2014-03-18

Praktica LTL3

Das hier ist die erfolgreichste deutsche Nachkriegs-Spiegelreflex, jedenfalls was die verkaufte Stückzahl angeht. Allerdings darf man es mit der Modellbezeichnung nicht ganz genau nehmen, denn die Kamera wurde von 1969 bis 1989 unter mindestens 15 Bezeichnungen, mit stetigen minimalen technischen Änderungen (Verbesserungen sowie später Verschlechterungen) über 3,6 Millionen gebaut. Ich spreche hier "nur" über die LTL/DTL/MTL-Serie, technische Spezifikation siehe Tabelle unten. Nimmt man die anderen gleich aussehenden,  besser oder schlechter ausgestatteten Schwestermodelle der L-Serie mit dazu waren es sogar über 4,8 Millonen. Keine andere deutsche Spiegelreflex hat jemals solche Stückzahlen erreicht. Aber dazu mehr in einem zukünftigen Post.
This is the most successful German post-war SLR, at least according to its production numbers. However, one need to take liberties with the model's type indentifier: The camera has been built from 1969 to 1989 under at least 15 names, with steady minimal technical changes (improvements and deteriorations later), and more than 3.6 million times. I'm only talking about the LTL / DTL / MTL types, for technical specifications see table below. Taking the other similar looking, better or worse equipped sister models of the L-series into account, there were together even more than 4.8 million bodies. No other German SLR has ever achieved such numbers. But more about that in a future post.

Typenbezeichnungen und Produktionszahlen der Praktica L-Serie. Die verschiedenen Generationen unterscheiden sich manchmal nur in äußeren Details wie Belederung, Auslöseknopf, Rückspulkurbel. Details siehe hier.
Type identifiers and production numbers of Praktica's L series. The generations sometimes only differ in
external features like leatherette, shutter release button or rewind crank. Details see here.
Als die Kamera als LTL 1969 das Licht der Kamerawelt erblickte war sie technisch auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb. Aufbauend auf den Praktica-Kameras der 50er und 60er Jahre, die das M42-Schraubgewinde sogar in Japan populär gemacht haben, orientierte man sich am erfolgreichsten SLR-Design der 60er: Pentax Spotmatic SP, deren Feature-Set ist nahezu identisch. Und die gleichzeitig auf dem Markt erschienene Schwester LLC war gar die allererste Kamera mit elektrischer Blendenwertübertragung zwischen Wechselobjektiv und Gehäuse und ermöglichte damit die Offenblend-TTL-Messung.
When the camera (as the LTL) was launched in 1969 it was technically on par with its competition. Building on the Praktica cameras of the 50s and 60s, which made ​​the M42 screw mount popular even in Japan, Pentacon geared the camera to the most successful SLR design of the 60s: Pentax Spotmatic whose feature set is almost identical. At the same time they launched their top-model LLC being the very first camera with electric aperture value transmission between lens and body, thus even allowing full aperture TTL metering. 

Bis Mitte der 70er Jahre konnte man technisch noch einigermaßen mit der japanischen Konkurrenz mithalten, der Zeitautomat EE2/EE3 beweist es. Die westdeutsche Kameraindustrie lag da schon am Boden. Doch auch beim VEB Pentacon bröckelt es. Technisch passiert ab 1978 bei der L-Serie nichts mehr und in den 80ern konzentrieren sich die technischen Änderungen auf Vereinfachungen und man baute eigentlich nur noch dieses Modell und das auch immer schlechter. Mit der moderneren B-Serie versucht man immerhin noch bis Anfang der Neunziger am Markt mitzuhalten.
Until the mid-70s Pentacon technically kept up reasonably well with the Japanese competition, the aperture priority models EE2 / EE3 prove this. The West German camera industry was already in a sorry state at this time. But even with the VEB Pentacon it started to crumble. From 1978 on and throughout the 1980s, technically the L-series did not improve at all. Technical changes focused on simplification and they actually built only this one model and it even got worse over time. In the beginning of the 90ies they at least tried to keep up on the market with the more modern B-series.

Die Kamera kostete in der DDR ca. 780 Mark, ein Monatslohn eines Facharbeiters, die spätere B-Serie gar 2300 M. Pentacon exportierte aber auch viele ins kapitalistische Ausland, oft unter anderen Handelsnahmen wie Revueflex (Foto Quelle) oder Hanimex (USA), mehr dazu hier. In der alten Bundesrepublik war die Firma Beroflex exklusiver Vertriebspartner. Die Kameras kann man an einem Aufkleber im Patronenraum identifizieren, der nebem dem jeweiligen Beroflexbüro (20 = Hamburg) auch das Jahr verrät (670 = 1976, siehe Link).
Mein Modell hier bekam ich von einer Freundin geschenkt. Weihnachten 1976 tauschte sie das Weihnachtsgeld ihrer Großeltern in einem Fotogeschäft in Hamm gegen diese Kamera und hat bis Mitte der 80er viel und gern damit fotografiert. Ich muss zugeben, dass ich Praktica bisher nie ganz ernst genommen hatte. Ihr Image in Westdeutschland war nie besonders gut, hier wurden in den 70ern und 80ern hauptsächlich Japaner gekauft, auch von mir. Praktica kam auf einen Marktanteil bei den Spiegelreflexen von ca. 5%. Erstaunt war ich, bei meinen Recherchen jetzt zu lesen, dass Pentacon insbesondere in England und Holland sehr erfolgreich war. Praktica's Marktanteile erreichten dort zeitweise 30%. Meine Sammlung hat jedenfalls jetzt eine wichtige Kamera mehr, die  im Regal neben ihrer Dresdner "Großmutter" Kine Exakta steht.

In East Germany (GDR) the camera cost 780 Mark, about a monthly wage of a skilled worker, the later B-series even 2300 M. Pentacon also exported quite a bit to western capitalistic countries, mostly using different trade names such Revueflex (Photo Quelle) or Hanimex (USA), more details here. In former West Germany, Beroflex was Pentacon's exclusive distributor. The cameras can be identified by a sticker in the cartridge space. Beside the respective Beroflex office (20 = Hamburg) it tells the year of production (670 = 1976, see link).
My model here I got from a friend. She received it as a Christmas gift from her grandparents in 1976, used it until the mid-80s and liked it a lot. I must admit that I had never taken Praktica seriously. Their image in West Germany was never particularly well, the West Germans mainly bought Japanese cameras and so did I. Praktica held a SLR market share of approximately 5%. I was surprised to read during my research that Pentacon was quite successful in other western markets, especially in England and The Netherlands. Praktica's market share reached 30% there temporarily. My collection certainly got a major addition, it sits in the shelf beside her "grandmother" Kine Exakta.

 
Datenblatt Mechanische KB-Spiegelreflexkamera mit Nachführbelichtungsmessung
Objektiv M42x1 Gewinde für Wechselobjektive. Standardobjektiv: Pentacon auto 1.8/50
Verschluss Vertikaler Metall-Lamellenverschluss, 1s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation 1/125s.
Belichtungsmessung CdS-Zelle, TTL-Messung (nur) bei Arbeitsblende nach Aktivierung durch Abblendhebel. Nachführmessung mit Nadelanzeige im Sucher. Empfindlichkeitseinstellung 12-1600 ASA.
Fokussierung SLR, Fresnellinse und Mikroprismenraster, nicht auswechelbar.
Sucher Spiegelreflex, s.o.
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh (X), keine Synchronbuchse. 1/125s Synchronzeit.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel, automatisches (Pentacon SL) Filmladesystem.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Selbstauslöser, Abblendtaste (aktiviert Belichtungsmessung), Stativgewinde.
Maße, Gewicht ca. 147/97/53 mm, 590 g
Batterie 1.35V PX-625 (nur Belichtungsmesser).
Baujahr(e) 1975-1978 als LTL3
1969-1989 in mind. 15 technisch sehr ähnlichen Varianten, manche ohne Selbstauslöser, am Ende z.T. nur 1/500 s. Zusammen 3.6 Mio Exemplare
Kaufpreis, Wert heute £120.64(UK), $189(US), ca. 750 DDR-Mark, ca. 350 DM (1976 mit 50mm f/1.8), heutiger Wert ca. 15 €
Links Reparaturanleitung, Mike's Praktica Collection, Bedienungsanleitung, Wikipedia, Dresdner Kameras, Praktica Museum

2014-01-25

George Eastman House

Vor dreieinhalb Jahren stand ich noch vor verschlossener Tür (es war ein Montag), gestern bin ich endlich drin gewesen. Das George Eastman House in Rochester, NY ist das älteste Fotografie-Museen der Welt und ich haben den Ehrgeiz soviele Fotomuseen wie möglich zu besuchen. Es befindet sich nicht auf dem (ehemaligen) Kodak Werksgelände (wie z.B. das Agfa/Orwo Museum in Wolfen) sondern in George Eastman's feudalem Wohnhaus in einem alten Wohngebiet Rochesters. Man kann fast das ganze Haus inklusive Garten und Wintergarten besichtigen und so einen Eindruck davon bekommen, wie einer der wohlhabendsten Fabrikanten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt hat. Über Fotografie erfährt man so nebenbei etwas, im Haus selbst steht sie nicht im Mittelpunkt. Im modernen Museumsanbau ist das anders, hier lag mein Fokus natürlich auf der Kamerasammlung...  

Leider wird davon nur die Spitze des Eisbergs ausgestellt. In einem ca. 50m2 großen, fensterlosen Raum gibt es ca. 8 Vitrinen, die natürlich hauptsächlich Kodaks Beitrag zur Kamerageschichte beleuchten (z.B. Kodak Brownies). Zwei Vitrinen sind aber auch Meilenstein-Kameras anderer Hersteller gewidmet, siehe Fotos. Besonders befriedigt hat mich, dass meine kleine bescheidene Sammlung schon einige dieser Meilensteine aufweisen kann (z.B. Canon AE-1, Konica C35AF, Minolta Maxxum, Rolleiflex, Nikon F, ...)


Ansonsten war ich etwas entäuscht. Inhaltlich könnte das Museum deutlich mehr aus dem Fundus rausholen und mehr zeigen. Auch die Filmherstellung selbst, eigentlich Kodaks Brot-und-Butter-Geschäft wird nur angerissen. Auf der positiven Seite gibt einen netten (unvermeidlichen) Museums-Shop mit angeschlossenem Cafe. Ein Besuch lohnt das Museum aber nur, wenn man sowieso in der Gegend ist, die Niagara-Fälle sind z.B. nur eine Autostunde entfernt.


Wer sich einen Überblick über die Kamerasammlung  des George Eastman House's verschaffen will (nicht nur die paar ausgestellten Highlights, sondern ausgewählte 500), dem sei Todd Gustavson's Buch darüber empfohlen (Klick aufs Bild...). Das Buch hatte ich allerdings schon lange vor meinem Besuch.

2014-01-08

Yoshihisa Maitani

Yoshihisa Maitani bei einem Interview 1983
Es gibt oder gab Tausende Kameramodelle von Hunderten von Kameraproduzenten, aber nur ca. 2 Dutzend Kamera-Designer sind mit Namen bekannt. Läßt man dann noch die frühen Pioniere weg, bleiben eine Handvoll herausragende Personen in diesem Segment übrig, an die ich hier kurz erinnern will und sukzessive in meine Fotopionierliste aufnehmen werde. Mein persönlicher Favorit aus dieser Auswahl heißt Yoshihisa Maitani. Er wäre heute 81 Jahre alt geworden und hat der Fotowelt gleich vier unterschiedliche Kamerahighlights beschert, die ich alle in meiner Sammlung habe!
An Maitanis Lebensweg ist schon ausführlich bei seinem Tod vor fünf Jahren erinnert worden. Ich will das alles hier nicht noch einmal wiederholen. Er ist meines Wissens auch der einzige Kameradesigner mit einer eigenen Fanpage, die fast umfassend über ihn und seine Kameras berichtet. Auch auf den offiziellen Olympus-Seiten im Netz findet sich ein ausführlicher Vortrag, den Maitani selbst im Jahr 2005 gehalten hat (Teil 1: PEN und PEN F, Teil 2: OM-1 bis XA ). Was ihn als Kameradesigner aus der Masse heraushebt, ist die Tatsache, dass bei allen vier herausragenden Designs die Funktionalität im Zentrum stand und dennoch höchst ästhetische Kameras entstanden sind. Er hat dabei vor technisch ungelösten Hürden nicht kapituliert, sondern durch deren Lösung dem Kameradesign neue Freiheitsgrade beschert.

2013-12-24

100000 Besuche...


Für die ersten 50000 Besuche habe ich 26 Monate gebraucht, für die zweiten nun nur 14 Monate! Und dass ich die 100000 genau am Heiligen Abend reiße, ist ein besonderes Highlight. Viele andere Blogs lachen über solche Zahlen, ich selbst bin aber einigermaßen stolz über ca. 100 Besuche pro Tag. Danke für's Vorbeischauen! Zum Jubiläum gab's einen neuen Header, hat das jemand bemerkt?

Nun sind 18 der bisher 217 Posts in englisch, die Quote ist sogar seit den 50000 zurückgegangen, obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, noch mehr "international" zu publizieren. Nun, mal sehen. Frohe Weihnachten!

2013-12-10

Verschlusszeitentest (2)

Neulich wollte ich mal wieder die Verschlusszeiten einer meiner Kameras testen (Petri Automate, ich hatte den Verschluss gereinigt und überhaupt erst wieder gangbar gemacht), da versagte mein Verschlusszeitentester, eine Lötstelle war gebrochen. Natürlich hätte ich den Lötkolben rausholen können, aber ich hatte in dem Moment keine Lust dazu. Ich hatte nämlich eine Idee! Warum nicht meine Digitalkamera als Referenz verwenden, eigentlich sollten deren Verschlusszeiten 100%ig genau sein (bewiesen habe ich das bisher nicht). Ich habe also erste vielversprechende Tests gemacht und dann per googlen festgestellt, dass auch andere diese Methode schon angewendet haben. Dennoch hier nochmal kurz meine Methode in zwei verschieden komplizierten Ausprägungen.

Aufbau und Technik
Man benötigt eine Digitalkamera, bei der man die Verschlusszeiten manuell einstellen kann, außerdem ist für Methode 1) die Anzeige des Histogramm auf dem Kameradisplay Voraussetzung. Ein Objektiv braucht die digitale nicht, es geht sogar besser ohne. Ich habe aus einem Zwischenring, einem UV-Filter, etwas Pappe und schwarzem Isolierband einen Adapter gebastelt, der es erlaubt die Kamera ohne Gefahr für den Sensor an die Stelle des Films der Testkamera zu halten, und das fast lichtdicht. Die Fotos links von Adapter und Kameranordnung sollten genügen, so etwas entsprechend nachzubauen.

Kalibrieren 
Bevor man Verschlusszeiten messen (eigentlich: vergleichen) kann heißt es eine Kalibrierreihe aufnehmen.  Dazu bringt man die Kameras in Messanordnung und stellt den Verschluss der Testkamera auf "B". Dann nimmt man eine Reihe von (möglichst unscharfen) Fotos einer gleichmäßig ausgeleuchteten Fläche auf. Dazu wählt man die Sensorempfindlichkeit, Ausleuchtung und Blende der analogen Testkamera so, dass bei einer mittleren Verschlusszeit an der Digitalkamera (z.B. 1/60 Sekunde) die Belichtung stimmt. Das ergibt als Bild eine mittelgraue Fläche mit einem Helligkeitswert von ca. 127 (0 ist Schwarz und 255 Weiß, zu ermitteln mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop oder Gimp und vielen anderen). Wenn man jetzt eine Verschlusszeiten-Reihe aufnimmt, erhält man eine Kurve wie meine ganz oben. Wie man sieht ist die Kurve im mittleren Bereich über ca. 3 Blendenstufen linear, was man wunderbar für meine Methode zur Bestimmung der wirklichen Verschlusszeit ausnützen kann.

Messen 
Die eigentliche Messaufnahme geht dan andersherum: Man schließt zunächst den Verschluss der Testkamera, stellt die Digitalkamera auf 1 oder 2 Sekunden. Dann löst man erst diese aus und kurz darauf die Testkamera mit der zu testenden Verschlusszeit. Den Grauwert des resultierenden Fotos vergleicht man dann mit den Grauwerten der Kalibrierreihe und ermittelt so die tatsächliche Verschlusszeit (nicht absolut, sondern im Vergleich zur Digitalkamera). Hierzu gibt es wie gesagt (mindestens) zwei Methoden:

Auswerten (1), die Quick'n'Dirty Methode
Man klebe eine transparente Folie (z.B. Displayschutzfolie) auf das Kameradisplay und anhand der angezeigten Histogramme der Testfotos kann man mit einem Folienstift darauf markieren, was jeweils Unter- oder Überbelichtung ausmachen. Bei mir sah das so wie auf den Fotos aus. Dann sucht man sich eine Basis-Verschlusszeit aus und stellt Blende und/oder Empfindlichkeit so ein, dass ein mittlerer Grauwert resultiert, sprich das Histogramm zeigt Null. Jetzt werden wie oben beschrieben die Messaufnahmen gemacht, man kann wegen der Linearität 3 Verschlusszeiten zu einer Basis testen (z.B. Basis: 1/60, Test: 1/30, 1/60, 1/125). Man liest nun den jeweiligen Blendenwert für die Messaufnahmen aus dem Histogramm ab und erhält durch Vergleich mit der Basis-Verschlusszeit die tatsächlichen Verschlusszeiten der Messaufnahmen. Den ersten Teil der Formel unten kann man dazu verwenden.  Beispiel: Tb= 1/30 s, Sollzeit: 1/25s (z.B an meiner Petri). Messaufnahme zeigt 2/3 Blendenstufen Überbelichtung, ergibt (1/30)*2^(2/3)= 1/19 s.
Formel (1): Verschlusszeit Tx in Abhängigkeit von Basis-Verschlusszeit
und Belichtungsdifferenz B in Blendenstufen. H sind die jeweiligen
Helligkeitswerte im Histogramm und k die Steigung der Kalibriergerade.
Auswerten (2), die Bildanalyse-Methode
Das Ganze kann man natürlich auch etwas genauer und ohne Folienstift haben. Per linearer Regression bestimmt man die Steigung k der Geraden, die den Zusammenhang zwischen Belichtungsdifferenz und Helligkeitswert im mittleren Bereich der obigen Kurve beschreibt (Kalibrierung mit den bekannten Verschlusszeiten der Digitalkamera). Formel (1) gibt dann die Verschlusszeit der Testkamera Tx beim entsprechenden Helligkeitswert des Testbildes Hx. Mit Excel kann man das wunderbar automatisieren.

Eine kleine Fehler-Betrachtung
Die ganze Methode funktioniert natürlich nur, wenn die Digitalkamera tatsächlich exakte Verschlusszeiten liefert. Ich sehe allerdings keinen Grund daran zu zweifeln. Ich habe meine mit einem Handbelichtungsmesser verglichen und bei LW12 sagen beide das selbe. Wenn man darauf achtet, dass das Referenzbild tatsächlich ein mittleres Grau (H=127) hat und die eigentlichen Messungen Grauwerte zwischen ca. 64 und 200 aufweisen (linearer Bereich), dann halten sich die Fehler in recht engen Grenzen. Die größte Ungenauigkeit kommt wohl von ungleichmäßiger Ausleuchtung des Bildes, bzw. Vignettierung zu den Rändern hin. Dies führt zu einer mehr oder weniger breiten Helligkeitsverteilung im Histogramm und nicht zu einem einzelnen Wert. Man kann aber in Methode (1) die Spitze des Histogramms verwenden und in Methode (2) einen Helligkeitswert aus dem Bildzentrum verwenden. Für die Quick’n’Dirty Methode würde ich mal aus der Hüfte eine Genauigkeit von etwa einer 1/3 Blendenstufe abschätzen, für die Bildanalysemethode je nach Aufwand bis zu 1/20 Blendenstufe (5%). Interessanterweise ist das unabhängig von der eigentlichen Verschlusszeit und damit komplimentär zur absoluten Methode mit Diode und Oszilloskop/Soundkarte. Diese ist sehr genau bei langen Verschlusszeiten, weil der absolute Fehler abhängig ist von der Auflösung des Oszilloskops. Relativ gesehen wird dieser Fehler bei kürzer werdenden Verschlusszeiten immer größer. Bei der hier beschriebenen Methode ist der relative Fehler immer gleich und damit ist sie für die kurzen Zeiten besser geeignet als die andere und für die langen Zeiten immer noch gut genug.

Messergebnisse Petri Automate

Wie man sieht, ist das alte Schätzchen nur bei den langen Zeiten akurat, schon ab der 1/10 sec wird regelmäßig überbelichtet. Aber wenn man bedenkt, dass sie noch vor kurzem gar nicht auslösen wollte, doch recht gut. 

2013-12-02

Olympus XA


Hier mal wieder ein echter Meilenstein der Kamerageschichte. Der vierte Geniestreich von Yoshihisa Maitani nach Olympus PEN (1959), Olympus PEN F (1963) und Olympus OM1/OM2 heißt Olympus XA. Das Ding sieht zumindest in geschlossenem Zustand so gar nicht wie eine Kamera aus, ist aber die kleinste Messucher-(!) Kamera für das Kleinbildformat und hat dabei noch einiges an Features eingebaut. Das Design ist konsequent auf Jacken- oder sogar Hosentaschentauglichkeit ausgelegt, die stabile Kunststoffhülle läßt keinerlei Bereitschaftstasche vermissen und der ovale Objektivschutzschieber schmeichelt im geschlossenen Zustand den Händen. 
Maitani hat trotz der vorgegebenen Kompaktheit, die Zeit seines Designerlebens erklärtes Ziel war, eigentlich kaum Kompromisse gemacht. Das Objektiv durfte trotz 35 mm Brennweite bei f/2.8 nicht aus der nur 39.5 mm tiefen Kamera herausragen, von Filmebene bis Frontlinsenspitze wurden es am Ende sogar nur 33.6 mm. Eine harte Nuss, die Olympus' Objektivdesigner Toshihiru Imai und Yoshisada Hayamizu durch eine "reverse Retrofokus"-Konstruktion lösten. Es war das erste Mal, dass so etwas für ein Weitwinkelobjektiv verwendet wurde. Um dennoch exzellente Abbildungseistungen zu erzielen, mussten hochbrechende Gläser her. Das Ergebnis überzeugt, wie z.B. dieser Test beweist. Damit nicht genug: Wegen des Objektivschiebers durfte sich natürlich auch nicht der Auszug beim Fokussieren verändern. Innenfokussierung war die Lösung, die XA war die erste kommerzielle Kamera, bei der dieses Prinzip in einem eingebauten Objektiv angewendet wurde. 

Olympus schärfster Wettbewerber war die Minox 35 Serie, die tatsächlich kleinste Vollformat-35 mm Kamera, allerdings ohne Messucher! Olympus brachte im Laufe der Jahre noch weitere XA-Modelle, um im Wettbewerb zu bestehen, was durchaus gelang. Interessanterweise sind die "Nachfolger" XA1 bis XA4 allesamt schlechter ausgestattet als die originale XA. Kein Modell hatte mehr den Messsucher und auch die Objektivkonstruktion wurde einfacher. Die XA1 war ein seltsamer Rückschritt in die 60er Jahre mit Selenzelle, ein Einstiegsmodell mit alter EE-Technologie im XA Gehäuse. Die XA2, später zur XA3 upgegraded war das kommerziell erfolgreichste Modell. Die XA4 hatte ein 28mm Weitwinkel und eine Naheinstellgrenze von nur 30 cm und wurde konsequent als Makro-Kamera beworben. Alles das kann man auf DER XA Website nachlesen, auch hier nimmt die einzig wahre, sprich originale XA den meisten Raum ein.


Meine XA habe ich als defekt für $15 auf einem Kamera-Flohmarkt gekauft, ohne Batterie konnte ich dort auch nicht nachprüfen, was alles funktioniert und was nicht. Nach etwas Basteln (es gibt ein Repair-Manual im Netz) und Einsetzen von zwei 675er Hörgeräte-Batterien (funktioniert, die Kameraelektronik braucht >2.2V) habe ich sie inzwischen fotografierbereit. Lediglich das Drehspulelement zur Nadelanzeige der Verschlusszeit im Sucher verweigert seinen Dienst, der Verschluss arbeitet aber anscheinend korrekt. Bei Gelegnheit werde ich mal einen Film verknippsen.

Datenblatt kompakte automatische KB-Sucherkamera
Objektiv F.Zuiko 35 mm f/2.8 (6 Linsen in 5 Gruppen, reverser Retrofokus).
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss, stufenlos 10s bis 1/500s, automatisch nach Blendenvorwahl.
Belichtungsmessung eingebaut(CdS), 25-800 ISO/ASA.
Fokussierung Manuell mit Schieber unter dem Objektiv bis 2.8ft (0.9m), Messsucher als präzise Scharfstellhilfe.
Sucher Messsucher, eingespiegelter Bildausschnitt mit Parallaxenmarkierungen, Nadelanzeige der Verschlusszeit auf der linken Seite.
Blitz externer Systemblitz A11 zum Ansetzen an die linke Kameraseite, Blitzautomatik bei Blende 4 oder manuelle Blendeneinstellung nach Leitzahl und Entfernung.
Filmtransport Daumenrad, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Kombischalter für Gegenlichtkorrektur (+1.5), Batterietest und Selbstauslöser, Stativgewinde, Objektivschutzschieber schaltet Kamera aus.
Maße, Gewicht ca. 102/65/40 mm, 225g.
Batterie 2 x LR44/SR44 oder kompatible (2.2-3V)
Baujahr(e) 1979-1985
Kaufpreis, Wert heute ¥35,800 US$165 300DM (1979), ca. US $50-$150
Links Instruction Manual (E, G, F, S), DIAXA (XA Fan website), Olypedia, Review from Modern Photography 1979, A11 flash manual, XA at Japan Camera Hutner, Matt Denton,Karen Nakamura,Cameraquest

2013-11-28

Konica C35V

Ihre drei Jahre ältere Schwester Konica C35 setzte 1968 Maßstäbe für kompakte Kleinbild-Messsucherkameras mit eingebauter automatischer Belichtungssteuerung. Fotografieren war nie zuvor einfacher und dabei ist das Ding so kompakt, dass man es immer dabei haben kann. Heinz Wasske's Rollei 35 war zwar immer noch kleiner, aber deutlich fummeliger und auch teurer. Konica's Ingenieure schafften es, alles Wesentliche in ein superkompaktes Gehäuse zu packen, das dennoch maximal ergonomisch ist und gar nicht gedrängt wirkt. Schlüssel dafür ist sicher der elektronisch gesteuerte Verschluss, der mit allen Einstelloptionen im Ring um das exzellente Objektiv angeordnet ist. Was natürlich fehlt ist manuelles Eingreifen, nur für's Blitzen kann man die Blende wählen.


1971 entschied sich Konica die Serie in zwei Modelle zu teilen. Als Basismodell kam diese C 35 V (in Japan C35 E&L), man hatte der C35 einfach den Messsucher genommen und durch ein einfaches Entfernungszonensystem ersetzt, außerdem fehlt der Selbstauslöser. Das Topmodell bekam das sog. Flashmatic-System (Leitzahlen-Blitzautomatik) dazu und hieß fortan C35 automatic. Alles das im selben, kompakten Gehäuse. Ende 1972 kam dann zusätzlich die Auto S3 mit 1.8/38 Objektiv, für viele die beste Sucherkamera, die Konica je gebaut hat.

Blick durch den Sucher mit Verschlusszeiten/Blenden-Kombination rechts
und Einspiegelung der Entfernungszone rechts unten in der Ecke.

Ab 1977 wurde mit der C35EF auf ein neues Gehäuse aus Kunststoff und eingebauten Blitz umgestellt. Dies war dann 1978 die Basis für die  Konica C35AF, die erste kommerzielle Kamera mit Autofokus auf dem Markt. Die kompakte Anmutung hatten diese Kameras aber leider nicht mehr. Insgesamt eine überaus erfolgreiche Serie, ich habe leider keine Produktionszahlen gefunden, die das belegen konnten. Nach dem Produktionsende der ursprünglichen C35-Serie haben andere sehr ähnliche Kameras weiterhin angeboten. Vermutlich hatte Konica das Design lizensiert und auch Werkzeuge an die Nachfolger überlassen (z.B. Chinon). 

Als die C35V 1971 für ca. 250 DM auf den Markt kam war sie nicht mehr die einzige japanische Perle dieser Art. Man sehe sich nur die Olympus 35 RC (1970), Ricoh 500G (1971) oder Minolta Hi-Matic F (1972) an. Da sah eine Zeiss Ikon Contessa S310 richtig alt aus mit ihren 330 DM und 100g mehr auf den Rippen, auch wenn man den deutschen Ingenieuren durchaus guten Willen und die richtige Richtung attestieren muss. Die Japaner waren damals eben schon weiter.


Datenblatt kompakte automatische KB-Sucherkamera
Objektiv Hexanon 38 mm f/2.8 (4 Linsen in 3 Gruppen, Tessar Typ).
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss Copal B mat, stufenlos 1/30 bis 1/650s kombiniert mit der Blendenlamellen
Belichtungsmessung eingebaut(CdS), 25-400 ISO/ASA (15-27 DIN).
Fokussierung Manuell am Objektiv (1 m-unendl.) in 3 Zonen, Entfernungszonen-Anzeige im Sucher.
Sucher Optischer Sucher, eingespiegelter Bildausschnitt mit Parallaxenmarkierungen, Anzeige von Blenden-/ Verschlusszeiten-Kombination und Entfernungszone.
Blitz Mittenkontakt (X) im Zubehörschuh.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde.
Maße, Gewicht ca. 112/70/52 mm, 340g.
Batterie 1 x PX-675 (oder entspr. Zn-Luft).
Baujahr(e) 1971-1976
Kaufpreis, Wert heute £41.48 = ca. 250 DM (1974) ca. US $20
Links Instruction Manual (C35, english), Mike Elek, C35 Repair Manual (Explosionszeichnung), Collection Appareils Konica Timeline, Camera-Wiki

2013-11-24

Zeiss Ikon Contessa S310

Diese Kamera war 1971 einer der letzten Versuche vonZeiss Ikon, der deutschen und internationalen Kundschaft das zu geben, was der Markt verlangte. Dabei stammte das Design von Voigtländer, die Mitte der 60er Jahre mit Zeiss Ikon fusionierten. Nachdem Zeiss Ikon 1972 die Kameraproduktion in Deutschland einstellte undVoigtländer an Rollei verkauft wurde, produzierten diese die Schwestermodell Voigtländer VF 101 noch bis 1976 in Singapur. Wer wissen will, wie diese Kamera(s) von innen aussehen, kann sich dieses sehenswerte YouTube-Videoansehen.
Technisch gesehen hatte die Contessa S310 einiges zu bieten. Immerhin eine Zeitautomatik nach Blendenvorwahl, ein elektronisch gesteuerter Verschluss bis zur 1/500 sec. Dazu ein anerkannt gutes Objektiv (Tessar), wie es mit dieser Brennweite auch in der Rollei 35 zu finden war. Gute Bilder waren also schonmal garantiert. Neben den Features, die jeder erwartet (Blitzschuh, Selbstauslöser, Stativgewinde, Bildzählwerk) gab es als Gimmik einen Super-Info Sucher, mit Anzeige von Blende (oben), Verschlusszeit (rechts) und eingestellter Entfernung (links). Was es nicht gab: die Scharfstellhilfe, die war als Messsucher dem hochwertigeren Schwestermodell S312 vorbehalten.
This camera was in 1971 one of the last attempts by Zeiss Ikon to give the German and international customers what the market demanded. The base design was developed by Voigtländer, who merged with Zeiss-Ikon in the mid-60s. After Zeiss Ikon ceased camera production in 1972, and Voigtländer was sold to Rollei, they kept producing its sister model Voigtländer VF 101 until 1976 in Singapore. If you want to know how these camera(s) look from the inside, view this nice YouTube video.
Technically, the Contessa S310 had a lot to offer. After all, it offered an aperture priority auto exposure mode with an electronically controlled shutter up to 1/500 sec. In addition, a highly regarded lens (Tessar), with a little wider standard focal length of 40 mm, as also found with the Rollei 35. Therefore, good image quality was guaranteed in advance. In addition to the features everyone expects (hot shoe, self-timer, tripod mount, frame counter) there was a Super-Info viewfinder with displays of selected aperture (on top), (automatic) shutter speed (on the right) and set distance (left). Missing: a focusing aid, which was reserved for the high-end sister model S312 and realized as a classic rangefinder.

Am Markt taten sich diese beiden Zeiss Ikon Kameras made in Stuttgart vermutlich schwer. Die Konica C35 war 1968 die erste wirklich kompakte Kamera in dieser Klasse, es folgten mit der Olympus 35 RC (1970), Ricoh 500G (1971)oder Minolta Hi-Matic F (1972) andere attraktive Modelle, die vermutlich alle weniger als die geforderten 330 DM gekostet haben. Mein Favorit aus dieser Serie wäre die Olympus und die kostete zur Markteinführung ¥22,300 (ca. 230 DM). Tja, dem hatte die deutsche Kameraindustrie nichts anderes entgegenzusetzen als Dichtmachen oder die Produktion nach Fernost verlagern, wie einigermaßen erfolgreich von Rollei praktiziert.
Mein Exemplar hier habe ich von der Heilsarmee in Austin, TX über e-bay für nur $23.24 (inklusive Versand) gekauft. Das Ding war ganz schön verstaubt und die vier PX625 Batterien waren auch hinüber. Diese lassen sich aber leicht durch eine Li-123 Zelle ersetzen (man muss nur den roten Batteriehalter mit einem kleinen Schraubenzieher entfernen), und voila, der Belichtungsmesser arbeitete wieder. Nach einer Grundreinigung habe ich also ein funktionierendes Modell für meine Sammlung und ich werde bei Gelegenheit nochmal einen Film damit verschießen...
On the market these two Zeiss Ikon cameras ​​probably had a hard time to find customers. The Konica C35 1968 was the first truly compact camera in this class, followed by the Olympus 35 RC (1970), Ricoh 500G (1971) or Minolta Hi-Matic F (1972). These were very attractive cameras, which all of them probably cost less than 330 DM Zeiss asked for the S310. My favorite in this series would be the Olympus which was launched at ¥ 22.300 (about 230 DM). Well, the German camera industry had nothing to oppose other than shut-down or move production to the Far East, as reasonably successfully practiced by Rollei.
My camera here I got on ebay from the Salvation Army in Austin, TX for only $ 23.24 (including shipping).The thing was pretty dusty and the four PX625 batteries were more than dead. These can be easily replaced but by one Li-123 cell (you just have to remove the red battery holder with a small screwdriver), and voila, the light meter was working again. After a thorough cleaning I have a working model for my collection, and at some point I will shoot a film...

Datenblatt kompakte automatische Sucherkamera
Objektiv Carl Zeiss Tessar 40 mm f/2.8 (4 Linsen in 3 Gruppen).
Verschluss Zentralverschluss Prontor 500 S electronic, stufenlos bis 1/500s (Zeitautomatik nach Blendenvorwahl)
Belichtungsmessung eingebaut(CdS), 25-400 ISO/ASA (15-27 DIN).
Fokussierung Manuell am Objektiv (0.9 m-unendl.), Entfernungszonen-Anzeige im Sucher.
Sucher Optischer Sucher, eingespiegelter Bildausschnitt ohne Parallaxenmarkierungen, Anzeige von Blende und Verschlusszeit sowie Entfernungszone.
Blitz Mittenkontakt (X) im Zubehörschuh.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Selbstauslöser, Batterietest-Taste.
Maße, Gewicht ca. 105/75/55mm, 445g (mit Batterie).
Batterie 4 x PX-625 (nach Umbau: Li 123).
Baujahr(e) nur 1971, daher relativ selten
Kaufpreis, Wert heute ca. 330 DM (1971), ca. US $100
Links Instruction Manual (english), Mike Elek, 35mm-compact.com (französisch), Bedienungsanleitung (deutsch), Collection Appareils, Zeiss Ikon in der Wikipedia

Data Sheet Compact Auto-Exposure Viewfinder Camera
Lens Carl Zeiss Tessar 40 mm f/2.8 (4 elements in 3 groups).
Shutter Leaf shutter Prontor 500 S electronic, continuously up to 1/500s (aperture priority auto-exposure)
Metering CdS cell, 25-400 ISO/ASA (15-27 DIN).
Focussing Manually at the lens (3 feet up to inifinity), distance zone display in viewfinder.
Viewfinder optical viewfinder with image frame, no parallax markings. Displays for shutter speed, aperture and distance zone.
Flash Hot-shoe (X).
Film advance Advance lever, frame counter.
misc. Features ISO-thread for cable release, tripod mount, self-timer, battery test button.
Size, Weight ca. 105/75/55mm, 445g (with battery).
Battery 4 x PX-625 (after conversion: Li 123).
Year(s) of Production only 1971, hence quite rare
Original Price, Today's Value about 330 DM (1971), about US $100
Links Instruction Manual (english), Mike Elek, 35mm-compact.com (französisch), Bedienungsanleitung (deutsch), Collection Appareils, Zeiss Ikon in der Wikipedia

2013-11-22

Halbformat - Half-Frame Format



Mein erster 35 mm Film im Halbformat ist fertig und von Entwicklung und Digitalisieren bei photoplaceonline.com zurück. Fotografiert habe ich natürlich mit meiner Olympus PEN F und dem exzellenten Standard-Objektiv 40 mm f/1.4 (dazu später mal mehr). Ausgewählte Bilder sind hier zu begutachten, einfach auf die Bilder klicken um eine größere Abbildung zu sehen. Das Korn des 400 ASA Kodak Ultramax ist doch schon recht deutlich zu sehen. Das halbe Bildformat bedeutet halt nicht nur doppelt soviele Aufnahmen pro Film, sondern auch doppeltes Korn oder halbe theoretische Auflösung bei gleicher Größe der Abzüge. Unabhängig von der unbestreitbaren hohen Qualität des Olympus PEN F Systems ist dies ein nicht wegzudiskutierender Nachteil, der sicher auch entscheidend dazu beigetragen hat, dass das Halbformat nur eine kurze Blüte erlebte. Die Diskussion um Vor- und Nachteile verschiedener Bildformate ist im Moment aktueller denn je und irgendwie scheint sich Geschichte zu wiederholen. Olympus setzte mit ihrer digitalen PEN Serie und dem 4/3-Sensor (quasi ein Viertelformat) wiedermal einen Trend zu wirklich kompakten Systemkameras. Andere ziehen mit APS Sensoren (so gut wie Halbformat, z.B. Sony NEX, Fujifilm X) nach und schließlich stehen diese Tage sogar recht kompakte Vollformat-Kameras (Sony A7) in den Startlöchern. Wenn deren Preise deutlich nachgeben, werde vielleicht sogar ich schwach. Es gilt eben: Was der Hubraum für die automobile Motorisierung, ist das Bildformat für die Fotografie.
My first 135 film in half-frame format is ready and back from development and digitizing at photoplaceonline.com. Of course I shot it with my Olympus PEN F and the excellent standard lens 40mm f/1.4 (more on this later some time). Selected images can be looked at here here, simply click on the images to see a larger picture. The grain of 400 ASA Kodak Ultramax's quite obvious already. Half the image area does not only mean twice as many frames per film, but also double the grain or half the theoretical resolution (at same sized prints). Regardless of the undeniable high quality of the Olympus PEN F system this is a indisputable disadvantage which certainly contributed decisively to the relatively brief flowering of the half-frame format. The discussion about the advantages and disadvantages of different formats is actually more relevant than ever, and somehow history seems to repeat itself. Olympus continued with its digital PEN series and the 4/3-sensor (more or less a quarter-frame format) and again set a trend towards truly compact system cameras. Others prefer APS sensors these days (more or less half-frame format, eg Sony NEX, Fujifilm X). And finally, there might even come quite compact full-frame cameras (Sony A7). If the prices continue to decrease, maybe even I'll faint. It is just: What the engine displacement for the automobile is the film area for the photograph.

2013-11-14

Olympus PEN F

Mein Projekt PEN ist noch lange nicht abgeschlossen, aber ein gewisser Zwischenstand ist erreicht. Wie ich schon berichtet habe, habe ich aus zwei defekten PEN F eine funktionierende gebastelt, das Standardobjektiv ist auch eingetroffen, ein Belichtungsmesser auch (funktioniert leider nicht) und ich habe den ersten Film "durchgezogen". Das ist sie also, die erste und einzige Halbformat-Spiegelreflexkamera (es gibt natürlich noch ihre jüngeren Systemschwestern in gleichem Gehäuse). Ich habe sie hier mal als Meilenstein der Kamerageschichte gelabelt, auch wenn man darüber streiten kann. Definitiv ist sie ein Design-Highlight, sowohl in technischer (Rotationsverschluss, Porro-Prisma) als auch in ästhetischer Hinsicht. Für mich ist sie aktuell die schönste meiner Kameras (die häßlichste ist hier). Allerdings war Olympus zwar erfolgreich, aber relativ allein am Markt mit ihrem Halbformatvorstoß für kompakte Kameras in den 50er und 60er Jahren. Eigene Patente insbesondere für ihre Flagschiffe der PEN-F Serie verhinderten, dass andere auf den Zug aufsprangen und ein Boom blieb aus. Bei Sammlern erfreut sich die Serie und insbesondere die Objektive heute einer großen Beliebtheit, was die Preise hochhält. Ich selbst bin infiziert, und werde wohl Halbformat und kompakte Kameras zu einem Schwerpunkt meiner Sammlung machen.
mit aufgesetztem System-Belichtungsmesser (CdS)


Datenblatt kompakte Halbformat (18x24mm) SLR
Objektiv Olympus PEN Wechselbajonett, insgesamt 18 Systemobjektive verfügbar. G.Zuiko Auto-S 40 mm f/1.4 (7 Linsen in 6 Gruppen).
Verschluss Mechanischer Rotationsverschluss mit 1 - 1/500 Sek. und B. Blitzsynchronisation mit allen Zeiten.
Belichtungsmessung mit aufsteckbarem System-Belichtungsmesser (CdS).
Fokussierung Manuell am Objektiv, Spiegelreflexsucher mit Mattscheibe und Mikroprismen im Zentrum.
Sucher Spiegelreflex mit Porroprisma.
Blitz Anschluss für Blitzkabel, Aufsteckschuh als Zubehör erhältlich.
Filmtransport mittels Spannhebel, zwei Züge erforderlich.
sonst. Ausstattung Bildzählwerk, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Bajonett zum Aufstecken eines Belichtungsmessers auf's Zeitenrad, Ablendtaste am jeweiligen Objektiv.
Maße, Gewicht ca. 130/70/70mm, 438 (606)g (o/m Objektiv).
Batterie keine, (Belichtungsmesser: PX-625).
Baujahr(e) 1963-1966, insgesamt 190.000 Einheiten
Kaufpreis, Wert heute US$149.90 (1963),  ca. $50 (ohne), $250 mit Objektiv
Links Bedienungsanleitung (english), Claus Marin's Olympus e-book(PDF), Chris Maddock's PEN collection, Frank Mechelhoff's kleine Geschichte des Halbformats,
Yoshihisa Maitani's Artikel über PEN-F design