Posts für Suchanfrage TC-X werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage TC-X werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

2019-02-10

Konica TC-X


Einen kleinen, aber doch wichtigen Meilenstein der SLR-Geschichte habe ich auf der diesjährigen Foto-Börse in Groß-Umstadt in der Grabbelkiste gefunden. Für nur 4€ wurde das Gehäuse mein, bei einem anderen Händler habe ich noch das Objektiv dazu gefunden. Bei diesem fehlte die Gummierung am Entfernungsring, daher auch hier nur 10€. Konica druckte damals einen kurzen Produktionscode auf seine Produkte, diese ergeben Juli 1985 für die Kamera und Oktober 1979 für das Objektiv.

Warum Meilenstein? Nun, die Kamera war die erste SLR, die (fast) vollständig aus Plastik gefertigt wurde. Außerdem war sie 1983 die erste SLR, die die damals ganz frisch eingeführte DX-Codierung lesen konnte. Ansonsten ist die Kamera selbst nicht wirklich besonders. Der Verschluss ist ein voll mechanischer Seiko MFC, der nur die Zeiten ab 1/8 und kürzer sowie B kann. Der Belichtungsmesser wird von einer stinknormalen AAA-Batterie versorgt und steuert (wie bei vielen anderen Konica SLR) eine Blendenautomatik.



Ansonsten ist die TC-X Konica's letzte SLR und wurde angeblich nicht mehr von Konica selbst sondern von Cosina in Lohn gefertigt. Diese Behauptung liest man jedenfalls mehrfach im Netz, allerdings lediglich gestützt vom Argument, dass sie so anders als die anderen, älteren Konica SLR's wäre. Ich persönlich habe meine Zweifel an dieser Behauptung, ist sie doch tatsächlich in vielerlei Hinsicht anders als die sonstigen bekannten Cosina CT-1 Klone. Die Kamera, die ihr am ähnlichsten ist, ihre eigene Vorgängerin Konica Autoreflex TC. Ich bin also geneigt zu behaupten, dass diese Cosina Geschichte falsch ist. Vielleicht findet sich ja irgendwo eine echte Quelle, die hier Licht rein bringt.

Die DX-Kodierung und dort insbesondere das charakteristische Schachbrettmuster (eigentlich CAS, camera auto sensing code) werde ich hier nicht im Detail behandeln, dazu verweise ich auf Wikipedia. Dass die TC-X die erste Kamera damit war, ist wohl nicht ganz nur Zufall. Konica war als Film- und gleichzeitig Kamerahersteller schon früh in die Pläne des DX-Konsortiums um Kodak herum eingeweiht. Auch passte die Vollplastikkonstruktion als natürliche Isolierung gut zu elektrischen Kontakten. Die Kamera besitzt alle 6 Kontakte der ersten Reihe, um die Filmempfindlichkeit zu lesen. Ob sie das auch für Werte außerhalb des manuellen Einstellbereichs von 50-1600 ASA macht, bleibt bei der Dokumentation leider im Dunkeln.

Im Gegensatz zu machen späteren Kameras, die ebenfalls zum Großteil aus Plastik gefertigt wurden, gibt sich die TC-X keinerlei Mühe das Plastikgefühl irgendwie zu verschleiern. Selbst auf dem Foto oben kommt klar der Plastikcharakter rüber. Ich kann es nicht endgültig beweisen, aber ich glaube, dass wie bei den meisten anderen Kameras ABS-Kunststoff (Acrylnitril-Butadien-Styrol) zum Einsatz kam, ein Thermoplast, der sich sehr gut als Gehäusematerial eignet. Er lässt sich nicht nur gut spritzgießen, sondern kann auch mit dünnen Metalschichten bedampft werden, sodass z.B. die Gehäuseoberkappe verchromt daherkommen kann. 

Das Hexanon AR 40 mm ist eigentlich nicht das Standardobjektiv zur Kamera, da gab es ein ebenfalls aus viel Plastik gefertigtes 50 mm f/1.8. Das 40er kam schon 1979 zusammen mit der Konica FS-1 auf den Markt und hat fast einen legendären Ruf bezüglich seiner optischen Leistungen. Als sogenanntes Pancake-Objektiv passt es aber ausgezeichnet auch zur kleinen und leichten TC-X.


Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit Vollplastikgehäuse und DX-Erkennung
Objektiv Wechselobjektive mit Konica AR-Bajonett. Hier Hexanon AR 40 mm f/1.8 (6 Linsen in 5 Gruppen)
Verschluss Mechanisch gesteuerter, vertikaler Metalllamellenverschluss (Seiko MFC). 1/8s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation bei 1/60s.
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, CdS, 50-1600 ASA und DX Erkennung. 
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher, (92%), Vergrößerung 0.87x bei 50 mm. Nadel-Anzeige für Belichtungsmessung (Blende). 
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontak.
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulknopf, Bildzählwerk (vorwärts zählend)
sonst. Ausstattung mechanischer Selbstauslöser (10s), ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Filmtypfenster, Stativgewinde (aus Metall)
Maße, Gewicht ca. 130/84/44 mm, 375g (ohne Batterie und Objektiv)
BatterieEine Standard-AAA (1.5V)
Baujahr(e) 1983-1987 (?), dieses #164074 von Juli 1985
Besonderheiten Gehäuse nahezu vollständig aus Plastik
Kaufpreis, Wert heute US$149 (1985), heute ca. 10€
Links Manual (english), Buhla. de, Camera-Wiki, Konica-Collector,  Konica Awardspace, Random Camera Blog, Collectiblend, Simon Hawketts, Davidde.com 

2019-09-22

Konica Autoreflex TC



Ein Zufallsfund auf einem kleinen Flohmarkt vor 3 Wochen war diese Konica Autoreflex TC. Es ist schon meine dritte Konica SLR und eigentlich nichts Aufregendes. Gebaut von 1976 bis 1982 war sie Konica's Einstiegsmodell und erfuhr im Laufe ihrer (wohl sehr zahlreichen) Produktion kleinere kosmetische Änderungen und Optimierungen. So wurde z.B. die Bodenplatte am Ende aus Plastik gefertigt, erste Schritte hin zum Vollplastik-Gehäuse ihrer Nachfolgerin Konica TC-X. Alles weitere zu den recht simplen Spezifikationen der Kamera unten in der Tabelle. Meine Kamera ist ein spätes Stück mit der Seriennummer 814082 (vermutlich von 1981, dem SLR-Boomjahr überhaupt).

Im Inneren der Kamera (und auch auf der Rückseite der Anleitung) fand ich allerdings jeweils einen interessanten Aufkleber. Service und Garantie für Konica Kameras wurde damals vom Carl Braun Camera-Werk in Nürnberg geleistet. Der Aufkleber auf der Anleitung spricht sogar vom Alleinvertrieb in der Bundesrepublik Deutschland. Carl Braun, bekannt durch seine 50er-Jahre Kameras (z.B. die Paxette oder Colorette), hatte schon in den 1960er Jahren die eigene Kameraproduktion eingestellt und sich danach auf Diaprojektoren und anderes Zubehör verlegt. Dass sie auch Vertrieb und Service für einen (oder mehrere?) japanische Kamerahersteller übernommen haben, war mir neu. Ich habe versucht, im Netz dazu noch mehr zu finden, bisher aber ohne Erfolg. Carl Braun lebt zwar bis heute in der Braun Phototechnik GmbH fort, in der zugehörigen Firmengeschichte wird über den Ausstieg aus der Kameraproduktion und die 70er und 80er Jahre kein Wort verloren. Wer dazu noch andere Infos oder Quellen hat, bitte hier kommentieren.


DatenblattEinsteiger KB-Spiegelreflexkamera 
Objektiv Wechselobjektive mit Konica AR-Bajonett. Hier Super-Danubia Auto-Zoom 80-200 mm f/4.5.
Verschluss Mechanisch gesteuerter, vertikaler Metalllamellenverschluss (Copal Square). 1/8s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation bei 1/125s.
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, CdS, 50-1600 ASA. Automatische Belichtungssteuerung (Blendenautomatik) mit entspr. Objektiven.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher, (90%), Vergrößerung 0.91x bei 50 mm. Nadel-Anzeige für Belichtungsmessung (Blende). 
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt, X-Buchse.
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulknopf, Bildzählwerk (vorwärts zählend)
sonst. Ausstattung mechanischer Selbstauslöser (10s), ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Hauptschalter (klappt Schnellschalthebel ein)
Maße, Gewicht ca. 136/90/47 mm, 487g (ohne Batterie und Objektiv)
Batterie2 x PX625 (1.35V Quecksilber)
Baujahr(e) 1976-1982, dieses #814082 von 1981 (?)
Kaufpreis, Wert heute  299 US$ (1976), heute ca. 20€
Links Manual (english), Camera-Wiki, Konica-Collector, Collectiblend
Bei KniPPsen weiterlesen Konica TC-X, Konica FS-1, Konica C35V, Konica C35AF, Carl Braun Kameras

2013-03-17

Minolta (Maxxum) 7000


Kaum ein anderes analoges SLR-Modell hat die Kameraindustrie so entscheidend verändert wie Minolta's 7000 AF (in den USA: Maxxum 7000, in Japan: alpha 7000), der deutsche Wikipedia Artikel spricht vom Sputnikschock der Fotoindustrie. Als sie Anfang 1985 auf den Markt kam, ist sie erstmal nur die erste Autofokus Kleinbild Spiegelreflex für Wechselobjektive mit einem im Gehäuse integrierten Fokusmotor, kurz: die erste moderne AF-SLR. Das alleine erklärt aber nicht ihren durchschlagenden Erfolg, den sie damals hatte. Der kommt daher, dass sie alle aktuellen Neuentwicklungen in sich vereinte, bei denen sie zwar nicht die erste war, aber zumindest zu den ersten gehörte:
  • Computer gesteuerte (wählbar) Programm-, Zeit- und Blendenautomatik (Canon A-1, 1978)
  • eingebauter motorischer Filmtransport inkl. automatische Filmeinfädelung (Konica FS-1, 1979)
  • LCD Display im Sucher (Nikon F3, 1980)
  • Steuerung über Tiptasten statt traditioneller Einstellräder (Pentax ME-Super, 1980)
  • TTL-AF Sensor per passiver Kontrast Erkennung (Pentax ME-F, 1981)
  • Multi-LCD Display zur Darstellung der eingestellten Parameter (Pentax Super-A, 1983)
  • motorische Filmrückspulung (Canon T70, 1984)
  • leichtes Gehäuse, vollständig aus Kunststoff (Konica TC-X, 1984)
  • automatische Erkennung der Filmempfindlichkeit per DX-code (Konica TC-X, 1984)
...und noch einige andere "Kleinigkeiten". In der SLR Kamerageschichte ist das höchstens vergleichbar mit dem Erscheinen der Nikon F (1959), die damals auch alles technisch verfügbar Beste in sich vereinte und damit das Erscheinungsbild von KB Spiegelreflexkameras bis ... ja bis zur Minolta 7000 AF... prägte.
Gut zu erkennen ist Minoltas neues A-Bajonett mit den 5 elektrischen Kontakten und der kleinen AF-Motor-Kupplung unten rechts. Der Spiegel war strukturiert halbdurchlässig, um Licht und Informationen für den AF-Sensor im Boden der Kamera durchzulassen und aufzubereiten.
Minolta ging damals volles Risiko mit einem neuen Bajonett (und Auflagemaß!), einer ganzen Reihe passender Objektive und weiterem Systemzubehör, was nicht mehr zu den existierenden Minolta Kameras passte. Minolta setzte also alles auf eine Karte und gewann: Die Kamera katapulierte Minolta an die Spitze der japanischen Kameraindustrie. Die Konkurrenten folgten recht bald (müssen also schon das eine oder andere in der Entwicklungspipeline gehabt haben): Nikon F-501, Canon EOS 650, Pentax SFX und Olympus OM-707. Letztere war fast ein Klon der Minolta und interessanterweise die am wenigsten erfolgreiche von allen. Minolta nutzt auch seinen Vorsprung und baut das System mit weiteren Kameras aus. Klassische nicht-Autofokus SLR's existierten natürlich noch eine Weile, aber die Minolta 7000AF wurde schnell zum Archetyp moderner Spiegelreflexkameras.



Die Geschichte geht aber für Minolta nicht ganz gut aus. Man dachte, die Technologie genügend durch Patente geschützt zu haben, die von Leitz seit Ende der 1960er Jahre angemeldet wurden. Leitz und Minolta hatten eine recht enge Kooperation während der 70er Jahre und Leitz entschied damals die Patente nicht selbst zu nutzen, sondern Minolta zu überlassen. Ein Patentgericht in New Jersey entschied aber 1992 abschließend anders. Honeywell hatte geklagt, dass ihre Technologie verwendet würde und bekam Recht, wie ich schon in meinem Beitrag zur Konica C35AF berichtet habe (siehe die Links dort). Anhand der gezahlten Strafen, die auch die anderen großen Kamerahersteller betrafen, kann man recht genau deren Marktstellung ablesen. Danach hatte Minolta mehr als 50% des SLR-AF Marktes. 

Die Strafe traf Minolta trotz des zunächst anhaltenden Markterfolges hart. Große Investitionen in die Entwicklung der nicht wirklich erfolgreichen APS Kameras spülten weitere Verlusste in die Bilanz, dann kam noch die digitale Fotorevolution, der man wohl finanziell nicht mehr gewachsen war. Man rettete sich zunächst (2003) in eine Fusion mit Konica, um dann schon 2006 das Kamerageschäft an Sony zu verkaufen. Sony verwendet allerdings heute noch das mit der 7000 AF eingeführte Bajonett und alle AF Objektive von 1985 können an den modernsten Sony DSLR Kameras verwendet werden. Das hier abgebildete Zoomobjektiv stammt von 1993, 1985 gab es ein 35-70 mit "fester" Blende f/4.

Datenblatt Erste moderne Autofokus SLR
Objektiv AF-Wechselobjektive mit Minolta A-Bajonett.
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß 1/2000s - 30s und B.
Belichtungsmessung Mittenbetonte TTL-Offenblendmessung, Empfindlichkeitseinstellung 25-6400 ASA. Computergesteuerte Belichtungsautomatik (P, A, S, M) mit P-shift. Belichtungskorrektur +/- 4 in 0.5 Stufen.
Fokussierung Autofokus mit AF-Motor in der Kamera. Schärfeindikator mit drei LED im Sucher, Datenkommunikation mit AF-Objektiv durch 5 Kontakte am Bajonett, manueller Fokus.
Sucher SLR, 94% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.85x. Anzeige von Blende, Betriebsart und Zeit durch LCD Display.
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/100s Synchronzeit. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz, TTL Blitzmessung.
Filmtransport motorisch bis zu 2 B/s, Rückspulen ebenfalls per Motor.
sonst. Ausstattung elektronischer Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschlussmöglichkeit für Computer-Rückwand mit erweiterten Kamerafunktionen, Anschluss für elektrischen Fernauslöser, DX-Kodierung wird unterstützt.
Maße, Gewicht ca. 138/92/52 mm, 555g ohne Objektiv und Batterien
Batterie 4 x AAA, optional andere Batteriehandgriffe für AA oder Li-Batterien mit erhöhter Kapazität.
Baujahr(e) 1985-1988
Kaufpreis, Wert heute $500 (1985), heutiger Wert ca. US$30
Links Manual (english), Wikipedia, Marc's Seite, Werbung (Video von 1986),Shutterbug list of top 20 cameras of all times, Schnittzeichnung

2022-08-27

Revue SP (Konica Auto-Reflex P)

Ich bin schon länger auf der Suche nach ihrer großen Schwester: Konica Auto-Reflex. Diese ist eine Meilenstein-SLR, nämlich die erste moderne (Schlitzverschluss-) SLR mit einer Belichtungsautomatik (Blendenautomatik). Aber da ist noch was: Sie ist die einzige Kamera, die es erlaubte, zwischen den beiden Bildformaten 24x36 und 18x24 (Halbformat) umzuschalten, und das sogar jederzeit mitten im Film. Dieses Feature hat sie mit dieser abgespeckten Version gemein (ohne Belichtungsmesser und -automatik), ansonsten sind die Kameras identisch und ich zähle sie bzgl. dieser Eigenschaft als eine Kamerakonstruktion. Konica hat diese Version "Auto-Reflex P" genannt und in Deutschland wurde sie über Foto-Quelle als Revue SP vermarktet. Die eigentliche Auto-Reflex hieß auch unter der Marke Revue so. 

In Sammlerkreisen erzielen alle Namensvarianten ganz ordentliche Preise und zwar unabhängig davon, ob Revue oder Konica draufsteht. Ursprünglich war die abgespeckte Version natürlich preiswerter. Da sie aber viel seltener verkauft (und damit gebaut) wurde, ist sie heute die teurere Sammlerkamera. Mir lief also diese Revue SP über den Weg und zu meiner eigenen Überraschung war mein relativ günstiges Gebot trotz des lichtstarken Normalobjektivs erfolgreich. Ich werde aber trotzdem weiter die Augen nach der „echten“ Auto-Reflex aufhalten.

Das Umschalten von Voll- auf Halbformat erfolgt bei der Kamera ganz einfach mit einem kleinen Hebel auf der Kameraoberseite, wie man auf meinem Bild (GIF) sehen kann. Dabei passieren drei Dinge gleichzeitig: 1) zwei Blenden werden von links und rechts in das Bildfenster geschwenkt, 2) im Sucher erscheinen von oben zwei kleine schwarze Dreiecke, die nochmal deutlich auf die permanent eingeritzten Halbformatmarkierungslinien hinweisen, 3) der Filmtransportmechanismus wird auf halben Vorschub umgestellt, so dass auf einen 36er Film bis zu 72 hochformatige Negative passen. Man kann zu beliebiger Zeit umstellen, allerdings wird in der Anleitung deutlich darauf hingewiesen, dass jeweils bei 24x36-Stellung transportiert werden sollte, d.h. bei Halbierung des Formates den Film VOR dem Umschalten transportieren, bei Verdoppelung NACH dem Umschalten. Sonst drohen überlappende Negative.

Die Tatsache, dass sie die einzige Kleinbild-Kamera mit diesem Feature ist, spricht Bände. Zwar war das Halbformat in den 60er Jahren insbesondere in Japan sehr populär (siehe die Olympus PEN-F und andere in meiner Sammlung), aber dessen Zweck war neben der doppelten Bilderzahl pro Film insbesondere der Bau kompakter Kameras. Die Konica hier war aber mit fast einem Kilogramm Kampfgewicht eher das Gegenteil von kompakt. Außerdem erfordert das Halbformat eine Normalbrennweite von 30 mm (heute würde man von einem Crop-Faktor 1.44 sprechen), d.h. die mitgelieferte Normalbrennweiten von 52 oder wie hier 57 mm entsprachen leichten Teleobjektiven. Wo war also der Vorteil des eingebauten optionalen Halbformats? Ich denke, Konica‘s Management hat bald eingesehen, dass das niemand wirklich braucht und ihre Konkurrenten haben sich heimlich gefreut, nicht selbst Geld in dieses Feature investiert zu haben. Die eigentliche Auto-Reflex war eine sehr erfolgreiche Kamera wegen der Blendenautomatik, die abgespeckte Version riss kaum jemanden vom Hocker, trotz Halbformat-Umschalter!

Datenblatt Einzige KB-SLR mit umschaltbarem Format 24x36 und 18x24 (zusammen mit der automatischen Schwester Auto-Reflex im selben Gehäuse)
Objektiv Konica AR Bajonett, hier mit Hexanon 57 mm f/1.4 (Gauß-Typ, 6 Linsen in 5 Gruppen, #5760574)
Verschluss vertikaler, mechanischer Metall-Schlitzverschluss (Copal Square), B-1-2-4-8-15-30-60-125-250-500-1000 1/s. 
Belichtungsmessung keine, Aufsteckbelichtungsmesser für das Zeitenrad erhältlich. Die Kamera war die Einfachversion der Konica Auto-Reflex mit eingebautem (kein TTL) CdS-Beli und Blendenautomatik.
Fokussierung Mattscheibe mit Mikroprismen im Zentrum.
Sucher Spiegelreflex mit Rückschwingspiegel. Halbformatmarkierungen. 
Blitz M und X Buchse. X-Synchronzeit 1/125 s.
Filmtransport mit Schnellschalthebel, Rückspulkurbel. Bildzählwerk (vorwärts) zählt im Halbformatmodus nur jedes zweite mal hoch.
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, Stativgewinde 1/4‘‘, Filmmerkscheibe, Drahtauslöseranschluss, als Zubehör: Zubehörschuh zum Aufstecken, Belichtungsmesser
Maße, Gewicht ca. 142x94x46, 682 g (ohne Objektiv), 965g (mit 1.4/57)
Batterie keine
Baujahr(e) 1966-1968, #852502
Kaufpreis, Wert heute ca. 200 US$ (1966), ca. 200 €
Links Konicafiles, buhla.de, Camera-Wiki, Wikipedia, Bedienungsanleitung (Auto-Reflex, mehrsprachig), Mike Eckman, Konica-collector.org, 
Bei KniPPsen weiterlesen Konica Autoreflex TC, Konica TC-X, Konica FS-1, Konica C35V, Konica C35AF







2022-11-20

Revue Auto-Reflex (Konica Auto-Reflex)

Um meine Sammlung zur Geschichte der Belichtungsautomatik abzurunden, fehlte noch dieser Meilenstein: Die Konica Auto-Reflex, hier unter dem Namen von Konica's deutschen Vertriebspartners Foto Quelle als Revue Auto-Reflex. Ihre kleine Schwester Revue SP (Konica Auto-Reflex P) habe ich vor kurzem auch schon vorgestellt. Mit ihr teilt sie das in der SLR-Geschichte ansonsten einmalige Feature mit der Formatumschaltung zwischen 18x24 (Halbformat) und 24x36 mm. Aber dazu habe ich mich dort schon ausgelassen und werde es hier nicht wiederholen.
Die Auto-Reflex neben ihrer automatiklosen Schwester Revue SP (Auto-Reflex P)
Von der Auto-Reflex wird oft behauptet, sie wäre die erste SLR mit einer Belichtungsautomatik gewesen. Das ist falsch, es gab in den Jahren vor ihr schon einige andere, wie man in meinem Beitrag dazu nachlesen kann. Alle automatischen SLR vor ihr hatten einen Zentralverschluss, sie war lediglich die erste aus heutiger Sicht moderne SLR mit einem Schlitzverschluss. Ihr fehlte sogar noch TTL-Messung, das kam erst mit ihrer Nachfolgering Autoreflex T im Jahr 1968. 

Schema des Seilzugverlaufs in
Konica's Trap-Needle Implementierung.
Hier am Beispiel der Autoreflex T3.
Ich habe irgendwie immer Belichtungsautomatik mit dem Aufkommen der Elektronik gedanklich verbunden. Das stimmt auch im Falle der Zeitautomatik, bei Blendenautomatiken aber erst seit der Canon AE-1 (1976). Die Auto-Reflex und auch alle ihre Nachfolger bis hinein in die 1980er nutzen eine mehr oder weniger raffinierte sehr mechanische Implementierung des alten Kodak'schen Trap-Needle Prinzips von 1938.
Zentrales, und charakteristisches Bauteil ist ein sehr komplex geführtes und federgespanntes Drahtseil, das quer durch die Kamera verläuft. Seine Aufgabe ist es, das Drehspulinstrument des Belichtungsmessers so zu drehen, das es zu den Einstellungen der Kamera passt. Dazu ist das obere Ende des Seils mit dem Einstellrad für die Verschlusszeit verbunden, die eleganterweise mit der Filmempfindlichkeitseinstellung kombiniert ist. Wird dieses Rad um einen Lichtwert gedreht (oder die Empfindlichkeit entsprechend verstellt), so dreht sich das komplette Drehspulinstrument um eine Blende. Somit wird gewährleistet, dass die Nadel, die zum Beispiel bei 1/125 s auf Blende 8 zeigt, bei 1/60 s auf Blende 11 gerichtet wird. Das andere Ende des Seils reicht in den Fußraum des Spiegelkastens und "liest" dort quasi die maximale Öffnung des angesetzten Objektivs ab. Die sonstige Trap-Needle Konstruktion ist fest verbaut und wird über den Verschlussaufzug federgespannt. Ist der Blendenring am Objektiv auf EE ("Electric Eye", frühe Objektive) oder AE ("Automatic Exposure", spätere Objektive) gestellt, wird das Objektiv beim Auslösen nur bis zur im Sucher von der Nadel angezeigten Blende abgeblendet. Fertig ist die Blendenautomatik; die Batterie wird nur für den Belichtungsmesser gebraucht.
 
Mein Exemplar habe ich nach langer Suche doch sehr günstig bekommen können. Es ist allerdings auch defekt, löst nicht mehr aus und hat auch so die eine oder andere Macke. Für meine Zwecke (Vitrine) reicht es. Vielleicht traue ich mich mal an einem langen Winterwochenende ran und versuche mal den Seilzug freizulegen und den Verschluss wieder zum Laufen zu bekommen. Bei eingelegter Batterie zeigt die Nadel immerhin vernünftige Werte an.  

Datenblatt Erste moderne SLR mit Schlitzverschluss und Blendenautomatik.
Einzige KB-SLR mit umschaltbarem Format 24x36 und 18x24 (zusammen mit der kleinen Schwester Auto-Reflex P, ohne Automatik im selben Gehäuse)
Objektiv Konica AR Bajonett, hier mit Hexanon 52 mm f/1.8 (Gauß-Typ, 6 Linsen in 5 Gruppen, #4560392)
Verschluss vertikaler, mechanischer Metall-Schlitzverschluss (Copal Square), B-1-2-4-8-15-30-60-125-250-500-1000 1/s. 
Belichtungsmessung CdS-Belichtungsmesser (extern, kein TTL), damit realisierte Trap-Needle Blendenautomatik. 
Fokussierung Mattscheibe mit Mikroprismen im Zentrum.
Sucher Spiegelreflex mit Rückschwingspiegel. Halbformatmarkierungen. Nadelanzeige der verwendeten Blende.
Blitz M und X Buchse. X-Synchronzeit 1/125 s.
Filmtransport mit Schnellschalthebel, Rückspulkurbel. Bildzählwerk (vorwärts) zählt im Halbformatmodus nur jedes zweite mal hoch.
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, Stativgewinde 1/4‘‘, Drahtauslöseranschluss, als Zubehör: Zubehörschuh zum Aufstecken
Maße, Gewicht ca. 142x94x46, 719 g (ohne Objektiv), 942g (mit 1.8/52)
Batterie PX625 (1.35V Hg), oder Alternative.
Baujahr(e) 1965-1968, #851617
Kaufpreis, Wert heute ca. 250 US$ (1966), 569 DM (1968 bei Foto Quelle), ca. 150 €
Links Konicafiles, buhla.de, Camera-Wiki, Wikipedia, Bedienungsanleitung (Auto-Reflex, mehrsprachig), Mike Eckman, Konica-collector.org, 
Bei KniPPsen weiterlesen Konica Autoreflex TC, Konica TC-X, Konica FS-1, Konica C35V, Konica C35AF

2018-01-09

Minox 35 GT


Eine Minox 35 gehört natürlich in jede ernsthafte Kamerasammlung. Insbesondere natürlich meine, da ich bisher ein starkes Interesse an Halbformat und anderen kleinen Kameras gezeigt habe. Die Minox hatte den Titel "kleinste kommerzielle Kamera für den Kleinbildfilm" (135er mit 24x36 Bildformat) von 1974 bis 1996 inne. Sie hatte diesen der Rollei 35 abgenommen und musste sich 1996 der Minolta TC-1 geschlagen geben.

Minox landete mit der 35er Serie einen echten Coup und verkaufte mit am Ende fast 2 Millionen Exemplaren viel mehr als man sich wohl erhofft hatte. Im Prinzip handelt es sich bei allen Modellen um das selbe Grunddesign immer wieder kleinere Ergänzungen und Modifikationen erfuhr. Das Modell GT hier war stückzahlmäßig das erfolgreichste, und unterscheidet sich nur durch den zusätzliche Gegenlichtschalter ("G") und den Timer ("T") vom ersten Model (EL). 

Sie ist ja nicht wesentlich kleiner als ihre Vorgängerin auf dem Thron der kleinsten Kleinbild-Kamera (Rollei 35), aber sie ist insbesondere wegen der Belichtungsautomatik und der klassichen Anordnung der Bedienelemente deutlich praktischer. Damit war sie für den Fotolaien attraktiv, viele Frauen hatten sie einfach so in der Handtasche dabei. Ähnliches kann man übrigends über ihre größte Konkurrentin Olympus XA auch sagen. Der Erfolg erzeugt auch Nachahmer und Neider: sie wurde mehr oder weniger gut kopiert von Ricoh (FF1), Kiev (35A), Balda und auch in China.

Datenblatt Kleinste KB-Sucherkamera (1974-1995)
Objektiv Color-Minotar 35 mm f/2.8
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss, Zeitautomatik (8'' - 1/500 s). Gegenlichtschalter (2x), keine manuelle Zeiten.
Belichtungsmessung CdS, am Objektiv (kein TTL). 25-800 ASA
Fokussierung Manuell am Objektiv, keine Scharfstellhilfe.
Sucher optischer Sucher mit Bildrahmen und angezeigter Verschlusszeit
Blitz Blitzschuh, X-Synchronzeit ca. 1/125 s wird automatisch beim Einschieben eines Elektronenblitzes aktiviert.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel,
sonst. Ausstattung Drahtauslöseranschluss, Stativgewinde, elektronischer Selbstauslöser (T), Gehäuse aus Glasfaser-verstärktem Makrolon.
Maße, Gewicht ca. 100x61x31 mm, 190 g 
Batterie PX 27 (oder ggf. 4 x LR44 bzw.  2 x CR1-3N Lithium)
Baujahr(e) GT: 1981-1991 (652.891 Exemplare), diese hier #5022682 von 1981.
Die gesamte Serie: 1974-2002, 1.95 mio Exemplare.
Kaufpreis, Wert heute ca. 300 DM, ca. 40€
Links Wikipedia, Bedienungsanleitung, G. Steinbach, Subminiature Cameras, Peter Lausch, Camera-Wiki

2024-02-06

Filmhersteller - Kurzportraits (Teil 3, japanische Hersteller)

Nach meinen beiden anderen Beiträgen über die 5 großen und 8 kleineren deutschen Filmhersteller dachte ich, dass ich im dritten Teil einfach den Rest der Welt abhandele. Ich habe mich also an die Japaner gemacht und schnell festgestellt, dass diese alleine einen ganzen Post füllen werden. Natürlich ist die Quellenlage eine andere und mir fällt auch die Einordnung der Fakten in den historischen Kontext deutlich schwerer als bei den Deutschen. Trotzdem fand ich es extrem spannend, die eigene Aufarbeitung der Fujifilm- Geschichte zu lesen und mit ein paar anderen Quellen abzugleichen. Neben den folgenden zwei kleinen (hier unbekannten) und den beiden großen Filmherstellern gab es in Japan vermutlich noch die eine oder andere frühe Manufaktur. Wer weitere Infos dazu hat, bitte melden.
Oriental Anzeige in einem britischen
Fotomagazin 1937


Asahi - ASK

Asahi Shashin Kōgyō K.K. (übersetzt Asahi Foto Industrie Aktiengesellschaft) war ein kleiner Fotopapier- und Filmhersteller in den 1930ern, der seinen Film und Fotoprodukte u.a. unter der Marke ASK vertrieb. Im November 1943 wurde wegen des schlimmer werdenden Krieges und seiner wirtschaftlichen Folgen Konkurs angemeldet. Angeblich blieben danach nur die folgenden drei Hersteller auf dem Markt...


Oriental

Oriental Shashin Kōgyō K.K. (Oriental Foto Industrie Aktiengesellschaft) wurde 1919 gegründet und war angeblich der erste Hersteller von Rollfilmen in Japan, vorher wurde von Konica lediglich Planfilm hergestellt. Die Anzeige rechts beweist, dass sie auch mal auf Exportmärkte abgesehen hatten, allerdings anscheinend ohne großen Erfolg. Zu Oriental gehörte wohl auch der Kamerahersteller Tōyō Kōki. Als ich nachschauen wollte, bis wann Oriental Film produziert hat, musste ich mit Erstaunen feststellen, dass es sie wohl noch gibt und lesen, dass vermutlich alle Fujifilm Schwarzweißfilme inzwischen von Oriental hergestellt werden. 


Konica - Sakura

Konica in Japan kann man entfernt mit Voigtländer in Deutschland vergleichen: Die älteste Fotofirma am Platz, man produziert Objektive, Kameras und auch fast alle Verbrauchsmaterialien, inklusive Film und Fotopapier. Die Firma geht zurück auf eine Apotheke bzw. Drogerie, die 1873 beginnt Fotomaterialien zu produzieren und zu verkaufen. Die Details der frühen Jahren kann man woanders nachlesen, jedenfalls war Konishiroku (wie die Firma in Abwandlungen die meiste Zeit über hieß) in vielen Fällen die erste in Japan: Die erste Kamera (Cherry, 1902), die einen Namen trägt und entsprechend vermarktet wird, Trockenplatten und Planfilme aus eigener Herstellung, die erste in Serienproduktion hergestellte Kamera (Pearlette, 1925). Ab 1929 dann der eigene Rollfilm, der unter der Marke Sakura vertrieben wird. Hier war Konishiroku nach Oriental nur auf Platz 2. 1940 dann hatte man mit Sakura Color den ersten japanischen Farbfilm am Markt (nach dem Kodachrome Verfahren). 
1947 bringt man dann die erste Konica genannte Kamera (von Konishiroku Camera), nach der die komplette Firma schließlich 1987 umbenannt wird. Gleichzeitig wird auch der bisherige Film-Markenname Sakura durch Konica ersetzt. Konica spielte nach der Konsolidierungswelle der 1960er und 1970er Jahre eine solide Nummer 4 auf dem Parkett der globalen Filmherstelller (nach Kodak, Fujifilm und Agfa-Gevaert). Bekannterweise fusioniert Konica 2003 mit Minolta zu Konica-Minolta, die 2006 komplett aus dem Fotogeschäft aussteigen. Die Kameras gehen an Sony, das Filmgeschäft an Dai Nippon Printing (DNP). 2007 werden von DNP nochmal neue Centuria Filme auf den Markt gebracht, das Geschäft wohl mangels Erfolg schon 2 Jahre später wieder eingestellt. 

Fujifilm

Fuji Photo Film Co., Ltd. (heute Fujifilm Holding) wird Anfang 1934 von der Dainippon Celluloid Co., Ltd. (heute Daicel Corp.) als Tochterfirma abgespalten und beginnt im selben Jahr mit der Produktion im neu errichteten Filmwerk in Ashigara (Kanagawa Präfektur), 35 km Luftlinie vom Gipfel des Mount Fuji. Die Dainippon Celluloid war 1919 als Zusammenschluss von 8 kleineren Zelluloid-Fabriken entstanden und sind das Unterfangen "Wir erschaffen einen japanischen Filmhersteller" generalstabsmäßig angegangen. Angeblich hatten sowohl Kodak als auch Agfa 1921 in Japan Agenturen gegründet, um ihre jeweiligen Filme zu vermarkten. 1924 bietet man Kodak eine Partnerschaft an, die aber ablehnen. Daraufhin entscheidet man es auf (fast) eigene Faust zu versuchen. 
Blick auf den Fuji, aufgenommen aus dem Shinkansen von mir
selbst 2007 auf dem Weg von Tokio zu Fujifilm in Ashigara.
Dieser Blick hat wohl vor 90 Jahren die Namenswahl inspiriert.
Man sucht auf dem Land eine geeignete Stelle für die neue Filmfabrik, findet sie im ländlichen Ashigara (saubere Luft, frisches Wasser, etc.), schickt Leute nach Europa, um Maschinen zu kaufen und Know-How abzugreifen und investiert ab 1926 in den Trockenplattenhersteller Toyo Kanpan, der auf ein Fotoforschungsinstitut von Shinjiro Takahashi zurückgeht. Takahashi hatte sich schon in den 1890er Jahren mit Fotografie beschäftigt und dann 1910 sein Institut gegründet. In Europa spricht man auch intensiver mit der belgischen Gevaert, kann sich aber auch nicht auf die Bedingungen einer engeren Zusammenarbeit einigen. Dafür gewinnt man den deutschen Ingenieur Dr. Emil Mauerhoff (s. unten) und seinen amerikanischen Assistenten Francis Gilroy, die insbesondere bei den Qualitätsproblemen beim Hochfahren der Produktion 1934 helfen. Nach der Gründung der Fuji Photo Film wird die Toyo Kanpan komplett integriert und man hat somit das ganze Programm von Film über Trockenplatten und Fotopapier. 
Die ersten Jahre werden als sehr schwierig beschrieben, insbesondere weil Kodak und Agfa die Preise drastisch senken, um den neuen Wettbewerber unter Druck zu setzen. Außerdem sind wegen der anfänglich nicht ausgereiften Qualität des Films die Vorbehalte der Filmstudios groß, eigenen japanischen Film zu verwenden. Schon 1934 kauft man sich also kurzerhand ein eigenes Filmstudio als Testinstitut und um der Branche zu beweisen, dass japanischer Film anstelle von Importfilm verwendet werden kann. Man eröffnet bis 1938 weitere Standorte (z.B. Odawara) als Rückwärtsintegration in die eigenen Rohstoffe (auch Gelantine) und baute sein Produktportfolio recht eindrucksvoll aus. Im April 1937 wurden erstmals schwarze Zahlen geschrieben und die Firma zahlte ihrer Muttergesellschaft und anderen stillen Teilhabern eine erste Dividende von 6%. 
Der 2. Weltkrieg betraf Fuji Photo Film etwas anders als die deutsche Konkurrenz. Man wurde zwar auch in die Kriegswirtschaft eingebunden und musste andere Güter produzieren, profitierte aber auch durch erzwungene Zusammenarbeit mit anderen Firmen, die z.T. nach 1945 Teil von Fujifilm blieben, und konnte bis 1944 weiter forschen. Zwar wurde Tokio von amerikanischen Bombenangriffen weitgehend zerstört, die Fuji Fabriken bekamen aber vergleichsweise wenige Schäden ab. Ein interessantes Kapitel ist die versuchte Evakuierung (April 1945) des Hauptstandortes Ashigara in die damals japanisch besetzte Mandschurei (Nord-China) inkl. Maschinen und 62 Schlüsselmitarbeitern und deren Familien. Die Evakuierung scheitert, weil amerikanische Bomber die drei Transportschiffe daran hindern ihr Ziel zu erreichen. 
Fuji Color Rollfilm (1948)
Nach dem Krieg kommt man relativ schnell wieder auf die Füße und bringt schon 1948 zwei Meilensteine für den nun folgenden rasanten Aufstieg zu einem der Weltmarktführer. Zum einen natürlich FujiColor-Film auf Basis des nun offengelegten Agfa-Verfahrens, angereichert mit eigenen Entwicklungen. Zum zweiten Fuji's erste Kamera (Fujica Six), die von einer während des Kriegs übernommenen Firma prouziert wird. Fuji hatte inzwischen auch selbst optisches Glas im Portfolio und mauserte sich auch zu einem Objektivhersteller. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wächst man weiter und spielt bald in der ersten Liga der Fotokonzerne mit. 
Die internationale Expansion geht zunächst über die Gründung von Vertriebsorganisationen (Brasilien, USA, Düsseldorf 1966 für Europa, etc.) und man ärgert die großen der Branche (Kodak, Agfa) durch preiswertere Filme bei hoher Qualität. Fuji steckt viel Geld in Marketing und Werbung und ihr großer Durchbruch ist die Nominierung zum offiziellen Film der olympischen Spiele 1984 in Los Angeles. Schon 1982 hat man in Holland einen Produktionsstandort in Europa eröffnet, 1988 folgt ein großes Film- und Fotopapierwerk in South Carolina, USA mit dem man Kodak weltweit endgültig die Marktführerschaft streitig macht. 
Fuji-Logo von 1980 bis 2006
Kodak, die selbst auf dem japanischen Markt kaum ein Bein auf den Boden bekommen, fühlt sich mittelfristig so unter Druck, dass die USA sich offiziell 1995 bei der WHO darüber beschweren. Die Beschwerde wird 1998 dann aber zurückgewiesen.
Bei meinen Ausführungen hier habe ich mich auf den fotografischen Film und wenige direkt angrenzende Bereiche konzentriert. Fujifilm hat aber auch einige andere Geschäfte gemacht und für sich entwickelt. Zu nennen sind insbesondere ihre Kooperation mit Rank Xerox (Kopierer), der ganze Gesundheitsbereich (aufbauend auf Röntgenfilm, später auch Endoskopie und andere Diagnostik), sowie Computer und Halbleitertechnik. Genau diese Diversifizierung und ihre Fähigkeit sich den Marktbedingungen und -Veränderungen anzupassen, hat Fujifilm als einzigen der großen Fotokonzerne bis heute gerettet. Lange Zeit machte der Umsatz mit Film mehr als 50% aus, heute ist dieser unter 3%. Der Konzern steht heute auf den drei Säulen Health Care, Advanced Materials und Document Solutions. 

Dr. Emil Mauerhoff, 
"Entwicklungshelfer"
bei Fuji Photo Film
In ihrer Firmenchronik (publiziert zum 50. Jubiläum 1984) erwähnen Fujifilm die Hilfe eines deutschen Dr. EG Mauerhof(f), der von April 1934 bis Februar 1935 in Ashigara war und bei den Anfahr- und Qualitätsproblemen mit der fotografischen Emulsion - und damit der ganzen Firma auf die Füße - geholfen hat. Ich habe mich natürlich gefragt, woher der Mann seine Kenntnisse hatte und ob man sonst noch was über ihn finden kann. Nach längerer Suche bin ich endlich fündig geworden: Es handelt sich wohl um Gustav Emil Mauerhoff (*5.5.1895, +? später wohnhaft in Dessau), der Mittelschule und Realgymnasium in Halle besucht hat und 1922 an der Uni Halle in Chemie zum Dr. phil. promoviert wurde. 1926 tritt er als angestellter Erfinder der I.G. Farben (Agfa in Wolfen) in Erscheinung (DRP 468604, DRP 468171) mit genau den Themen, die für Fujifilm später wichtig werden würden. Ob die IG Farben ihn 1934 auf die lange Dienstreise nach Japan entsandt haben, oder ob er das Abenteuer auf eigene Rechnung als unabhängiger Berater durchgeführt hat, ist eine spannende Frage, die leider hier unbeantwortet bleibt.

Bei KniPPsen weiterlesen Kleinbildfotografie aus der Filmperspektive, Filmhersteller (Teil 1), Filmhersteller (Teil 2), Filmhersteller (Teil 4, sonstiges Europa),  Fujica ST-801, Fujinon Zoom, Fujica Rapid S2, Konica TC-X, Konica FS-1, Konica C35V, Konica C35AF,
Links Konica (Camera-wiki), Fujifilm History (englisch), Fuji Photo Film Co., Ltd. (50 year history, Japanisch, google translate verwenden), photoguide.jp-1920ies