2013-06-30

Projekt PEN (#6, Kamera 2 Analyse)

Früher als erwartet kam heute Kamera Nummer 2 (auf dem Foto hinten) bei mir an, nach erstem Anschein in gar nicht so schlechten Zustand wie vom Verkäufer beschrieben. Die obere Gehäusekappe wurde zwar übel zugerichtet, jemand hat eine zweite Blitzbuchse an die Vorderseite gelegt und einen Zubehörschuh auf die Oberseite geschraubt. Außerdem wurde eine 11-stellige Zahlenfolge unterhalb der Seriennummer (142156, von Mitte 1964) eingeritzt. Eine recht grobe Beule hinten links bei der Rückspulkurbel disqualifiziert diese Kappe endgültig für die weitere Verwendung an meiner Zielkamera. Dafür sind Rückklappe und Bodenplatte in besserem optischen Zustand als bei Kamera No. 1.

Das Zerlegen zur weiteren Analyse ging mir nach den Erfahrungen mit Kamera No. 1 (oben im Bild) leicht von der Hand. Spiegel, Spiegelkasten mit der Prismengruppe und der Spiegelmotor scheinen in einwandfreiem Zustand. Dafür hakt es heftig im Verschluss, warum muss ich noch rausfinden. Im Ganzen sieht es aber so aus, als ob ich wirklich zwei komplementär defekte Gehäuse in den Händen halte. Beste Voraussetzungen also am Ende eine funktionierende daraus zu basteln. Demnächst mehr dazu...

2013-06-28

Projekt PEN (#5, Rotationsverschluss)


Neben dem Porroprisma die andere herausstechende Besonderheit der PEN F Serie: Der Rotationsverschluss. Ich habe hier schon mehrfach über Kameraverschlüsse geschrieben: Seiko MFC-E, Compur-Rapid, der schnellste KB-Zentralverschluss und natürlich der damals schnellste Schlitzverschluss. Aber auch zwei KB-Kameras mit Rotationsverschlüssen habe ich schon in meiner Sammlung, beide gehören wie die PEN-Serie zu den Halbformatkameras, wenn man bei der Robot und ihren quadratischen 24x24 mm ein Auge zudrückt. Die Universal Mercury II ist quasi das Verschlussvorbild für die PEN, auch wenn Maitani-san die Sache hier viel eleganter gelöst hat. Im Gegensatz zur Mercury plazierte er das Zentrum der rotierenden Scheibe direkt neben die längere Seite des 18x24 mm großen Bildfensters, was zur deutlich kompakteren Bauweise führt und der PEN den häßlichen Verschlussbuckel der Mercury erspart. Außerdem generiert der Olympus Verschluss verschieden lange Zeiten durch Variation der Rotationsgeschwindigkeit, die Mercury verwendete stets dieselbe (relativ langsame) Geschwindigkeit und veränderte die Schlitzbreite.


Auf's Bild klicken für's komplette Patent...

Damit gibt der Verschluss der PEN das Bildfenster bei allen Zeiten komplett frei, man kann also bis zur kürzesten Zeit von 1/500 s blitzen. Außerdem kommt es nicht zu den seltsamen Verzeichnugsartefakten schneller Schlitzverschlüsse bei sich bewegenden Objekten, die im Falle der Mercury wegen des keilförmigen Schlitzes besonders merkwürdig sein können. Die strukturierte Titanfolie des Olympus Verschlusses erreicht bei der 1/500 s eine Geschwindigkeit von ca. 27 m/s, viel schneller als die schnellsten jemals gebauten Schlitzverschlüsse. Allerdings ist der Vergleich nicht ganz fair, da diese Geschwindigkeit nur für denäußeren Rand der Scheibe gilt. Trotzdem hatten Maitani und Kollegen extreme Probleme die richtigen Werkstoffe für die extremen Belastungen während des Verschlussablaufs zu finden, wie sie in einem Beitrag zur Olympus-Geschichte beschreiben. Diese Schwierigkeiten sind auch der Grund, warum Rotationsverschlüsse maximal beim Halbformat zu finden sind. Ich jedenfalls bin einigermaßen Stolz nun alle (!) drei bekannten KB-Kameratypen mit Rotationsverschluss (natürlich gibt es jeweils verschiedene Modellvarianten) in meiner Sammlung zu haben. 

2013-06-27

Projekt PEN (#4, Kamera No. 2)


Das ist mein zweiter Fang bei eBay, angeblich ist fast alles defekt, was kaputt gehen kann, aber der Spiegel ist heile. Wir werden es sehen, wenn sie endlich kommt (das oben ist eines der eBay Fotos). Der Verkäufer wollte diesmal $45 beim Sofortkauf haben sowie $25 für Expressversand aus Kanada. Zum Glück war er so nett, gleichzeitig eine Auktion mit $5 zu starten. Bei dem Zustand der Kamera blieb ich der einzige Bieter und ich konnte ihn davon überzeugen, eine preiswertere Paketoption ($17) zu wählen. Für mein Projekt kann ich also $22 auf die Sollseite buchen und ein paar weitere Tage warten...

Projektkosten bisher: $24.24

2013-06-26

Projekt PEN (#3, Kamera 1, zerlegt)


Eigentlich brauch man nur einen 1.5 mm Feinmechaniker-Schraubendreher und schon kann es losgehen. Eine gute Anleitung gibt es bei der Olypedia im Netz, diese bezieht sich zwar auf die PEN FT,  weil die F einfacher ist, macht das aber kein Problem. Das schwierigste war wirklich, die Belederung abzulösen, ohne sie einzureißen, danach ging es Schritt für Schritt und ich hatte innerhalb kürzester Zeit die wichtigsten Komponenten auseinander. Die Kamera ist modulartig aufgebaut, die verschiedenen Module greifen geschickt ineinander. Im Gehäuse bei mir verblieben ist der Filmtransportmechanismus mit dem Schnellschalthebel. Dessen Hauptzahnrad spannt den Verschluss. Diese Bewegung wird wiederum direkt an den Spiegelmotor weitergegeben, der hier unter dem Spiegelkasten zu sehen ist...

Gleiches gilt auch für den Auslöser, der im Prinzip als Gestänge am Verschlussmodul sitzt. Dessen Hebel löst aber zunächst den Spiegelmechanismus aus und der klappende Spiegel schiebt einen weiteren Hebel zurück, der letztendlich den Verschluss auslöst. Hier liegt aber bei meiner Kamera das Problem. Nicht nur dass der Spiegel in 3 Teile gebrochen ist, an der Spiegelhalterung ist auch eine kleine Nase abgebrochen, die sonst diese Bewegung vermittelt. Das heißt: keine Spiegelbewegung, keine Verschluss-Auslösung. Mit einem Schraubenzieher kann man den Verschluss auch so auslösen, dieser funktioniert prima. Ich brauche also einen neuen, intakten Spiegel inklusive der entsprechenden Verbindungsnase zum Spiegelmotor, dann klappt es auch wieder mit dem Verschluss (hoffe ich...). Eine zweite (defekte) Kamera mit intaktem Spiegel zum Ausschlachten ist schon avisiert, mehr dazu demnächst...



2013-06-25

Projekt PEN (#2, Kamera No. 1)


Die Geschichte begann am Sonntag Abend, 9. Juni. Auf ebay entdeckte ich mehr oder weniger zufällig eine Olympus PEN F, die in wenigen Stunden unter den virtuellen Hammer kommen sollte. Beschrieben als defekt, mit relativ lieblosen Bildern beworben hatte sie bisher nur 2 Gebote und stand bei $1.99. Der gebrochene Spiegel war klar auf den Bildern zu erkennen, trotzdem tat mir das Ding leid aud ich habe mal maximal $4 geboten. Am Ende war ich überrascht, den Zuschlag bei $2.24 bekommen zu haben, der Verkäufer hatte das Gehäuse zuvor für den Festpreis von $80 eingestellt, aber nicht los bekommen.


Ich habe dann gleich bezahlt, zusätzlich zu den $2.24 fielen noch $10.50 für den Versand an. Trotzdem tat sich tagelang nichts, und ich hatte schon den Verdacht, dass ich an ein schwarzes ebay-Schaf geraten war, der das Ding nicht für die paar Kröten hergeben wollte und auf "Paket leider verloren gegangen" setzte. Es stellte sich aber im Nachhinein auf mein Nachfragen hin herraus, dass er das Päckchen zwar frankiert, aber dann irgendwie verwechselt oder verlegt hatte. Ihm war das so peinlich, dass er mir die Versandkosten wg. der Verspätung komplett erstattet hat. Glück für mich und mein Projekt: Eine optisch recht gut erhaltene Kamera mit defektem Spiegel und fest sitzendem Auslöser, die ich nach Eintreffen erstmal fast komplett zerlegt habe. Hier zunächst ein Bild vom Spiegelkasten, mehr dann im nächsten Beitrag...


Projektkosten bisher: $2.24

2013-06-24

Projekt PEN (#1, der Plan)


Bis zum Erscheinen der digitalen Olympus PEN im Jahre 2009 habe ich nicht von ihrer Existenz gewusst, muss aber heute zugeben, dass die originale Olympus PEN F von 1963 eine der faszinierendsten analogen Kameras überhaupt ist. Das sehen auch viele heutige Sammler so; und so verwundert es nicht, dass gut erhaltene Exemplare für vergleichsweise viel Geld gehandelt werden. Das wirklich wertvolle sind die exzellenten Wechselobjektive, aber auch für funktionierende und optisch einwandfreie Gehäuse wird meist weit über $100 verlangt. Defekte Kameras hingegen sind relativ günstig zu haben, und hier kommt jetzt mein Projekt: 

Ich gebe mir selbst ein Budget von $50 bis maximal $100 und am Ende soll bei mir im Regal eine funktionierende Olympus PEN F, FT oder FV stehen, inklusiv Objektiv natürlich. Wert, ca. $200. 

Hier ist der Plan dazu: Ich kaufe defekte Kameras, repariere und kombiniere Teile (aus 3 defekten mach 2 ganze, oder so ähnlich). Der Verkauf eines reparierten Gehäuses muss dann das Geld für das Objektiv einspielen. Angefangen habe ich schon, mehr dazu im nächsten Beitrag...

2013-06-22

Ihagee Kine Exakta

Spiegelreflexkameras für Fotoplatten gab es schon im 19. Jahrhundert, die Kine Exakta der Ihagee in Dresden war 1936 die erste für den Kleinbildfilm und darf natürlich in keiner ernsthaften Kamerasammlung fehlen. Ihagee hatte schon seit 1933 mit ihrer großen Schwester (Standard- oder VP) Exakta für den 127er Rollfilm geübt, so dass die Kine Exakta schon beim Erscheinen erstaunlich ausgereift wirkt. Die allererste Variante kam noch mit einer runden Sucherlupe, aber schon Ende 1936 stellte man die Produktion auf diese Variante hier mit der rechticken Lupe um. Später wurden viele der Erstmodelle auf die eckige Lupe kostenlos vom Ihagee Kundendienst umgerüstet, so dass es heute nur noch ca. 50 bis 100 Examplare davon gibt, entsprechend begehrt und teuer in Sammlerkreisen. 

Ich habe hier ein wahres Schnäppchen gemacht. Es handelt sich nach Seriennummer (494687) und Ausstattung um ein Exemplar von ca. Februar 1937 und auch das Schneider Objektiv stammt von 1937. An den Beschriftungen T.M. und Reg. unterhalb des Objektivs erkennt man, dass es sich um ein für den Export gebautes Modell handelt. Der Verschluss funktioniert, die Verschlusstücher sind etwas ausgeleiert und vermutlich sind die kurzen Zeiten nicht mehr wirklich akurat. Vielleicht traue ich mich irgendwann mal ran, reinige und öle ein wenig und dann ziehe ich mal einen Film durch.
Kine Exakta

Die Kine Exakta hat wirklich Maßstäbe gesetzt und das Grunddesign für alle modernen SLRs vorgegeben. Auch ihre technische Ausstattung war beim Erscheinen so modern und auf allerhöchsten Qualitätsniveau, dass diese Kamera bis 1949 fast unverändert und in direkten Nachfolgemodellen bis Ende der 60er Jahre gebaut und verkauft wurde. Für mich wurde sie als Archetyp der KB-SLR erst 1959 von der Nikon F abgelöst. Es gibt unglaublich viele Seiten im Netz über die Exakta und Ihagee, einige der wichtigsten Links gibt es unten. Dort kann man Stunden stöbern und jedes kleinste Detail nachlesen.

Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera
Objektiv Wechselobjektive mit Exakta-Bajonett, z.B. Schneider-Kreuznach Xenar 5cm f/2.8, 4 Linsen in 3 Gruppen (Tessar-Typ)
Verschluss Horizontaler Tuchschlitzverschluss mit Kurzzeitwerk 25-50-100-150-250-500-1000 1/s, Langzeitwerk 1/10, 1/2 sowie 1 bis 12 sec, B und Z(T), Selbstauslöser bis 6 sec. 
Fokussierung Manuell am Objektiv, Spiegelreflex mit Einstelllupe (keine Mattscheibe!), keine sonstigen Einstellhilfen.
Sucher Spiegelreflex mit ausklappbarem Lichtschachtsucher, Einstelllupe, alternativ Sportsucher.
Blitz zwei Blitzkontakte auf der rechten Frontseite (Kolbenblitze) 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk
sonst. Ausstattung Iso-Gewinde für Drahtauslöser, internes Messer für Teilbelichtungen von Filmen, reichhaltiges Zubehör erhältlich 
Maße, Gewichtca. 150x95x40mm, 725/950 g (o/m Objektiv)
Batterie keine.
Baujahr(e)1936-1943 und 1945-1949, diese Version 2 1937-1938, diese Kamera: ca. Feb. 1937
Kaufpreis, Wert heute1937: 255 RM (mit Schneider Xenar), heutiger Wert: ca. US$ 240, 1. Version mit runder Einstelllupe: ca. US$ 2,000
LinksWikipedia, Reparatur und vieles andere, Exakta.org, Wer war zuerst..., Photobutmore, Dresdener Kameras, Bedienungsanleitung, Instruction manual, Patente

2013-06-19

Ihagee Kine Exakta, Photo Porst Katalog 1937

Versetzen wir uns zurück ins Jahr 1937 und bleiben im Katalog von Photo Porst an der ersten einäugigen Spiegelreflexkamera für den Kine-Film hängen. Design, Verarbeitung und technische Ausstattung sind aller erste Sahne und irgendwie ihrer Zeit voraus. Nur, welches Objektiv soll ich nehmen? (Auflösung demnächst hier...)

2013-06-16

Petri Automate (Nachtrag)

Letztes Jahr habe ich diese schicke Messucherkamera bei einem Garagenverkauf gefunden und hinterher festgestellt, dass der Verschluss nicht mehr auslöst. Heute war es nun soweit; ich habe sie von der Objektivseite her soweit zerlegt, dass ich mit etwas Reinigungsbenzin und Isopropanol an den Verschlussmechanismus rankam (man dreht dazu einfach das Frontelement des Objektivs raus und entfernt eine Abdeckung). Nach etwas hin und her, flutschte alles wieder und auch die Zeiten scheinen OK.  Außerdem lag ich wohl falsch, mit meiner ersten Annahme über das Objektiv. Es ist wohl etwas besser als ein Tessar...



Datenblatt KB-Messsucherkamer
Objektiv Orikkor 4.5cm f/1.9, Doppel-Gauss-Typ, 6 Linsen in 4 Gruppen, vergütet. Stufenlose Blende f/1.9 bis 16.
Verschluss Caperu Zentralverschluss, 1-2-5-10-25-50-100-300 1/s und B, Selbstauslöser  
Fokussierung Manuell am Objektiv mit extra Griff, 0.6 m bis unendl., heller gekoppelter Mischbildentfernungsmesser im Sucher.
Sucher Messsucher, Suchervergrößerung 0.7x, eingespiegelter Bildausschnitt
Blitz Synchronbuchse am Objektiv, umschaltbar M und X. Synchronisation bei allen Zeiten. 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, ausklappbare Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Zubehörschuh, Leica-Glockengewinde für Drahtauslöser, Filtergewinde 40 mm, Filmmerkscheibe
Maße, Gewichtca. 133/84/73 mm, 725 g
Batterie keine.
Baujahr(e)1956-1959
Kaufpreis, Wert heute¥28,000, heutiger Preis: ca. US$40
LinksInstruction Manual (english, Petri 1.9), Camera-Wiki Eintrag, Collectors Guide,