2024-01-10

Kleinbildfotografie aus der Filmperspektive

Die Entstehung und später der Siegeszug der Rollfilm- und speziell der Kleinbildfotografie in den 1920er und 1930er Jahren ist ein sehr interessantes Gebiet für uns Kamerasammler. Leider wird die Bedeutung von Oskar Barnack‘s Leica dazu in populären Darstellungen aber auch in sonst seriösen Abhandlungen viel zu sehr überhöht. Als ob eine einzelne Kamera eine solche technische Revolution auslösen könnte. Die eigentliche Revolution fand nämlich im Hintergrund statt. Ich spreche vom fotografischen Film, der zwar schon am Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurde, aber insbesondere in den 1920er Jahren enorme Fortschritte, ja Qualitätssprünge machte. Diese möchte ich hier im Folgenden einzeln erläutern und entsprechend würdigen. 

Negativformat und Qualität - der Ausgangspunkt
Filmherstellung in den 1930ern. 
Mehr Details hier.

Je kleiner das Negativ, desto mehr treten Qualität und insbesondere ihre Mängel des entsprechenden Filmmaterials im finalen Bild zutage. Für die im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts vorherrschenden Plattenkameras waren Kontaktabzüge von der negativen (Glas-)Platte die Regel. Die fotografische Emulsion durfte relativ grobes Korn zeigen, kleinere Fehler, Risse, Lufteinschlüsse oder schlicht Staub fielen nicht sehr ins Gewicht. Die Kameras waren dadurch eh groß und schwer und standen deshalb meist auf einem Stativ, die Lichtempfindlichkeit der fotografischen Schicht war daher mit 3-10 DIN (heutige Definition) meist ausreichend. 

Die Erfindung des Rollfilms

Rollfilme wurden von Eastman Kodak schon 1889ff zusammen mit einfachen Boxkameras auf den Markt gebracht. Über die Erfindung des Rollfilms durch Hannibal Goodwin habe ich hier schon geschrieben. Mehr als Boxkamera-Bildqualität (einlinsige Fixfokus-Optik) war auch vom Film her nicht drin. Auch diese Negative wurden per Kontaktkopie zum Foto. Auf der Produktionsseite gab es noch einige Probleme zu lösen, vieles ging immer wieder schief. Bei Agfa (damals noch in Berlin) waren die Probleme so groß, dass man sich 1905 aus dem Filmgeschäft wieder zurückzog und erst mit dem Sog des lukrativen Kinefilm-Marktes ein paar Jahre später wieder damit begann und letztendlich zu Europas größtem und nach Kodak weltweit zweitgrößtem Filmhersteller wurde.

Der Kinefilm und sein Einfluss

Der Kinefilm und sein fulminanter Aufstieg zum neuen Bewegtbildmedium in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts trug auch entscheidend zur Qualitätssteigerung des ‚normalen‘ Negativfilms bei. Zunächst einmal trennte sich Hersteller-seitig die Spreu vom Weizen. Filmherstellung in solch großen Mengen erforderte nicht nur entsprechendes Know-How, sondern auch große Investitionen in die entsprechenden Maschinen. Etwas, was sich nur ein paar von den bis dahin sehr zahlreichen Fotoplattenfabriken (bzw. ‚-manufakturen‘) leisten konnten. Die meisten von den später erfolgreichen zogen außerdem aus Qualitäts- und Platzgründen aus der Stadt aufs Land oder zumindest an den Stadtrand: Agfa vom Smog-geplagten Berlin nach Wolfen, Perutz an den Münchner Stadtrand und Adox von Frankfurt ins nahe Neu-Isenburg. In allen Fällen führte die bessere und staubfreiere Luft zu viel weniger Qualitätsdefekten beim fertigen Film. Kinefilm hat nicht dieselben technischen Anforderungen wie normaler Negativfilm. Was Produktionsqualität angeht aber auch bei den Herstellkosten haben sie beide voneinander über die Jahre profitiert.

Sensibilisierung mit speziellen Farbstoffen erweitert
die spektrale Empfindlichkeit. Quelle: Wikipedia
Spektrale Empfindlichkeit - Orthochromasie

Die Sensibilisierung der lichtempfindlichen Silberbromid-Emulsion für den gesamten Wellenlängenbereich des sichtbaren Spektrums und damit die richtig empfundene Wiedergabe der Farben in Graustufen ist für mich die zentrale Entwicklungsaufgabe der Filmindustrie, die erst gegen Mitte der 1930er Jahre als abgeschlossen gelten kann. Seit der Entdeckung durch Hermann Wilhelm Vogel im Jahr 1873, dass der Zusatz von bestimmten Farbstoffen die spektrale Empfindlichkeit der Emulsion erweitert wurde auf dem Gebiet sowohl akademisch (Vogel wurde der erste Professor für Photochemie an der Königlich Technischen Universität Berlin, Adolf Miethe 1899 sein Nachfolger) als auch in der sich etablierenden Fotoplatten- und Filmindustrie intensiv geforscht. Es ist wohl kein Zufall, dass viele der auf dem Gebiet erfolgreichen Firmen eigentlich Farbstoffhersteller waren.
Hermann Wilhelm Vogel,
Erfinder der Senibilisierung
Die Aktiengesellschaft für Anilinfarben (kurz: Agfa) ist nur ein prominentes Beispiel. Die Firma, die bei dem Thema aber wohl alle anderen vor sich her trieb war die Otto Perutz Trockenplattenfabrik GmbHSie unterhielt seit den 1880er Jahren intensive Kontakte zur Forschung in Berlin und implementierte die neuesten Erkenntnisse mit als erste in Form neuer Fotoplatten und -filme. Arthur Traube, der zusammen mit Miethe 1902 die panchromatische Sensibilisierung erfunden hatte, wechselte 1910 als Technischer Direktor zu Perutz nach München. Ihr wichtigstes Produkt wurde die Perortho-Grünsiegel-Platte und natürlich später der Grünsiegel-Film. Noch im Photo-Porst Katalog von 1932 kann man lesen: „Perutz hält in Bezug auf Orthochromasie noch immer die Führung unter allen Filmfabrikaten.“ Im Bezug auf die Rollfilm- und Kleinbildfotografie ist folgender Aspekt interessant: Orthochromatisches Material ist trotz (oder gerade wegen) seiner Rotblindheit bevorzugt bei Platten- und Planfilmfotografen, die ja ihre Negative einzeln bei Rotlicht in der Dunkelkammer „nach Sicht“ entwickeln. Erst die Rollfilme, die komplett im Dunkeln entwickelt werden, haben einen relevanten Markt für panchromatisches Material entstehen lassen. 

Entwicklung der Filmempfindlichkeit
über die Jahre von 1920 bis 1937.
Quelle: Agfa Isopan ISS Prospekt 
Allgemeine Empfindlichkeit und ihre Normung 

Mit der Ausweitung der spektralen Empfindlichkeit und anderen Prozessverbesserung stieg über die Jahre die allgemeine Empfindlichkeit, wie man schön an der Grafik links aus dem Agfa Isopan Super-Spezial Prospekt von 1937 sehen kann. Agfa hatte sich mit diesem höchstempfindlichen Film (heute: ISO 200/24) in diesem Aspekt an die Spitze des Feldes gesetzt, in dem sie den von ihrem Mitarbeiter Robert Koslowsky gefundenen Gold-Effekt implementierten (und bis zum Ende des 2. Weltkriegs geheim hielten). 
Die Filmempfindlichkeit wurde 1934 in die DIN-Norm 4512 gefasst (die bekannte amerikanische ASA-Norm entstand erst in den 1940ern) und erlaubte erstmals objektive Vergleiche verschiedener Filme anhand einheitlicher Messverfahren. Die zuvor meist verwendeten Scheiner-Grade waren eigentlich nur bis zu Stufe 20 definiert und es gab Ende der 1920er Jahre nicht nur technische Empfindlichkeitssteigerungen darüber hinaus, sondern fast auch eine Inflation der Zahlen, da jeder Filmhersteller seine eigenen Messverfahren und Definitionen anwendete und eher nach oben „rundete“. 
Die DIN 4512 und auch die ASA Norm wurden übrigens Anfang der 1960er nochmal angepasst, sodass Filme ohne Emulsionsänderung nochmal 3 DIN dazu bzw. den doppelten ASA-Wert bekamen. Die Standard-Empfindlichkeit von 15/10 - 18/10 DIN (entspricht heute ISO 50-100) wurde also Anfang der 1930er Jahre erreicht, für mich eine zentrale Voraussetzung für die Roll- und Kleinbildfotographie, die ja meist aus freier Hand und ohne Stativ erfolgte. Verwackeln wird nämlich genauso wenig vom Vergrößerer verziehen wie Staub oder Kratzer.  

Feinkorn und Auflösung

Korngröße, Empfindlichkeit und
Feines Korn hängt nicht nur vom Film selbst ab
(Empfindlichkeit), sondern auch von der Entwicklung.
Quelle: Hans Windisch, Die Neue Foto Schule (1941) 
Auflösungsvermögen sind Parameter, die sich nicht unabhängig voneinander optimieren bzw. verbessern lassen. Das ist der Grund, warum es verschiedene Filme mit entsprechendem Schwerpunkt auf einzelne Parameter gab und noch gibt. Trotzdem wurden im Laufe der hier betrachteten Jahrzehnte enorme Fortschritte bzgl. aller genannten Parameter zusammen gemacht. Erwähnenswert hier im Zusammenhang mit dem späteren Kleinbildfilm ist die Entwicklung des sogenannten Feinkornfilms. Hier stand wie so oft der Krieg Pate, zusammen mit der Erfindung der Fliegerei. Für die im ersten Weltkrieg aufkommende Luftaufklärung wurden nicht nur hochauflösende und spezielle Objektive gerechnet, sondern man brauchte auch Fotoplatten bzw. Film mit entsprechendem Auflösungsvermögen. In Deutschland hatte zuerst die damals führende Firma Perutz technische Erfolge zu vermelden und sich mit ihrem Fliegerfilm einen Namen gemacht. Ich denke auch bei Lumier in Frankreich, bei Ilford in England und Eastman Kodak in den USA aber auch bei den anderen deutschen Firmen wird es entsprechende Forschung und Entwicklung gegeben haben.
Nach dem Krieg wurden die Erkenntnisse und Verbesserungen in friedliche Filmprodukte implementiert, bei Perutz profitierte ab 1923 insbesondere die neue Film-Produktion von feinkörnigeren und höher auflösenden Emulsionen. Kurz nach Erscheinen der Leica 1925 gab es einen Leica-Spezial-Film, der später auch als erster Feinkornfilm vermarktet wird. Man sieht: Auch in diesem Aspekt ist Ende der 1920er Jahre die Technik reif für kleine, später zu vergrößernde Negative.

Der Entwickler, Lichthof- und andere Schutzschichten

Man darf bei den ganzen technischen Fortschritten bezüglich der fotografischen Emulsion nicht auch die anderen Dinge drumherum vergessen. Da sind zuerst die Entwickler- und Fixierchemikalien zu nennen, die oft sogar die Keimzelle für später erfolgreiche Firmen wurden. So geschehen bei Agfa, deren Chemiker Momme Andresen 1891 den berühmten Enwickler Rodinal (4-Aminophenol) erfand und damit die fotografische Abteilung der Farbenfabrik Agfa begründete. Rodinal steht als ältestes heute noch erhältliches Fotoprodukt übrigens im Guinness Buch der Rekorde, auch ich verwende es heute noch manchmal. Solch fertig gemischten und formulierten Entwickler verdrängten über die Jahrzehnte immer mehr die individuelle Rezeptur von Hobbyfotografen und trugen genauso wie bessere Filme zur Qualität der Bilder bei. Auch das heute noch verwendete Fixierbad (Natrium- bzw. Ammoniumthiosulfat) stammt vom Anfang der 1890er Jahre.
Lichthofschutz-Beispiel aus einer Agfa Broschüre
Ein großes Problem bis hinein in die frühen 1930 Jahre waren die sogenannten Lichthöfe, die besonders bei hellen Lichtern im Bild oder am Rand großer Kontraste auftraten und nicht nur unschön aussahen, sondern tatsächlich Bildinhalt und Auflösungsvermögen zunichte machten. Es handelt sich quasi um vagabundierendes Licht innerhalb der fotografischen Emulsion, hervorgerufen durch Reflexion am Schichträger (Glasplatte, Film) oder durch Streuung/Diffusion innerhalb der Schicht selbst. Die Lösung des Problems bestand meist in einer Extra-Schicht mit eingebetteten Farbstoffen, die dieses unerwünschte Licht absorbierten, sich aber im Entwicklungsprozess auflösen müssen. Bis Mitte der 1930er Jahre wird bei Filmen mit Wörtern wie „Antihalo“ etc. auf dies extra hingewiesen. 
Auch andere extra Schichten wurden dem an sich schon komplexen Film-Beschichtungsvorgang (man spricht vom „Guss“) hinzugefügt. Oft wird dies von Mehrfachgießköpfen in einem Arbeitsschritt erledigt. Fast alle heutigen Filme haben eine sehr dünne Kratzschutzschicht aus gehärteter Gelantine als oberste Lage, die am Ende dafür sorgen soll, dass nicht Staubkörner in der Kamera oder der Finger beim Entwickeln unschöne Kratzer im Bild machen. 

Film war ab ca. 1930 reif für die Kleinbildfotografie

Meine bis hier hin schon sehr langen Ausführungen lassen hoffentlich erahnen, welche gewaltige Fortschritte die Filmindustrie in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts geschafft hat. Die Rollfilme der frühen 1930er Jahre und speziell der 35 mm Kleinbildfilm war damit reif für die Kleinbildfotografie. Der Schwarzweißfilm der zweiten Jahrhunderthälfte wurde nicht mehr entscheidend weiter verbessert, sieht man mal von wirklich hochempfindlichen Filmen (ISO 3200) mit der T-grain Techologie ab. Aber das waren fast Nebenprodukte der neuen Herausforderungen, denen sich die Film- und Fotoindustrie ab 1935 stellte: Der moderne Farbfilm.  Aber über das Thema hatte ich ja schon früher mal in einer kleinen Seire berichtet: 1) 100 Jahre moderner Farbfilm 2) Kodachrome;  3) Agfacolor Neu4) Ektachrome and Kodacolor

Filmherstellung aus einem ORWO Prospekt


 



2023-12-17

Rollfim 117 - Agfa B1

Agfa B1-Spule zusammen mit den anderen Spulen für 61mm breiten Rollfilm 

Ein aufmerksamer Leser und Sammlerkollege hat mich neulich auf einen Fehler aufmerksam gemacht, den ich bei meinem Post zu einer meiner ältesten Kameras gemacht habe. Dort hatte ich behauptet, dass die Icarette 120er-Rollfilm verwendete, was ich inzwischen korrigiert habe. Tatsächlich habe ich da erst realisiert, dass sich in der Kamera eine 117er-Spule, bzw. korrekt sollte ich sagen: eine Agfa B1-Spule befindet. Bei meinem Beitrag zum 620er-Rollfilm habe ich schon die Unterschiede der drei Typen für 61 mm breiten Rollfilm mit Rückseitenpapier genannt:

117: 62.74 mm Breite, 22.2 mm Kragen, 11.9 mm Kern (Kodak 1900 -1949, Agfa ?)
620: 62.69 mm Breite, 23.0 mm Kragen, 7.1 mm Kern (Kodak 1932 - 1995)
120: 62.64 mm Breite, 25.2 mm Kragen, 11.9 mm Kern (Kodak 1901, bis ....? )

Noch mehr Übersicht gib es bei meinem Beitrag über den 129er Rollfilm...

Wegen des dicken Kerns und des schmalen Kragens hatte die B1 Spule wenig Platz für den Film selbst. Agfa bot ihn für 6 Bilder 6x6 an, d.h. der Film auf der Spule war nur knapp 40 cm lang, halb so lang wie der B2 (120er), der für 8 Bilder 6x9 angeboten wurde. 

Seit dem ich meine Spule als 117er identifiziere, versuche ich außer diesen Basisdaten noch ein paar weitere Informationen zusammenzutragen, leider ohne großen Erfolg. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten ihn mehr oder weniger alle Filmhersteller im Programm (jeder mit eigener Bezeichnung). In meinen Phot-Porst-Katalogen von 1932 bis 1938 findet man ihn regelmäßig. Kodak hat ihn angeblich 1949 eingestellt. 
Agfa hatte ihn vermutlich etwas länger noch im Programm: Meine Spule ist jedenfalls von Agfa und aus Plastik. Neben der "Agfa"-Prägung ist auch D.B.P. geprägt, was allgemein als "Deutsches Bundespatent" gelesen wird und auf die 50er Jahre deutet. Auch läßt sich das Plastik schmelzen (Thermoplast), was ich tatsächlich mit der Lötkolbenspitze ausprobiert habe. Auch das deutet auf Nachkrieg hin, Vorkriegs-Bakelit würde nicht schmelzen. In meinem 1956er Porst-Katalog fehlt er dann, leider habe ich keine Dokumente aus den späten 40ern oder frühen 50ern, die auf das Ende des B1 zeigen könnten. Wer hier was beisteuern kann, bitte wie immer e-mail an knippsen (at) icloud (Punkt) com.




 

2023-11-19

Braun Paxette electromatic II

Die Paxette electromatic II war Braun's klammheimliches Eingeständnis an Agfa, dass die Optima mit ihrer Interpretation von Vollautomatik ein Volltreffer war und die eigene erste electromatic am Kundenwunsch vorbei geplant war. Der Rechtsstreit mit Agfa über die Verwendung des Begriffs vollautomatisch war verloren und auch die Kunden hatten trotz des deutlich höheren Preises sich für die teurere, weil bessere Kamera entschieden. 
Erste "wirklich vollautomatische" Kamera (electromatic, links) 
 neben Braun's erster richtiger vollautomatischer Kamera. Die jüngere
rechts ist bei sonst gleichem Gehäuse ein paar Milimeter höher.   
Auch wenn die Zielgruppe der electromatic (I) die fotografischen Laien waren, so ließen sich diese doch nicht für dumm verkaufen. Ein im Zweifel unscharfes Fixfokus-Objektiv sowie Fehlbelichtungen wegen des nur knapp 5 Lichtwertstufen großen Belichtungsspielraums sind halt starke Argumente gegen die erste Version der electromatic
Bei dieser zweiten Version, die dann 1960 endlich in die Läden kam, machten die Braun-Ingenieure dann alles richtig. Es gab ein lichtstärkeres Objektiv (Rodenstock-Ultralit** 2.8/40), das jetzt auch fokussiert werden wollte, wofür neben den üblichen Meter- und Feet-Skalen noch zwei Symbole (Gruppe, Portrait) vorhanden waren, bei denen es sogar einrastete. Die Entfernung zum Objekt musste allerdings geschätzt werden, immerhin gab es um das Objektiv herum eine gut abzulesende Tiefenschärfeskala. Und, Braun setzte nicht mehr auf die eigene (preiswerte) Implementierung der automatischen Blendensteuerung, sondern kaufte Vollautomatik in Form des Prontormat-S-Verschlusses von Gauthier zu. 

Blick durch den Sucher mit Leuchtrahmen und
Parallaxenmarkierung. Ganz oben wird die vom
belichtungsmesser ermittelte Zeit-Blenden-Kombi
eingespiegelt, ändern kann amn daran nichts.
Es handelt sich um einen Lichtwertverschluss, der ein festes Programm von Blenden- und Zeitkombinationen abfährt und mit einem einzigem, dem gemessenen Lichtwert entsprechenden Steuersignal auskommt. Wenn der Verschluss gespannt ist und auf der Wahlstellung "Auto" steht, kann man (mit ein bisschen Augen verrenken) am oberen Rand des sehr großen und hellen Sucherbildes die vom Belichtungsmesser gewählte Zeit-Blendenkombination ablesen. Das Drehspulelement bewegt dazu eine transparente Folie, deren eingeprägte Zahlen entsprechend in den Sucher eingespiegelt werden. 
Die Filmempfindlichkeitseinstellung (10-400 ASA, bzw. 11-27 DIN) gelingt mit einem kleinen Drehrädchen und verstellt das gesamte Drehspulelement, wirklich pfiffig gelöst. Ob jetzt der Verschluss tatsächlich das sinnvoll gestufte Programm dieser festen Zeit-Blenden-Kombinationen benutzt, oder eher der im Diagramm gestrichelten kontinuierlichen Linie folgt, konnte ich an meinem Exemplar nicht zweifellos klären. Ich vermute eher ersteres, da auch beim manuellen Einstellen der Blende  (dazu gleich mehr) diese sich in Stufen verstellt. 

Im Sucher angezeigtes Programm des Prontormat-S
Lichtwertverschlusses. Mit über 10 Lichtwertstufen 
und den gewählten Stufen ist dieser sehr praxistauglich.
Der Verschluss kennt neben der automatischen Lichtwert-Steuerung (Stellung des Drehrings um das Objektiv mittig auf "Auto") noch zwei manuelle Modi. Dreht man den Ring eine Drittel-Drehung nach rechts gelangt man zu "B", dargestellt durch eine grüne Blendenskala von 2.8-22. Dreht man 120° nach links, kommt eine entsprechende rote Blendenskala zum Vorschein, begleitet durch die Blitz-Verschlusszeit, vermutlich 1/30s. 
Damit wird auch klar, dass es zwei Sätze von jeweils 5-Lamellen gibt, die eigentliche Blende liegt dabei direkt hinter den Verschluss-Lamellen. Das ist nicht selbstverständlich, gibt es doch spätere Automatikverschlüsse, die nur einen Satz Lamellen verwenden und jeweils nur bis zur gewünschten Blende öffnen.   
Interessanterweise gibt es bei der Kamera keinen Mittenkontakt (Hot-Shoe) mehr, sondern eine gewöhnliche Blitzbuchse. Ob auch hier Braun den Kunden so viel Innovation nicht zumuten wollte, oder ob die Verlegung des Kabels in die Deck-Kappe einfach technisch zu komplex war? Vielleicht beides.
Die Paxette electromatic II neben der mehr als ein Jahr früher erschienenen Agfa Optima, deren technische Spezifikation sie im Wesentlichen teilt. Die Braun hat den besseren Sucher, ist deutlich kompakter und läßt sich mit einer Hand bedienen, während die Agfa den linken Zeigefinder für die magische Taste und den rechten zum Auslösen braucht. Die Optima erreichte von 1959 bis 1961 und einem Preis von 238 DM ca. eine halbe Million Kunden, während die electromatic II bei 297 DM wohl nur ca. 10-20 tausendmal gekauft wurde. 

Die "II" ist (außer der Luxusversion der "I" mit Krokodilleder) vermutlich die seltenste der gesamten electromatic-Serie. Neben der II gab es parallel noch die ähnlich gut ausgestattete electromatic III, die mit dem Prontormatic-Verschluss (1/30 bis 1/500 s) ausgestattet war, der volle manuelle Einstellung erlaubte und alternativ die automatische Blendensteuerung nach Zeitvorwahl anbot. Ich stütze meine Vermutung auf der Tatsache, dass man heute mehr IIIer als IIer auf dem Gebrauchtmarkt (ebay) zu sehen bekommt. Es gab übrigens noch eine abgespeckte electromatic IIs genannte Version, die das bekannte Fixfokus 5.6/40 mm Objektiv, aber sonst die gleiche Funktionalität wie die II hatte. Was das sollte, bleibt mir schleierhaft, vielleicht mussten die auf Lager liegenden Fixfokus-Objektive weg...? 


Mit meinem Exemplar habe ich ein echtes Schnäppchen gemacht. Während der Recherche zur electromatic (I) lief sie mir über den Weg, ich habe mal 10 € (inkl. Versand!) geboten und den Zuschlag bekommen. Sie war allerdings als defekt beschrieben, der Verschluss klemmte. Ich habe allerdings keine 10 Minuten gebraucht, um das wieder hinzukriegen. Die beiden Frontglieder vom Objektiv lassen sich recht einfach entfernen, mit einem Wattestäbchen und etwas Waschbenzin löste sich der mit den Jahrzehnten verklebte Verschluss schnell. Zu meiner Freude funktioniert der Selenbelichtungsmesser noch sehr passabel, die angezeigten Lichtwert-Kombinationen stimmen. Allerdings habe ich immer noch Zweifel an der richtigen Blendeneinstellung im Automatik-Modus, mal sehen, ob ich mich hier nochmal dranmache. Ansonsten zeigen die Fotos den Top-Erhaltungszustand. Vermutlich hat sie die letzten 50 Jahre meist im Dunkeln und geschützt in einer Bereitschaftstasche zugebracht.

Datenblatt kompakte Kleinbildkamera mit Belichtungsautomatik 
ObjektivRodenstock-Ultralit** 40 mm f/2.8, vergütetes Triplet (?)
Verschluss Prontromat-S von Gauthier, Lichtwert-Zentralverschluss 1/30 -1/300 s, B, Blitzsynchronzeit 1/30s. 
Belichtungsmessung Bertram Selen Belichtungsmesser, Trap-Needle-Lichtwertautomatik LW 8  bis 17.5, Filmempfindlichkeit 10-400 ASA, bzw. 11-27 DIN.
Fokussierung Frontlinsen-verstellung manuell, minimale Entfernung 1 m. Einrastende mit Symbolen markierte Entfernungen für Gruppe und Portrait.
Sucher Großer optischer Sucher mit Leuchtrahmen. Einspiegelung der Zeit-Blenden-Kombination, roter Balken bei zu wenig Licht.
Blitz PC-Buchse, kein Mittenkontakt im Zuberhörschuh.
Filmtransport Schnellschalthebel (Ein Schwung pro Bild), ähnlicher Hebel auch zum Rückspulen. Bildzählwerk (rückwärts)
sonst. Ausstattung Zubehörschuh, Stativgewinde 1/4‘‘, keine Gurtösen, Drahtauslösergewinde, Tiefenschärfeskala am Objektiv
Maße, Gewicht ca. 111x88x60 mm, 671g
Baujahr(e) 1960-1964 ca. 20,000 Exemplare, s. Text. Diese hier #467645 von 1962
Kaufpreis, Wert heute297 DM, heute je nach Zustand 40-60€.
Links Camera-WikiBraun Kameraliste, Collection appareils
Bei KniPPsen weiterlesen Geschichte der Belichtungsautomatik, Geschichte des heißen Schuhs, Agfa OptimaLichtwertverschluss, Braun Paxette Ib, Braun Paxette Automatic Super III, Braun Colorette Super IIL

**Ultralit scheint eine Marke von Braun selbst zu sein. Es gibt neben diesem von Rodenstock auch von Enna und Staeble hergestllte Braun-Objektive dieses Namens als auch später (Projektions)Objektive ohne Herstellerbezeichnung.

2023-11-12

Braun Paxette electromatic

Im letzten Jahr habe ich hier die Geschichte der Belichtungsautomatik in 16 Beispielen erzählt. Das Jahr 1959 spielt dabei eine zentrale Rolle, in dem mehr oder weniger gleichzeitig einige Kameras mit diesem Feature erscheinen. Insbesondere ist die Agfa Optima zu nennen, die als die erste wirklich erfolgreiche Automatikkamera gelten darf. Ich habe mich also daran gemacht, auch ihre direkten Konkurrentinnen aus dem Jahr mal genauer unter die Lupe zu nehmen. 
Der neben Agfa andere Pionier zum Thema in Deutschland war das Carl Braun Camera-Werk in Nürnberg. Ihre Paxette electromatic genannte Kamera kam wohl etwas später als die Optima auf den Markt und so feuerte Brauns Marketingabteilung aus allen Rohren und bewarb die Neue als Die erste und einzige wirklich vollautomatische Kleinbildkamera der Welt. Brauns Argument: Bei der Optima musste der Fotograf noch die Entfernung (und die Filmempfindlichkeit) einstellen, das entfiel wegen des lichtschwachen Fixfokus-Objektivs (40 mm f/5.6) bei der electromatic. Dass deren Verschluss auch nur eine Verschlusszeit hat (ca. 1/40 s) und nur Filme mit einer Empfindlichkeit (17/18 DIN, 40/50 ASA) verwendet werden konnten, blieb dezent unerwähnt, machte die Kamera aber immerhin deutlich preiswerter als die Optima (168 DM vs. 238 DM).
  
Blick auf Verschluss und Blenden-
Hebel, der bei Auslösung die
Blende im Objektiv anhand der 
Helligkeit mehr oder weniger schließt
Agfa hat das so nicht auf sich sitzen lassen und einen Rechtsstreit mit Braun begonnen, um zu klären, was als vollautomatisch bezeichnet werden darf. Immerhin kontrollierte die Optima sowohl Verschlusszeit als auch Blende automatisch, ein Modus der später tatsächlich Vollautomatik bzw. Programmautomatik genannt wurde. Laut Walter Zellner in seinem Buch Die Kameraherstellung bei Carl Braun in Nürnberg (2004, Selbstverlag), das ich mir im Rahmen dieser Recherche zugelegt habe, hat Agfa diesen Rechtsstreit gewonnen und Braun sich verpflichtet, den Begriff erste vollautomatische Kamera nicht mehr so in Druckschriften zu verwenden. 

Wegen der festen Verschlusszeit ist die electromatic tatsächlich ein Blendenautomat, natürlich nach der 1959 schon über 20 Jahre alten Kodak'schen Trap-Needle Methode. Das Ganze ist allerdings eine technisch recht elegante, weil kompakte  Eigenentwicklung von Braun. Man verwendete einen Selen-Belichtungsmesser von Bertram (Bewi) und einen Einfachverschluss von Gauthier (Prontor). Erst ab 1960 boten sowohl Gauthier (Prontormat-S) als auch Deckel (Compur) Verschlüsse an, die speziell für entsprechende Belichtungsautomaten vorgesehen waren. 
Zweite Variante mit Rückspulschieber
 und Schraube im ursprünglichen
 Loch des Rückspulknopfes

Dass die Kamera 1959 wohl etwas übereilt und noch nicht komplett fertig entwickelt auf dem Markt erschien, mache ich an der Tatsache fest, dass es insgesamt 3 Varianten gibt, die alle eine eigene Kadlubek-Nr. bekommen haben (BRA1065, BRA 1066, BRA1070), sich aber nur in Kleinigkeiten unterscheiden. Die erste Variante ist oben auf der Anzeige abgebildet und insbesondere an dem Rückspul(entsperr)knopf zu erkennen, der hinter dem Auslöser auf der Gehäuseoberseite sitzt. Vermutlich haben einige Kunden sich beschwert, weil sie versehentlich auf den falschen Knopf gedrückt und den Schnappschuss verpasst haben. 
Braun hat reagiert und für Variante 2 den Rückspulknopf elegant in einen unscheinbaren Rückspulschieber verwandelt, der nur wenige Millimeter von der ursprünglichen Stelle entfernt nun aber auf der Rückseite der Kamera zu finden ist. Außerdem hat diese zweite Variante einen gedruckten Hinweis auf der Filmandruckplatte (siehe Bild unten), dass tatsächlich nur 17 oder 18 DIN-Filme zu verwenden sind. Auch hier dürften sich Kunden wegen Fehlbelichtungen beschwert haben.

Erst die dritte Variante, erschienen im Frühjahr 1960, räumte mit der Einschränkung nur einer Filmempfindlichkeit auf. Rechts unten am Objektiv gab es nun einen kleinen Schieber, beschriftet mit 16-18-21 DIN, bzw. bei der Exportversion 10-32-64 ASA. Das ist interessanterweise technisch nicht das selbe, spiegelt aber wohl die in den entsprechenden Märkten am häufigsten verfügbaren Filmtypen wider. Realisiert wurde das durch einen "verbesserten" Verschluss, der nun drei Zeiten beherrscht (Walter Zellner vermutet 1/40, 1/60 und 1/120 s), die aber sonst nirgends offiziell dokumentiert sind. Diese Variante wird im Laufe des Jahres 1960 in Paxette electromatic I umbenannt, man findet aber auch noch Exemplare bei denen nur electromatic auf der Kappe graviert ist.  

abgeschraubtes Objektiv mit simpler Blendenkupplung, man beachte die schon vorgesehene Lücke für den späteren DIN-Hebel Datumstempel (25.8.59) auf Belichtungsmesser Dieses kompakte Gehäuse und solide Mechanik war die Basis für alle 
electromatic Modelle bis 1964
Die "I" deutet schon das Erscheinen der besseren Modelle "II" (ab 1960) und "III" (ab 1961) an. Die Paxette electromatic II erreicht mit dem Prontormat-S-Verschluss (Lichtwertverschluss, 1/30 - 1/300 s) und einem fokussierbaren Ultralit 40 mm f/2.8 endlich die Spezifikation der Agfa Optima, kostete aber mit 297 DM sogar deutlich mehr als diese. Bei der Paxette electromatic III konnte der Fotograf nun dank des Prontormatic-Verschlusses die Verschlusszeit (bis 1/500 s) sowie die Filmempfindlichkeit unabhängig von einander wählen, die Kamera steuerte dazu die Blende. 

Die "I" wurde ab Anfang 1962 durch die Paxette electromatic Ia ersetzt, die nach wie vor den Dreizeitenverschluss und die automatische Blendensteuerung der "I" hatte. Allerdings war das Objektiv nun ein fokussierbares Rodenstock Trinar L 2.8/40, das sogar über ein spezielles Bajonett durch das optional erhältliche Tele-Rotelar 4.0/75 ausgetauscht werden konnte. Entsprechend gab es zwei Leuchtrahmen im Sucher.

Die electromatic hatte bei ihrem Erscheinen noch ein unscheinbares damals sehr seltenes Feature, den Zubehörschuh mit Blitz-Mittenkontakt, kurz Hot-Shoe genannt. Interessanterweise wird das von Braun kaum marketingtechnisch ausgeschlachtet. Ich habe die Geschichte des heißen Schuhs hier schon erzählt. Die Kamera war nicht die erste damit, markiert für mich aber den Beginn der Verwendung dieses Features bei den main-stream Kleinbildkameras. Es gab von Braun zunächst ein passendes "Spezialblitzgerät" für 18 DM (für Blitzbirnchen), später auch den Paxitron T 50, einen Elektronenblitz mit LZ 36 (138 DM). 

War die Kamera erfolgreich? Walter Zellner spricht von erheblichen Stückzahlen. Leider gibt es keine offizielle Produktionsdokumentation, ich versuche mich aber hier mal auf Basis gesichteter Seriennummern an einer Schätzung: Scheinbar verwenden alle oben genannten electromatic-Versionen (inkl. II und III etc.) das selbe Grundgehäuse und entsprechend den selben Seriennummernkreis. Die niedrigste von mir erspähte Zahl war eine 397xxx (electromatic Variante 1), die höchste eine 516xxx (electromatic II), das macht ca. 120.000 Kameras in den ca. 5 Jahren Bauzeit. Die meisten davon (ca. 60-70 Tausend) dürften auf das einfache Einsteigermodell hier entfallen, das mit seinem attraktiven Preis insbesonders die neue Zielgruppe des fotografischen Laien ansprach. Kunden, die schon etwas mehr von Fotografie verstanden, dürfte das Fixfokusobjektiv und die sonstigen Einschränkungen der Kamera abgeschreckt haben. 

Man muss rückblickend Brauns Strategie als Misserfolg werten: Trotz des deutlichen Preisdifferenz griffen die Kunden lieber zum tatsächlichen Vollautomaten Agfa Optima (500.000 Stück in 2 Jahren). Als Braun dann technisch nachzog (electromatic II), gab es auf dem Markt schon großen Wettbewerb (u.a. Kodak, Voigtländer, etc...) und es wurde noch schwieriger zu bestehen. Hätte man von Anfang an sowas wie die Ia zum attraktiven Preis am Start gehabt, vielleicht wäre die Geschichte anders gelaufen...

Datenblatt kompakte, einfache Kleinbildkamera mit früher Blendenautomatik 
Objektiv ENNA Ennagon 40 mm f/5.6, alternativ auch mit Staeble Katagon (gleiche Daten), vergütetes Triplet.
Verschluss Gauthier, einfacher Zweisegment-Zentralverschluss 1/40 s, ab Variante 3 mit verstellbarer Verschlusszeit (Filmempfindlichkeitshebel), ca. 40-60-120 1/s.
Belichtungsmessung Bertram Selen Belichtungsmesser, Trap-Needle-Blendenautomatik LW 9.5 bis 14.5, grünes Signal im Sucher zur Anzeige korrekter Belichtung.
Fokussierung Fixfokus
Sucher Großer optischer Sucher mit Leuchtrahmen.
Blitz keine Buchse, aber Mittenkontakt im Zuberhörschuh ("Hot-shoe").
Filmtransport Schnellschalthebel (zwei Züge pro Bild), ähnlicher Hebel auch zum Rückspulen. Bildzählwerk (rückwärts)
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4‘‘, keine Gurtösen, kein Drahtauslösergewinde!
Maße, Gewicht ca. 111x83x60 mm, 576g
Baujahr(e) 1959-1961 in 3 Varianten, zusammen ca. 60,000 Exemplare, s. Text. Diese hier #411485 von Ende 1959.
Kaufpreis, Wert heute 168 DM, heute je nach Zustand 20-40€.
Links Camera-WikiAuto-Exposure Class of 1959, Braun Kameraliste, Instruction book electromatic,  Instruction book electromatic I, Dt. Kameramuseum, Emtus
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2023-10-21

Kodak AG, Stuttgart - Nachkriegs Kameraproduktion

Nachkriegs-Kameraproduktion der Kodak AG in Stuttgart in Modellgruppen.
Es fehlen die einfacheren Instamatic-Kameras von 1963 bis zur Produktionseinstellung 1970.

Das hier ist die Fortsetzung meines Beitrags über die Kodak (Nagelwerk) Vorkriegs-Kameraproduktion. Methode und Quelle sind dieselben, diesmal geht es um die Wirtschaftswunderzeit nach dem 2. Weltkrieg, die in der (west-) deutschen Kameraindustrie insbesondere in den 1950er Jahren durch stetes Wachstum geprägt war. Das hielt bis hinein in die frühen 1960er und dann ging es Kodak wie allen anderen deutschen Mitbewerbern: Es ging wieder bergab, die Japaner kamen mit zum Teil besseren und gleichzeitig preiswerteren Kameras. Die westdeutsche Kameraindustrie rutschte reihenweise in die Pleite, konsolidierte oder schaute sich nach anderen Tätigkeitsfeldern um. Kodak in Stuttgart ging es vergleichsweise noch gut, war man doch Teil des weltweit größten Filmherstellers. In den 1970ern wurden in Stuttgart noch eine ganze Reihe eher einfacher Instamatic-Kameras produziert. Schließlich wurde die Kameraproduktion 1979 endgültig eingestellt. Letztes Modell war die EK8 Instant Camera (einzige Sofortbildkamera aus Stuttgart). Wieviele von diesen ganzen nicht-Retina Kameras produziert wurden konnte ich leider nicht rausbekommen, Helmut Nagel nennt in seinem Buch weder Zahlen noch Preise.
  
Wenn man sich die Grafik oben im Vergleich mit den Vorkriegszahlen anschaut, fallen zwei Dinge auf: Nach dem Krieg werden in Stuttgart nur noch Kleinbildkameras gebaut, keine preiswerten Box- oder Mittelformat-Balgenkameras mehr. Daher wird trotz anfangs steten Wachstums der Jahres-Produktionsrekord von 1936 zumindest zahlenmäßig nicht mehr eingestellt. Bei den Kleinbildkameras sieht es allerdings anders aus: hier werden schon 1948 mehr Retinas gebaut als im bisherigen Rekordjahr 1939.

Produktionszahlen der klassischen Modelle
(auf Basis der Vorkriegs-Designs)
Retina 010
Retina I (010)
Das Nagelwerk in Stuttgart-Wangen hat als einer der ersten Kamerahersteller nach dem Krieg wieder die Produktion aufnehmen können. Hilfreich war sicher, dass man als amerikanischer Konzern in der amerikanischen Besatzungszone wohl einige Hilfe bekam oder zumindest bevorzugt behandelt wurde. Schon Ende 1945 waren die gröbsten Schäden beseitigt und es ging da weiter, wo man 1941 aufgehört hatte: Mit der Retina-I natürlich, die unter der Typennummer 010 1946 wieder auf den Markt kam. Bis 1954 wurden davon nochmal genau so viele Kameras gebaut wie vor dem Krieg! Auch die Retina II (mit Entfernungsmesser) wurde in modifizierter Form wieder ins Programm genommen. Ab 1949 gab es dann zur Abrundung des Portfolios nach unten auch wieder eine Retinette, produziert auf demselben Chassis mit den selben Werkzeugen.  Ich habe alle diese Kameras daher hier als "Klassische Modelle" zusammengefasst. Neu-Entwicklungen brauchen seine Zeit und die brach bei Kodak 1954 an, als die gesamte Produktion auf moderner wirkende Gehäuse mit runderen Formen und Chrom-glänzenden Gehäusekappen umgestellt wurde:

Unterseite aller Retina und Retinette Kameras
ab 1954. Abgerundete Form und Schnellschalt-
Hebel an einer seltsamen Stelle. 
Die Retina Serie wurde entsprechend mit dem modernen Modell Ib fortgesetzt. Natürlich gab es auch das Modell II mit Entfernungsmesser, das interessanterweise nicht die Modellnummer IIb sondern IIc verpasst bekam. Die Palette wurde durch eine neue Variante mit eingebautem Belichtungsmesser (Selen) erweitert, die entsprechend IIIc genannt wurde. Die Kleinschreibung der Buchstaben ist in diesem Zusammenhang wichtig, da es 1957 für alle Varianten eine Modellpflege gab, die Updates bekamen schlicht den entsprechenden Großbuchstaben verpasst. Bis auf einen vergrößerten und technisch verbesserten Sucher und kleineren Designanpassungen blieben die sonstigen Kamerafeatures dieselben.

Modernere Sucher- und Messsucher-
Retinas, ab 1958 auch welche ohne
den klassischen Balgen.
Was alle diese Kameras noch mit ihrer „Großmutter“ Retina-I von 1934 verband war der Balgen und das damit versenkbare Objektiv. Kodak bediente damit eine gewisse Tradition und seine Fans, merkte aber natürlich, dass dieses Feature immer mehr aus der Mode kam und die Wettbewerber es so gut wie gar nicht mehr anboten. Und so gab es ab 1958 bzw. 1959 jeweils die Versionen IIS und IIIS mit fest angebautem (Wechsel-) Objektiv, dazu unten bei den Retina-Spiegelreflexkameras mehr. 
Retinette IA (044)

Mit der neuen runderen Gehäuseform gab es schon ab 1954 eine neue Retinette-Generation (Nagel-Nr. 022), die konsequent auf low-budget getrimmt war. Der komplizierte Balgen und Spreizenmechanismus fiel weg, alle Retinetten hatten von da an ein starr angebautes drei-linsiges Objektiv mit Frontlinsenfokussierung. In den meisten Fällen war dies das angeblich nur für die Retinette neu gerechnete und vergütete Schneider-Kreuznach Reomar 45 mm f/3.5. Die Retinetten für den französischen Markt bekamen ein entsprechendes Objektiv von Angenieux. Hatten frühere Retinetten noch einfachere Verschlüsse, so besaßen alle Modelle für den deutschen Markt zumindest einen Compur-Rapid (bis 1/500 s). Damit kostete die Retinette 118 DM, immerhin 80 DM (oder 40%) weniger als eine nur unwesentlich besser ausgestattete Retina Ib (198 DM) aus demselben Jahr. 


Die Low-budget Kameras hießen Retinette
Ab 1958 wurde das Design-Update auch den Retinetten zuteil und man führte eine Modell-Differenzierung a la Retina ein. Es gab folglich eine Retinette II mit einem 2.8 Reomar (immer noch 3 Linsen!) und eine IIB mit eingebautem ungekuppelten Belichtungsmesser. Das zahlenmäßig erfolgreichste Modell blieb mit 781.000 Stück in 8 Jahren die Retinette IA, zu 98 DM (1959), 118 DM (1960), bzw. 128 DM ( ab 1963). Diese hatte auch keinen Compur-Rapid, sondern "nur" noch Pronto(r) Verschlüsse. 

Insgesamt scheinen die Grenzen zwischen Retina und Retinette mit der Zeit immer weiter zu verschwimmen, teilen sich doch alle Kameras seit 1954 das selbe Grundgehäuse mit dem seltsamen Schnellschalthebel auf der Unterseite. Immerhin hatte man damit einige Freiheitsgrade auf der Kameraoberseite, um Belichtungs- oder Entfernungsmesser unterzubringen, und das in fast allen Preisklassen. 
Retina's mit Belichtungsautomatik
bzw. Nachführmessung
Ab 1960 wird die Modellvielfalt fast unübersichtlich, denn auch Kodak musste auf den Optima-Schock reagieren und brachte gleich drei im Feature-Set abgestimmte "Retina automatic" (I bis III). Diese Trap-needle Kameras waren aber vergleichsweise wenig erfolgreich, die Kunden kauften wohl lieber das um 100 DM preiswertere Original von Agfa. Daher war schon nach knapp 3 Jahren wieder Schluss mit diesem Belichtungsautomatik-Ausflug. Kodak brachte im Design der automatic-Kameras noch drei letzte Retinas mit Nachführmessung, zwei davon mit eingebautem Blitzbirnchen-Halter, alle wenig erfolgreich. 

Mehr erfolgreich war allerdings die Retina Reflex Serie, mit der Kodak ab 1956 auf den Spiegelreflex-Zug aufsprang. Ich kenne keinen anderen Hersteller, der so konsequent Spiegelreflex in ein bestehendes Kamera-System integriert hat. Die erste Retina-Reflex basierte auf der Retina IIIc, verwendete also viele gleiche Bauteile und auch das selbe Zubehör, sprich die Satz-Objektive (Weitwinkel/ bzw. Tele-Vorsätze). 
Retina Reflex S

Ab 1959 kam dann auch konsequent parallel zur Retina IIIS die Retina Reflex S mit echten Wechselobjektiven (DKL). Die folgenden Updates Retina Reflex III und IV boten hingegen nur noch wenige neue Features, waren aber ab 1960 Kodaks alleinige Speerspitze im High-End Bereich, die Wechselobjektiv-Messsucherkameras IIS und IIIS wurden eingestellt. Ich wäre beinahe einem Druckfehler in Helmut Nagels Buch aufgesessen. Er nennt für die Retina Reflex IV 524,000 Exemplare, was für diese sehr teure Kamera ein enormer Erfolg gewesen wäre. Ich hatte ja schon vor ein paar Jahren die deutsche SLR-Produktion analysiert und dort andere (bessere) Quellen verwendet. Um es kurz zu machen, es ist einfach eine Null zu viel, es waren nur 52,400 Einheiten, was die anderen Quellen bestätigen.  

Kodak's Spiegelreflex-Kameras

1966 ist mit dem bisher so erfolgreichen Einheits-Retina-Gehäuse Schluss, die Verkaufzahlen gehen zurück. Kodak reagiert mit einem neuen Plastikgehäuse für die neue Retina S1/ S2 Serie, die aber auch nur mäßig verkauft werden und 1970 wieder in der Versenkung verschwinden. Daneben werden in Stuttgart nun eine Vielzahl von Instamatic Kamers gebaut, deren Produktionszahlen allerdings unbekannt sind. Immerhin zeigt Helmut Nagel in seinem Buch 36 verschiedene Modelle für beide Instamatic-Kassetten 126 und 110 aus deutscher Produktion.  
Instamatic Reflex

Ein Modell sticht allerdings heraus: Es ist die Instamatic Reflex, die Synthese aus Retina-Reflex und Instamatic. Sie konnte auf die ganze DKL-Objektivpalette zurückgreifen und war mit ca. 78,000 Exemplaren tatsächlich die erfolgreichste der nur insgesamt 5 Spiegelreflexkameras für die 126er-Kassette. Auch wenn auch sie schon einiges an Plastik verbaut hatte, ist sie quasi die letzte Qualitätskamera aus Stuttgart-Wangen, die noch in der alten Nagel-Tradition steht, die mit Kameras wie der Pupille und natürlich der Retina begründet wurde.

So wie Kodak in Stuttgart ging es in den 1970ern einigen anderen westdeutschen Kameraherstellern, aber eben nicht allen. Im Vergleich zu Kodak schlug sich DER europäische Erzkonkurrent AGFA damals noch wacker und konnte sich mit relativ modernen Kameras in den 1970ern zumindest in Europa noch gut gegen die immer stärker werdende japanische Konkurrenz behaupten. Aber auch bei Agfa war 1982 dann Schluss im Kamerawerk in München. Das wird hier vielleicht mal eine andere Geschichte.

2023-10-03

Mimosa II

Die Mimosa sticht auch für versierte Sammler aus der Masse der Kleinbildkameras über die Jahrzehnte wegen ihres besonderen quaderförmigen Designs hervor, sie ist darin einzigartig und bleibt in Erinnerung. Wenn man sich dann mit ihr beschäftigt, merkt man, dass sie technisch eigentlich nichts wirklich Besonderes zu bieten hat. Die sie umgebende Geschichte um ihre Entwicklung, Herstellung und Vermarktung macht dies aber locker wieder wett. Es gibt dort ein paar noch nicht 100%ig aufgeklärte Rätsel. Die meiner Meinung nach beste Darstellung der Fakten liefern Yves Strobelt und Marco Kröger. Meine Interpretation und Kurzfassung geht so:

Wir befinden uns in den Jahren 1947 und 1948, also in der schlimmen Zeit nach dem 2. Weltkrieg, die Dresdener Kameraproduktion, vor dem Krieg strahlendes Zentrum dieser Industrie, liegt am Boden. Die politischen Umstände sind alles andere als klar, viele Menschen verlassen die sowjetische Besatzungszone Richtung Westen. Da taucht im Frühjahr 1948 eine völlig neu konstruierte und sehr solide Kleinbildkamera auf. Als offizieller Hersteller der Kamera und Namensgeber (der inoffizielle im Hintergrund kommt gleich...) gilt der seit 1904 in Dresden ansässige Fotopapier- und Film-Hersteller Mimosa AG, ein fotochemischer Betrieb! Von Feinmechanik und Kamerafertigung hatte man keine Ahnung, Maschinen dafür schonmal gar nicht. Mimosa hatte allerdings das große Glück, dass ihre Fabrikgebäude im Gegensatz zum Großteil der übrigen Kamera- und Fotoindustrie in und um Dresden weitgehend unbeschädigt die Zerstörung Dresdens überstanden hatten. Außerdem gab es in und um Dresden jede Menge arbeitslose aber hochqualifizierte Fachkräfte, die wieder Kameras bauen wollten.

1947 dämmerte die deutsche Teilung und mit ihr die Auflösung des damals noch größten deutschen Kamerakonzerns Zeiss Ikon AG in einen westdeutschen Teil mit der neuen Konzernzentrale in Stuttgart und einen ostdeutschen um die alte Zentrale in Dresden. Viele führende Mitarbeiter verließen Dresden in Richtung Stuttgart und man stritt nicht nur um Vermögenswerte und Know-How sondern noch lange um den (Marken-) Namen Zeiss Ikon. In Dresden hatte man diese neue Kamerakonstruktion in der Schublade und wollte wohl vermeiden, dass sie mit in die Streitmasse geriet. Daher wurde der vordergründig unbeteiligten Mimosa AG eine neue Kameraabteilung „angegliedert“ (wie sich Hartmut Thiele in seinem „Wer ist Wer“ ausdrückt). 

Man schlüpfte also nicht nur in Wirklichkeit unter deren Dach, sondern auch rechtlich gehörte die nun Mimosa I genannte Kamera und deren Produktionsmaschinen etc. zur alten Fotochemiefirma. Innerhalb weniger Wochen geschah im Frühjahr 1948 folgendes: Der Aufsichtsrat der Zeiss Ikon AG beschließt die Verlegung des Gesellschaftssitzes nach Stuttgart, woraufhin die sowjetische Besatzungsmacht die Beschlagnahmung der ostdeutschen Vermögenswerte bestätigt, was faktisch die Spaltung zementierte. Mehr oder weniger gleichzeitig präsentiert die Mimosa AG ihre neue Kamera auf der Leipziger Frühjahrsmesse und die Fachwelt wundert sich. Am Ende ihrer Bauzeit 1951 übernimmt der zwischenzeitlich VEB Zeiss Ikon genannte ostdeutsche Teil der Firma offiziell Maschinen und Belegschaft der Mimosa Kameraproduktion und produziert in denselben Räumen ab 1952 die erfolgreichere Taxona (Tenax I Nachfolgerin). 

Doch nun zur Kamera selbst: In einem frühen Artikel wird ihre "besonders griffige Form" und das Fehlen von "Spreizen und Klappmechanismus" als Vorteile hervorgehoben. Ich muss zugeben: kompakt ist sie, allerdings keinesfalls "griffig". Um sie mit nur einer Hand zu halten, ist sie eigentlich zu schwer (fast 500 g mit Film!) und an den Seiten zu schmal. Beim zwangsläufigen Halten mit beiden Händen kommen diese sich selbst und den Einstellelementen in die Quere. Von Ergonomie also keine Spur. Allerdings ist sie super solide gebaut (Aluminium-Gussgehäuse) und die sehr pfiffig angebrachte und komplett abnehmbare Einheit von Rückwand und Bodenplatte kann die Verwandschaft zur Contax nicht verleugnen. Die beiden verfügbaren Triplet-Objektive mit Frontlinsenfokussierung sowie die angebotenen Verschlüsse sind hingegen nur Mittelmaß und passen nicht so recht zum doch sehr stattlichen Preis von 225 Mark.

Es gab im Prinzip drei Versionen der Mimosa: Die von Anfang an "Mimosa I" genannte Version (1948, bis zu 3000 Exemplare) hatte noch einen angeschraubten Aufklappsucher. Diese "Mimosa II" hier (1949-1951) repräsentiert die Mehrheit (ca. 15000 Exemplare) aller je produzierten Kameras und kann durch den ins Gehäuse integrierten optischen Sucher identifiziert werden. Die dritte Version mit Schneckengang zur Fokussierung mit dem gesamten Objektiv kam im Frühjahr 1951 auf den Markt, wurde aber weiter mit "Mimosa II" beschriftet. Auch hiervon existieren wohl nur bis zu 3000 Exemplare. Von den genannten Versionen existieren darüberhinaus unzählige Varianten: mit und ohne Gurtösen, mit schwarzem oder silbernen Rückwandhebel, verschiedene Verschlüsse und Objektive und entsprechend viele Kombinationen.
 
Vielleicht war der Schneckengang auch nur der erste Schritt hin zur angedachten "Mimosa III", die wohl schon seit Ende 1949 in Planung war und Schnellschalthebel und Entfernungsmesser bieten sollte. Realisiert wurde diese nicht mehr, der Aufwand war wohl zu groß und man musste sich heimlich eingestehen, dass die Mimosa insgesamt ein interessantes Experiment war, es am Markt aber inzwischen bessere und preiswertere Alternativen auch aus eigenem (VEB Zeiss Ikon) Hause gab. Die Mimosa ist aber heute mit nur ca. 21000 Exemplaren, den unzähligen Varianten und der tollen Geschichte dahinter eine exzellente Sammlerkamera, die jetzt auch meine Vitrine ziert.

Datenblatt kompakte Kleinbildkamera - frühe Nachkriegsneukonstruktion mit interessanter Geschichte dahinter
Objektiv Meyer Trioplan 50 mm f/2.9 (Triplet, vergütet). Kamera war auch erhältlich mit Ludwig Meritar (gleiche Spezifikation).
Verschluss Prontor-S (B-1-2-5-10-25-50-100-300), auch erhältlich mit "eigenem" Mimosa Velax (B-10-25-50-100-200) Selbstspannverschluss. Frühe Versionen auch mit Stelo-Verschluss
Fokussierung per Frontlinsenverstellung am Objektiv, minimal ca. 1.30 m. Eine spätere Version der Kamera (siehe Text) hatte einen Schneckengang für Verschiebung des gesamten Objektivs.
Sucher optischer Fernrohrsucher im Kameragehäuse. Die Mimosa I hatte nur einen angeschraubten Aufklappsucher (siehe Text).
Blitz PC-Synchronbuchse am Verschluss, allerdings kein Zubehörschuh.
Filmtransport Mit Drehknopf auf der Kameraoberseite, Doppel- und Leerbelichtungssperre, Bildzählwerk (vorwärts).
sonst. Ausstattung Stativgewinde 3/8'', ISO-Drahtauslösergewinde, Filtergewinde 25 mm
Maße, Gewicht 95x73x72 mm (Gehäusequader ohne Objektiv und Anbauteile: 95x66x49), 453 g
Baujahr(e) 1949-1950 (gesamte Serie 1948-1951), insgesamt ca. 21000 Exemplare, diese #9885 von ca. 1950.
Kaufpreis, Wert heute 225 Mark, ca. 40 - 100 € je nach Version und Ausstattung.
Links Camera-Wiki, ZeissikonVEB, Andere Dresdener Kameras, Mike Eckman
Bei KniPPsen weiterlesen Tenax I, Tenax II, Contax II, andere Post mit Bezug zu Dresden