2016-04-03

Olympus OM-1


Schon lange auf meiner Muss-Haben-Liste war Yoshihisa Maitani's vierter Designstreich, die kleinste Kleinbild-Spiegelreflex der 1970 und das trotz aller damals aktuellen technischen Features. Auch ästhetisch ein Juwel setzte sie schnell Maßstäbe für Qualität und Design und begründete den Erfolg der gesamten OM-Serie, die mit relativ wenigen Modellen ziemlich genau 30 Jahre lang (1972-2002) auf dem Markt war. Nach einer 10-jährigen Pause setzte Olympus 2012 die Designlinie fort, heute als spiegellose MicroFourThirds Systemkamera. Auch ich konnte letztes Jahr nicht widerstehen.
Nachdem die Kleinbild-Kameras der 50er und 60er Jahre durch das Hinzufügen technischer Features immer größer wurden, zeigte Maitani und die anderen Olympus Ingenieure der Fotowelt, dass voll- und hochwertige SLR's nicht wesentlich größer sein müssen als die kompakteste SLR der 50er: Zenit-C, und die basierte ja auf einem Leica-Grunddesign. Ich finde, nichts illustriert ihre kompakten Proportionen so gut, wie der direkte Fotovergleich oben mit meiner klobigsten SLR. Man beachte: Beide Kameras waren zwischen 1972 und 1975 parallel auf dem Markt!



Im Laufe der 70er brachten dann auch andere Hersteller wieder kompaktere und leichtere SLR's auf den Markt, prominenteste Vertreter sind die Kameras aus Pentax' M-Serie, aber auch meine erste KB-SLR Nikon EM hatte OM-Dimensionen. Aber die Geschichte wiederholt sich: Durch weiteres Hinzufügen technischer Features, diesmal sind es motorischer Filmtransport und Autofokus, wachsen die Kameras in den 80er und 90er Jahren wieder. Und auch der Übergang ins digitale Zeitalter geht erst mal nicht mit einem Schrumpfen der Kameras einher (obwohl das Bildformat meist kleiner als KB ist!). Auch hier ist es wieder Olympus, die mit der E-Serie einige der kompaktesten DSLR's auf dem Markt hatten.

Der informierte Leser wird es schon bemerkt haben: Dies ist die "MD"-Version (Motor Drive), die ab Oktober 1974 so verkauft wurde. Die früheren M-1 und OM-1-Versionen hatten keinen Motoranschluss.  1979 gab es mit der OM-1N eine leichte Modellpflege, um die Kamera fit für neues innovatives Zubehör zu machen, was es für die OM-Serie reichlich gab. Genug hier, mehr Infos gibt es in der Tabelle unten sowie den angegebenen Links.

Datenblatt mechanische KB-Spiegelreflexkamera
Objektiv OM-Bajonett, hier mit F.Zuiko Auto-S 50 mm f/1.8  (6 Linsen in 4 Gruppen, Doppel-Gauss Typ)
Verschluss horizontaler Tuchschlitzverschluss, 1, 2, 4, 8, 15, 30, 60, 125, 250, 500, 1000 1/s und B, Einstellring rund ums Bajonett.
Belichtungsmessung mittenbetonte, integrale Offenbelndmessung, CdS, 25-1600 ASA
Fokussierung Spiegelreflex, Fresnelllinse, auswechselbare Einstellscheiben
Sucher SLR, Pentaprisma (0.92x mit 50 mm), 97% des Bildfelds, Anzeige der Messnadel (+/-) des Belichtungsmessers
Blitz Buchse umschaltbar für FP und X, sowie aufsteckbarer Zubehörschuh mit Mittenkontakt
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulrad, Bildzählwerk, MD-Version: Anschluss von Motordrive (bis 5 B/s)
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, pneumatische Spiegeldämpfung, Spiegel arretierbar, Zubehörschuh, Stativgewinde, Hauptschalter, Abblendtaste an jedem Objektiv, ISO-Drahtauslösergewinde
Maße, Gewicht ca. 136 x 83 x 50 mm, 510g/681g (ohne/mit Objektiv)
Batterie PX625 (oder PX13), bzw. moderne Alternativen
Baujahr(e) 1972-1987 (M-1: 1972, OM-1: ab Mai 1973, OM-1 MD ab Oktober 1974, OM-1N ab 1979).Diese (#396525) von Jan. 1975.  Insgesamt ca. 2.1 Millionen Exemplare. 
Kaufpreis, Wert heute 280 US$ (1976), ca. 50 € (MD), ca. 100€ (OM-1),
original M-1: US$500
Links Frühe (O)M-1 Broschüre, Explosionszeichnung, Erik Fiss, MIR,
Instruction manual (english), M-1 Information page, Maitani-Fan, Olympus OM-1 Story, Camera-Wiki, Wikipedia

2016-03-05

Bolta Photavit IV


Heute mal wieder nach langer Zeit eine wirklich kleine Kleinbildkamera, sowie ich schon einige in meiner Sammlung habe (Braun Paxette Ib, Rollei 35, Robot Junior, Olympus XA, ...). In diesem Fall werden wie bei der Robot nicht volle 24x36 mm belichtet, sonder quadratische 25x25 mm und man kann auch keine handelsüblichen 135er Patronen einlegen. Aber bei ihrem Erscheinen im Jahr 1948 wurde die Photavit IV zu Recht als kleinste Kamera für 35 mm Film beworben, und das obwohl ihre z.T. kleineren Vorgänger schon ab 1935 das Bolta Werk in Nürnberg verließen. 
Today, after a long time I'm again presenting a really small 35 mm film camera, from which I already have some in my collection (Braun Paxette Ib , Rollei 35, Robot Junior, Olympus XA , ...). In this case as with the Robot not the full 24x36 mm will be exposed to light, but a special square format of 25x25 mm. In addition you can't use commercially available 135 cartridges. However, when it appeared on the market in 1948 the Photavit IV was correctly advertised as smallest camera for 35 mm film, although its even smaller predecessors left the Bolta plant in Nuremberg already since 1935.


Das Bildformat von 25x25 mm überlappt etwas mit der Perforation des normalen KB-Films. Das liegt daran, dass Bolta's Kameras ursprünglich einen eigenen 35 mm breiten Film mit einem Papierrücken in den entsprechenden Bolta-Kassetten verwendete. Aus einem 36'er Kleinbildfilm kann man mit dem mitgelieferten Umspulgerät 2 mal die Kassette füllen (je 25 Aufnahmen), ich hab es nur mit einem schon belichteten Testfilm ausprobiert und finde es recht kompliziert. Ich bin noch untentschlossen, ob ich mal einen unbelichteten Film riskieren sollte. Insbesondere, weil ich nicht weiß, wie ich den belichteten Film wieder zurück in die normale Patrone und zum Entwickeln bekommen soll. 


The image format of 25x25 mm overlaps somewhat with the perforation of the standard 35 mm film. The reason is that Bolta's cameras originally used its own 35 mm (unperforated) film with a paper back delivered in respective Bolta cartridges. From a 36 frame 135 film you can fill the Bolta cartridges (25 images) twice using the provided rewinding device. I tried it once, only with an already exposed test film, and found it quite complicated. I'm still undecided whether I should risk a fresh roll of film. Particullaly, because I do not know how to get the exposed film back into the normal cartridge for developing.
Die kleinste Kamera für 35 mm Film in meinem Besitz The smallest camera for 35 mm film in my possession
Es gibt einige gute Seiten, die sich ausführlich den Photavit Kameras widmen (siehe Links unten). Ich will hier nicht alles wiederholen. Bei der Lektüre bin ich aber auf einen bisher nicht weiter erwähnten Umstand gestoßen. Die meisten Seiten gehen davon aus, dass die einzelnen Photavit Modelle einander zeitlich ablösten. Die Seriennummer meines Exemplars (28329) liegt aber weit oberhalb dessen, was von CJ für das Modell IV oder sogar das "Nachfolgemodell" V angibt. Ich denke daher, dass die Photavit V ab 1951 als Billigmodell parallel weiter zur IV produziert wurde und beide sich den selben Seriennummernbereich teilen. Anhand des Schneider Objektiv's kann man mein Exemplar auf Ende 1952 oder Anfang 1953 datieren.
There are some excellent sites dedicated to Photavit cameras (see links below). I will not repeat it all here. While reading and looking at my camera, I discovered a previously not covered circumstance. Most sites assume that the individual Photavit models followed each other in time. The serial number of my copy (# 28329) however, is higher than what CJ indicates for Model IV or even the "successor" V. Therefore, I believe that the Photavit V was introduced in 1951 as a low cost model and produced parallel to the IV. Both share the same serial number range. Based on the Schneider lens' serial number it is possible to date my copy at the end of 1952 or beginning of 1953.

Datenblatt Miniaturkamera für 35 mm Film
Objektiv Schneider-Kreuznach Xenar 37.5 mm f/2.8, auch andere Objektive waren anfänglich erhältlich.
Verschluss Zentralverschluss Synchro-Compur, B-1-2-5-10-25-50-100-250-500, Verschluss muss unabhängig vom Filmtransport gespannt werden
Belichtungsmessung keine
Fokussierung manuell, keine Scharfstellhilfe
Sucher einfacher, optischer Durchsichtsucher
Blitz Buchse mit Umschalter für FP oder X, alle Zeiten
Filmtransport 35 mm Film in speziellen Bolta Kassetten, Film wird mit Drehrad in zweite Kassette transportiert, Bildzählwerk, Doppelbelichtungssperre
sonst. Ausstattung ISO-Drahtauslösergewinde, Stativgewinde, Schärfentiefentabelle, Umspuleinrichtung von KB-Patrone gehört zum Lieferumfang
Maße, Gewicht ca. 60 x 91 x 53 mm, 317 g (ohne Filmkassetten)
Batterie keine
Baujahr(e) 1948-1953 (?), diese (# 28329) ca. Ende 1952 (nach Serien-# des Objektivs), ca. 20000 Exemplare (inkl. Photavit V)
Kaufpreis, Wert heute 165 DM (1951), ca. 100€ bzw. US$160
Links UKCamera, CJS-classic-cameras, Submin.com, Camera-wiki, Gebrauchsanweisung (1) , Gebrauchsaweisung (2), Broschüre (1) (2), Photavit.de,
Data Sheet Miniature camera for 35 mm film
Lens Schneider-Kreuznach Xenar 37.5 mm f/2.8, other lenses were initially available, too.
Shutter Leaf shutter Synchro Compur, B-1-2-5-10-25-50-100-250-500, shutter must be cocked separately of the film transport
Metering no
Focussing manual, no focussing aid
Viewfinder simple, optical viewfinder
Flash Socket with switch for FP or X, flash possible with all shutter speeds
Film advance 35mm film in special Bolta cartridges, film is advanced with rotary knob into second cartridge, frame counter, double exposure lock
misc. Features ISO-cable release thread, tripod thread, Depth of field table, rewinding equipment from 135 cartridge included
Size, Weight about 60 x 91 x 53 mm, 317 g (w/o cartridges)
Battery no
Year(s) of Production 1948-1953 (?), this (# 28329) about end of 1952 (# of the lens), about 20,000 copies (incl. Photavit V)
Original Price, Today's Value 165 DM (1951), ca. 100€ bzw. US$160
Links UKCamera, CJS-classic-cameras, Submin.com, Camera-wiki, Manual (in German, page 1) Manual (in German, page 2), Brochures (1) (2), Photavit.de,

2016-02-21

King Regula Reflex 2000 CTL


Eine Regula Reflex 2000 CTL vom Kamerawerk King & Bauser stand schon auf meiner "will haben"-Liste seit ich per Zufall vor fast 4 Jahren über die Regula Sprinty C 300 gestolpert war. Letztere ist in diversen Varianten zu Hunderttausenden auf den Markt gebracht worden, während die Regula Reflex eine der seltensten SLR's am Markt ist. Neben dem Raritäts-Faktor trägt noch die Legende vom Patentstreit mit Leitz sowie die für die 60er Jahre exzellenten 1/2000 s zur Faszination bei. A Regula Reflex 2000 CTL from Kamerawerk King & Bauser got on my "must-have" list 4 years ago when I randomly stumbled across the Regula Sprinty C 300 . The latter has been launched in six digit numbers, while the Regula Reflex is one of the rarest SLR's on the market. In addition to its rarity factor the legend of the patent dispute with Leitz and an excellent 1/2000 s shutter speed (at least for the 60ies) fuels the fascination.

Jedenfalls genug für mich, um immer mal wieder nach ihr auf Fotobörsen und natürlich e-bay zu schauen. Man findet regelmäßig Angebote, meist allerdings zu recht üppigen Preisen. Collectiblend listet sie für ca. $450, was auch ungefähr den meisten Angeboten entspricht. Aber sogar für defekte Gehäuse ohne Objektiv werden noch Preise von über 100€ verlangt. Meine Ausdauer und Verhandlungsgeschick hat sich ausgezahlt: Ich habe mein Exemplar für nur 120€ plus Versand erstanden und das sogar inklusive des späten Standardobjektives Auto Regulon 50 mm f/1.8. Die Kamera ist in exzellentem Zustand, lediglich der Plastikdeckel des Batteriefaches war mit einer toten Batterie darunter fest gefressen und durch frühere Versuche, dieses zu beheben arg beschädigt. Ich habe also vorsichtig zwei kleine Löcher in den Deckel gebohrt und damit kann man nun mit einer kleinen Zange das Ding wieder drehen und öffnen. Die alte PX625 Batterie habe ich durch den Adapter mit einer LR44 ersetzt. Und, sogar der Belichtungsmesser funktioniert wieder! Anyway, enough for me to look for it occasionally at camera markets and of course on e-bay. Regular offers mostly come with hefty prices. Collectiblend lists it for about $ 450, which also corresponds to most offers. And even for defective bodies without a lens prices of more than 100 € are requested. However, my patience and negotiation skills have paid off: I bought my copy for only 120 € plus shipping, this even including the late standard lens Auto Regulon 50mm f/1.8. The camera is in excellent condition, only the plastic lid of the battery compartment was jammed with a dead battery underneath and got damaged by previous attempts to resolve this. Carefully I've drilled two small holes into the lid and now can turn and open it again using pliers. The dead PX625 battery I've replaced with an adapter including a LR44. And, even the meter is working again!

Mythen und Fakten Myths and Facts

Produktionszeitraum Manufacturing period

Die Kamera wurde ja bereits auf der Photokina 1966 als Konzept bzw. Prototyp vorgestellt. Im Netz findet man daher immer wieder Vermutungen, dass sie dann wohl ab 1967 oder 1968 am Markt war. Auch ich bin darauf reingefallen. Der Testbericht im Foto-Tagebuch von 1970 spricht von "wieder einer Spiegelreflex-Kamera mehr auf dem ohnehin schon gesättigten Markt", womit das Erscheinungsjahr festgelegt wäre. Das letzte was man von King bzw. der Kamera gehört hat, ist, dass 1976 Pläne und Teile an National Instruments in Indien verkauft wurden. Es ist also wohl fair anzunehmen, dass zwischen 1970 und 1975 produziert bzw. vermarktet wurde. The camera was already introduced at Photokina 1966 as a concept or prototype. This obviously let to repeated suspicions that it probably was launched on the market in 1967 or 1968. I too fell for it. The report in Foto-Tagebuch from 1970 speaks of "yet another SLR camera on the already saturated market", with which the first year would be set. The last thing you heard of King or the camera, is that in 1976 plans and parts were sold to National Instruments in India. So it's probably fair to assume that production period was from 1970 to about 1975.

Produktionszahlen production figures

Von Verkäufern wird aus gutem Grund immer auf den Seltenheitswert der Kamera hingewiesen. Meist wird von wenigen Tausend Exemplaren gesprochen, was wohl stimmt. Ich habe mal im Netz Seriennummern gesammelt. Alle sind vierstellig, die niedrigste ist 1382 und die höchste 5155. Insgesamt habe ich mit neun Nummern meine Analyse durchgeführt und ca. 4500 Exemplare erhalten. Sie ist damit vermutlich die seltenste (deutsche) SLR-Serie, einzelne Modelle anderer Serien mögen seltener sein (auch natürlich Prototypen). Ihre direkten westdeutschen Konkurrenten Leicaflex, Zeiss Ikon (Ikarex etc.) oder Rollei waren mindestens fünfstellig, bei Produktion in Fernost (Rollei) sogar 6-stellig. Das alles ist natürlich gar nichts verglichen mit den SLR Produktionszahlen der japanischen Konkurrenz, die von 1970 bis 1975 von ca. 1.5 Millionen auf ca. 2.5 Millionen pro Jahr (!) angestiegen sind. Sellers always emphasize with good reason that the camera is rare. Most sources speak about a few thousand copies, which is probably true. I have collected serial numbers from internet sources like e-bay. All are four digits (with leading zeros), the lowest is 1382 and the highest 5155. I tried my analysis with nine data points and got about 4500 copies. It is therefore probably the rarest (German) SLR series, individual models of other series or prototypes of course might be rarer. Its direct West German competitors Leicaflex, Zeiss Ikon (Ikarex etc.) or Rollei were at least five digits, with production in Far East (Rollei) even 6 digits. All this is of course nothing compared to the SLR production figures of Japanese competition, which rose from 1970 to 1975 of about 1.5 million to about 2.5 million per year (!).

Die 1/2000 Sek... The 1/2000 sec ...

...schnellste Verschlusszeit war eines der wenigen Argumente von King die Kamera ins Premiumsegment einzuordnen. Diese Zeit konnten nicht viele bieten, die erste war schon 1960 die Konica F1 und dann die Canonflex R2000, die beide aber wohl kaum Käufer in Deutschland erreicht haben dürften. Die Leicaflex von 1964 hatte sie und dann noch die Mamiya/Sekor 2000DTL von 1969. Die Nikon F2 war 1971 die erste Kamera, die die 1/2000 s für Profikameras als Standard etablierte. Erst in den 80er Jahren wurde sie langsam auch Standard bei mittelpreisigen Amateurmodellen. ... fastest shutter speed was one of the few arguments of King to classify the camera into the premium segment. This speed was not offered by many, the first was in 1960, the Konica F1 and then the Canonflex R2000, but both hardly reached out to buyers in Germany. The Leicaflex from 1964 had it and then the Mamiya/Sekor 2000DTL of 1969. The Nikon F2 in 1971 was the first camera to establish the 1/2000 sec as a standard for professional cameras. It was only in the 80ies when it slowly became standard for mid-priced amateur models as well.

Patentstreit patent dispute

Das ist definitiv ein Mythos. Einen Patentstreit zwischen Leitz und King hat es nie gegeben. Man findet weder Belege dafür, noch einen objektiven Grund, warum überhaupt oder welches Patent (vielleicht dieses?) angeblich verletzt worden sei. Volkmar Kleinfeld hat in einem Gespräch mit Herrn Bauser dem Gerücht endgültig die Luft raus lassen können, trotzdem hält es sich natürlich im Netz und auch ich bin anfänglich darauf reingefallen. Der Grund, warum die Kamera nach nur wenigen Tausend Exemplaren wieder eingestellt wurde, war schlicht und einfach mangelnder Erfolg am Markt. "Bad Timing" kann man fast sagen. Ich behaupte hier mal, wäre die Kamera nur fünf Jahre früher am Markt gewesen, dann hätte sie eine Chance gehabt. Aber sie kam mit ihren 60er Jahre Features zu einer Zeit, als die Japaner die Deutschen Hersteller technisch und preislich in den Schatten stellten. Einen Seiteneinsteiger mit einer kompletten Neuentwicklung muss so was besonders hart treffen. This is definitely a myth. A patent dispute between Leitz and King has never existed. One finds neither evidence nor an objective reason why at all (or which patent had been infringed, maybe this?). Volkmar Kleinfeld finally squashed the rumor by a phone conversation with Mr. Bauser. However, it kind of survives in the web and also I initially fell for it. The reason why the camera production ceased after only a few thousand copies, was simply lack of success on the market. "Bad Timing" may be tempted to say. Let me just state, if the camera was launched only five years earlier it would have had a chance. But it came with its 60ies features at a time when the Japanese outshined the Germans technically as well as price wise. As a side entry with a complete new and independent design it must have been hit particularly hard.

Die anderen Modelle The other models

McKeown listet insgesamt insgesamt 4 SLR Modelle von King Regula auf und nennt sogar die technischen Unterschiede. Alle anderen im Netz, die sogar Sammlerpreise dazu listen, haben von ihm abgeschrieben. Angeblich gab es das Basismodel Regula Reflex CTL (ab 1967?) sowie gleichzeitig eine "SL" ohne Belichtungsmesser, beide also vor der 2000 CTL. Und dann noch ein Nachfolgemodell K650 (1972 - ?), angeblich mit Offenblendmessung sowie Anzeige der Blende im Sucher sowie Spot-Messung. Allen "anderen" Modellen ist aber gemein, dass es keinerlei Fotos von ihnen noch weitergehende Beschreibungen dazu zu finden gibt. Es mag entsprechende Pläne oder gar Prototypen gegeben haben. Ansonsten sind die genannten Kameras ein Mythos, kein Sammler dürfte ein solches heute sein Eigen nennen. Genauso verhält es sich mit einem verchromten Modell, wie es auf der Gebrauchsanleitung abgebildet ist. Auch das existierte wohl nur als Idee. (Nachtrag 2021-04-01: Stimmt nicht, es gibt mindestens einen Prototypen) Anders steht es nur mit den Kalimar (USA Distributor) und Ringfoto Modellen. Diese existieren wirklich, allerdings besteht der einzige Unterschied im Namensschild auf dem Prisma. McKeown lists a total of 4 SLR models made by King Regula and even mentions technical differences. All others on the internet who even list prices for collectors copied from him. Supposedly there were the base Model Regula Reflex CTL (1967-?), and simultaneously a "SL" without exposure meter, both before 2000 CTL. And then a follow-up model K650 (1972 -?), allegedly with open aperture (spot) metering and display of the aperture in the viewfinder. However, all these "other models" have in common that there is not any picture of them to find nor further descriptions. There might have been respective plans or even prototypes. Otherwise, the said cameras are a myth. There is probably not a collector calling one of these his own. The same is true for the chrome model as pictured on the instruction manual. It existed probably only as an idea (addendum 2021-04-01: not true, there is at least one prototype). This is different for models with the Kalimar (US Distributor) and Ringfoto labels. These really exist, however, the only difference is the nameplate on the prism.

Fazit Conclusion

Ansonsten ist die Kamera schon allein wegen ihrer physischen Dimensionen etwas besonderes. In meiner Sammlung ist sie die wuchtigste Kamera vor der Topcon RE Super und der Nikkorex F. Auch das laute und charakteristische Auslösegeräusch (vermutlich wegen des fast gleichzeitigem Ablaufs von Spiegel und Verschluss) zeigt, dass King hier was eigenes entwickelt hatte. Insgesamt eine sehr solide Maschine. Was andere im Netz über mangelnde Qualität schreiben, kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Ich bin froh dieses seltene und einwandfrei funktionierende Schätzchen in meiner Sammlung zu haben!

Otherwise, simply because of its physical dimensions the camera is kind of special. In my collection, it is the most massive SLR before the already impressive Topcon RE Super and the Nikkorex F. Also, the loud and distinctive shutter sound (probably because of the almost simultaneous firing of mirror and shutter) shows that King had developed something unique. Overall, a very solid machine. What people write on the internet about a lack of quality I cannot relate to. I'm glad to have this rare and properly functioning baby in my collection!

Datenblatt mechanische KB-Spiegelreflexkamera
Objektiv M42-Gewinde, hier Auto Regulon 50 mm f/1.8 (6 Linsen in 4 Gruppen, made in Japan vermutlich von Cosina).
Verschluss horizontaler Tuchschlitzverschluss, 1 bis 1/2000 s und B.
Belichtungsmessung TTL (Arbeitsblende), ISO-ASA 3-6400 (!), Nachführmessung
Fokussierung manuell, Fresnelllinse
Sucher Spiegelreflex, Anzeige von eingestellter Belichtungszeit sowie Messnadel und Messbereich.
Blitz Mittenkontakt sowie X und FP-Buchsen, 1/125 s Synchronzeit.
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulkurbel und Bildzählwerk
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, Stativgewinde, Drahtauslöseranschluss, Abblendtasten
Maße, Gewicht ca. 98x146x54 mm, 728 g (945g mit Objektiv)
Batterie PX625 oder Alternative
Baujahr(e) 1970-1975 (?), ca. 4500 Exemplare
Kaufpreis, Wert heute 450 bis 700 DM je nach Objektiv, ca. 300-450 €
Links Kalimar Reflex, Forum-Diskussion, Camera-Wiki, Wikipedia, Schicksal von King&Bauser, Novacon (nicht alles glauben!)
Data Sheet mechanical 135-film SLR
Lens M42 thread, this with Auto-Regulon 50 mm f/1.8 (6 elements in 4 groups, made in Japan probably by Cosina).
Shutter horizontal cloth focal plane shutter, 1 to 1/2000 sec and B.
Metering TTL (working aperture), ISO-ASA 3-6400 (!), match-needle metering
Focussing manually, Fresnel lens
Viewfinder SLR, displaying set shutter speed, measuring needle and measuring range.
Flash Hot shoe and X and FP jacks, 1/125 sec sync speed.
Film advance Quick-release lever, rewind crank and frame counter
misc. Features Self-timer, tripod mount, cable release connection, stop-down levers
Size, Weight about 98x146x54 mm, 728 g (945g with lens)
Battery PX625 or alternative
Year(s) of Production 1970-1975 (?), About 4500 copies
Original Price, Today's Value 450 to 700 DM depending on the lens, approximately 300-450 €
Links Kalimar Reflex , forum discussion , Camera Wiki , Wikipedia , fate of King & Bauser , Novacon (don't believe everything!)

2016-02-06

PX625 (PX13) und Alternativen


Heute verbotene Quecksilber-Batterie PX625 und die Alternativen Wein-Cell (Zn-Luft, links oben), PX625A (Alkali, rechts oben). In der unteren Reihe der Adapter mit Diode, zu bestücken entweder mit LR44 (Alkali) oder SR44 (Silberoxid).
Alkali-Batterien wie die LR44
liefern 1.5V
Unglaublich viele Kameras der 60er und 70er Jahre nutzen die PX625 (auch PX13) als Batterie. Sie passte einfach perfekt zu simplen CdS-basierten Belichtungsmessern, hielt lange durch (manchmal Jahre!) und lieferte zuverlässige Messwerte. Aufgrund ihres hohen Gehalts an Quecksilber wurde sie (und ihre direkten Schwestern) ab Ende der 70er Jahre durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt (meist LR44 bzw. SR44). Anfang der 90er Jahre dann wurde sie in den wesentlichen Märkten verboten und ist heute so gut wie nicht mehr zu bekommen (zumindest nicht "frisch"). Was tut man aber, wenn man alte PX625-schluckende Kameras oder Belichtungsmesser heute noch betreiben will. Dazu gibt es mindestens die folgenden Alternativen:
 
1) PX625A, die Alkali-Variante der PX625 in gleicher Gehäuseform, aber anderer Chemie an Bord. Sie liefert 1.5V und hat eine Alkali-typische, aber für unseren Zweck ungünstige Kennlinie. Einige wenige Kameras besitzen vielleicht eine sog. Brückenschaltung und kommen auch damit klar, bei den meisten sollte man sich aber nicht auf die Messergebnisse verlassen.

...mit Schottky-Diode auf die Hg/Zn
typischen 1.35 V reduziert.
2) Die sog. Wein-Cell, eine Zink-Luft Batterie in entsprechender Bauform. Sie liefert die richtige Spannung von 1.35 V und hat auch eine waagerechte Kennlinie und ist somit die (fast) ideale Alternative. Nachteil: Zink-Luft Batterien laufen, einmal aktiviert, nur wenige Monate egal ob man sie verwendet oder nicht. Die Wein-Cell habe ich mit der Olympus 35SP erfolgreich ausprobiert.

3) Ein Batterie-Adapter für die gebräuchlichen 44er Knopfzellen, am Besten mit eingelöteter Schottky-Diode, die die Spannung auf die gewünschten 1.35 V reduziert. Als Zelle verwendet man am besten eine Silberoxid-Knopfzelle (SR44), damit ergibt sich eine fast perfekte Alternative zur alten PX625. Bei der Verwendung der preiswerteren Alkali-Variante LR44 gilt das unter 1) gesagte. Ich habe meinen Adapter nicht selbst gebaut, sondern von einem anderen Bastler auf e-bay erworben. Mein Spannungsmesser zeigte die entsprechenden Spannungen an (siehe Bilder) und bestätigte die einwandfreie Funktion.  
Hier noch ein paar Links zum Weiterlesen und ggf. Selbstbauen: Silverbased.org, alles andere im Detail steht in diesem Artikel von Frans DeGruijter.
Ein sehr schönen Überblick über diese und andere heute nicht mehr erhältliche Kamerabatterien liefert Photoetnography. Besonders gefäält mir die jeweils angegebene heutige(n) Alternative(n).

Nur um zu verdeutlichen, wieviele Kameras diese Batterie verwendet haben (eine umfangreiche Liste gibt es in Frans DeGruijters Artikel), hier diejenigen aus meiner Sammlung: Nikon F1 FTn, Olympus 35 SP, Canon Pellix, Olympus OM1, Rollei 35, Rolleiflex SL26, Contaflex 126, Olympus Pen F (Aufsteck-Beli), Zeiss Ikon Contessa S310, Praktica LTL3, Pentax Spotmatic SP-F, Topcon RE Super. Der Grund warum ich mir jetzt den Adapter zugelegt habe, ist meine neueste Erwerbung: King Regula Reflex 2000 CTL.

2016-01-30

Wirgin Edixa-Mat Reflex


Eine Edixa Spiegelreflex stand schon lange auf meiner Wunschliste. Um genau zu sein, seit meiner Abschätzung der deutschen Spiegelreflexproduktion. Und hier ist der Grund dafür: Die westdeutsche Kameraindustrie musste sich nach dem zweiten Weltkrieg ja erst einmal aufrappeln. Das innovative Zentrum der deutschen Kameraindustrie mit den ersten SLR-Vorkriegsmodellen und Entwürfen lag in Dresden und damit in Ostdeutschland. Doch das westdeutsche Wirtschaftswunder zusammen mit dem Knowhow geflüchteter Techniker aus Dresden ermöglichte ein Wiederaufblühen dieser Industrie auch im Westen. Zu nennen sind da insbesondere die Firmen Zeiss Ikon (Contaflex, Contarex), Kodak (ehem. Nagelwerke in Stuttgart, Retina Reflex) und Voigtländer (Bessaflex, Ultraflex). Die überwiegende Mehrheit dieser bekannten Spiegelreflexkameras setzte auf den Zentralverschluss und es schien fast, dass Deutschland auch kameratechnisch geteilt war: Im Osten der Schlitzverschluss (Exakta, Praktiflex, ...) und im Westen eben Zentralverschluss. Aber es gab ja auch noch Wirgin, die mit der Edixa Reflex-Serie, Schlitzverschluss, M42 Gewinde und Wechselsucher ziemlich direkt Praktica und Exakta, die auch in Westdeutschland noch ihre Anhänger hatten, Konkurrenz machten. Sie waren nicht nur die ersten (1954) in Westdeutschland, die eine SLR im Programm hatten, sondern am Ende auch die mit den meisten Modellen und den meisten produzierten Einheiten. Leitz (Leica) und Rollei betraten übrigends erst recht spät die SLR-Bühne (1965 bzw. 1970), auch mit Schlitzverschlussmodellen, die sich dank der aufkommenenden japanischen Konkurrenz inzwischen durchgesetzt hatten.
Und noch etwas fasziniert mich an den Edixa Reflex Modellen: die formal riesige Modellvielfalt und trotzdem handelt es sich im Wesentlichen um eine einzige Kamerakonstruktion. Es ist fast ein Baukastensystem, das man bei Wirgin bestellen konnte. Vom Grundmodell ausgehend (Gehäuse, Wechselsucher, Verschluss, ...) führt die Kombination verschiedener Sonderausstattungen (Belichtungsmesser, Langzeitwerk, ...) und die technische Weiterentwicklung über die Zeit (Rückschwingspiegel, Zeitenreihe, ...) zu der langen Modelliste. Details dazu kann man auf anderen Webseiten nachlesen (siehe Links unten). Ich bin ganz stolz das mechanische Spitzenmodell Edixa-Mat Reflex Typ D (mit Langzeitwerk und Rückschwingspiegel) nun mein Eigen nennen zu können.

Den Edixa Reflex Kameras sieht man ihren Chefkonstrukteur Heinz Waaske noch nicht an. Aber zu der Zeit als diese Kamera hier verkauft wurde, arbeitete Waaske wohl schon (zumindest gedanklich) an seiner kompakten KB-Sucherkamera, die später als Rollei 35 den Markt bezaubern sollte. Waaske hatte die Entwürfe Wirgin angeboten, eine Absage erhalten und war 1965 zu Rollei gewechselt. Wer weiß, ob wir nicht noch heute von Wirgin Kameras sprechen würden, wenn man damals zugegriffen hätte. Vielleicht wäre dann Rollei anstelle von Wirgin Anfang der 70er vom Markt verschwunden. Wie dem auch sei, für mich gehört eine Edixa aus den oben genannten Gründen in meine Sammlung, für eine zweite wird aber wohl kein Platz bleiben, dafür waren sie dann doch nicht speziell genug.


Datenblatt mechanische KB-Spiegelreflexkamera
Objektiv M42-Wechselgewinde, hier mit Edixa-Travenar 50 mm f/2.8 von Schacht (4 Linsen in 3 Gruppen, Tessar Typ)
Verschluss horizontaler Tuchschlitzverschluss, 1, 2, 5, 10, 25, 50, 100, 250, 500, 1000 1/s, Langzeitwerk bis 9 s und B
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Spiegelreflex, Mattscheibe, keine weiteren Scharfstellhilfen
Sucher Spiegelreflex mit auswechselbarem Prismensucher
Blitz Buchsen für FP und X
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulrad, Bildzählwerk
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, Auslösesperre, Zubehörschuh, Drahtauslösergewinde (Leica-Glocke)
Maße, Gewicht ca. 145x50x99 mm, 818g/1010g (ohne/mit Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 1960-1963 (diese ca. 1961)
Kaufpreis, Wert heute 681 DM (1960), ca. 50 €
Links UKCamera, Wirgin.info, Photobutmore, Klaus-Eckard Riess, Camera-Wiki, Manual/Bedienungsanleitung
Data Sheet mechanical 135-film SLR
Lens M42, standard lens e.g. Edixa-Travenar 50 mm f/2.8 build by Schacht (4 elements in 3 groups, Tessar type)
Shutter horizontal focal plane shutter, 1, 2, 5, 10, 25, 50, 100, 250, 500, 1000 1/sec, longer times up to 9 sec and B
Metering none
Focussing SLR, simple focussing screen, no further focussing aids
Viewfinder exchangable prism finder
Flash plugs for FP and X
Film advance Fast advance lever, rewind wheel, frame counter
misc. Features Self timer, exposure lock, accessory shoe, wire release thread (Leica Glocke)
Size, Weight ca. 145x50x99 mm, 818g/1010g (w, w/o lens)
Battery none
Year(s) of Production 1960-1963 (this one about 1961)
Original Price, Today's Value 681 DM (1960), ca. 50 €, US$ 100
Links UKCamera, Wirgin.info, Photobutmore, Klaus-Eckard Riess, Manual/Bedienungsanleitung

2015-12-31

Kodak Retina (118)


Über Kodak's Retina I und ihre Geschichte habe ich schon 2012 ausführlich berichtet, damals anhand des Nachkriegsmodells 010 von ca. 1947 (siehe auch unten im Vergleich). Nun bin ich stolz, auch das Modell 118 (schwarze Version des Urmodells 117) mein Eigen nennen zu dürfen. Mein Exemplar hat die Seriennummer 544659 und stammt sehr wahrscheinlich von 1935. Es hat die Top-Ausstattung mit dem Compur-Rapid-Verschluss in einem Schneider Xenar (#699907). Nach dieser Nummer wurde dieses schon im September/Oktober 1934 hergestellt. Lack und Leder der Kamera sind etwas ramponiert, funktionieren tut aber auch nach 80 Jahren noch alles.
In 2012 I already reported in detail about Kodak's Retina I and its history. At the time based on the post-war model 010 made in 1947 (see also below in comparison). Now I am proud to be the owner of model 118 (black version of the original model 117). My copy has the serial number 544659 and originates most likely from 1935. It's well equipped with the Compur Rapid shutter in a Schneider Xenar lens (# 699 907). According to this reference this was produced in September / October 1934. Paint and leather of the camera are a bit worn, but overall everything is functional still after 80 years.
Nach diesem Fund liefen mir noch 2 weitere 010er auf Flohmärkten bzw. Trödelhändlern über den Weg, die ich natürlich retten musste. Die erste konnte ich für nur $10 erstehen und habe sie wenig später für ihren aktuellen Marktwert von $65 weiterverkauft. Die andere ist noch in meinem Besitz. Bei entsprechendem Gebot gebe ich sie aber gerne in Sammlerhände ab. Unten ein Gruppenbild von den dreien...
After this discovery I ran into two other  "010" at flea markets and junk dealers. And of course I had to save them. The first I was able to buy for only $ 10 and sold it a little later for its current market value (about $ 65). The other is still in my possession. With an appropriate bid I will give it in other collector's hands. Below is a group portrait of the three...



Es gibt übrigends eine Historical Society of Retina Cameras (HSRC) und ein entsprechendes Journal mit durchaus interessanten Artikeln. Ich bin (noch) nich qualifiziert, dort Mitglied zu werden. Dazu muss man mindestens 10 Retinas oder Retinetten besitzen. Die hat der Australier Chris Sherlock allemal. Ob er aber Mitglied ist, gibt das Internet leider nicht her. Hier unten noch mal tabellarisch alle Retina I, die ich besitze (oder besessen habe). Vielleicht werden es ja doch noch mal mehr....;-)
By the way, there is a Historical Society of Retina Cameras (HSRC) and a corresponding journal with quite interesting articles. I'm not (yet) qualified to be a member. You need to own at least 10 Retina's or Retinette's. The Australian Chris Sherlock would surely qualify. However, the internet doesn't tell whether he is a member. Here is a short list of all Retina I that I own (or have owned). Perhaps I'll get some more in future.... ;-)

118 118, # 544659
Schneider Xenar 3.5/5 cm
#699907
M7SD*, Compur Rapid
(ca. 1935)
010, #60093
Kodak Ektar 3.5/5cm
#1660790
M5SD, Compur Rapid
(ca. 1947)
Retina 010 010, #ek...?
Kodak Ektar 3.5/5cm
#1699459
M7SD, Compur
(ca. 1946)
Retina 010 010, #ek184651
Schneider Xenar 3.5/5cm
#1869992
M5SD, Compur Rapid
"Made in Germany"
(ca. 1948)
* M5SD oder M7SD bezeichnen Bauformen. Siehe hier.
* M5SD or M7SD are specific details. See here.

2015-12-30

Kodak Retinette 1A

Neben der Retina-Serie baute Kodak schon seit 1939 eine einfach ausgestattete und damit preiswertere Kameraserie unter dem Namen Retinette. Zunächst auch mit Faltbalgen ausgeführt folgten nach dem Krieg diese Kameras mit feststehendem, immer dreilinsigem Objektiv (meist von Schneider-Kreuznach). Hatten die Retinas Compur Verschlüsse, so waren es bei den Retinetten Prontor, die (wie hier) nur bis 1/250s oder bis 1/300 s reichten. 
Diese "1A" hier stammt vom letzten Modell 044 (1963-1967) und wurde erkennbar an ihrer Export-Seriennummer EK852492 in die USA exportiert und dort verkauft. Parallel wurde noch das Modell 045 (Retinette 1B) mit eingebautem Selen-Belichtungsmesser angeboten. Weitere Informationen über Retinas und Retinetten findet man u.a. hier: Historical Socienty for Retina Cameras, Camera-Wiki, Collectiblend, Kodak Cameras.
 
Meine Kamera habe ich in fast perfektem Zustand in Originalbox (s. Bild unten) im September schon bei einem Antiquitätenhändler in Dover, NJ gefunden und für nur $10 erwerben können.  Ich habe sie dann schnell fotografisch dokumentiert und auf ebay mit etwas Gewinn weiterverkauft. Vorher habe ich noch die Bedienungsanleitung eingescannt...

2015-12-27

Nikonos I


Patent drawing from US3,135,183 (Jan De Wouters D'Oplinter)
Ich habe ja schon beschrieben, wie ich zu meiner Nikonos gekommen bin. Heute also noch ein paar Details zur Kamera selbst. Es ist wirklich die robusteste Kleinbildkamera, die ich besitze, und es macht wirklich Spaß mit ihr zu fotografieren (auch über Wasser!). Zwei Filme habe ich schon gemacht.
I already described how I got my Nikonos. As promised, today a few more details about the camera itself. It is truly the most rugged 135 film camera that I own (maybe even ever build), and it's really fun to take pictures with it (also above the water!). Two rolls of film I've shot already.
Mich fasziniert besonders, wie geradlinig sie für ihren Zweck als Unterwasserkamera designt wurde. Alle Details scheinen optimal gelöst. Zuallererst natürlich das Druckgehäuse aus Aluminium, in das die eigentliche Kameramechanik hineingesteckt wird. Zwei größere O-Ringe dichten das Ganze ab, einer zwischen oberem Deckel und Gehäuse, der andere zum Objektiv hin. Das angesetzte Objektiv spannt zusätzlich diese Verbindung und arretiert sie. Dann der kombinierte Auslöser und Schnellspannhebel, der seinen Namen wirklich verdient. Auch unter Wasser, wenn man die Kamera mit nur einer Hand bedient. Ein großer und heller Sucher, sowie die Drehrädchen für Entfernung und Blende am Objektiv runden das Ganze ab.
What fascinates me most is the straight forward way it was designed for its purpose as an underwater camera. All details seemed to be solved in an optimal way. First of all, of course, the pressure housing made of aluminum, in which the actual camera mechanism is put into it. Two O-rings seal the whole, one between the upper cover and the housing, the other toward the lens. The attached lens additionally clamps this connection and locks it. In addition, there is the combined shutter release and quick-release lever, which really deserves its name. Even under water using only one hand the camera can be operated. A large and bright viewfinder, and the wheels for distance and aperture on the lens round off the whole thing.



Ich habe mich zunächst über die nur 5 Verschlusszeiten (1/30 bis 1/500 s) gewundert. Aber auch hier zeigt sich, dass Jan De Wouters und später die Nikon Ingenieure wussten, was wirklich benögtigt wird. Unter Wasser wird man wohl selten ein Stativ dabei haben (oder Gelegenheit eines aufzustellen), daher keine langen Zeiten. Außerdem ist es selten so hell, dass man die 1/1000 s brauchen könnte (die Ur-Calypso hatte diese Zeit noch).
Initially, I wondered about the only 5 shutter speeds (1/30 to 1/500 sec). But here shows that Jan De Wouters and later the Nikon engineers knew what was really needed. Underwater you will seldom bring a tripod (or have the opportunity to put it somewhere). Therefore, no long shutter speeds. Moreover, it is rarely this bright that you'd need a 1/1000 sec (the original Calypso camera still had it).
Mehr Informationen zur Geschichte der Kamera spare ich mir hier, die kann man woanders nachlesen (siehe die Links unten). Meine Kamera trägt die Seriennummer 909505, und sollte somit aus dem zweiten Produktionsjahr stammen (1964). Außerdem hat sie die anscheinend seltene EP-Raute auf dem Rückspulknopf. Ein echter Glückstreffer also. Einzig das Nikonos Schildchen unter dem Objektiv fehlt leider...
I skip here to repeat more information about the history of the camera. This you can read elsewhere (see the links below). My camera has the serial number 909 505, this translates to the second year (1964) of production. It also bears the apparently rare EP diamond on the rewind button. Really, a lucky strike. Unfortunately, only the Nikonos label under the lens is missing ...

Datenblatt Unterwasser-Sucherkamera mit Wechselobjektiven
Objektiv W-Nikkor 35mm f/2.5 (6 Linsen in 4 Gruppen), auswechselbar über spezielles Nikonos Bajonett, Objektivliste.
Verschluss vertikal ablaufender Metallschlitzverschluss, 1/30 s bis 1/500 s und B
Belichtungsmessung keine
Fokussierung manuell mit Drehschraube am Objektiv, keine Scharfstellhilfe.
Sucher optischer Sucher mit Leuchtrahmen und Paralaxen-Markierung.
Blitz mittels speziellem Adapter anschließbar, 1/60 s Synchronzeit
Filmtransport manuell mit Schnellspannhebel, der Gleichzeitig Auslöser ist.
sonst. Ausstattung Zubehörschuh, Auslösesperre, Bildzählwerk, Schärfentiefemechanismus am Objektiv. Wasserdicht bis 50 m Tauchtiefe.
Maße, Gewicht ca. 98x130x65 mm, 730 g (mit 35 mm Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 04/1963 - 03/1969 (30675 Exemplare)
Kaufpreis, Wert heute 28500 Yen (1963, = US$80 oder 315 DM), ca. US$300
Links Nikon History, Nico Van Dijk, Mir.com, Nippon Kogaku Klub, Calypsonikonos.com (mit vielen weiteren Links), Bedienungsanleitung (Nikonos II), US-Patent, EP-Patente
Data Sheet Underwater camera with exchangeable lenses
Lens W-Nikkor 35mm f/2.5 (6 elements in 4 groups), exchangeable. Nikonos mount, see list of available lenses.
Shutter vertical metal blade focal plane shutter, 1/30 sec - 1/500 sec, and B.
Metering no
Focussing manual with screw at the lens, no focusing aid
Viewfinder optical viewfinder with 35 mm frame and parallax marks
Flash optional, connected through a special adapter, 1/60 sec sync.
Film advance manual with quick release lever, which also is shutter release button
misc. Features accessory shoe, shutter release lock, frame counter, depth of field mechanism on the lens. Waterproof up to 50 m depth.
Size, Weight about 98x130x65 mm, 730 g (with 35 mm lens)
Battery no
Year(s) of Production 04/1963 - 03/1969 (30675 units build)
Original Price, Today's Value 28500 Yen (1963, = US$80),  about US$300
Links Nikon History, Nico Van Dijk, Mir.com, Nippon Kogaku Klub, Calypsonikonos.com (a lot of additional links), Manual (Nikonos II), US-Patent, EP-Patents