nicht neu starten. Hier bleibt also auch noch viel Arbeit für Lytro's team. 
Alle Uploads aus der App landen übrigends im Album "Mobile Uplaods", unabhängig vom Zeitpunkt und ob man mehrere Bilder gleichzeitig hochläd. Ändern läßt sich das nachträglich leider nicht. Auch hatte ich das Album auf der Website umbenannt (und hoffte ein neuer würde angelegt, weit gefehlt). Das Ganze ist wirklich sehr frustrierend und man kann nur auf zukünftige Verbesserungen hoffen.
Fazit: Wegen der des eingebauten und coolen Lichtfeld-Browsers bekommt die App die beste Note aller bisher getesteten Komponenten. Allerdings maximal ein Befriedigend, wegen der Mängel bei Geschwindigkeit und Bild-Upload. Außerdem fehlt die Integration in die Smartphone-Umgebung (soziale Netzwerke, etc.) Hier wünschen wir uns als ersten Schritt den GIF-Export zurück.

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2014-12-22

Lytro Review (Teil 3 - Lytro Web)

Neben der Kamera selbst ist Lytro Web wohl die wichtigste Komponente der "Lytrografie", so wie es der Fotoabzug oder die Diashow bei der klassischen Fotografie war/ist. Wie sonst soll man "Living Pictures" anders darstellen als auf Bildschirmen und was liegt da näher als das Internet als Galerie zu nutzen. Die Firma Lytro bietet dafür ihren Kunden kostenlosen Wolkenplatz an, man darf beliebig viele Bilder hochladen (öffentlich oder nur privat), betrachten und viel wichtiger: interagieren kann man mit den Bildern in beliebigen (modernen) Web-Browsern. Lytro hat sich vielleicht Flickr als Vorbild genommen, allerdings ist vieles noch im Anfangsstadium, obwohl schon 3 Jahre online und jetzt sogar schon die zweite Kamerageneration unterstützt werden muss. Immerhin funktioniert das was da ist ohne auffällige Bugs.
Aber auch hier wieder braucht man viel Geduld, genauso wie beim Lytro Desktop. Wenn man die Website öffnet, bekommt man die über Tage immer gleiche Top-Auswahl an kachelartig angeordneten Living Pictures zu sehen. Und gerade weil sie durch ständige Schärfe- und Zoomfahrten so lebendig gehalten werden, wird der anzeigende PC ganz schön gefordert. Ich hab's auf meinem kleinen Netbook (Acer Aspire one, AMD C50 Doppelkern Prozessor, 2 GB RAM) ausprobiert. Zunächst habe ich alle Anwendungen geschlossen und unnötige Hintergrundprozesse beendet. Dann Firefox (V34.0.5) geöffnet und den Taskmanager gestartet. Nach kurzer Zeit pendelt die CPU Last bei 1% oder 2% herum. Dann habe ich https://pictures.lytro.com angesurft, und der Prozessor schuftet danach ständig im Mittel bei 52% Last. Selbst komplexe Webanwendungen wie Google Docs oder ähnlich sind viel sparsamer mit den Resourcen. 
Aber das ist nicht die einzige Enttäuschung: Fotos lassen sich per Lytro Desktop oder per Smartphone-App hochladen. Man landet daraufhin in seinem privaten Bereich der Galerie (meiner ist hier), hat allerdings kaum weiteren Gestaltungsspielraum. Die einzigen Dinge, die man noch in der Web-Anwendung machen kann ist Bilder löschen oder beschriften. Läd man mehrere Bilder auf einmal hoch, dann landen diese (zwangsläufig) in einem gemeinsamen Album. Späteres hinzufügen oder umsortieren zwischen Alben ist bisher unmöglich. Das (und anderes) verspricht Lytro schon seit längerem, wie man im Support-Forum nachlesen kann. 
Auch eine Suchfunktion suche ich bisher vergeblich. Wofür sind dann eigentlich Bildunter- und überschriften gut? Auch kann man nicht nach anderen Benutzern suchen, selbst man man deren Benutzernamen kennt. Man muss hoffen, ein Bild von Ihnen in der allgemeinen Galerie zu finden, über dieses gelangt man dann in die entsprechende Galerie und kann sich auch die anderen Bilder und Albums anschauen.
Immerhin - und das ist in meinen Augen die beste Funktion - erlaubt Lytro seinen Nutzern die Living Pictures (einzeln oder als komplettes Album) in eigene Webseiten (oder HTML-emails) einzubinden. Ich habe das schon bei meinem Lytro-Selfie getan, hier kommt noch ein komplettes Album von meinem Besuch gestern in Acorn Hall: 




Auch hier das Fazit: Das Grundkonzept stimmt, ein ganz guter Anfang ist gemacht, aber es gibt für das Lytro Team noch viel zu tun. Fehlende Funktionen gilt es nachzurüsten, aber ganz besonders sollte man am Resourcenverbrauch arbeiten. Es verdirbt einem den Spaß, wenn man durch unnütze Schärfefahrten durch nebensächliche Bilder ausgebremst wird. Weniger wäre hier mehr.
Bitte weiter lesen in meinen anderen Review-Teilen:

Lytro Review (Teil 2 - Lytro Desktop)

Lytro Bilder taugen nicht zu einfachen Abzügen oder Ausdrucken, dazu sind sie (a) zu schlecht in der Qualität und (b) natürlich nicht gedacht. Der ganze Spaß beginnt erst mit der Interaktion des Betrachters mit dem "Living Picture". Und dazu braucht man eine elektronische Anzeigeplatform, derzeit existieren 3 davon: (1) Lytro Desktop, die Software für den Heim-PC, (2) die Lytro App für's Smartphone, und (3) Lytro Web, die Galerie in der Wolke. Heute geht es hier um (1), jeder kann sich die Software von Lytro's Web-Site herunterladen, allerdings sollte man einen einigermaßen modernen und leistungsfähigen Rechner besitzen, am besten einen Mac (min. OS X 10.7), die Plattform auf der Lytro Desktop zunächst exklusiv lief. Inzwischen gibt es auch eine Windows Version, allerdings läuft die nur auf den aktuellen 64-Bit Systemen. Mein Versuch, sie auf einem 4 Jahre alten Netbook mit Win7 Home Starter (32-Bit) zu installieren scheiterte:
Zum Glück besitze ich noch einen (5 Jahre alten) iMac mit Core 2 Duo Prozessor und 4 GB RAM, was ungefähr die Minimalanforderungen sind. Die Software kommt recht schlicht daher und ist intuitiv benutzbar für jeden, der schonmal iPhoto oder andere Bildbearbeitungprogramme verwendet hat. Das Bild hier unten fasst ca. 90% der Funktionen in den fünf wichtigen Untermenüs zusammen, mehr ins Detail möchte ich hier nicht gehen. 
Los geht's in dem man die Kamera per USB-Kabel an den Rechner anschließt. Die Software zeigt daraufhin ziemlich zügig die Kamera in der Bibliothek inklusive Vorschaubildchen der einzelnen Fotos an. Diese kann man dann auswählen und importieren. Dafür muss man aber etwas Geduld mitbringen, eine Eigenschaft, die von der Software häufiger bemüht wird. Ich habe gestoppt: Der eigentlich Import von fünf Aufnahmen dauerte 11.5 Sekunden, danach wird das Lichfeld durchgerechnet, was mit einem kreisenden Fortschrittsymbol (siehe Bild oben) auf den Bildchen angezeigt wird. Pro Bild dauerte das bei meinem iMac zwischen 23 und 35 Sekunden! Man stelle sich nur vor, man hätte den 8 GB Speicher der Kamera ausgeschöpft und ca. 350 Aufnahmen zu importieren, das ergibt dann ca. 3 Stunden (in der Zeit wird immerhin der Akku auch wieder aufgeladen). Zum Glück kann man fertig gerechnete Bilder schon weiter bearbeiten, während andere noch im Hintergrund rechnen, allerdings hat man keinen Einfluss darauf in welcher Reihenfolge die Dinger abgearbeitet und fertig werden.
Hat man einzelne Bilder "geöffnet" kann man diese fast wie in jeder anderen  Bildbearbeitung verändern. Der Mausklick ins Bild setzt den jeweiligen Fokus. Das Neue ist, dass man neben Farben, Helligkeit und Kontrast nun auch die Schärfe bearbeiten kann. Die Blende, die physikalisch an der Kamera fehlt, ist hier als Sofware-Regler nachgebildet. Und zwar zwischen f/1.0 (möglichst große selektive Schärfe) und f/16 (alles scharf!). Das ist am Anfang wirklich spannend, nutzt sich aber schnell ab. Hat man eine Einstellung gefunden, kann die Sofware auch stinknormale Digitalbilder exportieren (JPG oder TIFF). Natürlich läd man auch von hier aus die Bilder in die Lytro-Wolke hoch, dazu später mehr.
Mit dem Funktionsmodus "Animieren" kann die Präsentation der Bilder für andere vorbereit werden, in dem man Schärfe- und Zoomfahrten durch seine Bilder zusammenklickt. Das Ganze wirkt ein bisschen wie ein Videoschnittprogramm. Mir erschließt sich der Sinn nicht wirklich, ich hätte nichts vermisst, wäre es nicht vorhanden gewesen.
Der Präsentationsmodus schließlich ist ein bisschen wie bei Powerpoint. Man zeigt seine Diaschau, gegebenenfalls mit den erwähnten Schärfe-und Zoomfahrten durch die Fotos. Man kann hier auch zwei 3D-Darstellungsvarianten anwählen, dazu später mehr.
Mein Fazit zum Lytro-Desktop: Intuitiv zu bedienende Software, die aber sehr resourcenintensiv ist und machmal die Geduld arg strapaziert. Der Spaß an der so wichtigen Interaktion mit den "Living Pictures" kann so leicht verloren gehen. Obwohl die Software schon bei Version 4 angekommen ist, muss wohl noch viel unter der Haube (Geschwindigkeit!), aber auch am Funktionsumfang getan werden (Zum Beispiel lassen sich Fotos bisher nur in einer Richtung und in 90° Schritten drehen).

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2014-12-17

Lytro Review (Teil 1 - Bedienung und erste Eindrücke)

Die Lytro kommt in einem wirklich schicken Karton, fast genauso wie ein iPhone, nur etwas größer. Es scheint fast als habe Apple dem kleinen Startup aus der Nachbarschaft (es sind nur 10 km Luftlinie zwischen beiden Firmenzentralen im Silicon Valley) das Verpackungsdesign etc. zu ihrem Marktauftritt geschenkt. Nach dem Auspacken war ich erst mal erstaunt von der Größe der Kamera (41x41x112 mm), sie wirkt auf Fotos immer irgendwie kleiner. Von der Form her ist sie außergewöhnlich, was wohl unterstreichen soll, dass sie auch im Inneren anders tickt als "normale" Kameras. Am Besten als Größenvergleich geeignet schien mir die Rollei 35, auch ein quaderförmiges Design mit nur ca. 10% mehr Volumen.  
Nach dem Auspacken kann man gleich loslegen, der Akku ist zu ca. 80% geladen, der Bildspeicher (8 oder 16 GB) fest eingebaut und nach einem Druck auf den (vermutlichen) Auslöser springt das Display an und ein zweiter Druck schießt das erste Foto. Scharfstellen entfällt ja und die Belichtungsautomatik tut was sie soll. Im Gegensatz zu so manch anderen Digitalknippsen scheint es kaum Auslöseverzögerung zu geben. Der erste Eindruck: super-schnell das Ding! Leider kann die Lytro das nicht wirklich ins Ziel bringen. Ein Rechtswisch auf dem recht intuitiv zu bedienenden Touch-Display bringt das eben geschossene Foto wieder zum Vorschein, allerdings heißt es jetzt ca. 3 Sekunden (!) warten, bis der Prozessor das "Living Picture" durchgerechnet hat. Über solche Wartezeiten stolpert man leider immer wieder, ich werde das nochmal beim Softwareteil thematisieren. 
Insgesamt gibt es nur vier Bedienelemente: 1) besagten Auslöser auf der Oberseite, der auch als Anschalter fungiert, 2) einen Abschalter auf der Unterseite, 3) einen kapazitiven Zoomslider hinter dem Auslöser, lediglich an einer winzigen Riffelung zu erfühlen und erst mal überhaupt nicht intuitiv, und schließlich 4) das Touch-Display mit einem gut gelungenen und auf's Wesentliche beschränkten Software-Menu. Neben den Bedienelementen gibt es dann nur noch einen magnetisch haftenden Objektivdeckel, eine Öse zum Anbringen einer Handschlaufe und den mit Silikondeckel versehenen Micro-USB Anschluss.
Das Display ist eine kleine Enttäuschung. Ich fühlte mich ca. 11 Jahre zu meiner ersten Digitalkamera zurückversetzt, die hat ein fast genauso großes und ähnlich schlecht auflösendes (Lytro: 128x128 Pixel!) LCD Display (noch dazu spiegelt es...). Man mag einwenden, das wegen des speziellen Designs nicht mehr Platz geblieben ist. Allerdings ist für mich unverständlich, warum dann der schwarze Rand und die geringe Pixel-Auflösung. Im Jahr 2012 kann man schon was besseres erwarten (ILLUM, die 2. Generation, hat inzwischen ein höher auflösendes (480x800) 4 Zoll Display!).
Die Menü-Führung des Touch-Screens ist simple und konsequent ausgeführt, das ist wirklich Apple like. Man findet sich schnell zurecht und sogar die manuelle Kontrolle über Verschlusszeit und Empfindlichkeit (eine Blende gibt es ja nicht!) ist unabhängig voneinander möglich. Der interne 4-Blendenstufen ND Graufilter läßt sich dann manuell steuern, wenn auch alles andere fixiert ist. Man kann außerdem einen Selbstauslöser benutzen, den Lade- und Speicherzustand kontrollieren sowie Bilder löschen. Außerdem funkt die Lytro im WLAN, zum Datentransfer auf's Smartphone, aber dazu später mehr.
Dann also raus in die Welt und Fotos machen. Das geht recht flott von der Hand, allerdings kann der Sensor bei der Bildqualität die wir von modernen Digitalkameras oder sogar Smartphones gewohnt sind lange nicht mithalten. Simple Bilder wie Landschaftsaufnahmen oder einfache Protraits macht man besser nicht mit ihr, man wird nur enttäuscht! Die Auflösung ist mit 1080x1080 Pixeln unterirdisch, dazu kommt ein übermäßiges Rauschverhalten bei schlechtem Licht, außerdem überstrahlen die Spitzlichter recht seltsam.
Aber dazu ist sie ja eigentlich auch nicht gedacht. Geht man ganz nah ran an die Dinge (bis fast zur Linse vorne möglich), dann ergibt sich eine interessante Perspektive und das Spiel mit der Schärfe kann beginnen. Viele, viele Aufnahmen auf Lytro's Website zeigen das kreative Potential, auch wenn viele der neueren schon mit der Lytro ILLUM gemacht sind. Die neue Kamera einen deutlich höher auflösenden Sensor und bügelt einige der o.g. Schwächen aus.
Das ganze Konzept ist also auf eine andere Art der Foto-Betrachtung ausgelegt. Keiner wird ernsthaft erwägen (nur) Abzüge zu drucken. Also werden die Bilder auf Lytro's (kostenlose) Web-Site hochgeladen, am Computer oder am Smartphone betrachtet und interaktiv verändert. Zunächst wirklich faszinierend. Allerdings muss ich zugeben, dass sich der Effekt recht schnell auch abnutzt.
Mehr zum diesem Thema in meinen nächsten Beiträgen...

2014-11-19

Nikon S @work

Am letzten Freitag war es soweit, einen Fujicolor C200 habe ich meine "neue" Nikon S eingefädelt und mich dann per Zug auf den Weg nach Manhatten gemacht, ich hatte da was zu erledigen. Es war zwar kalt, am Morgen konnte man den ersten Schnee auf Autodächern sehen, aber die Sonne schien. Ideale Bedingungen eine alte Kamera auszuprobieren. Und, das Ding kommt echt cool rüber. In New York bin ich innerhalb weniger Stunden insgesamt drei Mal auf die Kamera angesprochen worden, eine Verkäuferin meinte, es wäre sicher eine neue (auf alt getrimmte) Digitalkamera. 


Den Verschluss hatte ich ja schon mit meiner neuen iPhone-Methode getestet und wusste, dass bis auf die 500stel alles im Rahmen ist. Dabei ist mir aber auch die einzige technische Schwäche der Kamera aufgefallen: Beim Spannen des Verschlusses ist er nicht ganz lichtdicht, der zweite Vorhang hängt etwas hinter dem ersten her und eine millimeterweite Lücke klafft zwischen beiden. Ich wusste also was zu tun war: Jeweils beim Spannen immer schön den Objektivdeckel drauf! Was soll ich sagen: Ich hab's natürlich ein paar mal vergessen und je nach Umgebungslicht helle Streifen auf der rechten Bildseite erzeugt. Vermutlich könnte ein Service diese Schwäche des Verschlusses beheben, ich werde es aber vermutlich nicht machen (lassen). Bei meinen Testfotos habe ich meist die 100stel oder 60stel verwendet, in Innenräumen aber auch die 40stel aus der Hand! Die Aufnahme unten von Grand Central Station ist 1/4, aufgestützt auf die Brüstung.  
 

Als Belichtungsmesser habe ich auch mein iPhone bemüht, es gibt eine App dafür (Pocket Light Meter). Aber schon nach einer kurzen Zeit gewöhnt man sich daran, Zeit und Blende auch nach Gefühl zu stellen. Die Blende ist was ganz spezielles am Nikkor 5cm f/2, insgesamt 10 Lamellen erzeugen eine fast kreisrunde Öffnung, wo sieht man sowas heute noch? Man kann relativ einfach auch Zwischenwerte einstellen, allerdings dreht sich der Indexpunkt beim Fokussieren mit dem Objektiv, nicht besonders ergonomisch.

Fokussieren ging nach etwas Eingewöhnung auch gut von der Hand, der Entfernungsmesser ist sehr präzise und gut im Sucher zu erkennen. Bei späteren Nikons (S2, S3 und SP) soll das sogar noch besser sein. Hakelig und etwas störend war nur die Unendlichsperre und die (bei meinem Exemplar) recht schwergängige Fokussierschnecke, ggf. würde Öl helfen, ich traue mich aber nicht welches dranzutun. Der Sucher selbst könnte etwas größer sein, er zeigt wohl auch nicht das ganze Bildfeld und eine Paralaxenmarkierung oder gar -korrektur gibt es auch nicht. Dafür waren bei Nikon später ja auch die Nachfolgemodelle zuständig. Auch die Naheinstellgrenze von nur 3 ft (ca. 1m) ist in heutigen Zeiten, wo man mit dem iPhone fast beliebig nah ran kommt, sehr gewöhnungsbedürftig.
Ansonsten muss ich sagen, hat das Fotografieren damit wirklich Spaß gemacht. Der Verschluss läuft extrem leise und ruhig, im lauten Manhatten fragt man sich oft: War's das jetzt? Der Verschlussaufzug ohne Schnellschalthebel ist etwas lästig, der Hebel kam dann ja 1954 mit der S2.
Ein paar Features der Kamera konnte ich mangels zusätzlichem Zubehör nicht wirklich ausprobieren. Objektivwechseln gelingt dank Bajonett recht einfach, ich habe nur leider kein Wechselobjektiv. Es ist wohl trotzdem fummeliger als mit modernen SLR-Bajonetten. Völlig anders ist der Blitzanschluss und man muss wohl sehr lange suchen um die speziellen Stecker zu finden (oder ein Kolbenblitzgerät mit solchen). In meiner Bedienungsanleitung, die noch original zu meiner Kamera gehört, gibt es handschriftliche Kommentare zum Blitzen, die den Angaben von Nikon zur Verwendung kurzer Zeiten widersprechen.
Der Film war recht schnell mit New York Impressionen gefüllt, mit den letzten Bildern habe ich noch Herbststimmung bei uns im Neighborhood eingefangen. Am Samstag zu The Photoplace zum Entwickeln und Scannen geschickt, heute Mittag (Dienstag) hatte ich die JPG-Dateien in der Dropbox und war beeindruckt (einfach auf die Fotos hier klicken und die höhere Auflösung sehen...).

2013-01-26

Olympus 35 SP @work

Die erste Filmpatrone ist durch und es war tatsächlich das erste Mal, dass ich einen ganzen Film lang mit einer Messsucherkamera fotografiert habe. Eine ganze Woche war der 36er Kodak ColorPlus 200 in der Kamera, den Großteil der Bilder habe ich aber bei wunderbarem Wetter und einem Ausflug nach Manhattan am letzten Sonntag geschossen. Hier also eine Auswahl davon und meine Eindrücke über die Praxistauglichkeit der Kamera. Technische Details und mehr Infos zur Kamera gibt es hier.


Der Broadway in SOHO in Richtung Süden...
Allgemeines - Die Kamera ist ein bißchen zu groß für die Jacken- oder Hosentasche. Man hängt sie um den Hals oder über die Schulter, am Besten in ihrer Bereitschaftstasche.  Einziger Schwachpunkt hier: Die Ösen sind nicht in der Schwerpunktebene angebracht, die Kamera kippt mit der Oberseite leicht nach hinten, wenn sie einfach so hängt. Ihre 600 g merkt man beim Tragen aber nicht wirklich.

Messsucher - Scharfstellen funktioniert wirklich gut mit diesem hellen Sucher und dem kleinen Mischbildentfernungsmesser in der Mitte. Meine Eingewöhnungsphase war sehr kurz, nur ein einziges Foto war nicht ganz scharf. Der Bildausschnitt wird mit einem hellen Rahmen eingeblendet, die Parallaxenmarkierung ist natürlich hilfreich, ein echter mechanischer Ausgleich wäre aber noch besser. Ich habe manchmal erst nach dem Druck auf den Auslöser an die Parallaxenverschiebung gedacht. Gewöhnungssache! Ich als Brillenträger hatte allerdings Schwierigkeiten, die Anzeige des Belichtungsmessers zu sehen. Bei Hochkantaufnahmen ist es noch schwieriger, da ist irgendwie die Nase im Weg. Das ist allerdings unerheblich, wenn man sich auf die Belichtungsautomatik verläßt... 
Broom St, SOHO

Objektiv - neben der Spotmessung das Highlight der Kamera. Ich liebe diese(n) Brennweite/Bildwinkel seit ich mein Panasonic 20 f/1.7 zum absoluten Lieblingsobjektiv erkoren habe. Dieses 42mm f/1.7 steht seinem 40 Jahre jüngeren Digital-Enkel aber nichts nach. Scharf und verzeichnungsfrei, die Kontraste knackig. Einzig die nur 85 cm Naheinstellgrenze habe ich zu bemängeln. Eine nähere hätte wohl einen deutlich höheren technischen Aufwand mit Parallaxenkorrektur für den Sucher bedeutet. Ich hatte relativ häufig den Wunsch, näher ran zu gehen, schade!

Belichtungssteuerung - Die Vollautmatik funktioniert gut und ich habe sie viel öfter benutzt als ich dachte. Die manuelle Option funktioniert natürlich auch, sie ist aber wirklich etwas kompliziert und bei anderen Kameras besser gelöst. Man muss erst den EV-Wert im Sucher ablesen, dann diesen am Objektiv einstellen und kann dann ggf. noch andere Kombinationen von Zeit und Blende wählen. Ich würde mir eine Zeitautomatik als Option wünschen. Gibt es aber nicht.
Schaufenster der deutschen Bäckerei Landbrot
(West Village, 137 7th Ave, Manhattan, NY)

Spotmessung - Nettes Feature und technisch sehr gut gelöst. Man wird durch diese Möglichkeit fast gezwungen, die Beleuchtungs- / Belichtungs- Situation seines Bildes genau zu überdenken. Gegenlichtaufnahmen und ähnlich kniffliges werden zum Kinderspiel. Ein halb gedrückter Auslöser funktioniert als Messwertspeicher, falls der Spot den man messen möchte nicht im Bildzentrum liegt.

Auslöser, Verschluss - Man merkt es deutlich, eben weil man sich an die Auslöseverzögerung digitaler Kameras schon gewöhnt hat, wie direkt analoge Fotografie sein kann. Bewegte Szenen wie die Basketball spielenden Jungs, gelingen einfach direkter. Der Verschluss der Kamera ist sehr leise, man kann auch einigermaßen unbemerkt damit fotografieren. 


Blitzen - habe ich nicht ausprobiert, sollte aber hier erwähnt werden. Die Kamera hat eine sog. Leitzahlen-Blitzautomatik, will heißen, man stellt die Leitzahl des Blitzes am Blendenring ein und die Kamera wählt je nach eingestellter Entfernung die richtige Blende, alles voll mechanisch, wohlgemerkt! Es funktioniert auch ohne Batterie.

Analoggefühl - Die direkte Bildkontrolle der Digitalknippsen fehlt natürlich und man überlegt sich viel genauer, ob sich die Aufnahme wirklich lohnt. Der Druck auf den Auslöser kostet halt $0.44 ($2.50 für den Film, $10 für Entwickeln und Scannen, 4$ Versandkosten), ich habe den Internet-Fotoservice PhotoplaceOnline.com ausprobiert, mein lokaler Fotohändler war ein bißchen teurer. Die Scans haben eine Größe von 3088 x 2048 Pixel (6.3 MP) bei 8 Bit Farbtiefe. Für's erste und einfache Abzüge reicht das allemal, die Negative selbst sollten noch ein bißchen mehr an Informationen enthalten, was man bei (teuren) Handabzügen ja noch rauskitzeln kann. 

Fazit - Eine tolle Kamera, die ich jedem empfehlen kann, der mal Messsucher-Feeling haben möchte, ohne gleich Tausende in ein Leica M zu investieren. Es gibt noch Alternativen, die Canonet GIII-QL17, Konica Auto S3 oder Yashica Electro und ein paar andere. Aber keine von denen hat die einmalige Spotmessung der Olympus. Dass ich jetzt mein Digitalequipment in die Ecke stelle, wird natürlich nicht passieren. Aber den einen oder anderen Film werde ich damit noch machen...

2011-12-02

Lytro Lichtfeldkamera

Das sind die drei Varianten der Lytro Kamera, die man derzeit noch nicht kaufen, aber schon vorbestellen kann. Es wird die erste sogenannte Lichfeldkamera sein, die zu einem akzeptablen Preis von jedermann gekauft werden kann. Die Idee zu einer solchen "plenoptischen" Kamera existiert schon länger, ein Prototyp in Form eines modifizierten Mittelformatsensors plus spezieller Software wurde im Rahmen von Ren Ng's Doktorarbeit (2006) (eine Zusammenfassung gibt's hier) ander Stanford-Universität gebaut und benutzt. Aber auch von anderen gibt es ähnliche Ansätze zumindest als Laborstudien. Ren Ng ist heute übrigends CEO von Lytro und versucht mit dieser Firma -nun ja- die Fotografie zu revolutionieren. Ob Lytro das gelingen wird wird die Zukunft zeigen, auf alle Fälle sind sie die ersten, die neue technische, aber auch gestalterische Möglichkeiten aufzeigen. Endlich nutzt mal jemand die immensen Fortschritte, die die digitale Sensor-technologie, Mikroprozessoren und Bildalgorithmen in den letzten Zehn Jahren erfahren haben, nicht nur um mit digitaler Fototechnik die gute alte Tante Film nachzubilden, sondern um alte Paradigmen wie den Zusammenhang zwischen Blendenöffnung, Brennweite und Schärfentiefe aus den Angeln zu heben.
Um zu verstehen, was an der Kamera nun anders ist, muss ich ein bißchen ausholen. Jedes Pixel (oder Silberhalogenidkorn) einer konventionellen Kamera summiert einfach während der Aufnahme das auf diese Stelle fallende Licht auf. Es entsteht ein zweidimensionales Bild, weil das Objektiv ein Objekt eben genau auf diese Ebene projiziert und die zum Objekt gehörenden Lichtstrahlen auf das entsprechende Pixel bündelt (bei einem scharfen Abbild). Das "Pixel" weiß aber nichts über die Richtung der Lichtstrahlen, die es treffen. Wenn es das wüßte, dann wäre ein entsprechender Kamerasensor mit entsprechendem Mikroprozessor in der Lage, auch Bilder zu rechnen, die auf virtuellen Ebenen vor oder hinter dem eigentlichen Sensor scharf abbilden. Raytraycing-Algorithmen aus der modernen Computergrafik machen es möglich.
Abbildung aus A. Gershuns Artikel, in dem er den Begriff Lichtfeld prägt. (Gershun, A. (1936). "The Light Field", Moscow, 1936. Translated by P. Moon and G. Timoshenko in Journal of Mathematics and Physics, Vol. XVIII, MIT, 1939, fig 17)
Schon 1936 hat der russische Mathematiker Gershun den Begriff des Lichfelds geprägt, eine 5-dimensionale Darstellung allen Lichtes in einem definierten Raum. Ein Lichtstrahl ist definiert über einen Punkt in diesem Raum (x,y,z) und zwei Winkeln, die seine Richtung angeben (zusammen: 5 Dimensionen). Bei unserer sog. 4D-Lichtfeldkamera kann man auf eine Dimension verzichten, da man nur das Lichtfeld im Raum zwischen Objektiv (speziell der Blendenebene) und dem Sensor betrachtet und davon ausgehen kann, dass dieser Raum leer ist und ein Lichtstrahl sich darin geradlinig fortpflanzt. Die verbleibenen 4 Dimensionen kann man anschaulich am Besten über die beiden Schnittpunkte des Lichtstrahls mit der jeweils zweidimensionalen Blenden- und der Sensorebene verstehen, die den Strahl eindeutig definieren.

Wie baut man jetzt aber einen Digitalsensor, der nicht nur die Helligkeit an einem Punkt erfasst, sondern zusätzlich noch die Richtung der verschiedenen Lichtstrahlen, die ihn dort treffen? Der Trick besteht in einem Mikrolinsenraster vor dem Sensor, eine sog. "plenoptische Kamera". Jede dieser Mikrolinsen repräsentiert nun ein Pixel der Lichtfeldkamera und bildet das virtuelle Bild in der Blendenebene des Hauptobjektivs auf möglichst viele darunterliegende Pixel des eigentlichen Sensors ab. Die Bildverarbeitung erledigt den Rest: Jedes Mikrobild (Lichtfeldpixel) enthält nun Informationen nicht nur über die Helligkeit an dieser Stelle des Bildes, sondern auch über die Richtung der Lichtstrahlen. Und wenn man das Diagramm anschaut, kann man nun auch verstehen, dass ein Algorithmus nun in der Lage ist, aus den zusätzlichen Informationen auch andere Bilder zusammenzurechnen als nur das eine konventionelle.
Die Kamera verspricht nachträgliches Fokussieren per Bildbearbeitung, auf Lytro's Web-Site kann man das sogar anhand vieler Beispiele selbst nachvollziehen. Außerdem wird der uralte Zusammenhang zwischen Blende und Schärfentiefe aufgehoben, man kann also Bilder mit hoher Schärfentiefe und gleichzeitig kurzer Verschlusszeit machen. Gerade für Makro- (oder Mikro-) aufnahmen ergeben sich tolle Möglichkeiten mit deutlich erweiterter Schärfenkontrolle. Ich bin fasziniert von diesen Möglichkeiten, zweifele aber ein bißchen am großen Markterfolg der Kamera. Dafür ist sie einfach zu ungewöhlich: das Design ist zwar auffallend, schlicht und schön, aber eben auch viel zu anders als das, was wir als Kamera gewohnt sind. Und auch die implizierte Aufforderung an den Betrachter mit der Schärfe im Bild selbst zu spielen kommt nicht direkt rüber.
Ren Ng hat in seiner Dissertation aber schon auf andere versteckte Möglichkeiten der Technologie hingewiesen, und hier bin ich sicher, dass sie unweigerlich in zukünftigen Digitalkameras kommen werden: Objektive können mechanisch und optisch simpler gehalten werden. Man lasse z.B. den Autofokusmotor weg und kann trotzdem ein weit geöffnetes Fixfokusobjektiv bauen und einfach nachträglich elektronisch (und automatisch) fokussieren. Objekive können mit weniger Linsen gebaut werden, da man die Abbildungsfehler (verschiedene Formen der Aberation) ja elektronisch nun wieder rausrechnen kann. Lassen wir uns überraschen....

Nachtrag vom 2.1.2015: Inzwischen habe ich eine solche Kamera im Black Friday Sale 2014 günstig erwerben können. Natürlich habe ich auch ausgiebig getestet. Meine Ergebnisse und das Fazit kann man hier nachlesen: