2013-04-30

Bliebteste Kamera (iPhone 4S)


Das ist sie, die derzeit beliebteste Kamera der Flickr Community. Nicht die rechts, sondern die im iPhone 4S (links in meiner selbst gestalteten iPhone-Schutzhülle, rechts das Model). Es ist schon bemerkenswert, dass die drei neuesten iPhone Modelle die Statistik bei Flickr klar anführen. Auf den Plätzen 4 und 5 folgen dann die beiden erfolgreichsten DSLR. Von allen vier bisherigen iPhone Modellen, die eine Kamera haben gibt es bei Flickr bis zum heutigen Tag 161 Millionen Fotos (von insgesamt über 7 Millarden, das sind immerhin 2.3% für nur 4 der insgesamt ca. 2500 Kameramodelle, die in Flickr's Statistik mitspielen) 
Ich muss zugeben, dass ich die Kamera auch häufig benutze. Das liegt auch an der sehr guten Qualität der Fotos, der Apple typischen einfachen Handhabung sowie der speziellen Funtionen, die ich z.B. bei meiner Olympus E-PL1 vermisse: Einfach mal ein Panorama durch einfachen Kameraschwenk erstellen, oder HDR, einfach genial - genial einfach! Und natürlich daran, dass man sie einfach immer dabei hat...
Hier ein paar technische Details, Apple selbst geht recht sparsam damit um: 8 Megapixel (3264 x 2448) auf einem 1/3.2" (5.68 x 4.54 mm) CMOS Sensor. Das Objektiv hat fünf Linsen, eine Brennweite von 4.28 mm (entspricht ca. 33 mm bei KB) und eine angenehme Öffnung von 1/2.4, was neben der recht hohen Empfindlichkeit des Sensors Fotografieren selbst bei schlechtem Licht erlaubt. Ach so, Videos kann sie auch und Blitzen und jede Menge andere Gimmicks in Software. Nicht zu vergessen, das Fotos schon Sekunden nach der Aufnahme bei Flickr oder anderen social Networks erscheinen (können).
Image courtesy of Apple Inc.
Mein Case oben ist übrigends von PictureItOnCanvas, aber es gibt auch noch viele andere, die im Internet selbstgestaltete iPhone-Hüllen anbieten.

2013-03-24

California Museum of Photography

Gestern habe ich auf einer Kalifornienreise kurz beim o.g. Museum in Riverside reingeschaut. In modernem Ambiente gibt es auf drei Etagen wechselnde Fotoausstellungen und Videoinstallationen. Derzeit geht es um Raumfahrt...
Es gibt aber auch als ständige Ausstellung einen Raum mit einer kleinen, aber feinen Kamerasammlung. Schwerpunkt liegt auf technischen Innovationen und den Beginn der Massenfotografie (erste Kodak Kameras etc.). Highlight der Sammlung für mich war die Ermanox. Der Besuch hat sich gelohnt zumal auch der Eintritt gestern frei war...

 

Yesterday, during a California trip I stopped by at above mentioned museum in Riverside. In a modern setting, there are three floors of changing photographic exhibitions and video installations. Currently it's all about outer space...

But there is also a permanent exhibition in a room with a small but exquisite camera collection. Focus is on technical innovation and the beginning of mass Photography (first Kodak cameras, etc.). The highlight of the collection for me was the Ermanox. The visit was worthwhile especially as there was free admission yesterday...

2013-03-17

Minolta (Maxxum) 7000


Kaum ein anderes analoges SLR-Modell hat die Kameraindustrie so entscheidend verändert wie Minolta's 7000 AF (in den USA: Maxxum 7000, in Japan: alpha 7000), der deutsche Wikipedia Artikel spricht vom Sputnikschock der Fotoindustrie. Als sie Anfang 1985 auf den Markt kam, ist sie erstmal nur die erste Autofokus Kleinbild Spiegelreflex für Wechselobjektive mit einem im Gehäuse integrierten Fokusmotor, kurz: die erste moderne AF-SLR. Das alleine erklärt aber nicht ihren durchschlagenden Erfolg, den sie damals hatte. Der kommt daher, dass sie alle aktuellen Neuentwicklungen in sich vereinte, bei denen sie zwar nicht die erste war, aber zumindest zu den ersten gehörte:
  • Computer gesteuerte (wählbar) Programm-, Zeit- und Blendenautomatik (Canon A-1, 1978)
  • eingebauter motorischer Filmtransport inkl. automatische Filmeinfädelung (Konica FS-1, 1979)
  • LCD Display im Sucher (Nikon F3, 1980)
  • Steuerung über Tiptasten statt traditioneller Einstellräder (Pentax ME-Super, 1980)
  • TTL-AF Sensor per passiver Kontrast Erkennung (Pentax ME-F, 1981)
  • Multi-LCD Display zur Darstellung der eingestellten Parameter (Pentax Super-A, 1983)
  • motorische Filmrückspulung (Canon T70, 1984)
  • leichtes Gehäuse, vollständig aus Kunststoff (Konica TC-X, 1984)
  • automatische Erkennung der Filmempfindlichkeit per DX-code (Konica TC-X, 1984)
...und noch einige andere "Kleinigkeiten". In der SLR Kamerageschichte ist das höchstens vergleichbar mit dem Erscheinen der Nikon F (1959), die damals auch alles technisch verfügbar Beste in sich vereinte und damit das Erscheinungsbild von KB Spiegelreflexkameras bis ... ja bis zur Minolta 7000 AF... prägte.
Gut zu erkennen ist Minoltas neues A-Bajonett mit den 5 elektrischen Kontakten und der kleinen AF-Motor-Kupplung unten rechts. Der Spiegel war strukturiert halbdurchlässig, um Licht und Informationen für den AF-Sensor im Boden der Kamera durchzulassen und aufzubereiten.
Minolta ging damals volles Risiko mit einem neuen Bajonett (und Auflagemaß!), einer ganzen Reihe passender Objektive und weiterem Systemzubehör, was nicht mehr zu den existierenden Minolta Kameras passte. Minolta setzte also alles auf eine Karte und gewann: Die Kamera katapulierte Minolta an die Spitze der japanischen Kameraindustrie. Die Konkurrenten folgten recht bald (müssen also schon das eine oder andere in der Entwicklungspipeline gehabt haben): Nikon F-501, Canon EOS 650, Pentax SFX und Olympus OM-707. Letztere war fast ein Klon der Minolta und interessanterweise die am wenigsten erfolgreiche von allen. Minolta nutzt auch seinen Vorsprung und baut das System mit weiteren Kameras aus. Klassische nicht-Autofokus SLR's existierten natürlich noch eine Weile, aber die Minolta 7000AF wurde schnell zum Archetyp moderner Spiegelreflexkameras.



Die Geschichte geht aber für Minolta nicht ganz gut aus. Man dachte, die Technologie genügend durch Patente geschützt zu haben, die von Leitz seit Ende der 1960er Jahre angemeldet wurden. Leitz und Minolta hatten eine recht enge Kooperation während der 70er Jahre und Leitz entschied damals die Patente nicht selbst zu nutzen, sondern Minolta zu überlassen. Ein Patentgericht in New Jersey entschied aber 1992 abschließend anders. Honeywell hatte geklagt, dass ihre Technologie verwendet würde und bekam Recht, wie ich schon in meinem Beitrag zur Konica C35AF berichtet habe (siehe die Links dort). Anhand der gezahlten Strafen, die auch die anderen großen Kamerahersteller betrafen, kann man recht genau deren Marktstellung ablesen. Danach hatte Minolta mehr als 50% des SLR-AF Marktes. 

Die Strafe traf Minolta trotz des zunächst anhaltenden Markterfolges hart. Große Investitionen in die Entwicklung der nicht wirklich erfolgreichen APS Kameras spülten weitere Verlusste in die Bilanz, dann kam noch die digitale Fotorevolution, der man wohl finanziell nicht mehr gewachsen war. Man rettete sich zunächst (2003) in eine Fusion mit Konica, um dann schon 2006 das Kamerageschäft an Sony zu verkaufen. Sony verwendet allerdings heute noch das mit der 7000 AF eingeführte Bajonett und alle AF Objektive von 1985 können an den modernsten Sony DSLR Kameras verwendet werden. Das hier abgebildete Zoomobjektiv stammt von 1993, 1985 gab es ein 35-70 mit "fester" Blende f/4.

Datenblatt Erste moderne Autofokus SLR
Objektiv AF-Wechselobjektive mit Minolta A-Bajonett.
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß 1/2000s - 30s und B.
Belichtungsmessung Mittenbetonte TTL-Offenblendmessung, Empfindlichkeitseinstellung 25-6400 ASA. Computergesteuerte Belichtungsautomatik (P, A, S, M) mit P-shift. Belichtungskorrektur +/- 4 in 0.5 Stufen.
Fokussierung Autofokus mit AF-Motor in der Kamera. Schärfeindikator mit drei LED im Sucher, Datenkommunikation mit AF-Objektiv durch 5 Kontakte am Bajonett, manueller Fokus.
Sucher SLR, 94% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.85x. Anzeige von Blende, Betriebsart und Zeit durch LCD Display.
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/100s Synchronzeit. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz, TTL Blitzmessung.
Filmtransport motorisch bis zu 2 B/s, Rückspulen ebenfalls per Motor.
sonst. Ausstattung elektronischer Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschlussmöglichkeit für Computer-Rückwand mit erweiterten Kamerafunktionen, Anschluss für elektrischen Fernauslöser, DX-Kodierung wird unterstützt.
Maße, Gewicht ca. 138/92/52 mm, 555g ohne Objektiv und Batterien
Batterie 4 x AAA, optional andere Batteriehandgriffe für AA oder Li-Batterien mit erhöhter Kapazität.
Baujahr(e) 1985-1988
Kaufpreis, Wert heute $500 (1985), heutiger Wert ca. US$30
Links Manual (english), Wikipedia, Marc's Seite, Werbung (Video von 1986),Shutterbug list of top 20 cameras of all times, Schnittzeichnung

2013-03-11

Pentax ME F



Dieses Kameragehäuse konnte ich günstig im März 2013 erwerben und habe an dieser Stelle auch über diesen Meilenstein berichtet. Im Mai 2018 konnte ich das Schätzchen endlich mit dem entsprechenden AF-Objektiv komplettieren. Daher gibt es jetzt einen neuen Post hier...

2013-03-08

SMC Pentax-A 50 mm f/1.7

Endlich ein Standardobjektiv für meine Pentax K-1000, gefunden auf dem letzen Kameramarkt. Die K-1000 wurde zwar hauptsächlich mit dem SMC Pentax-M 50mm f/2 verkauft, dieses passt aber natürlich auch. Es stammt aus Mitte der 1980er Jahre und wurde mit der neuen Pentax-A Kameraserie angeboten, die nun auch Blenden- und Programmautomatik bot.  Natürlich ist es abwärtskompatibel und funktioniert auch an früheren Zeitautomaten und an der manuellen K-1000. Viel mehr gibt es eigentlich dazu nicht zu sagen: ein Doppelgauß-Typ mit 6 Linsen in 5 Gruppen. Ich vermute, dass die Abbildungsleistung fast identisch sein wird zu einigen der anderen originalen Standardobjektiven mit ähnlicher Lichtstärke (z.B. diesem hier). Pentax-Fans heben gerne die besonders gute Vergütung aller Pentax SCM Objektive hervor, SMC steht für Super Multi Coating, dazu irgendwann mal mehr in einem eigenen Beitrag.

2013-02-18

Kodak Six-20 Brownie Junior

Auf dem Kameramarkt am letzten Sonntag war ich eigentlich nur auf der Suche nach 620er Rollfilm (oder Spulen davon zum Umspulen von 120er) zum Testen meiner alten Rolleiflex. Statt Film oder Spulen fand ich nur ein paar alte Brownies für das Format. Diese hier war besonders gut erhalten, und: es war noch ein Film und damit zwei Spulen drin. Bei nur 5$ für alles zusammen brauchte ich nicht lange überlegen.


Kodak hat im Laufe von Jahrzehnten einen Haufen verschiedener Boxkameras unter dem Namen Brownie (siehe auch hier) verkauft, fast alle hatten ein ähnliches Eigenschaftsprofil im Sinne der technischen und optischen Funktionalität (siehe z.B. Tabelle unten). Es gab sie für die verschiedensten Rollfilmformate und dabei auch einige für den 620er, meist mit dem Namenszusatz SIX-20. Auch waren die Namen nicht wirklich eindeutig. Die "Kodak SIX-20 Brownie Junior" wurde von 1934-1942 in den USA, England und Kanada gebaut und es existieren mindestens 5 verschiedene Varianten. Die häufigste ist das Art-Deco Modell aus amerikanischer Produktion, daneben die englischen Modelle Standard, Super und Portait. Das hier gezeigte Modell mit der einfach schwarzen Art-Deco Front wurde zwischen 1940 und 1942 für den Export nach Frankreich gebaut.

Datenblatt Einfache Boxkamera(6x9) für Rollfilm 620
Objektiv Einlinisger Meniskus, f/11 und f/16
Verschluss Box-Rotationsverschluss, ca. 1/40s und T.
Fokussierung Fixfokus.
Sucher zwei einfache Spiegelsucher für Hoch- und Querformataufnahmen..
Filmtransport Rollfilm 620, Drehknopf, kein mechanisches Bildzählwerk (rotes Fensterchen für Zählung auf Rückseitenpapier hinten).
sonst. Ausstattung keine.
Maße, Gewicht ca. 82/110/132 mm, 438 g
Baujahr(e) 1934-1942, diese Variante 1940-1942 für den Export.
Kaufpreis, Wert heute 1934: US$ 2.25, heutiger Wert je nach Modell und Zustand ca. US$5 bis US$30
Links The Brownie Camera Page, Camera-Wiki, The Remigijus Brownie Collection, Manual (english)

2013-02-14

Rollfilm 620

1932 wollte Kodak mal wieder den Marketing-Hebel ansetzen, auch wenn das wohl damals noch nicht so genannt wurde. Man brachte eine Reihe neuer und (damals) moderner Kameras und einen dazugehörigen "neuen" Rollfilm 620 auf den Markt. Die Unterschiede zum existierenden Rollfilm 120 waren nur ein paar Millimeter hier und da (siehe unten), aber so gravierend, dass der alte Rollfilm - insbesondere  der von Wettbewerbern - nicht mehr in die neuen Kameras passte. Da der neue ein bisschen kleiner war, konnte man ihn aber in vielen der alten 120er Kameras verwenden. Kodak stellte konsequenterweise alle Kameras auf den neuen Film um, die erste war die Kodak Six-20 Faltbalgenkamera, die letzte angeblich die Brownie Reflex 20, die bis 1966 gebaut wurde. Am Ende hat bekanntlich der 120er Rollfilm überlebt, vielleicht hat ja doch der Wettbewerb und der Verbraucher noch ein Wörtchen mitzureden.
Rollfilmtyp 620 wird seit 1995 nicht mehr produziert, man kann ihn aber noch kaufen. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Rollfilm 620 ist ein Rollfilm 120 auf einer engeren Spule und die heute zum Verkauf stehenden Rollen wurden umgespult auf historische 620er Spulen. Man kann das auch selbst machen, wie dieses Video zeigt.

Von links nach rechts: 620er Spule aus Metall (vermutlich von Kodak, 60er Jahre?),
120er mit Holzkern (Agfa oder Geveart, 50er Jahre), 120er Spule aus Metall (Kodak, USA),
moderne 120er Plastikspule.
Auf diesem "Gruppenbild mit Dame" fehlt noch der Typ 117, der ältere Vorläufer zum 620 mit dünnem Kragen wie ein 620er aber dickem Kern wie ein 120er. Hier zum Vergleich die technischen Daten der Spulen, alle verwenden sie 61.5mm breiten Rollfilm, der bei 120 und 620 76 cm lang ist und somit 12 Bilder im Format 6x6 (eigentlich 56mm x 56mm) erlaubt. Der 117er Film war nur halb so lang.
  • 117: 62.74 mm Breite, 22.2 mm Kragen, 11.9 mm Kern (Kodak 1900 -1949)
  • 620: 62.69 mm Breite, 23.0 mm Kragen, 7.1 mm Kern (Kodak 1932 - 1995)
  • 120: 62.64 mm Breite, 25.2 mm Kragen, 11.9 mm Kern (Kodak 1901 - heute)
Es gab noch eine Ganze Reihe anderer Rollfilmformate, ich habe in meiner Sammlung noch Nr. 116 (1899 - 1984) und Nr. 127 (1912 - heute). Die gesamte Liste gibt's hier. Meine leere 620er Spule war in meiner Original Rolleiflex, die ursprünglich für den 117er gebaut wurde. Ich habe mich also auf die Suche nach Film gemacht, und den Verichrome Pan oben in einer Six-20 Brownie Junior gefunden. Kamera plus Film und zwei Spulen für nur 5$, mehr über die Kamera demnächst.

2013-02-10

Rolleiflex Original

Das ist er also: der Urahn aller zweiäugigen Spiegelreflexkameras (englisch: TLR für Twin Lens Reflex) für Rollfilm. Das Prinzip mit dem Spiegelsucher inkl. Mattscheibe, extra Objektiv und Einblick von oben stammt schon aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und wurde damals von einigen klobigen Plattenkameras verwendet. Auch die junge Firma Franke&Heideke in Braunschweig verwendete ab 1921 es für ihre Stereokameras mit dem Namen Heidoscop (von Heideke und Stereoscop). 1926 brachte man das Rolleidoscop auf den Markt, richtig: eine Sterokamera für Rollfilm. Da war der Weg nicht mehr weit zur Rolleiflex, wie die Kameras nach diesem Prinzip von F&H seit dem heißen (ja, sie werden immer noch gebaut!).
Die Kamera fand sehr viele Nachahmer, die interessanterweise eine sehr homogene Kamerklasse bilden. Viele halten sich sehr eng an das Original. Ich selbst besitze mit der Seagull 4B-1 einen direkten Nachfahren mit ähnlichem Feature Set, außerdem eine Yashica 44, einen Babyrollei-Klon. Wegen ihres wegweisenden Designs bekam sie auch einen Platz in der Shutterbug-Liste der Top-20 Cameras of all time, und natürlich darf sie auch in meiner Sammlung nicht fehlen.


Wie ich schon angekündigt hatte, habe ich begonnen, das Schätzchen vorsichtig zu restaurieren. Bisher habe ich mich auf das wesentliche beschränkt und erst einmal den Schmutz entfernt, der sich im Laufe der Jahrzehnte auch im Inneren der Kamera angesammelt hatte. Dazu wurde die Kamera vorsichtig zerlegt. Das ist erfreulich einfach, was bei der recht simplen Konstruktion auch nicht wirklich wundert. Schwierigster Part war das Entfernen des alten verharzten Schmierfetts aus den Scharfstellgetrieben. Ich habe es durch frisches Kettenschmierfett ersetzt, jetzt dreht und schiebt sich alles wieder wie früher.
Verharztes Öl war wohl auch für Fehlfunktionen des Verschlusses verantwortlich, insbesondere die längeren Zeiten waren viel zu lang oder blieben schlicht offen hängen. Nach Entfernen des Objektivs (man kann jeweils die Front- und die Hinterlinsen recht einfach abschrauben) habe ich den Verschluss und die Blende freigelegt. Gereinigt wird dann mit jeder Menge Isopropanol und Leichtbenzin. Ich habe die Lösungsmittel mit einer kleine Spritze appliziert, den Verschluss (oder die Blende) mehrmals ausgelöst bzw. bewegt und dann die überschüssige (und dreckige) Flüssigkeiten wieder mit (ettlichen) Wattestäbchen aufgesogen. Und was soll ich sagen: Es flutsch wieder. Mein Verschlusszeitentester attestiert meinen Bemühungen Erfolg und ich war selbst sehr überrascht, wie genau die Zeiten dieses Opa-Verschlusses immer noch sind (siehe Diagramm).
Die nächsten Restaurierungsstufen erfordern mehr Aufwand und ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich machen soll: Neuer Lack hier und da und das Leder erneuern oder zumindest neu ankleben. Der Einstellscheibe fehlt eine Ecke, man könnte sie gegen eine neuere und hellere austauschen, oder den halb blinden Spiegel erstzen. Mal sehen. Was ich als nächstes wohl mache: einen Film damit verknippsen...

Datenblatt Zweiäugige Spiegelreflex (6x6)
Rolleiflex Mod. 612
Objektiv Carl Zeiss Jena Tessar 75mm f/3.8 (Nr. 1104279), Sucherobjektiv: Heidoscop-Anastigmat 75mm f/3.1 (Nr. 62907, interne Nr. 17241)
Verschluss Compur Zentralverschluss (F. Deckel-München), 1-1/300 s, B, T. Blendenreihe f/3.8 - f/32, Serien-Nummer: 2183632
Fokussierung TLR, Fokussierung durch Verschieben der gesamten Frontplatte mittels seitlichem Drehknopf, Naheinstellgrenze 2m.
Sucher Einfache Mattscheibe, Einblick von oben auf aufrechtes aber seitenverkehrtes Sucherbild, einschwenkbare Sucherlupe.
Blitz kein Synchronanschluss.
Filmtransport Rollfilm 117, umgebaut auf 620, Drehknopf, kein mechanisches Bildzählwerk (rotes Fensterchen für Zählung auf Rückseitenpapier hinten).
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 130/83/96 mm, 722 g
Baujahr(e) Januar 1929 - Februar 1932, dieses Modell (Serien-Nr. 63752, interne Nr. 16273) vermutlich Juni/Juli 1930, ca. 35,000 Exemplare in den vier Ausführungen (611, 613: f/4.5; 612, 614: f/3.8,  ab ca. August 1930 613/614 mit klappbarer Rückwand)
Kaufpreis, Wert heute 1929: US$85, 1850 Franc oder 225 RM, heutiger Wert je nach Zustand ca. US$100 bis US$500
Links
aCyclopsEyeRolleiclub, Early Photography, Thread auf apug.org, Camera-Wiki
Bei KniPPsen weiterlesen meine TLR-Sammlung, Rolleicord V, Rollei 35, Rolleiflex SL26, Rollfilm 620, Paul Rudolph (Tessar)

2013-02-02

Rolleiflex ungeschminkt - unadorned...

Eine originale Rolleiflex aus der ersten Serie von 1929-1931 sollte in keiner Kamerasammlung fehlen. Diese hier lief mir bei ebay als echtes Schnäppchen über den Weg und ich konnte nicht widerstehen. Ihr Zustand ist für ihre 83 Jahre ganz passabel. Sogar der Verschluss funktioniert, vermutlich aber nicht mit den angegebenen Zeiten. Ich werde mich nun dranmachen und eine vorsichtige Restaurierung versuchen. Vielleicht kann ich ja sogar irgendwann einen Film durchziehen. Demnächst hier einen ausführlichen Post.
A Rolleiflex "original" from the first series of 1929 to 1931 should not be missing in any camera collection. I came across this one on ebay as a real bargain and couldn't resist. Its condition is pretty good considering its age of 83 years. Even the shutter works, although the times may not be correct. I will work on it now and try a careful restoration. Maybe I can even pull a roll of film through sometime. Coming soon, a detailed post...

2013-01-26

Olympus 35 SP @work

Die erste Filmpatrone ist durch und es war tatsächlich das erste Mal, dass ich einen ganzen Film lang mit einer Messsucherkamera fotografiert habe. Eine ganze Woche war der 36er Kodak ColorPlus 200 in der Kamera, den Großteil der Bilder habe ich aber bei wunderbarem Wetter und einem Ausflug nach Manhattan am letzten Sonntag geschossen. Hier also eine Auswahl davon und meine Eindrücke über die Praxistauglichkeit der Kamera. Technische Details und mehr Infos zur Kamera gibt es hier.


Der Broadway in SOHO in Richtung Süden...
Allgemeines - Die Kamera ist ein bißchen zu groß für die Jacken- oder Hosentasche. Man hängt sie um den Hals oder über die Schulter, am Besten in ihrer Bereitschaftstasche.  Einziger Schwachpunkt hier: Die Ösen sind nicht in der Schwerpunktebene angebracht, die Kamera kippt mit der Oberseite leicht nach hinten, wenn sie einfach so hängt. Ihre 600 g merkt man beim Tragen aber nicht wirklich.

Messsucher - Scharfstellen funktioniert wirklich gut mit diesem hellen Sucher und dem kleinen Mischbildentfernungsmesser in der Mitte. Meine Eingewöhnungsphase war sehr kurz, nur ein einziges Foto war nicht ganz scharf. Der Bildausschnitt wird mit einem hellen Rahmen eingeblendet, die Parallaxenmarkierung ist natürlich hilfreich, ein echter mechanischer Ausgleich wäre aber noch besser. Ich habe manchmal erst nach dem Druck auf den Auslöser an die Parallaxenverschiebung gedacht. Gewöhnungssache! Ich als Brillenträger hatte allerdings Schwierigkeiten, die Anzeige des Belichtungsmessers zu sehen. Bei Hochkantaufnahmen ist es noch schwieriger, da ist irgendwie die Nase im Weg. Das ist allerdings unerheblich, wenn man sich auf die Belichtungsautomatik verläßt... 
Broom St, SOHO

Objektiv - neben der Spotmessung das Highlight der Kamera. Ich liebe diese(n) Brennweite/Bildwinkel seit ich mein Panasonic 20 f/1.7 zum absoluten Lieblingsobjektiv erkoren habe. Dieses 42mm f/1.7 steht seinem 40 Jahre jüngeren Digital-Enkel aber nichts nach. Scharf und verzeichnungsfrei, die Kontraste knackig. Einzig die nur 85 cm Naheinstellgrenze habe ich zu bemängeln. Eine nähere hätte wohl einen deutlich höheren technischen Aufwand mit Parallaxenkorrektur für den Sucher bedeutet. Ich hatte relativ häufig den Wunsch, näher ran zu gehen, schade!

Belichtungssteuerung - Die Vollautmatik funktioniert gut und ich habe sie viel öfter benutzt als ich dachte. Die manuelle Option funktioniert natürlich auch, sie ist aber wirklich etwas kompliziert und bei anderen Kameras besser gelöst. Man muss erst den EV-Wert im Sucher ablesen, dann diesen am Objektiv einstellen und kann dann ggf. noch andere Kombinationen von Zeit und Blende wählen. Ich würde mir eine Zeitautomatik als Option wünschen. Gibt es aber nicht.
Schaufenster der deutschen Bäckerei Landbrot
(West Village, 137 7th Ave, Manhattan, NY)

Spotmessung - Nettes Feature und technisch sehr gut gelöst. Man wird durch diese Möglichkeit fast gezwungen, die Beleuchtungs- / Belichtungs- Situation seines Bildes genau zu überdenken. Gegenlichtaufnahmen und ähnlich kniffliges werden zum Kinderspiel. Ein halb gedrückter Auslöser funktioniert als Messwertspeicher, falls der Spot den man messen möchte nicht im Bildzentrum liegt.

Auslöser, Verschluss - Man merkt es deutlich, eben weil man sich an die Auslöseverzögerung digitaler Kameras schon gewöhnt hat, wie direkt analoge Fotografie sein kann. Bewegte Szenen wie die Basketball spielenden Jungs, gelingen einfach direkter. Der Verschluss der Kamera ist sehr leise, man kann auch einigermaßen unbemerkt damit fotografieren. 


Blitzen - habe ich nicht ausprobiert, sollte aber hier erwähnt werden. Die Kamera hat eine sog. Leitzahlen-Blitzautomatik, will heißen, man stellt die Leitzahl des Blitzes am Blendenring ein und die Kamera wählt je nach eingestellter Entfernung die richtige Blende, alles voll mechanisch, wohlgemerkt! Es funktioniert auch ohne Batterie.

Analoggefühl - Die direkte Bildkontrolle der Digitalknippsen fehlt natürlich und man überlegt sich viel genauer, ob sich die Aufnahme wirklich lohnt. Der Druck auf den Auslöser kostet halt $0.44 ($2.50 für den Film, $10 für Entwickeln und Scannen, 4$ Versandkosten), ich habe den Internet-Fotoservice PhotoplaceOnline.com ausprobiert, mein lokaler Fotohändler war ein bißchen teurer. Die Scans haben eine Größe von 3088 x 2048 Pixel (6.3 MP) bei 8 Bit Farbtiefe. Für's erste und einfache Abzüge reicht das allemal, die Negative selbst sollten noch ein bißchen mehr an Informationen enthalten, was man bei (teuren) Handabzügen ja noch rauskitzeln kann. 

Fazit - Eine tolle Kamera, die ich jedem empfehlen kann, der mal Messsucher-Feeling haben möchte, ohne gleich Tausende in ein Leica M zu investieren. Es gibt noch Alternativen, die Canonet GIII-QL17, Konica Auto S3 oder Yashica Electro und ein paar andere. Aber keine von denen hat die einmalige Spotmessung der Olympus. Dass ich jetzt mein Digitalequipment in die Ecke stelle, wird natürlich nicht passieren. Aber den einen oder anderen Film werde ich damit noch machen...