Posts mit dem Label Sony werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sony werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2021-11-26

Sony Mavica FD-7 @work

Die beiden Menüs (Play oben,
Camera unten) mit allen wichtigen 
Funktionen
Hier kommt nun endlich der neulich schon angekündigte Beitrag über meinen Test mit der Mavica FD-7. Mein Exemplar war zum Glück in voll funktionsfähigem Zustand, was man leider heute nicht mehr oft über alte Elektronik sagen kann. Während viele der bis zu 100 Jahre alten analogen Kameras in meiner Sammlung noch funktionieren und es vermutlich in 20 Jahren auch noch tun werden, sind solche Funktionstests an nur 10 oder (wie diese hier) 20 Jahre alten Digitalkameras wirklich Glückssache. Meist sind es die Akkus, die versagen, auch meiner wurde vom Vorbesitzer irgendwann ausgetauscht. Irgendwann gibt es aber dafür keinen Ersatz mehr und auch die Peripherie muss passen: Kabel, Stecker, Speicherkarten. Im Falle der Mavica ist der Austausch der Bilddateien auf die 3.5'' Diskette beschränkt! Ich besitze glücklicherweise noch ein externes USB-Diskettenlaufwerk und alte Disketten. Wer weiß wie lange es sowas noch geben wird.

Das Diskettenlaufwerk bestimmt tatsächlich einiges an der Kamera. Nicht nur die Größe und das quaderförmige Grunddesign sind damit  vorgegeben, auch das Handling folgt oft den Beschränkungen des Laufwerkes. Man hört stets das charakteristische Schreib- und Lesegeräusch und ahnt damit zumindest, warum und worauf man viele Sekunden lang warten muss (und zwar bei jedem Bild, das man aufnimmt oder betrachten will!). Auch muss man nicht nur während der Aufnahme still halten (s.u.), sondern am Besten noch 5-7 Sekunden danach. Denn allzu heftige Beschleunigung ist schädlich für den filigranen Schreib/Lesekopf und könnte die gerade geschriebenen Daten unbrauchbar machen. Die ewigen sekundenlangen Wartezeiten sind tatsächlich für mich das eindrücklichste, was mir von meinem Test in Erinnerung bleiben wird.  

Ansonsten ist die Bedienung (zumindest mit unser heutigen Digitalerfahrung) sehr intuitiv und gut umgesetzt. Die Kamera liegt trotz ihres Quaderdesigns dank einer Griffleiste gut in der Hand, der rechte Zeigefinger ist automatisch am Auslöser und der Daumen bedient die Zoom-Wippe. Ein optischer Sucher fehlt komplett. Man muss sich also komplett auf das ansonsten sehr ordentliche 2.5'' Display fokussieren. Dies ist allerdings sehr dunkel und taugt nicht für helle Aussenumgebung. Ein Highlight der Kamera ist das 10-fach Zoomobjektiv, das von (KB-äquivalenten) 40 bis 400 mm Brennweite reicht und bei der kleinsten Brennweite bis zu einer kürzesten Entfernung von 1 cm (!) fokussieren kann. Damit gelingen dann auch Aufnahmen von kleinen Gegenständen.

Größtes Lowlight ist ironischerweise der eingebaute Blitz, den hätte Sony besser weggelassen und stattdessen eine Blitzbuchse oder einen hot-shoe spendiert. Der Blitz ist nämlich komplett ungeregelt, feuert also immer seine komplette aber ansonsten bescheidene Blitzleistung und taugt so nur für Motive in ca. 3 m Entfernung. Näheres ist stets über-, weiter entferntes stets unterbelichtet.  Außerdem schaltet der Blitz automatisch auf den Field-Modus um (s.u.) und reduziert damit die vertikale Auflösung des Sensors um die Hälfte.
Die vier möglichen 
Qualitätsstufen.
180x180 Pixel crop in
Originalgröße. Aufnahme:
2 m Entfernung, Stativ.
iPhone aus der Hand, 
runter gerechnet auf gleiche
Auflösung. Klicken für
4x Vergrößerung.  
Kommen wir damit also zum Herzstück, dem Sensor, der aus heutiger Sicht eine sehr bescheidene Auflösung und auch Bildqualität liefert. 1997 allerdings ist VGA (640x480 Pixel) eine immer noch sehr gängige Monitorgröße und bei Bild- bzw. Dateigröße fast an dem Limit dessen, was noch praktikabel verarbeitet werden konnte. Viele Computer waren nur über niedrige Datenraten mit dem Internet verbunden, das Übertragen von einzelnen Bilddateien dauerte da selbst in komprimierter Form oft mehrere Sekunden. Wenn Web-sites überhaupt Bilder hatten, dann lag deren Größe und Auflösung z.T. weit unter VGA. In dem Sinne war die Mavica ein höchst praktikable Kamera, deren recht stark komprimierte JPG-Bildchen genau den Bedürfnissen der Web-Designer und Poweruser entsprach. 

Der CCD-Sensor ist eigentlich für die Verwendung in Video-Camcordern gedacht und so ausgelegt, dass das analoge Signal direkt nach den üblichen Fernseh-Normen auf einem Monitor wieder ausgegeben werden kann. Dazu wird das Bild in zwei Halbbilder ("Field") geteilt, wobei zunächst die ungeraden Zeilennummern zu einem Field zusammengefasst werden und danach die geraden. Zusammen ergeben sie einen "Frame".

Der Sensor der Mavica hat nominell 659x494 Pixel, die dann auf die VGA Auflösung 640x480 herunter gerechnet werden. Die volle Auflösung gibt es allerdings nur, wenn der Frame-Modus ausgewählt ist. Die Kamera fotografiert aber standardmäßig im Field-Modus, was bedeutet, dass nur das erste Halbbild verwendet (und zeilenweise verdoppelt wird), d.h. die vertikale Auflösung beträgt nur 240 Pixel. Leider ist Field tatsächlich die praktischere Einstellung. Denn, die beiden Halbbilder werden nacheinander im Abstand von 1/30s aufgenommen und bewegte Objekte erscheinen daher doppelt (siehe Auto-Fotos unten), bzw. bei 1/30s hat man schnell auch die Kamera verwackelt. Außerdem wird bei Blitzaufnahmen automatisch in den Field Modus zurückgeschaltet. Klar, denn der Blitz ist beim zweiten Field schon längst wieder aus. 


Interessant ist, dass weder an der Kamera noch in der Anleitung irgendetwas über die sonst üblichen Fotografie-Parameter Verschlusszeit, Blende oder Empfindlichkeit zu erfahren ist. Lediglich die Qualitätsparameter Frame/Field (s.o.) und der Kompressionsgrad der JPGs können gewählt werden. Stattdessen hat man die Wahl von 5 Sonderprogrammen für bestimmte Fotografiersituationen, bei denen allerdings auch nicht ganz klar wird, was sie genau bewirken oder ob die standardmäßige Überallautomatik nicht auch so ein ordentliches Bild liefert (vermutlich). Dann gibt es noch 4 Spezialbildeffekte (Pastel, Negativ, Sepia und Schwarz-Weiß), die im Prinzip auch im Nachhinein mit jeder Bildbearbeitung möglich wären.

Fazit für mich: Eine interessante frühe Digitalkamera, die vom Konzept her konsequent auf die Bedürfnisse der frühen Internet-Pioniere zugeschnitten war, die Bilder für's WWW brauchten. Die Verwendung der Floppy-Disk zum Datentransfer ist gleichzeitig für die damalige Zeit sehr gelungen, technologisch aber langfristig eine Sackgasse. Am Bemerkenswertesten für mich: 7 Sekunden braucht eine Aufnahme vom Druck auf den Auslöser bis alles auf der Scheibe ist.

2021-10-24

Sony Digital Mavica MVC-FD7

Kürzlich machte mich ein Freund auf diesen Petapixel-Review aufmerksam und hat bei mir sofort den Nerv getroffen. Ich habe zwar noch nicht viele Digitalkamera-Veteranen in meiner Sammlung, aber hier war mir sofort klar: Eine Digital-Mavica muss ich haben (und ausprobieren). Die FD7 (mit Zoom) und ihre kleine Schwester FD5 (einfaches Standard-Objektiv) kamen 1997 gleichzeitig auf den Markt. Im jährlichen Rhythmus folgten Modell-Updates und bis 2002 gab es insgesamt 18 verschiedene FD-Modelle, alle mit dem namensgebenden FD ("Floppy-Disk") 3.5'' Diskettenlaufwerk und einem 2.5'' LCD-Screen auf der Rückseite.

Die FD7 und FD5 gehörten nicht zu den ersten Digitalkameras auf dem Markt, aber zu ihrer Zeit zu den kommerziell erfolgreichsten (angeblich hatte Sony mit ihnen in den USA einen Marktanteil von 40%). Der ganze Digitialkameramarkt steckte noch in den Kinderschuhen, der Durchbruch kam bekanntlich in den frühen 2000er Jahren. In den 1990ern fehlte es insbesondere noch an allgemein verfügbarer digitaler Infrastruktur, aber hier genau setzte Sony an: Wie bekommen die Nutzer ihre digitalen Fotos schnell und einfach dahin, wohin sie sie haben wollen? Antwort: Die damals in jedem Computer vorhandene 3.5''-Diskette.


Die Konkurrenz hatte (nur) das serielle Kabel (wo hab ich das hingelegt?) oder die ebenfalls sehr langsame IrDA-Drahtlosverbindung. Sony machte also in Sachen Benutzerfreundlichkeit alles richtig und kam außerdem mit dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit. Versetzen wir uns also ins Jahr 1997. Computer erobern die Büros und mit etwas Verzögerung auch viele private Haushalte. Hauptmedium für den Datenaustausch ist (noch) die 3.5'' Diskette, die dann später durch die CD-Rom, Memory Sticks und letztlich durch das Überall-Internet abgelöst wird. Das WWW als die Killer-Anwendung des Internets ist 1997 gerade 4 Jahre alt, hier entstehen die ersten Webshops, News-Kanäle und Firmen-Repräsentationen. Und diese Web-sites verlangen nach Bildmaterial, was die Mavica FD viel einfacher und direkter liefert als jede andere analoge oder digitale Kamera auf dem Markt.

Das technische Design der Mavica FD-Serie war konsequent auf diesen Einsatz ausgerichtet. Die Diskette war billig und überall verfügbar. Interessanterweise fasste sie mit ca. 40 JPEG-Fotos ungefähr so viele wie ein KB-Film. Dazu wurde das Bild in VGA-Auflösung (640x480 Pixel) in zwei wählbaren Stufen komprimiert (Std und Fine), wobei der Unterschied nur in der Dateigröße (ca. 30KB vs. 60 KB pro Bild) wirklich auffällt. Die Bildqualität ist nach heutigen Maßstäben sehr bescheiden, für die genannten Anwendungen damals aber mehr als ausreichend. Im Übrigen verbirgt die Kamera (und auch die Anleitung) konsequent jegliche Fototechnik vom Fotografen, nirgendwo kann man etwas über Belichtungszeit oder Blende erfahren, man braucht das auch nicht wirklich.

Größenvergleich mit einer kompakten Kleinbildkamera
Das zeigt schon recht deutlich, dass Sony's Zielgruppe nicht die Amateurfotografen oder gar die Gelegenheitsfotografen waren, dafür war die Bildqualität noch zu schlecht und die Kamera im Vergleich zur analogen Filmknipse zu teuer.
Käufer der Kamera waren eher Menschen die mit oder über das Internet Geld verdienen wollten und dafür Bilder brauchten, die einfach verfügbar aber nicht besonders gut sein mussten. 

Die Geschichte der Mavica FD-Serie hört konsequenterweise im Jahr des allgemeinen Durchbruchs der kompakten Digitalkamera (2003) auf, was wiederum eng verbunden ist mit den nun verfügbaren (und genügend großen) Speicherkarten sowie dem USB-Port am Computer. Hier konnten weder der lausige CCD-Sensor der Mavica noch die 3.5'' Diskette mehr mithalten. Insofern war die Mavica FD nur ein Zwischenschritt und die Sache mit der Diskette eine technische Sackgasse. Allerdings ein wichtiger Schritt, denn sie hat das digitale Bild hoffähig gemacht und den Weg für ihre Speicherkarten-Nachfolger bereitet.

Ich habe mein FD7-Exemplar sehr günstig und in voll funktionsfähigem Zustand erwerben können. Natürlich habe ich schon damit rumgespielt und Testaufnahmen gemacht. Zum Glück besitze ich noch ein externes Diskettenlaufwerk mit USB-Anschluss, ansonsten hätte ich ganz schön in die Röhre geschaut. Denn die Kamera kennt keinen anderen Modus die Bilder zu übertragen und ich habe (wie die meisten wohl) keinen Computer mehr mit einem eingebauten Laufwerk. In einem zweiten Blog-Beitrag werde ich von meinen Erfahrungen berichten und einen kleinen Kamera-Review schreiben. Nur dies als kleinen Vorgeschmack: Ein Bild aufzunehmen dauert immer mindestens 7 Sekunden, anschauen auf dem eingebauten Monitor 5 Sek. Dafür hat man es in max. 20 Sekunden auf dem PC und im Nu im Internet!

Datenblatt Frühe Consumer-Digitalkamera mit Diskettenlaufwerk
Objektiv optisches 10x Zoom 4.2-42 mm f/1.8-2.9 (40-400 mm KB-äquivalent)
Sensor und Verschluss ¼'' CCD, vermutlich Sony ICX098BQ mit 659 x 494 Px (0.3 MP), elektronischer Verschluss, Bildgröße 640x480 (VGA). Zwei Qualitätsstufen wählbar ("Field", "Frame"), wobei nur Frame die volle Auflösung liefert, Field aber bewegte Motive scharf abbildet.
Belichtungssteuerung Belichtungsregelung und Weißabgleich automatisch, verschiedene Programmoptionen per Menü wählbar.
Fokussierung Autofokus, manuelle Fokussierung per Drehrad. Naheinstellgrenze ca. 1 cm (!)
Sucher kein (!) optischer Sucher, TFT-LCD Schirm mit 61380 Px (ca. 286x215), Helligkeit in Grenzen regelbar, für Außenaufnahmen tendenziell zu dunkel.
Blitz Eingebaut, per Taste zuschaltbar. Blitz ist ungeregelt und gibt stets volle Leistung ab, die nur für ca. 3 m Entfernung ausreichend ist
Speichermedium 3.5'' 2HD-Diskette (1.44 MB). Speicherkapazität ca. 30-40 JPEG Fotos im Standard- oder 15-20 im Fine-Kompressionsmodus.
sonst. Ausstattung 1/4'' Stativgewinde, 4 Software-Bildeffekte (Pastell, Negative, Sepia, B&W), 5 extra Motivprogramme (Softportait, Sport, Strand, Sonnenuntergang/Mondschein, Landschaft)
Maße, Gewicht ca. 127 x 111 x 74 mm, 714 g (mit Akku und Diskette)
Batterie 7.2 V Li-Ionen Akku (Ladegerät im Lieferumfang), CR2025 Li-Batterie als Memory-Buffer (nicht essentiell)
Baujahr(e) 1997
Kaufpreis, Wert heute 899 US$ (1997), in funktionsfähigem Zustand: 30-50 €
Links Camera-wiki, Wikipedia, Digitalkamera Museum, RFWilmut, Lucas P Sample shots, Notes on CCD sensors, Petapixel