2015-01-03

Lytro Review (Teil 8 - Fazit und Linkliste)


...und? Hat sich die Anschaffung der Lytro gelohnt? Ich bin immer noch hin und her gerissen in meiner Meinung. Einerseits muss man den Mut der Lytro-Leute (insbesondere Ren Ng) und deren Investoren anerkennen, aus dem Lichtfeld-Konzept ein tatsächliches Produkt zu machen und sich dem Urteil des Marktes zu stellen. Andererseits hat zumindest diese erste Generation zu viele Schwächen, die einem schnell den Spaß daran verderben können und schlimmsten Falls am Konzept haften bleiben.
Das geht schon mit dem Design der Kamera los. Die ungewöhnliche Form kann man noch als Geschmacksache abtun, immerhin unterstreicht die Form, dass auch das Fotogrfieren ungewöhnlich ist. Aber musste es dieses winzige 128x128 Pixel Display sein? Hier wurde ganz eindeutig an der falschen Ecke gespart.
Mein Hauptkritikpunkt aber ist die unterirdische Bildqualität, die nicht nur an der geringen Auflösung von ca. 1 MP liegt. Sowas gehört nicht auf den Markt! Zum anderen stört mich der dazu unverhältnismäße Resourcenverbrauch, sowohl hinsichtlich Rechenzeit als auch beim Speicherbedarf. Hier ist dringend Abhilfe nötig. Es gibt allerdings Hoffnung auf Besserung. Lytro's zweite Kamera Illum beweist, dass man verstanden hat. Die Bildqualität der Bilder auf der Homepage ist deutlich besser, und auch das Konzept der Kamera ist konventioneller. Doch die Hauptkritikpunkte bleiben wie ein erster Test der Computerzeitschrift Chip zeigt. Die Lytro-Leute sollten aber schleunigst auch die Software entschlacken und endlich Datenkompression einführen, damit das Verhälnis von Qualität und Resourcenverbrauch ins Lot kommt. Außerdem bedarf es einer viel besseren Integration in die Smartphone Biotope. Die iPhone-App zeigt erste schicke Ansätze, trotzdem kommt der Frust schnell an anderer Stelle.
Ich persönlich bin gespannt, wie sich das Projekt Lytro Lichtfeldkamer weiterentwickeln wird. Ich kann mir mehrere Szenarien vorstellen. Das erste ist wohl die Hoffnung/Vision der Lytro-Leute: Man schafft es die Schwachpunkte nach und nach auszumerzen, die Illum kommt mittelfristig in Preisregionen (sagen wir $500), und die Kunden kaufen zahlreicher. Das erlaubt die Entwicklung der 3. Kamerageneration und einer dazu passenden schnellen Smartphone-App, die gute Bildqualität mit einem schnellen Social-Network-Workflow verbindet und endlich den Lichtfeld-Hype auslöst.
Leider gibt es aber nüchtern betrachtet eher Anzeichen für folgendes Szenario: Man gibt der Illum noch ca. 2 Jahre, um endlich am Markt anzukommen, investiert aber nicht mehr viel Mühe in die Verbesserung des Produktes. Die Finanzinvestoren werden ungeduldig und lassen sich nicht länger vertrösten. Am Ende haut man die Kameras zu Ramschpreisen raus. Die Patente werden verkauft und die Technologien finden in die Nischen in die sie gehören (Mikroskopie, Raumfahrt, etc.). Vielleicht baut ein Smartphonehersteller mal eine plenoptische Kamera und ein 3D-Display in die übernächste Generation? Die Anzeichen dafür: Gründer Ren Ng geht schon 2015 zurück an die Uni, Lytro verkauft seit kurzem auch Technologie-Kits, Lytro's Konkurrent Raytrix konzentriert sich auch nur auf Nischen.Warten wir's also ab.

Für alle, die jetzt noch weiterlesen wollen, gibt es jetzt hier eine Linkliste zu durchklicken. Zunächst natürlich alle anderen Teile meiner Review-Serie: 0 - theoretischer Hintergrund, Meine neue Lytro, 1 - Bedienung der Kamera und praktische Erfahrungen, 2 - Lytro Desktop (die zugehörige Software), 3 - Lytro Web , 4 - Lytro App, 5 - Living Pictures auseinander genommen, 6 - Testfotos und Bildqualität, 7 - 3D-Fotos mit der Lytro. Neben Lytro's eigener Homepage sind insbesondere das Lightfield Forum, sowie Jan Kucera's Lytro Meltdown noch zu empfehlen. Es gibt aber auch kritische Stimmen im Netz, wie diese englische Computer-Zeitschrift oder gar richtige Verrisse.

Um meine Frage von oben zu beantworten: Viele Fotos werde ich mit meiner Lytro wohl nicht machen. Ich bin aber nicht so enttäuscht, dass ich das Ding gleich wieder weiterverkaufe (wie ich tatsächlich zwischendurch dachte). Dafür bin ich zu sehr Sammler. Wer weiß, vielleicht ist die erste Generation in 20 Jahren eine Rarität... Ich werde meine wohl an Interessierte verleihen, damit haben sich die $99 Investition dann doch gelohnt.

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