2011-06-15

Olympus PEN EES-2

Ende der 1950er Jahre waren Kameras entweder Meisterleistungen der Feinmechanik und Optik (und damit sehr teuer, sowie meist recht solide und schwer), oder sie waren wie die Boxkameras einfach und billig (jedoch mit sehr bescheidenen Bildleistungen), oder groß, sperrig und umständlich (wie z.B. viele Mittelformat-Balgenkameras). Es gab also eine Marktlücke: Die erste Kamera, die kompakt und hochwertig, aber gleichzeitig einigermaßen preiswert war, hieß Olympus PEN und kam 1959 auf den Markt. Um die kompakten Dimensionen zu realisieren, verwendete man das sog. Halbformat von 18x24 mm auf dem Standard-Kleinbildfilm (hochkant, wenn man die Kamera wie üblich hält). Damit waren auf einem Film bis zu 72 Aufnahmen drin!
Olympus löste Anfang der 60er Jahre einen regelrechten Halbformatboom aus und legte selbst fast im Jahresrythmus neue PEN-Modelle nach. Nach den ersten rein mechanischen Modellen PEN und PEN S kamen welche mit ungekoppeltem Belichtungsmesser (PEN D Serie), dann die automatischen PEN EE Modelle, am Ende der Sucherkameraserie sogar ein Modell mit automatischem Filmtransport. Legendär sind die Spiegelreflexmodelle PEN F und FT, die gar nicht wie SLR-Kameras aussehen. Der ganze Halbformat-Hype bekam einen Dämpfer als Heinz Waaske mit der Rollei 35 zeigen konnte, dass man kompakte Kleinbildkameras sogar für das Vollformat bauen konnte. Die anderen Kamerahersteller stiegen aus dem Halbformat mit der Zeit aus, Olympus baute bis in die 80er Jahre noch insgesamt ca. 17 mio. PEN's.  
Die sehr erfolgreiche und damit weit verbreitete automatischen PEN-EE wurde in verschiedenen Varianten von 1961 bis 1983 (als EE3) gebaut. Die Varianten unterschieden sich nur in Details: Das S in der Typbezeichnung steht für das lichtstärkere f2.8/30 mm Objektiv, ansonsten wurde ein f3.5/28 mm Fixfokus verwendet. Beides sind vergütete Vierlinser vom Tessar-Typ, von den optischen Leistungen auf das anspruchsvolle Halbformat hin ausgelegt. 1968 bekamen alle Untervarianten einen Zubehörschuh mit Mittenkontakt verpasst und die -2 wurde angehängt. Der charakteristische Selen-Belichtungsmesser steuerte die Belichtungsautomatik, die 2 Belichtungszeiten (1/40 s bei Blende 2.8-8 und 1/200 s bei 4-22) automatisch einstellte. Für's Blitzen (1/40 s) konnte die Blende manuell verstellt werden.
Mein Exemplar habe ich am letzten Sonntag auf der Second Sunday Camera Show in Wayne, NJ für 20$ erworben. Es ist bis auf ein paar Kratzer sehr gut erhalten, vermutlich funktioniert aber der Selenbelichtungsmesser wegen seines Alters nicht mehr korrekt. Es ist wirklich eine schnuckelige Kamera, bei der man sich heute noch gut vorstellen kann, dass bei der einfachen Bedienung viele Menschen damit gerne fotografiert haben. Ich bin auf die PEN-Sucherkameras beim Erscheinen der digitalen PEN-Serie 2009 wieder aufmerksam geworden. Olympus hat sich hier auf die alte Tradition besonnen und mal wieder einen kleinen Boom ausgelöst. Auch die Bilder auf dieser Seite wurden (bis auf eines;-)) mit meiner Olympus PEN (E-PL1) aufgenommen. Auch bei dieser kann man fast wieder von Halbformat sprechen, hat doch der FourThirds-Sensor mit 17.3x13 = 224.9 mm² ungefähr 60% der Fläche eines DX Sensors (23.7 x 15.6 = 369.7 mm²), wie er in den meisten digitalen SLR's eingesetzt wird.

Datenblatt Super kompakte, automatische Halbformat-Sucherkamera
Objektiv D.Zuiko 2.8/30 mm (Tessar-Typ) für Halbformat 24 x 18 mm (hochkant 4:3), Bildwinkel 53°, entspr. ca. 43 mm bei Kleinbild
Verschluss automatisch gesteuerter Zentralverschluss (Copal X) mit zwei Zeiten 1/200 s und 1/40 s, Blitzsynchronisation bei 1/40 s.
Belichtungsmessung Selen-Zelle rund ums Objektiv, steuert Blende und Verschlusszeit. 25 - 400 ASA.
Fokussierung Vier Einstellungen von Portrait (ca. 1 m) bis Landschaft (unendlich), keine Fokussierhilfe.
Sucher Heller Sucher mit Leuchtrahmen.
Blitz Hot shoe und Blitzsynchronbuchse für  M und X-Synchronisation.
Filmtransport Daumenrad, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Bildzählwerk bis 74 Aufnahmen
Maße, Gewicht ca. 110/69/52 mm mit Objektiv, 368 g
Batterie keine.
Baujahr 1968-1971
Kaufpreis, Wert heute 1968: DM 169, ca. $30
Links Manual (english), Blogeintrag vom 15.6.2010, Olympus PEN Video

2011-06-11

Kodak Instamatic 104

Eine von Kodaks Stärken bestand stets darin preiswerte und einfach zu bedienende Kameras für die breite Masse zu bauen, um letztendlich das große Geschäft mit den Filmen zu machen. 1963 führte der gelbe Riese die neue 126er Filmkassete ein und gleichzeitig natürlich eine neue Kamera, die diesen Film verwendete. Dies war die Kodak Instamatic 100. Mit ihr konnte man einen sogenannten Flashgun-Adapter für die damals üblichen Blitzbirnchen verwenden, recht umständlich, verglichen mit der sonst super einfachen Bedienung der restlichen Kamera. 1965 brachte Sylvania den Blitzwürfel auf den Markt, im Prinzip vier Blitzbirnchen inkl. Reflektoren in einem einfachen bläulichen Platikwürfel. Und Kodak natürlich die dazugehörige Kamera: aus der Instamatic 100 wurde die Instamatic 104, außer der Neuerung mit dem Blitz blieb die restliche Kamera gleich.
Die Kamera ist wirklich sehr einfach. Ein simples Fixfokus-Objektiv (einlinsiger Meniskus f11/43 mm aus Kunststoff), auch die Belichtung war fix: Es gab keine Blende und auch die Belichtungszeit (1/90 s, Zentralverschluss) war nicht zu ändern. Doch: Setzte man den Blitzwürfel auf, dann belichtete die Kamera 1/40 s, findige Knippser verwenden ausgebrannte Blitzwürfel für schattige Lichtsituationen. Der Begriff Instamatic setzte sich allgemein für Kameras durch, die 126er Filmkasseten verwendeten, und davon gab es jede Menge. Allein Kodak verkaufte bis 1970 angeblich über 50 Millionen Kameras, hauptsächlich natürlich die ganz preiswerten Modelle wie die 104 hier, welche für 15,95 $ angeboten wurde. 126er-Kameras wurden bis in die 90er Jahre hinein gebaut und dann durch das APS-System ersetzt, was dann aber recht schnell von der digitalen Fotorevolution überrollt wurde.
Kodak verwendet den sogenannten CAMEROSITY code und keine Seriennummer, um seine Produkte zu markieren. Man kann diesen recht leicht entschlüsseln, dazu ordnet man die Ziffern 1 bis 0 den zehn Buchstaben aus Camerosity zu. "YEOR" wie bei meiner Kamera ergibt 0465, sprich April 1965, also ein frühes Modell. Meine "104" habe ich zusammen mit zwei anderen Kameras vor ein paar Wochen auf einem Flohmarkt für (insgesamt) 15$ erstanden, ca. 35 Jahre nach meiner ersten eigenen Kamera, die quasi ein Nachbau der Kodak ist. Die Agfamatic braucht übrigends sog. X-Blitzwürfel, die mechanisch gezündet werden können. Die Kodak Instamatic 104 hat noch ein Batteriefach für zwei AAA-Zellen und einen eingebauten Kondensator, um die N-Blitzwürfel elektrisch zünden zu können. 
Für die Instamatic-Kassete gab es nicht nur einfache Kameras. Ich durfte eine Zeit lang mit der wohl technisch wertvollsten 126er fotografieren, wie ich schon berichtet habe


2011-06-04

Sears SL9 (Ricoh 35 Flex)

Diese Kamera habe ich heute auf einem kleinen Flohmarkt für nur 5 $ erworben (inklusive der zwei Vorsatzlinsen (s.u.) in einem Lederetui und einer originalen Betriebsanleitung). Beim späteren Ausprobieren und Recherchieren habe ich dann festgestellt, dass das Ding sehr gut erhalten und voll funktionsfähig ist und auch nur geringe Gebrauchsspuren aufweist. Ein echtes Schnäppchen also.
Sears ist eine große amerikanische Kaufhaus- und Versandhauskette, bekannt durch das damals höchste  Gebäude der Welt, den Sears Tower in Chicago (der allerdings heute nach seinem neuen Besitzer heißt und nur noch das höchste Gebäude in den USA ist). Sears hat in den USA, wie Foto Quelle oder Photo Porst in Deutschland japanische Kameras unter eigenem Namen vertrieben. Diese hier heißt im Original Ricoh 35 Flex, kam 1963 auf den Markt und war Ricohs erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera. 
Bemerkenswert an der Kamera ist die Möglichkeit zur vollautomatischen Belichtungssteuerung. Mit den beiden kleinen Hebeln unten am Objektiv kann man Blende und Zeit manuell einstellen. Beide haben aber auch eine Stellung mit einem kleinen grünen A für Automatik. Interessanterweise gibt es neben der Vollautomatik auch eine Zeitautomatik mit Blendenvorwahl, aber nicht das Gegenstück dazu. Versucht man eine Zeit vorzuwählen und läßt die Blende auf A, dann springt auch die Zeit auf A zurück. Damit gehörte die Kamera zu den ersten auf dem Markt mit automatischer Belichtungssteuerung. Die allererste war wohl 1961 die französische Royer Savoyflex Automatic, die ebenfalls wie die Ricoh/Sears einen eingebauten Selenbelichtungsmesser zur Steuerung verwendet.
Das Objektiv, ein vierlinsiges 2.8/50 ("f = 5 cm") Rikenon kann man nicht auswechseln. Statt dessen gibt es zwei relativ einfache Vorsätze (jeweils 2-linsig) , einen für Weitwinkel und einen für Tele. Ich habe heute an meinen Exemplaren Brennweiten von ca. 40 mm (Weitwinkel) und 70 mm (Tele) ermittelt, nicht die Reißer, aber immerhin. Die übrigen technischen Daten sind schnell aufgezählt: Seikosha Zentralverschluss 1/30 s bis 1/300 s und B, nur vier Blendenlamellen mit 2.8 bis 22, aufsteckbarer Zubehörschuh, Drahtauslöser- und Stativgewinde, Schnittbildentfernungsmesser und Anzeige des Belichtungsmessers im Sucher (Über-, Unter-Belichtung, bzw. richtig). Anschluss eines Blitzgerätes per Kabel, Bildzählwerk. Filmempfindlichkeit von 25 bis 400 ASA.
Diese Art von Kameras war Anfang der 60er Jahre recht verbreitet. Von verschiedenen anderen Kameraherstellern gab es ähnliche Modelle: Mamiya Auto-Lux 35 (= Revue Auto-Lux 35 und Porst Autoflex), Canonex, Nikkorex 35 und andere. Spätestens Ende der 60er Jahre war dann aber die Zeit der Zentralverschluss-SLR's vorbei und Schlitzverschluss und Rückschwingspiegel setzten sich durch.

Datenblatt Vollautomatische Amateur-Spiegelreflex Kamera mit Zentralverschluss
Objektiv Vierlinsiges Rikenon 2.8/5cm, nicht auswechselbar. Weitwinkel- und Televorsatz, ergeben 40 mm bzw. 70 mm Brennweite.
Verschluss Seikosha Zentralverschluss 1/30 - 1/300 s und B. Blitzsynchronisation bei allen Zeiten.
Belichtungsmessung Eingebaute Selenzelle mit Nadelanzeige im Sucher. Vollautomatik, Zeitautomatik oder manuelle Einstellung möglich.
Fokussierung Einstellscheibe mit mit Schnittbild und Mikroprismenring. Nicht auswechselbar
Sucher Nadelanzeige des Belichtungsmessers mit roten Bereichen für Über- und Unterbelichtung.
Blitz X-Synchronbuchse. Zubehörschuh (ohne Mittenkontakt) aufsteckbar.
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk. Aufklappbare Rückwand.
Maße, Gewicht ca. 142/95/83(110 mit Vorsatzlinse) mm.
Batterie Keine.
Baujahr 1963 bis 1966, made in Japan.
Kaufpreis, Wert heute k.A. (1963), ca. 100 US$