2026-01-22

Agfa ISI-C (Typ K)

Zur Abwechslung mal keine Kamera oder Objektiv, sondern ein populäres Foto-Zubehör aus den 1970ern. Es handelt sich um ein einfaches Blitzgerät zur Verwendung von Blitzwürfeln des Typs N (Flash-Cube). Diese wurden 1965 vom Glühlampenhersteller Sylvania auf den Markt gebracht und waren eigentlich für einfache Kameras gedacht, die einen entsprechenden Flash-Cube Halter eingebaut hatten. Am Besten so einen, der beim Filmtransport auch den Würfel um 90° gleich mit dreht. Wie zum Beispiel die Kodak Instamatic 104. Eigentlich ist das Ganze mehr als ein Halter, sondern ein eingebautes Blitzgerät, da die Kamera zur Zündung der Blitzbirnchen im Würfel eine Batterie und einen Kondensator brauchte.

Wie viele andere Kamera- und Zubehörhersteller hatte auch Agfa seit 1952 einige Blitzgeräte im Programm, meist waren es einfache Kondensator-Modelle für verschiedene Blitzbirnchen. 1963 kommt das Modell ISI in die Fotoläden, ein sehr kompaktes, quaderförmiges Gerät mit eingebautem relativ kleinen Reflektor für den Zuberhörschuh. ISI gab es in den beiden Varianten K (mit Kabel) oder M (Mittenkontakt, hot-shoe). 

In dessen Tradition bringt Agfa im Jahr 1976 ISI-C (ebenfalls in beiden Varianten) auf den Markt. der kleine schwarze Plastikquader ist noch kompakter als der alte ISI, bringt doch der Blitzwürfel seine eigenen Reflektoren mit. Im Gehäuse wird nur noch die Batterie (6V, PX23) und der Kondensator versteckt. Eine Automatik zum Drehen des Würfels nach der Aufnahme gibt es nicht, da muss der Fotograf selbst dran denken. Eine Entfernungs-/Blenden-Tabelle (Leitzahl 15) und ein kleines abgerundetes Plastiketui für den Kameragurt runden das Produkt ab.

1976 ist die Zeit der Blitzbirnchen und entsprechender Blitzgeräte eigentlich vorüber. Der ISI-C dürfte einer der letzten Kondensatorblitzer gewesen sein, die auf den Markt gekommen sind. Der gehörte längst den Elektronenblitzern, die ab Mitte der 70er sogar von deren zweiter Generation (Computer-Blitz) abgelöst wurden. Auch Agfa ist 1963 mit dem Agfatron auf diesen Zug aufgesprungen. Diese mit der Elektronik-Revolution Anfang der 1970er erschwinglich gewordenen Geräte blitzten einmal erworben und aufgeladen quasi umsonst, während Blitzbirnchen und auch Blitzwürfel ein teurer Spaß waren.



2026-01-08

Carl Zeiss Jena Sonnar 135 mm f/4

Zusammen mit der Exa 500 bekam ich neulich auch dieses Schätzchen geschenkt. Es handelt sich um das zahlenmäßig erfolgreichste Wechsel- bzw. präziser Zusatzobjektiv von Carl Zeiss Jena, gerechnet und gebaut ab ca. 1932 zunächst für die Contax, dann nach dem 2. Weltkrieg in verschiedenen Wechselfassungen und Design-Versionen. Angeblich wurden bis 1988 in Jena 470.000 Exemplare gebaut, die meisten davon allerdings in der ab Ende der 1960er leicht verbesserten Version mit f/3.5 (bei nahezu gleichem Linsenschnitt). Nicht eingerechnet sind die Kopien, hauptsächlich das optisch identische Jupiter 11, was in der Sowjetunion bis Mitte der 1990er in ähnlicher (oder noch größerer) Anzahl produziert wurde. Aber auch in Japan wurden entsprechend konstruierte Nikkore, Takumare und andere Abkömmlinge in hohen Stückzahlen gebaut. Insgesamt dürften die Zahl derart gebauter 135er durchaus 7-stellig gewesen sein.
Erfunden bzw. gerechnet wurde dieses Objektiv ca. 1930 von Ludwig Bertele, der auch schon das berühmte Sonnar 5 cm f/1.5 erschaffen hat. Obwohl beide Male Sonnar drauf steht und trotz einiger anderer Gemeinsamkeiten handelt es sich beim Teleobjektiv um eine eigenständige Konstruktion. Charakteristisch ist seine verglichen mit der Brennweite verkürzte Bauweise und der Aufbau aus nur vier Linsen, wovon Nr. 2 und Nr. 3 auch noch verkittet sind (4/3 Linsen/Gruppen). Die außergewöhnlich dicke Blei-Flintglas-Linse im Zentrum macht solche Tele-Sonnare vergleichsweise schwer. 

Bertele rechnete dieses Objektiv noch zu Zeiten als die Antireflexvergütung noch nicht erfunden war und jeder Glas-Luft Übergang zu ungewünschten Reflexionen und damit Kontrastverlusten führte. Mit nur 4 Linsen und 6 Glas-Luft Übergängen schuf er durch geschickte Kombination der Glassorten und Linsenradien ein technisches Meisterwerk, bei dem die wesentlichen Abbildungsfehler Astigmatismus, Koma, Farbfehler und Bildfeldwölbung so gut wie eliminiert sind bei gleichzeitig hervorragenden Auflösungs- und Kontrastwerten bereits bei offener Blende.

Spätere Optimierungen (von Bertele selbst und anderen) nutzten dann die (Mehrschicht-) Vergütung und neue Glassorten, um die Lichtstärke sowie die Abbildungsleistungen noch weiter zu erhöhen, bzw. noch kompaktere und leichtere Teleobjektive zu bauen. Dazu wurde die Verkittung meist wieder aufgelöst (4/4), die Grundkonstruktion aber im wesentlichen beibehalten. Im Januar 1937 wurde eine von Bertele selbst durchgeführte Optimierung (vermutlich inkl. der Vergütung) in die Produktion überführt. Diese Konstruktion wurde dann bis Frühjahr 1965 unverändert produziert.

Mein Exemplar hier stammt von 1967, besitzt eine hauptsächlich aus Aluminium bestehende Fassung im klassischen Zebra-Design der 1960er und natürlich die einfache Vergütung der Linsen, erkennbar am blauen Schimmer. Carl Zeiss Jena hatte im Frühjahr 1965 eine Optimierungsrechnung mit anderen/besseren Glassorten durchgeführt und damit die Lichtstärke leicht auf f/3.5 erhöht. Das entsprechende Update ging dann im April 1965 in Produktion. Interessanterweise wurde kurze Zeit später noch ein Los (22.000 Exemplare) einer f/4-Version (ebenfalls neu gerechnet) mit Exakta- Bajonett gebaut, was bis 1969 im Programm war. Ich denke, ich habe ein solches hier vor mir…


Datenblatt Erfolgreichstes KB-Wechselobjektiv von Carl Zeiss Jena und Archetyp vieler mittlerer Teleobjektive mit 135 mm Brennweite.
Kamera-Anschluss Exakta-Bajonett, auch erhältlich für M42 und andere Anschlüsse.
Fokussierung Manuell, kürzeste Distanz 1 m.
sonst. Ausstattung Filtergewinde 49 mm
Maße, Gewicht ca. 94 x 66 mm, 395 g. 
Baujahr(e) ca. 1932 - 1988, in dieser Form 1965 -1969. Dieses #8248555 von 1967.
Kaufpreis, Wert heute ca. 200 Mark, heute ca. 50€
Links ZeissIkonVEB, Wikipedia (DE), Wikipedia(EN), Klassik-Cameras
Bei KniPPsen weiterlesen Sonnar 5cm f/1.5, CZJ Tessar 40 mm, Isconar 135 f/4, Paul RudolphPiere Angénieux und Harry Zöllner