2012-07-10

Verschlusszeiten-Tester


Angeregt durch verschiedene Websites (siehe auch unten) habe ich mir schon vor einiger Zeit einen elektronischen Verschlusszeiten-Tester gebaut. Das Ganze mit der einfachst-möglichen Schaltung (Photodiode, Widerstand und Batterie in Reihe an einen Klinkenstecker) für den Mikrophon-Eingang des Laptops, welches mittels eines Freeware Audioprogramms die Hauptarbeit, sprich die Zeitmessungen erledigt. Wie hätte man sowas früher ohne Computer gemacht?


Wenn man genau hinschaut, kann man aus dem Bild oben die Schaltung nachbauen, die Photodiode stammt wie die meisten anderen Bauteile aus einem Elektronik-Baukasten, in Ermangelung eines einfachen 7kOhm Widerstands habe ich einen entsprechenden Drehpoti eingebaut. Nachdem alles richtig zusammengelötet war, ergab sich als größte Schwierigkeit das Signal zu verstehen, welches das Audioprogramm so schön aufzeichnet. Wie man anhand des Screenshots sehen kann, ist das Signal erstmal nicht eindeutig. Durch Vergleich verschiedener Messungen findet man aber schnell raus, was man am Ende ausmessen muss. Das Programm zeigt auch Millisekunden an, wenn man will. Ich fand es aber einfacher, direkt mit der Anzahl der Samples zu rechnen. Bei einer Abtastrate von 44100 Hz ergibt sich im Beispiel eine Verschlusszeit von 1/58 s (44100/761 ist ungefähr 58), nahe dran an der eingestellten 60stel. Die Feinstruktur der Linie mit derselben Strukturbreite kommt übrigends von der verwendeten LED, die im amerikanischen Netz eben mit 60 Hz "flackert". Wenn man Tageslicht nimmt, ist die Linie flach.


Unten seht ihr als Beispiel zwei Messreihen meiner Kameras als Funktion der Abweichungen vom Sollwert. Zunächst einmal war ich überrascht, wie genau der mechanische Schlitzverschluss meiner 43 Jahre alten Nikon F noch arbeitet. Alle Verschlusszeiten bis zur 250stel weichen weniger als 20% ab, das ist weniger als 1/3 Blendenstufe und wird von allen Filmmaterialien in der Regel so weggesteckt. Die Retina Reflex S ist noch mal fast 10 Jahre älter und hat mit dem Zentralverschluss auch das vermutlich empfindlichere "Organ". Da verwundert es nicht, dass viele Zeiten doch etwas länger sind als angegeben. Was die z.T. erheblichen Überbelichtungen bei den kürzesten Zeiten angeht, habe ich noch meine Zweifel bezüglich der Messmethode. Berichte im Netz sagen, dass eine verbesserte Schaltung mit zwei Photodioden hier korrektere (also kürzere) Ergebnisse liefert. Das werde ich bei Gelegenheit aber mit dem elektronisch gesteuerten Schlitzverschluss meiner Nikon FE2 ausprobieren (wenn ich neue Batterien dafür habe). 

Alles in allem eine wirklich nette Bastelei, auch für ungeübte Elektronik-Laien. Hier noch ein paar Links zu weiteren Anleitungen: Lalo B, Kiev Survival, Baytan, Buonaluce, photo.net, etc...

2012-07-01

Agfa Clack

Die letzte und erfolgreichste (mit fast 1.7 mio Exemplaren) von Agfa's Box Kameras ist nun auch in meiner Sammlung. Sie wurde von 1954 bis 1965 im Agfa Camera-Werk in München gebaut. Auch wenn sie nicht mehr so aussieht wie die Urgroßmutter der 120er-Film 6x9 Box-Kameras, die Kodak Brownie No.2 oder viele andere Nachahmner (hier eine andere Agfa-Box aus meiner Sammlung), fast alle Ausstattungsmerkmale sind Box-typisch (einlinsiges Meniskus-Objektiv, Einfachverschluss mit B und 1/30s, zwei Blendenwerte: ca. f/11 und f/13). Nur der wirklich ordentliche optische Sucher zum direkten Durchschauen gehört eher zu technisch anspruchsvolleren Kameras der Zeit.
   

Über die Kamera ist wirklich schon viel geschrieben worden im Netz, so dass ich mich hier auf die Bilder und ein paar Links beschränke. Der meiner Meinung nach beste Zusammenfassung stammt von Eric Fiss, andere Seiten finden sich im Camera-wiki, in Wikipedia oder auch hier. Meine Kamera ist wohl ein eher frühes Exemplar mit Blechhülle und ohne eingebautem Gelbfilter, wurde mal in Enschede in Holland gekauft und fand irgendwie den Weg in die USA.


Datenblatt Ungewöhnliche Boxkamera (6x9) aus Bakelit
Objektiv Meniskus 95 mm f/11, abblendbar um eine Stufe
Verschluss selbstspannender Boxkamera- ("Guillotinen") Verschluss, ca. 1/30 s (M) und B
Film(format) Rollfilm 120, 6x9 cm
Fokussierung Fixfokus, ab ca. 3m, einschwenkbare "Nah"-Linse für 1.5m bis 3m.
Sucher Einfacher, optischer Durchsichtsucher.
Blitz Synchronkontakte an der Oberseite, Agfa-Blitz Clibo zum Aufstecken als Zubehör.
Filmtransport Drehknopf an der Oberseite, rotes Filmfenster in der Rückwand
sonst. Ausstattung gebogene Rückwand, aufsteckbare Filter (30mm), Stativgewinde, Trageschlaufe
Maße, Gewicht ca. 111 x100 x 93 mm, 328 g (ohne Film)
Baujahr(e) 1954-1965, made in Germany (München)
Kaufpreis, Wert heute 19,50 DM (1954), ca. 5 €/US
Links Manual (english), Bedienungsanleitung (deutsch)
Bei KniPPsen weiterlesen Agfa Click I, Agfa Click II,  alle Box-Kameras

Seiten aus dem Photo Porst "Photohelfer" Katalog von 1956

2012-06-27

King Regula Sprinty C 300

Fast zufällig stolperte ich neulich bei ebay über diese Kamera. Bei einem Startgebot von nur US$ 3.99 und US$ 7 Versandkosten konnte ich nicht widerstehen und habe Sekunden vor dem Auktionsende das erste (und letzte) Gebot abgegeben und das Ding war meins. Als es dann ein paar Tage später bei mir war, konnte ich den 1A Zustand bewundern und war auch sonst angetan vom funktionellen Design dieser Einfachkamera made in Germany. 

Kein Leder, sondern nur geprägtes Plastik. Trotzdem macht die dadurch sehr leichte Kamera nicht einen billigen Eindruck.
Von der Firma King KG (später Regula-Werke King & Bauser GmbH) kannte ich nur die Regula Blitzgeräte. Dass sie mit knapp 5 mio gebauten Kameras zu den erfolgreichsten deutschen Kameraproduzenten der Nachkriegszeit gehören habe ich erst durch Recherchen zu diesem Beitrag erfahren. Funktionelles aber einfaches Design, regelmäßige Updates der Modellpalette, viel Plastik (ohne wirklich billig zu wirken) und günstige Preise am Markt trugen wohl dazu bei, dass King sich länger als andere deutsche Wettbewerber im Konkurrenzkampf mit den Japanern behaupten konnte. Ein missglückter Ausflug ins High-End SLR Geschäft Anfang der 70er (King verlor einen Patentstreit mit Leitz und musste Strafe zahlen) und das Setzen auf das Disk-Format Anfang der 80er führten 1984 zum Konkurs der Firma. Schade eigentlich.  
Funktionelles Design und Einstellhilfen auch für Fotografie-Laien garantieren gute Fotos.
Die Regula Sprinty Serie gehört aber sicherlich zu King's Erfolgsmodellen. Gebaut von 1963 bis zum Ende der 70er Jahre kamen fast jährlich in Nuancen verbesserte Modelle herraus, so dass es am Ende 9 verschiedene Modelle waren, die auch unter anderen Namen leicht modifiziert verkauft wurden. Meist gab es parallel ein Modell mit und eines ohne eingebauten (ungekuppelten) Belichtungsmesser zu kaufen. Das Modell C 300 hier kam 1971 auf den Markt und war bis auf den fehlenden Belichtngsmesser technisch auf dem Höhepunkt der Entwicklung der Serie. Später kamen nur noch ein Sockel für Blitzwürfel hinzu. 
Das Objektiv der Kameras war ein 45 mm f/2.8 von ISCO in Göttingen, vermutlich ein Dreilinser mit allerdings vergüteten Linsen, was ordentliche Bilder verspricht. Das interessanteste Merkmal ist aber der Rectamat Zentralverschluss, der gleichzeitig (rechteckige) Blende ist. Blende und Verschlusszeit sind nicht unabhängig voneinander einstellbar und können in Gruppen ausgewählt werden (siehe Foto). Eine wirklich praktikable Lösung, die vermutlich später ähnlich auch in vielen vollautomatischen Kameras verbaut wurde. 


Meine Tochter war auch gleich ganz verliebt in die Kamera und hat mich (relativ schnell) überredet, einen Film damit zu verschießen. Trotz abgelaufenen Haltbarkeitsdatum auf dem Fuji Superia X-Tra 400 Film haben die Ergebnisse unsere Erwartungen übertroffen. Alle 36 Bilder sind etwas geworden, trotz Entfernung und Belichtung schätzen. Einige sogar sehr gut, wie das Bild oben beweist. Im Netz wird die Regula Sprinty C 300 als Kamera für die Lomografie verwendet, dafür ist sie aber fast schon zu gut!

2012-06-20

Rückspulkurbel

Vor ca. 24 Jahren brach bei meiner ersten selbstgekauften Spiegelreflexkamera die Führung der Rückspulkurbel und machte die ganze Kamera unbrauchbar. Natürlich hätte ich es reparieren lassen können. Aber, erstens hatte ich damals schon zwei andere Nikon Gehäuse (Nikon FE2 und Nikkormat FT3), zweitens hätte die Reparatur auch damals schon mehr als eine gebrauchte EM gekostet, ein wirtschaftlicher Totalschaden also, drittens hatte ich auch dafür kein Geld übrig. 
Diese Führung ist ein kleines Plastikteil im Materialwert von wenigen Cents vermutlich, allerdings konnte man es als Privatmann nicht einzeln irgendwo bestellen. Am letzten Wochenende habe ich eine defekte Nikon FG20 (die EM-Nachfolgerin) für 5 US$ erstanden, komplett zerlegt und so kommt meine alte EM nun wieder zu einer funktionierenden Rückspulkurbel. Bei Gelegenheit werde ich hier über das eine oder andere Einzelteil der Kamera und seine Funktion hier bloggen, so wie hier schon geschehen...

2012-06-15

Seiko MFC-E

Das hier ist ein Seiko MFC-E Schlitzverschluss (Baujahr ca. 1985) aus einer Nikon FG-20, die ich (schon defekt) als Ersatzteillager für billig Geld gekauft habe. Mit ihrer Rückspulkurbel ist nach ca. 25 Jahren meine allererste eigene SLR (Nikon EM) nun wieder ganz. Danke an die Spenderin. Auch die EM hatte übrigends wie viele andere kompakte SLR Kameras der späten 1970er und frühen 1980er Jahre genau diesen vertikal ablaufenden Metall-Lamellen-Schlitzverschluss von Seiko. MFC steht für Metal Focal Plane Compact und das E für Elektronik. Die erste Kamera mit dem MFC-E war die Pentax ME von 1977, weitere prominente Kunden von Seiko für den Verschluss waren Minolta (XD-Serie) und damit auch Leica (R3, R4). Vorläufer war der MFC-M der bei ansonsten identischen Spezifikationen voll mechanisch gesteuert wurde.


Hier in Kürze die Specs: 1-1/1000 s, elektr(on)isch gesteuert, mechanische Verschlusszeit (und X-Blitzsynchronzeit) 1/90 s (Nikon) oder 1/100 s (Pentax, Minolta), was im Rahmen der Genauigkeit vermutlich das selbe ist und B. Wenn man nachrechnet ergibt sich eine Geschwindigkeit der von oben nach unten ablaufenden Lamellen von 2 m/s, der Schlitz bei der 1/1000 s ist 2 mm breit. Seiko legte Anfang der 1980er mit dem MFC-E2  (Pentax ME-Super und andere) nochmal nach und erreichte nun bei 3 m/s 1/125 s als Synchronzeit (volle Öffnung) und 1/2000 s als kürzeste Verschlusszeit bei einem etwas schmaleren Schlitz. Dieser Verschluss wird heute immer noch in den von Cosina in Lizenz gebauten analogen Kameras verbaut, die unter verschiedenen illustren Marken angeboten werden (Voigtländer Bessa, Nikon FM10, Zeiss Ikon ZM, ...).
Neben Seiko ist insbesondere die Firma Copal in Japan zu nennen, wenn es um technische Spitzenleistungen bei Schlitzverschlüssen geht. Anfang der 1980er steigerte Copal in Zusammenarbeit mit Nikon die Geschwindigkeit der Verschlusslamellen auf ca. 7 m/s (Nikon FM2, FE2, strukturierte Titan-Lamellen), was eine 1/4000 s als kürzeste und 1/250s als Synchron-Zeit erlaubte. In der Nikon F-801 kamen dann optimierte Aluminium-Lamellen zum Einsatz und die 1/8000 s wurde erreicht. Aktueller Rekordhalter bei reinen Schlitzverschlüssen ist seit 20 Jahren Minoltas Dynax 9i von 1992 mit 1/12.000 s (13.3 m/s). Noch schnellere Zeiten bei modernen DSLR's werden durch eine Komibantion von Schlitzverschluss und elektronischem Verschluss über den Kamerasensor erreicht.   

Für Interessierte an weiteren (technischen) Infos über Schlitz- und andere Verschlüsse sind hier noch vier Links: a) ScanDig.info, b) die Olypedia, c) Kamera-Geschichte.de, d) und natürlich Wikipedia (der deutsche Artikel ist leider nicht so umfangreich). Viel Spaß!

2012-06-11

Kodak Pocket Range Finder

Many functions, which later have been integrated into cameras like the self timer, the exposure meter or the electronic flash (only to mention the most important) started their technical existence as external accessories. Same with the optical range finder, which named an entire class of cameras and still is used by some high end gear (e.g. the Leica M9 digital camera)! 
Viele Funktionen, die später in Kameras integriert wurden wie der Selbstauslöser , der Belichtungsmesser oder der Elektronenblitz (um nur die wichtigsten zu nennen) begannen ihr technisches Dasein als externes Zubehör. So auch der optische Entfernungsmesser, der einer ganzen Klasse von Kameras - den Messsucherkamers (engl. Rangefinder)- ihren Namen gab und auch heute noch z.B. in der Leica M9 Digitalkamera zum Einsatz kommt!
Estimating a distance is not easy. Simple cameras with low aperture lenses have a huge depth of field and therefore a basic fix focus lens is sufficient. A few others allow to select a distance range, mostly designated with symbols for portrait, group or landscape. For high quality, mostly high aperture lenses this type of accuracy is not sufficient anymore: a focus assistant is needed. Beside the principle realized in (single or twin lens) reflex cameras, which is pretty exact but results in complex and bulky constructions the optical range finder established itself in camera history.
Entfernungen zu schätzen ist nicht ganz einfach. Einfache Kameras mit lichtschwachen Objektiven haben meist eine große Tiefenschärfe und so reicht ein einfaches Fixfokus-Objektiv. Bei anderen kann der Fotograf Entfernungsbereiche wählen, die z.B. mit Symbolen für Portrait, Gruppe und Landschaft bezeichnet werden. Bei besseren, sprich lichtstärkeren Optiken reicht diese Genauigkeit nicht mehr, um einwandfreie Aufnahmen zu machen: eine Scharfstellhilfe muss her. Neben dem Spiegelreflexprinzip, welches sehr genau ist, die Kameras aber komplex und groß macht, setzte sich insbesondere der optische Entfernungsmesser durch. 

How does it work: The photographer focuses the object through the eyepiece (E) and sees two half images, which he lines up to each other by turning the dial (D). In simple systems like this one, the first half image (upper pane) is a direct view through the window (W), the second half image (lower pane) stems from a window within (D), which is a few cm away from W and reaches the observers eye reflected by two mirrors (M). With objects in infinite distance both mirrors are parallel to each and at 45° respective to the eyepiece and both panes line up perfectly. For closer objects one of the mirrors has to be slightly tilted to align the two half images. With Kodak's pocket range finder one achieves this by turning the dial (D), which has a different thickness on the back side and moves the lever (L) and with that the mirror pretty exactly. A small auxiliary optic (A) fades in the metered distance in feet, the respective scale is engraved on the window of (D), clever!
Wie funktionierts: Der Fotograf schaut durch den Sucher (E) auf das Objekt und erblickt dort zwei Halbbilder, die er durch Drehen eines Einstellringes (D) zur Deckung bringt. In einfachen Systemen wie diesem hier, stammt das erste Halbbild (hier die obere Bildhälfte) vom direkten Sucherdurchblick (W), das zweite Halbbild aus einem wenige Zentimeter entfernten Fenster (D) gelangt über zwei Umlenkspiegel (M) ins Auge des Betrachters (untere Bildhälfte). Bei unendlich entfernten Objekten stehen beide Spiegel parallel zu einander und im Winkel von 45° zum Einblick und dennoch kombinieren sich beide Halbbilder perfekt. Bei näheren Objekten muss man einen der Spiegel leicht kippen, um die Bilder zur Deckung zu bringen. Beim Kodak Pocket Range Finder wird dies durch Drehen des Einstellrings (D) erreicht, der auf der Rückseite unterschiedlich dick ist, und über den Hebel (L) den Spiegel sehr genau verstellt. Eine winzige Hilfsoptik (A) blendet zusätzlich noch die gemessene Entfernung (in Fuß) ein, deren Skala auf der Hilfsfesterscheibe eingeprägt ist, pfiffig!
 
Original manual...

More complex systems than this one combine the range finder with the viewer. They use full images from semi-transparent mirrors instead of half images. Interestingly the principle of the first commercial auto-focus camera is more or less exactly the same, see here.
Komplexere Systeme als dieses hier kombinieren Sucher mit Entfernfungsmesser (sog. Messsucher) und verwenden halbdurchlässige Spiegel statt halber Bilder. Das Messprinzip bleibt aber das selbe. Interessanterweise beruht auch das Autofokussystem der ersten kommerziellen Autofokuskamera auf diesem Prinzip, siehe hier.
Kodak's pocket range finder dates from the late 1930'ies and has been offered at US$ 7 as an accessory for cameras like the Retina I or the Duo Six-20. Naturally, it could also been used for any other camera, which had no own range finder. I found my finder on a flea market in New York City (Antique Garage, 125 W 25th Street). Back at home I opened it and cleaned the mirrors. Voila: It functions again like in the old days and also the metered distances look reasonable.
Kodak's Pocket Rangefinder stammt aus der zweiten Hälfte der 1930er Jahre und wurde damals für 7 US$ als Zubehör u.a. für die Retina I oder die Duo Six-20 angeboten, konnte aber natürlich auch für jede andere Kamera ohne eigenen Entfernungsmesser verwendet werden. Mein Exemplar habe ich auf einem Flohmarkt in New York City (Antique Garage, 125 W 25th Street) gefunden, zu Hause aufgeschraubt und gereinigt (die Spiegel waren verdreckt). Seit dem funktioniert er wieder wie früher und auch die Entfernungen, die er anzeigt scheinen zu stimmen.

2012-06-09

Shutters anno 1937

Noch eine andere Seite aus meinem Photo Porst Katalog von 1937. Diese hier ist über die bei Porst damals verfügbaren Zentralverschlüsse. Die berühmten Marken waren Prontor (hergestellt durch Alfred Gauthier in Calmbach) und Compur (Friedich Deckel in München). Interessanterweise waren bei Konkurrenten später Teil von bzw. kontrolliert durch die Carl Zeiss Stiftung.
Die gebräuchlichste Kameraform der 1930er war die Faltbalgenkamera für Rollfilm. Das Meiste der  Mechanik nebem dem Filmvorschub war rund um das Objektiv gruppiert und das war Verschluss und Blende. Schaut man in den Katalog, so sieht man, dass fast alle Kameras in unterschiedlichen Verschluss- und Objektivkonfigurationen angeboten wurden. Es ist nicht selten das damit die Preise bis zu Faktor 4 variieren können, für's selbe Gehäuse! 
Yet another page from my Photo Porst catalog form 1937, this one is about the available leaf shutters at the time. The most prominent brands were the Prontor (manufactured by Alfred Gauthier in Calmbach) and the Compur shutters (Friedrich Deckel in Munich). Interestingly both somehow competing companies were part of or controlled by the Carl Zeiss foundation.   The most common camera design of the 1930'ies was the folding camera for roll film and most of the mechanics of the camera beside film forwarding were located around the lens being the shutter and aperture. Looking into the catalog you can see many cameras have been sold in many different configurations as combinations of the different leave shutters mentioned on this page and different quality standard lenses. With that the price can vary by a factor 4 for the same camera body.     
Here is a the translation of the text in the picture, for anybody interested...

For all cameras at Photo-Porst only original shutters are used. The much cheaper replacement shutters are generally not sold. For the few Marks that can be saved the excellent execution of the original shutters is better. On an original shutter, there are almost no repairs. The question of selecting a shutter is purely a question of price. Simple shutters are so cheap, because beside  from the two settings for time exposure they only have three different speeds and are easier to build than the Compur shutter offering 10 to 11 different settings. 

2012-06-05

Photo Porst 1937 Catalog

I'm in posession of a 1937 catalog from Germany's largest (pre WW-II) photo retailer Photo Porst. It's really interesting to browse through and I'm going to post some pages here from time to time (I did it once so far, see here). Prices are given in Reichsmark, according to Wikipedia one RM from 1937 corresponds to the buying power of ca. US$ 5.20 (4€) in today's money. These are Germany's most important 35 mm cameras from 1937, and at this time the German camera industry still were setting world standards...
Ich besitze schon lange einen Katalog von Photo Porst aus dem Jahr 1937, ich hatte schonmal daraus eine Seite hier gepostet (Leica III). Hier nun die Zusammenfassung zu den wichtigsten Klein(bild)kameras des Jahres in Deutschland mit Preisen in Reichsmark (eine Reichsmark entspräche heute nach Kaufkraft ca. 4 €).

Leitz Leica, Karat, Berning Robot, Welti, Dollina, Baldina, Weltini, Ihagee Exakta, Kodak Retina, Nettel, Nettax, Zeiss Ikon Contax, Contaflex.

2012-05-24

Hit Kamera


In Deutschland sind sie nicht besonders bekannt, im armen Nachkriegsjapan waren solche Subminiaturkameras  mit minimalen Ausstattungsmerkmalen der Hit. Sie waren quasi billige Nachbauten der schon 1937 von der Firma Misuzu entwickelten Midget Kamera. Obwohl fast nur ein Spielzeug war es direkt nach dem Krieg für viele Japaner der einzig erschwingliche Weg Fotos zu machen. Dutzende Fotofirmen in Japan bauten diese Kameras mit minimalen Variationen aus gepresstem Messingblech und später auch aus Plastik. Ende der 1940'er Jahre gelangten die ersten dann  mit den abziehenden Besatzungssoldaten in die USA.


Ab 1950 wurde auch exportiert und eine der ersten Firmen im Export war die Firma Hit und so wird heute die ganze Klasse als Hit-Kameras bezeichnet. In Amerika gab es die Dinger für einen Dollar inkl. Film aus Kaugummiautomaten und einige hingen sicher auch als Weihnachtsdeko im Tannenbaum. Sammler haben bis heute schon fast 500 verschiedene Varianten zusammengetragen, klassifiziert und dokumentiert. Natürlich gibt es auch eine eigene Web-site, die sich diesem Hobby widmet. Nur eine einzige Seite im Netz über diese Winzlinge ist auf Deutsch und sie ist schon ein paar Jahre alt. Wenn man keinen Vergleich hat, kann man sich kaum vorstellen, wie klein die Dinger wirklich sind. Hier im Vergleich zu einer meiner bevorzugten Kleinbild(!)kameras...
Diese Hit hier ist meine erste "e-bay Kamera". Mal sehen, vielleicht benutze ich diese Quelle demnächst öfter, um meine Sammlung zu ergänzen. Ohne es sofort genau zu wissen, habe ich mit genau dieser quasi den Gattungstyp schlechthin ersteigert, perfekt! Was macht diese Kameras also genau aus:
  • Das simple Grunddesign und die Abmessungen der Kamera orientieren sich am HIT Vorbild
  • Der Film ist ein 17.5 mm breiter Rollfilm mit Papierrücken (ein längs halbierter 35 mm Streifen ohne Perforation). Dieser Film wurde in den 1930'er Jahren auf Basis des sog. Pathe Rural Kinofilms entwicklet und war daher preiswert verfügbar.
  • Das Neagtivformat ist 14x14 mm, auf ein Röllchen passen 10 Aufnahmen.
  • Das Objektiv ist simpel und nicht auswechselbar, meist ein einfacher Fix-Fokus Miniskus mit ca. 20 mm Brennweite und f/11 (geschätzt).
  • Es gibt nur eine Verschlusszeit (ca. 1/25 s) und ggf. "B" und keine weitere Möglichkeit abzublenden.
  • Oberhalb des Objektivs gibt es einen einfachen optischen oder gar nur direkten Durchsichtsucher.

Im technisch-fotografischen Sinn sind Hit-Kameras direkt oberhalb von selbstgebauten Lochkameras angesiedelt, man kann aber tatsächlich  damit fotografieren, wie einige Beispiele im Netz beweisen. Wenn man es selbst ausprobieren möchte muss man sich allerdings wohl aus einem KB-Film den 17.5mm Rollfilm selbst zurechtschnippeln und dann auch irgendwie selbst entwicklen. Diese Kameras zu sammeln verspricht aber wohl mehr Spaß...

2012-05-17

HP photosmart 433

Hewlett-Packard, der große Technologiekonzern aus Palo Alto, CA und seit einiger Zeit größter PC-Hersteller der Welt, ist nicht so bekannt als Kamerahersteller. Mit dem Aufkommen der Digitalkameras Ende der 1990er Jahre war aber gerade HP prädestiniert in dem Markt mitzumischen, da man ja (im Gegensatz zu den etablierten Fotofirmen) keine analogen Kameras anbot und sich damit keine eigene Konkurrenz ins Haus holte. Trotzdem war der Ausflug von HP auf den Fotomarkt nicht besonders erfolgreich. 
Am Anfang stand 1997 die einfach Photosmart genannte VGA (640x480 Pixel = 0.3 MP) auflösende Plastikknippse ohne eigenes Display und eigener Speicherkarte. Von 1998 bis 2007 folgten mindestens 54 weitere und sehr unterschiedliche Modelle, die alle PhotoSmart plus irgendwas hießen. Sie machten über die Jahre mit beim allgemeinen Megapixel-Wettrennen und boten die zur jeweiligen Zeit üblichen Funktionen und Features, keine von ihnen war aber je technischer Pionier oder stach sonstwie heraus. Man braucht keine große Phantasie um zu erkennen, dass HP das Kamergeschäft nur aus der Marketingabteilung heraus betrieben hat. Die Kameras selbst wurden allesamt von (verschiedenen) OEM Produzenten in Asien gebaut und man kaufte verfügbare Komponenten und Technologien eben zu. Dass bei diesem Mischmasch kein roter Faden oder gar eine Markenidentität entsteht (wie z.B. bei den HP-Druckern) ist nicht verwunderlich. Konsequenterweise gab HP am 7. November 2007 bekannt, aus dem Kamerageschäft auszusteigen, und in der Tat gibt es derzeit auch keine HP Kameras mehr neu zu kaufen.  2010 gab es eine kurze Rückkehr auf den Markt, ich bin mir aber nicht sicher, wie lange diese nicht mehr Photosmart genannten fünf Kameras wirklich zu kaufen waren.
Die hier gezeigte Photosmart 433 habe ich vor kurzem von einem Kollegen geschenkt bekommen. Sie kam 2003 auf den Markt und wurde so bis 2005 hinein verkauft. Das nur 1.5 Zoll große Display macht einen optischen Sucher noch erforderlich und der Zoom (3x) ist rein digital, d.h. Teleaufnahmen haben nicht mehr die 3.1 MP Auflösung. Auf den deutschen Markt kam die fast identische 435 mit 5-fach Zoom, vermutlich nur mit anderer Firmware. Normale AA-Batterien und eine moderne SD-Karte waren praktische Features, gehalten hat das Ding aber nicht lange und wurde auch bei meinem Kollegen nach nur kurzer Zeit durch eine andere Digiknippse ersetzt. Heute macht jedes Smartphone bei bessere Aufnahmen, wie schnell die digitale Zeit vergeht.