2011-05-22

Zeitraffervideo

Heute zur Abwechslung mal kein historischer Geburtstag eines Fotopioniers, sondern ein Experiment zur Erstellung eines Zeitraffer-Videos. Meine Olympus E-PL1 kann zwar Videos aufnehmen, aber hier ging es mir um den Zeitraffer-Effekt. Ich musste für meine Tochter ein neues Bett aufbauen (es ist MALM von Ikea), eine gute Gelegenheit das mal auszuprobieren. Und so geht's:
  • Kamera auf"s Stativ stellen, richtigen Ausschnitt wählen und weder Kameraposition noch Zoom später verändern.
  • Kameraeinstellungen: 400 ASA, Manuell, und Fokus nach einmal automatisch Scharfstellen auch auf manuell gestellt, damit auch hier alles gleich bleibt. Die Bildqualität habe ich auf low (1280 x 960 Pixel) eingestellt, das ergibt bei meiner Kamera ca. 250 KB große JPGs. Kleinere Einstellung geht bei der Kamera nicht, das Video habe ich später sowieso auf VGA (640 x 480)  runtergerechnet.
  • Dann kann's losgehen, einfach bei jedem Teilschritt eine Aufnahme machen, in meinem Fall waren es 72.
  • Zur Konvertierung der einzelnen Bilder in ein Video habe ich VirtualDub verwendet, eine GPL-Freeware, die viel mehr als das kann. Dazu zieht man nach dem Start der Software einfach das erste Foto der Serie per Drag&Drop auf die Programmoberfläche und speichert das Ergebnis unter "Save AVI..." als Video ab. Man kann, wenn man will noch mit den Einstellungen und der Kompressionsrate rumspielen, das hängt aber auch von den auf dem Rechner installierten Video-Codecs ab. Man erhält eine mehr oder weniger große Video-Datei (bei mir fast 90 MB, unkomprimiert). Das ist natürlich viel zu groß, um es so ins Netz zu stellen, daher...
  • Mit einer weiteren Freeware (Pazera Free Mov to Avi Converter) habe ich dann das AVI-file in ein mpg-Video verwandelt. Auch hier kann man noch mit den Einstellungen spielen. In meinem Falll ergab sich eine Dateigröße von 1.6 MB bei VGA-Auflösung. Das kann man heutzutage gut verschicken oder zu Flickr u.ä. hochladen. Blogger hier verkleinert die Video-Datei nochmal, so dass die oben gezeigte Auflösung schlechter ist, als das VGA-Original!
Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten so was zu machen. Viel Spaß beim selbst ausprobierem!

Nachtrag vom 1. Dezember 2013. Nachdem ich einem Kollegen vor 2 Wochen geholfen habe, 2 dieser Malm Betten (wieder) aufzubauen, wollte ich ihm dieses Video auf meinem iPhone zeigen, wo es nicht lief (Flash und iOS...). Daher hier eine weitere Variante per GIF, erstellt mit PhotoScape:

2011-05-18

Das erste Farbfoto...

...wurde heute vor 150 Jahren, am 17. Mai 1861 im Rahmen eines wissenschaftlichen Vortrags vor der Royal Institution vom Schotten James Clerk Maxwell gezeigt. Stielecht zeigt es ein Tartanband, ein Gewebe mit dem typischen Muster von Schottenröcken und ähnlichen schottischen Textilien. Man muss aber schon recht genau hinsehen, um das zu erkennen, denn Maxwells Foto gibt nicht die wirklichen Farben des Originals wieder, dazu reichte die Qualität der damals verwendeten Schwarz-Weiß-Materialien nicht aus. (Häh, Farbfoto auf S/W-Film? Erklärung: siehe unten...).
Maxwell ging es bei seinem Vortrag aber nicht um die Erfindung der Farbfotografie, sondern er wollte das Prinzip der additiven Farbmischung demonstrieren. Damals herrschte die Meinung, dass die drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb wären. Mit diesem Experiment wollte er beweisen, dass für die additive Mischung die Grundfarben Rot, Blau und Grün sind. Dazu beauftragte er Thomas Sutton, einen damals bekannten Fotografen und Erfinder, drei Fotos durch entsprechend farbige Filter aufzunehmen. Die entsprechenden Schwarz-Weißen Glasplatten wurden dann bei der Vorführung wieder durch die Filter deckungsgleich projiziert und lieferten entsprechend ein farbiges Bild.


Dummerweise waren die damaligen Schwarz-Weiß-Fotoemulsionen auf den Glasplatten hauptsächlich empfindlich für blaues Licht, etwas Grün wurde noch erkannt, aber die Platte, die durch den roten Filter aufgenommen wurde, zeigte fast überhaupt keine Zeichnung. Es gab damals noch keine panchromatische Sensibilisierung der Silberkristalle, die wurde erst Jahrzehnte später gefunden. Maxwells Farbdia war also weit entfernt von perfekter Farbwiedergabe. Er konnte aber mit seinem Experiment zeigen, wie es geht. Und tatsächlich: Auch heute noch verwenden die meisten Farbdisplays sein Prinzip. Ich erinnere mich noch gut an die ersten (riesigen) Videobeamer in den 1980er Jahren, die mit drei großen Projektionsobjektiven rote, grüne und blaue Bilder deckungsgleich auf die Leinwand warfen. Maxwell wird eigentlich nicht direkt zu den Fotopionieren gezählt, da stand er drüber. Er war einer der bedeutensten Physiker und Mathematiker des 19. Jahrhunderts und hat Grundlagen gelegt, auf denen Einstein, Planck und Co. die moderne Physik bauen konnten.

2011-05-14

Hama Diaschneidegerät

Das Ganze kann man auch mit einer Schere machen: Dias schneiden. Und das habe ich auch bei vielen meiner über 5000 Dias gemacht. Irgendwann Anfang der 90er bin ich dann günstig in Besitz dieses komfortablen Diaschneiders gekommen. Eingebaut ist ein Kühlschranklämpchen und aufgesetzt ist eine Lupe, womit manschon während des Rahmungsvorgangs die Dias genauer betrachten kann.
Viele kleine Details runden dieses Zubehör ab. Das Vorschubrädchen, die Griffmulde zum Entnehmen des abgeschnittenen Dias etc. Das Ganze Ding wirkt ein bißchen wie aus dem Braun Designstudio.

2011-05-08

Edwin H. Land

Edwin Herbert Land wurde heute vor 102 Jahren (am 7.5.1909) in Bridgeport, Connecticut geboren und man kann ihn als den letzten großen Pionier der analogen Fotografie bezeichnen. Er hat der Fotografie fast im Alleingang das Kapitel "Sofortbild" hinzugefügt und dass er auch noch den Polfilter erfunden hat, tritt weit hinter die Polaroid Kameras zurück, auch wenn diese Tatsache namensgebend für seine Firma war. Seine Karriere war genauso einzigartig wie erstaunlich: Seine Eltern, jüdische Einwanderer aus der Ukraine besaßen eine Schrottplatz, waren aber wohlhabend genug, um ihren Sohn nach Harvard zu schicken. Er studierte dort Chemie, schmiss das Studium aber schon im zweiten Semester und ging nach New York City, um in seiner Kellerwohnung an der Erfindung des Polfilters zu arbeiten. Es heißt, dass er nachts die Labore der Columbia Uni verwendet hat, um Experimente für seine Erfindung zu machen. Nach dem Durchbruch bei der Erfindung kehrte er nach Harvard zurück, hat aber nie einen Abschluss gemacht. Später hat er mindestens zehn Ehrendoktorwürden erhalten und auch seine Mitarbeiter bei Polaroid haben ihren Chef und Chef-Wissenschaftler mit Dr. Land angeredet. 

Edwin Land wurde als Technik-besessen beschrieben. Wenn ihn einmal eine Idee gepackt hatte, dann hat er solange an der Aufgabe gearbeitet bis er eine Lösung hatte. Schlafen, essen oder Kleidung wechseln waren in solchen Phasen unwichtig. Auf die Idee mit der Sofortbildkamera hat ihn angeblich seine dreijährige Tochter gebracht, als sie direkt nach der Aufnahme das Foto sehen wollte. Nur drei Jahre später (am 21. Februar 1947) demonstrierte Land den Prototyp der ersten Sofortbildkamera und kurz vor Weihnachten 1948 kam die Kamera auf den Markt und war ein toller Erfolg. Sein Meisterstück hat er 1972 mit der Polaroid SX-70 Kamera abgeliefert, der ersten faltbaren, vollautomatischen Sofortbildspiegelreflexkamera. Mein (oben abgebildetes) Modell SX-70 Sonar von 1978 war nebenbei die erste Autofokus SLR, einige Jahre vor den ersten Kleinbild-SLRs mit AF. Auch der SX-70 Film (natürlich in Farbe) war wieder ein Quantensprung, er entwickelte sich selbst bei Tageslicht ohne das Eingreifen des Fotografen. Dazu mehr hier in einem separaten SX-70 Post.
Edwin Land hat in seinem Leben 535 Patente erteilt bekommen und ist damit nach Thomas A. Edison (1097) der  zweitfleißigste Erfinder in der Geschichte des US-Patentwesens. Er verstarb, auch sonst hoch dekoriert, vor 20 Jahren am 1. März 1991 und musste den Niedergang seines Unternehmens Polaroid nicht mehr miterleben. 
Viel mehr über Edwin Land und Polaroid kann im Internet (z.B. hier) gefunden werden. Einfach mal googlen! Für Technikinteressierte sei aber besonders das Kapitel 12 in "Neblette's Handbook of Photography and Reprography" empfohlen, welches Edwin Land u.a. selbst geschrieben hat und umfassend über Film und Kameras informiert. Leider gibt es das Kapitel selbst nicht im Netz zu lesen, bei Amazon kann man das Buch aber manchmal günstig gebraucht erwerben.

2011-05-01

Filter

Im digitalen Fotozeitalter sind sie fast ausgestorben, denn Software oder der Bildprozessor in der Kamera kann in vielen (aber nicht allen!) Fällen ihre Funktion übernehmen: die Rede ist von fotografischen Filtern. Oben auf dem Bild ein Ausschnitt aus meiner Filtersammlung, die anderen, die ich noch zusätzlich besitze sind entweder doppelt oder haben lediglich ein anderes Filtergewinde. Von links oben nach rechts unten sind das...

1) Polfilter, der Filter schlechthin. Mehr dazu in einem zukünftigen Post.
2) Skylight-Filter. Habe ich einige, meist als ständiger Frontlinsenschutz auf dem Objektiv. Der Filter ist ganz leicht rötlich und entfernt so bläuliche Streustrahlung (Dunst) aus den Fotos.
3) Gelb-, 4) Orange- und 5) Grün-Filter, für die Schwarz-Weiß Fotografie, s.u.
6) ein blauer Kunstlichfilter, ermöglicht gelbsticharme Aufnahmen bei Glühlampenlicht auf Tageslichfilm. Kann man sich in Zeiten eines digitalen und automatischen Weißabgleichs kaum noch vorstellen.
7) Infrarotfilter, ganz was Spezielles, auch dazu gibt es einen eigenen Post.
They are almost extinct in the digital photo era, because software or the imaging processor in the camera can be used instead (at least in most cases). I'm talking about photographic filters. The image shows some out of my collection, the others I own in addition are either duplicates or just have another filter thread.
From top left to bottom right there are ...

1) polarizing filter, THE filter per se. More about that in a future post.
2) Skylight filter. I have some, mostly as a permanent lens protection. The filter is slightly reddish and removes scattered radiation (haze) from the photos.
3) yellow, 4) orange and 5) green filter, for black and white photography, see below
6) a blue incandescent light filter, allows shooting natural colors under incandescent lighting on daylight film. This need is hard to imagine in times of digital and automatic white balance.
7) Infrared filter, something quite special, also has its own post.

Um zu demonstrieren, welchen Effekt die farbigen Filter bei Schwarz-Weiß-Fotos zeigen, habe ich mal ein farbiges Digitalfoto genommen und genau solche Filter angewendet. Denn einen farbigen Filter zu benutzen heißt nichts anderes als die jeweiligen Komplementärfarben zu blocken. Man kann das mit einem Fotobearbeitungsprogramm ganz einfach nachstellen. Beispiel Gelbfilter: Man nimmt ein Farbfoto und setzt einfach den blauen Farbkanal auf Null. Das Bild erscheint dann sehr gelb. Wenn man dieses dann nach SW konvertiert, d.h. alle Farbsättigung rausnimmt bekommt man das selbe Ergebnis als wenn man durch den Gelbfilter fotografiert hätte.
Wie man sieht, haben die farbigen Filter einen Effekt auf die Grautonwiedergabe und können somit gestalterisch eingesetzt werden. Allgemein kann am sagen, dass die Farbe des Filters verstärkt (also heller dargestellt) wird, ähnliche Farben werden besser differenziert, die Komplementärfarbe wird jedoch abgeschwächt (dunkler dargestellt). Weitere Infos gibt es hier (SW-Fotografie) und hier (andere nützliche Filter).
For demonstration what effect the colored filters would do to a black and white photo, I took a digital photo and applied such filters virtually. Using a color filter is nothing else than blocking the respective complementary color. You can easily simulate this with a photo editor. For example the yellow filter: simply set the blue color channel to zero. The image will then appear very yellow. Converting this to B&W yields the same result as if you'd taken the photo through a yellow filter.
As you can see, the color filters have an effect on the distribution of the different grey levels and can be used creatively. General, as a rule of thumb: Colors similar to the filter color will be amplified (ie brighter) and get a better differentiation, the complementary colors become darker. More information can be found here (SW Photography) and here (other useful filters) .

2011-04-26

Metz Mecablitz 32 CT3


Dieser Computer Thyristor (daher CT3) Blitz war mein zweiter Elektronenblitz, ich habe ihn Anfang 1987 zur Vervollständigung meiner wachsenden Nikon Ausrüstung für 169 DM gekauft. Für den ersten (Vivitar 3200) habe ich wohl einen Käufer gefunden, ich erinnere mich nicht mehr so genau. Auch wenn es ein kleiner Metz ist, für mich war es ein Schritt in Richtung einer mehr professionellen Ausrüstung. Metz Blitzgeräte wurden (und werden) von den Profis genutzt und das Ding bietet bis auf die relativ geringe Leitzahl jeden Komfort den eine Kamera-Blitz-Kombi 1987 bieten konnte.
Zunächst einmal konnte man ihn sowohl nach links und rechts als auch nach oben schwenken. Damit war indirektes Blitzen und damit eine natürlichere Ausleuchtung möglich. Eine Streuscheibe ermöglichte die Verwendung von Weitwinkelobjektiven bis 28 mm. Ein Blick auf die Rückseite verrät die drei (gelb, blau und rot) Automatikmodi, die mit jeder (auch heutigen!) Kamera genutzt werden können.Weitere technische Daten können hier nachgelesen werden, eine Bedienungsanleitung gibt's hier.

Das Beste an dem Ding ist  aber das SCA300 System. SCA steht für System Camera Adapter und macht aus jedem Metz einen kompatiblen Systemblitz für fast jedes wichtige Kamerasystem. Man tauscht einfach den Standard SCA 301 (nur Mittenkontakt) gegen den Adapter für seine Kamera aus, meiner für die FE2 und andere Nikon Kameras heißt SCA 343, und schon kann man alle Spezialfunktionen nutzen, die die Kamera beim Blitzen bietet. Bei der FE2 war das insbesondere TTL Blitzen (Blitzmessung durch das Objektiv), 1987 konnten das noch nicht viele Kameras.
 
Ich bin kein großer Blitz-Fotograf, daher habe ich den Metz relativ selten, dann aber gerne benutzt. Oft war es aber so, dass wenn ich ihn mal brauchte, die Akkus alle und auch keine alternativen Batterien zur Hand waren. Das Ding funktioniert immer noch, vermutlich weil ich es all die Jahre geschont habe, vielleicht sollte ich mal ein paar Versuche mit meinen DigitalkniPPsen machen?

2011-04-21

Hannibal Goodwin

Hannibal Goodwin war ein Geistlicher der episkopalen Kirche in New Jersey, der heute vor 189 Jahren (1822) in Tompkins County im Staat New York geboren wurde. Neben seiner Tätigkeit als Prediger tüftelte er an einigen Erfindungen und meldete er am 2. Mai 1887 das US-Patent Nr. 610861 an. Er hatte damit, später amtlich beglaubigt, den Rollfilm auf Zelluloidbasis erfunden. Fotografieren  hieß damals, schwere und zerbrechliche Glasplatten mit sich herumtragen. Daher experimentierte nicht nur Goodwin mit Zelluloid, dem ersten thermoplastischen Kunststoff, der von John Wesley Hyatt ca. 20 Jahre vorher erfunden wurde, sondern auch der Chemiker Henry M. Reichenbach, der für George Eastman und seine Kodak Kamera einen transparenten Film entwicklen sollte. George Eastman, den viele zu Unrecht für den Erfinder des fotografischen Films halten, hatte gerade erst begonnen, seine Vision umzusetzen, Kameras und Fotomaterial für Jedermann zu verkaufen. Da kam ihm ein alternder Prediger mit dieser wichtigen Erfindung in die Quere!
Goodwins Sprache war als Geistlicher sehr blumig und als technischer und auch rechtlicher Laie hatte seine langatmige Patentanmeldung nicht die Präzision, William Burke, den Patentbeamten schnell zu überzeugen, das Patent zu erteilen. Erst als dieser auch Reichenbachs Anmeldung am 9. April 1889  auf den Tisch bekam  und Kodak sogar mit Produktion und Verkauf der Filme begann, kam Bewegung in die Sache. Goodwin war inzwischen im Ruhestand, hatte rechtliche Berater und durfte immer wieder Erläuterungen und Ergänzungen seiner Anmeldung anfügen. Dennoch zog sich das Verfahren noch über Jahre hin. Erst am 13. September 1898, Goodwin war schon 76 Jahre alt, wurde sein Patent endgültig erteilt. 

Nach diesem Erfolg gründete Goodwin seine eigene Firma, um den Film tatsächlich auf den Markt zu bringen. Zu dieser Zeit hatte Eastman Kodak in Nordamerika einen Anteil von 80% am enorm wachsenden Foto- und Filmmarkt. Leider kann Goodwin die Früchte seiner neuen Firma nicht mehr ernten. Er stirbt am 31.12.1901 und seine Witwe verkauft die Firma und mit ihr die Rechte an dem Patent an E. & H. T. Anthony Company  sowie Adams and Scovill, die sich bald darauf zusammenschließen und später in Ansco umbenennen.  Der neue Eigentümer bietet Kodak die Rechte an dem Patent für eine Million Dollar an, Eastman lehnt aber ab. Daraufhin verklagt Ansco Kodak, ein Patentverletzungsverfahren, was sich wieder Jahre hinzieht. Erst 1914, also fast 25 Jahre nach dem Beginn des Streites wird endgültig entschieden:  Eastman Kodak muss 5 Millionen Dollar an Ansco zahlen, die mit dem Geld ihre Firma ordentlich erweitern können. Nur zum Vergleich: Kodak verkaufte damals einfache Boxkameras für 1$ inkl. Film!
Kann man nun Hannibal Goodwin wirlich als Vater des fotografischen Films ansehen? Seine ursprüngliche Methode wurde in der angemeldeten Form nie verwirklicht und man kann Reichenbach und Eastman auch nicht vorwerfen, von Goodwin abgeguckt zu haben. Goodwin war einfach nur etwas schneller und hatte am Ende Glück, dass sein Patent in dem langen Verfahren Bestand hatte. Für die Arbeiten, den Film zur Marktreife zu entwickeln, gebührt Eastman und seinen Mitarbeitern Respekt. Dass sie am Ende ihrem Konkurrenten soviel Geld zahlen mussten, ist Ironie der Geschichte, hat dem Fotomarkt aber sicher gutgetan, denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Wer noch mehr Details zu dem Patentstreit nachlesen will kann das hier tun.
Zelluloid (Nitro-Zellulose) wird als Filmunterlage übrigends schon lange nicht mehr verwendet und wurde  schon vor fast 100 Jahren langsam durch Zellulose-Acetat (sog. Sicherheitsfilm) und später  auch Polyester ersetzt. Nitrozellulose ist nämlich höchst brennbar und unter bestimmten Bedingungen sogar explosiv. Viele Kinos sind abgebrannt, weil ein stehengebliebener Film sich an der heißen Projektionslampe entzündet hat. Zelluloid lässt sich nämlich von keinem Löschmittel mehr löschen, wie dieser Lehrfilm der freiwillen Feuerwehr in Laxenburg (Österreich) von 1965 eindrucksvoll zeigt:

2011-04-16

Ilford PE Fotopapier

Unter meinen Fotolaborsachen fanden sich einige angebrochene Packungen Ilford PE Fotopapier. Einige davon habe ich in den 80er und frühen 90er Jahren selbst gekauft, andere stammen noch von meinem Schwiegervater, der sie in den 70er Jahren gekauft hat. Ilford SW-Fotopapiere waren damals und sind es wohl bis heute der Marktführer für den SW-Heimlaborbedarf. 

Alle Papiere auf dem Bild oben tragen die Bezeichnung Ilfospeed, was die Bezeichnung für Polyethylen (PE) kaschierte Papiere ist. Ilford hat solche Papiere seit 1974 im Programm. Zwei dünne PE Folien umschließen das eigentliche Basispapier, darauf wiederum befindet sich die lichtempfindliche Gelatineschicht. Durch das Plastik wird verhindert, dass sich das Papier mit den Entwicklungschemikalien vollsaugt. Dadurch lassen sich PE Fotopapiere viel schneller prozessieren. Während der Entwicklungsschritt noch fast genauso lange dauert, wie beim klassischen Barytpapier, so können Fixierung und Wässerung in einem Bruchteil der Zeit erfolgen. Auch die Trocknung ist viel einfacher, man braucht keine Trockenpresse mehr. Daher IlfoSPEED!

Die Geschichte von Ilford ist sehr interessant und soll hier nur kurz erzählt werden, hier gibt’s mehr Details. Alfred Hugh Harman gründet 1879 in Ilford, Essex (heute ein Vorort von London) eine kleine Fotofirma, die sich ab 1900 Ilford Ltd nennt und sich in den nächsten Jahrzehnten zur führenden Fotofirma in Großbritannien entwickelt. In den 1950er Jahren steigt erst die ICI als Eigentümer ein, später auch die schweizer Chemiefirma Ciba, die ab 1969 alleinige Besitzerin von Ilford ist und die Reste der ehemaligen schweizer Fotofirma Telko mit Ilford vereinigt. Neben dem schon länger verwendeten englischen Hauptsitz in Mobberley bei Manchester wird Marly (bei Freiburg) in der Schweiz zweiter Hauptstandort von Ilford. 1989 wird die ganze Firma an International Paper (USA) verkauft, der auch die alten Ansco Aktivitäten in Binghampton, NY gehörten. 1997 ist mit IP's Fotoausflug schon wieder Schluss und Ilford wird an einen Finanzinvestor verkauft. Durch die digitale Fotorevolution gerät auch Ilford arg in Bedrängnis, der schweizer Teil wird an Oji Paper in Japan verkauft, der englische Teil unter dem Namen Harman Technology durch ein Management Buyout gerettet. Interessanterweise gehört die Marke Ilford heute den Schweizern (die als Ilford Imaging Switzerland GmbH jetzt wieder einem anderen Finanzinvestor gehören). Sie produzieren neben Inkjet-Fotopapieren die Color-Fotoprodukte. Harman technology Ltd. in England produziert und vermarktet die traditionellen Schwarz-Weiß Fotoprodukte noch unter dem Ilford Logo, alle neuen Entwicklungen (u.a. auch Inkjet-Papiere!) werden unter Harman vermarktet. Auf der Photokina 2006 war es besonders interessant. Dort gab es im Abstand von ca. 50 m zwei unabhängige Messestände  mit dem bekannten Ilford Schriftzug.

(Nachtrag im Herbst 2014): Die Geschichte geht natürlich weiter. Der englische Finanzinvestor Paradigm Global Partners LLP, der den schweizer Teil 2010 gekauft hatte, zieht sich im Sommer 2013 überraschend (wie es heißt) wieder zurück und treibt die Firma in eine Insolvenz, die letztendlich das endgültige Aus des Standortes in Marly und der Firma dort bedeutet. Die Markenrechte werden noch versilbert und gehören heute Chugai Photo Chemical Co. Ltd und CR Kennedy & Company Pty Ltd, einem japanischen und einem australischen Foto-Distributor. Beide gründen zusammen das Joint Venture ILFORD Imaging Europe GmbH, die Inkjet-Papiere und andere Produkte weiter vertreiben. Fragt sich nur, wer diese heute produziert? Harman Technolgy in England jedenfalls existiert immer noch und hat die klassichen Fotoprodukte wie z.B. S/W Film unter Ilford Photo nach wie vor im Programm. Mal sehen, wie es dort weiter geht....

2011-04-11

Soligor Weitwinkel Konverter

Ich habe es früher schon erwähnt: Ich bin ein bekennender Weitwinkel-Fan und da verwundert es nicht, dass sich in meiner Sammlung dieser Weitwinkel-Vorsatz befindet. Er machte aus den minimal 38 mm der Nikon Coolpix 4300 ein 26 mm Weitwinkel und das bei gleichbleibender Öffnung. Ich hatte schon beim Kauf der Kamera darauf geachtet, dass man Zubehör vor's Objektiv schrauben kann und dabei hauptsächlich an einen Weitwinkelvorsatz gedacht. Das es ein paar Monate später genau dieser werden würde, war nicht geplant.

An der Kamera ist das Ding ein ganz schöner Klotz, wie man sieht. Die optischen Leistungen sind bei 3 vergüteten Linsen in drei Gruppen sehr gut, man sieht den Bildern in keiner Weise an (Schärfe, Vignettierung o.ä.), dass hier ein Vorsatz im Spiel war. Trotzdem habe ich rückblickend doch nicht soviele Fotos damit gemacht, wie ich anfangs dachte. Das lag neben der Größe an folgendem: Der optische Sucher wird vom Vorsatz teilweise verdeckt und zeigt natürlich auch nicht den Weitwinkelausschnitt, ist also unbrauchbar; die verbleibende einzige Alternative mit dem Liveview auf dem wirklich kleinen Display der Coolpix ist auch kein Spaß.

Das Ding ist ein solides Stück Optik und besteht aus zwei Teilen. 1) dem eigentlichen Vorsatz mit 52 mm Filtergewinde; b) einem Filteradapter, der, tauscht man diesen aus, den Einsatz an verschiedenen Kameras erlaubt. Dabei muss man wissen, dass es gar nicht soviele kompakte Digitalkameras gibt, die ein Filtergewinde besitzen. Trotz des großen Filtergewindes von 52 mm kann man das Ding nicht an Kleinbildobjektiven etc. verwenden, dazu ist der Bildkreis zu klein.

2011-04-08

Peter Wilhelm Friedrich (von) Voigtländer

Heute vor 133 Jahren (1878) verstarb Friedrich Voigtländer, den man zu den Fotopionieren zählen muss. Er hat allerdings nicht wirklich etwas erfunden, sondern hatte das Glück des Tüchtigen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die nahe liegende Geschäftsidee zu einem bedeutenden Unternehmen auszubauen: Voigtländer, der älteste Kameraproduzent der Welt. 
Sein Großvater, der Erfinder  Johann Christoph Voigtländer hatte schon 1756 in Wien eine Firma gegründet und sein Vater Johann Friedrich Voigtländer machte daraus einen optischen Betrieb. Friedrich wurde am 17. November 1812 geboren und war 1839 gerade 27 Jahre alt, als mit der Daguerreotypie das erste wirklich verfügbare fotografische Verfahren von Frankreich aus seinen Siegeszug antrat. Er kaufte 1840 für (nur) 2000 Gulden dem Mathematikprofessor Josef Petzval seine damals überragende Objektivkonstruktion ab und verbesserte sie noch ein wenig. Dieses Objektiv baute er in die erste Kamera aus Metall überhaupt ein und machte damit ein Vermögen.
Der Erfolg beruhte auf der Tatsache, dass das Petzval-Objektiv mit einer Öffnung von 1:3.6 sehr lichtstark gegenüber den damals üblichen 1:16 Objektiven war, die nebenbei auch noch schlechtere Abbildungsleistungen aufwiesen. Damit konnten die notwendigen halbstündigen Belichtungszeiten auf 10-30 Sekunden verkürzt werden und somit waren endlich auch natürlich wirkende Portraits möglich, denn solange kann man gerade noch stillhalten. Die oben abgebildete Daguerreotypie von Friedrich Voigtländer gehört mit zu den ersten damit gemachten fotografischen Portraits.


Mit dem Erfolg kam auch der Streit zwischen Voigtländer und Petzval, der nicht am Gewinn des Unternehmens beteiligt war. Voigtländer verlegte den Firmensitz unter anderem darum von Wien nach Braunschweig, wo die Firma bis 1971 Kameras und Objektive unter dem Namen z.T. sehr erfolgreich produzierte. Seit 1956 gehörte die Firma zur Carl-Zeiss-Stiftung, nach der Insolvenz 1971 übernahm der Braunschweiger Lokalrivale Rollei die Marke, doch auch hier ohne langfristigen Erfolg gegenüber der erdrückenden Kamerakonkurrenz aus Fernost. Die Marke landet am Ende bei der Ringfoto-Gruppe in Fürth, die neben Speicherkarten und anderen Kleinigkeiten für Fotoamateure hochwertige Kameras und Objektive der Marke Voigtländer vertreibt. Wie geht das? Seit 1999 hat auch Cosina in Japan Rechte am altehrwürdigen Namen erworben und baut in guter Tradition hochwertige Messsucherkameras ("BESSA") und dazugehörige Objektive. Eines der wenigen Beispiele, wo ein traditionseicher Name wieder mit guter Qualität unterfüttert wird (ein Gegenbeispiel, siehe hier). Voigtländer (alias Cosina) ist im letzten Sommer dem FourThirds Konsortium beigetreten und bietet mit dem Nokton 25mm f0.95 ein wirklich erstaunliches Objektiv für µFT-Kameras wie meine Olympus E-PL1 an. Fehlt nur noch der Auto-Fokus. Na, und damit kann man fast sagen: Lang lebe Voigtländer!