2012-04-18

Yashica 44

Diese schnuckelige TLR (Twin Lens Reflex, auf deutsch: zweiäugige Spiegelreflex) habe ich neben der Retina und der kleinen Pentax auf der letzten Camera-Show günstig erwerben können. Ich war echt überrascht über den wirklich guten Zustand der Kamera, alles funktioniert, sieht gut aus und es gibt wirklich sehr wenige Gebrauchsspuren. Dabei ist das Ding schon 54 Jahre alt. 
TLR's sind wohl die homogenste aller Kameragattungen. Mich erstaunt immer wieder wie sich verschiedene Modelle auch unterschiedlicher Hersteller sogar im Detail gleichen. Alle scheinen irgendwie ein Nachbau der legendären Rolleiflex zu sein. Barry Toogood hat die meisten in seiner Sammlung und anhand seiner exzellenten Website kann man meine These leicht nachprüfen. 


Yashima Seiki, eine kleine Feinmechanik-Firma aus dem japanischen Nagano, beschloss 1949 in den rasant wachsenden Kameramarkt einzusteigen und TLR schienen der perfekte Einstieg. Schwierige Komponenten, wie Objektiv und Verschluss konnte man quasi komplett zukaufen, das Design stand mehr oder weniger seit 20 Jahren (Rolleiflex), der Rest war schlicht Handwerk. 1953 kam die erste Kamera unter dem Namen Yashica raus, eine klassische 6x6 Kamera für den 120er Rollfilm. 1958 kopierte man recht dreist auch noch die sog. Baby-Rollei (Rolleiflex 4x4 für 127er Rollfilm), inklusive der besonderen grauen Belederung. Als Yashica die Kameras auch noch in die USA und nach Europa zu exportieren begann und nur ca. 40% des Preises verlangte, verklagte Rollei Yashica vor einem US Gericht, langfristig erfolglos.  Yashica änderte zwar daraufhin recht zügig Lackierung und brachte schnell das etwas einfacherere Modell 44A das hochwertigere Modell 44 LM (mit Belichtungsmesser), Rollei konnte aber den Erfolg von Yashica keineswegs bremsen.
Ein Größenvergleich zu einer 6x6 TLR, wirkt ein bißchen wie zu heiß gewaschen...
Yashica baute TLR's übrigens bis 1986 und damit länger als die allermeisten anderen Hersteller. Heute kann man noch die russische Lubitel (für billig Geld) oder auch eine nagelneue Rolleiflex (für teuer Geld) kaufen. An TLR's scheint also was dran zu sein, selbst im digitalen Zeitalter. Fast alles über Yashica's TLR Kameras kann man auch auf Paul Sokk's Seite nachlesen. Interessanterweise listet er die Seriennummern der zur Yashica 44 gehörenden Objektive zwischen 340xxx-345xxx, hier hab ich wohl ein wirklich frühes Modell erwischt (siehe Foto: 333455!). Das mit der Seriennummer hätte er auch schon anhand der im Netz verfügbaren Bedienungsanleitung (333079) wissen können, ich werde ihm mal eine e-mail schreiben.

2012-04-15

Happy Birthday Kodachrome

Am 15. April 1935, also heute vor 77 Jahren kam in den USA der erste kommerziell erhältliche moderne Farbfilm auf den Markt: der legendäre Kodachrome Diafilm. Gelegenheit genug, nochmal auf meine Serie über die Geschichte der Farbfotographie hinzuweisen, die ich letztes Jahr online gestellt habe:

Teil 1: Die Geschichte von Rudolf Fischer und seiner Farbfilm-Idee
Teil 2: Die Kodachrome Story
Teil 3: Agfacolor Neu
Teil 4: Ektachrome und Kodacolor

2012-04-09

Schneider-Kreuznach Retina-Curtagon 28 mm f/4

Dieses Super-Weitwinkel (wie es tatsächlich in der Bedienungsanleitung zur Retina Reflex S heißt) war mit seinen 28 mm das Objektiv mit dem größten Bildwinkel (74 Grad), das es jemals für das Deckel-Bajonett (Kodak und Voigtländer, etc.) gab. Gebaut wurde es in zwei optisch und mechanisch fast identischen Versionen von 1959-1960 (die erste Version ist leicht an der fehlenden Feet-Entfernungsskala zu erkennen) und dann von 1961-1966 in der endgültigen (hier gezeigten Fassung) mit zusätzlich verbesserter nun gelb-bläulich schimmernden Vergütung. Dieses hier kannanhand der Seriennummer auf Juni 1962 datiert werden. Schneider Kreuznach hat dieses Curtagon auch in anderen, z.T. komplett anders aussehenden Fassungen für andere (deutsche) Spiegelreflexkameras gefertigt (Edixa, Exakta, M42, ...). Optisch war's immer das selbe:
This super wide-angle lens (how it actually was called in the manual of the Retina Reflex S) had a focal length of (only) 28 mm and offered the widest angle of view (74 degrees), that was ever available for DKL mount cameras (Kodak and Voigtlander, etc.). It got built in two optically and mechanically almost identical versions. The first version of 1959-1960 is easily identified by the lack of a feet scale. The final version (shown here) from 1961 to 1966 had the feet scale and additionally an improved now yellow gleaming lens coating. The one on the picture can be dated by the serial number to be from June 1962. Schneider Kreuznach produced this Curtagon in other, sometimes completely different looking versions for other (German) SLR manufacturers like Edixa , Exakta , M42 , ... Optically it was always the same:
Die Objektivkonstruktion selbst war aber 1959 nichts außergewöhnliches mehr, sondern eher von anderen abgeguckt. Es handelt sich um eine sog. Retrofokuskonstruktion, d.h. die Schnittweite ist länger als die Brennweite des Objektives. Für Weitwinkel ist dies bei Spiegelreflexkameras nötig, um dem Spiegel genügend Luft zum Hoch- und Runterklappen zu lassen, wurde aber erst seit 1950 in den ersten Kleinbild-SLR-Weitwinkelobjektiven realisiert. Im Allgemeinen wird Pierre Angénieux als der Erfinder dieser Objektivkonstruktion angesehen, ihm bzw. seiner Firma gehörte anfangs auch der Begriff Retrofokus als Markenzeichen. Seine Erfindung geht allerdings auf ein britisches Patent von H. W. Lee (Taylor, Taylor & Hobson, British patent # 355,452 von 1931) zurück, war damals allerdings für Cine-Objektive gedacht. Pierre Angénieux brachte 1950 das Angénieux Retrofocus Typ R1 35 mm f/2.5, 1953 ein 28mm f/3.5 (Typ R11) und schließlich 1957 das 24mm f/3.5 (Typ R51).

Interessanterweise kam 1950 von Carl Zeiss Jena auch das Flektogon 35 mm f/2.8 auf den Markt und begründete die erfolgreiche Flektogonfamilie anerkannt guter Weitwinkelobjektive (z.B. mein 20mm f/2.8), später auch als Distagon(s) von Carl Zeiss in Westdeutschland kopiert. Der wiedervereinige Carl Zeiss Konzern behauptet heute, dass die Erfindung von Harry Zöllner vollkommen unabhängig und gleichzeitig mit Pierre Angenieux gemacht wurde. Beweisen kann das heute wohl niemand mehr. Ich habe ein bisschen in Patentdatenbanken recherchiert: Der Franzose hat zumindest schneller angemeldet als der Deutsche, sein Patent FR1013652 wurde am 17.2.1950 angemeldet, Prof. Zöllner bzw. Carl Zeiss Jena hat damit bis zum 20.12.1953 (DE 953471) gewartet (ggf. hat er aber schon 1950 in der DDR angemeldet, diese Patente sind allerdings erst ab 1981 online recherchierbar). Wie dem auch sei, seit der Zeit gibt es auch für Spiegelreflexkameras ordentlich weite Weitwinkel und der Spiegel klappt noch!
In 1959 the lens design itself was nothing special anymore, Schneider rather copied it from others. It is a so-called Retrofocus design, ie the back focal length is longer than the focal length. For wide-angle lenses this is neccesary on SLRs to give the mirror enough space to flap up and down. This was not realized before 1950 for wide-angle lenses on 135 film SLR's. Generally Pierre Angénieux is regarded the inventor of this lens design, he or his company initially owned the term Retrofocus as a trademark. However, his invention is based on a British patent by HW Lee (Taylor, Taylor & Hobson, British patent # 355.452 of 1931). However, this was at the time intended for cine lenses. In 1950 Pierre Angénieux launched the Angénieux retrofocus type R1 35mm f / 2.5 , in 1953 the 28mm f/3.5 (Type R11) and finally in 1957 the 24mm f/3.5 (Type R51).

Interestingly enough, during 1950 also Carl Zeiss Jena launched its Flektogon 35 mm f/2.8 on the market. With this they founded the quite famous and successful famliy of Flektogon wide-angle lenses (for example, my 20mm f/2.8), later copied by Carl Zeiss in West Germany ("Distagon"). The re-united Carl Zeiss Group now claims that the invention of Harry Zöllner was taken completely independently and simultaneously with Pierre Angenieux. Probably, nobody will ever be able to proof this. I did a bit of research in patent databases: The Frenchman at least acted earlier than the German, his patent FR1013652 filed on February 17, 1950. Prof. Zöllner and Carl Zeiss Jena waited until December 20, 1953 (DE 953 471). Maybe he filed in 1950 in the GDR. These patents are, however, only from 1981 available online). Anyway, since this time SLR users can enjoy super wide-angle lenses together with a flipping mirror.
Zum Deckel mount (oder DKL Bajonett) habe ich schon früher mal geschrieben und ich muss zugeben, dass die Tatsache, dass ich dasSteinheil Cassarit 50 mm f/2.8 besitze, ein Argument dafür war, in die Retina Reflex S und dieses Weitwinkel zu investieren. Zu Hause angekommen, musste ich allerdings feststellen, dass ich das Normalobjektiv nicht an die SLR ansetzen kann, einfach, weil das Konzept mit den Blendenringen an beiden Objektiven verschieden ist (siehe Foto), auch wenn das Bajonett selbst fast (!) identisch ist.
I've already mentioned the Deckel mount (or DKL bayonet) once. I must admit that the fact that I own the f/2.8 Steinheil Cassarit 50mm was an argument in favor of investing into the Retina Reflex S and this lens. At home, however, I realized that I can not attach the standard lens to the Kodak SLR, simply because the aperture ring concepts on both lenses are different (see photo), even if the bayonet itself is almost (!) identical.
Retrofokus jedenfalls hat die Fotografie wirklich einen großen Schritt weitergebracht. Nicht nur, dass wir heute exzellente (wirkliche) Superweitwinkel haben, bei heutigen digitalen Spiegelreflexen sind sogar die Normalobjektive Retrofokuskonstruktionen, da wegen der kleineren Sensoren die Brennweiten kürzer, die Schnittweiten (Auflagenmaß) aber immer noch so groß wie früher sind. Das hat sich erst wieder mit den spiegellosen Systemkameras geändert.
Anyway, Retrofocus pushed photography a big step further. Not only do we now have excellent (real) super wide angle lenses,. In today's DSLR's even the standard lenses are Retrofocus constructions, since the focal length is shorter due to smaller sensors, but the back flange distances are still the same as before. That has only changed again with the recent mirrorless system cameras.

2012-04-07

Kodak Retina Reflex S


Ein Beutestück von meinem letzten Camerashow Besuch und eine wichtige Ergänzung zu all den anderen Kameras, die ich aus der Zeit um den Anfang der 1960er Jahre schon habe. Nachdem die Messsucherkameras in den 50er Jahren technisch den Zenit erlebten, rief der Markt spätestens ab 1957 nach Spiegelreflex-Modellen und viele Kamerahersteller nahmen als Basis eines ihrer Messsuchermodelle und bauten eine Spiegelreflex mit vielen gleichen Teilen (siehe z.B. Nikon mit der SP und der F). So auch Kodak, die ihre High-End Kameras in Stuttgart produzierten ("Made in Germany"), nahm als Basis die Retina IIIc und brachte 1957 die Retina Reflex. Man ahmte damit mehr oder weniger direkt die Contaflex-Reihe von Zeiss Ikon nach.
A nice find from my last Camera Show hunt and an important addition to all the other cameras I already own from the early 1960s. After the rangefinder cameras technically were at their peak in the 50s, the market called for SLR models latest from 1957 on. Many camera manufacturers took their rangefinder models as a basis and built a SLR with many equal parts (see eg Nikon with the SP and F). So did Kodak, producing their high-end cameras in Stuttgart ("Made in Germany"). As a basis, they took the Retina IIIc and modeled it into the Retina Reflex in 1957. More or less they directly followed the Contaflex series of Zeiss Ikon.
Doch schon 1959 folgte mit dieserRetina Reflex S (und parallel als Messsucherkamera der Retina IIIS) ein Modell mit nun gekoppeltem Selen-Belichtungsmesser und "richtigen" Wechselobjektiven. Die erste Retina Reflex hatte nur sog. Satzobjektive, d.h. der hintere Teil des Objektives gehörte zur Kamera und nur die Frontelemente wurden ausgetauscht. Ein relativ bescheidener Kompromiss, sowohl hinsischtlich der erreichbaren optischen Leistung als auch der verfügbaren Optionen bezüglich Lichtstärke und Brennweite. Das änderte sich mit der Reflex S grundsätzlich. Man adaptierte das von der Firma August Deckel entwickelte Bajonett, dass auch in leicht modifizierter Form u.a. von den Firmen Braun und Voigtländer verwendet wurde. Verschieden Firmen boten Wechselobjektive an, für Kodak speziell waren das Schneider Kreuznach und Rodenstock. Die Liste war am Ende 16 Modelle lang vom 28 mm "Superweitwinkel" bis zum 200 mm Tele war alles dabei. Auch konnte man mit etwas Bastelarbeit manche Voigtländer-Objektive verwenden.
However, already in 1959 they added this second model: Retina Reflex S (and in parallel the rangefinder camera Retina IIIS). The new model now had a coupled selenium exposure meter and truely interchangeable lenses. The first Retina Reflex had only set-lenses, ie, the rear part of the lens stayed with the camera and only the front elements were interchangable. A relatively modest compromise, both regarding the achievable optical performance as well as the available options with respect to open aperture and focal length. This changed fundamentally with the Reflex S. Kodak adapted the DKL mount (developed by the company August Deckel) that was also used in a slightly modified form, inter alia, by the companies Braun and Voigtländer. Various companies offered interchangeable lenses, for Kodak specifically these were Schneider Kreuznach and Rodenstock. The list comprises at least 16 lenses, from a 28 mm "Super Wide Angle" to a 200 mm telephoto everything was there. In addition, and with some modification you could use Voigtländer lenses.
Relativ modern wurde der gekoppelte Belichtungsmesser integriert, die Bedienungsanleitung spricht sogar von einer Belichtungsautomatik. Und das ging so: Man wählte eine Belichtungszeit vor und drehte mit der linken Hand unter dem Objektiv ein kleines Drehrad (siehe Fotos unten), womit man den gelben Pfeil mit der Nadel des Belichtungsmessers in Einklang brachte. Wenn man das Zutun des Fotographen ignoriert also fast eine Blendenautomatik, später sagte man richtigerweise Nachführmessung dazu. Alles in allem aber recht praxisgerecht designt. Wenn man auf den Knopf inmitten des Belichtungsmessers drückt und gleichzeitig am Rädchen dreht, verstellt man statt der Blende die Filmempfindlichkeit, pfiffig! Wenn man unvoreingenommen die Kamera heute zum ersten Mal in die Hand nimmt, bemerkt man spätestens nach dem ersten Auslösen, dass der Schnellschalthebel nicht an der Stelle sitzt, wo man ihn gemeinhin vermutet. Der sitzt stattdessen an der Unterseite der Kamera, diesmal nicht besonders ergonomisch.
In a relatively modern way the coupled light meter has been integrated, the user manual even talks about automatic exposure control. And this is how: You choose a shutter time and then turn a knob underneath the lens until the yellow arrow matches the meter needle (see photos below). If the little intervention of the photographer is ignored you could almost call it auto exposure control, later they said correctly Match-Needle exposure. All in all, a quite practical approach. If you press the button in the center of the light meter and simultaneously turn the wheel, it adjusts the film speed instead of the aperture, smart! Very unusual and this time not particularly ergonomic is the film advance lever at the bottom of the camera, a feature this camera shares wit a few other Retinas.
Die Retina Reflex Modelle (nach der S kommen noch die III und das Modell IV) sind zunächst recht erfolgreich. Insgesamt werden fast 800.000 Exemplare gebaut bis auch Kodak in den Strudel der deutschen Kameraindustrie am Ende der 60er Jahre gerät, die einfach zu lange die Konkurrenz aus Japan nich wirklich ernst genommen hat. Die Spiegelreflex-Produktion in Stuttgart wird nahezu parallel zu denen bei Zeiss-Ikon und Voigtländer runtergefahren bzw. konsolidiert, Details hierzu hier. Lediglich die Instamatic Reflex, eine der wenigen SLR für die 126er Kassette wird noch bis 1974 mit dem gleichen Bajonett verkauft.
Initially, the Retina Reflex models (after the S came the III and the IV model) were quite successful. A total of almost 800,000 copies have been built. Eventually, also Kodak got into the maelstrom of the (West-) German camera industry at the end of the 60s. It simply took them too long to take the competition from Japan serious. The SLR production at Kodak in Stuttgart has been ceased almost in parallel to those at Zeiss-Ikon or Voigtländer, details can be read here. Only the Instamatic Reflex, one of the few SLR for 126er cartridges survived until 1974 using the same lens mount.
Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera mit Zentralverschluss
Objektiv Wechselobjektive mit (modifiziertem) DKL Bajonett (Deckel Compur Wechselfassung), Auflagemaß 44.7mm
Verschluss Synchro-Compur Zentralverschluss (hinter dem Objektive) mit 1s - 1/500 s und B.
Belichtungsmessung gekoppelter Selenbelichtungsmesser, Nachführmessung (10-3200 ASA)
Fokussierung Manuell am Objektiv, mechanischer Tiefenschärfeanzeiger. Einstellscheibe mit mit Schnittbildindikator.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher ohne Einspiegelung.
Blitz Buchse für Blitzanschluss an der Kameravorderseite, Umschalter für X und M.
Filmtransport Schnellschalthelbel an der Kameraunterseite.
sonst. Ausstattung Bildzählwerk (rückwärts), Selbstauslöser (10s), Zubehörschuh, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Filmartindikator
Maße, Gewicht ca. 132/98/60 mm, 702g ohne Objektiv
Batterie keine.
Baujahr(e) 1959-1960 (78.000 Exemplare)
Kaufpreis, Wert heute 578 DM oder US$ 235 (1959), US$ 80 bis US$ 200
Links Manual (english), Bedienungsanleitung (deutsch), Camera-Wiki
Data Sheet Leaf Shutter SLR for 135 film
Lens Interchangable lenses with modified DKL mount. Register 44.7 mm
Shutter Synchro-Compur leaf shutter (behind the lens), 1s - 1/500 s and B.
Metering coupeled Selenium cell, match-needle metering, 10-3200 ASA
Focussing Focussing screen with split-image rangefinder, mechanical indicator for depth of view at the lenses.
Viewfinder SLR, fixed penta prism without any additional info displayed.
Flash Socket at the camera front, switch between X and M
Film advance Advance lever at camera bottom
misc. Features Image counter (backwards), Self-Timer (10s), Accessory shoe, ISO thread for cable release, Film type indicator
Size, Weight ca. 132/98/60 mm, 702g w/o lens
Battery none.
Year(s) of Production 1959-1960 (78,000 copies)
Original Price, Today's Value 578 DM or US$ 235 (1959), US$ 80 up to US$ 200
Links Manual (English), Manual (German), Camera-Wiki

2012-03-25

Pentax Auto-110

Auch das darf in meiner Sammlung nicht fehlen: das kleinste Spiegelreflex-System, das je gebaut wurde, leider habe ich auf der Camera Show nur die Kamera und das Standard-Objektiv erstehen können. Sie sieht erstmal aus wie eine Große, ist aber tatsächlich winzig (56mm x 99mm x 45mm (33 mm ohne Obj.) und nur 172 g, alles inklusive Objektiv), wie folgender Größenvergleich mit einer legendären KLEINBILD-SLR zeigt

Dabei war die Penatx Auto-110 nicht die erste Subminiatur-Spiegelreflex, diese Ehre gebührt der russischen Narziss (16 mm Film) vom Anfang der 60er Jahre. Sie war auch nicht die erste SLR zum neuen Pocketfilm 110, das war 1976 die Minolta 110-Zoom, eine relativ große - heute würde man Bridgekamera sagen - mit festeingebauten f4.5 Zoomobjektiv und einem seltsamen externen Belichtungsmesser neben dem Objektiv.   

Die Ingenieure von Asahi Optical K.K. brachten dann aber 1978 mit der Pentax auto-110 ein ganzes System um diese vollwertige Spiegelreflexkamera herum auf den Markt. Vollwertig, wenn man von der Möglichkeit absieht, Blende oder Verschlusszeit manuell einstellen zu wollen. Alles ging automatisch, von der Erkennung welche Filmempfindlichkeit verwendet wurde (80 oder 400 ASA), mittels TTL (!) -Belichtungsmessung wurde der hinter den Objektiven angeordnete Zentralverschluss (bis 1/750 s) gesteuert, dieser spielte gleichzeitig Blende. Programmautomatik nannte man sowas später. Der Rückschwing (!) - Spiegel übernahm gleichzeitig die Aufgabe, kein Licht auf den Film zu lassen (außer bei der Aufnahme natürlich) und mit zwei Schwüngen des Schnellschalthelbels transportierte man den Film weiter und zog den Verschluss wieder auf.
Wie es sich für ein System gehört, gab es einen Winder und ein passendes Elektronenblitzgerät, das mittels einem speziellen Stecker angeschlossen wurde, denn ein normaler Mittenschuh wäre einfach zu groß für die Kamera gewesen. Neben dem 24 mm Normalobjektiv gab es gleich von Beginn an ein 18 mm Weitwinkel und ein 50 mm Portrait-Tele, später kamen dann noch ein 70 mm Tele, ein 20-40 mm Zoom und ein 18 mm Fixfokus-Objektiv, alle mit einer Lichtstärke von 2.8, weil die Blende ja in der Kamera hinter den Objektiven saß. Blickt man durch den Sucher beeindruckt das helle und groß wirkende Sucherbild, man meint durch eine KB-SLR zu blicken!

Wer noch mehr über diese erstaunliche Kamera wissen möchte, der sei hier auf folgende Websites verwiesen: Steve's auto-110 Seiten, Cameraquest, Rick Oleson's Seite und natürlich die Bedienungsanleitung bei Mike Buktus.
Es gibt eine interessante Parallele zum heutigen Digitalzeitalter: Pentax brachte mit der Q vor kurzem zu aller Erstaunen eine winzige Digitalkamera um einen 1/2.3" Sensor heraus, auch hier die kleinste Systemkamera mit Wechselobjektiven, die es derzeit gibt. Interessant sind die Ausmaße dieser Kamera: 98 x 57 x 31 mm (siehe oben!). Ich habe mir mal den Spaß gemacht hier Oma und Enkel nebeneinander zu montieren...

2012-02-28

Four Thirds Sensoren


Vor ziemlich genau elf Jahren, am 13. Februar 2001 gab es erste Gerüchte um eine Zusammenarbeit zwischen Kodak und Olympus zur Entwicklung eines neuartigen Digitalkamerasystems. Details zum Sensor wie seine Größe und Auflösung wurden schon im Mai 2001 enthüllt und auch Olympus musste daraufhin zumindest ein paar Eckpunkte zum konsequent digitalen Konzept nennen. Mit einer Kamera wurde dann für 2002 gerechnet, aber wie es so kommt gab es erste Muster erst zur PMA 2003 und richtig los mit der Olympus E-1 und dem neuen Four Thirds System ging es erst Ende 2003. Gut Ding will halt Weile haben. 

Aber das System schlug bekanntlich als erstes konsequent digitales Kamerasystem ein und konnte sich neben den beiden Platzhirschen Canon und Nikon, die noch einen analogen Kompromissrucksack mit sich rumtragen etablieren. Olympus war damit zurück auf der Bühne. FourThirds als (semi-) offener Standard bekam ab 2009 durch seinen kleinen Bruder microFourThirds ernsthafte Konkurrenz aus dem eigenen Lager, allerdings um den selben Sensor herum. Der selbe Sensor? In den letzten neuen Jahren gab es schon 7 Generationen dieser 17.3 x 13 mm großen Sensoren, mit natürlich stetig steigender Performance. Kodak war nur am Anfang ein gefragter Partner, wurde aber relativ schnell von Panasonic abgelöst, die mit ihrem LiveMos Sensor vermutlich preiswerter waren und auch mehr bieten konnten (LiveView z.B.).



Ich habe neulich erst realisiert, dass ich alle vier Generationen der bisherigen Panasonic Sensoren hier zu Hause habe, und zwar in der Lumix L1, Olympus E-420, Pen E-PL1 und jetzt auch die Lumix G3. In obiger Tabelle habe ich dann mal die technischen Rahmendaten zusammengetragen, schon eine eindrucksvolle Entwicklung, die natürlich nicht nur die schiere Pixelzahl betrifft, sondern natürlich auch andere wichtige Eigenschaften wie Empfindlichkeit und Rauschverhalten, Dynamikumfang, Farbraum, Auslesegeschwindigkeit und vieles andere wurden verbessert (Für Detials möchte ich auf die guten Reviews z.B. bei dpreview.com verweisen). Das Auflösungsvermögen profitiert natürlich von der gestiegenen Pixelzahl und ich habe hier die Entwicklung nochmal grafisch aufbereitet:
Schon 2001 bei der Vorstellung des 4/3-Konzeptes hieß es, dass in Zukunft 16 MP möglich sein sollten, da sind wir also. Die Frage ist, wie es nun weitergehen wird. Mit der Pixeldichte des gerade heute angekündigten neuen 41MP Sensors im Nokia 808 Smartphone wären jedenfalls für den 2.8 mal so großen FT-Sensor heute schon 115 MP drin. Leider braucht man allerdings auch noch ein Rechenwerk, um solche Datenflut schnell genug auslesen zu können, aber auch das wird prinzipiell in Zukunft möglich sein. Nokias Ansatz die Pixelflut nur intern zur Qualitätsverbesserung zu verwenden find ich sehr clever und ich denke dahin könnte die Reise gehen. Aber auch Lytro's Lichtfeldkonzept zeigt neue Wege auf, mehr Pixel sinnvoller zu nutzen als schlicht immer höhere MP's traditionell zu verarbeiten. Lassen wir uns überraschen.   

Nachtrag vom 6.7.2012: Jetzt ist es offiziell, der Sensor in Olympus' OM-D E-M5 stammt nicht von Panasonic, sondern von Sony. Ob das allerdings in Zukunft so bleiben wird, wo doch jetzt Panasonic beim finanziell angeschlagenen Olympus-Konzern eingestiegen ist, bleibt abzuwarten. 

2012-02-21

Lange Tüte


Am Wochenende stand bei schönstem Wetter ein Ausflug auf den Connecticut River auf dem Programm. Riverquest bietet um diese Jahreszeit geführte Bootstouren zur Beobachtung der dort brütenden Bold Eagle (Weißkopfseeadler), dem amerikanischen Wappentier an. Mir war klar, dass man zwingend ein Tele braucht um überhaupt was aufs Bild zu bekommen und habe als Maximallösung eine richtig lange Tüte zusammengebastelt. Aus dem guten alten Nikkor 180 f/2.8, dem Telekonverter TC-200, einem Nikon F zu FourThirds Adapter sowie dem MMF-2 mFT-Adapter ergibt sich ein 720 mm (KB-äquivalent) mit 5.6er Lichtstärke.


Der Bildwinkel beträgt 3.5°, dennoch kamen wir nicht nahe genug an die Adler heran, um sie damit auch annähernd formatfüllend abzulichten. Beide Beweißfotos hier sind Ausschnitte (quasi per Digitalzoom) und zeigen ein Seeadler Pärchen beim Brüten sowie einen jungen Adler hoch am Himmel. Meine Tochter hatte mit ihrer Lumix G3 und ihrem elektronischen Sucher einfacheres Spiel als ich mit meiner Olympus E-PL1. Scharfstellen ohne Stativ ist bei dieser Brennweite ziemlich schwierig. Zum Glück waren unsere Objekte alle bei Unendlich zu finden.


2012-02-13

Canon PowerShot S400 (Digital Ixus 400)

Diese Woche bekam ich von meiner Kollegin Cynthia ihre erste Digitalkamera geschenkt, nachdem ich ihr am Vortag von meiner Sammelei erzählt hatte. Cynthia schätzte, dass sie diese Kamera vor ca. 15 Jahren gekauft hat, da sie schon seit ca. 4 Jahren eine neue Digitalkamera benutzt und diese hier seitdem im Schrank gestanden hatte. Cynthia hat sich aber verschätzt: Vor 15 Jahren brachte Canon mit der IXUS Serie noch eine Filmkamera (APS!) auf den Markt. Damals noch viel beachtet, da tatsächlich ein Meilenstein in Sachen Kompaktkamera, die sowohl vom Design als auch bezüglich Qualität Maßstäbe in ihrer Klasse setzte. Mit einfahrbarem Objektiv waren die Dinger so groß wie eine Zigarettenschachtel und konnten so immer in Jacken- oder Handtasche mitgenommen werden.
Das selbe konsequente und kompakte Design transformierte Canon dann ab 2000 in die Digitalkamera-Ära und nutze dieselben Namen weiter. In Europa hießen die Kameras (Digital) IXUS, in Japan IXY (Digital) und in Nordamerika kurz (PowerShot Digital) ELPH mit entsprechender Nummer, die erste digitale von 2000 hatte schon dieses Design und einen 2 MP Sensor. Fast im Jahresrythmus folgten Nachfolgemodelle erst mit erweitertem Zoombereich, dann ab 2002 war insbesondere Marktführer Canon mit von der Partie beim großen Megapixelrennen. Am 27. Februar 2003 wurde die 400er hier mit eben 4 MP vorgestellt, also vor ziemlich genau (erst) 9 Jahren, da hatte sich Cynthia aber recht deutlich verschätzt. 


Vom Funktionsumfang unterschied sich Cynthia's erste Digitalkamera fast gar nicht von unserer ersten, weil ebenfalls im Frühjahr 2003 gekauft. Die Canon war vermutlich etwas teurer, hatte aber auch ein paar Kleinigkeiten der Nikon voraus: Zum ersten war sie damals die kompakteste 4MP Kamera mit 3-fach Zoom auf dem Markt, hatte einen leistungsfähigen Li-Ionen Akku und recht geringen Stromverbrauch und als eine der wenigen Kameras damals überhaupt einen Orientierungssensor an Bord. Auch bei der größten Schwäche früher Digitalkameras, der Einschalt- und Auslöseverzögerung hatten die Canon-Ingenieure Bestmarken gesetzt, so dass die Kamera fast nur gute Kritiken einfuhr und auch munter gekauft wurde.

Im Vergleich zu heutigen Kompaktkameras wirkt insbesondere der mit 1.5" winzige LCD-Monitor archaisch, der optische Sucher war damit immer noch ein Muss! Ich habe gerade festgestellt, dass dies die erste Canon Kamera in meiner Sammlung überhaupt ist, beim Kauf der Nikon Coolpix 4300 habe ich mir auch andere Alternativen angeschaut, aber den "Erzfeind" nie in Erwägung gezogen. Eigentlich lächerlich...


2012-01-30

Polaroid Autofocus 660

Vor ca. einem Jahr bekam ich diese Polaroid Sofortbildkamera geschenkt, einfach so für meine Sammlung. Mit dem Posten hier wollte ich warten, bis ich eigene Erfahrungen gesammelt hatte, aber auch das ist längst geschehen (siehe hier). So steht sie nun schon eine ganze Weile neben meinen beiden anderen Polaroids im Regal (die phänomenale SX-70 und die alte Highlander). Im Vergleich ist die 660 sehr simpel, setzt aber sehr konsequent das Polaroidprinzip um, dem Fotografen mit verstecktem Einsatz von Automatik zum guten Bild zu verhelfen.
About a year ago I got this Polaroid instant camera as a gift, just for my collection. I wanted to wait with my posting here until I made some experiences, but even this is long done (see here). It's quite a while now that it is standing on the shelf next to my other two Polaroids (the phenomenal SX-70 and the old Highlander). In comparison, the 660 is very simple. But very consistently it implements the Polaroid principle to help the photographer with hidden use of automatic features achieving great images.
Zusammengeklappt ist sie sehr handlich und bringt mit ihrem stabilen Kunststoffgehäuse auch nicht viel Gewicht auf die Waage (700 g inkl. Filmpack). Bis auf den Auslöser mit der roten Front an der rechten Kameraseite verschwinden alle Bedienelement unter dem heruntergeklappten Blitzteil und auch der Sucher bleibt dunkel. Das nenne ich intelligentes Industriedesign. Anhand der Kameraform kann man den Strahlengang innerhalb der Kamera mit einem Umlenkspiegel erahnen.
When folded, it is quite compact and with its sturdy plastic body it doesn't put a lot of weight on the scale (700 g incl. FilmPack). Except for the red shutter button on the right side of the camera all the controls disappear under the folded-down flash part. Even the viewfinder remains dark. I call that smart industrial design. The outside camera shape let you imagine the optical path inside the camera including the central mirror.
Die Polaroid Autofocus 660 kam 1981 zusammen mit anderen (einfacheren) Kameras auf den Markt, um dem neuen 600er Integralfilm eine Plattform zu geben. Das Filmpack hatte dieselben Ausmaße wie der alte SX-70 Film, war statt ISO 160 aber nun mit ISO 640 vier mal so lichtempfindlich. Per Designphilosophie hat natürlich keine Polaroidkamera einen Regler, um die Filmempfindlichkeit zu verstellen, daher brauchte es "leider" neue Kameras oder einen neutralen Graufilter vor der alten SX-70. Natürlich gab es auch Bastler, die eine alte SX-70 für den neuen Film umrüsten. Der neue Filmpack hat auch eine etwas stärkere Batterie, die auch noch einen Elektronenblitz mitversorgen konnte.
The Polaroid 660 Autofocus was launched on the market in 1981 together with other (more simple) cameras to give the new 600 film a platform. The cartridge had the same dimensions as the old SX-70 film, but instead of ISO 160 it had ISO 640, which means four times the light sensitivity. Of course by design philosophy no Polaroid camera has a control to adjust the film speed, so "unfortunately" new cameras or a neutral gray filter in front of the old SX-70 were needed. Of course there were hobbyists who converted an old SX-70 to the new film. The new cartridge also had a slightly more powerful battery, which also could power the electronic flash.
Die 660 hat als erste der 600er-Serie Kameras Polaroids Sonar-AF-System an Bord, welches nur wenige Jahre vorher an der SX-70 Sonar OneStep Premiere hatte, erkennbar an der goldenen Resonator-Membran. Die Polaroid 660 fokussiert ihr Plastiklinsenobjektiv aber im Gegensatz zur SX-70 per neuartiger Innenfokussierung, wobei sich beim Scharfstellen die Brennweite (unendlich: 116 mm) ändert: 107 mm (ab 3,9 m Motiventfernung), 105 mm (1,5 m bis 3,9 m), 99 mm (0,9 m bis 1,5 m) und 90 mm (0,6 m bis 0,9 m). Ansonsten gibt es als Belichtungsautomatik das sogenannte Light-Managementsystem (der Schieber mit dem schwarzen und weißen Pfeil), welches die Belichtungszeit zwischen 1/4 und 1/200 s regelt. Der Blitz schaltet sich bei schwachem Licht automatisch zu und kann natürlich nicht abgeschaltet werden. Leider funktioniert er bei meinem Exemplar nicht mehr. Wer noch ein bißchen mehr über Polaroids Geschichte lesen will, kann das hier tun.
The 660 was the first of the 600 series cameras which had Polaroids Sonar AF system on board. It just premiered only a few years earlier on the SX-70 Sonar OneStep, and can be recognized by the golden resonator membrane. However, unlike the SX-70 the Polaroid 660 focuses its plastic lens via novel internal focusing, whereby the focal length varies : from 116 mm at infinity, 107 mm (about 3.9 m focal distance), 105 mm (1.5 m to 3.9 m), 99 mm (0.9 m to 1.5 m) down to 90 mm ​​(0.6 m to 0.9 m). In addition, there is a so-called automatic exposure Light Management System (the slider with the black and white arrow), which controls the shutter between 1/4 and 1/200 s. The flash switches on automatically in low light and can not be switched off, of course. Unfortunately, flash doesn't work anymore with my copy. For anybody interested, here is a little more about Polaroid's history.

2012-01-21

Kodak ist pleite



In ihrer Blüte war Eastman Kodak wie Apple heute. Genausowenig wie Steve Jobs den Computer noch den tragbaren MP3-Player erfunden hat, hat George Eastman Film oder Fotokamera entwickelt. Aber beide haben die jeweilige Technologie vereinfacht, Rivalen übertrumpft und neue Marketingwege beschritten. 
Das Eastman Imperium startete am Ende des 19. Jahrhunderts, beherrschte den Fotomarkt im 20. und wird wohl nun am Beginn des 21. mehr oder weniger untergehen. Letzten Mittwoch hat Kodak nach Chapter 11 Gläubigerschutz beantragt. Hauptgrund für die Misere ist wohl der für Kodak zu schnelle Wechsel von Film zu digitaler Fotografie. Beim Film hatte Kodak früher Margen von ca. 70% und hatte mal einen Marktanteil von 90% in den USA.
Diese unglaublichen Profite erlaubten der Firma riesige Summen in Forschung und Entwicklung zu investieren. Ironie der Geschichte ist, dass die ersten Digitalkameras in Kodaks eigenen Laboren entstanden sind und so hat Grundlagenforschung am Ende zum eigenen Untergang beigetragen.
Die großen Gewinne erlaubten Kodak auch großzügig zur eigenen Belegschaft zu sein und auch hier lähmten riesige Pensionsverpflichtungen das Unternehmen Geld in neue Felder zu investieren, was es vielleicht gerettet hätte.


Kodak selbst macht jetzt erst mal weiter. Mit einer 18-monatigen Kreditlinie über 950 Millionen Dollar versucht es die profitablen Geschäftsteile am Laufen zu halten und sich in dieser Zeit neu aufzustellen. Mit Dominic Di Napoli von FTI Consulting hat es dafür einen "Chief Restructuring Officer" benannt. Mitte 2013 wird es also spannend, ob zumindest ein Rumpfunternehmen übrigbleibt und den großen Namen weiterführt.

Im Gegensatz zu Menschen könnten Firmen im Prinzip ewig leben. Die meisten sterben allerdings jung, weil der Konkurrenzkampf hart ist, viele erleben eine Blüte, werden daran dekadent und träge und gehen dann mehr oder weniger schnell unter. So jetzt auch Kodak, die immerhin 132 Jahre höchst präsent am Markt waren, viele Firmen schaffen so eine lange Zeit nicht. Nur wenige Firmen sind in der Lage sich auch in wechselndem Umfeld (immer wieder) neu zu erfinden und so zu überleben. Beispiele sind IBM, Nokia vielleicht und jetzt auch Kodaks größter und eizig verbliebener Rivale Fujifilm.