Posts für Suchanfrage Lichtwertverschluss werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Lichtwertverschluss werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen

2023-11-19

Braun Paxette electromatic II

Die Paxette electromatic II war Braun's klammheimliches Eingeständnis an Agfa, dass die Optima mit ihrer Interpretation von Vollautomatik ein Volltreffer war und die eigene erste electromatic am Kundenwunsch vorbei geplant war. Der Rechtsstreit mit Agfa über die Verwendung des Begriffs vollautomatisch war verloren und auch die Kunden hatten trotz des deutlich höheren Preises sich für die teurere, weil bessere Kamera entschieden. 
Erste "wirklich vollautomatische" Kamera (electromatic, links) 
 neben Braun's erster richtiger vollautomatischer Kamera. Die jüngere
rechts ist bei sonst gleichem Gehäuse ein paar Milimeter höher.   
Auch wenn die Zielgruppe der electromatic (I) die fotografischen Laien waren, so ließen sich diese doch nicht für dumm verkaufen. Ein im Zweifel unscharfes Fixfokus-Objektiv sowie Fehlbelichtungen wegen des nur knapp 5 Lichtwertstufen großen Belichtungsspielraums sind halt starke Argumente gegen die erste Version der electromatic
Bei dieser zweiten Version, die dann 1960 endlich in die Läden kam, machten die Braun-Ingenieure dann alles richtig. Es gab ein lichtstärkeres Objektiv (Rodenstock-Ultralit** 2.8/40), das jetzt auch fokussiert werden wollte, wofür neben den üblichen Meter- und Feet-Skalen noch zwei Symbole (Gruppe, Portrait) vorhanden waren, bei denen es sogar einrastete. Die Entfernung zum Objekt musste allerdings geschätzt werden, immerhin gab es um das Objektiv herum eine gut abzulesende Tiefenschärfeskala. Und, Braun setzte nicht mehr auf die eigene (preiswerte) Implementierung der automatischen Blendensteuerung, sondern kaufte Vollautomatik in Form des Prontormat-S-Verschlusses von Gauthier zu. 

Blick durch den Sucher mit Leuchtrahmen und
Parallaxenmarkierung. Ganz oben wird die vom
belichtungsmesser ermittelte Zeit-Blenden-Kombi
eingespiegelt, ändern kann amn daran nichts.
Es handelt sich um einen Lichtwertverschluss, der ein festes Programm von Blenden- und Zeitkombinationen abfährt und mit einem einzigem, dem gemessenen Lichtwert entsprechenden Steuersignal auskommt. Wenn der Verschluss gespannt ist und auf der Wahlstellung "Auto" steht, kann man (mit ein bisschen Augen verrenken) am oberen Rand des sehr großen und hellen Sucherbildes die vom Belichtungsmesser gewählte Zeit-Blendenkombination ablesen. Das Drehspulelement bewegt dazu eine transparente Folie, deren eingeprägte Zahlen entsprechend in den Sucher eingespiegelt werden. 
Die Filmempfindlichkeitseinstellung (10-400 ASA, bzw. 11-27 DIN) gelingt mit einem kleinen Drehrädchen und verstellt das gesamte Drehspulelement, wirklich pfiffig gelöst. Ob jetzt der Verschluss tatsächlich das sinnvoll gestufte Programm dieser festen Zeit-Blenden-Kombinationen benutzt, oder eher der im Diagramm gestrichelten kontinuierlichen Linie folgt, konnte ich an meinem Exemplar nicht zweifellos klären. Ich vermute eher ersteres, da auch beim manuellen Einstellen der Blende  (dazu gleich mehr) diese sich in Stufen verstellt. 

Im Sucher angezeigtes Programm des Prontormat-S
Lichtwertverschlusses. Mit über 10 Lichtwertstufen 
und den gewählten Stufen ist dieser sehr praxistauglich.
Der Verschluss kennt neben der automatischen Lichtwert-Steuerung (Stellung des Drehrings um das Objektiv mittig auf "Auto") noch zwei manuelle Modi. Dreht man den Ring eine Drittel-Drehung nach rechts gelangt man zu "B", dargestellt durch eine grüne Blendenskala von 2.8-22. Dreht man 120° nach links, kommt eine entsprechende rote Blendenskala zum Vorschein, begleitet durch die Blitz-Verschlusszeit, vermutlich 1/30s. 
Damit wird auch klar, dass es zwei Sätze von jeweils 5-Lamellen gibt, die eigentliche Blende liegt dabei direkt hinter den Verschluss-Lamellen. Das ist nicht selbstverständlich, gibt es doch spätere Automatikverschlüsse, die nur einen Satz Lamellen verwenden und jeweils nur bis zur gewünschten Blende öffnen.   
Interessanterweise gibt es bei der Kamera keinen Mittenkontakt (Hot-Shoe) mehr, sondern eine gewöhnliche Blitzbuchse. Ob auch hier Braun den Kunden so viel Innovation nicht zumuten wollte, oder ob die Verlegung des Kabels in die Deck-Kappe einfach technisch zu komplex war? Vielleicht beides.
Die Paxette electromatic II neben der mehr als ein Jahr früher erschienenen Agfa Optima, deren technische Spezifikation sie im Wesentlichen teilt. Die Braun hat den besseren Sucher, ist deutlich kompakter und läßt sich mit einer Hand bedienen, während die Agfa den linken Zeigefinder für die magische Taste und den rechten zum Auslösen braucht. Die Optima erreichte von 1959 bis 1961 und einem Preis von 238 DM ca. eine halbe Million Kunden, während die electromatic II bei 297 DM wohl nur ca. 10-20 tausendmal gekauft wurde. 

Die "II" ist (außer der Luxusversion der "I" mit Krokodilleder) vermutlich die seltenste der gesamten electromatic-Serie. Neben der II gab es parallel noch die ähnlich gut ausgestattete electromatic III, die mit dem Prontormatic-Verschluss (1/30 bis 1/500 s) ausgestattet war, der volle manuelle Einstellung erlaubte und alternativ die automatische Blendensteuerung nach Zeitvorwahl anbot. Ich stütze meine Vermutung auf der Tatsache, dass man heute mehr IIIer als IIer auf dem Gebrauchtmarkt (ebay) zu sehen bekommt. Es gab übrigens noch eine abgespeckte electromatic IIs genannte Version, die das bekannte Fixfokus 5.6/40 mm Objektiv, aber sonst die gleiche Funktionalität wie die II hatte. Was das sollte, bleibt mir schleierhaft, vielleicht mussten die auf Lager liegenden Fixfokus-Objektive weg...? 


Mit meinem Exemplar habe ich ein echtes Schnäppchen gemacht. Während der Recherche zur electromatic (I) lief sie mir über den Weg, ich habe mal 10 € (inkl. Versand!) geboten und den Zuschlag bekommen. Sie war allerdings als defekt beschrieben, der Verschluss klemmte. Ich habe allerdings keine 10 Minuten gebraucht, um das wieder hinzukriegen. Die beiden Frontglieder vom Objektiv lassen sich recht einfach entfernen, mit einem Wattestäbchen und etwas Waschbenzin löste sich der mit den Jahrzehnten verklebte Verschluss schnell. Zu meiner Freude funktioniert der Selenbelichtungsmesser noch sehr passabel, die angezeigten Lichtwert-Kombinationen stimmen. Allerdings habe ich immer noch Zweifel an der richtigen Blendeneinstellung im Automatik-Modus, mal sehen, ob ich mich hier nochmal dranmache. Ansonsten zeigen die Fotos den Top-Erhaltungszustand. Vermutlich hat sie die letzten 50 Jahre meist im Dunkeln und geschützt in einer Bereitschaftstasche zugebracht.

Datenblatt kompakte Kleinbildkamera mit Belichtungsautomatik 
ObjektivRodenstock-Ultralit** 40 mm f/2.8, vergütetes Triplet (?)
Verschluss Prontromat-S von Gauthier, Lichtwert-Zentralverschluss 1/30 -1/300 s, B, Blitzsynchronzeit 1/30s. 
Belichtungsmessung Bertram Selen Belichtungsmesser, Trap-Needle-Lichtwertautomatik LW 8  bis 17.5, Filmempfindlichkeit 10-400 ASA, bzw. 11-27 DIN.
Fokussierung Frontlinsen-verstellung manuell, minimale Entfernung 1 m. Einrastende mit Symbolen markierte Entfernungen für Gruppe und Portrait.
Sucher Großer optischer Sucher mit Leuchtrahmen. Einspiegelung der Zeit-Blenden-Kombination, roter Balken bei zu wenig Licht.
Blitz PC-Buchse, kein Mittenkontakt im Zuberhörschuh.
Filmtransport Schnellschalthebel (Ein Schwung pro Bild), ähnlicher Hebel auch zum Rückspulen. Bildzählwerk (rückwärts)
sonst. Ausstattung Zubehörschuh, Stativgewinde 1/4‘‘, keine Gurtösen, Drahtauslösergewinde, Tiefenschärfeskala am Objektiv
Maße, Gewicht ca. 111x88x60 mm, 671g
Baujahr(e) 1960-1964 ca. 20,000 Exemplare, s. Text. Diese hier #467645 von 1962
Kaufpreis, Wert heute297 DM, heute je nach Zustand 40-60€.
Links Camera-WikiBraun Kameraliste, Collection appareils
Bei KniPPsen weiterlesen Geschichte der Belichtungsautomatik, Geschichte des heißen Schuhs, Agfa OptimaLichtwertverschluss, Braun Paxette Ib, Braun Paxette Automatic Super III, Braun Colorette Super IIL

**Ultralit scheint eine Marke von Braun selbst zu sein. Es gibt neben diesem von Rodenstock auch von Enna und Staeble hergestllte Braun-Objektive dieses Namens als auch später (Projektions)Objektive ohne Herstellerbezeichnung.

2023-11-12

Braun Paxette electromatic

Im letzten Jahr habe ich hier die Geschichte der Belichtungsautomatik in 16 Beispielen erzählt. Das Jahr 1959 spielt dabei eine zentrale Rolle, in dem mehr oder weniger gleichzeitig einige Kameras mit diesem Feature erscheinen. Insbesondere ist die Agfa Optima zu nennen, die als die erste wirklich erfolgreiche Automatikkamera gelten darf. Ich habe mich also daran gemacht, auch ihre direkten Konkurrentinnen aus dem Jahr mal genauer unter die Lupe zu nehmen. 
Der neben Agfa andere Pionier zum Thema in Deutschland war das Carl Braun Camera-Werk in Nürnberg. Ihre Paxette electromatic genannte Kamera kam wohl etwas später als die Optima auf den Markt und so feuerte Brauns Marketingabteilung aus allen Rohren und bewarb die Neue als Die erste und einzige wirklich vollautomatische Kleinbildkamera der Welt. Brauns Argument: Bei der Optima musste der Fotograf noch die Entfernung (und die Filmempfindlichkeit) einstellen, das entfiel wegen des lichtschwachen Fixfokus-Objektivs (40 mm f/5.6) bei der electromatic. Dass deren Verschluss auch nur eine Verschlusszeit hat (ca. 1/40 s) und nur Filme mit einer Empfindlichkeit (17/18 DIN, 40/50 ASA) verwendet werden konnten, blieb dezent unerwähnt, machte die Kamera aber immerhin deutlich preiswerter als die Optima (168 DM vs. 238 DM).
  
Blick auf Verschluss und Blenden-
Hebel, der bei Auslösung die
Blende im Objektiv anhand der 
Helligkeit mehr oder weniger schließt
Agfa hat das so nicht auf sich sitzen lassen und einen Rechtsstreit mit Braun begonnen, um zu klären, was als vollautomatisch bezeichnet werden darf. Immerhin kontrollierte die Optima sowohl Verschlusszeit als auch Blende automatisch, ein Modus der später tatsächlich Vollautomatik bzw. Programmautomatik genannt wurde. Laut Walter Zellner in seinem Buch Die Kameraherstellung bei Carl Braun in Nürnberg (2004, Selbstverlag), das ich mir im Rahmen dieser Recherche zugelegt habe, hat Agfa diesen Rechtsstreit gewonnen und Braun sich verpflichtet, den Begriff erste vollautomatische Kamera nicht mehr so in Druckschriften zu verwenden. 

Wegen der festen Verschlusszeit ist die electromatic tatsächlich ein Blendenautomat, natürlich nach der 1959 schon über 20 Jahre alten Kodak'schen Trap-Needle Methode. Das Ganze ist allerdings eine technisch recht elegante, weil kompakte  Eigenentwicklung von Braun. Man verwendete einen Selen-Belichtungsmesser von Bertram (Bewi) und einen Einfachverschluss von Gauthier (Prontor). Erst ab 1960 boten sowohl Gauthier (Prontormat-S) als auch Deckel (Compur) Verschlüsse an, die speziell für entsprechende Belichtungsautomaten vorgesehen waren. 
Zweite Variante mit Rückspulschieber
 und Schraube im ursprünglichen
 Loch des Rückspulknopfes

Dass die Kamera 1959 wohl etwas übereilt und noch nicht komplett fertig entwickelt auf dem Markt erschien, mache ich an der Tatsache fest, dass es insgesamt 3 Varianten gibt, die alle eine eigene Kadlubek-Nr. bekommen haben (BRA1065, BRA 1066, BRA1070), sich aber nur in Kleinigkeiten unterscheiden. Die erste Variante ist oben auf der Anzeige abgebildet und insbesondere an dem Rückspul(entsperr)knopf zu erkennen, der hinter dem Auslöser auf der Gehäuseoberseite sitzt. Vermutlich haben einige Kunden sich beschwert, weil sie versehentlich auf den falschen Knopf gedrückt und den Schnappschuss verpasst haben. 
Braun hat reagiert und für Variante 2 den Rückspulknopf elegant in einen unscheinbaren Rückspulschieber verwandelt, der nur wenige Millimeter von der ursprünglichen Stelle entfernt nun aber auf der Rückseite der Kamera zu finden ist. Außerdem hat diese zweite Variante einen gedruckten Hinweis auf der Filmandruckplatte (siehe Bild unten), dass tatsächlich nur 17 oder 18 DIN-Filme zu verwenden sind. Auch hier dürften sich Kunden wegen Fehlbelichtungen beschwert haben.

Erst die dritte Variante, erschienen im Frühjahr 1960, räumte mit der Einschränkung nur einer Filmempfindlichkeit auf. Rechts unten am Objektiv gab es nun einen kleinen Schieber, beschriftet mit 16-18-21 DIN, bzw. bei der Exportversion 10-32-64 ASA. Das ist interessanterweise technisch nicht das selbe, spiegelt aber wohl die in den entsprechenden Märkten am häufigsten verfügbaren Filmtypen wider. Realisiert wurde das durch einen "verbesserten" Verschluss, der nun drei Zeiten beherrscht (Walter Zellner vermutet 1/40, 1/60 und 1/120 s), die aber sonst nirgends offiziell dokumentiert sind. Diese Variante wird im Laufe des Jahres 1960 in Paxette electromatic I umbenannt, man findet aber auch noch Exemplare bei denen nur electromatic auf der Kappe graviert ist.  

abgeschraubtes Objektiv mit simpler Blendenkupplung, man beachte die schon vorgesehene Lücke für den späteren DIN-Hebel Datumstempel (25.8.59) auf Belichtungsmesser Dieses kompakte Gehäuse und solide Mechanik war die Basis für alle 
electromatic Modelle bis 1964
Die "I" deutet schon das Erscheinen der besseren Modelle "II" (ab 1960) und "III" (ab 1961) an. Die Paxette electromatic II erreicht mit dem Prontormat-S-Verschluss (Lichtwertverschluss, 1/30 - 1/300 s) und einem fokussierbaren Ultralit 40 mm f/2.8 endlich die Spezifikation der Agfa Optima, kostete aber mit 297 DM sogar deutlich mehr als diese. Bei der Paxette electromatic III konnte der Fotograf nun dank des Prontormatic-Verschlusses die Verschlusszeit (bis 1/500 s) sowie die Filmempfindlichkeit unabhängig von einander wählen, die Kamera steuerte dazu die Blende. 

Die "I" wurde ab Anfang 1962 durch die Paxette electromatic Ia ersetzt, die nach wie vor den Dreizeitenverschluss und die automatische Blendensteuerung der "I" hatte. Allerdings war das Objektiv nun ein fokussierbares Rodenstock Trinar L 2.8/40, das sogar über ein spezielles Bajonett durch das optional erhältliche Tele-Rotelar 4.0/75 ausgetauscht werden konnte. Entsprechend gab es zwei Leuchtrahmen im Sucher.

Die electromatic hatte bei ihrem Erscheinen noch ein unscheinbares damals sehr seltenes Feature, den Zubehörschuh mit Blitz-Mittenkontakt, kurz Hot-Shoe genannt. Interessanterweise wird das von Braun kaum marketingtechnisch ausgeschlachtet. Ich habe die Geschichte des heißen Schuhs hier schon erzählt. Die Kamera war nicht die erste damit, markiert für mich aber den Beginn der Verwendung dieses Features bei den main-stream Kleinbildkameras. Es gab von Braun zunächst ein passendes "Spezialblitzgerät" für 18 DM (für Blitzbirnchen), später auch den Paxitron T 50, einen Elektronenblitz mit LZ 36 (138 DM). 

War die Kamera erfolgreich? Walter Zellner spricht von erheblichen Stückzahlen. Leider gibt es keine offizielle Produktionsdokumentation, ich versuche mich aber hier mal auf Basis gesichteter Seriennummern an einer Schätzung: Scheinbar verwenden alle oben genannten electromatic-Versionen (inkl. II und III etc.) das selbe Grundgehäuse und entsprechend den selben Seriennummernkreis. Die niedrigste von mir erspähte Zahl war eine 397xxx (electromatic Variante 1), die höchste eine 516xxx (electromatic II), das macht ca. 120.000 Kameras in den ca. 5 Jahren Bauzeit. Die meisten davon (ca. 60-70 Tausend) dürften auf das einfache Einsteigermodell hier entfallen, das mit seinem attraktiven Preis insbesonders die neue Zielgruppe des fotografischen Laien ansprach. Kunden, die schon etwas mehr von Fotografie verstanden, dürfte das Fixfokusobjektiv und die sonstigen Einschränkungen der Kamera abgeschreckt haben. 

Man muss rückblickend Brauns Strategie als Misserfolg werten: Trotz des deutlichen Preisdifferenz griffen die Kunden lieber zum tatsächlichen Vollautomaten Agfa Optima (500.000 Stück in 2 Jahren). Als Braun dann technisch nachzog (electromatic II), gab es auf dem Markt schon großen Wettbewerb (u.a. Kodak, Voigtländer, etc...) und es wurde noch schwieriger zu bestehen. Hätte man von Anfang an sowas wie die Ia zum attraktiven Preis am Start gehabt, vielleicht wäre die Geschichte anders gelaufen...

Datenblatt kompakte, einfache Kleinbildkamera mit früher Blendenautomatik 
Objektiv ENNA Ennagon 40 mm f/5.6, alternativ auch mit Staeble Katagon (gleiche Daten), vergütetes Triplet.
Verschluss Gauthier, einfacher Zweisegment-Zentralverschluss 1/40 s, ab Variante 3 mit verstellbarer Verschlusszeit (Filmempfindlichkeitshebel), ca. 40-60-120 1/s.
Belichtungsmessung Bertram Selen Belichtungsmesser, Trap-Needle-Blendenautomatik LW 9.5 bis 14.5, grünes Signal im Sucher zur Anzeige korrekter Belichtung.
Fokussierung Fixfokus
Sucher Großer optischer Sucher mit Leuchtrahmen.
Blitz keine Buchse, aber Mittenkontakt im Zuberhörschuh ("Hot-shoe").
Filmtransport Schnellschalthebel (zwei Züge pro Bild), ähnlicher Hebel auch zum Rückspulen. Bildzählwerk (rückwärts)
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4‘‘, keine Gurtösen, kein Drahtauslösergewinde!
Maße, Gewicht ca. 111x83x60 mm, 576g
Baujahr(e) 1959-1961 in 3 Varianten, zusammen ca. 60,000 Exemplare, s. Text. Diese hier #411485 von Ende 1959.
Kaufpreis, Wert heute 168 DM, heute je nach Zustand 20-40€.
Links Camera-WikiAuto-Exposure Class of 1959, Braun Kameraliste, Instruction book electromatic,  Instruction book electromatic I, Dt. Kameramuseum, Emtus
Bei KniPPsen weiterlesen Paxette electromatic II ,Geschichte der Belichtungsautomatik, Geschichte des heißen Schuhs, Agfa OptimaLichtwertverschluss, Braun Paxette Ib, Braun Paxette Automatic Super III, Braun Colorette Super IIL

2020-07-19

Yashica half 17 EE Rapid


Eigentlich ist diese Yashica half 17 EE Rapid nur ein Beifang bei meinen Recherchen zur Yashica Electro 35 und Yashica TL Electro X. Sie kam im Bundle mit dem zweiten Electro X-Gehäuse, was ich gekauft habe, zusammen für nur 20€! Auf den Fotos hier kann man ihren exzellenten Zustand schon erahnen, nach dem Auspacken durfte ich auch ihre inneren Qualitäten testen. Zu meinem Entzücken ist auch hier alles tadellos, der Belichtungsmesser mit seiner Copal B Mat Vollautomatik funktioniert.
Corporate Design at its best! Neben der Halbformatkamera 17 EE Rapid (18x24 mm, mitte) ihre Instamatik-Schwester EZ-matic 4 (24x24 mm, links) und die legendäre Electro 35 (24x36mm, rechts). 

Aber sie passt natürlich auch so toll in meine Sammlung. Ihr sperriger Name verrät schon alle ihre Besonderheiten: "half" steht natürlich für's Halbformat 18x24 mm, die 17 für die außergewöhnliche Anfangsöffnung des Objektivs von f/1.7, "EE" für Electric Eye, was damals eine gängige Bezeichnung für eine von der Selenzelle gesteuerte Belichtungsautomatik war. Ja, und Rapid steht natürlich für den Rapid-Film, den Agfa als Konkurrenz zu Kodak's Instamatik-Kassette reaktiviert hatte, ich habe schon darüber berichtet. Interessanterweise hatte Yashica fast identisch ausgestattete und auch designte Kameras sowohl für die 126er-kassette (24x24 mm) als auch den 135er Kleinbildfilm (Halbformat) im Programm.

Natürlich ist sie am Markt eine direkte Konkurrentin für die Fujica Rapid S2, über die ich neulich erst berichtet hatte. Das in diesem Beitrag über die Vollautomatik gesagte, trifft auch auf die deutlich kompaktere Yashica zu, der Lichtwertverschluss kommt allerdings vom Wettbewerber Copal. Der Blick durch den Sucher (siehe links) ist bei der Yashica deutlich informativer als bei der Fujica, neben der Verschlusszeit wird auch ein Hinweis auf die eingestellte Entfernung angezeigt. Auch eine Parallaxenmarkierung ist vorhanden. Mit diesen Hilfsmitteln dürften sich einige misslunge Aufnahmen vermieden haben lassen.

Yashica hat Mitte der 1960er Jahre eine ganze Anzahl sehr ähnlicher, aber doch in Details verschiedene Kameras gebaut und verkauft. Ausgangspunkt war die Yashica half 17 (1964), im Prinzip dieselbe Kamera wie diese, aber für den 135er Kleinbildfilm. Diese hatte natürlich eine Rückspulkurbel und eine Einstellung für die Filmempfindlichkeit, beides für Rapid-Patronen unnötig. Dann gab es ab 1965 parallel zu dieser  "EE" eine Yashica half 17 Rapid. Diese hatte keine Belichtungsautomatik, sondern nur Nachführmessung an Bord. Ab 1966 dann kam das Topmodell Yashica half 14, wieder für die Kleinbildpatrone, aber mit f/1.4 Objektiv und CdS statt Selenzelle. Darüber hinaus gab es parallel noch die EZ-matic Serie für Kodaks Instamatik (126) Kassette und Sucher- und Messsucherkameras für 24x36 mm Standard-Kleinbildformat der Serien Minimatic, Minister und Lynx.

Ebenfalls im Jahr 1965 erschien die Yashica Electro half in kleiner Serie, die allererste Kamera mit einer echten elektronisch gesteuerten Zeitautomatik und Vorbotin der super erfolgreichen Electro 35 Serie, die ab 1966 dann Yashica's Zugpferd im Messsucherbereich wurde und alle anderen oben genannten Kameras ersetzte. Auch das Halbformat überlebte das Ende der 1960er Jahre nicht, genauso wenig wie die Rapid-Patrone.

Datenblatt Vollautomatische Halbformat-Kamera für den Rapidfilm
Objektiv Yashinon 3.2 cm f/1.7 (6 Linsen in 4 Gruppen, Gauss-Typ)
Verschluss Copal Lichtwertverschluss, f/1.7 1/30s (LW 6.5) bis f/16 1/800s (LW 17.5)
Belichtungsmessung Selenzelle rund ums Objektiv, Filmempfindlichkeit wird über die Rapid-Patrone automatisch eingestellt.
Fokussierung Zonenfokus mit 4 Klick-Stops bei unendlich, 3m, 1.2m und 0.8m, Symbolanzeige dazu im Sucher
Sucher heller optischer Sucher mit Anzeige der Verschlusszeit auf der einen und der eingestellten Entfernung (Symbol) auf der anderen Seite.
Blitz über PC-Buchse.
Filmtransport Daumendrehrad links unten, ergonomisch besser als gedacht, Bildzählwerk 1-24 (vorwärts), Rückspulen nicht notwendig (Rapid)
sonst. Ausstattung Zuberhörschuh, Stativgewinde ¼'', Selbstauslöser, ISO-Drahtauslöser, eine Öse für Handschlaufe, Filtergewinde 52mm
Maße, Gewicht ca. 123x71x55 mm, 462g (mit Film)
Batterie keine
Baujahr(e) 1965-?
Kaufpreis, Wert heute 137.50 NLG (Niederlande, 1965), heute ca. 20-40 € je nach Zustand 
Links Yashica Half frame cameras (Subclub), Corsopolaris' Liste von Halbformatkameras

2020-05-15

Fujica Rapid S2 (Teil 4: @Work, die Fotos)

Wie ich im ersten Teil dieser kleinen Serie schon geschrieben habe, bestand meine Hauptmotivation, die schicke Fujica Rapid S2 überhaupt zu kaufen, darin, den Rapid-Film mal selbst auszuprobieren. Mir war natürlich klar, dass man Rapid-Film heute nicht mehr kaufen kann und auch, dass ich meinen unbenutzten und historischen dafür nicht verschwenden will. Aber, man kann ja normalen Kleinbildfilm in 60 cm lange Streifen schneiden und einfach in die Patrone schieben (natürlich im Dunkeln!). Als es dann zur Tat ging, dämmerte mir, dass weitere Konsequenzen damit verbunden sind. Denn kaum ein Labor ist heute mehr daran gewöhnt bzw. überhaupt darauf eingerichtet sowas zu entwickeln. Außerdem wollte ich meine kostbaren Rapid Patronen natürlich nicht irgendeinem unbekannten Labor opfern. Daher ist hier Eigeninitiative gefragt, sprich: selbst Entwickeln! 
Ich habe zu Schüler- und Studentenzeiten 100te Schwarzweiß-Filme selbst entwickelt, allerdings vor meinem letzten Umzug mich vom gesamten Dunkelkammerequipment getrennt (sprich: weggeworfen!), darunter auch diese Entwicklungsdose, eine Trockenpressedieser Vergrößerer und manches mehr. Tja, dumm gelaufen. Jetzt hieß es also neu (bzw. gebraucht) kaufen. Bei e-bay habe ich eine Jobo-1000 Dose für nur 9€ ergattert, die nötigen Chemikalien und S/W-Filme habe ich frisch bei Fotoimpex bestellt. Auf das analoge Abziehen von Papierbildern habe ich allerdings verzichtet, die Negative wurden hiermit eingescannt und digital weiterverarbeitet. Alles in allem ein doch umfangreicheres Experiment als ich zunächst gedacht habe, hat aber Spaß gemacht. 
Das Fotografieren mit der Fujica geht sehr leicht von der Hand. Filmeinlegen hatte ich ja schon in Teil 2 gezeigt, die Belichtungsautomatik tut, was sie tun muss (Teil 3). Nach diesem Film und meiner gründlichen Untersuchung habe ich auch Vertrauen in ihre Funktion. Beim Druck auf den Auslöser sollte man langsam drücken, es muss ja noch einiges passieren dabei. Erst wenn der Auslöser ganz unten ist, macht es leise klick und das Foto ist im Kasten. Für's Scharfstellen muss man die Entfernung schätzen, die Zonenfokus-Symbole helfen einem dabei und wirklich unscharf war keines meiner Bilder. Geärgert habe ich mich eigentlich nur über eine Sache: das Fehlen von Ösen für einen Kameragurt. Die Kamera wiegt mit fast 500g ganz ordentlich und eine Bereitschaftstasche hatte ich nicht, habe mich dann aber mit einer kleineren Gürteltasche beholfen. 
Quadratische Fotos (hier 24x24 mm Negativ) haben einen eigenen Charme, trotzdem merke ich beim Fotografieren, dass man doch arg vom Rechteck geprägt ist.  Auch in Schwarz/Weiß musste ich mich wieder reindenken. Die Entwicklung selbst ging (fast) problemlos, ein paar Bilder sind mir misslungen, weil die Negative in der Entwicklungsdose aneinander gelegen waren. Ansonsten bin ich mit meinem ersten Versuch nach fast 20 Jahren sehr zufrieden und werde mich (weil ich noch Chemie übrig habe) demnächst noch an weiteren Filmen versuchen.
Eine Sache ist mir allerdings aufgefallen: Die Negative haben einen Steg von ca. 4 mm zwischen jeder Aufnahme. Zusammen mit dem ebenfalls großzügig ungenutzten An- und Abspann, hätte man bei etwas besserer Konstruktion durchaus auch 2 Bilder mehr (also 18) auf den 60 cm Filmstreifen bekommen können. Keine Ahnung, ob das für alle Rapid-Kameras ähnlich war. Immerhin war Fuji ja Filmhersteller und hat bei zusätzlichen Bildern pro Film eher einen Nachteil. 
Hier nochmal die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie:

3) Belichtungsautomatik, Lichtwertverschluss


Und für alle, die an Details interessiert sind: Der Film war ein AgfaPhoto APX 100, gekauft bei DM. Entwickelt wurde in Adox F-39 II Feinkorn-Ausgleichsentwickler 1+9, 8 min bei 21°C, Kippen nach Adox-Datenblatt Empfehlung. 

2020-05-10

Fujica Rapid S2 (Teil 3: Der automatische Lichtwertverschluss)


Für diesen Teil 3 der kleinen Serie über die Fujica Rapid S2 habe ich die obere Gehäusekappe abgenommen, um mal einen Blick auf die Belichtungsautomatik zu werfen. Dazu werden einfach zwei Schräubchen links und rechts sowie der Schnellschalthebel abgeschraubt. Der Fotograf muss normalerweise dem A außen auf dem Blendenring blind vertrauen. Es gibt keinerlei Hinweis, ob und wie der Belichtungsmesser wirklich arbeitet und was eingestellt wird. Halt! Doch, es gibt ein kleines rotes Fähnchen im Sucher, wenn Unter- oder Überbelichtung drohen (Auslösen kann man in diesen Fällen trotzdem!). 

Nach Öffnen der Kamera kommt ein Drehspulinstrument zum Vorschein, das auf den Strom reagiert, den die Selenzelle rund um das Objektiv liefert. Beim Runterdrücken des Auslösers drückt der Fotograf gleichzeitig zwei Messingplättchen runter, die wiederum die Messnadel in ihrer jeweiligen Stellung einklemmen. Auf dem Bild rechts habe ich sie mal orange und blau hervorgehoben. Das verdeckte orange ist die sogenannte Steuerkurve für Verschluss und Blende, je heller es ist, desto weiter nach rechts schlägt die Nadel aus und desto tiefer läßt sich die orange Platte runterdrücken. Damit wird direkt der darunter liegende Seikosha-L Lichtwertverschluss gesteuert und ist der eigentliche Kern und erste Teil der Belichtungsautomatik. Das blaue markierte Plättchen davor ist nur für das Warnfähnchen da. Es ist im mittleren Bereich unten gerade. Wenn die Nadel dort ist, passiert sonst weiter nichts. Ist es aber zu dunkel (Nadel ganz links) oder zu hell (Nadel ganz rechts), läßt sich das Plättchen ca. 2 mm weiter runterdrücken und schwenkt dabei das rote Fähnchen in den Sucher (im Bild links unten zu erahnen).

Der zweite Teil der Belichtungsautomatik ist natürlich der sogenannte Lichtwertverschluss Seikosha-L. Eigentlich ist es ein relativ einfacher Zentralverschluss (1/30s bis 1/250s) mit direkt dahinter liegenden Blendenlamellen (2.8 bis 22). Beides ist aber so miteinander (mechanisch) verschaltet, dass man mit einem einzigen Steuerhebel auskommt. Dieser stellt den entsprechenden Lichtwert ein, und zwar analog des rechts abgebildeten linearen Zusammenhangs. Bei LW=8 (z.B. Innenräume) ist das 1/30s und f/2.8, das andere extrem ist LW=17 (am sonnigen Strand) und bedeutet 1/250 bei f/22 (Werte jeweils für 100 ASA Film). Dazwischen werden linear alle möglichen Zwischenwerte verwendet, LW 12 (wolkiger Himmel draußen) ist z.B. 1/80s bei Blende 7.1. Der eben erwähnte Steuerhebel ist für den Fotografen nicht direkt zugänglich, das erledigt die Belichtungsautomatik mit der oben von mir orange markierten Steuerkurve. Man kann allerdings für die Blitzfotografie zumindest die Blenden manuell anwählen. Ob dann der Verschluss immer mit 1/30s läuft, oder auch entsprechend der oben gezeigten Automatiklinie, konnte ich nicht herausbekommen. Ich vermute letzteres, da einfacher zu realisieren. Außerdem ist bei einem Zentralverschluss die Verschlusszeit beim Blitzen (fast) irrelevant.

Sucher mit Beli-Infos aus der
Fujica Half.
Diese Art von Belichtungs-Vollautomatik war bei einigen besseren Sucherkameras in den 60ern und insbesondere in den 70ern sehr populär. Die erste Kamera mit einer solchen war die Agfa Optima von 1959. Die meisten dieser Point-And-Shoot Kameras kamen wohl aus Japan und hatten oft genau diesen Seikosha-L Verschluss an Bord. Neben den Fujica Kameras sind insbesondere die Canon Demi (Halbformat) oder Canonet Serien zu nennen. Olympus verbaute etwas ähnliches in seine populäre PEN-Serie und die millionenfach verkaufte Olympus Trip 35.
Meine Kenntnisse zum Lichtwertverschluss Seikosha-L habe ich mir aus mehreren Anleitungen zu diesen Kameras zusammengesucht. Die Abbildung rechts stammt aus derjenigen der Fujica Half, einer Halbformatkamera für den 135-er Kleinbildfilm mit exakt derselben Objektiv/Verschluss-Kombination. Eine entsprechende Anleitung zu meiner Rapid S2 konnte ich bisher im Netz nicht finden. Die Anleitung zur Konica L enthält im Prinzip obiges Lichtwertdiagramm.

Drehspulinstrument und einklemmende Steuerkurve
für den Copal B mat Verschluss der Konica C35 Serie.
Das Prinzip des Lichtwertverschlusses wurde auch von anderen (meist) für automatische Zentralverschlüsse übernommen und verbaut. Auch als die Selenzelle vom CdS-Fotowiderstand plus Batterie abgelöst wurde, lebte das Prinzip weiter. Ich habe mal meine Konica C35V (1971-1976) aufgeschraubt, und siehe da: auch hier intern ein Drehspulinstrument und der Abgriff des Lichtwertes per Steuerkurve beim Runterdrücken des Auslösers. Ich muss hier wirklich meinen früheren Beitrag korrigieren, es ist mitnichten ein elektronischer Verschluss, dieser "Copal B mat" (diesmal 1/30s f/2.8 bis 1/650 s f/14), der auch in sehr vielen anderen automatischen Sucherkameras der Zeit seinen Dienst tat (s.u.). Ich habe mal einen Fotokatalog von 1975 durchgesehen und von fast jedem mehr oder weniger renommierten Hersteller findet sich eine solche Vollautomatik-Kamera. Und ich würde mich nicht wundern, dieses Prinzip bis in die 80er Jahre hinein in einfacheren Automatik-Knippsen zu finden. Erst ab Mitte der 80er werden die allermeisten Kameras wirklich elektronisch.
Aber nicht nur in Japan gab es solche Lichtwertverschlüsse. In Deutschland kamen Anfang der 1960er (nach dem großen Erfolg der Optima) auch viele andere vollautomatische Kameras auf den Markt. Viele davon hatten einen Prontormator oder Prontormat-S Verschluss von Gauthier mit fast derselben Spezifikation wie mein Seikosha-L hier.  Hier nun, ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine kleine Liste vollautomatischer Kameras der 60er und 70er Jahre mit den entsprechenden Lichtwertverschlüssen:

Verschluss Liste der vollautomatischen Kameras mit Lichtwertverschluss
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
Prontormator,
Prontormat-S, u.ä.
(Gauthier)
Agfa Optima II (1960) und spätere Nachfolger,  Kodak Retina automatic I , Voigtländer Dynamatic, Rollei Magic (TLR), Braun Paxette Electromatic III, Zeiss Ikon Tenax Automatic, Adox Polomatic III, Rollei A26 (Instamatic, 1972), Rollei A110 (1975)
Seikosha-L Konica L, Canonet Junior, Fujica Half 2.8, Fujica Rapid S2 und D1, Canon Demi
Olympus Eigenentwicklung Olympus Trip 35, Olympus PEN EE Serie (Halbformat), 
Copal B mat Canon Canonet 28, Konica C35 (1968) und ihre Klone und Nachfolger: Cosina compact 35eYashica 35-MFVoigtländer VF 135Porst 135 SEdixa compact 35ERevue 700 SELBeroflex quick spot 135EERollei XF 35Revue electronic CVivitar 35EEChinon 35 EEGAF Memo 35 ETMinolta Hi-Matic G
Citizen UNI-E Minolta Hi-Matic, Ansco Autoset,
unbekannt Canon A35F (1978), Minolta AF-C (1983)

Hier die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie:

2020-05-05

Fujica Rapid S2 (Teil 2: Rapid-Film)

Hier also Teil 2 meiner kleinen Serie zur Fujica Rapid S2, Thema heute ist der Rapid Film selbst und natürlich seine Patrone. Aber als erstes möchte ich einmal kurz zeigen, wie Rapid-Film eingelegt wird, dazu links dies kurze Video. Es ist tatsächlich so einfach: Man legt links eine leere Patrone (übrig geblieben vom letzten Film) und ins rechte Fach diejenige mit frischen Film. Die herausschauende Filmlasche liegt irgendwie automatisch auf dem Transportzahnrad auf. Nun die Rückwand schließen und drei mal Spannen. Dabei schiebt das Transportzahnrad den Filmstreifen in die leere Patrone. Fertig! Beim anschließenden Fotografieren schiebt man einfach weiter Foto für Foto von rechts nach links. 16 Fotos später ist der gesamte Filmstreifen in der linken Patrone. Rückwand auf, volle Patrone raus und ab zum Entwicklen. Die rechte ist leer und kann später links wiederverwendet werden. Kein lästiges Einfädeln und kein Rückspulen! Wenn irgendwann mal aus Versehen die Rückwand geöffnet wird, ist nur der freiliegende Teil des Films ruiniert!

Der rote Pfeil weist auf die Abtastvorrichtung,
die in den besseren Rapid-Kameras die Empfindlichkeit
des Films automatisch berücksichtigt

Soviel zu den Vorteilen gegenüber der allseits bekannten Kleinbildpatrone 135, die im Übrigen exakt den selben beidseitig perforierten Normalfilm verwendet. Warum hat sich das Ding dann nicht schon in den 1930er Jahren (als Karat-Patrone) durchgesetzt? Der einzige große, aber entscheidende Nachteil ist die Kapazität der Patrone, die dadurch beschränkt ist, dass geschoben und nicht gezogen und stramm gewickelt wird wie bei der 135er. Während ein normaler Kleinbildfilm dadurch bis zu 1,70 m (bei 36 Aufnahmen 24x36 mm) lang ist, funktioniert die Rapid-Technik maximal mit ca. 60 cm langen Filmstreifen. Darüber hinaus würde irgendwann der Kraftaufwand zu groß, den Film in die aufnehmende Patrone zu schieben, die Perforation reißen, usw. Bei der Fujica mit ihrem quadratischen 24x24 Negativen entsprechen 60 cm Film (inkl. ca. 18 cm Vor-und Nachspann) 16 Aufnahmen, andere Kameras machen bis zu 24 Halbformat- (18x24) oder eben nur 12 normale 24x36 mm Bilder. 

Drei Rapid-Patronen für die Filmempfindlichkeiten
C = 17 DIN, E =18 DIN (50ASA), und G = 21 DIN
(100 ASA).  Es gab noch B = 15 DIN (25 ASA)
Als Agfa die alte Karat-Patrone 1964 wieder aus der Schublade holte, haben die Ingenieure ihr ein neues Feature spendiert und natürlich patentiert. Es handelt sich um eine automatische Filmempfindlichkeitserkennung, realisiert durch T-förmige sogenannte Nocken an der Patrone, deren Mittelsteg eine je nach Filmempfindlichkeit unterschiedlichen Länge hat und von einer entsprechenden Abtastvorrichtung in der Kamera gelesen wird (siehe Fotos). Das ist ein Feature, das bei der Kleinbildpatrone erst 1983 mit der DX-Codierung (wieder) eingeführt wurde. Auf dem Mittelsteg sind kleine Buchstaben aufgeprägt, die neben der Steglänge die Empfindlichkeit des Films kodieren. Leider konnte ich nur Bruchstücke einer Dokumentation dazu finden. Ich vermute, dass die Buchstaben bei A (15 DIN, 25 ASA) beginnen über das wohl gebräuchlichste G (21 DIN, 100 ASA) gehen und bis M (27 DIN, 400 ASA) reichen, allerdings gibt es hier durchaus widersprüchliche bzw. fehlerhafte Informationen zu finden. Wer mehr dazu weiß bitte unten kommentieren, ich werde das dann hier ergänzen. Ich bin in der glücklichen Position selbst drei verschiedene leere Patronen zu besitzen, siehe Bild. Außerdem habe ich seit meinem Antiquitätenshop Fund in Oregon einen unbenutzten Film:


Man sollte hier erwähnen, dass es noch eine dritte Variante dieser Patrone gibt, und zwar natürlich auch sie in der Agfa Karat Tradition (und vollständig dazu kompatibel). Natürlich handelt es sich um die ostdeutsche Variante des ehemaligen Agfa Stammwerks in Wolfen, 1964 in ORWO umbenannt. Sie kam sogar schon 1958 mit der Welta Penti (wieder) auf den Markt, allerdings wurde sie auch in der DDR erst nach dem Instamatic Schock 1964 verstärkt "vermarktet" und SL-Patrone genannt. Im Gegensatz zur Rapid- und Karat-Patrone (Blech) war sie aus Kunststoff und hatte keine Nocken zur Filmempfindlichkeitsabtastung.  Man kann aber durchaus diese Patronen zumindest als aufnehmende Patrone in jeder Rapid- oder Karat-Kamera verwenden.

Gestern habe ich einen normalen Kleinbildfilm im Dunkeln in 60 cm lange Streifen geschnitten und damit zwei Rapid-Kassetten befüllt, um mit der Fujica zu fotografieren. Die Ergebnisse werde ich ich hier natürlich im 4. Teil meiner kleinen Serie zeigen.

Hier die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie:

1) Fujica S2, die Kamera
3) Belichtungsautomatik, Lichtwertverschluss
4) @work, die Fotos

2020-05-01

Fujica Rapid S2 (Teil 1: die Kamera)

Über Agfa's Antwort auf die Kodak Instamatic Kassette 126 habe ich schon vor längerer Zeit berichtet. Auch über das alte Karat-Konzept, auf dem die Rapid-Patrone basiert. Die Instamatic Kassette hatte ja dieses Rennen gewonnen, auch wegen der Tatsache, dass es Kameras von vielen anderen Herstellern gab (am Ende sogar von Agfa). Selbst 5 verschiedene Spiegelreflexkameras gab es! Aber auch Agfa konnte andere Kamerahersteller überzeugen,  auf die Rapid-Patrone zu setzen. Hier gab es ein paar schicke Kameras, insbesondere von japanischen Herstellern (wenn auch keine SLR!), und eine der hübschesten ist diese Fujica Rapid S2. 
Besonders bemerkenswert ist, dass Fujiphoto ja selbst Filmhersteller war und auch eigene Filme in der Patrone angeboten hat, ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das auch für Europa zutrifft. Jedenfalls war und ist mein Plan, mit einer Rapidkamera zu fotografieren, und das will ich nicht mit einer Einfachstkamera a la Isoflash tun. Daher habe ich mich schon länger umgeschaut und bin immer wieder an dieser schicken Fujica S2 hängengeblieben. Außerdem hat sie eine frühe Belichtungsvollautomatik nach Agfa Optima Vorbild an Bord. Dies und den dazugehörigen Lichtwertverschluss Seikosha-L will ich mir genauer anschauen. Es wird also vermutlich neben diesem Teil 1 (über die Kamera selbst), einen Teil 2 (Rapid-Film und Handling), einen Teil 3 (Verschluss und Belichtungsautomatik), sowie als Abschluss: Teil 4 (Fotos von und mit der Kamera) geben.

Meine Kamera hier ist für ihre 55 Jahre extrem gut erhalten und (vermutlich) voll funktionsfähig. Viel scheint auch nicht kaputtgehen zu können. Fast alles ist aus Metall und super solide gebaut. Sogar der Selen-Belichtungsmesser funktioniert noch. Wie genau er allerdings misst, werde ich beim Teil 4 (meine Fotos) feststellen. Dies und der ansonsten recht tadellose äußere Zustand sind allerdings auch ein Zeichen dafür, dass sie die meiste Zeit ihres Kameralebens im Dunkeln verbracht hat.  

Fuji hat diese Kamera zusammen mit ihrer viel einfacher gehaltenen kleinen Schwester Rapid S wohl nur 1965 gebaut, beide wurden schon 1966 von der Rapid D1 und der Rapid SF abgelöst. Die S und die S2 waren Fuji's einzige Kameras für das quadratische 24x24 Format, ihre Nachfolger für die Rapid-Patrone knipsten dann (schon wieder) im zumindest in Japan recht populären Halbformat 18x24 mm. Es war ein insgesamt kurzer Rapid-Ausflug von Fuji, davor und danach gibt es einige zum Teil sehr ähnliche einfache oder auch automatische Kameras für den normalen Kleinbildfilm. Fuji hat aber im Gegensatz zu Agfa und vielen anderen nie Kameras für die 126er Instamatic Kassette gebaut (wohl aber Film dafür produziert).
Viel mehr gibt es über die Kamera selbst nicht zu sagen. Neben ihrem recht schicken Design ist sie erstaunlich unspektakulär und arm an Schnickschnack, wenn man das so sagen kann. Es gibt sehr wenige Einstellmöglichkeiten, die Belichtungsautomatik und der Zonenfokus sollen wohl das meiste regeln. Für das relative kleine Negativformat von 24x24 mm ist sie allerdings recht groß (insbesondere breit) geraten und mit fast 500 g auch recht schwer. Ich habe bereits angefangen damit zu fotografieren und Ösen für einen Kameragurt vermisst. Vermutlich gab es statt dessen eine Bereitschaftstasche, allerdings hab ich diese nicht.

Datenblatt Solide automatische Sucherkamera für den Rapid-Film (24x24)
Objektiv Fujinar-K 2.8 cm f/2.8 (Triplet, vergütet), entspricht vom Bildwinkel ca. 35 mm bei 24x36. Manuelle Blende 2.8 - 22 nur für Blitzfotografie bei ca. 1/30s.
Verschluss Seikosha-L Zentralverschluss, automatisch gesteuert ("Electric Eye") per Lichtwert (8-17), entspricht 1/30s f/2.8 - 1/250 s f/22, sowie kontinuierlich die Werte dazwischen.  
Belichtungsmessung Selenzelle rund um's Objektiv, steuert Verschluss automatisch. Rote Fahne im Sucher, wenn Beleuchtung nicht ausreichend.
Fokussierung Manuell am Objektiv, 0.8 m bis unendlich, Symbole für Zonenfokus, bei den Symbolen einrastend.
Sucher Durchsichtsucher mit Leuchtrahmen, keine Parallaxenkorrektur
Blitz über Buchse, Zubehörschuh ohne Mittenkontakt.
Filmtransport Schnellschalthebel, direkt von rechter in linke Rapid-Patrone, Bildzählwerk (rückwärts 16-0), nach Filmeinlegen drei Leerschwünge zum Filmeinfädeln.
sonst. Ausstattung Stativgewinde ¼'', Drahtauslöser-Gewinde.
Maße, Gewichtca. 61x130x57 mm, 480g
Batterie keine
Baujahr(e) 1965, ca. 36,000 Exemplare (eigene Schätzung)
Kaufpreis, Wert heute ?, heute je nach Zustand 30-50 €
Links Fotomuseum Tauber, Camera-Wiki, Kanskamera,

Hier die Links zu den anderen Teilen dieser Miniserie: