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2026-01-08

Carl Zeiss Jena Sonnar 135 mm f/4

Zusammen mit der Exa 500 bekam ich neulich auch dieses Schätzchen geschenkt. Es handelt sich um das zahlenmäßig erfolgreichste Wechsel- bzw. präziser Zusatzobjektiv von Carl Zeiss Jena, gerechnet und gebaut ab ca. 1932 zunächst für die Contax, dann nach dem 2. Weltkrieg in verschiedenen Wechselfassungen und Design-Versionen. Angeblich wurden bis 1988 in Jena 470.000 Exemplare gebaut, die meisten davon allerdings in der ab Ende der 1960er leicht verbesserten Version mit f/3.5 (bei nahezu gleichem Linsenschnitt). Nicht eingerechnet sind die Kopien, hauptsächlich das optisch identische Jupiter 11, was in der Sowjetunion bis Mitte der 1990er in ähnlicher (oder noch größerer) Anzahl produziert wurde. Aber auch in Japan wurden entsprechend konstruierte Nikkore, Takumare und andere Abkömmlinge in hohen Stückzahlen gebaut. Insgesamt dürften die Zahl derart gebauter 135er durchaus 7-stellig gewesen sein.
Erfunden bzw. gerechnet wurde dieses Objektiv ca. 1930 von Ludwig Bertele, der auch schon das berühmte Sonnar 5 cm f/1.5 erschaffen hat. Obwohl beide Male Sonnar drauf steht und trotz einiger anderer Gemeinsamkeiten handelt es sich beim Teleobjektiv um eine eigenständige Konstruktion. Charakteristisch ist seine verglichen mit der Brennweite verkürzte Bauweise und der Aufbau aus nur vier Linsen, wovon Nr. 2 und Nr. 3 auch noch verkittet sind (4/3 Linsen/Gruppen). Die außergewöhnlich dicke Blei-Flintglas-Linse im Zentrum macht solche Tele-Sonnare vergleichsweise schwer. 

Bertele rechnete dieses Objektiv noch zu Zeiten als die Antireflexvergütung noch nicht erfunden war und jeder Glas-Luft Übergang zu ungewünschten Reflexionen und damit Kontrastverlusten führte. Mit nur 4 Linsen und 6 Glas-Luft Übergängen schuf er durch geschickte Kombination der Glassorten und Linsenradien ein technisches Meisterwerk, bei dem die wesentlichen Abbildungsfehler Astigmatismus, Koma, Farbfehler und Bildfeldwölbung so gut wie eliminiert sind bei gleichzeitig hervorragenden Auflösungs- und Kontrastwerten bereits bei offener Blende.

Spätere Optimierungen (von Bertele selbst und anderen) nutzten dann die (Mehrschicht-) Vergütung und neue Glassorten, um die Lichtstärke sowie die Abbildungsleistungen noch weiter zu erhöhen, bzw. noch kompaktere und leichtere Teleobjektive zu bauen. Dazu wurde die Verkittung meist wieder aufgelöst (4/4), die Grundkonstruktion aber im wesentlichen beibehalten. Im Januar 1937 wurde eine von Bertele selbst durchgeführte Optimierung (vermutlich inkl. der Vergütung) in die Produktion überführt. Diese Konstruktion wurde dann bis Frühjahr 1965 unverändert produziert.

Mein Exemplar hier stammt von 1967, besitzt eine hauptsächlich aus Aluminium bestehende Fassung im klassischen Zebra-Design der 1960er und natürlich die einfache Vergütung der Linsen, erkennbar am blauen Schimmer. Carl Zeiss Jena hatte im Frühjahr 1965 eine Optimierungsrechnung mit anderen/besseren Glassorten durchgeführt und damit die Lichtstärke leicht auf f/3.5 erhöht. Das entsprechende Update ging dann im April 1965 in Produktion. Interessanterweise wurde kurze Zeit später noch ein Los (22.000 Exemplare) einer f/4-Version (ebenfalls neu gerechnet) mit Exakta- Bajonett gebaut, was bis 1969 im Programm war. Ich denke, ich habe ein solches hier vor mir…


Datenblatt Erfolgreichstes KB-Wechselobjektiv von Carl Zeiss Jena und Archetyp vieler mittlerer Teleobjektive mit 135 mm Brennweite.
Kamera-Anschluss Exakta-Bajonett, auch erhältlich für M42 und andere Anschlüsse.
Fokussierung Manuell, kürzeste Distanz 1 m.
sonst. Ausstattung Filtergewinde 49 mm
Maße, Gewicht ca. 94 x 66 mm, 395 g. 
Baujahr(e) ca. 1932 - 1988, in dieser Form 1965 -1969. Dieses #8248555 von 1967.
Kaufpreis, Wert heute ca. 200 Mark, heute ca. 50€
Links ZeissIkonVEB, Wikipedia (DE), Wikipedia(EN), Klassik-Cameras
Bei KniPPsen weiterlesen Sonnar 5cm f/1.5, CZJ Tessar 40 mm, Isconar 135 f/4, Paul RudolphPiere Angénieux und Harry Zöllner

2020-09-05

Canon Zoom FDn 35-70 mm 1:4

Mit meiner Canon A-1 kam ein interessantes Objektiv, das selbst ein paar Worte verdient hat. Canon war kein früher Pionier bei Zoom-Objektiven, hat aber spätestens seit Anfang der 1970er Jahre gerade in diesem Segment bei den Objektivherstellern ganz oben mitgespielt und vielfach auch den einen oder anderen neuen Standard gesetzt. Damit haben sie Zoom-Objektiven überhaupt erst zu der allgemeinen Akzeptanz verholfen, die sie heute noch haben. Dieses Objektiv ist ein sehr schönes Beispiel dafür.
Frühe Zoomobjektive boten bis auf die Tatsache, dass der Fotograf nicht mehr das Objektiv für verschiedene Bildwinkel wechseln musste, eigentlich nur Nachteile: Sie waren teuer, schwer und groß (manchmal schwerer und teurer als zwei entsprechende Festbrennweiten zusammen), oft lichtschwach.
Linsenschnitt des 35-70 f/4, ausgeführt in 
zwei jeweils gegenläufig verschiebbaren
Gruppen.  
Was aber am meisten schmerzte waren die Kompromisse, die man bei den Abbildungsleistungen machen musste. Gerade beim letzten Punkt hat Canon Pionierarbeit geleistet. Ihr FD 35-70 mm f/2.8-3.5 von 1973 gilt als das erste Standardzoom, das es von den Abbildungsleistungen mit den gängigen Festbrennweiten aufnehmen konnte. Es war zwar immer noch relativ schwer und teuer, aber den Bildern sah man das Zoom nicht mehr an. In den folgenden Jahren arbeiteten die Hersteller auch an den äußeren Dimensionen und dem Preis  und so bot Fuji als erster Hersteller im Jahr 1977 eine SLR zusammen mit einem kompakten Zoom als Standard an (Fuji AZ-1 mit Fujinon 43-75). 
Die anderen folgten natürlich und auch Canon brauchte ein preiswertes, leichtes und dennoch optisch gutes Standardzoom für ihre Megaseller AE-1 und A-1. Herausgekommen ist dieses FDn 35-70 mm f/4 mit der grundsätzlich ähnlichen optischen Konstruktion wie der alte Star von 1973, allerdings etwas lichtschwächer. Außerdem wurden einige Teile in Plastik statt Metall ausgeführt und damit wurde es nur noch etwas größer und schwerer als ein 50 mm Normalobjektiv. Angeblich sind sogar die Abbildungsleistungen nochmal etwas besser als der Ahn. Tatsächlich bescheinigen auch neuere Tests an Digitalkameras dem Objektiv exzellente Ergebnisse über den ganzen Brennweitenbereich.
Eine Sache ist recht eigenartig (und vielleicht einzigartig?) bei diesem Zoom. Es behält stets seine externen Maße. Sowohl Zoomen als auch Fokussieren passieren innerhalb der äußeren Hülle, die am vorderen Ende aus dem Fokusring besteht. Da die Frontlinse je nach Einstellung mehr oder weniger hinter dem Entfernungsring verschwindet, fungiert dieser daher auch als Sonnenblende. Lediglich bei 35 mm Brennweite und 50cm Entfernung (nächstmögliche Einstellung) kommt die Frontlinse soweit raus, dass man einen Filter aufschrauben kann. 

Datenblatt kompaktes Standardzoom mit sehr guten Abbildungsleistungen
opt. Konstruktion 8 einzeln stehende Linsen in 2 Zoomgruppen, Typ Drehzoom
Blende f/4-f/22 in halben Stufen einrastend, 6 Blendenelemente
Vergütung Mehrschicht (Super Spectra Coating)
Filtergewinde 52 mm, dreht sich mit Fokus. Innerhalb des Fokusrings, keine größeren Filterhalter oder z.B. Linearpolfilter möglich.
bekannte optische Schwächen  tonnenförmige Verzeichnung bei 35mm, sonst ohne größere Schwächen, scharf bei allen Brennweiten.
Bajonett  Canon new FD, mit Entriegelungstaste am Objektiv
Maße, Gewicht ca. 87mm x 63 mm Durchmesser, 305 g
Baujahr(e) 1979-1983
Kaufpreis, Wert heute 45.000 Yen (1979), ca. 30€
Links Ken Rockwell, Canon Camera Museum, Olypedia, MIR, Canon Classics

2018-12-01

Voigtländer Zoomar 36-82 mm f/2.8


Ein echter Meilenstein der Fotogeschichte: Das erste Zoomobjektiv für eine Kleinbildkamera hieß Voigtländer Zoomar und hat der ganzen Gattung auch noch seinen Namen verpasst. Davor hießen diese Konstruktionen Variofokus-Objektive oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch Gummilinsen. Zunächst wurden sie ab den 30er und 40er Jahren für Film- und Fernsehproduktionen verwendet, hier waren die Abbildungsleistungen im Vergleich nicht ganz so sichtbar und wichtig wie beim Einzelbild.

Die Firma Voigtländer kann sich unbestritten mit diesem technischen Meilenstein schmücken. Allerdings ist nicht ganz klar, wie sie an das Schätzchen gekommen sind. Aus eigener Entwicklungsabteilung oder gar Initiative stammt es jedenfalls nicht. Vater dieses Objektives war ein ursprünglich österreichischer Ingenieur namens Frank Gerhard Back, der 1938 vor Nazis floh und in den USA eine neue Bleibe fand. Dort gründete er schließlich die Firma Zoomar Inc., entwickelte ein optisch kompensiertes Variobjektiv für Fernsehkameras und erhielt dafür am 23.11.1948, also genau vor 70 Jahren, ein Patent (siehe Patentliste unten in der Tabelle). Vario-Objektive für Film- und später Fernsehkameras gab es da schon seit einiger Zeit, allerdings genügten diese keinesfalls den hohen optischen Ansprüchen des "unbewegten Bildes", sprich der klassischen Fotografie.
A true milestone in the history of photography: The first zoom lens for a 35 mm camera was called Voigtländer Zoomar and actually made the term zoom popular. Previously, these designs were called variofocals or, in common parlance, rubber lenses. First examples appeared in the 30s and 40s and were used for film and later television productions. For those purposes imaging performance is not as quite visible and important as for the still image.

The company Voigtländer can indisputably adorn itself with this technical milestone. However, it is not clear how they came to the baby. In any case, it wasn't their own development department or even initiative. The father of this lens was an originally Austrian engineer named Frank Gerhard Back, who fled from Nazis in 1938 and found a new home in the USA. There he finally founded the company Zoomar Inc., developed a visually compensated zoom lens for television cameras and received on November 23, 1948, more or less exactly 70 years ago, a patent (see patent list below in the table). Variofocal lenses for film and later television cameras have been around for some time, but these were by no means sufficient for the high optical demands of the "still image", that is, the classic photography.

Optisches Design aus US-Patent 2,913,957. Auf den Markt
kam eine leicht verbesserte Version. 
  Optical design from patent US 2,913,957. An improved
version was launched on the market later. 
 

Hier hat Frank Back unbestritten Pionierarbeit geleistet, in dem er während der nächsten ca. 10 Jahre sein Konzept zu dem hier beschriebenen Objektiv weiterentwickelt und natürlich wieder patentiert hat. In der Tat hat er nicht nur die optischen Anforderungen für das anspruchsvolle Kleinbildformat nahezu getroffen, sondern das Objektiv hatte damals schon die heute noch bemerkenswerte Öffnung von f/2.8 und das über den gesamten Brennweitenbereich. Dieser erstreckte sich auch noch vom Weitwinkel bis in den leichten Telebereich, bisherige Fernseh- oder Film-Varios waren nur Telezooms. Mit den 62° Bildwinkel war es das "weitwinkeligste" Variofokusobbjektive, das bis dahin gebaut wurde. Um diese optische Herausforderung zu meistern ist ihm sicherlich auch entgegengekommen, dass die Vergütungstechnik für optische Linsen zu dieser Zeit Einzug in die Herstellung fand. Ohne diese Antireflexbeschichtung wäre ein solches Objektiv mit so vielen Elementen schlicht unmöglich gewesen.
Frank Back undoubtedly was a pioneer: during the next about 10 years he further developed and improved his concept to eventually yield this lens described here. Of course he filed for patents again. In fact, he does not almost met the optical requirements for the demanding still picture (35 mm film), the lens already had the quite remarkable open aperture of f/2.8 and this even over the entire focal length range. This also reached from wide angle to the light telephoto, previous TV or movie variofocals were just tele-zooms. 62 degrees angle of view at this time was the "widest angle" zoom built until then for any format. In order to master this optical challenge, it certainly came to the fore that lens anti-reflex coating found its way into production at that time. Without this anti-reflective coating such a lens with so many elements would simply have been impossible.

Frank Back mit Albert Einstein  Albert Einstein and Frank Back 
Das Jahr 1958 muss für Frank Back sehr arbeitsreich gewesen sein. Am 27. Juni reichte er zeitgleich zwei Patente für das Objektiv ein, eines über die mechanische Konstruktion, das andere über Details des optischen Aufbaus. Gleichzeitig müssen schon die Vorbereitungen für die Serienfertigung gelaufen sein, die ab 1959 bei der Firma Kilfitt in München stattfand. Diese produzierte wiederum im Lohnauftrag für Voigtländer in Braunschweig. Leider ist nichts über die Umstände bekannt, wie und warum diese Kooperation zustande kam oder wer wieviel daran verdient hat. Am Ende jedenfalls hat Heinz Kilfitt seine Firma dann 1968 an Frank Back verkauft. Das Voigtländer Zoomar wurde jedenfalls am 10. Februar 1959 der erstaunten Öffentlichkeit auf der internationalen Camera show in Philadelphia vorgestellt. Hier gab es auch erstmals die Nikon F und andere SLR aus Japan zu sehen. Am 19.2.1959 reichte Frank Back beim Patentamt noch das verbesserte optische Design ein, das dann auch in Produktion ging. Hier kamen spezielle hochbrechende optische Gläser zum Einsatz.
The year 1958 must have been very busy for Frank Back. On June 27, he simultaneously filed two patents for the lens, one about the mechanical construction, the other about details of the optical design. At the same time, the preparations for serial production must have been going on. Assembling started in 1959 at the company Kilfitt in Munich. They in turn toll produced it under a contract for Voigtländer in Braunschweig, Germany. Unfortunately, nothing is known about the circumstances, how and why this three-way cooperation came about or how the profits were shared. Eventually, Heinz Kilfitt sold his company to Frank Back in 1968. The Voigtländer Zoomar was presented to the public on February 10, 1959 at the International Camera Show in Philadelphia. This show also featured the Nikon F and other SLRs from Japan. On February 19, 1959, Frank Back filed another patent about the improved optical Design, which then went into production. This was utilizing special highly refractive optical glasses.

Das Zoomar im Vergleich zu seinen Voigtländer Alternativen, um diesen Brennweitenbereich abzudecken.  The Zoomar in comparison to its prime lens alternatives from Voigtländer, to cover this focal length range. 
Das Objektiv selbst ist ein ganz schöner Klotz, zumindest verglichen mit zeitgenössischen Objektiven. Auch preislich war es Anfang der 60er nur etwas für wohlhabende Fotoamateure oder eben Profis. Nimmt man allerdings die drei Objektive, die es ersetzen kann, zusammen, relativieren sich Preis und Gewicht wieder etwas. Wegen des hohen Preises wurden nur ca. 15000 Exemplare produziert, die meisten wohl mit dem DKL-Bajonett in der Voigtländer-Version. Allerdings gab es von Anfang an auch eine Version für die Exakta, später kam noch M42 hinzu. Heute ist es ein gefragtes Sammlerstück, man findet aber regelmäßig Angebote auf e-bay. Ich habe über die letzten Jahre immer mal wieder mitgeboten, allerdings mit recht knappem Budget. Nun endlich hatte ich Glück, eines günstig zu ergattern. Natürlich brauchte ich auch noch die entsprechende Kamera dazu, wie ich schon berichtet habe.
The Lens itself is a pretty heavy block, at least compared with contemporary lenses. Also, only wealthy photo amateurs or professionals were able to afford its price. But if you take the three Lenses that it can replace together, price and weight can be put into perspective again. Because of the high price, only about 15,000 copies were produced, most of them with the DKL mount in the Voigtländer version. However, from the beginning there was also a version for the Exakta mount, later M42 was added. Today it is a highly searched after collector's item, but you will regularly find offers on e-bay. Over the last few years, I have offered again and again, but with a tight budget. Finally, I was lucky enough to get a cheap one. Of course, I also needed the corresponding camera , as I've already reported.


Datenblatt Erstes Zoomobjektiv für 35mm Spiegelreflexkameras
optische Daten 36-82 mm Brennweite, kontinuierlich verstellbar. Bildwinkel: 62° - 30°. Konstante Öffnung f/2.8 über gesamten Brennweitenbereich. Kürzeste Entfernung 1,30 m.
optische Konstruktion 14 Linsen in 11 Gruppen, Fokussierung durch Frontlinse, Gruppen 2, 3 und 6 gemeinsam verschiebbar zur Brennweiteneinstellung. Alle Linsen einfach vergütet.
Kamera-Anschluss DKL-Bajonett in Voigtländer Bessamatic Version. Auch erhältlich mit Exakta Bajonett oder M42-Schraubanschluss.
sonst. Ausstattung Mitgeliefertes Zubehör: 2 Nahlinsen (Focar A+B), UV-Filter, Gelbfilter, Gegenlichtblende inkl. Klemmring, Drehscheibe zur Berechnung der Tiefenschärfe. 
Maße, Gewicht Ø 86 mm x 123 mm, 837g (DKL Voigtländer)
Baujahr(e) 1959-1968 (ca. 15.000 Exemplare), dieses #6690569 von 1965
Kaufpreis, Wert heute 795 DM (1959, DKL), 845 DM (andere Anschlüsse). US$ 250 (USA), ca. 200€ (D)
Patente Alle vom Erfinder Frank G. Back (Anmeldedatum, Patenterteilung):
US2,454,686 (30.7.1946, 23.11.1948, Grundprinzip); US2,913,957 (27.6.1958, 24.11.1958, optisches Design); US2,902,901 (27.6.1958, 8.9.1959, mechanisches Design); US3,014,406 (19.2.1959, 26.12.1961, verbessertes optisches Design).
Links Manual (english), Wikipedia, Camera-WikiRick Oleson DKL-Bajonett, Kilfitt.org, Klinterklater, Ernst Giger, UKCamera, Popular Science Jan 1964, Test in ePhotozine, Frank Back in Wikipedia, Zoom Lens History
Bei KniPPsen weiterlesen Bessamatic Deluxe, Zoomar, DKL Kameras und Objektive, Kodak Retina Reflex S, Zentralverschluss SLR, Friedrich Voigtländer.
Data Sheet First zoom lens for still cameras (35 mm SLR)
optical data 36-82 mm focal length, continuously switchable. Angle of view: 62° - 30°. Constant full aperture f/2.8 for entire focal length range. shortest distance 4.3 ft (1.30 m).
optical construction 14 elements in 11 groups, focussing with front element. Groups 2, 3 and 6 move lineary together for focal length change. All elements have a simple anti-reflex coating.
camera mount DKL-mount, Voigtländer Bessamatic type. Available also with Exakta mount or M42-screw mount.
misc. features Supplied accessories: 2 close-up lenses (Focar A + B), UV filter, yellow filter, lens hood incl. Clamping ring, turntable for calculating depth of field.
size, weight Ø 86 mm x 123 mm, 837g (DKL Voigtländer)
Year(s) of Production 1959-1968 (ca. 15,000 copies), this unit #6690569 from 1965
Original Price, Today's Value 795 DM (1959, DKL), 845 DM (other mounts). US$ 250 (US), about 200€ (Germany)
patents All filed by Inventor Frank G. Back (filing date, patent granted on):
US2,454,686 (7/30/1946, 11/23/1948, basic princple); US2,913,957 (6/27/1958, 11/24/1958, optical design); US2,902,901 (6/27/1958, 9/8/1959, mechanical design); US3,014,406 (2/19/1959, 12/26/1961, improved optical design).
links Manual (english), Wikipedia, Camera-WikiRick Oleson DKL-Bajonett, Kilfitt.org, Klinterklater, Ernst Giger, UKCamera, Popular Science Jan 1964, Test in ePhotozine, Frank Back in Wikipedia, Zoom Lens History

2018-10-10

Fujinon Z 43-75 mm f/3.5-4.5


Manchmal muss eben der Zufall helfen: Ich war eigentlich nur auf der Suche nach einem Fujinon (Standard-) Objektiv für das einsame Fujica ST801 Gehäuse, dass ich als kleinen Meilenstein für meine Sammlung erworben hatte. Natürlich hätte ich auch andere M42-Objektive anschrauben können, aber die haben ja nicht die besondere Fujica-Offenblend-Variante. Außerdem wollte ich nicht mehr als 20€ ausgeben und das schränkt die Auswahl an Angeboten schon ein. 5 Monate und einige Versuche hat es dann gedauert, bis ein ebay Händler mein Angebot von 15€ für dieses Schätzchen hier angenommen hat.
Ich ahnte da noch nicht, dass ich hier einen zweiten Meilenstein ergattert habe. Zusammen mit der Fujica AZ-1 war es 1977 nämlich das erste Zoomobjektiv, das als Standardobjektiv mit der Kamera zusammen verkauft wurde. Es ist tatsächlich (zumindest bei 75mm) so kompakt wie ein Normalobjektiv und muss wohl auch optisch eine ganz gute Figur machen. 
Zoomobjektive für KB-SLR gab es Ende der 1970er Jahre schon fast 20 Jahre, angefangen hat es mit dem Voigtländer Zoomar 36-82 mm f/2.8 im Jahr 1959. Dieses war ein ziemliches Monstrum und auch die optischen Qualitäten ließen zu wünschen übrig, so dass es für entsprechende Festbrennweiten eigentlich keine Konkurrenz war. Anfang der 1960 brachten die Kamerasystemhersteller zunächst Telezoomobjektive. Diese waren zumindest ebenso groß und schwer wie entsprechende Festbrennweiten und ihre optischen Leistungen fielen gegenüber dem bisher gewohnten nicht ganz so stark ab. Als erster Hersteller wagte sich dann 1963 Nikon an ein relativ kompaktes Standard-Zoom: Zoom-Nikkor Auto 43-86 mm f/3.5 , zunächst als fest eingebautes Objektiv in der Nikkorex Zoom, dann aber auch als F-Objektiv. 
Von Ken Rockwell ist es als Nikon's optisch schlechtestes Objektiv bezeichnet worden und da ist wohl auch was dran. Nikon selbst hat es dann 1976 komplett neu gerechnet, die zweite Version war dann wohl OK. Mitte der 1970er kamen dann auch die anderen Hersteller mit neuen Standard-Zooms. Canon hat anscheinend mit ihrem FD 35-70 f/2.8-3.5 S.S.C. aus dem Jahr 1973 gezeigt, dass auch sehr gute optische Leistungen möglich sind. TTL-Messung und auch die ersten Zeit- und Blendenautomatiken machten die variierende Anfangsöffnung akzeptabel, höher empfindliche Filme ermöglichten auch recht lichtschwache (3.5-4.5), dafür dann aber kompakte und ordentliche Standardzooms. Warum sich Fuji für 43 mm als Startbrennweite entscheiden hat, bleibt wohl ihr Geheimnis. Aber sie waren die ersten, die sich getraut haben, das Zoom als Standardobjektiv mit der Kamera zu verkaufen. Ein Modell was, wie wir wissen Schule gemacht hat, heute nennt man sowas Kit-Objektiv.  
Das Fujinon (rechts) im Vergleich zum Nikkor 43-86 (links) und dem kompakten Nikkor 35-70 f/3.5-4.5 von ca. 1986. Interessanterweise ist das Fuji-Objektiv am kompaktesten bei 75 mm, während das alte Nikkor eingefahren 43mm Brennweite hat. Das jüngste hier ist bei der mittleren Brennweite von 50mm am kürzesten. 

Erstaunlicherweise findet sich fast nichts zu Zoomobjektiven und deren historische Entwicklung im Netz. Eine kurze und ganz gute Zusammenfassung bietet die englische Wikipedia. Ich werde weiter schauen und mir dieses Kapitel vielleicht mal vornehmen.

2018-07-14

Carl Zeis Tessar 40 mm f/4.5

Ich war einigermaßen erstaunt, dass ich neben dem "normalen" Tessar 2.8/50 mm dieses Tessar 4.5/40 mm als Wechselobjektiv der Praktica F.X2 Ausrüstung antraf. Bisher hatte ich von diesem Objektiv noch nichts gehört und war im ersten Moment fast erschrocken über die geringe Lichtstärke von f/4.5. Erst dachte ich, es ist vielleicht als Makroobjektiv gedacht gewesen, aber nach einigen Recherchen ergibt sich ein Bild: Es ist als Weitwinkelobjektiv benutzt worden. Laut Seriennummer wurde es im Juni 1953 gebaut und damit in einer Zeit, in der das moderne Retrofokus-Weitwinkel für die Spiegelreflex gerade erfunden, aber noch nicht wirklich verfügbar bzw. sehr teuer war. 
Vignettierung bei verschiedenen Blenden, hier am
Beispiel des westdeutschen Tessars 2.8/45.

Technisch existierte in der Anfangszeit der einäugigen Spiegelreflexkamera folgendes Problem für Weitwinkelobjektive: Der Spiegel im Strahlengang brauchte Platz. Bei der Kine-Exakta waren es 38 mm, es konnten also nicht einmal die moderaten und damals beliebten 35 mm Weitwinkel verwendet werden, denn Brennweite und Auflagemaß gingen mit den damaligen Optiken noch Hand-in-Hand. 
Da lag es nahe, es mit einem Tessar 40 mm zu versuchen. Dummerweise wird auch der Bildkreis dieses Universalobjektivs mit Abstand zur Filmebene kleiner und es leuchtete das Kleinbildformat insbesondere in den Ecken nicht mehr so aus wie der größere Normalobjektiv-Bruder. Diese sogenannte Vignettierung (relativ geringere Beleuchtungsstärke im Vergleich zur Bildmitte) kann man aber durch Abblenden verringern und so entschied man sich für f/4.5 als noch akzeptablen Kompromiss. Im Herbst 1953 kamen die ersten Flektogon Objektive von Carl Zeiss Jena auf den Markt und lösten das Problem mit neuer optischer Konstruktion, die Brennweite von Auflagemaß entkoppelte. Aber davon bei Gelegenheit noch mehr.

Mein Tessar hier ist jedenfalls recht selten und in dieser Form nur 5600 mal gebaut worden. Besonders interessant ist auch die Geschichte rund um den Neuanfang von Carl Zeiss Jena in den 1950ern

2018-05-10

Pentax ME-F + AF Zoom 1:2.8 35-70mm


Ein Meilenstein der Kamerageschichte: 1981 war die Pentax ME F die erste (kommerziell erhältliche) Autofokus-Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm mit TTL (through the lens) Fokusmessung. Alle diese Einschränkungen müssen sein, denn die erste AF-SLR war die Polaroid SX-70 Sonar Onestep von 1978. Die erste kommerzielle AF-Kleinbildkamera habe ich auch schon in meiner Sammlung: Konica C35 AF von 1977. Man sieht, Autofokus war damals ein ganz heißes Thema und DIE Innovation nachdem TTL-Belichtungsmessung und Belichtungsautomatik inzwischen Stand der Technik waren. 


Alle renomierten Kamerahersteller arbeiteten also damals an Autofokus-SLR's und Asahi Pentax Ingenieure waren die schnellsten am Markt. Sie haben es sich aber auch recht einfach gemacht. Die Pentax ist im wesentlichen eine Pentax ME-Super, die um eine integrierte Scharfstellhilfe und ein paar weitere damit verbundene Kleinigkeiten erweitert wurde. Die Bilder oben zeigen, was anders ist: Während die rechte Kameraoberseite unverändert ist, kamen links zwei Schiebeschalter für die Scharfstellhilfe hinzu. Außerdem braucht die Kamera die doppelte Anzahl an Batterien. Die Messzelle für die Phasenkontrastmessung sitzt im Boden der Kamera, der Rückschingspiegel ist in der Mitte halbdurchlässig und ein zweiter Hilfsspiegel lenkt das Licht auf den neuen Sensor. Das ansonsten identische K-Bajonett hat 5 neue elektrische Kontakte, die die Scharfstellinformationen an das einzig verfügbare AF-Objektiv übermitteln: SMC Pentax AF 35-70/2.8 Zoom. Dies hat einen eingebauten Scharfstellmotor, der aus 4 AAA Batterien gespeist wird und entsprechend einen recht unattraktiven Bauch. 
Aufmerksame Leser meines Blogs werden es vielleicht bemerkt haben: Die Kamera gehört schon seit 2013 zu meiner Sammlung, seit gestern habe ich (endlich) auch das dazugehörige Objektiv (oben auf Bild)! Und das Beste ist: Der AF funktioniert, so dass ich hier links ein kleines GIF des Scharfstellvorgangs zeigen kann. Ruckelnd tastet sich der Schrittmotor im Objektiv an die richtige Schärfe ran, man kann es im ursprünglichen Video hören. Bei genügend Licht und Kontrast funktioniert das sehr zuverlässig. Aber schon im Innenraum mit künstlicher Beleuchtung kann man den AF nicht wirklich mehr gebrauchen. Auch die Scharfstellgeschwindigkeit liegt eher im (mehrere-) Sekundenbereich, kein Vergleich zu heutigen Systemen. Cirka 80,000 Kameras und vermutlich weniger AF-Objektive wurden von 1981-1984 gebaut. Leider blieb dieses Zoom das einzige AF-Objektiv von Pentax. Immerhin funktioniert die Scharfstellhilfe mit allen anderen verfügbaren K-Objektiven über die LED-Anzeige in der unteren Suchermitte (siehe Video) oder wahlweise mit einem akustischen Signal (wer's mag). 

Es folgten andere Kamerahersteller mit ähnlichen Konzepten: Yashica mit der Contax 137 AF (nur ein Prototyp auf der Photokina 1982), Olympus OM30/OM-F (1983), Nikon F3AF (1983, 2 Objektive, nur für Profis erschwinglich), Canon T80 (1985).  Alle diese Kameras waren nicht sehr erfolgreich am Markt und werden wohl selbst kaum die Entwicklungskosten für die neuen AF-Systeme eingespielt haben. Der Durchbruch für Autofokus kam 1985 mit der Minolta (Maxxum) 7000. Davon in diesem Beitrag, denn auch eine solche konnte ich im März 2013 günstig erwerben...

Datenblatt Erste KB-SLR mit passivem TTL-Autofokus
Objektiv AF-adaptiertes Pentax K Bajonett, AF nur mit SMC Pentax AF 35-70 f/2.8. Alle K-Objektive passen (ohne AF).
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß ( Seiko MFC -E2) 1/2000s - 4s, mechanisch 1/125s und B.
Belichtungsmessung Mittenbetonte TTL-Offenblendmessung mit GPD-Zellen. Empfindlichkeitseinstellung 12-1600 ASA. 
Fokussierung SLR, Mikroprismenmattscheibe, nicht auswechelbar. Elektronische Scharstellhilfe mit drei LED im Sucher, Steuerung des AF-Objektivs durch 5 Kontakte im Bajonett.
Sucher SLR, 92% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.95x. Anzeige der Belichtungszeiten mit farbigen LEDs. 
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/125s Synchronzeit. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz. 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel. Anschlussmöglichkeit für Winder "ME2"
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser , Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschlussmöglichkeit für Datenrückwand
Maße, Gewicht ca. 134/83/52 mm, 480g (Gehäuse), mit AF-Zoom und Batterien: 1124g.
Batterie 4 x 1.5V LR44 oder SR44 für die Kamera und 4x AAA (Objektiv)
Baujahr(e) 1981-1984, ca. 80,000 Exemplare. Diese: #3505076 ca. 1981.
Kaufpreis, Wert heute $994 (1981, inkl. AF Zoom), heutiger Wert ca. 250 € (Kamera mit AF-Objektiv)
Links Manual (english) , Wikipedia , Werbeanzeige, Geschichte des Autofokus nach Patenten (english), Lomography, andere frühe AF-SLR's (japanisch)

2017-08-14

Carl Zeiss Sonnar 5cm f/1.5


Ich hatte es bei meinem Post zur Contax II schon dezent angedeutet: Neben der Kamera selbst ist natürlich das Objektiv der Star, quasi der Meilenstein am Meilenstein. Das Carl Zeiss Sonnar, insbesondere in der Lichtstärke f/1.5, war in den 1930er Jahren DAS Hochleistungsobjektiv schlechthin. Man kann die Leistung seines Designers Ludwig Bertele und die Bedeutung dieser Erfindung für die Fotographie nicht hoch genug einschätzen.  
Die Ausgangslage bezüglich Objektivdesign war für den jungen Bertele eigentlich ganz gut. Schon ein paar Jahre vor seiner Geburt wurde das Hauptproblem der fotografischen Abbildung - der Astigmatismus - durch Taylor und seinem sog. Cooke-Triplet grundsätzlich gelöst. Um es kurz zu machen: Diese geschickte Kombination von zwei Sammel und einer zentralen Zerstreuungslinse bildet als ganzes wie eine Sammellinse ab, wobei sich die Abbildungsfehler der Einzellinsen aber im wesentlichen gegenseitig aufheben. Leider funktioniert das nur bis zu einer gewissen Lichtstärke, bei ca. 3.5 oder größer wird es unschön, besser blendet man auf 5.6 oder gar 8 ab. 
Natürlich versuchte man, durch Einfügen weiterer Elemente und die Verwendung hochbrechender Gläser lichtstärker zu werden ohne die Abbildungsleistung zu stark zu opfern. Der erste wirklich nennenswerte "Lichtriese" war das Ernostar f/2, entwickelt mit nur 4 Linsen von eben jenem Ludwig Bertele im Alter von nur 23 Jahren. 
Allerdings stiegen zur selben Zeit mit dem Aufkommen der Kleinbildkameras auch die Anforderungen an die Abbildungsleistung. Außerdem treibt man mit dem Einfügen zusätzlicher Linsen für Abbildungsleistung und Lichtstärke quasi den Teufel mit dem Belzebub aus. Jeder zusätzlicher Glas-Luft Übergang bedeutet Streuverluste, die mit Kontrast- und Lichtverlust einhergehen. Was also tun? Bertele lieferte die Antwort, in dem er Linsen "verkittete", am besten solche mit unterschiedlichen Glas (bzw. Brechungsindex). Schon in den 1920er Jahren verbesserte er bei Ernemann seine Ernostar-Objektive dadurch. Spätestens seit 1926 als Ernemann von Zeiss Ikon (und damit auch Bertele) übernommen wurde, verfeinerte er und das Team bei Zeiss die Technik dazu immer mehr und verkittete nicht nur zwei, sondern später sogar drei Linsen miteinander. Man kann also sagen, dass diese Technik den Objektivdesignern einen neuen Freiheitsgrad verschaffte. 
Das Sonnar f/1.5 von 1933 ist also quasi der Gipfel dieser Entwicklung, denn Bertele war es gelungen ein komplexes System aus 7 Linsen wieder zu einem Triplet zu gruppieren. Die Abbildungsleistung war derart gut, dass nur bis ca. 2.8 abblenden muss, um das Optimum rauszuholen. Fotografen und betuchte Amateure schwärmten und begründeten den legendären Ruf des Namens Sonnar. 
Die Entwicklung ging natürlich weiter und das bezeichnenderweise ebenfalls bei Zeiss Ikon in Jena. Im Jahre 1935 patentierte Alexander Smakula, ein (gleich alter) Kollege von Bertele die "Antireflexbeschichtung" oder "Vergütung" optischer Linsen. Auch das Sonnar wird später mit vergüteten Linsen gebaut und von Zeiss mit dem roten T* vermarktet, aber das wird vielleicht mal Thema eines anderen Posts. Allerdings macht die heutige Technik der Mehrschichtvergütung sehr komplexe Objektivkonstruktionen mit wieder einer größeren Zahl von freistehenden Gruppen möglich. Verkittung von einzelnen Linsen wird zwar noch angewendet, aber eher selten. 
Mein Sonnar hier von 1938 ist noch unvergütet und ich werde bei Gelegenheit mal Testfotos machen und auch hier zeigen. Für alle die weiterlesen wollen seien Frank Mechelhoff's exzellente Seiten empfohlen. 

2014-07-13

Zoom Nikkor Auto 43-86 mm f/3.5

Anfang der '60er Jahre waren Zoomobjektive gerade frisch auf dem Markt und auch Nikon versuchte sich hier. Das allererste Zoom allerdings war 1959 das Voigtländer Zoomar 36-82mm f/2.8. Nikon konterte zunächst mit zwei Tele-Zooms (85-250 f/4-4.5 und 200-600 f/9.5-10.5). 1961 wurde ein 35-80mm f/2.8-4 angekündigt, dann aber doch nicht gebaut. 1963 erschien dann, zunächst fest eingebaut in der Nikkorex Zoom, dieses Objektiv mit höchst seltsamen Brennweitenbereich. Während meiner aktiven Zeit als Nikon Amateur hat es mich nie angesprochen, als Sammler nun finde ich es durchaus interessant. Nach dem Fund der Nikkorex F habe ich mich auf dem Kameramarkt nach einem zeitgemäßen Objektiv umgeschaut. Das eigentliche Normalobjektiv Nikkor-H 50 mm f/2 war nicht zu bekommen, da habe ich mich für das Zoom hier entschieden. Ein paar Nikkorex F Fotografen dürften es in den 60ern in Kombination eingesetzt haben.


Auch wenn Nikon es als Meilenstein lobt, ist das Objektiv nach Meinung einiger angeblich Nikon's schlechteste optische Konstruktion (siehe auch hier). Ob es letztendlich Nikon's Ruf geschadet hat, möchte ich bezweifeln. Nikon hat 1976 selbst gehandelt und die optische Konstruktion von 9 Elementen in 7 Gruppen auf 11 Elemente in 8 Gruppen grundlegend umgestellt und damit einige der optischen Schwächen behoben. 


Trotz aller zugegebenen Schwächen war es für Nikon ein Bestseller. Immerhin blieb es 19 Jahre lang (von 1963-1982) im Verkaufsprogramm. Laut Roland's Nikon pages wurden in vier Versionen insgesamt 432. 603 Objektive gebaut:
Und es ist kein Scherz: Die Seriennummern starten mit 438601, mein Exemplar ist eines der letzten der ersten Serie und stammt von ca. 1973.

VersionLinsen/GruppenSeriennummernBaujahre
Zoom-NIKKOR Auto 43-869/7438601-5542611963 - 1974
Zoom-NIKKOR C 43-869/7 Multicoated570001-6254801974 - 03/1976
Zoom-NIKKOR 43-86 11/8 774071-80597611/1975 - 1977
Zoom-NIKKOR 43-86, AI11/8810001 - 10486141977 - 03/1982

2014-04-27

Super-Takumar 55 mm f/2

Zur Spotmatic SP gehört natürlich auch ein entsprechendes Normalobjektiv, welches ich extra erworben habe. Dieses hier ist die dritte Version des Objektives und wurde von 1971-1973 gebaut, zu erkennen am extra Hebelchen im M42-Gewinde für Offenblendmessung an den späten Spotmatic F und ES II. Asahi hat im Laufe der Zeit verschiedene sehr ähnliche Varianten ihres meist mit den Kameras zusammen verkauften Standardobjektives gebaut, sie unterscheiden sich z.B. an der Form und Richtung des Blendenrings. Das optische Design aus 6 Linsen in 5 Gruppen (ein sehr typischer "Doppel-Gauss") blieb aber immer gleich. Auch das noch häufiger anzutreffende 55 mm f/1.8 ist wohl die exakt gleiche Konstruktion und wurde nur als etwas lichtstärker vermarktet. 


2014-04-16

Irisblende - Pentacon auto 50 mm f/1.8

Mit meiner Praktica LTL3 kam ein Pentacon auto 50 mm f/1.8 Normalobjektiv. Es besitzt eigentlich eine automatische Springblende, nur leider sprang nichts mehr beim Druck auf den kleinen Metallstift, der aus dem M42-Gewindeanschluss herausragt. Im Gegensatz dazu bewegten sich die Blendenlamellen schon, wenn man langsam am Blendenring drehte. Zusammen ein eindeutiges Zeichen für altes und im Laufe der Zeit verharztes Schmieröl. Da hilft nur eines: Objektiv auseinanderschrauben und die Blendenlamellen in Waschbenzin baden und vom alten Fett befreien. Neues Öl sollte man gar nicht erst verwenden, es schadet mehr als es nutzt. 

Ich habe noch kein anderes Objektiv gesehen, wo man so leicht an die Blende herankommt wie bei diesem. Mit drei Schrauben ist der Gewindeanschluss ab, der auch die sonsige Übertragungsmechanik trägt. Drei weitere Schrauben halten den hinteren Teil (3 Linsen) des Objektives. Man kann die sechs Gewinde oben im Bild gut erkennen. Das ganze hat mich keine 5 Minuten gekostet, die Blendenlamellen lassen sich mit einer Pinzette leicht herausheben und nach etwas Üben auch wieder einsetzen. Bei der letzten Lamelle ist etwas Fummelarbeit gefragt, hier muss man die erste anheben und die andere darunter plazieren. Jetzt fluppt alles wieder wie früher...
Das Objektiv hat eine lange Produktionsgeschichte. Es is ein typischer Doppel-Gauss und kam Anfang der '60er als Meyer Oreston auf den Markt und wurde vom VEB Pentacon bis in die '90er als Standardoptik zur Praktica B-Serie gebaut. Es ist nach dem 20 mm Flektogon mein 2. Objektiv in M42 Fassung. Mehr zu M42 demnächst...

2013-08-31

Projekt PEN (#13, Linsengedicht)

Dies wird mein Objektiv werden. Ich habe endlich mal bei einer e-bay Auktion den Zuschlag bekommen. Zugegeben, mit $145.50 inklusive Versand aus Japan eigentlich außerhalb des Budgets für mein Projekt. Trotzdem ist ein echtes Schnäppchen. Ich beobachte ja den Markt bei e-bay schon länger und habe gerade nochmal den Preisindex aktualisiert. Diese Linse geht im Schnitt für $215 über den Ladentisch (inkl. Versand), und mein Teil hier war am unteren Rand der Verteilung. Wenn ich es endlich selbst in Händen halte, werde ich Kamera plus Objektiv nochmal in einem ausführlichen Beitrag hier würdigen.

2013-05-27

Canon FD 50 mm f/1.8 SC

Canon's Standardobjektiv in den 70er und 80er Jahren ist angeblich das meistverkaufte und -benutzte Objektiv mit FD Bajonett. Wenn man bedenkt, dass die AE-1 sich allein mehr als 5 Millionen mal verkaufte (und das meist mit dieser Linse) und auch die anderen Canon Kameras der Zeit es trugen, dann kann wohl behaupten, dass es zu den meistverkauften Wechselobjektiven überhaupt gehört, wenn es nicht sogar die Nummer 1 ist (zumindest für nicht-AF). Es wurde laut Canon's Camera Museum in 4 FD Versionen gebaut (das hier ist die letzte der vier), dazu kommt noch die "New FD" Version, die immerhin von 1979 bis zum Ende des FD-Bajonetts noch ca. 15 Jahre lang gebaut wurde. Optisch gesehen nichts wirklich außergewöhnliches, ein Doppelgauß mit 6 Linsen in 4 Gruppen, wie es fast alle Hersteller so oder ähnlich im Programm hatten. 

Für mich außergewöhnlich ist das FD Bajonett, eines der ganz wenigen Außenbajonette am Markt. Mit dem charakteristischen Chromring klemmte man das Objektiv über ein Vierteldrehung an den Bajonettbacken der Kamera fest. Canon bewarb dies als Vorteil, da sich nur dieser Ring drehte, Kamera, Objektiv und die Verindungen dazwischen aber in ihrer Position blieben. Anfang der 1990er allerdings, schwenke auch Canon mit der Einführung des EF Bajonetts für ihre neuen Autofokuskameras auf das allgemein übliche Innenbajonett um. Schon 1979 hatte man bei voller Kompatibilität den Chromring abgeschafft, Objektive mit dem "New FD" wurden dann auch drehend angesetzt. Das folgende Filmchen zeigt den Objektivwechesl mit Chromring...

 

2013-03-08

SMC Pentax-A 50 mm f/1.7

Endlich ein Standardobjektiv für meine Pentax K-1000, gefunden auf dem letzen Kameramarkt. Die K-1000 wurde zwar hauptsächlich mit dem SMC Pentax-M 50mm f/2 verkauft, dieses passt aber natürlich auch. Es stammt aus Mitte der 1980er Jahre und wurde mit der neuen Pentax-A Kameraserie angeboten, die nun auch Blenden- und Programmautomatik bot.  Natürlich ist es abwärtskompatibel und funktioniert auch an früheren Zeitautomaten und an der manuellen K-1000. Viel mehr gibt es eigentlich dazu nicht zu sagen: ein Doppelgauß-Typ mit 6 Linsen in 5 Gruppen. Ich vermute, dass die Abbildungsleistung fast identisch sein wird zu einigen der anderen originalen Standardobjektiven mit ähnlicher Lichtstärke (z.B. diesem hier). Pentax-Fans heben gerne die besonders gute Vergütung aller Pentax SCM Objektive hervor, SMC steht für Super Multi Coating, dazu irgendwann mal mehr in einem eigenen Beitrag.

2012-11-01

Samyang 7.5mm f/3.5 Fisheye MFT

Heute mal keine alte und gebrauchte Kamera, sondern ein nagelneues Objektiv! Meine Tochter wünschte sich einen Fisheye-Vorsatz zum Geburtstag, wie sie ihn bei einer ihrer Freundinnen gesehen hatte. Ich habe mich ein wenig über solche Vorsätze erkundigt, bin dann aber schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass nichts über ein richtiges Objektiv geht. Außerdem bin ich ein echter Superweitwinkel-Fan (wie meine bisherigen Posts zum Thema zeigen) und wollte schon immer ein richtiges Fisheye ausprobieren. Da traf es sich gut, dass die aufstrebende koreanische Objektivschmiede Samyang seit kurzem eine wirkliche Perle für micro-FourThirds anbietet, wie einige Tests und Reviews belegen (z.B. bei photozone, m43photo, ephotozine und filterxchange). Kurz, das Geburtstagsgeschenk stand und ich hoffe sehr, dass das Töchterchen es mir hin und wieder ausleiht (nun, ich leihe ihr ja auch mein geliebtes 20er, was immer mehr auch zu ihrem Liebling wird....).
Samyang

Sie hat es mir bereits geliehen, nicht nur für diese Fotos hier, sondern auch für erste Tests im Gelände. Ich muss den Testern recht geben: Ein wirklich erstklassiges Ding, Verarbeitung ist 1a und auch optisch habe ich nichts zu bemängeln. Ein Autofokus fehlt bei der großen Schärfentiefe nicht wirklich, eine dezente Skala dazu - z.B. auf dem roten Ring - hätte dem Objektiv allerdings gut gestanden. Auch die Dimensionen der Linse passen wunderbar ins MFT-System, vermutlich ist es derzeit das kompakteste Fisheye-Objektiv für Systemkameras überhaupt (hier an der Lumix G3 meiner Tochter).

Für Interessierte hier ein paar Informationen über Geschichte und Technik von Fisheye-Objektiven: Das Konzept und der Begriff wurden erstmalig 1906 von dem englischen Physiker R.W. Wood in einem wissenschaftlichen Artikel beschrieben. Technisch realisiert und auch patentiert wurde ein solches Objektiv erstmalig 1932 von der Firma AEG für ihre Wolkenkamera, die wie der Name schon sagt für metereologische Beobachtungen des Himmels eingesetzt wurde. Keiner hatte wohl damals an Objektive für Amateurfotografen gedacht. 

Nikon hat 1938 einen AEG-Klon (auch für die wissenschaftliche Fotografie) gebaut und aufbauend auf diesem Know-How 1962 das Fisheye-Nikkor 8 mm f/8 auf den Markt gebracht. Diesem ersten Fisheye "für die Allgemeinheit" folgten noch einige weitere verbesserte Modelle von Nikon (u.a. das bisher unübertroffenene 6 mm f/2.8). In den 70er Jahren zogen die meisten anderen namhaften Hersteller nach und boten eigene Modelle an. 

Allen Fisheye-Objektiven gemein ist ihre starke tonnenförmige Verzeichnung, die allerdings in diesem Fall keineswegs als Makel zu werten ist, sondern quasi in der Natur der Sache liegt. Während "normale" (verzeichnungsfreie) Weitwinkelobjektive versuchen gerade Linien immer gerade abzubilden (sog. gnomische Projektion) und damit Winkel und Flächen verzerren, bilden Fisheye-Objektive eben anders ab. Es existieren sogar vier verschiedene Abbildungsfunktionen, die allesamt gerade Linien, die nicht durchs Zentrum gehen, verbiegen, dafür aber winkel- oder flächen-treu arbeiten. Dieses Samyang hier bildet wie die meisten Vollformat Fisheyes flächentreu ab, es gibt von Samyang auch ein Objektiv mit stereographischer Projektion, allerdings nicht für MFT. Digitale Fotos (und soger Videos)  kann man übrigends relativ einfach wieder "defishen", wie dieses tolle Tutorial zeigt.