2011-08-31

Kodacolor II und der Prozess C-41


Diese Kleinbildpatrone fand ich in einer der Kameras, die ich für meine kleine Sammlung auf dem Flohmarkt erstanden habe. Der Film ist vermutlich vom Ende der 1970er Jahre, Kodak hatte den Kodacolor II als Nachfolger des Kodacolor-X 1972 (zunächst als 110er Patrone) auf den Markt gebracht und vermutlich bis Anfang der '80er Jahre in allen möglichen Formaten produziert. Ich habe keine Ahnung, welche Bilder noch auf dem Film zu finden sind, bzw. ob nicht schon vor mir Menschen die Kamera einfach geöffnet haben und der Film komplett verdorben ist. Ich werde jedenfalls nichts mehr in ihn investieren.
Wirklich interessant ist nicht der Film selbst, sondern die Tatsache, dass Kodak mit ihm den neuen Entwicklungsprozess C-41 eingeführt hat, den es bis heute gibt und der alle anderen Entwicklungsprozesse für Farbnegativfilme verdrängt hat. Es ist DER Standard-Prozess und es gibt bzw. gab ihn unter anderen Namen, aber mit identischen Spezifikationen auch von den anderen Fotofirmen (Fuji: CN-16, Konica: CNK-4, Agfa: AP-70, um nur die wichtigsten zu nennen).
Was aber ist und war an C-41 so besonders. Zunächst einmal ist es ein relativ simpler Prozess, der aus lediglich 4 (mit Wässern: 6) Stufen besteht: 1) Der Entwickler arbeitet wie bei Schwarz-Weiß und reduziert bevorzugt an den belichteten Stellen das Silberbromid zu fein verteiltem schwarzem Silber. Dies passiert in allen für die verschiedenen Grundfarben sensibilisierten Farbschichten. Der Entwickler (Bezeichnung CD-4, ein para-Phenylendiamin-Derivat) wird dabei oxidiert und das Oxidationsprodukt kuppelt an Ort und Stelle mit zunächst farblosen Farbkupplern: der eigentliche Farbstoff wird gebildet (siehe auch hier). In Schritt 2), dem Bleichbad wird das eben noch erzeugte Silber wieder ausgebleicht, sprich in eine farblose und lösliche Form gebracht, um dann in Schritt 3) dem Fixierbad, wie bei der Schwarzweißfotografie ganz aus dem Film entfernt zu werden. In den verschiedenen Farbschichten des Films bleiben dann an den jeweils belichteten Stellen die gebildeten Farbstoffe zurück und bilden ein negatives, komplementäres Farbbild. Der Schritt 4), ein Stabilisierbad entfern noch letzte Chemikalienreste, damit es haltbar wird.
Im Prinzip funktionierten Farbnegativprozesse auch schon vor dem C-41 so. C-41 allerdings hat den Prozess so standartisiert, dass er heute mit beliebigen Filmen in ein und der selben Weise abläuft, was die ökonomische Verwendung von Enwicklungsautomaten erst möglich gemacht hat. Außerdem war er schneller als frühere Prozesse. Die eigentliche Entwicklung läuft bei exakt 37.8°C genau 3 Minuten und 15 Sekunden, die weiteren Schritte sind toleranter gegenüber Temperatur und Zeitschwankungen und dauern zusammen auch nur ca. 20 Minuten. Genaueres erfährt man auch hier. Damit war es erstmals möglich innerhalb einer Stunde einen kompletten Film zu entwicklen, zu trocknen und maschinelle Abzüge zu ziehen.
Die erhöhte Prozesstemperatur brauchte eine verbesserte, höher schmelzende Emulsion und damit musste mit dem Prozess ein neuer Film her: Der Kodacolor II. Weitere Verbesserungen wie eine dünnere orange Maske, verbesserte Auflösung etc. wurden natürlich auch eingebaut und waren Voraussetzung für das neue kleine Neagtivformat 110 ("Pocketfilm"). Manche Leute haben behauptet, dass erst mit dem Kodacolor II Kodak einen Film auf dem Markt hatte, der bessere Bilder ergab als der Agfacolor. Agfa und die anderen zogen dann technologisch Ende der 70er Jahre nach und C-41 wurde schließlich Weltstandard. 

2011-08-24

Kodak Easyshare Sport C123

Warum sollte man noch eine kompakte Digitalkamera kaufen, wenn man wie wir schon einige besitzen, die alle gute Aufnahmen machen? Der Auslöser war eine Whitewater Rafting Tour, die wir vor ein paar Wochen auf dem Lehigh River in Pennsylvania unternommen haben. Bei sowas wird man mit Garantie tiefnass. Allerdings möchte man dennoch gerne den Spaß und auch die Schönheit der Landschaft im Bild festhalten. Wir hatten aber keine Kamera dabei, aus begründeter Angst, diese könnte irreparabel nass werden. Es gibt sie aber, wasserfeste Digitalkameras, sogar einige und manche sind sogar recht preiswert zu haben. Ich habe mich nach einiger Recherche für die Kodak Easyshare Sport C123 entschieden, am Ende hat der unschlagbare Preis (63 $ plus Porto bei Amazon) sowie das Speicherkartenformat (SD) den Auschlag gegeben.

Das Ding ist mit 3 Metern maximaler Wassertiefe zum Schnorcheln geeignet, aber nicht zum wirklichen Tauchen. Haupteinsatz wird aber der Wassersportbereich und der Strand sein und hierfür ist die Kamera mit einem festen aber robusten Plastikgehäuse, Gummitasten und keinerlei beweglichen Teilen bestens geeignet. Ausgestattet ist sie mit einem 12 MP 1/2.5" Sensor und einem Fixfokus 4.5/6mm (38 mm KB equiv.) Objektiv, welches nicht abgeblendet werden kann. Die Belichtungssteuerung geschieht über die automatische Variation der Empfindlichkeit (ISO 80-1250) sowie der Verschlusszeiten von 1/8 bis 1/1400 s. Es gibt ein Digitalzoom, das einen Ausschnitt von bis zu 1280x960 aus den sonst 4000x3000 Pixeln schneidet. Wer andere Digitalkameras kennt, findet sich in dem aufgeräumten Menü schnell zurecht und man braucht keine Bedienungsanleitung, die konsequenterweise auch erst gar nicht mitgeliefert wird. Das Ding wiegt 132 g ohne und 180g mit Batterien, weitere technische Details gibt es hier.
Wirkliche Wunder betreffend der Bildqualität darf man von dem Gerät nicht erwarten, wie auch erste Testergebnisse bestätigen.Den ersten wirklichen Einsatz hatte die Kamera bei uns in der letzten Woche an der Jersey Shore und dort sind meinen Kindern einige bemerkenswerte Schnappschüsse in Gischt und Wellen gelungen. Die Farben sind knackig und auch die Schärfe stimmt, für eine Veröffentlichung im Netz oder das Betrachten am Bildschirm reicht die Qualität allemal. Unser Fazit: Für Wasser-Sport und Spaß bei dem Preis jedem zu empfehlen!


2011-08-18

Argus C3

Darf ich vorstellen: Das ist die Argus C3, genannt "The Brick" (der Ziegelstein), meine neuste Erwerbung und gleichzeitig nun die älteste Kamera (Baujahr 1942) in meiner Sammlung. Ich fand sie letzten Sonntag auf der Second Sunday Camera Show in Wayne (NJ). In Deutschland ist sie eher unbekannt, mir war jedenfalls der Name Argus vor meinem Umzug in die USA noch nie untergekommen. Hier in den Staaten war Argus aber ein Begriff unter Hobbyfotografen und das hat vornehmlich mit diesem Modell C3 zu tun. Zumindest aus amerikanischer Sicht muss man die C3 zu den Meilensteinen in der Kamerageschichte zählen. Gebaut mit nur geringfügigen Modifikationen zwischen 1938 und 1966 war sie für fast 3 Jahrzehnte mit insgesamt ca. 2 Millionen Exemplaren die meistverkaufte Kleinbildkamera, quasi das Ford T-Modell der Kleinbildkamerageschichte.
May I introduce you? This is Argus C3, called "The Brick". I found her last Sunday at the Second Sunday Camera Show in Wayne (NJ). In Germany or generally outside the US it is rather unknown, I only came across the name Argus after my move to the United States. However, during its time Argus wasa name for many American amateur photographers and this was mainly because of this specific model C3. Out of the American perspective you have to call the C3 a landmark in camera history. Built with only minor modifications from 1938 for nearly 3 decades to 1966, with a total of about 2 million copies it was the best-selling compact cameras, virtually the Model T in still camera history.
Das Ding ist ohne Zweifel eine der häßlichsten und unpraktischsten Kameras, die es gibt. Dennoch hat sie einige Features, die man in ihrer Generation sonst nur bei Leica und Co. vermuten würde.  In dieser Kombination ist sie ziemlich einzigartig und macht sie deshalb wieder interessant.  Es ist a) eine Messsucherkamera mit gekoppeltem Entfernungsmesser (wie bei den ersten Leicas getrennt vom eigentlichen Sucher). b) Es gab Wechselobjektive, auch wenn der Austausch alles andere als einfach ist und man fast dafür in die Werkstatt muss. Angeboten wurden nebem dem 3.5/50 mm Cintar ein Weitwinkel (Sandmar 4.5/35mm) und ein Tele (4.5/100 mm Tele-Sandmar), sowie ein paar Fremdobjektive. Der Rest ist einfach maximal unhandlich und umständlich. Der Verschluss wird mit dem kleinen silbernen Hebel rechts vom Objektiv (wenn man die Kamera fotografierbereit vor sich hält) aufgezogen (ja, separat vom Filmtransport und es gibt auch keine Doppelbelichtungssperre), die Verschlusszeit wird an dem Rad in der linken oberen Ecke der Frontseite eingestellt (maximal anti-ergonomisch, wie sonst fast alles andere auch).
The thing is without a doubt one of the ugliest and unhandy cameras out there. Nevertheless, it has some features that in its generation usually only came with names like Leica. In this combination, it is quite unique and therefore makes it even more interesting. A) It is a rangefinder camera with a coupled rangefinder (seperated from the actual viewfinder as in the first Leicas). b) There are interchangeable lenses, even the exchange is anything but easy and you  almost have to go to the workshop for it. Offered beside the 3.5/50 mm Cintar werea wide-angle (Sandmar 4.5/35 mm) and a telephoto lens (4.5/100 mm Sandmar),as well as a few foreign lenses. The rest is simply to a maximum unwieldy and cumbersome. You cock the shutter with the little lever on the right of the lens (yes, this is separate from the film advance and there is no double exposure lock), the shutter speed is set with the wheel in the upper left corner of the front (maximum anti-ergonomic, like almost everything else). 
Der Filmtransport ist auch witzig. Zunächst muss man den kleinen Hebel neben dem Bildzählwerk ein wenig zur Seite schieben, damit entriegelt man die Rädchen, die in die Perforation greifen. Mit der anderen Hand dann gleichzeitig den Drehknopf links in Pfeilrichtung drehen und damit den Film transportieren, den Hebel dann aber wieder loslassen, damit die Verriegelung wieder beim nächsten Bild greift und man nicht zu weit spult. Es heißt, dass dieser Mechanismus immer etwas zu weit vorspult, sodass man auf einen 24er Film vielleicht 22 Aufnahmen bekommt. Film zurückspulen geht genauso, allerdings mit dem Drehknopf auf der Unterseite der Kamera in die entgegengesetzte Richtung (Helbchen nicht vergessen gedrückt zu halten!).
Advancing the film is also funny. At first you have to push the small lever next to the exposure counter a little to the side to unlock the cog gripping into the perforation. Then, with the other hand at the same time turn the knob on the left in direction of an arrow and with that wind the film. But don't forget to release the lever before you are finished, so that the mechanism locks in again at the next picture and the film does not move too far. It is said that this mechanism always goes a little too far, so you might get only  22 shots on a 24 film. Rewinding works accordingly but with the knob on the bottom of the camera in the opposite direction (don't forget to keep the lever on the top pushed!).
 

 

 

Anhand der Seriennummer (0374471) unterhalb des Filmfensterchens im Inneren der Kamera und verschiedenen Merkmalen (z.B. dem Weston Film Speed Merk-Rädchen auf der Rückwand), sowie der Zusammenstellung der Argus Collectors Group kann man meine Kamera auf das Jahr 1942 datieren. Der kleine Aufkleber im Inneren verweist übrigens auf das Design-Patent zur Kamera (US 110516 von 1938), was eigentlich nur eine technische Zeichnung ist und keinerlei technische Neuheiten schützt. Wer hätte wohl einen solchen Klotz genauso nachbauen wollen?

According to the serial number, which can be found below the film window inside the camera and specific features (eg. the Weston film speed wheel on the back) and the comprehensive compilation of the Argus Collectors Group this camera was produced in 1942. The little sticker on the inside refers to the design patent for the camera (US 110 516 from 1938), which is really just a technical drawing and protects no technical novelties. Who would probably want to build such a block as well? By the way, main material of the camera is Bakelite, which made it heavy (quite exact 2 lbs). With now two cameras in hand I might dismantle one of them to see more of the mechanisms (thereare manuals for that) or I might even try to shoot a film, let's see.
 
Haupbestandteil der Kamera ist übrigends Bakelit, was sie inklusive Film ziemlich genau 2 lbs (ca. 900 g) schwer macht. Bei meiner sind schon zwei Ecken an der Seite ausgebrochen, ansonsten funktioniert das Teil aber mehr oder weniger. Vielleicht nehme ich es bei Gelegenheit noch weiter auseinander, im Netz geíbt es jedenfalls Anleitungen dazu.

Datenblatt Kleinbild-Messsucherkamera mit Wechselobjektiven
Objektiv Wechselobjektive mit Schraubgewinde 33mm (Auflagemaß: 41mm). Verfügbar: 3.5/50 Cintar, 4.5/35 Sandmar, 4.5/100 Tele-Sandmar, sowie einige Fremdobjektive
Verschluss Mechanischer Verschluss hinter den Objektiven mit 1/10 bis 1/300 s in sieben Stufen und B. Blitzsynchronisation mit allen Zeiten möglich.
Belichtungsmessung keine.
Fokussierung Messsucher gekoppelt mit separatem Fenster für den Entfernungsmesser, Fokussierung über Rad am am Gehäuse.
Sucher getrennte Sucher für Entfernungsmessung und Ausschnitt (nur 50mm), keine Parallaxenmarkierung.
Blitz Anschluss für Kolbenstabblitzgeräte an der linken Gehäuseseite über zwei Kontakte.
Filmtransport Über Transportrad mit manueller Entriegelung (siehe Blogbeitrag).
sonst. Ausstattung Bildzählwerk, Weston Film Speed Merker, ISO-Gewinde für Drahtauslöser.
Maße, Gewicht ca. 132/85/53(70)mm, 731(898)g ohne (mit) Objektiv
Batterie keine.
Baujahr(e) 1938-1966 (diese: 1942)
Kaufpreis, Wert heute ca. 60$ (1957), ca. $10
Links Manual (english), Matt Denton's Artikel (english), The Argus Collector Group (viele Infos)

2011-08-14

Aufräumarbeiten

In den letzten Tagen habe ich ein paar Aufräumarbeiten im Blog durchgeführt. Ein paar verwaiste Blogeinträge wurden endlich auf den Übersichtsseiten verlinkt. Hauptarbeit war aber die begonnene Neugestaltung der virtuellen Kameravitrine. Es ist noch nicht ganz geschafft, aber für die Hälfte der Kameras gibt es jetzt schon Tooltips, wenn man mit der Maus auf den Bildern verweilt. Dann gibt es da noch als Symbol für die Datenblätter zu den Kameras. In nächster Zeit werde ich zu wenig neuen Kameras kommen, aber keine Angst, ich habe noch eine ganze Reihe von Kameras in der echten Vitrine stehen, die es noch nicht hierhin geschafft haben.



2011-08-06

Advanced Photo System (APS Film)

 
Das Advanced Photo System (APS) kann man wohl als einen der größten Flops der Fotogeschichte bezeichen. Es war ein wohl gut gemeinter (in wessen Sinne wohl?) Versuch, ein modernes Fotosystem rund um eine neue Filmspezifikation zu etablieren und dabei einige Schwächen, die die gute alte Tante 135 alias Kleinbildfilm unbestritten hat, über Bord zu werfen. Immerhin haben sich die Großen der Branche (Kodak, Fuji, Agfa, Nikon, Minolta, Canon, etc.) zusammengerauft und 1996 ein gemeinsames System auf den Markt gebracht, nicht jeder 'was eigenes. Vermutlich hat aber gerade dieses gemeinsame Vorgehen wertvolle Zeit gekostet. Wäre APS ein paar Jahre früher auf den Markt gekommen, dann wäre es nicht so schnell von der digitalen Fotorevolution hinweggewischt worden.
Man hat aber wohl auch ein bißchen am Verbraucher vorbei gedacht und sich zu sehr auf die eigenen Vorteile konzentriert. So wurden systembedingte Kostenvorteile (z.B. der um ca. 70% geringere Materialbedarf pro Bild, oder Kosteneinsparungen durch die Prozessautomation bei der Entwicklung) in die eigene Tasche gesteckt, der Endkunde hat pro Bild eher noch etwas mehr gezahlt bei etwas geringerer Bildqualität.
Einiges an APS war gut gedacht, aber am Ende nicht konsequent an den Bedürfnissen der Fotografen ausgerichtet:
a) Weglassen der Perforation. Dieses Relikt vom Cinefilm war eigentlich auch schon beim Kleinbildfilm unsinnig. Rollfilm kommt schon immer ohne aus und man verschenkt unnötig Material. Durchs Weglassen kann man den Film und letztendlich auch die Kameras kompakter und leichter machen. Warum man dann aber das Format des Bildes fast halbiert (genau 56%) hat ist nicht ganz einzusehen.
b) Wegen des kleineren Bildes mussten bessere Emulsionen her und diese wurden auch entwickelt und angeboten. Ob sie wirklich den Performanceverlust des kleineren Bildes ausgleichen konnten, bleibt dahingestellt. Jedenfalls haben die Filmhersteller die verbesserten Emulsionen dann auch für's Kleinbild angeboten und damit den alten Qualitätsunterschied zu gunsten des KB wieder hergestellt.
c) Die drei Formate 30.2x16.7mm (sog. HD, 16:9), 23.4x16.7nmm (Classic, 3:2) und 30.2x9.5 mm (Panorama, 3:1) waren ein nettes Gimmik und wurden damals schwer beworben. Dass diese nur durch "Cropping" realisiert wurden und damit mit einem Auflösungsverlust einhergehen wurde geflissentlich verschwiegen. Der ambitionierte Amateur lässt sich aber kaum täuschen und hat u.a. auch deshalb die Finger von APS gelassen.
d) Das technische Design der Dose und die damit verbundenen Features sind recht gut gelungen. Automatische Filmeinfädelung, Austausch teilbelichteter Filme, Verbleib der Negative in der staubsicheren Kasette, u.a. sind alles Dinge, die tatsächliche Fans des APS hervorheben.
e) Die Speicherung von Daten aus der Kamera auf einem Magnetstreifen des Films zur Kommunikation mit dem Labor. Gut gedacht, das volle Potential wurde aber meist kaum ausgeschöpft.

In Summe sind es aber alles Vorteile, die hauptsächlich für Fotolaien gemacht sind. Amateure und auch Profis brauchen das meiste davon nicht. Das Format APS-C hat zumindestens als Bezeichnung den Sprung ins digitale Fotozeitalter geschafft. Sony hat diese Bezeichnung für Sensoren eingeführt, die fast so groß wie das alte APS-C sind, Nikon nennt ein entsprechendes Format DX.
Ich persönlich habe nie mit diesem Film fotografiert. Mein Exemplar hier habe ich von einer Freundin der Famile bekommen, die im gemeinsamen Urlaub mal einen ganzen Satz von Fotos von uns gemacht hat und uns den Film für eigene Abzüge überlassen hat.  

2011-07-30

Infrarotfotografie

Ich habe in meinem Leben als Fotoamateur schon so einiges ausprobiert. Etwas sehr interessantes, was man nicht alle Tage macht, ist sicher die Infrarotfotografie.  In der Zeit vor der Digitalfotografie brauchte man dazu speziellen Film, ich habe vor ca. 25 Jahren die ersten Experimente mit dem Kodak 2481 Film gemacht, ein Schwarz-Weißfilm, der neben seiner Empfindlichkeit für sichtbares Licht (das menschliche Auge kann Licht mit Wellenlängen zwischen ca. 380 und 780 nm sehen) auch empfindlich für Wellenlängen bis ca. 900 nm ist. Um auf die Fotos später nur das von den Dingen reflektierte Infrarotlicht zu bannen, muss man erst das normale Licht aussperren. Das macht man mit einem Infrarotfilter, in meinem Fall ein HOYA R72. Da dieser Licht erst ab ca. 720 nm durchlässt, verbleibt dem menschlichen Auge nur die Lücke bis 780 nm und der Filter wirkt dementsprechend in der Durchsicht tief rot, immerhin kann man noch ein bisschen was sehen, sodass man zumindest bei einigermaßen guter Beleuchtung durch den Sucher der Spiegelreflexkamera noch was sieht.
Obwohl kaum noch normales Licht durchkommt, ist man beim Fotografieren mit dem Film erstaunt über die kurzen Verschlusszeiten, man sieht ja die Menge des Infrarotlichts nicht. Bei der Belichtung muss man sich auf die Faustregeln im Datenblatt des Filmherstellers verlassen, zum Glück hat das Ding einen recht großen Belichtungsspielraum.  Obiges Foto habe ich ca. 1987 mit meiner Nikon FE2 gemacht, man erkennt sehr schön die charakteristischen fast weißen Blätter der Bäume (Chlorophyll reflektiert sehr viel IR) und einen fast schwarzen Himmel mit weißen Wolken.
Beim Fotografieren muss man außerdem beim Scharfstellen beachten, dass Infrarotlicht von Linsen anders gebrochen wird als der sichtbare Teil des Spektrums. Früher hatten viele Objektive einen kleinen roten Punkt (siehe Bild oben!) als Orientierungshilfe zum Scharfstellen bei der Infrarotfotografie. Wieviele Fotografen haben sich wohl ihr Leben lang gefragt, was der wohl zu bedeuten hat...

Heute im Digitalzeitalter ist Infrarotfotografie viel einfacher geworden, man braucht keinen besonderen Film mehr. Die Sensoren der Digitalkameras sind per se empfindlich für IR-Licht, allerdings besitzen die meisten Digitalkameras vor dem Sensor einen Filter, der zugunsten besserer Qualität den größten Teil davon wieder rausfiltert (genau: hier spielt wieder die unterschiedlichen Fokussierebenen eine Rolle, s.o.).  Man kann bei einigen Digitalkameras diesen Filter entfernen (lassen), aber auch einfach ausprobieren, was die Kamera auch so kann. Ich habe also meinen HOYA-Filter auf meine kleine Olympus PEN E-PL1 geschraubt und aus der Hand folgende Aufnahme gemacht:
Umwandeln in SW ergibt folgendes Bild. Man sieht, dass die Blätter noch nicht ganz weiß werden und der Himmel noch nicht ganz schwarz, aber die Tendenz stimmt. Ich werde noch ein paar mehr Tests machen (auch mit anderen Digitalkameras) und berichten. Im Netz findet man übrigends einen Haufen IR-Fotos, darunter auch ganz tolle mit falschen Farben etc. Es lohnt sich ein bisschen zu stöbern.

2011-07-25

Kodak Brownie Starflex

Eine "Brownie" Kamera darf in meiner kleinen Sammlung natürlich nicht fehlen. Diese hier ist sogar eine zweiäugige Spiegelreflexkamera, die bis auf den wirklich hellen Sucher alle Merkmale einer Einfachstkamera mitbringt, und solche waren alle Brownies. Über 100 verschiedene Kameramodelle von Kodak tragen den Namen Brownie, gebaut wurden sie vom Februar 1900 an ("The Brownie") bis in die Mitte der 1960er Jahre, da wurden sie dann von den Instamatic Kameras abgelöst. 

Der Name Brownie soll angeblich von der britischen Sagengestalt gleichen Namens abgeleitet worden sein, etwa vergleichbar mit den deutschen Heinzelmännchen. Interessanteweise hieß Georg Eastman's erster (wie man heute sagen würde) Kameradesigner Frank A. Brownell. Alle Brownie Kameras waren Kameras für die Masse und verzichteten weitesgehend auf hohe technische Rafinesse. Kodak hat damit den Massenmarkt billig versorgt und natürlich das große Geschäft mit den Filmen gemacht.
Das Modell Starflex benutzte 127er Rollfilm. Der kleine Bruder des klassischen 120ers erlaubte 12 Negative oder Dias im Format 4x4 cm (1 5/8"x1 5/8"), in anderen Kameras waren auch 6.5 x 4 cm oder 4x3 cm realisiert. Damit konnten relativ kompakte Kameras gebaut werden und es gibt nicht wenige 4x4-Modelle, die einfach als Miniaturausgaben ihrer großen 6x6-Schwestern daherkommen. Kodak und auch die meisten anderen Filmhersteller haben die Produktion des 127er Films um 1995 eingestellt. Heute muss man schon Spezialgeschäfte wie die deutsche Fotoimpex bemühen, um noch die eine oder andere Rolle zu ergattern. Wer weiß wie lange das noch geht, die 126er Instamatic-Kassette, eigentlich der 127er Nachfolger, ist momentan jedenfalls nicht mehr zu bekommen.
Trotz ihrer Einfachheit ist die Starflex eine solide Kamera, die von Anfang 1958 bis 1963 gebaut wurde. Mein Modell mit dem CAMEROSITY Code CMRS stammt aus den letzten Wochen des Jahres 1957 und funktioniert noch einwandfrei. Viel kann an dem Ding auch nicht kaputt gehen, der Rotationsverschluss macht nur eine Verschlusszeit (ca. 1/50 s), zwei Blendenöffnungen ("13" und "14") konnten gewählt werden, eine für den empfindlicheren Schwarzweißfilm, die andere für Farbfilme. Scharfstellen brauchte man auch nicht, alles von 5' (1.5 m) bis unendlich wurde leidlich scharf abgebildet. Halt was so ein einfaches Objektiv eben hergibt.
Ein paar nette Features hatte die Kamera doch: Der Verschluss konnte erst nach dem Filmtransport wieder betätigt werden, bei einem Rotationsverschluss, der nicht aufgezogen werden muss, nicht selbstverständlich! Der Filmtransport erfolgt recht umständlich mit einem Rad auf der Unterseite der Kamera. Dort kann man auch den einfachen "Sportsucher" ausklappen und muss nicht den seitenverkehrten Spiegelsucher benutzen. Genial kann man das Blitzkonzept bezeichnen. Das Blitzgerät wird seitlich angeschraubt, gleichzeitig kuppeln die elektrischen Kontakte, kein Kabelstecken mehr. Das Blitzgerät ist gleichzeitig auch ein recht brauchbarer Handgriff und ich denke, dass die meisten diese Kombination nie auseinanderschraubten.
Wer noch mehr über Brownie-Kameras lesen will, dem seien folgende Web-sites empfohlen: Chuck Baker's Brownie Camera Page und Remy Steller's Brownie Collection.

2011-07-10

Panoramas mit ICE 1.4.4


Ich bin ein absoluter Panorama-Fan und benutze schon lange Arcsoft's Panoramamaker 3.0, ein für das digitale Zeitalter uraltes Programm von 1999, welches ich als Zugabe auf der Software-CD zur Nikon Coolpix 4300 gefunden hatte. Dass das sog. Stichen eine aufwändige Angelegenheit ist, kann man sich vorstellen, manche Panoramen, insbesondere solche mit vielen und großen Bilddateien brauchen ihre Zeit. Selbst bei schnellen Rechnern kann man sich zwischendurch auch mal einen Kaffee kochen gehen. Ich persönlich mache fast alle Panoramen aus der Hand und die Software hat es meist verziehen und nur wenige Artefakte erzeugt, die man dann meist durch das mauelle Setzen von Ankerpunkten wieder wegbekommt. Aufwändig, aber es geht. Es soll aber auch Software geben, die noch langsamer und aufwändiger ist und für perfekte Ergebnisse auch fast perfekte Vorlagen verlangt, so mit Panoramaknopf auf einem per Wasserwaage ausgerichteten Stativ und so. Das wär alles nichts für mich.

Jetzt gibt es aber seit Mai von Microsoft den Image Composit Editor (ICE) 1.4.4, eine frei verfügbare und benutzbare Software (download hier) ohne jegliche Einschränkungen (auch was die Größe der Panoramen angeht!). Deren Bedienung und auch Performance hat mich echt vom Hocker gerissen. Selbst auf meinem kleinen Netbook mit seinen recht bescheidenen Rechenleistungen ist ein Pano ruck-zuck fertig. Man zieht einfach (unsortiert!) die Bilddateien auf die Programmoberfläche und schon gehts los. Bisher ist mir noch kein Artefakt oder Fehler aufgefallen und auch sonst kann das Ding alles, was man für (Freihand-)Panos braucht, z.B. eine Perspektivkorrektur etc. Ich werde mich in nächster Zeit damit noch mehr befassen und ausprobieren.

2011-07-08

Aires 35-V


Als ich diese Kamera vor ein paar Wochen bei einem Trödelhändler fand war ich erst ziemlich unsicher, ob ich sie für meine Sammlung kaufen sollte. Denn von der Marke Aires hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Aber für 15$ konnte ich kaum was falsch machen, außerdem schien mir die Kamera sehr solide. Zuhause habe ich dann natürlich gleich recherchiert und festgestellt, was für ein Schnäppchen ich da gemacht hatte. Die Aires 35-V ist eine grundsolide Messsucherkamera mit Wechselobjektiven und einem eingebauten (nicht gekoppelten) Belichtungsmesser. Das Standard-Objektiv ist ein lichtstarker 7-Linser f1.5/4.5 cm (es gab auch ein schwächeres f1.9/4.5 cm). Aires baute als Wechselobjektive ein f3.2/35 Weitwinkel und ein f3.5/10 cm Tele.

Die Kamera kam 1958 auf den Markt und war die erste (und letzte) Systemkamera der noch jungen Kameraschmiede K.K. Aires Shashinki Seisakusho, die bisher nur zweiäugige Rolleiflex-Nachbauten und eine Serie von Kleinbild(mess-)sucherkameras angeboten hatten. Letztere orientierten sich an den großen deutschen Vorbildern Voigtländer Bessa, Contax und natürlich Leica. (Die Aires 35-IIIC  orientierte sich im Design mit den abgerundeten Ecken an der neuen Leica M3). Mit der 35-V und der Objektivserie wollte Aires wohl den Sprung zu den großen der Branche schaffen und hat sich wohl daran übernommen. Die Kamera kam 4 Jahre nach der großartigen Leica M3 auf den Markt und auch noch 1 Jahr nach der Nikon SP, die viele für die ultimative Messsucherkamera überhaupt halten. Damit hatte die Messsucherkameras ihren Zenit überschritten, 1959 brachte Nikon mit der F "die" Spiegelreflexkamera und die kleine Firma Aires versuchte es mit ihrer ersten Systemkamera, dazu auch noch mit einem Zentralverschluss hinter dem Objektiv. Das war wohl zuviel auf einmal und der Markterfolg blieb aus. Man versuchte es noch mit einer SLR mit festeingebautem Objektiv, aber 1962 war schluss, Aires war pleite und verschwand vom Markt.

Die Kamera selbst hat (fast) alles, was eine klassische Messsucherkamera braucht. Der Blick durch den hellen kombinierten Sucher zeigt den Ausschnitt des 35 mm Weitwinkels, helle Leuchtrahmen markieren die 45 mm und 100 mm Ausschnitte, auch Paralaxenmarkierungen sind da. Der Messsucher funktioniert auch bei meiner Kamera noch, er ist allerdings nur sehr schwer zu erahnen und kommt auf dem Foto nicht rüber. Fokussiert wird an der Kamera und nicht an den Objektiven selbst, auf dem Foto oben kann man den in den drei Einstellungen rotieren Ring für die Tiefenschärfeskala erkennen. Die Objektive werden mit einem speziellen Bajonett angflanscht.

Der Zentralverschluss (Seikosha MX) sitzt hinter dem Objektiv und man kann ihn daher kaum noch als solchen bezeichnen. Die Zeitenskala ist noch die traditionelle Serie, die viele Zentralverschlüsse verwendet haben (1-2-5-10-25-50-100-200-400). Leider ist der eingebaute Belichtungsmesser nicht gekoppelt. Wenn das der Fall gewesen wäre, dann -wer weiß- wäre Aires vielleicht erfolgreicher gewesen...

Datenblatt Messsucherkamera mit Wechselobjektiven und eingebautem Belichtungsmesser
Objektiv Wechselobjektive mit Aires Bajonett. Verfügbar: 1.5/45, 1.9/45, 3.2/35, 3.5/100
Verschluss Mechanischer Zentralverschluss hinter den Objektiven(Seikosha MX) mit 1 bis 1/400 s und B. Blitzsynchronisation (M, X umschaltbar) mit allen Zeiten möglich.
Belichtungsmessung Eingebauter Belichtungsmesser mit Selenzelle, nicht gekoppelt. Erweiterbarer Messbereich durch zusätzliche aufsteckbare Selenzelle (Kontakt über Zubehörschuh).
Fokussierung Messsucher gekoppelt, Fokussierung am Gehäuse.
Sucher kombinierter Sucher für Entfernungsmessung und Ausschnitt, Leuchtrahmen für 45 und 100 mm, einfache Parallaxenmarkierung.
Blitz Blitzsynchronbuchse für M und X-Synchronisation (umschaltbar).
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk, Doppelbelichtungshebel.
sonst. Ausstattung Drehbarer Ring mit Tiefenschärfeskalen für die drei verfügbaren Brennweiten, ISO-Gewinde für Drahtauslöser.
Maße, Gewicht ca. 144/89/56(72)mm, 723(873)g ohne (mit) Objektiv
Batterie keine.
Baujahr(e) 1958-1961
Kaufpreis, Wert heute ???, ca. $300
Links Manual (english), Massimo Bertacchi's Aires-Seite (english, italiano) , Karen Nakamura's Blog (english)

2011-07-06

Diorama

Jetzt habe ich sie genau 10 Monate, meine kleine Lieblingskamera, und erst jetzt mache ich mein erstes Diorama-Foto. Ich habe natürlich alle möglichen Funktionen der Kamera schon erkundet und ich fand diese Möglichkeit der Verfremdung recht interessant. Bisher war jedoch jedesmal, wenn ich über die Funktion gestolpert bin kein geeignetes Motiv zur Hand oder umgekehrt habe ich nicht daran gedacht, dass ich so eine Funktion habe, wenn ein Motiv da war. Gestern, beim allgemeinen Warten auf das Feuerwerk zum 4. Juli (der 235ste Geburtstag) war es endlich soweit.
Die Kamera bietet insgesamt sechs verschiedene sogenannte Art-Filter, von denen die Diorama Funktion wohl die bei weitem aufwändigste Verfremdung des Fotos ist. Man merkt das ganz deutlich, wenn man die Funktion wählt, dann ruckelt das Display der Kamera gewaltig, d.h. der Prozessor kommt mit dem Rechnen nicht mehr richtig nach. Es ist eher 1 Bild pro Sekunde, was noch angezeigt wird. Aber das tut der Funktion keinen Abbruch, sind es doch eher Stilleben, die von dem Effekt profitieren. Ich denke, jetzt wo das Eis quasi gebrochen ist, werde ich das öfter machen.