2012-05-16

HP photosmart 433

Hewlett-Packard, der große Technologiekonzern aus Palo Alto, CA und seit einiger Zeit größter PC-Hersteller der Welt, ist nicht so bekannt als Kamerahersteller. Mit dem Aufkommen der Digitalkameras Ende der 1990er Jahre war aber gerade HP prädestiniert in dem Markt mitzumischen, da man ja (im Gegensatz zu den etablierten Fotofirmen) keine analogen Kameras anbot und sich damit keine eigene Konkurrenz ins Haus holte. Trotzdem war der Ausflug von HP auf den Fotomarkt nicht besonders erfolgreich. 
Am Anfang stand 1997 die einfach Photosmart genannte VGA (640x480 Pixel = 0.3 MP) auflösende Plastikknippse ohne eigenes Display und eigener Speicherkarte. Von 1998 bis 2007 folgten mindestens 54 weitere und sehr unterschiedliche Modelle, die alle PhotoSmart plus irgendwas hießen. Sie machten über die Jahre mit beim allgemeinen Megapixel-Wettrennen und boten die zur jeweiligen Zeit üblichen Funktionen und Features, keine von ihnen war aber je technischer Pionier oder stach sonstwie heraus. Man braucht keine große Phantasie um zu erkennen, dass HP das Kamergeschäft nur aus der Marketingabteilung heraus betrieben hat. Die Kameras selbst wurden allesamt von (verschiedenen) OEM Produzenten in Asien gebaut und man kaufte verfügbare Komponenten und Technologien eben zu. Dass bei diesem Mischmasch kein roter Faden oder gar eine Markenidentität entsteht (wie z.B. bei den HP-Druckern) ist nicht verwunderlich. Konsequenterweise gab HP am 7. November 2007 bekannt, aus dem Kamerageschäft auszusteigen, und in der Tat gibt es derzeit auch keine HP Kameras mehr neu zu kaufen.  2010 gab es eine kurze Rückkehr auf den Markt, ich bin mir aber nicht sicher, wie lange diese nicht mehr Photosmart genannten fünf Kameras wirklich zu kaufen waren.
Die hier gezeigte Photosmart 433 habe ich vor kurzem von einem Kollegen geschenkt bekommen. Sie kam 2003 auf den Markt und wurde so bis 2005 hinein verkauft. Das nur 1.5 Zoll große Display macht einen optischen Sucher noch erforderlich und der Zoom (3x) ist rein digital, d.h. Teleaufnahmen haben nicht mehr die 3.1 MP Auflösung. Auf den deutschen Markt kam die fast identische 435 mit 5-fach Zoom, vermutlich nur mit anderer Firmware. Normale AA-Batterien und eine moderne SD-Karte waren praktische Features, gehalten hat das Ding aber nicht lange und wurde auch bei meinem Kollegen nach nur kurzer Zeit durch eine andere Digiknippse ersetzt. Heute macht jedes Smartphone bei bessere Aufnahmen, wie schnell die digitale Zeit vergeht.


1 comment:

  1. Die HP Photosmart 735 war meine erste Digitale (hier gibt es ein Datenblatt). Ich hatte sie aus einer Habenwill-Laune heraus bei einem Besuch in den USA gekauft. Den Kauf bereute ich sehr schnell: Die Auslöseverzögerung war unterirdisch - gefühlte 1,5 Sekunden, die Verarbeitung jämmerlich und das Rauschverhalten machte die Bilder bei ISO 400 unbrauchbar. Das einzige Positive, was ich sagen kann: Die Fotos hatten sehr schöne Farben, bei ISO 100 war auch das Rauschverhalten sehr gut und es gab einen optischen Gucklochsucher. Und der HP-Kundenservice funktionierte.

    Denn eigentlich waren es zwei Geräte. Die erste Kamera hatte ich kaum in Benutzung, als die Mikroschalter für die Zoomwippe kaputt gingen. Der Druckpunkt war weg, ständig verstellte sich der Zoom von allein und der Objektivschutz hatte sich verklemmt, (musste mit dem Finger die Lamellen anstupsen). Damit machte Fotografieren echt keinen Spaß. HP tauschte mir die Kamera per Abholservice anstandslos aus, damals hatten sie einen weltweiten Service. Dass ich das Gerät in Atlanta, GA gekauft hatte, spielte dabei keine Rolle.

    Die zweite Photosmart hatte dann andere Macken. Ich hatte das Austauschgerät pünktlich vor dem Spanienurlaub erhalten. Dort versagte die Elektronik: Nach höchstens 10 Fotos behauptete die Kamera auf einmal, die Akkus bzw. Batterien seien leer (zum Glück hatte ich in Andalusien noch die Rollei 35 dabei) und nach kaum 30 Fotos warf schon wieder einer Mikroschalter die Hufe. Kurz vor Ablauf der Garantie wollte ich die 735 nochmal einschicken. Leider - oder Gottseidank -fiel sie mir runter, wahrscheinlich aus Frust. Und dann ging gar nichts mehr.

    Ich verkaufte die Leiche per Ebay an einen Schrauber in Berlin und bekam noch 27 Euro (oh Wunder, trotz aller angegebenen Mängel) - das war ziemlich genau 1/10 des Kaufpreises.

    Insgesamt konnte ich mit beiden Knipsen zusammen weniger als 1000 Auslösungen machen - ein teurer Spaß. Mit der SD-Karte (128Mbyte kosteten Anfang 200350 US$) abzüglich des Ebay-Erlöses zahlte ich also rund 30 Eurocent pro Druck auf den Auslöser.

    Danach schaffte ich mir eine Fujifilm Finepix E550 an - die Freude daran dauerte auch nicht lange. Aber das ist eine andere Geschichte. War damals halt 'ne Pionierzeit, Anfang der 2000er. Wir zahlten den Preis.

    Gruß
    Ralf

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