2014-12-16

Lytro Review (Teil 1 - Bedienung und erste Eindrücke)

Die Lytro kommt in einem wirklich schicken Karton, fast genauso wie ein iPhone, nur etwas größer. Es scheint fast als habe Apple dem kleinen Startup aus der Nachbarschaft (es sind nur 10 km Luftlinie zwischen beiden Firmenzentralen im Silicon Valley) das Verpackungsdesign etc. zu ihrem Marktauftritt geschenkt. Nach dem Auspacken war ich erst mal erstaunt von der Größe der Kamera (41x41x112 mm), sie wirkt auf Fotos immer irgendwie kleiner. Von der Form her ist sie außergewöhnlich, was wohl unterstreichen soll, dass sie auch im Inneren anders tickt als "normale" Kameras. Am Besten als Größenvergleich geeignet schien mir die Rollei 35, auch ein quaderförmiges Design mit nur ca. 10% mehr Volumen.  
Nach dem Auspacken kann man gleich loslegen, der Akku ist zu ca. 80% geladen, der Bildspeicher (8 oder 16 GB) fest eingebaut und nach einem Druck auf den (vermutlichen) Auslöser springt das Display an und ein zweiter Druck schießt das erste Foto. Scharfstellen entfällt ja und die Belichtungsautomatik tut was sie soll. Im Gegensatz zu so manch anderen Digitalknippsen scheint es kaum Auslöseverzögerung zu geben. Der erste Eindruck: super-schnell das Ding! Leider kann die Lytro das nicht wirklich ins Ziel bringen. Ein Rechtswisch auf dem recht intuitiv zu bedienenden Touch-Display bringt das eben geschossene Foto wieder zum Vorschein, allerdings heißt es jetzt ca. 3 Sekunden (!) warten, bis der Prozessor das "Living Picture" durchgerechnet hat. Über solche Wartezeiten stolpert man leider immer wieder, ich werde das nochmal beim Softwareteil thematisieren. 
Insgesamt gibt es nur vier Bedienelemente: 1) besagten Auslöser auf der Oberseite, der auch als Anschalter fungiert, 2) einen Abschalter auf der Unterseite, 3) einen kapazitiven Zoomslider hinter dem Auslöser, lediglich an einer winzigen Riffelung zu erfühlen und erst mal überhaupt nicht intuitiv, und schließlich 4) das Touch-Display mit einem gut gelungenen und auf's Wesentliche beschränkten Software-Menu. Neben den Bedienelementen gibt es dann nur noch einen magnetisch haftenden Objektivdeckel, eine Öse zum Anbringen einer Handschlaufe und den mit Silikondeckel versehenen Micro-USB Anschluss.
Das Display ist eine kleine Enttäuschung. Ich fühlte mich ca. 11 Jahre zu meiner ersten Digitalkamera zurückversetzt, die hat ein fast genauso großes und ähnlich schlecht auflösendes (Lytro: 128x128 Pixel!) LCD Display (noch dazu spiegelt es...). Man mag einwenden, das wegen des speziellen Designs nicht mehr Platz geblieben ist. Allerdings ist für mich unverständlich, warum dann der schwarze Rand und die geringe Pixel-Auflösung. Im Jahr 2012 kann man schon was besseres erwarten (ILLUM, die 2. Generation, hat inzwischen ein höher auflösendes (480x800) 4 Zoll Display!).
Die Menü-Führung des Touch-Screens ist simple und konsequent ausgeführt, das ist wirklich Apple like. Man findet sich schnell zurecht und sogar die manuelle Kontrolle über Verschlusszeit und Empfindlichkeit (eine Blende gibt es ja nicht!) ist unabhängig voneinander möglich. Der interne 4-Blendenstufen ND Graufilter läßt sich dann manuell steuern, wenn auch alles andere fixiert ist. Man kann außerdem einen Selbstauslöser benutzen, den Lade- und Speicherzustand kontrollieren sowie Bilder löschen. Außerdem funkt die Lytro im WLAN, zum Datentransfer auf's Smartphone, aber dazu später mehr.
Dann also raus in die Welt und Fotos machen. Das geht recht flott von der Hand, allerdings kann der Sensor bei der Bildqualität die wir von modernen Digitalkameras oder sogar Smartphones gewohnt sind lange nicht mithalten. Simple Bilder wie Landschaftsaufnahmen oder einfache Protraits macht man besser nicht mit ihr, man wird nur enttäuscht! Die Auflösung ist mit 1080x1080 Pixeln unterirdisch, dazu kommt ein übermäßiges Rauschverhalten bei schlechtem Licht, außerdem überstrahlen die Spitzlichter recht seltsam.
Aber dazu ist sie ja eigentlich auch nicht gedacht. Geht man ganz nah ran an die Dinge (bis fast zur Linse vorne möglich), dann ergibt sich eine interessante Perspektive und das Spiel mit der Schärfe kann beginnen. Viele, viele Aufnahmen auf Lytro's Website zeigen das kreative Potential, auch wenn viele der neueren schon mit der Lytro ILLUM gemacht sind. Die neue Kamera einen deutlich höher auflösenden Sensor und bügelt einige der o.g. Schwächen aus.
Das ganze Konzept ist also auf eine andere Art der Foto-Betrachtung ausgelegt. Keiner wird ernsthaft erwägen (nur) Abzüge zu drucken. Also werden die Bilder auf Lytro's (kostenlose) Web-Site hochgeladen, am Computer oder am Smartphone betrachtet und interaktiv verändert. Zunächst wirklich faszinierend. Allerdings muss ich zugeben, dass sich der Effekt recht schnell auch abnutzt.
Mehr zum diesem Thema in meinen nächsten Beiträgen...

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