2012-01-15

Olympus M.Zuiko 40-150mm f/4-5.6

Dies ist mein viertes Objektiv für meine kleine mFT-Ausrüstung um die Olympus E-PL1 herum. Ich habe mir es beim Kauf mit meiner Tochter geteilt, die mit der Lumix G3 jetzt auch bei mFT eingestiegen ist. Als ich meine E-PL1 kaufte gab es das alte FT-Zukio 40-150 und den MMF-2 Adapter im Doublezoom-Kit dazu. Ich hatte es damals auf den Adapter abgesehen und hab das Objektiv gleich unausgepackt weiterverkauft (weil ein solches schon im Haushalt vorhanden war). Ein großer Tele-Fan bin ich nicht, trotzdem kommen immer mal wieder Situationen, wo ich eines dabei haben will, und dann soll es leicht sein und nicht viel Platz in der Tasche einnehmen. Das Ding ist in der Tat das leichteste (190 g) und kleinste 300er (KB-Äquivalent) was es gibt. Die Fassung und sogar das Bajonett sind im Wesentlichen aus Plastik, dafür macht es aber einen recht robusten Eindruck. Hier gibt es einen ausführlichen Review mit Testbildern.
Im Vergleich zu seinem FT-Bruder (s.u.) ist es trotz formal gleicher technischer Daten schlanker geworden. Es handelt sich um eine komplette optische Neurechnung, was man oberflächlich wirklich kaum nachvollziehen kann, so viel ist gleich. Das neue hat aber 13 Linsen in 10 Gruppen, das alte eine Linse weniger. Der (Auto)Fokus-Mechanismus wurde komplett überarbeitet und ist nun viel schneller und fast lautlos geworden. Damit macht es endlich Spaß Teleaufnahmen zu machen, das alte am Adapter bot zwar AF, aber eben recht laut und wirklich schmerzhaft langsam.

Zugegeben, das Ding ist kein Objektiv, dass Fotoenthusiasten vom Hocker reißt. Zum "Schönefotosmachen" taugt es aber allemal und es hat ein bemerkenswertes Preis-Leistungs-Verhältnis. Interessanterweise findet man es auf Olympus' Webseite immer noch für offizielle 329€, was dem Preis bei seiner Vorstellung im Herbst 2010 entspricht. Ich habe unseres für $149 plus Steuer bei B&H erstehen können, das sind ca. 120€ und wohl das untere Ende der derzeitigen Preisspanne. Das hat wohl auch mit dem gerade neu erschienenen Nachfolger mit einem zusätzlichen R im Namen zu tun.
Letztes Wochenende gings trotz winterlicher Temperaturen aber bei schönstem Sonnenschein an den Strand, und da habe ich natürlich ein paar schöne Aufnahmen mit dem Teil machen können. Hier bitteschön (für JPEGs in voller Größe bitte klicken):




2012-01-06

Fuji X-Pro1

Da hatte ich mit dem Gerücht vor fünf Wochen schon angefangen, jetzt mache ich auch weiter damit... Eine französische Fotozeitschrift hatte umfassende Informationen und sogar Fotos als erstes, andere Seiten bestätigen die sensatioinellen Spezifiaktionen der Kamera, bleibt nur zu hoffen, dass Fujifilm neben ihren anderen (ebenfalls schicken) Neuvorstellungen schnell wahr macht mit diesem Schmuckstück und nennenswerte Stückzahlen sowohl vom Gehäuse als auch von den Objektiven bald auf dem Markt hat. Glückwunsch Fuji! So rettet man sich als alter Fotogigant während der gelbe Riese kurz vorm Bankrott steht.
Hier nochmal kurz zusammengefasst die (vermutlichen) technischen Daten: 16 MP APS-C Sensor, der irgendwie speziell sein soll und Vollformatsensoren angeblich in die Tasche steckt, verbesserter Hybridsucher und drei lichtstarke Objektive (18mm f/2, 35mm f/1.4 und 60mm f/2.4 Makro), was für's erste eine sehr edle und ausreichende Kombination ist, um Horden von Kameraentusiasten das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen. Der Preis soll angeblich auch moderat bleiben, ich bin sehr gespannt.

2012-01-04

Panasonic Lumix G 20 mm f/1.7

Das ist derzeit mein absolutes Lieblingsobjektiv, hier an meiner Olympus E-PL1, zusammen eine tolle Kombination. Ich habe es vor etwas über 10 Monaten gekauft und schon kurz hier berichtet, seit dem mache ich einen Großteil meiner Fotos mit dieser erstklassigen Linse. Die eher ungewöhnliche Brennweite von 20 mm (entspr. 40 mm bei Kleinbild) ist wirklich klasse und entspricht fast exakt der Sensor-Diagonale. Mit der hohen Lichtstärke gelingen tolle Aufnahmen auch bei wenig Licht und mit der Tiefenschärfe läßt sich vortrefflich spielen. Etwas abgeblendet (2.8-4) erzielt es seine besten Abbildungsleistungen, wie man z.B. hier nachlesen kann.
Panasonic ist es gelungen die sieben Linsen (zwei davon sind asphärisch) in ein super kompaktes und hochwertiges Gehäuse zu packen. Mit dieser Pancake-Konstruktion passt Kamera und Objektiv wirklich in meine Jackentasche. Etwas ungewöhnlich ist das Geräusch, welches die auf- und zuspringende Blende erzeugt, man gewöhnt sich aber schnell daran. Statt weiterer technischer Einzelheiten, hier nun ein Beispielbild (ein Eingang zur Penn Station in New York City, Blende 2.8 1/200 s, ISO 400):


2011-12-20

Panasonic Lumix DMC-G3

Die Lumix G3 ist die neue Kamera meiner Tochter, die wir vorgestern bei B&H in New York gekauft haben. Nach anfänglichem Interesse an Nikon oder Canon Einsteiger-DSLR's habe ich sie überzeugen können, doch das Micro FourThirds System und seine Kameras näher ins Auge zu fassen. Schlagendes Argument war natürlich, dass sie Zugriff auf meine Objektive und sonstige Ausrüstung hat. Außerdem hat sie in letzter Zeit Gefallen an meiner Olympus E-PL1 gefunden. Vor dem Besuch im Laden war eigentlich die E-PL3 Favorit, doch diese ist -verglichen mit ihrer Vorgängering E-PL1- wirklich sehr ipsig geraten, wenn ihr versteht was ich meine (fehlender Handgriff, etc.). Auch wenn die G3 hier im Vergleich mehr Plastik-Anmutung hat, was die Features angeht, hat sie der Olympus einiges Voraus.
Zum ersten natürlich der neue 16MP Sensor, der eine höhere Auflösung und besseres S/N-Verhalten verspricht, insbesondere bei höheren ISO-Zahlen. Nicht dass ich den bewährten 12.3 MP Sensor in der E-PL1 nicht mag, für mich ist er völlig ausreichend, aber das Bessere war schon immer Feind des Guten! Und auch sonst gefallen der elektronische Sucher, die Touch-Bedienung des schwenkbaren LCD-Monitors und viele andere Kleinigkeiten. Ich hoffe, meine Tochter läßt mich mit dem Ding mal ein bißchen spielen....

2011-12-13

Minolta 16-II


Schon immer bestand der Wunsch des Fotografen nach kompakten Kameras, die man stets in der (möglichst: Hosen-) Tasche dabei haben kann. Schon die Ur-Kleinbildkamera Leica war ein solcher Versuch. Oskar Barnack hatte damals einfach einen Fotoaparat um den in Massen verfügbaren Cinefilm (35 mm) gebaut. Da verwundert es nicht, dass nach Fortschritten bei Optik und insbesondere beim Auflösungsvermögen des Films andere dasselbe später mit dem 16mm Film auch probierten, der mit ca. einem Viertel der Negativfläche auskommen muss.

 
Einer der erfolgreichsten Versuche war die Minolta 16 Serie, die es von 1955 bis 1974 zu kaufen gab und die den Namen Minolta in der Kamerawelt erst richtig populär gemacht hat. Dabei hat Minolta Konzept und Kamera (und später die Firma) vom Konan Institut übernommen, welches mit dem Konan 16 Automat die erste Kamera der Serie schon 1950 auf den Markt brachte. Die bei weitem häufigste Kamera der Serie, weil am längsten in Produktion (von 1960 bis 1974), ist diese Minolta 16-II. Sie hat ihrem fast baugleichen Vorgänger 16-I mehr Varianten an Belichtungszeiten und Blendeneinstellungen voraus. Beide Kameras gab es (wie heutige Digitalkameras) in verschiedenen Farben.

Das Grundkonzept vieler dieser Miniaturkameras geht auf die Ur-Minox von 1936 zurück. Filmtransport und Verschlussaufzug werden durch Zusammenschieben des Gehäuses vorgenommen. Höchst praktisch. Ansonsten kann man außer dem Bildzählwerk auf meinen Bildern alle Features erkennen. Minolta benutzte spezielle Kasseten für den Standard-16mm Film. Scharfstellen konnte man nicht, das Objektiv war auf eine mittlere Entfernung von ca. 3 m voreingestellt, bei Blende 16 reichte die Tiefenschärfe allerdings bis unendlich. Wer wollte, konnte aber den Standard-UV-Filter vor dem Objektiv (siehe Bild oben) einfach gegen Vorsatzlinsen tauschen. Die Nummer 0 erlaubte scharfe Fernaufnahmen bei allen Blenden, es gab aber auch Nahlinsen für Fotos ab 60 cm sowie Gelb-, Grün- und sonstige andere Filter.


Das Ende der spezielleren 16mm-Kameras kam ab 1972 mit dem Erscheinen der 110er Kassette (Pocketfilm) von Kodak und später auch anderen. Auch diese Kassette verwendete 16 mm breiten Film, allerdings kundenfreundlicher konfektioniert. Das Negativformat ist mit 10x14 mm übrigends etwas größer als das der neuen Nikon 1 Serie. Heute sind Immerdabeihosentschenkameras Realität, die verwendeten Sensoren dort aber winzig. So ein schickes Alugehäuse wie die Minolta hier, was auch noch nach 40 Jahren gut aussieht, sieht man heute leider selten.

2011-12-02

Lytro Lichtfeldkamera

Das sind die drei Varianten der Lytro Kamera, die man derzeit noch nicht kaufen, aber schon vorbestellen kann. Es wird die erste sogenannte Lichfeldkamera sein, die zu einem akzeptablen Preis von jedermann gekauft werden kann. Die Idee zu einer solchen "plenoptischen" Kamera existiert schon länger, ein Prototyp in Form eines modifizierten Mittelformatsensors plus spezieller Software wurde im Rahmen von Ren Ng's Doktorarbeit (2006) (eine Zusammenfassung gibt's hier) ander Stanford-Universität gebaut und benutzt. Aber auch von anderen gibt es ähnliche Ansätze zumindest als Laborstudien. Ren Ng ist heute übrigends CEO von Lytro und versucht mit dieser Firma -nun ja- die Fotografie zu revolutionieren. Ob Lytro das gelingen wird wird die Zukunft zeigen, auf alle Fälle sind sie die ersten, die neue technische, aber auch gestalterische Möglichkeiten aufzeigen. Endlich nutzt mal jemand die immensen Fortschritte, die die digitale Sensor-technologie, Mikroprozessoren und Bildalgorithmen in den letzten Zehn Jahren erfahren haben, nicht nur um mit digitaler Fototechnik die gute alte Tante Film nachzubilden, sondern um alte Paradigmen wie den Zusammenhang zwischen Blendenöffnung, Brennweite und Schärfentiefe aus den Angeln zu heben.
Um zu verstehen, was an der Kamera nun anders ist, muss ich ein bißchen ausholen. Jedes Pixel (oder Silberhalogenidkorn) einer konventionellen Kamera summiert einfach während der Aufnahme das auf diese Stelle fallende Licht auf. Es entsteht ein zweidimensionales Bild, weil das Objektiv ein Objekt eben genau auf diese Ebene projiziert und die zum Objekt gehörenden Lichtstrahlen auf das entsprechende Pixel bündelt (bei einem scharfen Abbild). Das "Pixel" weiß aber nichts über die Richtung der Lichtstrahlen, die es treffen. Wenn es das wüßte, dann wäre ein entsprechender Kamerasensor mit entsprechendem Mikroprozessor in der Lage, auch Bilder zu rechnen, die auf virtuellen Ebenen vor oder hinter dem eigentlichen Sensor scharf abbilden. Raytraycing-Algorithmen aus der modernen Computergrafik machen es möglich.
Abbildung aus A. Gershuns Artikel, in dem er den Begriff Lichtfeld prägt. (Gershun, A. (1936). "The Light Field", Moscow, 1936. Translated by P. Moon and G. Timoshenko in Journal of Mathematics and Physics, Vol. XVIII, MIT, 1939, fig 17)
Schon 1936 hat der russische Mathematiker Gershun den Begriff des Lichfelds geprägt, eine 5-dimensionale Darstellung allen Lichtes in einem definierten Raum. Ein Lichtstrahl ist definiert über einen Punkt in diesem Raum (x,y,z) und zwei Winkeln, die seine Richtung angeben (zusammen: 5 Dimensionen). Bei unserer sog. 4D-Lichtfeldkamera kann man auf eine Dimension verzichten, da man nur das Lichtfeld im Raum zwischen Objektiv (speziell der Blendenebene) und dem Sensor betrachtet und davon ausgehen kann, dass dieser Raum leer ist und ein Lichtstrahl sich darin geradlinig fortpflanzt. Die verbleibenen 4 Dimensionen kann man anschaulich am Besten über die beiden Schnittpunkte des Lichtstrahls mit der jeweils zweidimensionalen Blenden- und der Sensorebene verstehen, die den Strahl eindeutig definieren.

Wie baut man jetzt aber einen Digitalsensor, der nicht nur die Helligkeit an einem Punkt erfasst, sondern zusätzlich noch die Richtung der verschiedenen Lichtstrahlen, die ihn dort treffen? Der Trick besteht in einem Mikrolinsenraster vor dem Sensor, eine sog. "plenoptische Kamera". Jede dieser Mikrolinsen repräsentiert nun ein Pixel der Lichtfeldkamera und bildet das virtuelle Bild in der Blendenebene des Hauptobjektivs auf möglichst viele darunterliegende Pixel des eigentlichen Sensors ab. Die Bildverarbeitung erledigt den Rest: Jedes Mikrobild (Lichtfeldpixel) enthält nun Informationen nicht nur über die Helligkeit an dieser Stelle des Bildes, sondern auch über die Richtung der Lichtstrahlen. Und wenn man das Diagramm anschaut, kann man nun auch verstehen, dass ein Algorithmus nun in der Lage ist, aus den zusätzlichen Informationen auch andere Bilder zusammenzurechnen als nur das eine konventionelle.
Die Kamera verspricht nachträgliches Fokussieren per Bildbearbeitung, auf Lytro's Web-Site kann man das sogar anhand vieler Beispiele selbst nachvollziehen. Außerdem wird der uralte Zusammenhang zwischen Blende und Schärfentiefe aufgehoben, man kann also Bilder mit hoher Schärfentiefe und gleichzeitig kurzer Verschlusszeit machen. Gerade für Makro- (oder Mikro-) aufnahmen ergeben sich tolle Möglichkeiten mit deutlich erweiterter Schärfenkontrolle. Ich bin fasziniert von diesen Möglichkeiten, zweifele aber ein bißchen am großen Markterfolg der Kamera. Dafür ist sie einfach zu ungewöhlich: das Design ist zwar auffallend, schlicht und schön, aber eben auch viel zu anders als das, was wir als Kamera gewohnt sind. Und auch die implizierte Aufforderung an den Betrachter mit der Schärfe im Bild selbst zu spielen kommt nicht direkt rüber.
Ren Ng hat in seiner Dissertation aber schon auf andere versteckte Möglichkeiten der Technologie hingewiesen, und hier bin ich sicher, dass sie unweigerlich in zukünftigen Digitalkameras kommen werden: Objektive können mechanisch und optisch simpler gehalten werden. Man lasse z.B. den Autofokusmotor weg und kann trotzdem ein weit geöffnetes Fixfokusobjektiv bauen und einfach nachträglich elektronisch (und automatisch) fokussieren. Objekive können mit weniger Linsen gebaut werden, da man die Abbildungsfehler (verschiedene Formen der Aberation) ja elektronisch nun wieder rausrechnen kann. Lassen wir uns überraschen....

Nachtrag vom 2.1.2015: Inzwischen habe ich eine solche Kamera im Black Friday Sale 2014 günstig erwerben können. Natürlich habe ich auch ausgiebig getestet. Meine Ergebnisse und das Fazit kann man hier nachlesen:

2011-11-23

Gerücht: Fujifilm LX

Ich beteilige mich ja ungern an Gerüchten, aber das hier scheint wirklich interessant zu werden. Im Internet sind erste Bilder einer spiegellosen Systemkamera von Fujifilm aufgetaucht, geschossen vom einem Handy durch die Scheibe eines Reinraums in China. Die Kamera erinnert an Fujifilms X100, die sehr viel Zuspruch im letzten Jahr gefunden hat und die man in dem Zusammenhang sicher als Fujifilms Testballon für ein LX System bezeichen kann. Mehr Informationen gibt es hier. Von dem, was man heute schon ahnen kann, ist Fujifilm meinem Geschmack nach auf dem richtigen Weg, im Gegensatz z.B. zu Nikon. Fragt sich nur noch, ob der Digitalkamera-Marktführer Canon nicht auch noch die Kurve in diese Richtung kriegt, und wenn dann wie...?
Besonders interessant an Fujifilms neue(n) Kamera(s) ist sicher der zu erwartende Sensor. Hier gibt es solide Ankündigungen von Fujifilm selbst, und es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten, dass sich die alte Filmtante Fuji damit an die Spitze der Sensorentwicklung setzt, wenn die Erwartungen denn erfüllt werden. Ich bin sehr gespannt...

2011-11-19

Konica C35 AF

Das ist sie: die erste kommerziell erhältliche Autofokuskamera, ein relativ unscheinbarer Meilenstein der Fotografie.  Auf den Markt gekommen ist sie Ende 1977, nachdem einige Kamerahersteller schon auf der Photokina 1976 AF-Prototypen zeigten und insbesondere Leica schon ab 1973 Patente zum Thema AF angemeldet hatte. Es war aber die relativ kleine Firma Konishiroku Honten, die diesen Punkt landen konnte. Konica setzte damals als erster "Kunde" Honeywells Visitronic Autofokussystem ein, ein passives AF-System, welches änlich wie eine Messsucherkamera über bewegliche Spiegel zwei Halbbilder zur Deckung bringt und per elektronischem Sensor auswertet. 

Die Kamera selbst ist ein interessanter Hybrid zwischen Mechanik und Elektronik. Mit dem Schnellschalthebel tranportiert man nicht nur den Film, sondern spannt auch den Verschluss und zieht einen Federmotor für das AF-System auf: Die Kamera fokussiert auf die nächst mögliche Entfernung (1,10 m). Drückt man dann den Auslöser, schnurrt das Objektiv in Richtung Unendlich zurück, gleichzeitig bewegen sich oben hinter den AF-Fenstern die Spiegel und der AF-Sensor löst den Verschluss aus, wenn er beschließt, dass es jetzt scharf ist. Neben dem AF gibt es selbstverständlich noch eine Belichtungsautomatik mit drei Verschlusszeiten (1/60, 1/125, 1/250 s) und Blenden von 2.8 bis 22, keines von beiden ist manuell einstellbar. Wählen kann man hingegen, ob der Biltz verwendet werden soll. Dafür drückt man den silbernen Knopf unten am Objektiv und der Blitz wird 1 cm nach oben ausgefahren. Wenn der Blitz an ist, wählt die Kamera automatisch die Blende zur ermittelten Entfernung, so wie sich das für eine vollautomatische Kamera gehört.


Der Ruhm für das Autofokussystem gebührt Norman Stauffer der sich schon seit den 60er Jahren für seine Firma Honeywell mit Autofokus beschäftigte. 1975 wurde das entscheidende Patent erteilt und Honeywell entschied sich, nur das eigentliche AF-Modul selbst zu bauen und die Technologie an Kamerabauer zu lizensieren. Die Leute von Konica waren die schnellsten, die damit am Markt waren.  Als dann (fast) alle Kamerahersteller auf den Autofokuszug aufsprungen, stellte sich heraus, dass manchen Honeywell's Patente egal waren und sie eben keine Lizenzgebühren gezahlt hatten. Minolta brachte 1985 mit der Maxxum 7000 die erste AF-SLR mit AF-Motor im Gehäuse raus un dachte wohl, dass dazu die von Leitz gekauften AF Patente ausreichen. Aber Honeywell klagte auf Patentverletzung und bekam am Ende Recht. Minolta musste 1992 $127.5 Millionen an Honeywell zahlen. Und in Folge einigte man sich noch mit Chinon, Ricoh and Vivitar (zusammen 11.4 mio $), Nikon ($45 mio), Asahi Pentax ($21 mio), Canon und Olympus ($34.7 mio). Ein recht wertvolles Patent also.

Die Konica C35 AF stand übrigends Pate für eine ganze Reihe ähnlicher Kameras. Manche sehen dem Vorbild fast zum Verwechseln ähnlich:  Fujica Flash AF (1978), Rolleimat AF (1979), Yashica Auto Focus (1978), Minolta Hi-Matic AF (1979), Chinon 35 F-A (1979), Mamiya 135AF (1979), ein Schelm, wer sich seinen Teil dazu denkt.

2011-11-13

Simplex Snapper


Heute war endlich wieder die Second Sunday Camera Show in Wayne/NJ, die jetzt leider nur noch alle 4 Monate stattfindet. Ich habe wieder zugeschlagen und insgesamt 4 Kameras für zusammen nur 60$ erworben. Alle bedienen ein unterschiedliches Bildformat und haben alle was Spezielles. Ich werde sie natürlich der Reihe nach hier vorstellen und beginne mit dieser interessanten Plastikkamera für das Instamatic Format (126er Kassette).

Hergestellt von der American Optical Corporation ("AO") anfang der 70er Jahre, macht sie perfekt Gebrauch von der Tatsache, dass der Film ja in seiner Kassette schon ein Gehäuse hat. Das Objektiv (ein einfacher Meniskus), der Verschlussmechanismus und der Sucher sind in einem kleinen Gehäuse untergebracht, das mit einer großen Klammer einfach auf die Filmkassette geklemmt wird. Simpler geht's fast nicht. Optische Wunder und perfekt belichtete Bilder muss man sicher nicht erwarten, aber die meisten anderen einfachen Instamatic-Kameras lieferten ja auch nichts anderes.
Viele weitere Informationen findet man zu der Kamera nicht, ich vermute ähnliche technische Daten wie bei Kodaks Vorbildern (ca. 45 mm f/11 Fix-Fokus, 1/90 s Belichtungszeit oder so...). Immerhin gibt es ein paar kleinere technische Schmankerl: Anschluss für einen Blitzwürfel-Blitzgerät und eine Doppelbelichtungssperre. Wer doch noch genaueres weiß, bitte als Kommentar anfügen.
Jetzt aber keine Sorge: die anderen drei Kameras sind alle technisch deutlich anspruchsvoller. Eine davon ist sogar eine sog. Landmark-Kamera, die unter die Top-20-Cameras-of-all-time aufgenommen wurde. Überraschen lassen!

2011-11-06

Polaroid SX-70 Sonar OneStep

Bei meinen bisherigen Polaroid-Posts habe ich schon etwas von meiner erst im letzten Jahr entstandenen Begeisterung für diese Kameras kundgetan. Im Gegensatz dazu habe ich früher das Sofortbild als einen auf der einen Seite teuren, auf der anderen Seite aber nicht wirklich ernsthaften Zweig der Fotografie abgetan. Die meisten der Kameras lieferten ein billiges Point-and-Shoot Image und das war natürlich nichts für einen ernsthaften Amateurfotografen...
Mit der SX-70 hat Edwin Land allerdings 1972 sein Meisterstück abgeliefert. Obwohl die Kamera äußerst simpel wirkt und auch so bedient werden kann, ist jedes Detail bis ins Kleinste durchdacht und optimiert. Diese Kamera ist wirklich ein Landmark, ein Meilenstein in der Geschichte der Fotografie und kann hinsichtlich Design, Bedeutung und Markterfolg vielleicht mit Apples iPhone verglichen werden.

Man muss es sich wirklich alles auf der Zunge zergehen lassen. Es ist vom Bildformat her die wohl kompakteste Mittelformatkamera, dabei noch eine SLR (einäugige Spiegelreflex), hat eine elektronische Belichtungssteuerung und einen motorischen Bildvorschub. Und das alles in einem Gehäuse, dass zusammengklappt in der Jackentasche nicht aufträgt. 1978 wurde der einmalige Sonar Autofocus ergänzt und damit die SX-70 zur ersten AF-Spiegelreflex überhaupt. Das Pfiffige am Sonar-System ist, das es auch bei absoluter Dunkelheit funktioniert. Auf der anderen Seite kann man nicht durch Scheiben hindurch oder auf Spiegelbilder scharfstellen. Dazu gibt dann einen kleinen Hebel, mit dem man den AF abschalten und manuell fokussieren kann.

 

Auch wenn das Video aus den 70ern echte Längen hat (am Besten zwischendurch einfach "vorspulen"), zeigt es doch viele sonst verborgene Details. Was nicht erwähnt wird: Zum Fokussieren wird nur das Frontelement des 116 mm f/8 Objektivs verschoben. Dies erlaubt die wirklich erstaunliche Naheinstellgrenze von weniger als 25cm. 

Ich habe die Kamera schon benutzt und zwar mit dem Impossible PX-70 Color Shade Filmpack. Auch wenn betont wird, dass dieser Film noch im experimentellen Stadium ist, war ich doch enttäuscht. Nicht nur von der wirklich mangehaften Farbwiedergabe, sondern auch Auflösung und Kontrast sind nicht wirklich da. Wenn man das heute sieht, kann man Polaroids Leistungen mit dem Film in den 70ern  nicht hoch genug einschätzen. Ich habe noch ein Filmpack vom PX-100 Silver Shade, da erwarte ich ein bisschen mehr...