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2010-10-26

Blitzen mit Blitzbirnchen

 
Vor 50 Jahren war der Elektronenblitz zwar schon erfunden, er setzte sich aber erst im Laufe der 70er Jahre bei den Amateurfotografen langsam durch und verdrängte insbesondere den Kondensator-Blitz mit Blitzbirnchen. Ich habe in meinem Fundus insgesamt drei solche Blitzgeräte aus den Beständen meines Vaters und meines Schwiegervaters, alle ohne (notwendige und exotische, sprich heute nicht mehr erhältliche) Batterie. Mein Schwiegervater hatte zumindest noch einen kleinen Satz unverbrauchte Blitzbirnchen. Damit war mein Basteltrieb genug angestachelt und es hat wirklich nicht lange gedauert, bis es gezündet hat (als Batterie habe ich einfach einen 9V-Block verwendet). 
AG 3B super Blitzbirnen von OSRAM vor und nach Benutzung

Blitzbirnchen beruhen auf der 1861 von Paul E. Liesegang vorgeschlagenen Idee das sehr hell abbrennende Magnesium als Lichtquelle für die Fotografie zu nutzen und verwenden feinen Magnesiumdraht (alternativ auch Zirkon- und Aluminium-Magnesium Legierungen) in einer mit Sauerstoff angereicherten Atmosphäre. Johannes Ostermeier hat dafür 1930 in den USA ein Patent erhalten. Die Schaltung eines Kondensator-Blitzgerätes ist recht simpel, der Schalter sitzt in der jeweiligen Kamera, über ein genormtes Synchronkabel oder später  den Mittenkontakt im Zubehörschuh mit dem Blitz verbunden. Einmal gezündet, können Blitzbirnchen nicht nochmal verwendet werden. Ein Kunststoffüberzug verhindert das Zersplittern. Die blaue Einfärbung erzeugt die richtige Lichtfarbe für Tageslichtfilm, es gab auch klare Birnchen, die für Kunstlichtfilm verwendet wurden. Interessant ist noch der kleine blaue Indikator-Punkt (im Bild links hinter den beiden Elektrodendrähten). Dieser enthält wasserfreies Cobalt(II)-Chlorid, falls das Birnchen defekt ist und Feuchtigkeit zieht, färbt sich der Punkt von blau nach leichtrosa. Eine schöne Geschichte des Blitzlichts vom Blitzpulver über das Birnchen zum modernen Elektronen- und Computerblitz findet sich hier.
Wie man auf der Blendentabelle der Blitzbirnchen sehen kann, machen die Dinger ordentlich Licht. Leitzahl 40 (bei 100 ASA) wird bei heutigen Elektronenblitzgeräten erst von größeren externen Modellen erreicht, eingebaute Blitzröhren in den Kameras erreichen oft nur 10-20. Mein erstes Blitzgerät, das Vivitar 3200 hatte LZ 18.

2026-01-22

Agfa ISI-C (Typ K)

Zur Abwechslung mal keine Kamera oder Objektiv, sondern ein populäres Foto-Zubehör aus den 1970ern. Es handelt sich um ein einfaches Blitzgerät zur Verwendung von Blitzwürfeln des Typs N (Flash-Cube). Diese wurden 1965 vom Glühlampenhersteller Sylvania auf den Markt gebracht und waren eigentlich für einfache Kameras gedacht, die einen entsprechenden Flash-Cube Halter eingebaut hatten. Am Besten so einen, der beim Filmtransport auch den Würfel um 90° gleich mit dreht. Wie zum Beispiel die Kodak Instamatic 104. Eigentlich ist das Ganze mehr als ein Halter, sondern ein eingebautes Blitzgerät, da die Kamera zur Zündung der Blitzbirnchen im Würfel eine Batterie und einen Kondensator brauchte.

Wie viele andere Kamera- und Zubehörhersteller hatte auch Agfa seit 1952 einige Blitzgeräte im Programm, meist waren es einfache Kondensator-Modelle für verschiedene Blitzbirnchen. 1963 kommt das Modell ISI in die Fotoläden, ein sehr kompaktes, quaderförmiges Gerät mit eingebautem relativ kleinen Reflektor für den Zuberhörschuh. ISI gab es in den beiden Varianten K (mit Kabel) oder M (Mittenkontakt, hot-shoe). 

In dessen Tradition bringt Agfa im Jahr 1976 ISI-C (ebenfalls in beiden Varianten) auf den Markt. der kleine schwarze Plastikquader ist noch kompakter als der alte ISI, bringt doch der Blitzwürfel seine eigenen Reflektoren mit. Im Gehäuse wird nur noch die Batterie (6V, PX23) und der Kondensator versteckt. Eine Automatik zum Drehen des Würfels nach der Aufnahme gibt es nicht, da muss der Fotograf selbst dran denken. Eine Entfernungs-/Blenden-Tabelle (Leitzahl 15) und ein kleines abgerundetes Plastiketui für den Kameragurt runden das Produkt ab.

1976 ist die Zeit der Blitzbirnchen und entsprechender Blitzgeräte eigentlich vorüber. Der ISI-C dürfte einer der letzten Kondensatorblitzer gewesen sein, die auf den Markt gekommen sind. Der gehörte längst den Elektronenblitzern, die ab Mitte der 70er sogar von deren zweiter Generation (Computer-Blitz) abgelöst wurden. Auch Agfa ist 1963 mit dem Agfatron auf diesen Zug aufgesprungen. Diese mit der Elektronik-Revolution Anfang der 1970er erschwinglich gewordenen Geräte blitzten einmal erworben und aufgeladen quasi umsonst, während Blitzbirnchen und auch Blitzwürfel ein teurer Spaß waren.



2026-02-19

Duo-Lux Primus Kondensatorblitzgerät


Ebenfalls in dem geschenkten Beutel mit Fotokrams war dieser Kondensatorblitz mit dem Namen Duo-Lux Primus und zwei dazugehörige Schachteln Blitzbirnchen des Typs PF1B, eine davon sogar noch ungeöffnet. 
Gebaut aus hell-beigen Plastik beherbergt das Gehäuse die einfache Schaltung aus 22.5 V Anodenbatterie und Kondensator, die zum Zünden der einsteckbaren Blitzbirnchen nötig ist. Der Duo-Lux akzeptierte übrigens die Blitzbirnchen-Typen XM1/XM5, PF1/PF5 und sogar die amerkikanischen AG1


Komplettiert wird das Ganze durch einen 9 Fächersegmente umfassenden Fächerreflektor mit 12.5 cm Durchmesser und Bajonett zum ansetzen ans Gehäuse. Aufgesteckt auf die Kamera wird der Blitz per Zubehörschuh, angeschlossen allerdings (noch) per Kabel und PC-Buchse. Der Mittenkontakt ("Hot-Shoe") war 1956 (erstes Baujahr des Primus) zwar schon erfunden, setzte sich aber erst Mitte der 60er langsam durch.
Zusammengefaltet passt das nur 90 g schwere Gerät (davon 30 g alleine für die Batterie) in die mitgelieferte braune Kunstledertasche (nochmal 42 g), die man per Schlaufe am Kameratragegurt festmachen konnte. Der Originalpreis Ende der 1950er Jahre war 17.40 DM (Preisbindung), heute sind die Dinger nur noch Blitzgerätesammlern etwas wert. Hergestellt und vertrieben wurde der Blitz übrigens von der Duo-Lux Albert Hiller KG aus Dornstetten in Baden-Württemberg. Die Firma existierte von ca. 1950 bis 1972, und war wohl zusammen mit den Blitzbirnchen untergegangen. Man hatte wohl versäumt, auch in Elektronenblitze oder anderes Zubehör zu investieren. Interessanterweise findet man den kompletten Firmennamen nirgendwo auf dem Gerät noch dem Etui, dafür mehrfach ein stolzes "Made in Germany".

2010-12-31

Zeiss Ikon Ikoblitz 5

Ich besitze insgesamt drei Kondensatorblitze für Blitzbirnchen, diesen hier habe ich von meinem Vater, der ihn zusammen mit der Exa II verwendet hat. Das Blitzbirnchen auf dem Bild passt nicht wirklich, es hat einen falschen Sockel, ein passendes hatte ich aber nicht.
Das Gerät selbst ist in einem tadelosen Zustand, mangels spezieller Batterie und Blitzbirnchen wird ers aber wohl nie mehr selbst blitzen. Eine Bedienungsanleitung für den Blitz kann man hier einsehen.

2011-06-12

Kodak Instamatic 104

Eine von Kodaks Stärken bestand stets darin preiswerte und einfach zu bedienende Kameras für die breite Masse zu bauen, um letztendlich das große Geschäft mit den Filmen zu machen. 1963 führte der gelbe Riese die neue 126er Filmkassete ein und gleichzeitig natürlich eine neue Kamera, die diesen Film verwendete. Dies war die Kodak Instamatic 100. Mit ihr konnte man einen sogenannten Flashgun-Adapter für die damals üblichen Blitzbirnchen verwenden, recht umständlich, verglichen mit der sonst super einfachen Bedienung der restlichen Kamera. 1965 brachte Sylvania den Blitzwürfel auf den Markt, im Prinzip vier Blitzbirnchen inkl. Reflektoren in einem einfachen bläulichen Platikwürfel. Und Kodak natürlich die dazugehörige Kamera: aus der Instamatic 100 wurde die Instamatic 104, außer der Neuerung mit dem Blitz blieb die restliche Kamera gleich.
Die Kamera ist wirklich sehr einfach. Ein simples Fixfokus-Objektiv (einlinsiger Meniskus f11/43 mm aus Kunststoff), auch die Belichtung war fix: Es gab keine Blende und auch die Belichtungszeit (1/90 s, Zentralverschluss) war nicht zu ändern. Doch: Setzte man den Blitzwürfel auf, dann belichtete die Kamera 1/40 s, findige Knippser verwenden ausgebrannte Blitzwürfel für schattige Lichtsituationen. Der Begriff Instamatic setzte sich allgemein für Kameras durch, die 126er Filmkasseten verwendeten, und davon gab es jede Menge. Allein Kodak verkaufte bis 1970 angeblich über 50 Millionen Kameras, hauptsächlich natürlich die ganz preiswerten Modelle wie die 104 hier, welche für 15,95 $ angeboten wurde. 126er-Kameras wurden bis in die 90er Jahre hinein gebaut und dann durch das APS-System ersetzt, was dann aber recht schnell von der digitalen Fotorevolution überrollt wurde.
Kodak verwendet den sogenannten CAMEROSITY code und keine Seriennummer, um seine Produkte zu markieren. Man kann diesen recht leicht entschlüsseln, dazu ordnet man die Ziffern 1 bis 0 den zehn Buchstaben aus Camerosity zu. "YEOR" wie bei meiner Kamera ergibt 0465, sprich April 1965, also ein frühes Modell. Meine "104" habe ich zusammen mit zwei anderen Kameras vor ein paar Wochen auf einem Flohmarkt für (insgesamt) 15$ erstanden, ca. 35 Jahre nach meiner ersten eigenen Kamera, die quasi ein Nachbau der Kodak ist. Die Agfamatic braucht übrigends sog. X-Blitzwürfel, die mechanisch gezündet werden können. Die Kodak Instamatic 104 hat noch ein Batteriefach für zwei AAA-Zellen und einen eingebauten Kondensator, um die N-Blitzwürfel elektrisch zünden zu können. 
Für die Instamatic-Kassete gab es nicht nur einfache Kameras. Ich durfte eine Zeit lang mit der wohl technisch wertvollsten 126er fotografieren, wie ich schon berichtet habe


2012-09-25

Polaroid J33 "Electric Eye"

Ebenfalls vom letzten Garage Sale habe ich Sofortbildkamera Nr. 4, Polaroid's J33, gebaut von 1961 bis 1963. Zusammen mit ihrer technisch fast identischen großen Schwester J66 (anderes Filmformat, 40er Rollfilm-Serie) gehörte die J33 zu Polaroid's letzten Kameras für Sofortbild-Rollfilm nach dem Trennbildverfahren. Ab 1963 kamen dann mit dem Modell 100 die Packfilmkameras, die mit der berühmten SX-70 ab 1972 ihren technischen Zenit erreichten. In die J33 passte der selbe 30er-Serie Rollfilm wie in das Modell 80 "Highlander" (Bildgröße 2 1/2" x 3 1/4" = 6.4 x 8.3 cm, durch einen weißen Rand ist das eigenliche Bild aber nur 5.4 x 7.3 cm groß). Die J33 "Electric Eye" hatte allerdings eine automatische Belichtungssteuerung (1/15 s bis 1/1000 s), die praktisch nur die Verwendung von Typ 37 Rollfilm erlaubte, der die damals unglaubliche Empfindlichkeit von 3000 ASA besaß (1959 war das Weltrekord!). 

Trotz automatischer Belichtungssteuerung und Zwei-Zonen Fixfokus, war Sofortbildfotografie mit dem Rollfilm immer noch recht umständlich. Polaroid hat aber alles getan, um es so weit es geht idiotensicher zu machen und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung auf die Kamera geklebt, sowie weitere Hinweise auf die Innenseite der Bildklappe gedruckt. Ich habe versucht mit meiner Bildkollage oben, die einzelnen Schritte abzubilden, einfach für größere Bilder draufklicken... Polaroid behauptet in ihrer gedruckten, ausführlichen Bedienungsanleitung, dass diese Schritte schon nach wenigen Bildern quasi in "Fleisch und Blut übergehen".


Neben der automatischen Belichtungssteuerung war das eingebaute Blitzgerät für Blitzbirnchen ein Highlight der Kamera. Mit meinen Exemplar bekam ich noch ein fast vollständiges Päckchen Sylvania Blitzbirnchen. Die notwendige Batterie in der Kamera stammte allerdings auch noch aus den 60ern, war ausgelaufen und hatte zu Korrosion der Batteriehalterung geführt, die bei meiner ersten Berührung abbrach. Also habe ich erstmal alles sorgfältig gereinigt und quasi eine neue 1.5 V Batterie eingelötet. Den Erfolg könnt ihr oben bewundern, es blitzt wieder! Auf die GIF-Serie bin ich besonders stolz, ich habe nur 3 Birnchen gebraucht. Trotz funktionerendem Blitz, sauberer Optik und satt klickender Mechanik kann man leider keine Bilder mehr mit dem Ding machen: Es gibt schon seit ungefähr 40 Jahren keinen passenden Film mehr!
Wie gut die Bilder der Kamera früher wirklich waren, kann ich man heute also nicht mehr beurteilen. Der einlinsige Plastik-Meniskus als Objektiv verspricht jedenfalls nicht besonders viel. Auch die kleine Bildgröße und der Fixfokus waren nichts für etwas anspruchsvollere Fotografen. Ich möchte auch nicht wissen, wieviele Fotos bei der Entwicklung misslangen. Gar nicht zu sprechen, vom notwendigen Klarlacküberzug, den man mit einem Schwämmchen nach jedem Foto auftragen musste, um es haltbar zu machen... Hat irgendjemand in einem Album noch Foto's von damals?
Für Interessierte an Polaroids Kamerageschichte, sei neben der Land-List auch Jim's Polaroid-Seite empfohlen.

2025-03-09

Zeiss Ikon Colora F

Kamera Nr. 4 aus dem geschenkten Beutel voller einfacher Kameras ist diese Zeiss Ikon Colora F. Man würde sie auch ohne genauere Kenntnisse richtigerweise in die Mitte der 1960er Jahre verorten. Solche Kleinbild-Sucherkameras mit fest eingebautem Normalobjektiv und Zentralverschluss gab es damals von nahezu jedem Hersteller in verschiedenen Ausstattungsvarianten. Neben Kodak und Agfa hat sich insbesondere hier auch Zeiss Ikon hervorgetan, ein paar ihrer 1960er Kameras habe ich schon vorgestellt: Contessa, Cotessamat SE. Neben der Differenzierung mit hochwertigen Ausstattungsdetails wie Belichtungs- und/oder Entfernungsmessung, die die Kameras teurer machten, kamen damals immer billigere Modellreihen dazu. Bei Zeiss Ikon war das zunächst die Continette, dann die noch einfachere Colora. Man sparte am Objektiv (einfache Triplets mit Frontlinsenfokus) und am Verschluss (z.B. Prontor 125).   

Das Blitzgerät für AG-1 Blitzbirnen unter dem
hochgeklappten Zubehörschuh. Daneben auf der 
Rückspulkurbel der zughörige Blendenrechner.
Nachdem die Zeiss Stiftung im Jahr 1956 Zeiss Ikon's Konkurrenten Voigtländer von Schering übernommen hatte, und bevor man 1966 für beide Marken eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft gründete, suchten die Verantwortlichen Anfang der 1960er Jahre nach Synergien. So teilte sich die zweite Generation der Colora ab 1963 das nun rundliche Gehäuse mit der Voigtländer Vitoret. Neben der Form ist der Voigtländer-typische Auslöseschieber auf der rechten Kameravorderseite charakteristisch für die neuen markenübergreifenden Kamerazwillinge. Die beiden Kameras sind zu 98% identisch und unterscheiden sich neben Beschriftung und wenigen ästhetischen Designelementen nur in einem kleinen technischen Detail (siehe unten). Ich gehe daher davon aus, dass auch die Colora mit den selben Maschinen wie die Vitoret vermutlich in Braunschweig gebaut wurde. Alles andere macht wirtschaftlich keinen Sinn.
 
Von beiden Modellen gibt es eine F (für "flash") Variante, die unter jeweils etwas höheren Gehäusekappen einen AG-1-Blitzbirnchenhalter und die entsprechende 15V-Batterie unterbrachte. Der Blitzreflektor klappte unter dem Zubehörschuh auf Knopfdruck elegant auf. Interessanterweise besitzen sowohl die Colora (ohne F) als auch die Vitoret eine PC-Buchse am Verschluss für den Anschluss von Blitzgeräten per Kabel, die Colora F (im Gegensatz zur Vitoret F !) diesen aber nicht mehr. Das heißt, man kann zwar ein externes Blitzgerät in den Zubehörschuh stecken, dies aber nirgends anschließen.

Vielleicht ist die fehlende Blitzbuchse für Zeiss Ikon auch das Argument, die Colora F mit 94 DM leicht unterhalb der 99 DM für die Voigtländer Vitoret F (Preisbindung!) zu positionieren. Von der Vitoret F wurden laut Claus Prochnow's Voigtländer Report 63500 Stück gebaut und verkauft, leider konnte ich zur Colora F keine Zahlen finden. Mich würde es allerdings nicht wundern, wenn die Zahl trotz des günstigeren Preises darunter liegen würde. 

Trotz des relativ günstigen Preises für diese Kameras war Blitzfotografie damit kein billiges Vergnügen. Ein Blitzbirnchen kostete ca. 40 bis 60 Pfennig, damit kostete ein Blitzfoto inklusive Film und Abzug mehr als doppelt so viel wie eines bei Tageslicht. Ich habe dazu leider nur Preislisten von 1956 und 1975 einsehen können, deren Preise allerdings ungefähr gleich auf lagen. Ich gehe mal davon aus, dass das auch für die 1960er Jahre galt. Kein Wunder, dass die am Ende der 1960er Jahre aufkommenden Elektronenblitze sich schnell durchsetzten, hier kostete ein Blitz außer den Anschaffungskosten fast nichts mehr. Eine mit der Vitoret/Colora F verwandte (Meilenstein-) Kamera zum Thema Elektronenblitz habe ich auch schon in meiner Sammlung...  


Datenblatt Kleinbild-Sucherkamera (24x36) mit eingebauten Blitzgerät für AG-1 Blitzbirnen
Objektiv Zeiss Ikon Novicar 50 mm f/2.8 (Triplet)
Verschluss Gauthier Prontor 125, B-30-60-125
Belichtungsmessung keine
Fokussierung manuell per Frontlinsenverstellung, keine Scharfstellhilfe
Sucher großer optischer Sucher mit Leuchtrahmen
Blitz eingebautes Blitzgerät für AG-1 Blitzbirnen, keine (!) alternative Anschlussmöglichkeit per Kabel.
Filmtransport mit Schnellschalthebel, Bildzählwerk (rückwärts)
sonst. Ausstattung Drahtauslösergewinde, Stativgewinde 1/4'', Zubehörschuh
Maße, Gewicht ca. 128 x 90 x 68 mm, 
Batterie 15 V Batterie für Blitzgerät, z.B. Daimon Nr. 324 oder Varta Pertrix Nr. 74
Baujahr(e) 1964-1965, Z.I.-Katalog-Nr. 10.0641. Vermutlich produziert auf der Vitoret-F Produktionslinie bei Voigtländer
Kaufpreis, Wert heute94 DM (1965), 5 €
Links Camera-WikiCamera manual (english), Photobutmore-Blitzseite, Vitoret F
Bei KniPPsen weiterlesen Vitrona, Die Geschichte des heißen Schuhs, Blitzbirnchen, Flash Bulbs

2015-09-13

Agfa Isoflash Rapid


Nach so vielen Instamatic (126er) Kameras hier Agfa's Antwort. Vielmehr eher eine Verlegenheitsantwort, denn Kodak hatte Agfa 1963 wohl kalt erwischt. Daher besann man sich bei Agfa ihrer Karat-Kassette aus den 1930ern und spendierte ihr noch eine "Nase" mit der man Kameras die Filmempfindlichkeit mitteilen konnte. 1965 kam das System (wieder) auf den Markt und das gleich mit einer Serie einfacher Kameras aus Agfa's Münchener Kamerawerk. In Größe und Eigenschaftsprofil gleichen die Kameras der Konkurrenz von Kodak doch sehr. 
After so many Instamatic (126) cameras, here comes Agfa's answer to this easy-load cartridge. It was rather a stopgap answer, Kodak obviously caught Agfa with their pants down. Agfa remembered its Karat cartridge from the mid 30ies, and just added a nose to convey film speed information to the (equiped) cameras. Agfa (re-) launched the system on the market in 1965 together with a series of simple cameras from their camera production plant in Munich. Size and feature set resemble Kodak's Instamatic versions quite a bit, though.
Ich habe meine Isoflash-Rapid als komplettes Set bei einem Trödelhändler in Astoria, Oregon für nur $20 gefunden. Und es scheint tatsächlich umbenutzt seit 50 Jahren. Der mitgelieferte, originalverpackte Film hat als Ablaufdatum August 1968, die Batterie zum Zünden der Blitzbirnchen ist wohl nicht mehr zu gebrauchen. Neben der ausführlichen Gebrauchsanleitung findet sich noch "easy load instructions" im Inneren der Kamera.
I got my Isoflash-Rapid camera as a complete outfit from an antique store in Astoria, Oregon for just $20. The outfit seems to be unused since 50 years. The roll of film included expired in August 1968, the battery for powering the flash bulbs is probably dead. Besides the comprehensive manual there were "easy load instructions" inside the camera.
Agfa war wohl bewusst, dass wirkliches, idiotensicheres "Easy Load" nur die Kassette von Kodak bot. Rapid war zwar grundsätzlich einfacher zu laden als die 135er Patrone und man brauchte nicht zurückspulen. Allerdings war es schon etwas fummeliger und es bestand immer die Gefahr, dass belichteter Film ein zweites Mal eingelegt werden konnte. Agfa wies daher sehr deutlich auf den größten (und fast einzigen) Nachteil der Instamatik-Kassette hin: die mangelhafte Filmplanlage und den damit verbundenen Schärfeverlust (siehe Bild unten von der Verpackung). Genutzt hat es nichts, denn die billigen und einfachen Kameras mit ihren lichtschwachen Objektiven profitierten ja nicht wirklich von einer Filmandruckplatte. Agfa schwenkte dann auch schon 1968 um, kaufte eine Lizenz von Kodak und stellte selbst Kameras und Film für die 126er Kassette (hier Pak genannt) her. In den frühen 70ern dann sogar sehr erfolgreich mit der Agfamatic Serie, meine erste Kamera war so eine
Agfa must have known, that real and fool-proof "easy load" was only offered by Kodak's Instamatic cartridge. Obviously, the Rapid film was generally easier to handle than a 135 roll and rewind was not necessary. However, it was more fiddly and there was always the threat that already exposed film could be used a second time. Therefore, Agfa pointed distinctly to the biggest (and almost only) disadvantage of the Kodak cartridge: the insufficient film flatness and the respective loss of sharpness (see picture of the packaging below). It was of no avail. The simple and cheap cameras with their low f-stop lenses from both systems wouldn't really benefit from a film pressure plate. After limited success on the market, Agfa changed their mind already in 1968 and started making film and cameras for the 126 cartridge (named PAK at Agfa). During the early 1970ies they have been quite successful with the Agfamatic series. My very first camera was a Agfamatic 200
Interessanterweise konnte Agfa einige andere Hersteller überzeugen, auch Kameras für die Rapid-Kassette zu bauen. Es sind sogar einige ganz schicke mit ein bisschen fotografischem Anspruch dabei (z.B. Fujica Rapid S2 oder Minolta 24 Rapid), allerdings keine Spiegelreflex, obwohl einer solchen eine Filmandruckplatte sehr gut gestanden hätte.
Ich werde natürlich das Set in seinem Zustand bewahren und den Film nicht verwenden. Wenn ich aber mal eine zweite Rapid (oder SL) Kassette finde (oder gar einen unbelichteten Film), werde ich wohl richtig fotografieren. 35mm Film läßt sich nämlich recht einfach umspulen, siehe Links unten.
Interestingly, Agfa was able to convice some other manufacturers to produce own cameras for the format. There are even some really nice with some photographic ambitions (eg. Fujica Rapid S2 oder Minolta 24 Rapid). However, no SLR, although this could have made use of the film pressure plate.
I will of course keep the complete outfit in its actual form and don't use the film. However, if I ever find a second Rapid (or SL) cartridge (or an unexposed film roll), I will shoot a roll with the camera. 35 mm film can be easily reloaded, see links below.

Datenblatt einfache Sucherkamera mit für Rapid-Film
Objektiv Agfa Isinar (einlinsiger Meniskus, 40 mm f/8)
Verschluss Agfa Parator (1/40 und 1/80 s)
Film (format) 24 x 24 mm, Agfa Rapid Kassette, 16 Aufnahmen
Fokussierung Fixfocus
Sucher einfacher Sucher ohne Rahmen
Blitz AG-1(B) Blitzbirnchen, versenkbarer Reflektor
Filmtransport mittels Daumenrad, Rückspulen nicht notwendig
sonst. Ausstattung Bildzählwerk (rückwärts), Stativgewinde
Maße, Gewicht                                                                                                                
Batterie PX-23 (6V Quecksilber), nur für Blitz notwendig
Baujahr(e) 1965-1966
Kaufpreis, Wert heute 65 DM, US$15 (1965), $10-$20
Links Camerosity-Blog, Lomography Magazine
Data Sheet simple point&shoot camera for Rapid film
Lens Agfa Isinar (single lens meniscus, 40 mm f/8)
Shutter Agfa Parator (1/40 and 1/80 s)
Film (format) 24 x 24 mm (1" x 1")
Focussing Fixfocus
Viewfinder simple viewfinder without frame
Flash AG-1(B) flash bulbs, retractable reflector
Film advance with thumb wheel, no rewind necessary
misc. Features frame counter (backwards), tripod socket
Size, Weight                                                                                                               
Battery PX-23 (6V Mercury), only to power flash bulbs
Year(s) of Production 1965-1966
Original Price, Today's Value US$15 (1965), $10-$20
Links Camerosity-Blog, Lomography Magazine

2013-01-01

Robot Junior

Heinz Kilfitt konstruierte schon Anfang der 1930er Jahre eine neue Kleinbildkamera für das von ihm favorisierte quadratische Filmformat 24x24 mm. Das innovativste Merkmal der Kamera war der später von Gauthier produzierte Rotationsverschluss. Kilfitt fand in Hans-Heinrich Berning einen Partner, der die Idee mit dem Federmotor beisteuerte. Bernings Vater Otto und sein Onkel Herrmann, beides wohlhabende Industrielle investierten in die neue Firma und in eine bis dahin im Fotobereich in ihrem Umfang unbekannte Werbekampagne. Ab 1934 gab es die "Robot"-Kamera, die 1939 vom Robot II abgelöst wurde. Diese Kamera ist die Basis aller 24x24 mm Kameras, die bis in die 70er Jahre hinein von Berning & Co. produziert wurden. Auch diese Robot Junior hat dieselben Ausmaße und  alle wesentlichen Merkmale. Sie wurde neben anderen besser ausgestatteten Modellen ab 1954 als Einsteiger-Robot angeboten.

Robot Junior

Robot-Kameras wurde mit unterschiedlich starken Federmotoren angeboten. Das etwas unhandlich wirkende stärkste Modell hier ragt immerhin 3.5 cm aus der Kameraoberseite heraus, schafft aber einen kompletten KB-Film (36er, ergibt bis zu 52 Aufnahmen bei 24x24) mit einem Aufzug durchzuziehen. Wenn der Auslösefinger gut geübt ist, soll es angeblich mit bis zu 5 Bildern pro Sekunde gehen, das war damals Weltrekord für automatisierten Filmtransport. Mein Modell hakt allerdings etwas und mehr als 1 Bild pro Sekunde sind geschätzt nicht mehr drin. Nimmt man die Kamera in die Hand, fällt besonders eins auf: Sie ist verdammt schwer. Trotz ihrer sehr kompakten Ausmaße wiegt sie 650g, fast soviel wie eine KB-SLR aus der Zeit. Die ähnlich kompakten Olympus PEN EES-2 (Halbformat 18x24) oder die Rollei 35 (24x36!) wiegen nur die Hälfte. Erklärung: alle Robot-Kameras wurden aus V2A-Stahl hergestellt und sind damit äußerst robust. 


Mehr über Robot-Kameras und auch ihre heutige Rolle kann man auf den verlinkten Seiten im Netz nachlesen (siehe auch unten). Meine Geschichte zur Robot beginnt mit meinem Vater, der mir von diesen Motorkameras ab und zu vorgeschwärmt hat als ich noch Kind war. Allerdings hat er nie eine eigene besessen. Erst später habe ich den Zusammenhang begriffen: Er hat als 15-Jähriger eine Lehre als Maschinenschlosser bei Otto Berning & Co in Schwelm gemacht als deren Kamerawerk in Düsseldorf in vollster Blüte stand. Heinz Kilfitt hat Robot schon 1938 wieder verlassen und sein eigenes Kamerunternehmen gegründet und sich auch sonst einen Namen als innovativer Kameradesigner gemacht.
Diese(n ?) Robot Junior habe ich schon im März 2011 auf meiner ersten Second Sunday Camera Show gekauft. Sie ist leicht defekt - der Federmotor kann nur per Zange aufgezogen werden und der Verschlusssperrhebel fehlt, außerdem müsste die Belderung erneuert werden. Ich dachte, das ist ein perfektes Renovierungsprojekt und ich warte mit diesem Beitrag bis sie wieder wie neu ist. Tja, irgendwie komme ich nicht dazu und so habe ich mich jetzt doch entschlossen, sie hier zu präsentieren.


Datenblatt Kleinbildkamera für das Format 24x24mm mit motorisiertem Verschlussaufzug und Filmtransport
Objektiv Wechselobjektive mit Schraubgewinde M26x1mm, Auflagemaß 31mm. Über 100 verschiedene Objektive verfügbar. Standardobjektiv für die Junior war das Schneider-Kreuznach Radionar 3.5/38mm, ein Triplet.
Verschluss Mechanischer Rotationsverschluss hinter dem Objektiv mit 1/2 bis 1/500 s in acht Stufen (2-5-10-25-50-100-250-500) und B. Blitzsynchronisation mit allen Zeiten möglich.
Belichtungsmessung keine.
Fokussierung Manuell am Objektiv, keine Scharfstellhilfe.
Sucher Einfacher Durchsichtsucher, keine Parallaxenmarkierung.
Blitz Separate Buchsen für Elektronenblitz (X) und Blitzbirnchen (M) an der Kameravorderseite.
Filmtransport Automatischer Filmtransport mittels Federwerk. Doppeltes (hohes) Federwerk erlaubt bis zu 50 Aufnahmen bei 3-4 B/s.
sonst. Ausstattung Bildzählwerk, Auslösesperre, Zubehörschuh, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, keine (!) Rückspuleinrichtung, spezielle Filmkassette
Maße, Gewicht ca. 110/95/40(58)mm, 501(650)g ohne (mit) Objektiv
Batterie keine.
Baujahr(e) 1954-1960(?)
Kaufpreis, Wert heute 198 DM (1954), US$100 bis US$200
Links Bedienungsanleitung, Peter Lausch's Artikel, Robot-Camera.de (umfassende Robot Seite), 
Scotts Photographica (english)
Seiten aus dem Photo Porst "Photohelfer" Katalog von 1956

2025-05-25

Kodak Instamatic 50


Kodak's Instamatic Kameras 100 und 104 habe ich hier schon vorgestellt. Diese etwas verschmutzte "50" bekam ich neulich als Teil einer kleinen Sammlung geschenkt. Die Instamatic 50 ist nach einigen Quellen (u.a. McKeown's) Kodak's erste Kamera für den neuen 126er ("Pak"-) Kassettenfilm, kam 1963 aber zusammen mit der "100" auf den Markt. Beide wurden sowohl in Rochester/NY (USA) als auch in England und Australien gebaut. Bis auf kleinere Äußerlichkeiten unterscheiden sich die beiden lediglich durch den Blitz: Während die "50" einen proprietären Blitzschuh (Hot-Shoe) für das Instamatic-Aufsteckblitzgerät besitzt (siehe Bild links), hat die "100" dieses (und auch die obligatorische Batterie dazu) eingebaut. Beide Blitzgeräte verwendeten AG1-Blitzbirnchen.   

Kodak hat insgesamt von 1963 bis zum Ende der 1970er Jahre über 60 verschiedene Instamatic-Modelle an 6 verschiedenen Produktionsstätten (USA, England, Deutschland, Spanien, Kanada und Australien) gebaut und angeblich schon 1970 die 50-Millionenmarke an verkauften Instamatics geknackt. Wenn man bedenkt, dass die Kameras eigentlich nur Mittel zum Zweck (Filmverkäufe) waren, ein immenser Markterfolgt. Die "50" und die "100" dürften auch im 7-stelligen Bereich gebaut worden sein, an das meistverkaufte Kameramodell der Welt kommen sie wegen ihrer eher kurzen Bauzeit aber wohl nicht ran.  

Datenblatt Einfachstkamera für 126er Pak-Film
Objektiv 43 mm f/11 Meniskus
Verschluss Einfachverschluss 1/40 und 1/90 s, umschaltbar per Schalter auf der Front.
Fokussierung Fixfokus, 1.20 m  - ∞.
Suchereinfacher optischer Durchsichtsucher
Blitz Proprieträrer Blitzschuh mit zwei Kontakten für Instamatic Blitzbirnchenhalter 
Filmtransport Schnellschalthebel an der Seite
sonst. Ausstattung Öse für Handschlaufe
Maße, Gewicht 102 x 60 x 51 mm, 265 g (ohne Film)
Baujahr(e) 1963-1965, diese hier (Camerosity-Code CCOE = 11/64)
Kaufpreis, Wert heute US$ 16 (1963), ca. 5 €
Links Camera WikiCollection Appareils, Wikipedia (engl.), Mes-Appareils
Bei KniPPsen weiterlesen Kodak als Filmhersteller, Kodak Instamatic 100, Instamatic SLR, Hubert Nerwin (Erfinder 126er Kassette), George Eastman, Agfamatic 200 Sensor

2015-07-22

Agfa Isoflash Rapid


Ein ziemlich genau 50 Jahre altes, aber unbenutztes und vollständiges Kamera-Set mit Anleitung, Garantiekarte, Blitzbirnchen, Film, Trageschlaufe und Batterie wartete gestern auf mich in einem der vielen Antik-Shops in Astoria, Oregon. Für nur $20 wurde es meins und ich werde demnächst hier noch mehr über Kamera und Agfa's Rapid-System schreiben. Auch zum großen Konkurrenten Instamatik (126) habe ich Neues, abwarten...
A rather exactly 50 years old, though unused and complete camera outfit with manual, warranty card, flash bulbs, film, wrist strap and battery waited for me yesterday in one of the many antique stores in Astoria, Oregon. For just US$ 20 it got mine and soon I will post more here about the camera and Agfa's Rapid system. Even for its major competitor Instamatic (126) I have some new stuff, wait and see...

2021-08-16

Die Geschichte des heißen Schuhs

Der erste „hot shoe“, hier an meiner Universal Mercury II 

„Cold Shoe“ an meiner Leica III
Was im englischen kurz „hot shoe“ genannt wird, heißt in der deutschen Langversion „Zubehörschuh mit Mittenkontakt“ (für Blitzsynchronisation). Seine Geschichte beginnt natürlich als einfacher Zubehörschuh, später rückblickend  als „cold-shoe“ bezeichnet, gegen 1913 in der Werkstatt von Oskar Barnack bei Leitz in Wetzlar. In den 1920er und 1930er Jahren fand er schnell Verbreitung und wurde von den meisten Kameraherstellern verwendet. Gedacht war er anfangs nicht für Blitzgeräte, sondern für Aufstecksucher oder -Entfernungsmesser. Später kamen auch noch Belichtungsmesser dazu. 
Blitzbirnen wurden erst 1925 erfunden und es dauerte bis in die Mitte der 1930er, dass sich praktikable und einigermaßen erschwingliche Lösungen (sprich: integrierte Blitzgeräte) durchsetzen. Zunächst wurden ein paar Verrenkungen unternommen, um Blitz und Auslösung zu synchronisieren, meist löste dabei der Blitz die Kamera aus. Da Blitzbirnen elektrisch gezündet werden, lag es nahe, den Schalter dafür in die Kamera (bzw. genauer: in den Verschluss) zu verlegen, und das Blitzgerät wurde per Kabel angeschlossen. Auch dazu gab es verschiedene Stecker, aber recht zügig setzte sich die bis heute übliche 3mm-Buchse, auch PC-socket („Prontor-Compur“ Buchse) dafür durch. Sie wurde mit den entsprechenden „Synchro“-Zentralverschlussvarianten ca.1935 eingeführt.
Auf die Idee ein Aufsteck-Blitzgerät direkt ohne Kabel über einen entsprechend modifizierten Zubehörschuh anzuschließen kam als erste die amerikanische Firma Universal, die 1938 ihre Mercury mit diesem Feature vorstellte. Ein Bild vom gesamten Ensemble mit Blitz gibt es auf der Camera-Wiki Seite. Aber bis auf ihre Nachkriegsschwester Mercury II (1946) und der Argus 21 (1947, und deren Nachfolger C4 und C44) gab es so gut wie keine Nachahmer. Die erste europäische Kamera mit einem hot-shoe war die Bell&Howell Foton (1948). Fast die gesamte deutsche und damals (trotz verlorenem Krieg) noch führende Kameraindustrie ignorierte das Feature erstmal. Nur der kleine Neueinsteiger Saraber aus Goslar brachte es an seiner Finetta Super im Jahr 1951. Polaroid brachte es 1954 mit ihrer sehr erfolgreichen Highlander, aber erst ab Ende der 1950er Jahre mit dem Aufkommen von Elektrik und Elektronik in den Kameras kam Fahrt in die Sache.
Typischer „Hot Shoe“
(Olympus 35 SP)
Nach meinen Recherchen ging es in Deutschland 1959 mit der Braun Paxette Electromatic los, eine Kamera, die als vollautomatische KB-Kamera beworben wurde und der daher auch der kabellose Blitzanschluss nicht fehlen sollte. Damit war das Marktsegment für dieses „neue“ Feature gesetzt: Hochwertige, mehr oder weniger vollautomatische Kleinbild-Sucherkameras. Zu dem weiteren gehörten: Agfa Optima Ia (1962), Kodak Retinette Ib (Typ 045, 1963), Voigtländer Vitomatic IIb (1964). Dazu gab es einfache Aufsteck-Blitzgeräte wie das Agfa IsI M für Blitzbirnchen. Ab Mitte der 1960er Jahre kamen fast alle neuen Sucherkameras mit Zubehörschuh und Mittenkontakt, auch und gerade die einfachen bzw. auch welche für Rollfilm, Rapid- oder 126er Kassette (z.B. Agfa Isomat Rapid oder Kodak Instamatic 500, beide von 1965).

Die japanischen Kamerahersteller versuchten es zunächst mit proprietären hot-shoes, los ging es schon 1951 mit der Nikon S (auch alle späteren Nikon RF hatten diesen Schuh mit zwei länglichen Kontakten). Der Schuh der Konica IIIm von1959 sah schon eher wie der Standard-Schuh aus, war aber ebenfalls nicht kompatibel mit den meisten Blitzgeräten. Den heute gebräuchlichen hot-shoe spendierten die japanischen Produzenten erst ab 1965 nach und nach ihren Kameras. Minolta startete 1965 mit der Electro Shot, Olympus stellte seine PEN-Serie sukzessive ab 1967 um, Canonet‘s gab es ab 1969 mit Mittenkontakt. Seltsamerweise war der Elektronik-Pionier Yashica bei den letzten, hier gab es einen Mittenkontakt erst ab 1973 für die erfolgreiche Electro 35 Serie.

Praktica LLC (1969)
Auch das Spiegelreflexkamera-Segment, sonst oft Vorreiter technischer Innovationen, ließ sich bis auf eine Ausnahme Zeit. Diese heißt Nikon F und hatte schon 1959 einen speziellen Zubehörschuh mit Blitzkontakt, allerdings wegen der Wechselsucher um die Rückspulkurbel herum und komplett inkompatibel mit Nikon-fremden Zubehör. Die erste SLR, die ich mit dem standard hot-shoe finden konnte, ist die Kodak Retina Reflex IV von 1964, Nummer zwei die Rollei SL26 (1968), beide aus deutscher Produktion und beide kein typischer Vertreter der Mainstream SLR. Die kamen erst ab Ende 1968, die erste war der Elektronik-Pionier Yashica TL Electro-X, danach habe ich die Praktica LLC (1969). Dann folgten ab ca. 1971 die neuen Kameras mit elektronischem Verschluss  (Pentax ES, Nikkormat EL, etc.). Ab spätestens 1973 findet man den hot shoe an fast jeder SLR, seien es neue Modelle oder Neuauflagen alter Bestseller wie z.B. Nikkormat FT2 (eine FT-N mit hot shoe) bzw. Minolta SR-T 303

Canon AE-1 (1976)
Ab Mitte der 1970er Jahre, getriggert durch die nun preiswert verfügbaren Elektronenblitzgeräte, kommt nach fast 40 Jahren neue Innovation in den hot shoe (er wird quasi noch heißer…). Mit der ersten Massen-SLR AE-1 führt Canon 1976 zwei zusätzliche proprietäre Kontakte neben dem genormten Mittenkontakt ein, die eine Blitzbereitschaftsanzeige im Sucher und die automatische Umschaltung auf die Blitzsynchronzeit erlauben. Fast alle anderen SLR-Hersteller machen das nach, natürlich nicht kompatibel zu einander. Der kleinste gemeinsame Nenner bleibt nur der dicke Kontakt in der Mitte. Zusätzliche Kontakte erlauben dann auch die TTL-Blitzsteuerung (erstmalig mit der Olympus OM-2, 1978). 

Moderne DSLR Kameras haben bis zu fünf zusätzliche Kontakte, Minolta führte 1988 sogar einen gänzlich neuen Hot-shoe ein, der überhaupt nicht mehr kompatibel war. Natürlich gab und gibt es Adapter, insbesondere ist der SCA („System Camera Adapter“) von Metz und 6 anderen Europäischen Blitzhersteller zu nennen. 

Damit ist meine kurze Geschichte des „heißen Schuhs“ erst mal zu Ende. Ich habe schon länger vergeblich nach etwas entsprechendem im Netz gesucht, musste es daher selbst machen. Alles ist natürlich sorgfältig recherchiert, Gewähr möchte ich für die Infos dennoch nicht übernehmen. Daher die Bitte: Wem hier ein Fehler auffällt, bzw. etwas zu ergänzen hat, bitte hier unter per Kommentar melden oder mir eine email schreiben (Knippsen (at) iCloud (dot) com).