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2021-02-21

Korelle K


Mein neuestes Schmuckstück für die Vitrine heißt Korelle K und ist eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte kleine Kamera. Die Firma Kochmann aus Dresden brachte sie wohl um Ende 1932/Anfang 1933 als Ersatz ihrer Korelle 3x4 auf den Markt, denn dort tummelten sich schon etliche andere 3x4-Kameras mit fast identischen Spezifikationen und man wollte (und konnte) sich hiermit vom Mainstream abheben. Das "K" steht meines Erachtens für Kino-Film (andere behaupten Kleinbild, Kunststoff könnte auch passen), was das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zu den damals "Kleinfilm" genannten 3x4-Kameras für den 127er Rollfilm war. 
Die Korelle K ist eine der ersten Halbformatkameras (18x24 mm auf perforiertem 35mm Kinofilm), die wie eine "normale" Kamera daherkam und einigermaßen kompakt war. Es gab schon in den 1920ern einige Kameras für dieses beim bewegten 35 mm Film übliche Negativformat. Diese sahen allerdings auch aus wie Filmkameras und waren recht groß und umständlich in der Bedienung (z.B. Roth's Minnigraph oder die Ellison Kamra). Lediglich die sehr seltene französische „Les Cent Vues“ (Mollier, ca. 1925)  kann als Vorbild für die Korelle K gelten. Interessanterweise fand das Konzept erst einmal keine weiteren  Nachahmer. Halbformatkameras wurden erst ab Ende der 1950er in Japan wieder populär, z.B. mit so großartigen Kameras wie der Olympus PEN Serie.

Die Korelle K war aber auch in technischer Hinsicht bemerkenswert. Sie war in keinem der folgenden Punkte wirklich die erste Kamera, gehörte aber jeweils zu den Pionieren und zeigte schon 1932, was erst Jahre später technischer Standard werden sollte. 
  • Da ist das Gehäuse aus Bakelit, dem ersten synthetischen Kunststoff mit Relevanz. Obwohl schon 1907 erfunden dauerte es wegen Weltkrieg und anderen Gründen ca. 20 Jahre bis die ersten Alltagsgegenstände daraus verfügbar waren. Als erste Bakelit-Kamera gilt die QRS-Kamra von 1928, ein seltener Ellison Abkömmling. Die erste in größeren Stückzahlen produzierte Kamera aus diesem Kunststoff war 1930 die Kodak No. 2 Hawkette. Meiner Recherche nach war die Korelle K die erste Bakelit-Kamera aus deutscher bzw. europäischer Produktion. Äußerlich geprägt wie feines Leder fasst sich die Korelle auch heute noch sehr gut an. Abnutzung ist an meinem Exemplar nur an den Metallteilen zu erkennen, das Plastik ist erstaunlich arm an Kratzern und hervorragend erhalten. Meine ist schwarz, es gab sie aber auch in braun bzw. rot-braun

  • Man sieht es der Kamera nicht direkt an, aber es gab Wechselobjektive mit 5, 7.5 und 10 cm Brennweite. Die Kamera hatte Zeit-typisch einen Compur Zentralverschluss, der aus diesem Grund zusammen mit der Blende hinter dem und nicht im Zentrum des Objektivs zu finden ist. Das übliche 3.5 cm Standard-Objektiv sitzt in einem 22mm Gewinde im Verschluss und kann durch einige Umdrehungen einfach abgeschraubt werden. Objektive wurden von Meyer, Schneider, Zeiss und später auch Leitz angeboten. Vermutlich hat die Kundschaft davon keinen großen Gebrauch gemacht: Kameras mit diesen Teleobjektiven sind heute extrem rar und teuer. 

  • Im Gegensatz zu fast allen anderen Zentralverschluss-Kameras am Markt, hatte die Korelle K als eine der ersten von ihnen einen Gehäuseauslöser.  Gekoppelt mit dem Filmtransport konnte so eine Doppelbelichtungssperre realisiert werden. Dabei entsperrt der Filmtransport den Auslöser nur, spannt aber leider nicht gleichzeitig den Verschluss. Vergisst man dies und drückt dann den Auslöser, erzeugt man leider ein leeres Negativ, weil der Auslöser wieder gesperrt wird und man den Film (ohne Aufnahme) transportieren muss, um ihn wieder zu entsperren. Trotzdem ein Fortschritt, der sich in den 1930er Jahren und dann besonders in den 50ern als Standard durchsetzt.

  • Und dann war da natürlich der Kino-Film, der zusammen mit dem kleinen Negativformat die für diese kompakte Kamera unglaubliche Anzahl von bis zu 100 Aufnahmen pro Filmladung ermöglichte. Es wurden spezielle Patronen mitgeliefert, die vom Fotohändler oder dem Fotografen selbst mit loser 35mm Kinofilm Meterware befüllt wurden. Das war damals auch bei der Leica und der im gleichen Jahr wie der Korelle erschienenen Contax I üblich. Jeder Hersteller hatte eine eigene spezielle Kassette. Erst 1934 erschien mit der Retina Kodak's 135er Kassette. Diese wurde zur Norm, weil sie vor-konfektioniert verkauft wurde und in alle Kameras passte. Zum Glück auch in die Korelle K!
Auf mein eigenes Exemplar habe ich lange gewartet. Die Kamera ist relativ selten, ich vermute nur wenige Tausend Stück, die von Ende 1932 bis ca. 1935 produziert und verkauft wurden. Daher und auch wegen ihrer interessanten Features erzielt sie ordentliche Sammlerpreise. Ich habe also viele der relativ seltenen e-bay Auktionen ziehen lassen müssen und nun recht günstig zuschlagen können. Meine Kamera ist, wie man an den Bildern sieht, super erhalten und funktioniert auch zu 100%. Lediglich der Fokus-Schneckengang ist recht schwergängig und die Filmkassette bzw. Aufwickelspule fehlen. Allerdings passt ja die 135er Patrone und ich habe mir schon eine Aufwickelpatrone gebastelt, sodass ich demnächst mal einen Film riskieren werde. 
Nur die Sache mit dem Filmtransportknopf hat mich zunächst verwirrt: Auf allen offiziellen Darstellungen (Katalogseiten, s.u.) ziert die Kamera ein flacher Knopf, während fast alle Fotos von Kameras den breiten Knopf wie meine zeigen. Die Lösung ist vermutlich simpel: Schraubt man mit den beiden Schräubchen den breiten Knopf ab, kommt darunter der flache zum Vorschein. Ich glaube, dass der breite Knopf wie auch die metallene Kappe auf dem Bildzählwerk es erst im letzten Moment in die Serienproduktion der Kamera geschafft haben. Daher haben sie alle Serienkameras, die Katalogdarstellungen wurden aber von einem Prototypen genommen.   

Datenblatt Frühe Halbformatkamera 18x24 für 35mm-Film in modernem Design. Erste Bakelit-Kamera aus Europa.
Objektiv Carl Zeiss Tessar 3.5 cm f/2.8 (#1415228), auswechselbar über Gewinde. Weitere Objektive erhältlich: Meyer Trioplan 2.8/3.5, 2.8/5 und 2.8/7.5 cm; Tessar 3.5/3.5, 3.5/7 cm; Schneider Xenar 2.9/3.5, 3.5/3.5, 3.5/5, 3.8/7.5, 3.8/10 cm; Leitz Elmar 3.5/3.5, 3.5/5, 4.5/7.5 cm.  
Verschluss Compur T-B-1-2-5-10-25-50-100-300, später auch mit Compur Rapid (1/500 s), Verschluss und Blende hinter dem Objektiv. Compur #2487320
Fokussierung Schneckengang, Verschieben des ganzen Objektivs. Naheinstellgrenze 0.5 m
Sucher optischer Newton-Sucher
Filmtransport Drehrad, Transport entsperrt Gehäuseauslöser, Filmvorschub in aufnehmende Filmpatrone, keine Rückspulung! Filmzählwerk, automatisch vorwärts zählend bis 100, manuelle Rückstellung
sonst. Ausstattung Stativgewinde 3/8'', Drahtauslöseranschluss, Tiefenschärfetabelle aus Metall. Als Zubehör gab es spezielle Filmkassetten und Aufwickelspulen, sowie einen Objektivdeckel aus Bakelit.
Maße, Gewicht Bakelit-Gehäuse: 90x32x56 mm, Kamera gesamt: 90x54x65, 338 g (mit Film)
Baujahr(e) 1932-1935, diese hier laut Objektivseriennummer von 1932
Kaufpreis, Wert heute 130 RM (mit Tessar f/2.8), ca. 300 €, rote erzielen höhere Preise. Solche mit den Teleobjektiven sind sehr wertvoll.
Links Pacific Rim Camera, Camera-Wiki, EarlyPhotography, Half-frame cameras
Korelle K im Photo Porst Katalog, 13. Auflage 1935


2023-07-09

Baby Minolta

Diese Baby Minolta lief mir schon letzten Sommer über den Weg, ich habe wegen des günstigen Preises zugeschlagen und sie dann erstmal lange im Regal stehen lassen. Sie ist meine erste Vorkriegskamera aus Japan, passt noch einigermaßen in meine 3x4-Kamerasammlung und auch noch zu der einen oder anderen Bakelit-Kamera, die ich schon habe. Ich habe solange mit einem Post hier gezögert, weil ich dachte, mich noch tiefer in die japanische Vorkriegs-Kamerageschichte einlesen und -arbeiten zu können. Dazu bin ich leider bisher nicht gekommen. Über die Baby-Minolta gibt es allerdings einen exzellenten Artikel bei Camera-Wiki, auf den ich an dieser Stelle verweisen möchte.

Die Baby Minolta ist ein Zweiformat-Kamera, 
per einsetzbarer Blechmaske kann von
4x6.5 auf 3x4 umgebaut werden.  

Aber auch diesen Informationen sollte man nicht ungefiltert trauen. Ich wurde beim Objektiv skeptisch, das mit 75-80 mm f/8 abgeschätzt wurde. Nun habe ich ja ein eigenes Exemplar in den Händen und kann nachmessen, was an offiziellen Angaben zum Objektiv fehlt. Ich gehe mal davon aus, dass die Info mit dem verkitteten 2-linisgen Meniskus stimmt, zumindest letzteres ist sehr plausibel wegen der gebogenen Rückwand, die zumindest teilweise (in einer Achse) der gewölbten Bildebene der Einfachoptik folgt. Aber egal ob es nur eine Linse wäre oder eine verkittete Gruppe aus zweien, die Hauptebene läge innerhalb des Glases. Damit kann man mit dem Lineal bis zur Filmebene messen und da komme ich auf ca. 60 mm Brennweite. Ähnlich geht das mit der maximalen Öffnung (gemessen in der B-Stellung: ca. 4-5 mm), damit ergibt sich ca. f/12. Ich habe natürlich auch noch andere Internet-Quellen gesucht und bin bei einer japanischen Seite fündig geworden, der wohl auch selbst nachgemessen hat. 60 mm macht auch für diese Zweiformat-Kamera Sinn, für 4x6.5 wären eigentlich 75 mm "normal", bei 3x4 50 mm, daher ist 60 ein guter Kompromiss.  

Mein Exemplar ist nicht besonders gut erhalten, wie man an den Bildern sieht. An einer Ecke fehlt etwas Bakelit, der (Kunst-)Lederbezug blättert zum Teil ab und eines der beiden roten Fensterchen auf der Rückseite fehlt. Reste eines Klebestreifen lassen sich leider nicht ohne weiteren Schaden entfernen. Filmtransport und auch der Verschluss funktionieren anscheinend tadellos und auch der Objektivtubus lässt sich rausziehen und rastet per Drehung ein. Mit ein bisschen Improvisieren könnte ich also ggf. einen Film riskieren (wenn der nich so schwierig zu bekommen wäre). Vielleicht ergattere ich ja irgendwann eine andere japanische Vorkriegskamera, dann nehme ich den Faden hier wieder auf...

Datenblatt einfache japanische Vorkriegskamera aus Bakelit für 3x4 und 4x6.5 auf 127er Film
Objektiv 2-linsiger verkitteter Meniskus, ohne nähere Angaben. Vermutlich (siehe Text) 60 mm f/12.
Verschluss Selbstspann-Zentralverschluss B-100-50-25
Fokussierung Fix-Fokus. Rückwand und Filmführung sind gekrümmt
Sucher Einfacher Aufklapp-Rahmensucher (4x6.5) mit senkrechten Streben als 3x4 Markierung
Filmtransport Mittels Drehrad auf der Kameraoberseite, zwei rote Rückseitenfenster für Bildnummern auf dem Rückseitenpapier.
sonst. Ausstattung herausnehmbare Blechmaske für 3x4, versenkbares Objektiv, Stativgewinde 1/4'', Zubehör: Kameratasche.
Maße, Gewicht ca. 54x72x120 mm (Objektiv eingeschoben), 297 g.
Baujahr(e) 1935-1940, dieses 2. Modell ca. 1936, insgesamt 30,000 bis 50,000 Exemplare.
Kaufpreis, Wert heute ¥9.50 (1936) + ¥2.00 für die Tasche, heute je nach Zustand 50-150€
Links Camera-Wiki, Collectiblend, Subclub, Ranzosha

2025-12-18

Coronet Vogue

Auch diese kleine Bakelit-Kamera habe ich auf der Darmstädter Fotobörse in diesem Jahr erworben. Sie stammt von der britischen Firma Coronet aus Birmingham, die von 1926 bis 1967 existierte und meist sehr einfache und preiswerte Kameras hergestellt und vermarktet hat. Die allermeisten Modelle waren Box-Kameras aus Pappe, später wurde auch viel Plastik verwendet. Mit Kunststoff als Gehäusematerial experimentierte man erstmalig Mitte der 1930er Jahre. Dazu kooperierte Coronet mit der Briminghamer Nachbarfirma E. Elliott Ltd., die entsprechende Spritzgussmaschinen besaß und für Coronet die Gehäuse für die Vogue und die noch kleinere Midget produzierte. Elliott selbst produzierte alles mögliche aus Kunststoff (damals meist Bakelit), wie zum Beispiel Gehäuse für Radios und andere Geräte, hatte dann aber auch ab 1935 mit der V.P. Twin eine eigene Bakelitkamera (127er Film) im Programm, für die im Gegenzug Coronet den Verschluss und andere mechanische Komponenten lieferte.  

Die Vogue ist eine schlanke, für Hosen- oder andere Taschen geeignete Einfachstkamera und verwendet einen speziellen V-35 genannten Rollfilm (unperforierter 35 mm Film mir Rückseitenpapier, ähnlich Kodak's 828), mit dem jeweils 6 Bilder im ungewöhnlichen Format 3 x 5 cm möglich waren. Auf Knopfdruck springt der "Laufboden" mit dem Objektiv fast explosionsartig hervor. Man kann sofort loslegen mit dem Fotografieren, denn einzustellen gibt es fast nichts: Das Objektiv ist ein f/10 Fixfokus-Meniskus mit ca. 58 mm Brennweite, der Verschluss erlaubt die Wahl zwischen "I" (instant, ca. 1/30 s) und "T" (time, B). 

Auf den Markt gekommen ist sie angeblich 1936, wie erfolgreich und wie lange sie in Produktion war, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Immerhin gibt es eine Werbeanzeige eines amerikanischen Distributors von 1938. Das und der aufziehende Weltkrieg, der auch die Produktionsanlagen der Firma Coronet zerstört hat, grenzt die Länge der Produktionszeit und Verbreitung durchaus ein. Auch der sehr "eigene" Film und das ausgefallene Format dürften einem größeren Markterfolg eher entgegen gestanden haben. Ob man den Kodak 828-Film (Bantam) verwenden könnte, kann ich leider mangels eines solchen nicht rausfinden, die 35mm-Rollfilmspule meiner Bobette jedenfalls ist zu groß für die Vogue.  


Datenblatt Einfachst-Kamera für 3x5 cm Aufnahmen auf 35 mm Rollfilm 
Objektiv Meniskus, ca. 58 mm f/10
Verschluss einfacher Box-Kamera-Verschluss, B und 1/30s
Fokussierung Fix-Fokus
Sucher winziger optischer Durchsichtsucher 
Filmtransport mit Drehrad an der Kameraunterseite, rotes Fenster für Bild-Nr. (1 bis 6) auf der Rückseite. 
sonst. Ausstattung Stativgewinde ca. 4 mm
Maße, Gewicht ca. 113 x 72 x 32/72 mm (zu-/aufgeklappt), 171 g
Baujahr(e) ca. 1936 -1938
Kaufpreis, Wert heute 5 US$ (1938), ca. 50 - 100 €
Links Camera-WikiCamera Manualartdecocameras.comGraces Guide

2010-09-04

Agfa CLICK-II

Auch diese Kamera stammt aus dem Fundus meines Schwiegervaters. Man kann sie, auch wenn sie nicht mehr so aussieht als einen der letzten Vertreter der Boxkameras ansehen. Agfa hat die Kamera in seinem Werk in München von 1959 bis 1970 gebaut und zwar vollständig aus Bakelit. Sie hat insbesondere ein Feature, was man nicht so oft bei Kameras findet. Das fest eingebaute Fixfokusobjektiv (4 m bis unendlich) hat eine leicht gewölbte Schärfeebene, entsprechend gebogen ist die Rückwand. Für Nah- und Portraiaufnahmen kann eine Nahlinse ins Objektiv (72.5 mm f8.8) eingeschwenkt werden (siehe Hebelstellung im Bild unten). Bei der dritten Position des Einstellhebels (Sonne) wird eine kleinere Blende eingeschwenkt. Weitere technische Daten kann man hier finden.

Als ich die Kamera von meinem Schwiegervater bekam, stellte ich mit Erstaunen fest, dass noch ein Film geladen ist (steht auf Bild Nr. 4). Wie alt dieser ist, kann ich vermutlich nur feststellen, wenn ich den Film entwickele, mal sehen...

Datenblatt Einfache Mittelformatkamera (6x6) aus Bakelit
Objektiv Zweilinsiger Achromat 8.8/72.5mm, abblendbar um eine Stufe, einschwenkbare Nahlinse
Verschluss einfacher Boxkamera- (Rotations-) Verschluss, ca. 1/30 s
Film(format) Rollfilm 120, 6x6 cm
Fokussierung Fixfokus, ab ca. 4m. Mit "Nah"-linse 2,5m.
Sucher Einfacher, optischer Durchsichtsucher.
Blitz Synchronkontakte an der Oberseite, Agfa-Blitze zum Aufstecken als Zubehör.
Filmtransport Drehknopf an der Oberseite, rotes Filmfenster in der Rückwand
sonst. Ausstattung gebogene Rückwand, Stativgewinde
Maße, Gewichtca. 140/99/80, 185 g (ohne Film)
Batterie keine.
Baujahr(e)1959-1970, made in Germany (München)
Kaufpreis, Wert heute16,50 DM (1959), ca. 5 €/US
LinksBedienungsanleitung, großartige Beispielfotos

2012-12-25

Agfa Click I

Hier noch der "missing link" in meiner Agfa Click-Clack Sammlung. Die Click-I wurde neben der besser ausgestatteten Click-II im Agfa Kamerawerk in München von 1958 bis 1970 gebaut. Die beiden Kameras unterschieden sich kaum. Die Click-I hat als Objektiv Meniskus-Linse 1:11/72,5 mm und einen einschwenkbaren Gelbfilter. Bei Sonnenlicht kann noch eine Stufe abgeblendet werden, sonstige Einstellmöglichkeiten: Fehlanzeige. Die Click-II hatte immerhin einen lichtstärkeren Achromaten und statt des Gelbfilters konnte eine zusätzliche Nah/Portraitlinse eingeschwenkt werden.


Beide 6x6 Kameras waren komplett aus Bakelit, wie auch die ältere Clack, die schon 1954 auf den Markt kam. Die Kameras stehen fast schon exemplarisch für den Übergang von Boxkameras (zu der man die Clack noch zählen kann) zu kompakteren Einfachstkameras. Hier nochmal alle drei auf einem Bild...


Datenblatt Einfache Mittelformatkamera (6x6) aus Bakelit
Objektiv Meniskus 11/72.5mm, abblendbar um eine Stufe
Verschluss einfacher Boxkamera- (Rotations-) Verschluss, ca. 1/30 s
Film(format) Rollfilm 120, 6x6 cm
Fokussierung Fixfokus, ab ca. 4m.
Sucher Einfacher, optischer Durchsichtsucher.
Blitz Synchronkontakte an der Oberseite, Agfa-Blitze zum Aufstecken als Zubehör.
Filmtransport Drehknopf an der Oberseite, rotes Filmfenster in der Rückwand
sonst. Ausstattung gebogene Rückwand, einschwenkbarer Gelbfilter, Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 140/99/8, 181 g (ohne Film)
Batterie keine.
Baujahr(e) 1958-1970, made in Germany (München)
Kaufpreis, Wert heute 16,80 DM (1958), ca. 5 €/US
Links Bedienungsanleitung

2024-08-24

Westdeutsche Nachkriegs-Kameraproduktion

Deutschland war schon vor dem 2. Weltkrieg Kameraland Nummer 1 und der bedeutendste Kameraexporteur. Bekanntermaßen kam die Kameraproduktion während des Krieges zum erliegen, erholte sich aber ab 1947 und speziell nach der Währungsreform 1948 recht zügig. In Westdeutschland wurde die Kameraindustrie eine - wenn auch kleine - Säule des Wirtschaftswunders der 1950er und 1960er Jahre. Neben alt-eingesessenen Firmen, die ihre Vorkriegsproduktion wieder aufnahmen, kamen eine ganze Reihe Neugründungen dazu. Insgesamt zähle ich Anfang der 1950er Jahre mehr als zwei Dutzend unabhängige Kamerabauer in Westdeutschland (siehe unten), die zusammen 3,3 Millionen Kameras (1956) produzierten. Davon wurden ca. 62% (2 Millionen) in alle Welt exportiert, 35.8% wiederum davon in die anderen Europäischen Staaten und 27.3% nach Nordamerika. Die Exportquote stieg bis 1960 sogar noch auf über 70%, wobei die Gesamtproduktion in der zweiten Hälfte der 50er eher stagnierte und erst 1961 wieder durchstartete (mit Automatikkameras wie der Optima!). 
Stolze ganzseitige Anzeige von Agfa
über die Produktionsmenge ihres neuen
Superstars am Kamerahimmel.
Diese Zahlen und auch die obige Grafik habe ich aus einem kurzen Artikel der Oktober 1961-Ausgabe von Photo-Technik und -Wirtschaft, dem offiziellen Organ des Verbandes der Deutschen Photographischen Industrie e.V.. Einen Scan davon verlinke ich hier gerne. In der selben Ausgabe findet sich auch die links abgebildete Anzeige von Agfa. 
Eigentlich hatte ich vor, diese Zahlen weiter aufzudröseln und auf die einzelnen Hersteller so gut wie es geht zu verteilen. Ich musste bei ersten Recherchen dazu aber feststellen, dass mir dazu schlicht im Moment die Zeit fehlt. Es ist halt ein Puzzle mit sehr vielen Teilen. Ich plane, hier in Zukunft im Stil meines Beitrags zu Kodak‘s Nachkriegsproduktion dies auch für die anderen Hersteller sukzessive aufzubereiten, kann aber dauern…
Fürs erste möchte ich hier lediglich einen Überblick über die westdeutschen Kameraproduzenten machen und die Akteure kurz vorstellen sowie (da wo es geht) eine grobe Schätzung ihres Anteils an der Produktionsmenge vornehmen. Während dieser Zusammenstellung habe ich bemerkt, dass man die Hersteller grob in vier Gruppen einteilen kann, die sich in ihrem Geschäftsmodell und ihrem entsprechenden Markterfolg unterscheiden:

1) Die Massenkamera-Hersteller

Diese Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass der Umsatz vornehmlich mit preiswerten aber in großer Zahl hergestellten Kameras gemacht wird. Mit Adox und Agfa sind auch zwei Filmhersteller darunter, die Kameras natürlich als Mittel zum Zweck begreifen und bei den Kameras mit geringeren Margen kalkulieren, die kommen ja dann bei den Filmen wieder rein. Ansonsten finden sich hier einige unbekannte Namen, einfach weil diese Hersteller ihre Kameras im Lohn für andere gebaut und unter verschiedensten Namen vertrieben haben:
Standorte der westdeutschen Kamera-
Produktion in den 1950ern.

Adox, Wiesbaden-Biebrich: Eigentlich ein Filmhersteller, der sich mit dem Kauf von Wirgin (Zwangsverkauf 1938) eine eigene Kameraproduktion zulegte. Die Firma wird nach Kriegsende an die jüdischen Eigentümer zurückgegeben, die eigene Kameraproduktion aber in eigene Räumen verlagert und fortgeführt. Dort wird mit fast 400,000 Exemplaren in den 50ern hauptsächlich die günstige Golf Serie (6x6) produziert, ein Isolette Klon. Bei Wirgin lässt man die Polo Serie in Lohn produzieren (low budget 35 mm), wagt sich aber auch 1956 mit der Adox 300 recht erfolglos ins hochpreisige Segment. Die passt halt nicht ins Massensegment...

Agfa, München: Hervorgegangen aus dem kleinen Plattenkamera-Hersteller Rietzschel, der 1926 im Zuge der IG-Farben Gründung zum Agfa Kamerawerk und im Laufe der 30er Jahre zum größten Kameraproduzenten Europas wurde. Mit mehr als 3300 Mitarbeitern (1956) wurden hauptsächlich preiswerte Box- (Click und Clack) aber auch Mittelklassekameras (Isolette, Silette etc.) produziert. Die Tageskameraproduktion soll in Spitzenzeiten bei 2400 gelegen haben, das wären fast 700.000 im Jahr, bzw. 25% der deutschen Produktion. Ab Mitte der 1950er klarer Fokus auf Innovation (Belichtungsautomatik) und mit der Optima-Kameraserie ab 1959 super erfolgreich. Agfa hatte durchaus Ambitionen im gehobenen Segment (z.B. Ambiflex), war dort aber wegen des Massenhersteller-Images weniger erfolgreich. Ohne es heute mit Zahlen belegen zu können, vermutlich mit mindestens >10% Umsatz-Anteil der Marktführer der gesamten Liste.

Balda, Bünde: Einer der alten Herren der deutschen Kameraindustrie - Max Baldeweg - gründet 1948 im Alter von 71 Jahren in Bünde/Westfalen das Balda-Kamerawerk wieder neu, nachdem sein bisheriges Lebenswerk in Dresden zwangsverstaatlicht wurde. Bald in Dresden wird 1951 nach einem Markenrechtstreit mit der westdeutschen Neugründung schließlich in Belca-Werk umgenannt. Man startet auch in Bünde mit den Vorkriegsmodellen, schafft es aber mit der Industrie Schritt zu halten und wird so zu einem ernst zu nehmenden Wettbewerber zu Kodak, Agfa und Co. Neben der eigenen Marke produziert man dieselben Kameras auch im Lohn für andere wie z.B. Photo Porst. Mitte 1955 stirbt Max Baldeweg, gerade als sein neues Unternehmen durchstartet. Ich denke, Balda gehört definitiv zum oberen Drittel der Liste, wenn nicht sogar in die Top-5.

Bilora, Radevormwald: Eigentlich: Kürbi & Niggeloh, ein Fotozubehör-Hersteller, produziert ab 1935 auch Box-Kameras und das sehr erfolgreich. Ab 1948 ist man wieder im Geschäft und produziert die bekannte Bakelit-Box Boy und andere Boxen in größeren Mengen, auch für andere im Lohn.

Dacora, Reutlingen: Eigentlich Dangelmayer & Co., ein weniger bekannter aber dennoch wichtiger Hersteller preiswerter Massenkameras. Diese wurden vor allem im Lohn für ausländische Filmhersteller wie Ilford, Lumiere oder Ferrania, aber auch für Photo Porst und andere gefertigt. In den 1950er Jahren sollen so 2 Millionen Kameras zusammen gekommen sein.

Franka, Bayreuth: Franka war schon lange ein Produzent von Massenkameras und setzte diese Tradition auch nach dem Krieg fort. Wieviele Kameras produziert worden, ist schwer zu fassen, produzierte man auch viele Hausmarken für Porst, Quelle und andere. 1957 wagte man sich erfolglos an die Oberklasse- Kleinbildkamera Solida 35, aus dieser Klemme kam man wohl nur durch den Verkauf an den Konkurrenten Wirgin, der Ende 1961 erfolgte.

King & Bauser (Regula), Bad Liebenzell: Die Firma wird zwar schon in den 1930er Jahren in Pforzheim gegründet, mit dem Kamerabau beginnt man allerdings erst nach dem Krieg in Bad Liebenzell, und das relativ erfolgreich. Neben eigenen Mittelklassemodellen wird auch für andere im Lohn produziert. 

Montanus, Solingen: Ähnlich wie King ein eher unbekannter Hersteller, der nicht Ende der 1950er wieder untergeht, sonder sich durch geschickte Modellpolitik am unteren Rand des Marktes bis in die 1970er hält.

Vredeborch, Nordenham: Ein ansonsten recht unbekannter Hersteller von Box- und anderen Einfachkameras. Der Vertrieb erfolgte oft unter dem Namen von Distributoren bzw. Anderen Kameraherstellern, die ihr Portfolio damit nach unten abrundeten. 

Hermann Wolf, Wuppertal: In den 1950er Jahren hauptsächlich Lohnproduzent einfacher Box-Kameras aus Bakelit oder Metall, wie z.B. die Gevabox. Abnehmer waren Firmen wie Gevaert, Adox und Braun.

2) Die Vollsortimenter

Wie der Name dieser Gruppe schon verrät, versuchten diese Hersteller ein möglichst breites Portfolio an Kameras anzubieten, von einfachen Einstiegsmodellen bis zum komplexen Kamerasystem mit Wechselobjektiven oder gar Spiegelreflexkameras. Der größte Umsatz und Gewinn wurde mit Mittelklasse-Kameras gemacht, die immer noch in relativ großer Auflage erschienen. Markenname, Image und Qualität waren diesen Herstellern sehr wichtig, um sich von dem ein oder anderen ambitionierten Modell der Massenhersteller zu differenzieren und trotz gleicher Spezifikation einen höheren Preis zu erzielen. 

Braun, Nürnberg: Obwohl es die Karl Braun KG in Nürnberg schon seit 1915 als feinmechanischen und optischen Betrieb gab, starte man mit dem Kamerabau erst 1948 nach der Umbenennung in Carl Braun Camerawerk. Man schließt sehr schnell technologisch zur Spitze der Industrie auf, hat neben einfachen Boxkameras und Balgenkameras für den Rollfilm, Kleinbildsucherkameras (Paxette), Messsucherkamers (Super Colorette), Belichtungsautomatik (Electromatic) bis zur Spiegelreflex alles im Programm. Schon 1956 soll die millionste Kamera ausgeliefert worden sein!

Kodak (Nagel-Werke), Stuttgart: Natürlich gehört Kodak als größter Filmhersteller global gesehen zu den Massenkamera-Produzenten, ihr deutsches Werk war aber ihr technisches Vorzeige-Unternehmen und produzierte ein Portfolie ähnlich dem von Voigtländer oder Braun. Einziger Hersteller dieser Liste, dessen Produktionszahlen ich schon aufbereitet habe

Voigtländer, Braunschweig: Als ältester Kamerahersteller der Welt knüpfte man nach dem Krieg da an, wo man vorher aufgehört hatte: mit einem etwas modernisierten aber breiten Portfolio an Mittel- bis Oberklassekameras. Man profitiert definitiv vom großen Namen. Das zeigt sich auch daran, dass nachdem ihr Eigentümer Schering Voigtländer an Zeiss 1956 verkauft hatte, erst einmal sich wenig am Programm änderte und Zeiss Ikon Kameras weiterhin als Konkurrenten am Markt wahrgenommen wurden. 

Wirgin Edixa, Wiesbaden: Henry Wirgin knüpfte nach seiner Rückkehr aus der US-Emigration dort an, wo er aufgehört hatte, als Hersteller innovativer Kameras. Wirgin war 1954 der erste Westdeutsche Hersteller, der eine SLR mit Wechselobjektiven anbot, seine Edixa-SLR-Reihe war mit ihrem Schlitzverschluss preiswerter als die sonstige westdeutsche Konkurrenz mit dem Compur Zentralverschluss. Aber Wirgin hatte auch einfachere Kameras im Programm, produzierte für Adox im Lohn, und ließ selbst andere Wirgin Kameras im Lohn herstellen. 1962 kaufte man das Franka Werk in Bayreuth, um eine breitere Basis zu haben. 

Zeiss Ikon, Stuttgart: Neben der Carl Zeiss Stiftung als Eigentümer wird auch die Kamerasparte Zeiss Ikon durch den Krieg geteilt und im Westen erstaunlich erfolgreich neu gegründet. Die vorherige Zentrale in Dresden wird nach Stuttgart verlagert, wo eine ehemalige Wurzel, das Contessa Kamerawerk beheimatet war. So heißen dann auch wieder eine Reihe von Mittelklasse-Kameras. Als einziger Vollsortimenter ist man mit der Neuauflage der Contax Messsucherkameras in der Lage, mit Leica technologisch und preislich mitzuhalten. Der Zeiss Konzern spielt auch im Hintergrund eine wichtige Rolle, nicht immer eine rühmliche. Man kontrolliert die beiden wichtigen Verschlusshersteller Deckel und Gauthier und zieht auch sonst seine Strippen bei den Zeiss Objektiven, 1956 stößt auch noch Voigtländer zum Konzern. Kleinere Hersteller leiden darunter hauptsächlich am Ende der 1950er Jahre. Ich denke, Zeiss Ikon war bezüglich Umsatz an der Spitze der Herstellerliste, was die Anzahl der Kameras angeht sicher nicht, hier fehlten einfache Massenkameras im Portfolio.

3) Die Spezialisten

Die folgenden vier Hersteller hatten in den 50er Jahren jeweils eine spezielle Nische des Kameramarktes für sich besetzt und konnten dort mit hoher Qualität und sonst kleinen Stückzahlen durch hohe Preise profitabel produzieren (und weltweit exportieren). Natürlich gab es die eine oder andere Konkurrenzkamera von den Vollsortimentern, aber bis auf Berning waren in den 1960er und 1970er Jahren diese Firmen in der Lage ihr Portfolio um weitere High-Tech Spezialitäten zu erweitern. 

Franke & Heidecke (Rollei), BraunschweigRollei produzierte nach dem Krieg einfach ihre erfolgreichen Rolleiflex- und Rolleicord-Reihen weiter, die ganz gut dokumentiert sind. Mitte der 1950er waren es ca. 80,000 bis 90,000 Kameras pro Jahr, damit sind sie zahlenmäßig Mittelfeld. Erst ab 1963 wird das Angebot verbreitert und man produziert auch die bekannten Kleinbildkameras etc.

Leitz, Wetzlar: Ernst Leitz blieb auch nach dem Krieg Technologieführer in Sachen Kleinbild-Messsucherkameras und produzierte in den 50er Jahren noch einmal ca. 300,000 Schraubleicas, also im Schnitt nur 30,000 pro Jahr. Ab 1954 kam dann die M3 und sukzessive ihre Ableger und Nachfolger (bis zu 50,000 Kameras pro Jahr), die die Schraubleicas dann ersetzten und verdrängten. Alles ist sehr gut dokumentiert (Quelle für die Grafik hier rechts: Pacificrimcamera.com). Bei den Produktionszahlen ist man eher hinten dabei, was die Umsätze und den Exportanteil in alle Welt betrifft, sicher mit vorne in der Gesamtliste.

Minox, Wetzlar: Der Kamerakonstrukteur Walter Zapp gründete 1945 die Minox GmbH neu in Westdeutschland (Vorkriegsproduktion war in Riga) und produzierte erfolgreich seine Kleinstbildkamera Minox über Jahrzehnte hinweg. Ab den 1970ern wird die bekannte Minox 35 Serie zu einem zweiten Standbein der Firma.

Berning Robot, Schwelm/Düsseldorf: Die Firma Otto Berning aus Schwelm fertigte ab Mitte der 1930er die Robot, eine spezielle Federmotor Kleinbildkamera konstruiert von Heinz Kilfit. Dies blieb ihr Spezialgebiet, auch als die Kameraproduktion nach dem Krieg 1951 in Düsseldorf wieder aufgenommen wird. Die Firma war nie besonders groß, man besetzte aber eine wohl profitable Hochpreisnische, die der Firma als Überwachungs- und Verkehrskamera- Spezialist auch beim Zusammenbruch der westdeutschen Kameraindustrie in den 1970ern das Überleben sicherte. Ich tippe mal auf ca. 5000 bis 10000 Kameras im Jahr und damit einen Platz relativ hinten in der Liste, auch wenn sich vermutlich die Umsätze sehen lassen konnten.
Verteilung der westdeutschen Kameraproduktion des Jahres 1960 nach Anzahl (links) und Umsatz (rechts). Boxkameras u. ähnliche Einfachstkameras bis 30 DM, einfache Kameras bis 150 DM, Mittelklasse-Kameras zwischen 150 und 300 DM, Oberklasse >300 DM.


4) Die 50er Jahre-Start-ups 

Die folgenden acht Hersteller teilen fast alle dieselbe Geschichte. Entweder sind es Nachkriegs-Neugründungen oder frühere optische bzw. mechanische Fabriken, die erst Ende der 1940er mit dem Kamerabau begannen. Anfang der 1950er in der Wirtschaftswunderzeit wuchsen alle relativ rasant und versuchten zu den Spezialisten oder zumindest Vollsortimentern aufzuschließen. Auf den zunächst hungrigen Nachkriegsmarkt folgte Mitte der 1950er eine gewisse Sättigung und damit wuchs der Konkurrenzdruck. Die kleinen Spieler hatten inzwischen ein (zu) komplexes Portfolio und gegenüber den großen Vollsortimentern einen zu kleinen Umsatz, um sich die Entwicklung neuer Modelle leisten zu können. Ab 1957 gingen diese Firmen reihenweise pleite oder wurden geschluckt. Sowohl bei der Anzahl der Kameras als auch beim Umsatz spielten diese Hersteller nur Statisten.

AKA, Friedrichshafen: Eine kleinere Nachkriegs-Neugründung mit großen Ambitionen. Mitte der 50er werden aber maximal 20,000 Kameras pro Jahr produziert, am Ende reicht dieses Level nicht um profitabel zu sein. 1960 ist die Firma nach internem Streit insolvent.

Finetta, Goslar: Nachkriegs-Neugründung vom Holländer Piet Sarabèr, der ehemalige Konstrukteure der Dresdener Vorkriegszeit anheuert und in Goslar anspruchsvolle Kleinbildkameras entwickelt und baut. Es fehlt vermutlich eine preiswerte Massenkamera und so wird bei der ersten kleineren Nachkriegsdelle 1957 der Weg in die Insolvenz angetreten.

Futura, Freiburg: Die Optische Anstalt Firtz Kuhnert war schon vor dem Krieg ein Hersteller feinmechanisch-optischer Präzissionserzeugnisse und begann nach dem Wiederaufbau mit dem Bau von Kleinbildkameras. Das ambitionierte Modell Futura wurde als Leica Konkurrent positioniert und 1951 auf der Photokina vorgestellt. Nach einer ersten Pleite 1951 stiegen die Hamburger Kaufleute Komrowski ein und benannten die Firma nach der Kamera die sie produzieren sollte. Nach vermutlich 20-30 Tausend schicken Futura Kameras wurde die Produktion 1957 eingestellt und die Maschinen etc. an die Konkurrenz verkauft.

Foitzik, Lübeck/Trier: Karl Foitzik gründete 1945 in Lübeck seine Feinmechanische Werkstätte, die mit der Foica eine Leica-Kopie herstellten. Nach Intervention von Leitz (Patentverletzungsklage etc.) war damit 1948 Schluss. Foitzik zog mit seiner Firma daraufhin nach Trier um, weil er dort Landes-Subventionen bekommen konnte. Dort wurden ab 1950 eher Mittelklassekameras gebaut, das durchaus erfolgreich und in der Spitze mit 150 Mitarbeitern. Karl Foitzik kam im Juni 1955 bei einem Autounfall um, von dem sich die Firma nicht erholen sollte und 1958 aufgelöst wurde. 

Leidolf, Wetzlar: Der 1921 gegründete Mikroskoplinsen-Hersteller Leidolf beginnt 1949 Kleinbildkameras zu produzieren und ist damit in den 1950er Jahren sogar relativ erfolgreich. Man produziert gehobene Mittel- bis Oberklasse, reicht aber nicht an den lokalen Konkurrenten Leitz heran. 1962 wird die Firma von Wild übernommen, die die Kameraproduktion in Wetzlar aufgeben und andere Dinge dort produzieren lassen. Interessanterweise fusioniert Wild 1987 mit Leitz. Von allen 8 Herstellern in dieser Kategorie vermutlich der erfolgreichste.

Diax, Ulm: Eigentlich Walter Voss GmbH, und eine ähnliche Geschichte wie Aka. Insgesamt ca. 50,000 Diax Kameras wurden in den 10 Jahren des Firmenbestehens zwischen 1947 und 1957 gebaut. Am Schluss der Geschichte müssen sich knapp 60 Mitarbeiter einen neuen Job suchen.

Bolta Photavit, Nürnberg: Diese Firma passt nicht ganz in diese Kategorie, weil man Kameras schon ab 1935 produzierte. Der Eigentümer John Bolten kehrt nach dem Krieg als US-Bürger nach Nürnberg zurück, baut die Firma wieder auf und produziert die Vorkriegsserie an Kleinbildkameras weiter, die allerdings mit dem deutlich sichtbaren Zentralverschluss nicht mehr zeitgemäß waren. Auch ich habe eine davon. Ab 1956 wagt man sich mit der Photavit 36 an eine moderne obere Mittelklasse-Kamera (im Prinzip ähnlich der Braun Super Paxette III). Ich schätze damit hatte man sich übernommen, die Kameraproduktion wird 1958 komplett aufgegeben. 

Witt Iloca, Hamburg: Die Geschichte des Iloca Kamerawerkes habe ich in meinem Beitrag zur Iloca Electric schon beschrieben. Man war in den 1950ern vergleichsweise erfolgreich, scheitert dann aber 1959/1960 an dem zu riskanten Schritt alles auf eine High-End Kamera zu setzen. Nach dem Konkurs werden Maschinen, die fertige Konstruktion und auch Mitarbeiter von Agfa übernommen.

2021-09-02

Voigtländer Vitrona

Eingebaute Elektronenblitzgeräte sind heute eine Selbstverständlichkeit, aber seit wann ist das so? Ich bin über diese Frage bei meinen Recherchen zum Mittenkontakt gestolpert und habe natürlich eine Antwort mitgebracht. Diese Voigtländer Vitrona kam 1964 auf den Markt und war die erste und lange Zeit einzige Kamera mit eingebauter Elektronenblitzröhre. Diese Spitzfindigkeit muss sein, denn das ganze Blitzgerät passte nicht in das von der Voigtländer Vito C bekannte Gehäuse (selbst nicht unbedingt als klein zu bezeichnen!). Die Voigtländer Ingenieure spendierten der Kamera also einen recht voluminösen Bakelit-Handgriff, der die beiden Baby-Zellen, den Blitz-Elko sowie das meiste der Elektronik beherbergt. Auf der Oberseite der Kamera war lediglich noch die Blitzbereitschaftsleuchte untergebracht (und im darunter liegenden Sucher zu sehen). Das Ganze zusammen ist recht klobig (kommt auf den Fotos leider nicht so rüber) und und für eine ansonsten recht simple Kleinbildkamera mit über einem Kilogramm auch sehr schwer (Kamera: 648 g, Griff: 250 g, Batterien: 129 g, Film: ca. 20 g).


Zeichnung aus dem angemeldeten
Gebrauchsmuster DE1879041 vom
5. Januar 1963
Dass keiner der Konkurrenten auf den Zug mit dem eingebauten Blitz aufgesprungen ist, lag vermutlich an zwei Dingen: Zum einen hat Voigtländer ein Gebrauchsmuster beim deutschen und anderen Patentämtern angemeldet (DE1879041 vom 05.01.1963), das die Kamera und das Prinzip mit dem Handgriff relativ genau beschreibt. Man hat sogar nur ein paar Wochen später noch ein erweitertes Gebrauchsmuster (DE1952294) angemeldet, das zusätzlich eine dann nie realisierte (noch klobigere) Kamera mit eingebauten Blitz, Messsucher und Belichtungsmesser beschreibt. So ein Gebrauchsmuster darf nicht mit einem richtigen Technologiepatent auf eine Stufe gestellt werden, bietet aber dennoch einen gewissen Schutz vor Nachahmern. 
Der eigentliche Grund, warum es keiner nachgemacht hat, wird klar, wenn man die Kamera mit angeschraubtem Handgriff in der Hand hält und damit fotografiert: Es macht einfach keinen Sinn! Wenn man schon etwas so voluminöses wie den Handgriff an die Kamera schrauben oder stecken muss, um zu blitzen, warum dann nicht gleich ein ganzes Blitzgerät? Solcherlei kompakte Geräte kamen damals reihenweise von spezialisierten Blitzgeräteherstellern auf den Markt (z.B. Loewe OptatronMetz Mecablitz 116, Braun F 26, und andere) und waren nicht viel größer oder sogar kleiner als unser Handgriff. Außerdem war die Vitrona mit 285 DM bzw. 115 US$ eine sehr teure Kamera. Eine US Preisliste von 1965 erlaubt den Vergleich: Eine einfache Vitoret steht dort mit $34.95 (S. 29), dazu z.B. der Metz Mecablitz 116 für $39.95 (S. 51/52) oder der besonders kompakte MB 117 für $59.95. Beide Kombinationen sind deutlich günstiger als die Vitrona (S.29) und man könnte sich ggf. sogar eine bessere Kamera z.B. mit Messsucher oder Belichtungsmesser leisten. 

Natürlich hatte die Vitrona gegenüber der einfachen Vitoret die Blitzautomatik voraus. Dies ist eine rein mechanische Kopplung der Blende mit dem Entfernungsring und erspart das lästige Umrechnen per Leitzahl und das Übertragen an den Blendenring. Das ist schon sehr praktisch, rechtfertigt es aber tatsächlich den Mehrpreis? Der Markterfolg blieb also mehr oder weniger aus, angeblich wurden nur 22.600 Exemplare produziert und verkauft, nicht gerade viel für die Zeit und die fast vier Jahre, die sie angeboten wurde. Nachahmer konnte ich auch für die folgenden Jahre nicht finden. 
1975 die einzige (siehe Text!) und die
erste KB-Kamera, die alles nötige zum Blitzen
im kompakten Gehäuse unterbringt. 

Es sollte ca. 10 Jahre dauern, bis die Technologie soweit war (Miniaturisierung) und sich wieder ein Kamerahersteller an den eingebauten Elektronenblitz herantraute.  Bei den Kleinbildkameras war es die Konica C35 EF ("Pikkari"), die im selben kompakten Plastikgehäuse daherkam wie ihre spätere berühmte Schwester Konica C35 AF und alle nötigen Batterien und Blitzelektronik darin unterbrachte. Endlich! Ggf. war die Vivitar 602 Pocket-Kamera (110er) sogar noch etwas früher dran, weitere möglicherweise frühere konnte ich trotz längerer Suche nicht finden. Welche anderen Kameras dann alle folgten, habe ich nicht mehr konsequent recherchiert. Spätestens in den 1980ern gehörte der eingebaute Blitz dann zum Standard kompakter Point-and-Shoot Kameras.
Mein aufmerksamer Leser Jörg hat mich auf die Fujica ST-F von 1979 hingewiesen, eine frühe Bridgekamera. Die erste richtige KB-SLR mit eingebautem Blitz war (auch nach Jörg) die Pentax SFX von 1987, bald gefolgt von einigen anderen vollautomatischen SLR-Knippsen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: In Kameras eingebaute Blitzgeräte (sprich Kondensator-Blitze mit Blitzbirn(ch)en) gab es schon länger und einige. Auch Voigtländer hatte mit der Vitoret F (1963) eine solche parallel zur Vitrona im Programm.  Die erste war wohl die Spartus bzw. Falcon Press Flash von 1939. Zu erwähnen ist auch die Philips Boxflash (1950), die vom Glühbirnenhersteller Philips nur gebaut wurde, um den Absatz von Blitzbirnen anzukurbeln. Auch ich habe schon schon länger solche Kameras in meiner Sammlung: Polaroid J33, Agfa Iso-flash Rapid, Kodak Instamatic 100. Natürlich durfte man bei diesen nicht vergessen, Blitzbirnchen mitzunehmen...

Mein Vitrona Exemplar habe ich getrennt als Kamera und Handgriff gekauft, wobei dieser seltener zu finden und auch teurer war. Die Kamera selbst ist in sehr gutem Zustand, kaum Gebrauchspuren, nur der Sucher ist nicht mehr so ganz klar, wie er wohl mal war. Der Handgriff hatte mehr abbekommen und natürlich hatte ich ein Fünkchen Hoffnung, dass nach der "Wiedervereinigung" zumindest die Bereitschaftslampe glimmen würde. Aber leider wurde diese nicht erfüllt, lediglich das für Elektronenblitze charakteristische in der Frequenz ansteigende Ladungssummen war leise zu hören, immerhin. Das Hauptproblem alter Blitzelektronik ist der Elektrolyt-Kondensator (im Bild der große silberne Zylinder), der bei langer Nichtbenutzung seine chemische Struktur verändert und umbrauchbar wird. Bei alten Röhrenradios kennt man dieses Problem auch und in entsprechenden Bastlerforen gibt es Anleitungen wie man alte Elko's neu "formiert". Allerdings ist das Hochspannungs-Elektronik und nicht ganz ungefährlich. Ich habe die Elektronik aus reiner Neugier also mal freigelegt, wie das Bild beweist, aber dann wieder ohne weitere Aktionen zurück in den Handgriff gefummelt. Jetzt muss ich nur noch einen Weg finden, wie ich das gute Stück mit dem Handgriff in die Vitrine stelle, ohne Stütze geht das leider nicht. 

Datenblatt Erste Kamera mit eingebautem Elektronenblitz
Objektiv Color-Lanthar 50 mm f/2.8 (Triplet), fest eingebaut.
Verschluss Prontor 250-V (B-30-60-125-250, bzw. -300)
Belichtungsmessung keine
Fokussierung manuell per Frontlinsenverstellung, kürzeste Entfernung 1 m, spezielle Markierungen für Zonen-Fokus.
Sucher großer optischer Sucher mit Rahmen und Paralaxen-Markierungen. Warn-Fähnchen, falls bei Blitzaufnahmen Entfernung auf unendlich.
Blitz Eingebaute Elektronenblitzröhre und Bereitschaftslämpchen. Elektronik, Batterie und Elko befinden sich im absetzbaren Bakelit-Handgriff. Automatische Einstellung der richtigen Blende (nach Entfernung) zum Blitzen. Dafür Filmempfindlichkeits-Einstellung von 15-27 DIN, Leitzahl ca. 16 (bei ISO 100/21).  
Filmtransport Schnellschalthebel, Bildzählwerk (rückwärts), Rückspulknopf (versenkbar). 
sonst. Ausstattung Filmtyp-Merkscheibe auf Rückspulknopf, Drahtauslöser-Gewinde, Stativgewinde 1/4‘‘, Zubehörschuh 
Maße, Gewicht ca. 130 x 99 x 74 mm, 648 g (nur Kamera), 1027 g (inkl. Handgriff und Batterien)
Batterie 2 x 1.5V Baby-Zelle (Alkali, Typ C) oder entsprechende NiCd Akkus. Ladegerät Bosch SE 205 kann über speziellen Adapter an den Handgriff angeschlossen werden. 
Baujahr(e) 1964-1967, 22.600 Exemplare
Kaufpreis, Wert heute 285 DM (1964), bzw. 115 US$ (1965). Wert heute ca. 30 € für die Kamera alleine, ca. 100 € für Kamera mit Handgriff, ab 300€ für ein Exemplar mit funktionsfähigem Blitz.
Links Camera-Wiki, Camera manual (engl.)All about Flash (Nov. 1960)Hans W. Leckscheidt‘s „Geschichte der Blitzlichtfotografie“, Pagesperso-orangeEmtus.chvito fulmi (Prototyp Einzelstück)



2022-06-26

Deutsche Objektivproduktion 1925 bis 1942 in Zahlen

Objektivproduktion (Anzahl) der führenden 7 deutschen Produzenten für hochwertige Optik im Zeitraum von 1925 bis 1942. Daten abgeleitet von Seriennummersequenzen.

Die obige Grafik und die dazugehörige Excel-Tabelle schlummert schon länger auf meinem Computer, sind diese Daten doch ein Nebenprodukt meiner Recherchen zu Seriennummern. Sie finden sich in anderer Form in meinem kleinen Altersbestimmungswerkzeug hier links oben am Rand. Ich habe mich bisher gescheut, sie so zu veröffentlichen, weil die Datenbasis nicht komplett ist. 

Die gezeigten führenden 7 deutschen Objektivhersteller repräsentieren zwar den Großteil der höherwertigen Objektivproduktion im betrachteten Zeitraum. Für ein komplettes Bild fehlen aber mindestens die Firmen E. Ludwig, ENNA, Staeble und C. Friedrich (für die Jahre vor 1925 und nach 1945 wären noch viel mehr Hersteller zu betrachten). Bis jetzt ist es mir aber nicht gelungen mehr Details über diese kleineren Produktionen zusammen zu bekommen. Ich schätze ihren Beitrag zur Gesamtproduktion im obigen Zeitraum auf ca. 1 - 1.5 Millionen Objektive. Unter den Balken oben verbergen sich zum Vergleich 8.5 Millionen. 

Was außerdem fehlt ist Deutschland's größter Kamerahersteller: Das Agfa-Kamerawerk in München, welches inklusive der Vorgängerfirma Rietzschel bis zum 2. Weltkrieg ca. 7 Millionen Kameras mit eigenen Objektiven produziert und verkauft hat. In dieser Zahl sind zum großen Teil einfachste Boxkameras enthalten. Auch von anderen Herstellern gab es solche aus deutscher Produktion. Deren Objektive sind meist nicht extra nummeriert und entziehen sich somit einer getrennten Analyse.

Trotzdem kann man an dieser Stelle mal alles zusammensetzen und kommt größenordnungsmäßig auf ca. 20 Millionen Kameras bzw. Objektive aus Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Verteilung dieser 20 Mio folgt dem Muster der obigen Grafik: ca. 1/4 (5 mio) in den ersten 30 Jahren mit stetigem Wachstum der Industrie, inkl. ein paar schwierigen Jahren im 1. Weltkrieg. Dann die Weltwirtschaftskrise mit dem großen Einbruch im deutschen Krisenjahr 1932. In den späten 1920er Jahren    passiert zusätzlich einiges in der Fotoindustrie, was den Grundstein für den phänomenalen Kameraboom ab 1933 (3/4, also ca. 15 mio in nur 9 Jahren) legt: 1) die wirtschaftliche Konsolidierung, Zeiss Ikon geht aus einigen kleinen und angeschlagenen ehemaligen Konkurrenten hervor, Agfa etabliert sich als DER deutsche Filmhersteller und kauft Rietzschel, Kodak kauft Nagel; 2) Rollfilme werden technisch so gut, dass die bisher marktbeherrschenden Plattenkameras ab 1930 zu Ladenhütern werden, Leitz zeigt der Welt wie Hightech Kleinbild geht; 3) in vielen Fotofirmen kommt eine innovative Generation junger Ingenieure ans Ruder und löst die Gründergeneration aus den 1890ern ab. Sie erfinden und trauen sich an neue Dinge, z.B. Kleinbildkameras, Bakelit, oder billige Boxen für die Jugend. Der Boom der 1930er kommt ja bekanntlich wegen des von Deutschland ausgehenden Weltkriegs zu einem jähen Ende. Fast die gesamte Produktion wird ab 1941 Kriegsgüter herstellen, die Innovationen der 1930er (Farbfilm, Vergütung, Blitz, etc.) werden dann zu einem zweiten, noch größeren Boom in den 1950ern führen, aber das ist eine andere Geschichte…